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ROTTERDAM/ 18. Philharmonic Gergiev Festival: PROKOFJEW-ABEND / MUSSORGSKI-KONZERT

Rotterdam, 5. – 7.9.2013 – 18. Rotterdam Philharmonic Gergiev Festival

2013 ist ein besonderes Jahr für VALERY GERGIEV: Am 2. Mai 60. Wiederkehr seines Geburtstags, am selben Tag Eröffnung der neuen Bühne seines St. Petersburger Mariinsky-Theaters und nun im September „Silberhochzeit“ mit dem Philharmonischen Orchester Rotterdam, dem er lange Jahre als Chefdirigent vorstand. Folgerichtig konzentrierte sich das 18. Rotterdam Philharmonic Gergiev Festival auf Konzerte mit dem Jubilar und fasste in nur 3 Tagen eine Werkschau auf Musik der russischen Komponisten Prokofjew, Strawinsky und Mussorgsky zusammen, nicht nur in den abendlichen, von Gergiev geleiteten Konzerten, sondern auch in nachmittäglichen bzw. spätabendlichen Recitals. Ein attraktives Konzept, glänzend umgesetzt von den beiden Orchestern, den Gergiev am längsten verbunden ist, seinem eigenen Mariinsky-Orchester und den Rotterdamer Philharmonikern.

 Bevor nur einen Tag nach Beendigung dieses Rotterdamer Mini-Festivals die neue Spielzeit am Mariinsky-Theater beginnen würde, hatte sich der meistens nimmermüde Maestro offenbar eine mehrwöchige Auszeit gegönnt, sehr zum Vorteil seiner Energie, die am Ende einer langen Saison im Schwinden begriffen war. So war er wie gewohnt das dynamische Ein-Mann-Kraftwerk, ganz im Sinne der Überschrift einer niederländischen Zeitung anlässlich seines Debüts vor 25 Jahren: „Gergiev – das Podiumsbiest“. Es blieb dem eigenen Geschmack überlassen, ob man nun das (sichtlich verjüngte) Mariinsky-Orchester bei Prokofjew oder die Rotterdamer bei Strawinsky und Mussorgsky vorzog – beide waren auf ihre Art gleich hervorragend.

 Beim Prokofjew-Abend begeisterte nach der einleitenden Symphonie classique der junge DANIIL TRIFONOV mit seiner Interpretation des 1. Klavierkonzerts, allen Anforderungen dieses Konzerts mit seiner hämmernden Motorik mit stupender Virtuosität gerecht werdend, während SERGEI BABAYAN dem 5. Klavierkonzert ein beredter Anwalt war, weniger virtuos, aber nicht weniger eindrucksvoll. Dritter im Bunde der erstklassigen Pianisten war ALEXEI VOLODIN als Solist des Strawinsky-Konzerts für Piano und Bläser, doch die Krone des Abends gebührt meines Erachtens der ekstatischen Wiedergabe des Balletts Les Noces durch Solisten (IRINA VASILIEVA, OLGA SAVOVA, ALEXANDER TIMCHENKO, ILYA BANNIK) und Chor des Mariinsky-Theaters, ein durch Sergei Babayan angeführtes Piano-Quartett und die mitreißenden Schlagzeuger der Rotterdamer Philharmoniker. Im ersten Teil des Abends hatte es Strawinskys selten zu hörenden König der Sterne sowie seine Sinfonie in drei Sätzen gegeben. Es machte den Rang des Mussorgsky-Konzerts aus, das neben den Bilder einer Ausstellung Eine Nacht auf dem kahlen Berge und die Lieder und Tänze des Todes nicht in den bekannten Rimsky-Korsakow bzw. Schostakowitsch-Instrumentationen gespielt wurden, sondern in der Original- bzw. Denisov-Version, letztere etwas zu kompakt geraten, so dass der gewiss nicht kleinvolumige MIKHAIL PETRENKO sich nicht immer Gehör verschaffen konnte. Dass die Bilder bei der einleitenden Promenade mit einem Trompetenkiekser begannen, ist schon anderen Orchestern passiert und sorgte nur für kurzzeitige Verwirrung, so dass der Abend im Jubel eines enthusiasmierten Publikums endete, das im Beifall seine ganze Dankbarkeit für 25 Jahre Valery Gergiev in Rotterdam demonstrierte. Fazit: Ein Festival, dessen Besuch immer wieder lohnenswert ist.

 Sune Manninen

 

 

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