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SALZBURG/ Landestheater: DIE ZAUBERFLÖTE. Premiere

22.09.2014 | KRITIKEN, Oper

Salzburg:„DIE ZAUBERFLÖTE“Landestheater  Premiere 20.9.2014

            Seit meiner Kindheit und frühen Jugend hat mich das Salzburger Marionettentheater begleitet Anfangs mit Märchen und Kasperltheater, dann schon bald mit der „Zauberflöte“, einem „Dauerbrenner“ der ganz besonderen Art: Es wurde da LIVE gesungen, mit Klavierbegleitung. Der Name des Herrn Rauchist damit unvergesslich verbunden. Dann übernahm die „Konserve“ den musikalischen Teil, wobei Ferenc Fricsay zu den Puppen an den Seidenfäden Sänger und Orchester beisteuerte. Die letzte Phase jetzt zeichnet sich dadurch aus, dass das Landestheater Partner geworden ist. Auch bei den Festspielen gab es eine Verbindung (1996 mit Webers “Oberon“, 2006 nochmals mit „Bastien und Bastienne“, „Der Schauspieldirektor).

Der rührige Intendant  und Regisseur Carl Philipvon Maldeghemhat den schwierigen Versuch unternommen, die Bretter, die die Welt bedeuten, zusammen mit den Puppen an den Seidenfäden ein neues Theaterteam zu schaffen. Kleist schrieb, den Menschen sei es unmöglich, den Fähigkeiten der Marionetten nachzukommen, „weil  die Kraft, die sie in die Luft erhebt, größer ist als jene, die sie an die Erde fesselt.“ Allein schon wegen der eklatanten unterschiedlichen Größenverhältnisse ein großes Wagnis. (Im Laufe der Zeit wurden die Puppen immer größer ebenso wie die Zahl der  Zuseher). Der Regisseur ließ nun die Puppen, geführt von hervorragenden Spielern, zusammen mit den Sängern auftreten. Ein bemerkenswerter Versuch, der aber nur teilweise gelang, weil der Zuseher so fasziniert war von den- laut Kleist – überlegenen Puppen, dass er die Menschen aus den Augen verlor. Des Guten zu viel? („Frei zu stark, als dass man‘s ertragen kann.“)

Das Mozarteum OrchesterSalzburgwar in üblicher Hochform unter der neuen DirigentinMirga Grazinyte-Tyla, die schon bei der Ouvertüre aufhorchen ließ. Viele lyrische Perlen, spannende Augenblicke, dramatische Funken und meditative Pausen trugen zur Erhellung der Partitur bei. Die neue musikalische Leiterin hat es nach dem dominanten, begabten Leo Hussain schwer, scheint aber nach diesem überzeugenden Einstieg  auf dem besten Weg zu  sein, mehr als nur ein guter Ersatz zu werden. Allein ihr Anblick beim Dirigieren lohnt!

Die Sänger hatten beachtliches Niveau: Kristofer Lundin als Tamino (im Sweaterder Yale University, wofür der ganze Abend keine Erklärung liefert) hatnach einiger Anlaufzeit Kraft und Lyrik in der Stimme und ist ein guter Schauspieler.Pamina(Laura Nicorescu) singt gut, ist recht kühl, schafft  auch dieTodesarie, aber spricht zu leise.Christina Rümanals Königin ist fulminant, die einzige, die einen Beifallssturm auslöste. Ihr erster Auftritt war eine regieliche Meisterleisung barocken Prunktheaters – ein Bravo dem Christian Floern, der die drei Damen und ihre Herrin, gut aufeinander abgestimmt, mit phantasievollem bläulichem Glitzer ausstattete, meist auf einer recht dunklen Bühne.Die drei DamenEmalie Savoy, JuliaStein undTamara Guraergänzten einander, was bekanntlich nicht immer gelingt.Der gräulich und greulichtätowierteMonostatoswar großartig, wie  bei allen anderen Rollen seit einer Generation (!) vom Gestalter Franz Supper erwartet und von ihm eingelöst.(Dass er sich mehrmals in den Schritt fassen musste, ist überflüssig und passt nicht zum Stil der Inszenierung, denn man assoziiert damit Urologisches, nicht Mozartisches!)Auch als Geharnischterwar er großartig.Sarastro(Alexey Birkus)soll ein Bass sein, kein tieferBariton,  war also fehlbesetzt.Ich erwarte mir natürlich beim doppelten,teuflisch tief gesetzten „Doch“ keinen Frick‘schen Tiefenschauer, aber nur heiße Luft ist denn doch zu wenig. Die drei KnabenLuca Russegger,Christopher Hipper und Julius von Maldeghem anzusehen und anzuhören, war die reine Freude. Der Regisseur fand für sie immer wieder wirksame und originelle Auftritte! Dass sie uns sogar etwas vorzauberten, ist wirklich köstlich!  (Die Zauberknaben?) Simon Schnorr,einer der Stars und Publikumslieblinge des Landestheaters, als Papageno singt und spricht tadellos, aber das bestimmte „Etwas“ fehlte.  Es ist nicht seine Rolle. Zu lachen gab es wenig!  Der Ton auf  seinem zu einem  unscheinbaren Handy reduzierten  Glockenspiel, immerhin ein nicht fatales, aber wichtiges Requisit, entsprach der Lautstärke nach der Realität. So leise zu spielen ist eine besondere Kunst, ebenso, entsprechend dazu zu singen! Die anderen Rollen waren ausreichend besetzt. Der kleine Chor des Salzburger Landestheatershatte große Schlagkraft, war verständlich  und spielte tadellos unter der kompetentenLeitung von Stefan Müller.

Der Versuch von Carl Philip von Maldeghem, Marionetten mit Menschen zu integrieren, war im Vorjahr in der Kurzfassung des „Ringes“ gelungen, weil die Puppen in ihrer „Stammheimat“, der Marionettenbühne, auftreten durften, ohne ihre Spieler. Dies gelangnur beschränkt, obwohl die vier Puppenspieler mit den Aktionen der Alter Ejos von Tamino(Elfriede Grill)),Papageno (Pierre Droin), Pamina (Heide Hölzl), Papagena(Ayse Senogul) ein Höchstmaß an Musikalität, Integrationstalent  und Einfühlungsvermögen bewiesen.Pierre Droin leistete mehr als Schwerarbeit, er stand fast immer auf der Bühne.

Trotzdem: Es war eines Versuches wert, der Intendant präsentierte wirklich eine ganz neue, ungewöhnliche Version der Oper und verwendete die jetzt schon obligatorischen Koffer, geradezu eine Regiepsychose, sinnvoll als kleineBühnen für die Puppen.Für mich war der Abend ein Gewinn: Ich schätze Versuche, selbst wenn sie nur teilweise gelingen, höher ein als simple Wiederholungen von oft schon Wiederholtem.

Ferdinand Rudolf Dreyer

 

 

 

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