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SALZBURG/ Landestheater: IMENEO von G.F.Händel

24.02.2012 | KRITIKEN, Oper

Opernrarität am Salzburger Landestheater: „Imeneo“ von Georg Friedrich Händel (Vorstellung: 23. 2. 2012)


Rosmene – von Kirsten Blaise dargestellt – wird zwischen Pflicht und Liebe hin und her gerissen (Foto: Christina Canaval)

 Das Salzburger Landestheater, das sich seit einigen Jahren selten gespielter Barockopern vermehrt annimmt, zeigt seit kurzem „Imeneo“ von Georg Friedrich Händel (in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln).  Dieses Dramma per musica in drei Akten hatte seine Uraufführung 1740 in London.

 Die Handlung der Oper, bei deren Libretto es sich um die überarbeitete Fassung eines Textes von Silvio Stampiglia handelt, in Kurzform: Attische Jungfrauen, unter ihnen Rosmene und ihre Schwester Clomiri, wollen der Göttin Ceres ein Opfer bringen, werden aber auf ihrer Seereise überfallen und gefangen genommen. Glücklicherweise ist unter den Gefangenen auch der als Frau verkleidete Imeneo, der die schlafenden Seeräuber übermannt und die Frauen nach Athen zurückbringt. Der Befreier fordert als Lohn Rosmene, die jedoch in Tirinto verliebt ist, der gar keine Chance hatte, zur Suche nach ihr aufzubrechen. Obwohl das Volk eindeutig für den Helden Imeneo, in den sich inzwischen Clomiri verliebt hat, Partei ergreift, wird schließlich die Entscheidung doch Rosmene überlassen. Der Druck auf sie ist immens, hat doch Imeneo die geliebten Töchter der Stadt vor dem Grauen errettet. Auch ihr Vater Argenio drängt Rosmene, ihre Pflicht zu erfüllen. Als Imeneo und Tirinto sie auffordern, endlich eine Wahl zu treffen, beschließt sie, die Wahnsinnige zu spielen, um so ihre Entscheidung zu rechtfertigen. Sie wählt Imeneo und bittet Tirinto um Verständnis. Der Chor besingt schließlich den Sieg der Vernunft über die Liebe.

 Die Inszenierung von Nina Kühner, die das Stück in einer Meeresbucht ansiedelt (Bühnenbild: Hanna Zimmermann), zeichnet sich durch harten Realismus und durch eine gute Personenführung aus. Der Chor tritt mit Blumen und Gräsern geschmückten Häuptern auf – eine Idee, die vermutlich auf die Darstellungen Imeneos fußen, der stets als mit Blumen gekrönter Jüngling gezeigt wurde. Argenio, der Stammesälteste und Vater von Rosmene und Clomiri, ist seinen Töchtern gegenüber immer wieder „sexübergriffig“. Die teils antik, teils modern wirkenden Kostüme entwarf Claudia Caséra.

 Aus dem international besetzten Sängerensemble ragten zwei Amerikanerinnen als die Darstellerinnen der Schwestern heraus: die Sopranistin Kirsten Blaise als Rosmene schaffte es, die Zerrissenheit ihrer Rolle zwischen Pflicht und Liebe sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch ergreifend darzustellen, wobei sie auch bei den sehr realistisch ausgespielten Szenen keine Probleme zu haben schien. Ihr ebenbürtig die Mezzosopranistin Emily Righter als in Imeneo hoffnungslos verliebte Clomiri, die ihre Rolle stimmlich wie darstellerisch subtil und ausdrucksstark gestaltete. In der Titelrolle konnte der stimmlich gute Schweizer Bariton Simon Schnorr etwas weniger Akzente setzen, obwohl er bei den Nachstellungen Clomiris manchmal schwach zu werden schien.

 Die kanadische Mezzosopranistin Frances Pappas, die stimmlich mit einer großen Bandbreite aufwartete, spielte die Hosenrolle des „Verlierers“ Tirinto recht eindrucksvoll. Nicht minder beeindruckend der ungarische Bassbariton Marcell Bakonyi als Argenio. Er legte seine Autorität als Stammesältester mit Verve in seine sonore Stimme und als Vater recht zwiespältig in seine kraftvollen Arme und „übergriffigen“ Hände. Der Chor des Salzburger Landestheaters, der wie „Blumenkinder“ aus vergangenen Tagen wirkte, erfüllte sowohl stimmlich (Einstudierung: Stefan Müller) wie auch schauspielerisch alle Anforderungen, die an ihn gestellt waren, und erntete dafür am Schluss viel Applaus.  

 Das Mozarteumorchester Salzburg, vom britischen Dirigenten Matthew Halls sehr gestenreich geleitet, gab alle Facetten der farbenreichen Partitur des Komponisten zum Besten und sorgte so für einen musikalisch höchst anspruchsvollen Abend. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass man in Salzburg vor dem Schlusschor ein Duett einfügte, das Händel für konzertante Aufführungen dieser Oper in Dublin komponiert hatte und eine bemerkenswerte Situation schuf: Rosmene hält Imeneo an der Hand und singt mit Tirinto das ergreifende Liebesduett „Per le porte del tormento“ („Durch die Pforten der Qual“)! Man könnte diese Szene als künftige Dreiecksgeschichte deuten…

 Das Publikum, das sich erstaunlicherweise während der Aufführung zu keinem Szenenbeifall animiert sah, feierte am Schluss alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Beifall und lauten Jubelrufen.

 Udo Pacolt, Wien – München

 PS: Die weiteren Vorstellungen von „Imeneo“ finden am 26. Februar sowie am 4., 12., 14., 18. und 20. März statt.

 

 

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