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SAN LORENZO IN CAMPO/Teatro Tiberini: PREMIO TIBERINI

16.08.2015 | Konzert/Liederabende

SAN LORENZO IN CAMPO/Teatro Tiberini: PREMIO TIBERINI am 13. 8.2015

Traditionsgemäß immer im selben Zeitraum wie das Rossini Opera Festival findet in San Lorenzo in Campo seit nunmehr bereits 24 Jahren die Verleihung des Premio Tiberini statt.

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Gregory Kunde, Fiorenza Cedolins, Chiara Amarú. Copyright. San Lorenzo in campo

San Lorenzo in Campo ist ein unbedeutendes Kaff, ca. eine Stunde von Pesaro entfernt, von dem Sie nicht unbedingt gehört haben müssen. Der daselbst geborene Tenor Mario Tiberini (1826 – 1880) könnte Opernliebhabern aufgrund seiner bedeutenden Weltkarriere hingegen durchaus geläufiger sein – wenn er Schallplattenaufnahmen gemacht hätte.

Die Laurentiner haben ihm – dem einzigen halbwegs bekannten Sohn des Dorfes – zu Ehren das entzückende Teatro Trionfo in Teatro Tiberini umbenannt und allein schon der Besuch dieses aus dem 18.Jahrhundert stammenden, winzigen(nur 180 Zuachauer fassenden) Schmuckstücks lohnt die Anreise nach San Lorenzo. Anlässlich besagter Preisverleihung natürlich noch mehr.

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Giosetta Guerra, Gregory Kunde. Copyright: San Lorenzo in campo

Wie es Giosetta Guerra gelungen ist, seit fast einem Vierteljahrhundert von Anfang an ausschließlich Sänger-Weltstars (u.a. Samuel Ramey, Sonia Prina, Michael Spyres, Luciana Serra, Francesco Mieli, Chris Merritt, Juan Diego Florez, Mariella Devia etc.etc…) in diese Bonsai-Oper in einem entlegenen märkischen Dorf zu locken, bleibt wohl ihr süßes Geheimnis. Es mag unter Umständen daran liegen, dass man dieser Naturgewalt von einer Frau – wie sich Bürgermeister und Sparkassensponsor bei den Laudationes ausgiebig „beschwert“ haben – einfach nicht nein sagen kann.

Giosetta – an der eine Fernsehpräsentatorin verloren gegangen ist – führte kenntnis- und geistreich durch den äußert unterhaltsamen Abend.

Die heurigen Gewinner des „Tiberini d’Oro“ waren Gregory Kunde und Fiorenza Cedolins. Und das Gute dabei war, dass sie nicht nur, sich artig bedankend, die vergüldeten Plaketten in Empfang nahmen, sondern auch – und das in sehr großzügiger Weise – „Proben ihres Könnens“, sprich: die Highlights ihres Repertoires, zum Besten gaben.

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Fiorenza Cedolins war am Anfang bei „Vissi d’Arte“ – sich für eine sich am Strand zugezogene Verkühlung entschuldigend, noch etwas klamm, lief aber dann, z.B. bei Adriana Lecouvreur, zu großer Form auf.

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Gregory Kunde wiederum, von seinen Aida-Auftritten in der Arena von Verona bereits „warmgesungen“, startete vollsaftig mit Verdis Otello, war aber dann am Schluss bei „Vincerò“ schon so hörbar erschöpft, dass er kein Bis mehr gewährte.

Die Gewinnerin des Nachwuchspreises „Tiberini d’Argento“, Chiara Amarù sang Arien der Rosina und der Cenerentola, Partien, mit denen sie trotz ihres jungen Alters bereits große Karriere macht.

Wir freuen uns auf die „silberne Hochzeit“ des Premio, auf eine weitere Preisverleihung mit Gesangskoryphäen im intimen Rahmen im nächsten Jahr.

Robert Quitta, San Lorenzo in Campo

 

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