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RUDOLSTADT: COSCOLETTO oder DIE VERGIFTETE NUDEL von Jaques Offenbach

31.03.2012 | KRITIKEN, Oper

Operettenrarität im Thüringischen Landestheater Rudolstadt:

„Coscoletto oder Die vergiftete Nudel“ von Jacques Offenbach  (Vorstellung: 30. 3. 2012)


Friedgard Teschemacher als Coscoletto mit Sujin Yang als Delfina (Foto: Peter Scholz)

 Im Großen Haus des Thüringischen Landestheaters Rudolstadt kam in Kooperation mit der Hochschule für Musik Mainz mit „Coscoletto oder Die vergiftete Nudel“ eine echte Operettenrarität von Jacques Offenbach zur Aufführung. Die Opéra comique in zwei Akten, deren Libretto von Charles Nuitter und Etienne Tréfeu stammt, wurde im Jahr 1865 in Bad Ems uraufgeführt und bald danach auch in Wien, Budapest, Baden-Baden, Brünn und Nürnberg gespielt. Die Wiener Theaterzeitung „Der Zwischen-Akt“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 8. Jänner 1866  (Zitat in Originalschreibung): Nach der ersten Vorstellung der Operette Coscoletto wurden sämmtliche Mitwirkende von einem Anonymus mit hübschen Geschenken überrascht, die Herren erhielten kleine Dukatenrollen und die Damen werthvolle Armbänder. Als Devise trug jedes dieser Geschenke die Aufschrift: von einem Kranken, der sich bei dem Vergiftungs-Sextette gesund gelacht.

 Die Handlung der Operette in Kurzfassung: Coscoletto ist ein Herumtreiber, der sich unsterblich in das hübsche Blumenmädchen Delfina verliebt. Er gesteht ihr in einem glühenden Liebesbrief seine Leidenschaft. Da das Mädchen nicht schreiben kann, hilft ihr die Nachbarin Mariana beim Verfassen der Antwort. Wenig später gerät sie, die einen eifersüchtigen Makkaroni-Händler zum Ehemann hat, in Verdacht, Coscolettos Geliebte zu sein. Und da auch der Darmsaitenfabrikant Polycarp und der Apotheker Arsenico (Nomen est omen?) in Mariana verliebt sind, ist das Gefühlschaos perfekt. Wie auf ein Stichwort bricht der Vulkan Vesuv aus. Es brodelt und kocht bald überall, Mordgelüste steigen zum Himmel empor. – In der Küche des Makkaroni-Händlers Frangipany kommt es zu einer Begegnung aller. Zu dumm, dass die Nudeln versehentlich mit Gift aus Arsenicos Medizinschrank gewürzt sind. Erst angesichts des gemeinsamen Todes versöhnen sich die unglücklich Verliebten. Und das Gift entpuppt sich schließlich als Schlaftrunk!

 Katharina Thoma, die ein großer Offenbach-Fan ist, wie sie in einem Interview für das Programmheft zugibt, siedelte in ihrer flotten, im Stil der Commedia dell’arte gehaltenen  Inszenierung das eine Stunde und 45 Minuten dauernde Werk in Italien um 1950 an. Einige Szenen gelangen ihr zur Freude und Belustigung des Publikums ausgesprochen komisch – wie beispielsweise der als Puppenspiel eingebaute „Hundechor“ und das absurd wirkende Finale mit dem Loblied auf die Nudel. Das praktisch gestaltete Bühnenbild von Wilfried Buchholz bestand aus mehreren Paravents, die einmal sogar zu tanzen begannen – im Takt der Musik! Die passenden Kostüme im italienischen Stil des vorigen Jahrhunderts entwarf Irina Bartels

 Zum Sängerensemble muss festgehalten werden, dass manche schauspielerischen Leistungen trotz sichtlicher Spielfreude weit hinter ihren gesanglichen Qualitäten zurückblieben. Dies gilt nicht für die Sopranistin Friedgard Teschemacher, die in der Hosenrolle des Cascaletto durch freches, lockeres Spiel zu gefallen wusste und eindeutig am Natürlichsten wirkte. Die zierliche Sopranistin Sujin Yang spielte das Blumenmädchen Delfina reizend, nur klang ihre Stimme in der Höhe zu schrill. Die Rolle des Apothekers Arsenico füllte der Tenor Marc-Eric Schmidt stimmlich und darstellerisch gut aus. Der Bariton Julius Vecsey als Polycarp beeindruckte mit seiner kräftigen Stimme und seinem komischen Talent besonders in der Puppenspielszene mit den Hunden. Das Ehepaar Mariana – Frangipany, dargestellt von Veronika Lutz und dem Bass Andreas Drescher, wirkte in den meisten Szenen leider viel zu steif. 

 Die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt brachten unter der Leitung von Oliver Weder die spritzigen und melodischen Rhythmen Offenbachs gekonnt über die Rampe, obwohl der Orchestergraben in dem schmucken Theater Rudolstadt ungewöhnlich tief unter der Bühne angesiedelt ist. Das Publikum war begeistert, applaudierte dem Orchester schon nach der Ouvertüre und geizte auch nicht mit Szenenbeifall.

 Udo Pacolt, Wien – München

 

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