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SALZBURG/ Festspiele/ Großes Festspielhaus: LA FAVORITE. „Magie des Belcanto“ mit Garanca + Florez

27.08.2014 | KRITIKEN, Oper

Salzburger Festspiele/ Großes Festspielhaus: DONIZETTI’S „LA FAVORITE“ MIT GARANCA +FLOREZ  : MAGIE DES BELCANTO (26.8.2014)

Unbenannt
Orchester, Ensemble + Chor. Foto: Marco Borelli/ Lelli

Sie sind selten – die „magischen Momente“ der Oper. Man kann eine Stecknadel fallen hören, niemand hustet , alle verschmelzen zu einer mystischen Einheit. Bei der konzertanten Aufführung von „La Favorite“ von Gaetano Donizetti stellten sich dieses Phänomen mehrfach ein. Und Alexander Pereira hat die Latte auch mit dieser Produktion seinen Nachfolgern hoch gelegt. Ein vor allem musikalisch interessantes „Neben“-Stück mit einer perfekten Besetzung – das war diese Produktion allemal. Die Handlung ist simpel und zugleich kompliziert. Ein junger Mönch  in Spanien verliebt sich in eine unbekannte Schönheit, flieht aus dem Kloster und bekommt sein Idol als siegreicher Heerführer vom König  zur Frau. Was er nicht weiß – Leonor di Guzman ist die Mätresse des Königs, der wegen dieser Liaison vom  Kirchenbann bedroht ist. Fernand, der einstige Novize, bricht mit Leonor und kehrt ins Kloster zurück. Dort  stirbt Leonor  in seinen Armen.

Elina Garanca und Juan Diego Florez  sind die idealen Interpreten für diese Donizetti-Oper, die für Paris im Jahr 1838 geschrieben und deshalb in Salzburg auf Französisch gegeben  wurde. Dritter im Bund war übrigens der Franzose Ludovic Tezier als König Alphons XI. Sein hochkarätiger Bass-Bariton war denn auch die ideale Ergänzung für das konzertante Liebespaar-Duo Garanca und Florez, das hier im Großen Festspielhaus zum ersten Mal gemeinsam auftrat. Elina Garanca nach der zweiten Babypause erstmals in einer Oper: die Stimme ist noch schöner geworden, die Farben ihrer Stimme haben an Vielzahl noch  zugenommen, die Spitzentöne strahlen, die Tiefe wird mit mehr Brustresonanz gesungen. Das Volumen füllt das Große Festspielhaus – man badet förmlich in vokalem Schmelz, im unverwechselbaren Timbre der lettischen Diva, die in Zukunft ins dramatische Fach überwechseln will – Santuzza und Eboli lassen grüßen. Großartig!

Auch Juan Diego Florez  will sich in Zukunft  dramatischeren Rollen zuwenden. In Donizetti’s „La Favorite“ kann er diese Entwicklung zu Hoffmann und Rigoletto vorwegnehmen. In keiner anderen Oper von Donizetti ist so viel Verdi-Nähe gegeben. Man denkt an Ernani, Ballo und Forza del Destino. Und die Stimme von Florez ist dramatischer geworden, die Spitzen klingen metallisch, der weiche Grundton ist geblieben. Magie des Belcanto – beim Duo Garanca-Florez kam sie  jedenfalls voll zum Tragen.

Als Orchester war das  Münchner Rundfunkorchester engagiert, am Pult stand mit Roberto Abbado ein Routinier, der auf Tempo und Elan setzte. Als Chor wirkte sehr ambitioniert der Philharmonia Chor Wien (Leitung Walter Zeh) mit. Ausgezeichnet der Rest der Besetzung. Carlo Colombara war ein zunächst zürnender dann gütiger Abt Balthazar, Eva Liebau war eine etwas zu  lyrische Ines und David Portillo fiel mit einem klangvollen Tenor als Don Gaspar positiv auf. Am Ende Begeisterung, Trampeln und  Bravorufe. Magische Momente suchen nach „Entladung“!

Peter Dusek

 

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