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SCHAFFHAUSEN/ Schweiz: „I CAPULETI E I MONTECCHI“ von V. Bellini/ – Romeo und Julia am Rhein.Gastspiel Biel

25.11.2021 | Oper international

Vincenzo Bellini: I Capuleti e I Montecchi • Gastspiel Theater Orchester Biel Solothurn Stadttheater Schaffhausen • 23.11.2021

(5. Vorstellung • Premiere in Biel am 05.11.2021)

Romeo und Julia am Rhein

Seit 1867, als das vom in London wohnhaften Schaffhauser Kaufmann Johann Conrad Imthurn gestiftete Theater eröffnet wurde, wird in Schaffhausen institutionalisiert Theater gespielt. Am 1. August 1864 hatte Imthurn seiner Vaterstadt 10’000 Pfund Sterling (250’000 Franken) gestiftet, um Musik, Kunst und Bildung unter einem Dach zu vereinen. Nach einer Volksabstimmung im Oktober 1953 wurde das «Imthurneum» genannte Haus wegen drohender Einsturzgefahr abgerissen (in diesen Jahren in der Schweiz nicht das einzige Theater in miserablem Zustand) und nicht, weil man sich ein moderneres Haus wünschte. 1956 wurde das neue Theater, ebenfalls mit einem runden, kuppelbedecktem Zuschauerraum, am Platz des alten eröffnet. Bis auf wenige Jahre in der Zwischenkriegszeit wird das Schaffhauser Theater von Gastensembles bespielt. Zu den Enbsembles, die regelmässig hier gastieren, gehört auch das TOBS (Theater Orchester Biel Solothurn). Es zeichnet den ambitionierten Schaffhauser Spielplan aus, dass das TOBS in dieser Saison auch mit «Eiger», einer Uraufführung der Oper von Fabian Müller, einem der bedeutendsten Schweizer Komponisten unserer Zeit, zu Gast ist (https://www.stadttheater-sh.ch/vorstellungsdetails/eiger/).

Aktuell - Stadttheater Schaffhausen

© Stadttheater Schaffhausen

Die ausgesprochen werkdienliche Inszenierung von Bellinis Frühwerk kann auch im intimen Rahmen des Stadttheaters Schaffhausen ihre volle Wirkung entfalten. Regisseur Yves Lenoir vermeidet in seiner Inszenierung jegliches Kostümfest und bringt die Oper als Drama zwischen vier traumatisierten Personen auf die Bühne. In diese vier Personen kann sich der Zuschauer problemlos hineinfühlen. Und Traumata sind nun mal wenig ästhetisch. Entscheidend ist, dass die relevanten Vorgaben des Libretto gewahrt werden, und das ist bei dieser Inszenierung immer der Fall. Da Giulietta, wie vom Libretto vorgegeben, nur scheintot ist, spricht nichts dagegen, dass sie zum Finale wieder im Vollbesitz ihrer Kräfte ist.

Daniel Reumiller gelingt es mit kräftigem Bariton wunderbar den Capellio als gebrochenen Mann, hin und her gerissen zwischen Trauer und Sehnsucht nach Friede und, als Familienoberhaupt, Vertreter unnachgiebiger Härte zu zeigen. Eindrücklich, wie Aoife Gibney, die schon vor zwei Jahren als Regimentstochter begeistert hat, die Entwicklung von der auf Grund ihrer Gewalterfahrung rebellierenden Tochter (darum säuft und raucht sie und pflegt ihr Äusseres nicht so, wie es die Eltern-Generation wohl hätte) zur geerdeten jungen Frau zeichnet Josy Santos gibt mit ihrem feurigen, wohltönenden Mezzo erneut einen Romeo von grossartiger Bühnenpräsenz. Gustavo Quaresma singt verlässlich den Tebaldo. Die Höhen sind seine Sache nicht. Jonathan Macker ergänzt das Ensemble als Lorenzo.

Kräftiger Applaus des Publikums.

Weitere Aufführungen:

Aufführungsdaten Biel:

Fr. 26.11.21, 19:30; So. 28.11.21, 17:00; Di. 07.12.21, 19:30; Do. 09.12.21, 19:30.

Aufführungsdaten Solothurn:

Do. 16.12.21, 19:30; Sa. 18.12.21, 19:00; Do. 30.12.21, 19:30; Mi. 26.01.22, 19:30.

Auswärtige Vorstellungen

Sa. 04.12.21, 19:30, Theater La Poste Visp; Sa. 15.01.22, 19:30, Kultur im Podium Düdingen;

Do. 03.02.22, 19:00, Theater Winterthur; Sa. 05.02.22, 19:00, Theater Winterthur;

So. 06.02.22, 14:30, Theater Winterthur.

 

24.11.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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