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SAVONLINNA: MACBETH

14.07.2013 | KRITIKEN, Oper

Savonlinna: MACBETH (13.7.2013)

Die Wiederaufnahme von Verdis ”Macbeth” erreichte endlich das Niveau, das man von einer Festspielaufführung erwarten sollte. Hier stimmte alles: eine Regie (RALF LÅNGBACKA), die auf der Bühne und nicht im Programmbuch stattfand und sich nicht zwischen Werk und Zuschauer stellte, eine Ausstattung (ANNELI QVEFLANDER), die sich perfekt der Burg Olavinlinna anpasste und fantasievoll für schnellen Szenenwechsel sorgte, ein Dirigent (JAN LATHAM-KOENIG), der sich nicht als nur untertäniger Diener des Bühnengeschehens verstand, sondern dieses vom Pult aus durch klare Impulse steuerte, sowie ein sorgsam ausgesuchtes Stück-Ensemble, das keinerlei Schwachpunkte aufwies. Herz, was willst du mehr?!

 Wie die Produktionen des „Fliegenden Holländers“ und der „Zauberflöte“ erreichte in der Vergangenheit auch dieser „Macbeth“ Kultstatus, und es sollte Regisseuren und Intendanten zu denken geben, dass diese Inszenierungen sich dank ihrer zeitlosen Gültigkeit immer noch bester Frische erfreuen, während andere, scheinbar „moderne“, aber wohl doch eher lediglich „modische“ Produktionen rasch veralten. Långbackas „Macbeth“ ist jedenfalls auch heute noch so frisch wie zur Premiere im Jahre 1993, auch dank der Fähigkeit des theatererfahrenen Regisseurs, seine Konzeption nicht neuen Protagonisten überzustülpen, sondern deren Persönlichkeit mit in seine Regie einzubeziehen. Während viele der heutigen Regisseure glauben, einem Werk durch Verlegung in die jetzige Zeit „Modernität“ verleihen zu müssen, verlangt Långbacka vom Zuhörer die Fantasieleistung ab, sich zum Werk, zum Komponisten zu begeben. Der einhellige Erfolg des gestrigen Abends bewies, dass das Publikum damit nicht überfordert ist.

 Jan Latham-Koenigs Dirigat war ganz im Stile eines Toscanini, Solti oder Muti – straffe Tempi, doch durchaus sängerfreundlich, durch präzisen Schlag stets Bühne und Graben zusammenhaltend. Ein überlegener Theater-Kapellmeister, der kleinste Unebenheiten schnell ausbügelte, auch davon profitierend, dass Anneli Qveflander ein Bühnenbild entwickelt hatte, in dem sich der Klang optimal ausbreiten konnte. Somit kam der wundervolle Klang des fantastischen Chores der Savonlinna-Opernfestspiele (Einstudierung: MATTI HYÖKKI) unbeeinträchtigt zur Geltung.

 Für jede Interpretin der Lady Macbeth dürfte es nicht einfach sein, auf eine Cynthia Makris zu folgen, die diese Produktion seit 1993 geprägt hatte – weniger durch ihre Stimme, die ich immer als wenig individuell timbriert empfunden hatte, als vielmehr durch ihre überragende Persönlichkeit. Dass dies der neuen Lady Macbeth CSILLA BOROSS gelang, zeugt von der Qualität der Ungarin, die – mehr noch als Makris – zu einer Einheit aus dramatisch-metallischer Stimme (lediglich in den Spitzentönen Grenzen erkennen lassend) und ausdrucksstarker Darstellung fand. Eine beeindruckende Leistung, die vom enthusiasmierten Publikum entsprechend gefeiert wurde. Es gehört Stärke dazu, auf der Bühne Schwäche darzustellen. Der neue Macbeth (STEPHEN GAERTNER) besaß diese Fähigkeit in hohem Maße, und auch wenn ich in seiner Stimme vom Timbre her nicht die eines genuinen Verdi-Baritons erkennen konnte, begeisterte auch er durch die Kraft seines Vortrags, durchaus nicht einseitig auf forte-Attacke setzend, sondern z.B. in seiner Todes-Arie sehr zu klangschönem piano findend. Damit knüpfte er nahtlos an die (in ihrer Individualität sehr unterschiedlichen) Savonlinna-Macbeths von Jorma Hynninen und Juha Uusitalo an. Bei CARLO COLOMBARAs Banquo konnte man geradezu im Wohlklang seines noblen Basstimbres baden, nur bedauernd, dass diese Partie so kurz war. Savonlinna hörte in der Vergangenheit mit u.a. Peter Lindroos und Raimo Sirkiä ganz ausgezeichnete Interpreten als Macduff. Der mir bis dahin unbekannte ALEJANDRO ROY erhielt für seine Arie großen Beifall. Eine interessant timbrierte Stimme, die auf dramatische Aufgaben hinzuweisen schien. Jedoch wäre es einmal interessant zu hören, ob der Spanier auch zu einem piano fähig wäre, anstatt einseitig auf kraftvolle Entfaltung seines Organs zu setzen. Mit HANNU JURMU war der Malcolm einmal mit einem Tenor besetzt, der gegenüber seinem Tenorkollegen nicht abfiel, und im Ensemble der kleineren Rollen war mit ADRIANA BASTIDAS-GAMBOA eine auffallend schöne Stimme als Kammerfrau Lady Macbeth zu entdecken, von der ich gerne mehr hören möchte.

 Fazit: Es gibt sie also noch – die klassische Savonlinna-Vorstellung, bei der alles stimmt. Bitte mehr davon!

 Sune Manninen

 

 

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