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Schloss Kirchstetten: Giuseppe Verdi RIGOLETTO Premiere 3.8.2013

05.08.2013 | KRITIKEN, Oper

Mantuas Palast diesmal in Kirchstetten

Schloss Kirchstetten
Giuseppe Verdi   “RIGOLETTO”

Premiere  3.August 2013

Ján Durco und Maria Taytakova, Rigoletto und Gilda

Rund 80 Straßenkilometer trennen das größte Opernhaus Österreichs in Wien von der, unter dem Slogan “Das kleinste Opernhaus Österreichs” antretenden winzigen Bühne im Schloss Kirchstetten. Bekannteste Vorbesitzer des Gebäudes waren die Mitglieder des Hauses Suttner, in deren Familie die österreichische Preisträgerin für den Friedensnobelpreis Bertha von Suttner im Jahre 1876 einheiratete. Tatsächlich gelingt es den Veranstaltern, die Besucher eines Opernabends im Maulpertsch-Saal – mehr als 180 Karten werden nicht aufgelegt und mehr hätten auch nicht Platz – mit dem Genre Oper in Tuchfühlung zu bringen, gelingt es die Intimität des freskengeschmückten Saales, die kerzenbeleuchteten Gänge und Treppen, das Mystische des alten Gemäuers als besonderen Zauber wirken zu lassen. Ja, man hat fast das Gefühl, man wäre Gast bei der Soiree eines adeligen Gutsherrn oder eines fürstlichen Gastgebers. Natürlich ist es nicht so, Veranstalter ist der Verein “Kultur im Schloss Kirchstetten” und bringt bereits seit 1999 diverse klassische Opern zur Aufführung.

Da sorgt also die Regie unter Csaba Némedi für Auftritte aus den Seitentüren, mitten ins Publikum, tatsächlich in dessen Tuchfühlung mit dem Geschehen. Die kaum zwanzig Quadratmeter große (bzw.kleine) Bühne befindet sich in Saalmitte, die einsatzfreudigen zwölf Mitglieder des Orchesters an der Hinterseite. Abgesehen von den etwas auffälliger bunten Kleidern des Rigoletto und der Gilda und des als “Signore Maledizione” im Programmheft bezeichneten Monterone in seiner schwarz-schaurigen Adjustierung als grauer Bote mit Zylinder tragen der Herzog und die Hofschranzen heutiges Zivil. Die Züricherin Gianpiera Bühlmann hat das entworfen.

Gergely Boncsér als Herzog

Da wird also gespielt und gesungen in manchmal handgreiflicher Nähe zum Zuschauer, intensiv und packend. Der aus Miskolc stammende Lirico-spinto Gergely Boncsér singt sich feurig die Seele aus dem Leib zur Eroberung seiner Gilda und dann erst recht bei Maddalena, sein Ständchen hat drängende Eleganz. Maria Taytakova stellt eine hübsche zierliche Gilda auf die Bühne, sichtlich blind bis ihr die Rachegedanken Rigolettos die Augen “öffnen”. Auch im letzten Winkel von Niederösterreich gibt es kleine Zugeständnisse an das Regietheater! Tadellos meistert sie die Koloraturen und die dramatischen Zuspitzungen.

Ján Durco ist optisch und hörbar bereits ein Routinier als Rigoletto, als Schauspieler besonders in der Szene mit den “Cortigiani” packend und auch gesanglich raumfüllend, wenngleich manchmal an seine stimmlichen Reserven stossend. Gelu Dobrea empfahl sich als Monterone und auch als Sparafucile mit einem schwarz getönten Bass, Jaroslava Pepper ist als seine Schwester sehr verführerisch, zumindest optisch. Als “Madama Destino” tritt laut Programmheft Etelka Polgár auf, als Gräfin Ceprano und Giovanna und auch als Page ist ihr Sopran unterwegs, in allen diesen Rollen unübersehbar.

Aus der Schar der Cortigiani ragten hervor der Kärntner Josef Pepper als Graf Ceprano, Patricio Ramos-Pereira als Marullo und Hans-Jörg Gaugelhofer als Borsa. Fast allen genannten Sängerinnen und Sängern dieses Abends ist leider eines gemeinsam: Ihr Italienisch klingt mal mehr, mal weiniger unidiomatisch, ist wortundeutlich, klingt nach einer Art Opernesperanto. Leider ist das auch auf den großen Bühnen immer öfter anzutreffen und wirkt sich hörbar negativ auf Vortrag und Gesangslinie  aus.

Hooman Khalatbari, der Iraner mit Ausbildung in Graz, brachte eine Wiedergabe dieser Verdi-Oper zuwege, so gut, wie man es nur mit einem Orchester mit zwölf Mitgliedern zuwege bringt. Gerade der 3. Akt mit der Gewittermusik und der Ermordung Gildas brachte packende Dramatik. Geschickt wurde er mit dem Handicap fertig, mit dem Rücken zur Bühne und zu den Sängern stehen zu müssen.

Fazit: Man kann sich wegen des Ambientes, der Spontanität und Begeisterung aller Beteiligten und der Nähe zum Geschehen auf eine Bekanntschaft mit diesem Festival einlassen. In der nächsten Saison ist Mozarts “Giovanni” auf dem Programm. So etwa wie dieser Ort könnte das Umfeld des Verführers ausgesehen haben.

 

Peter Skorepa
Bühnenfotos: MERKEROnline/Skorepa
Foto Schloss Kirchstetten: meinbezirk.at
Weitere Vorstellungen am 7.,9.,10.,14.,16.August (20:00 Uhr) und am 17.August (19:00 Uhr)

 

 

 

 

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