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RUHM

30.05.2012 | FILM/TV

Ab 1. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
RUHM
Deutschland  / 2012
Regie und Drehbuch: Isabel Kleefeld
Mit: Heino Ferch, Senta Berger, Justus von Dohnányi, Stefan Kurt u.a.

Österreich hat einen Bestsellerautor, und er heißt Daniel Kehlmann. Freilich, wenn man ein Meisterwerk wie „Die Vermessung der Welt“ geschrieben hat, dann tut sich alles, was danach folgt, schwer. Sein Roman „Ruhm“ besteht aus einer Abfolge von scheinbar unabhängigen Erzählungen, zwischen denen sich im Laufe des Lesens kleine inhaltliche Fäden und Zusammenhänge spinnen. Dies kann sich mit dem Vorgänger-Buch nicht annähernd messen, wurde aber wohlwollend als Mediensatire unserer Zeit aufgenommen und ist dank der Popularität des Autors sogar schon dramatisiert auf dem Theater gelandet.

Nun hat Regisseurin Isabel Kleefeld nach einem Jahrzehnt von Fernseharbeiten mit „Ruhm“ ihren ersten Spielfilm vorgelegt und gleich eine Topbesetzung angeln können, mit der man auf jeden Fall Aufmerksamkeit erregt. Als Drehbuchautorin ist sie relativ geschickt vorgegangen – was Kehlmann linear erzählt, Geschichte um Geschichte, schneidet sie bunt durcheinander. Man kennt diese „Patchwork“-Filme längst, sie laufen im allgemeinen nie Gefahr, das Publikum zu langweilen.

Aber wo Kehlmann schon unter seinem Talent flach ist, wird der Film noch flacher, kann das, was der Autor zumindest satirisch spiegelt, kaum wirklich erzählen. Wenn Heino Ferch einen Superstar gibt, der plötzlich vor der Tatsache steht, dass sein Double seine Stelle eingenommen hat (Ähnliches zeigt übrigens Sacha Baron Cohen in seiner „Diktator“-Satire), so vermag der Film die Bodenlosigkeit der Fassungslosigkeit über den Verlust der Identität kaum zu vermitteln. Noch weniger transparent wird die Gestalt, die Justus von Dohnanyi spielt – ein Mann, der sich wider Willen ein Handy zulegt und aufgrund von Schlamperei der Betreiber eines mit der Nummer des Stars bekommt. Die Verstörung, die von den „fremden“ Anrufen ausgeht, wird filmerzählerisch nicht gepackt.

Schließlich ist da noch Stefan Kurt ein glatter Erfolgsautor, den seine Freundin (Julia Koschitz darf nicht wirklich spielen, was im Kopf dieser Frau vorgeht) wegen eben dieser Oberflächlichkeit ablehnt – aber auch das gibt keine schlüssigen Charaktere. Nur dass hier rundum allerlei Satirisches wuchert, etwa, was sich bei Lesungen prominenter Schriftsteller an Lächerlichem und Banalem abspielt… Kehlmann muss es ja wissen (inklusive der immer gleichen imbezilen Fragen von Journalisten und beflissenen Lesern).

Klar wird jedenfalls, dass die Männer – es gibt noch ein paar recht unsympathische Exemplare am Rande – weder in Buch noch Film gut wegkommen. Tiefer gehen die Geschichten der Frauen, wobei Kehlmann im Buch leichter „verschachteln“ kann als der Film: Da muss man erst langsam erkennen, dass Rosalie, die eigentlich beschließt, in der Schweiz Sterbehilfe zu suchen, eine erdachte Figur des Erfolgsautors ist. Plötzlich will sie aber nicht mehr sterben und bekämpft ihren Schöpfer – Senta Berger, sehr schmal, faltig und grau, setzt tragische Akzente.

Die tragikomischen liegen bei Gabriela Maria Schmeide als Maria Rubinstein, die auch im Buch die beste Geschichte, wenn auch nicht das beneidenswerteste Schicksal ist – verloren irgendwo sprachlos, geldlos, paßlos am Rande der ehemaligen Sowjetunion, weil ihr der Erfolgsautor eine Lesereise ins Nirgendwo hingeschoben hat, die er selbst nicht machen wollte. Da aber hatte die Regisseurin nicht den Nerv, die Geschichte dieser in jeder Hinsicht betrogenen und verlassenen Frau so gnadenlos bis in die letzte Konsequenz auszumalen wie Kehlmann im Buch…

Am Ende hat man ein paar hilflose Menschen von heute kurze Zeit begleitet. Keine große Sache, wie man es sich für die Kinoversion eines österreichischen Autors gewünscht hätte – leider. (Selbst wenn in diesem so deutsch besetzten Film plötzlich vertraut-österreichische Gesichter wie Susi Stach oder gar Ursula Strauss, hier sehr sexy und anlassig, auftauchen…)

Renate Wagner 

 

 

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