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RUN ALL NIGHT

16.04.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover Run all Night~1

Ab 17. April 2015 in den österreichischen Kinos
RUN ALL NIGHT
USA / 2015 
Regie: Jaume Collet-Serra
Mit: Liam Neeson, Ed Harris u.a.

Auch das Genre des Gangsterfilms kann durchaus anspruchsvoll auf den Zuschauer zukommen. Zwar hat sich Liam Neeson zuletzt (von allem mit den drei „Takten – 96 Stunden“-Filmen) den Ruf des zerknitterten, aber doch nie um eine Lösung verlegenen Supermanns erarbeitet, der für beste, schnelle Unterhaltung sorgt, aber es geht auch anders. In diesem Film, den Regisseur Jaume Collet-Serra nicht nur darstellerisch sorglich inszeniert hat, sondern durch die Kameraarbeit auch auf eine Art Meta-Ebene erhebt (da gibt es atemberaubende Sequenzen und Übergänge für jene, die ein Auge dafür haben), wird zwar genügend Blut vergossenen, um die Anhänger des Genres zu erfreuen – aber eigentlich ist es ein todtrauriger Psychothriller um Altwerden und Abrechnen und am Ende das Schließen der Konten…

Denn dass das alles nicht gut ausgehen kann, weiß man von Anfang an, wenn Liam Neeson in seinem Blut liegt und aus dem Off die letzten Gedanken des Sterbenden auf uns zukommen. Zurück geblendet, ist dann alles auf eine Nacht konzentriert: Der alte Gangsterboß Shawn Maguire, den ein sehr alt und sehr schmal gewordener Ed Harris mit allem Charisma seiner Persönlichkeit gibt, hängt mit jener Treue, die auch dazu gehört (der „Ehrenkodex“ derer, die im übrigen gnadenlos morden lassen), an seinem alten Kumpel Jimmy Conlon, einst unter dem Spitznamen „Gravedigger“ sein bester Killer, heute ein versoffener, von seinem Gewissen gejagter alter Mann, der sich bei der Weihnachtsparty bei Shawn gewaltig schlecht benimmt.

Und dann rollt das Schicksal mit der Unerbittlichkeit einer griechischen Tragödie über alle Beteiligten hinweg. Beide alte Männer haben nämlich Söhne, die nicht zu den sympathischsten Zeitgenossen zählen, jener von Shawn noch weniger:…  Danny Maguire (Boyd Holbrook, ganz der miese, hochmütige Schnösel) will selbst miese Geschäfte machen, die der Papa eigentlich nicht möchte, und da bei ihm die Schusswaffe locker sitzt, nietet er auch ohne weiteres ein paar Leute um. Pech, dass der Mann, der ihn unwillentlich dabei beobachtet, Mike Conlon ist, der Sohn von Jimmy: Joel Kinnaman spielt zwar den Vater von zwei Töchtern, hat eine schwangere Frau, sollte der „Brave“ sein, ist es wohl auch, aber seine Ausstrahlung ist im Grunde auch höchst negativ, wenngleich man verstehen sollte, dass er mit dem Gangster-Vater nichts zu tun haben will…

Dieser ist glücklicherweise zur Stelle, als Danny den Zeugen Mike umlegen will, und dann hat Jimmy Conlon den Sohn seines besten Freundes umgebracht und kann Shawn nur demütig um das Leben des einzigen Sohnes bitten. Das ist die wenn auch nur kurze ganz große Szene des Films: Neeson vor Harris, die beiden alten Männer, wobei man eine Sekunde sinnlos hofft, ob lebenslange Freundschaft und Einsicht nicht vielleicht vor Blutrache geht…

Run all Night Harris Neeson x

Natürlich nicht, und den Rest des Filmes hetzt Neeson mit Sohn durch die Nacht, um zu entkommen (zumal noch „Common“ – Darsteller mit einem Namen gibt es auch immer wieder – als hintergründiger Auftragskiller hinter ihnen her ist) – und das Ende ist ja voraus genommen worden.

Klischeehaft durch und durch also, keine Frage, und doch so stark gespielt und so stark in den filmischen Mitteln, dass sich die Sache lohnt. Die Machart macht’s in diesem Film, und großes Kino hat eben auch immer mit großen Schauspielern zu tun.

Renate Wagner

 

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