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RUDOLSSTADT: DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR – Gastspiel Lyric Opera Studio Weimar

11.03.2015 | Allgemein, Oper

Thüringer Landestheater Rudolstadt: Die lustigen Weiber von Windsor – Urig, heiter und bezaubernd

Thüringer Landestheater Rudolstadt: Die lustigen Weiber von Windsor – Urig, heiter und bezaubernd

Das Lyric Opera Studio Weimar spielte »Die lustigen Weiber von Windsor« im Thüringer Landestheater Rudolstadt zwischen 1.3. und 10.3. 2015 / Vorstellung 10.3. 2015

Unbenannt
Foto: Theater Rudolstadt

 Wo Shakespeare Pate stand, ist Spielfreude gefragt, sagt sich Damon Nestor Ploumis, der Leiter des Lyric Opera Studio Weimar. Diese Spielfreude setzt er als Regisseur in jeder Spielsekunde des romantisch-buffohaften Stückes um. Auf der kleinen Bühne des Theaters Rudolstadt sind die Sänger in Bewegung und Interaktion mit ihren Verschworenen oder Kontrahenten. Seine Regiehandschrift erkennt der Zuschauer an den vielen kleinen Späßen, die er immer sinnvoll einsetzt. Da erscheint Falstaff mit einem Riesenglas Nutella oder Herr Spärlich mit einer überdimensionalen Blume. Mit der muss er sich hinter einem Zaun verstecken und dann wackelt das Blümchen, wann immer sein Name genannt wird. Die Lachmuskeln des Publikums werden dabei ordentlich strapaziert. Auch seine Figurenführung ist präzis und individuell. Er weiß, was er aus seinen jeweiligen Schülern herausholen kann und das überzeugt auch das Publikum, die das LOSW schon vor zwei Jahren mit einer Così fan tutte-Produktion kennenlernte. Wann immer die Sänger singen oder sprechen, herrscht auch ein dynamisches und dichtes Spiel. Dieses ist wirklich funktional, es wird beispielsweise Wäsche sortiert und natürlich kommt ein besonderer Rüschenschlüpfer zum Vorschein, der selbstverständlich alle Gemüter erheitert. Wilfried Buchholz hat dafür eine sehr schöne und stimmige Ausstattung arrangiert, die von der Lichtführung gut unterstützt wird. Für die Dramaturgie zeichnet Johanna Muschong verantwortlich. Auffällig ist, dass die Sprechdialoge leicht gekürzt sind. Das gibt dem Gesang-Sprech-Wechsel sehr viel mehr Dichte und auch Tempo.

Die lustigen Weiber von Windsor
Finale 1. Akt. Foto: Theater Rudolstadt

In der Nachmittagsvorstellung treten auf: als Frau Fluth, Kelley Kimball, (USA) und als Frau Reich, Laura Virella (Puerto Rico), Sie sind jung und frisch und verkörpern diese Ehefrauen bestens. Ihre Sopran- Mezzosopran-Duette hören sich schwungvoll und leicht an. Sie sind ganz die spielerischen Weibchen, die man sich wünscht. Den Falstaff verkörpert Martin Hatlo (Norwegen), mit seinem schon sehr gereiften Bass präsentiert er sich sehr überzeugend. In der Rolle des tumben und bräsig-geilen Falstaff avanciert er zum Publikumsliebling. Witzig ist auch, dass er ein wenig ausgestopft ist, was seine trunkenboldige Unbeholfenheit noch unterstreicht.

Herr Fluth wird von Dmitri Ribero (Russland, Kolombien) gespielt, sein Bariton hat Glanz und erweist sich als sanglicher Eckpfeiler der Aufführung.

Andrew Young (Australien) als Herr Reich singt einen ebenbürtigen Bass-Bariton. Den Cajus gibt mit kuriosem französischem Akzent Alexander Adams-Leytes, der Baß-Bariton aus den USA füllt diese Buffo-Rolle blendend aus. Ein wenig gereizt und ein bisschen affektiert, stolpert er leicht vertrottelt über die Bühne oder fällt auch mal aus einer Kulissenwand heraus. Ein sängerisches Urviech, der schnell die Herzen gewinnt. Christopher Plaas als Spärlich (USA) singt einen spritzigen Tenor und bildet als erotomaner, aber etwas ängstlicher Jungspund einen amüsanten Gegenpart zu Cajus. Man erkennt wie Damon Nestor Ploumis die Figuren konträr-kooperativ in ihrem Spiel verbindet und daraus sehr viel Dynamik und Spannung erwächst.

Mit Jessie Tse (Hong Kong) hat Ploumis die Anna besetzt, sie singt einen lyrischen Sopran, der dem Nachmittag einen seidigen Glanz verleiht. Den Fenton als Liebenden singt Derek Rue (USA), der Tenor fügt vor allem in der Schlussszene dem lyrisch-seidigen Glanz seiner Partnerin goldene Töne hinzu. Der Chor, das sind die anderen Teilnehmer des Kurses, vermag die Stimmleistung der einzelnen Sänger noch zu steigern. Mit dem chorischen Finale nimmt die Inszenierung noch einmal eine romantische Wendung. Nach der saftigen Enttarnung Falstaffs nimmt das Spiel noch einmal eine hymnisch-romantisierende Wendung, von der sich die Zuschauer wirklich gerührt zeigen.

 Musikalisch leitet Oliver Weder die Vorstellung und die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt folgen seinem Taktstock sichtlich begeistert. Mit seinem Dirigat unterstützt er die jungen Sänger sehr präzis. Immer ist das Zusammenspiel auf jeden einzelnen Protagonisten abgestimmt. Dabei hat Oliver Weder immer das Ganze im Blick und weiß Tempi und Dynamik zu forcieren. Er hält das Wechselspiel zwischen Orchester und Sängern zusammen und formt ein nuancenreiches Klangbild, das mit dieser Puppenstuben-Bühne zu einem Gesamtwerk verschmilzt. So wird diese Inszenierung zu einem nachmittäglichen Zauberkästchen. Als die letzten Töne verklingen, sind die Zuschauer von einer heiter-magischen Faszination ergriffen. Sie haben Darsteller mit Spielfreude erlebt und eine Regie, bei der der Funke überspringt. Das Publikum im Rudolstädter Theater zeigt sich bezaubert und gut amüsiert und alle acht Vorstellungen waren ausverkauft.

Thomas Janda

 

 

 

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