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SALZBURG/ Landestheater: THE SOUND OF MUSIC

26.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Musical-Euphoriein Salzburg: „Sound of Music“ von Richard Rodgers (Vorstellung: 26. 5. 2012)


Die Stars in der Salzburger Produktion des Musicals „Sound of Music“ waren Wietske van Tongeren als Maria und die Darsteller der sieben Trapp-Kinder (Foto: Christina Canaval

 Im Salzburger Landestheater entpuppte sich das Musical „Sound of Music“ von Richard Rodgers mit den Gesangstexten von Oscar Hammerstein II (Buch von Howard Lindsay und Russel Crouse), das vor 52 Jahren seine Premiere am Broadway hatte, zum echten Kassenschlager. Kein Wunder, dass es auch in der nächsten Saison auf dem Spielplan stehen wird, sind doch alle Vorstellungen fast restlos ausverkauft.

 Der Inhalt dieser rührenden Familiengeschichte, die schon als Film alle Besucherrekorde gebrochen hat, in Kurzfassung: Die Novizin Maria aus dem Kloster Nonnberg in Salzburg wird dem Witwer Baron von Trapp und seinen sieben Kindern als „guter Geist“ zugewiesen. Mit ihrer couragierten und liebevollen Art gewinnt sie nicht nur rasch die Herzen der Kinder, sondern auch das von Baron von Trapp, der sie heiratet. Während am Horizont die dunklen politischen Wolken der NS-Zeit aufziehen, erkennt Maria die Chance der musikalisch begabten Kinder und gründet den legendären Familienchor, der später nach ihrer Flucht auch in den Vereinigten Staaten als „Trapp-Familie“ sehr erfolgreich sein sollte.

 Andreas Gergen und Christian Struppeck schufen für die Salzburger Produktion, die in deutscher Sprache mit englischen Übertiteln gebracht wird (Übersetzung: Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder), eine sehr authentische Inszenierung mit Salzburger Ambiente und Salzburger Trachten (Ausstattung: Court Watson), in der auch der politische Hintergrund im Jahr 1936 immer wieder geschickt ins Spiel gebracht wird, wodurch die rührselige Liebesgeschichte ein dramatisches Gegengewicht bekommt (Choreographie: Kim Duddy).

 Die niederländische Mezzosopranistin Wietske van Tongeren darf als Glücksgriff für die Rolle der Maria bezeichnet werden. Sie spielte die scheue Novizin, das beherzte Kindermädchen, die einfallsreiche Gesangslehrerin und die sich in Baron von Trapp Verliebende gleichermaßen überzeugend und harmonierte stimmlich grandios mit dem Kinderchor. Als Mutter Oberin trumpfte die kanadische Sängerin griechischer Herkunft Frances Pappas mit ihrem prächtigen Mezzosopran auf.

 Der routinierte deutsche Musical-Darsteller Uwe Kröger gab einen forschen Baron von Trapp, der seine Kinder mit Trillerpfeife erzog und gleichzeitig den Nazi-Schergen die Stirne bot. Im Laufe des Stücks gelang dem Tenor der Beweis, dass unter einer rauen Schale oft ein weiches Herz schlägt. Als Max Dettweiler, der für den Kinderchor einen Auftritt bei den Salzburger Festspielen organisierte, bot der Bariton Simon Schnorr darstellerisch als „Mitläufer“ eine reife Leistung. Elegant die Mezzosopranistin Franziska Becker als reiche Unternehmerin Elsa Schrader, deren Heiratspläne jäh zum Scheitern verurteilt sind, als Maria nach einer kurzen „Flucht“ ins Kloster wieder zur Trapp-Familie zurückkehrt. Dem Bariton Sebastian Smulders gelang es, die Zerrissenheit der Rolle des jungen Rolf, der in die älteste Trapp-Tochter Liesl verliebt ist und als Nazi die Flucht der Familie vereiteln hätte müssen, recht beeindruckend zu spielen.

 Die Stars der Aufführung waren neben der Maria-Darstellerin die sieben Kinder der Trapp-Familie, die allesamt sowohl stimmlich wie schauspielerisch die Bühne beherrschten, wobei besonders Liesl, die Älteste – blendend gespielt von Hanna Kastner – und Gretl, die Jüngste – köstlich die kleine Maria Strassl – das Publikum begeisterten. Aber auch die anderen sollen genannt sein: Patrick von Schorlemer als Friedrich, Heidi Baumgartner als Louisa, Julius von Maldeghem als Kurt, Marianne Herzig als Brigitta und Mia Katharina Gerl als Marta (Kindercoach: Wolfgang Götz, Choreinstudierung: Stefan Müller).

 Für die hohe musikalische Qualität des Abends sorgte aber auch das glänzende Mozarteumorchester Salzburg unter seinem Dirigenten Peter Ewaldt. Am Schluss der Vorstellung sang das gesamte Ensemble nochmals die Ohrwürmer des Musicals in Englisch, wobei das sichtlich begeisterte Publikum beim rührseligen „Edelweiß“-Schlager in den Gesang einstimmte und danach alle Mitwirkenden mit Standing Ovations und vielen Jubelrufen bedachte. 

 Udo Pacolt, Wien – München

 

 

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