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SALZBURG/ Mozarteum: ABSCHLUSSKONZERT DER MEISTERKLASSE ANNA TOMOWA-SINTOW

Salzburg: Abschlusskonzert der Meisterklasse Anna Tomowa-Sintow – Mozarteum 22.8.2o14

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Anna Tomowa-Sintow und Markus Fohr mit den Teilnehmern der diesjährigen Meisterklasse

 Auch in diesem Jahr erfreuten sich die Meisterklassen der Sommerakademie der Stiftung Mozarteum größter Beliebtheit. Mehr als 950 Musiker aus aller Welt waren nach Salzburg gekommen, um abseits des Festspieltrubels neben oder nach ihrem Studium mit renommierten Musikern aller Sparten ihre bereits erworbenen Fähigkeiten zu verbessern oder zu verfeinern. Neben den Instrumentalsparten sind vor allem die Gesangsklassen berühmter Sänger beliebt. So hielten in diesem Jahr u.a. Michèle Crider, Helen Donath, Marjana Lipovsek gemeinsam mit ihrem Mann Alfred Burgstaller, Janet Perry, Ildikò Raimondi und Kurt Widmer Meisterklassen ab. Auch Anna Tomowa-Sintow, die 17 Jahre lang zu den Spitzenstars der Salzburger Festspiele gehörte und in der vergangenen Spielzeit sowohl an der Berliner Staatsoper (im Schillertheater) als auch an der Mailänder Scala ein umjubeltes Comeback feierte, gab in diesem Sommer ihre Kenntnisse an junge, begabte Sänger weiter. Es war für mich als Beobachter der gesamten Arbeitsperiode interessant festzustellen, welch enorme Fortschritte manche dieser jungen Sänger in so kurzer Zeit machten. Anna Tomowa-Sintow legt vor allem größten Wert auf Legatokultur, aber auch auf Textverständlichkeit oder wie ein Rezitativ vor einer Arie gestaltet werden muss. Sie gibt ihren Schülern wichtige Ratschläge („Das Publikum soll weinen, aber nicht du!“) oder erklärt ihnen, wann sie lächeln sollen und wann ein Lächeln unangebracht ist. Sie konnte wertvolle Tipps geben, an welcher Stelle man in einer langen Phrase atmen kann oder wie man einen Konsonanten als Sprungbrett für den nachfolgenden Vokal verwenden kann. Wenn eine Teilnehmerin eine bestimmte Phrase trotz mehrmaligen Versuchs nicht bewältigen konnte, sang sie der Schülerin mit völlig intakter Stimme diese Stelle auch vor. Am Ende einer intensiven, zweiwöchigen Arbeitsperiode präsentierten die Teilnehmer dieser Meisterklasse in einem Abschlusskonzert das Ergebnis der Öffentlichkeit.

