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SAMSTAG, 5. JÄNNER 2019

05.01.2019 | Allgemein, Tageskommentar

 
Foto: Website Theater an der Wien

Schauspieler inszenieren Oper – noch einer! Christoph Waltz

Woody Allen tat es, in unseren Breiten waren es Tobias Moretti oder Herbert Föttinger, auch Robert Meyer inszeniert manchmal Opern, Schauspieler machen das offenbar von Zeit zu Zeit gern.

Also, wir waren zwar nicht zur Pressekonferenz eingeladen (no hard feelings, die Staatsoper bittet uns immer zu ihren Gesprächen, aber das Theater an der Wien ist halt anders), dennoch ist die Tatsache, dass Christoph Waltz (der gute Mann hat zwei wohl verdiente „Oscars“, schlägt also die heimische Prominenz bei weitem) 2020 im Theater an der Wien den „Fidelio“ inszenieren wird, so etwas wie die Meldung des Tages.

Waltz hat schon, wenn er nicht sehr gute oder auch durchaus weniger gute Filme macht, Oper inszeniert, – 2013 „Rosenkavalier“, 2016 „Falstaff“, beide Male in Antwerpen -, und ich nehme an, er hat ein interessantes Konzept vorgelegt, oder reicht einfach ein berühmter Name? Wenn Dirigent Manfred Honeck (er und Waltz sind jahrzehntelang befreundet, nennt man so etwas dann „Seilschaft“?) meint, Beethoven sei für ihn „der revolutionärste und aufregendste Komponist überhaupt“, so sagt er ja nichts Falsches. Das sollte sich dann halt auch auf der Bühne bemerkbar machen.

Dass man „Fidelio“ selten richtig machen kann, hat sich vielfach herausgestellt (das hat doch Föttinger im Theater an der Wien zuletzt im Nazi-Look verbockt?). Und dass der gute alte Schenk (da sprechen wir aber nicht von einem inszenierenden Schauspieler, der hat schon einen Extra-Beruf aus dem Regieführen gemacht) nach wie vor in der Staatsoper eine wunderbar bedrohliche, starke Inszenierung zu bieten hat, legt die Latte ziemlich hoch. Wir werden es uns, so Gott will, mit Interesse ansehen, was Waltz einfällt…

Besetzung gibt es – offiziell – noch keine, wohl aber Aufführungsdaten ( 18. / 20. / 23. / 25. / 27. März 2020, 19.00 Uhr) und die Möglichkeit, für alle außer der Premiere jetzt schon Karten zu bestellen. Aber man soll nicht übermütig sein – 14 Monate voraus zu planen, würde bedeuten, mit dem Schicksal zu pokern, oder?

Tenöre dirigieren – noch einer! Bejun Mehta

Neulich hatte ich Gelegenheit, mit Gregory Kunde zu sprechen, der morgen in der Staatsoper den Andrea Chenier singen wird. Der Mann dirigiert auch! Da fielen mir doch gleich Placido Domingo ein, Peter Schreier und José Cura, Kunde hat meine Liste um Dmitry Korchak oder Giuseppe Sabbatini ergänzt, „Das scheint so eine Tenor-Sache zu sein, nicht wahr?“, meinte er. Und nun schwingt auch Countertenor Bejun Mehta den Taktstock.

Markus Thiel hat für den „Münchner Merkur“ nach den Ursachen geforscht, warum ein berühmter, erfolgreicher Sänger sich das antut. Eine Erklärung des 50jährigen lautet: Eines Tages werde ich merken, dass ich mit der Stimme nicht mehr so umgehen kann, wie ich mir das vorstelle. Dann, klick, mache ich etwas anderes.

Und da Dirigenten meist sehr alt werden, ist das ja nun wirklich ein „Karriere-Verlängerer“, wie man ihn sich nur wünschen kann… Was Mehta künftig konkret wann wo dirigieren wird, ging aus dem Artikel nicht hervor.

Cecila Bartoli: Die selbst bestimmte Karriere

In Zürich steht sie derzeit als Händels Semele auf der Bühne und macht die Schweizer, denen sie immer treu geblieben ist, nunmehr seit 30 Jahren glücklich. Ein Jubiläum, das man dort zu schätzen weiß.  (Man müsste derzeit direkt nach Zürich fahren, da könnte man nebeneinander die Bartoli und noch Bryn Terfel in „Sweeny Todd“ in der Oper sehen!)

In Wien haben wir diese Cecilia Bartoli nie richtig zu fassen bekommen, ihre Nicht-Präsenz in der Staatsoper (einmal kam sie mit Muti ins Theater an der Wien, um die Despina zu singen) ist legendär, im Theater an der Wien (nun als selbständiges Opernhaus) hatten wir sie vor ewigen Zeiten (bei einer Festwochen-Produktion) einst als Haydns Euridice, dann  2010 auch als wundervolle Semele, dann aber sang sie nur eine halbe Serie vom „Comte Ory“. Immerhin ist sie irgendwie doch in Österreich angekommen, und zwar durch die Pfingstfestspiele Salzburg, die sie seit 2012 leitet. Deren Erfolg basiert nicht zuletzt auf den wirklich stringenten konzeptionellen Überlegungen, die da Jahr für Jahr sichtbar werden – und auf den Auftritten der „Chefin“.

Wenn die Neue Zürcher Zeitung der 52jährigen nun einen „Huldigungsartikel“ widmet, so stellt sie das Wesentliche dieser Künstlerin fest: So ist das einzig Klischeehafte an Cecilia Bartoli womöglich dies: dass sie sich immer schon so gar nicht den Erwartungen fügen wollte, die der glamourverliebte Opernzirkus an einen «Weltstar» richtet.

Und das ist lebenslang an ihr aufgefallen. Sie ist nicht auf der Suche nach den großen Partien durch die großen Häuser gehetzt (wobei man den Sängern, die das tun und wollen, ja keinerlei Vorwürfe macht). Sie hat ihr eigenes Repertoire nach ihrem Geschmack gefunden und sich oft in selbst gestalteten Abenden (etwa der Sängerin Maria Malibran gewidmet) ins Zentrum gestellt: Man muss schon eine besondere Persönlichkeit sein, um dergleichen nun bereits seit Jahrzehnten verlustlos durchzuziehen.

Sie hat sich außerdem nicht quer durchs Repertoire gesungen, was sie zweifellos gekonnt hätte, sondern spezialisiert – nach Mozart hält sie nun ziemlich ausschließlich bei Rossini (selten, dass sich „Norma“ dazwischen schiebt) und der Barockmusik. Dabei ist sie, wenn sie zu entscheiden hat, keinesfalls gestrig – die Aufführung der „Italiana in Algeri“ letztes Jahr in Salzburg war so heutig wie möglich, in den Proletarier-Fetzen eines Loren / De Sica-Films der fünfziger Jahre…

Dass sie immer noch auf den Spuren der Raritäten wandelt, zeigt ihre neue CD mit Arien von Antonio Vivaldi. Plattenfirmen (wir sagen noch immer „Platten“, als ob es die aktuell noch gäbe und nicht nur als Vintage!) riskieren bei der Bartoli nichts: Diese Sängerin kann durch sich selbst und ihre Persönlichkeit alles verkaufen. Und wird immer Bewunderung erregen. Als Frau, die sich den Weg, den sie gegangen ist, selbst vorgezeichnet hat…

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Wenn nicht noch ein Arzt einen unvorhergesehenen Strich durch die Rechnung macht, kommt Anton Cupak heute vom Spital nach Hause.

Vom „Merker-Arbeitsdienst“ verabschiedet sich mit besten Grüßen

Renate Wagner

 

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