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RUBY SPARKS

05.12.2012 | FILM/TV

Ab 7. Dezember 2012 in den österreichischen Kinos
RUBY SPARKS
USA  / 2012 
Regie: Jonathan Dayton, Valerie Faris
Mit: Paul Dano, Zoe Kazan, Elliott Gould, Annette Bening, Antonio Banderas u.a.

Es ist so erstaunlich wie erfreulich, dass in einer Mainstream-Welt wie jener Hollywoods noch solche Filme entstehen können. Keine harte Action, kein Teenie-Blödsinn, kein abgefahrener Horror, sondern Intellekt und Poesie, eine „Romanze“, die sich eine Handbreit über dem Boden bewegt. Schön.

Die alte Frage, was Literatur kann und wie sie sich zum Leben verhält, interessiert ja im allgemeinen vor allem die Schriftsteller selbst. Hier durfte Zoe Kazan einen Film daraus machen – vielleicht, weil sie die Enkelin des großen Elia Kazan ist und noch über ein paar Beziehungen verfügt? Oder weil ihr Drehbuch schlicht und einfach gut ist und ihr Freund im wahren Leben, Paul Dano, gerne die ihm auf dem Leib geschriebene Hauptrolle spielen wollte? Wie dem auch sei – „Ruby Sparks“ ist ein hinreißender Film geworden.

Der Held Calvin ist jung, sehr jung, aber leider schon sehr berühmt. Er hat einen Fehler begangen und als Teenager einen so erfolgreichen Roman geschrieben, dass er sich nun nur unter den Erwartungen winden kann: Wann schreibt er das nächste Buch, das natürlich wieder so gut sein muss? Da drängen sein Agent, die Fernsehmoderatoren, der eigene Bruder, und selbst der Psychiater weiß nur bedingt Rat. Kurz, der arme Calvin kann sich unter seiner Ideenlosigkeit nur winden… Und Paul Dano, der viel jünger wirkt als seine realen 28 Lebensjahre und der vom Typ her wahrlich nicht der typische Liebling junger Mädchen ist, kann sich in seiner Eigenschaft als exzellenter Darsteller nur wunderbar unter dem Druck winden, der ihm hier auferlegt ist.

Er solle halt nur so vor sich hinschreiben, meint der Psychiater (Elliott Gould ist hier nicht der professorale, sondern der lockere Typ), und so tippt (!!!! auf einer Schreibmaschine!) Calvin also zwanglos vor sich hin. Denkt sich ein seltsames Mädchen namens Ruby Sparks aus.

Natürlich, die Pointe liegt auf der Hand – aber sie ist hinreißend ausgeführt. Eines Tages steht das Geschöpf seiner Phantasie in seiner Küche. Und er stellt fest, dass nicht nur er sie sieht, sondern auch seine Umwelt (unter den Echtmenschen tauchen noch Kaliber wie Annette Bening und Antonio Banderas als Eltern auf, die ihr Hippietum bis ins Alter gerettet haben – selbstironisch und virtuos).

Wenn Ruby also keine Illusion, sondern fleischgewordene Wirklichkeit seiner Phantasie ist – was dann?

Dann ist es an Zoe Kazan, die diese gar nicht schöne, sehr eigenwillige Ruby mit dem ganzen Gewicht ihrer zarten Persönlichkeit zu versinnlichten. Mehr noch: Glücklicherweise ist ihr in ihrer Eigenschaft als Drehbuchautorin noch eine Menge eingefallen. Denn ausdenken kann man sich bekanntlich (glücklicherweise!), was man will. Ruby ist also, auch als „Echtmensch“, immer noch in Gewalt ihres Schöpfers Calvin. Und wer die Macht hat, der zerstört. Wenn er nun schreibend beginnt, mit der Figur von Ruby zu experimentieren, dann…

… dann darf man legitimerweise nicht weitererzählen, sondern sich nur amüsiert daran freuen, wie klug und einsichtig diese jungen Leute ihre Geschichte zu Ende gedacht haben. Nur so viel: In der Literatur ist ein Neubeginn ja doch noch ein bisschen leichter als im Leben…

Kazan und Dano haben sich für ihren Film mit Jonathan Dayton und Valerie Faris (den Schöpfern von „Little Miss Sunshine“) die richtigen Regisseure geholt, um dies mit leichter Hand auf die Leinwand zu zaubern. Fantasy? Quatsch. Ein ganz wunderbares Überlegungs-Gespinst über Literatur und Leben. Und das ist ein ewiges Thema.

Renate Wagner

 

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