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SALZBURG/ Festspiele: IL TROVATORE

16.08.2014 | KRITIKEN, Oper

15.08.2014   Salzburg/TV   „Il Trovatore“

Viele positive Meldungen und Kritiken ließen eine fulminante Opernaufführung erwarten. Offenbar ist der Rezensent der einzige, der nicht in den allgemeinen Jubelchor einstimmen kann. Man soll ja nicht die Vergangenheit glorifizieren, aber ältere Opernfreunde haben sicherlich noch Künstler im Gedächtnis, die das in Salzburg aufgebotene Ensemble um einiges übertreffen. Man sollte die Kirche im Dorf lassen, herausragende Leistungen würdigen, aber Superlative möglichst vermeiden.

Auf der Bühne war die Umsetzung einer seltsamen Regie-Idee zu sehen, der Regisseur Alvis Hermanis erfand als Rahmen der Handlung ein Museum, in dem die handelnden Personen aus dem Personal rekrutiert werden. Museumsbesucher marschieren über die Bühne, Bilder werden verschoben, all das passt wenig zum Stück. Das wäre nicht weiter schlimm, gäbe es nicht auch musikalische Schwächen. Das Staraufgebot war sicherlich sehr präsent, Placido Domingo machte aus dem Schurken Luna eine Person, der man nicht in erster Linie verbrecherische Absichten unterstellt, sondern dessen Beweggründe in ein etwas besseres, menschlich verständlicheres Licht gerückt werden, ja ihn fast sympathisch macht. Allein diese Leistung verdient hohes Lob. Stimmlich war Domingo nicht in Bestform, vermutlich liegt diese Rolle aber doch nicht gerade in „seinem“ Bariton-Bereich. Anna Netrebko sang die Leonore – erstaunlich, in welch kurzer Zeit sich die Sängerin aus dem Koloraturfach (Norina, Adina, Lucia) verabschiedet hat, um sich dramatischen Rollen zuzuwenden. Ihre Stimme ist merklich abgedunkelt, in der Höhe fehlt es aber doch an Kraft, um die dramatischen Passagen mit entsprechender Ausdruckskraft zu singen. Francesco Meli sang den Manrico – eigentlich die zentrale Rolle dieser Oper – zu unauffällig, seine eher lyrische Stimme ließ hier einiges an Wirkung vermissen. Schwenk in die Vergangenheit: Der umstrittene Franco Bonisolli sorgte zumindest bei der Stretta für Hochspannung im Publikum. Marie-Nicole Lemieux war als Azucena bemüht, mit Kraft diese schwere Partie zu meistern, das deutlich vernehmbare Vibrato ihrer Stimme störte aber doch beträchtlich.

Bleibt Daniele Gatti, der Dirigent der Aufführung. Er war bemüht, mit dem ausgezeichnet spielenden Orchester sämtliche (Einsatz-)Wünsche der Sänger aufs Genaueste zu erfüllen, der große Gestalter war er dadurch aber nicht. Mag sein, dass dieser Opernabend ein herausragendes Spektakel der Medienwelt war, künstlerisch dürfte es kaum lange in Erinnerung bleiben

Johannes Marksteiner

 

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