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SALZBURG: LA BOHÈME – Festspielpremiere

02.08.2012 | KRITIKEN, Oper

SALZBURGER FESTSPIELE: LA BOHÈME  am 1.8.2012

Erwartungen, eine optisch schöne romatisierende Produktion zu erleben, werden nicht erfüllt.
Der junge Regisseur Damiano Michieletto verlegt die Handlung in die heutige Punk- und Rockszene. Ich halte ihn für einen sehr guten Mann, aber man muss sich von gewohnten Sichtweisen frei machen. Aus Pesaro kenne ich einige seiner Arbeiten. Zuerst denkt man, was soll das werden?
Die Handlung bleibt, aber die Zeit und Umwelt der Geschichte wird radikal umgeändert. Die Sänger bringen eine szenische Darstellungskraft von ungewohnter Kraft zustande. Paolo Fantin/Bühne und Carla Teti/Kostüme arbeiteten mit. Der 1. Akt: ein großer Raum mit einem Matratzenlager und einem Riesenfenster. Der 2. Akt ein wilder Mummenschanz, das zeigt auch, wie weit wir der „Amerikanisierung“ verfallen sind; Akt 3: Autobahn am Stadtrand von Paris mit einem Würstelstand. Akt 4: wieder im Raum von 1.Akt. Erstaunlicherweise rührte sich nicht der geringste Protest im Publikum.

Auch Daniele Gatti dirigierte die Wiener Philharmoniker ebenfalls in einem wenig schwelgerischen Klang, was zur Inszenierung passt. Auf diese Weise, spielte das Orchester vorzüglich. Sehr zu loben ist die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor, Leitung Ernst Raffelsberger. Puccinis Musik wurde in dieser Weise dennoch sehr berührend gespielt. Mir scheint, das Ganze so etwas wie eine moderne Romantik auszudrücken und so wurde ich immer stärker bewegt. Übrigens: man darf von dieser Oper berührt sein.

Die Besetzung war ebenfalls vorzüglich mit Piotr Beczala, zuerst in seiner Maske nicht erkenntlich, der zu großer Form auflief, denn sein Tenor blühte im Verlauf der Vorstellung immer schöner auf.  Gibt es noch Superlative für Anna Netrebko? Sie lebt sich voll in die Rolle ein. Ihre Stimme wurde nach der Geburt ihres Sohnes etwas dunkler, farbiger,  auch voller und runder und mit einem einzigartigen Timbre. Sie hat etwas um Gefühle auf das Publikum zu übertragen. Bei ihr wirkt nie etwas aufgesetzt oder eingelernt.

Massimo Cavaletti ist ein junger Marcello mit klarer, sehr guter Stimme und Zukunftschancen. Nino Machaidze bewährt sich bestens als Musetta. Im Frieden und im Streit sind bei ein gutes Paar.

Auch Alessio Arduini kann als Schaunard überzeugen; bekannt ist Carlo Colombara, dazu singt er die Mantelarie sehr schön. Dazu kamen noch Davide Fersini/Benoit; Peter Kálmán/Alcindoro und Steven Forster/Parpignol – der als Batman auftrat bzw. flog.

Zum Schluss gab es viel Beifall und Bravos, das Publikum schien begeistert.

Martin Robert BOTZ

 

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