 Eröffnet wurde das Konzert von Paula Berry mit der Arie der Fiordiligi („Come scoglio“) aus Mozarts „Così fan tutte“. Die erst 21-jährige Kanadierin bewältigte diese schwierige Arie, an der schon renommierte Sängerinnen gescheitert sind, mit all ihren Höhen und Tiefen mühelos und begeisterte mit einer schönen, klaren, bruchlosen Stimme. Danach folgte die Rosenarie der Susanna aus Mozarts „Le nozze di Figaro“, gesungen von der Japanerin Mayu Fujita, die einen schön timbrierten, gut sitzenden Sopran besitzt. Mit gestochen scharfen Koloraturen bewältigte die aus der Türkei stammende Sopranistin Ekin Naz Kaptan bravourös die Arie der Königin der Nacht („Der Hölle Rache“) aus der „Zauberflöte“. Eine Sängerin, der eine große Karriere bevorsteht, ist die aus Kanada stammende Chelsea Rus. Sie besitzt einen schön timbrierten lyrischen Sopran mit vollem, rundem Ton. Sie begeisterte nicht nur mit einem fulminanten „Dove sono“ (Arie der Gräfin aus „Le nozze di Figaro“), sondern auch mit einer sehr gefühlvoll vorgetragenen Arie der Mimì („Donde lieta“) aus dem 3. Akt von Puccinis „La Bohème“. Der aus Indonesien stammende Bariton Kristanto Pantioso hat sich vor allem auf den Liedgesang spezialisiert und präsentierte einen überaus eindrucksvollen „Erlkönig“ von Franz Schubert mit ausgezeichneter deutscher Diktion und starkem Ausdrucksvermögen. Ebenfalls ein sehr großes Talent besitzt die Belgierin Sara Jo Benoot, die über einen dunkel timbrierten, dramatischen Mezzosopran verfügt. Zunächst sang sie ein Lied von Sergei Rachmaninow („Die Soldatenbraut“) und bewies damit (wie bereits während des Kurses, wo sie an den Arien der Polina aus „Pique Dame“ und der Olga aus „Eugen Onegin“ gearbeitet hat), dass sich ihre Stimme ganz besonders für das russische Fach eignet. Dass ihr auch das französische Fach liegt, zeigte sie im weiteren Verlauf des Konzertes noch mit einer sehr verführerisch vorgetragenen Arie der Dalila („Mon cœur s’ouvre à ta voix“) aus „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns. Die Russin Maria Grigoryan besitzt einen dramatischen Sopran, mit dunkler Tönung und vollem, sattem Klang. Sie sang sehr effektvoll die Arie der Lisa aus „Pique Dame“ von Tschaikowsky. Wieviel Freude Singen den Interpreten bereiten kann, bewies die Japanerin Ayako Suzuki mit einer wahrhaft „joyful“ vorgetragenen Arie „Rejoice, rejoice“ aus Händels „Messiah“. Die aus Schweden stammende Anna Büchel sang sehr einfühlsam mit ihrem klaren Sopran die Arie der Marguerite „Il ne revient pas“ aus dem 4. Akt der Oper „Faust“ von Charles Gounod. Am Beginn einer großen Karriere dürfte der aus Malta stammende Tenor Cliff Zammit Stevens stehen. Die kleine Insel Malta hat zwar nur ca. 400.000 Einwohner, hat jedoch immer wieder große Sänger hervorgebracht wie den großen Tenor Paul Asciak, die besonders in Wien sehr beliebte Miriam Gauci oder zuletzt den derzeit Weltkarriere machenden Joseph Calleja. Und an Calleja erinnert auch ein wenig die Stimme von Cliff Zammit Stevens. Er besitzt eine strahlende Stimme, die über ein ähnlich natürliches Vibrato verfügt wie Calleja (viele Tenöre der Vorkriegszeit wiesen übrigens auch so ein natürliches Vibrato auf). Er sang zunächst ausdrucksstark die Arie des Macduff aus Verdis „Macbeth“ und später glänzte er noch mit der Arie des Alfredo aus „La Traviata“. (Dass er auch eine starke Affinität zum Liedschaffen von Richard Strauss hat und dass ihm die lyrische Arie des Lenski aus „Eugen Onegin“ ganz besonders gut liegt, hat er während des Kurses mehrfach bewiesen.) Die bildhübsche Russin Irina Maltseva sang mit edlem Mezzo-Timbre sehr schön die Arie der Leonora („O mio Fernando“) aus Donizettis „La Favorita“. Während des Kurses hat sie u.a. an der Interpretation des Octavian („Der Rosenkavalier“) und des Sesto („La clemenza di Tito“ von Mozart) gearbeitet. Da sie großgewachsen ist wird sie sich auch ganz besonders für diese Hosenrollen eignen. Zum Abschluss des Konzertes sang die ebenfalls aus Malta kommende Mezzosopranistin Clare Ghigo die Arie der Rosina („Una voce poco fa“) aus dem „Barbier von Sevilla“ von Rossini. Sie besitzt eine sehr sinnliche Stimme, die sehr an die junge Berganza erinnert. Da sie auch über eine stupende Koloraturtechnik verfügt, ist sie für die schwierigen Rossini-Partien prädestiniert (was sie während des Kurses auch mit der Schlussarie der „Cenerentola“ bewies). Mit dieser brillant gesungenen und humorvoll vorgetragenen Arie endete dieses Werkstattkonzert. Markus Fohr war nicht nur in diesem Abschlusskonzert, sondern auch während der zweiwöchigen Arbeitsphase den Sängern ein aufmerksamer und gefühlvoller Begleiter am Klavier.

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Glückliche Gesichter nach einem gelungenem Abschlusskonzert der Meisterklasse von Anna Tomowa-Sintow

 Die jungen Sänger haben durch die Teilnahme an dieser Meisterklasse einen großen Schritt weiter gemacht auf dem steinigen Weg in das Berufsleben eines Sängers. Es wird interessant sein den weiteren Weg dieser jungen Sänger weiter zu verfolgen.

Walter Nowotny

 

 

 

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