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„ROOTS“ – Das neue Album des schwedischen Klarinettisten MARTIN FRÖST

20.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0888750652928   „ROOTS“ – Das neue Album des schwedischen Klarinettisten MARTIN FRÖST / Sony CD – Zeitgeistige Kostproben eines passionierten Vollblutmusikers – Mehr als ein Versprechen

VÖ 5.2.

Wie Konzeptuelles in der bildenden Kunst zu Recht bisweilen Misstrauen erweckt, so bin ich ebenso skeptisch, wenn eine CD mit dem Titel „Roots“ (=Wurzeln) auf den Markt kommt und nichts weniger will, als den Ursprung der Musik zu ergründen. Diese CD ist als Teil eines „Genesis Projekts“ gedacht, innerhalb dessen der Klarinettist Martin Fröst drei Jahre lang mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra arbeiten wird. Das Ergebnis der Arbeiten wird – nehme ich an  – jeweils von Sony als CD veröffentlicht werden.

Beim Anhören dieser ersten  CD im Rahmen eines Sony Classical Exklusivvertrages schwinden allerdings die Vorbehalte nach und nach und man kann sich ganz der Magie des Spiels von Martin Fröst widmen. Wie schön, dass nach den Ottensamers nun auch dieser schwedische Virtuose ein verspielt-jubelndes Manifest für eines der interessantesten Instrumente setzt, das mit Sololiteratur nicht gerade verwöhnt ist. Die Klammer der CD, die mit Alter Musik beginnt, bilden vorweg Stücke, die von Tanz- und Volksmusik inspiriert sind, aber sich auch über rituelle geistliche Lobgesänge bis zu reiner Unterhaltungsmusik spannt. Damit hat das Album eigentlich etwas tief Barockes und wartet mit einem Pasticcio an mehr oder weniger aleatorisch aneinandergereihter Musik auf. Ein wilder Mischmasch à la Wunschkonzert vom Presto aus Georg Philipp Telemanns Konzert für Klarinette, Flöte, Streicher und Continuo in E-Moll, über einen Klezmer Tanz, einen schwedischen Psalm bis hin zu den tollen Variationen über ein schwedisches Lied für Klarinette und Orchester von Bernhard Crusell. Dann wird es klassisch romantischer mit Musik von Johannes Brahms (Ungarischer Tanz Nr. 14), fünf Stücken im Volkston von Robert Schumann, fünf Ausschnitten aus den Rumänischen Volksliedern von Béla Bartók, bevor Nana aus den sieben volkstümlichen Liedern von Manuel de Falla überleitet zu skandinavisch-schwedischer Folkore („Ich weiß ein‘ schöne Rose“) gewürzt mit esoterischen Klängen des Adolf Fredriks Flickkör. Das Album schließt mit Tangos von Astor Piazzolla und des lettischen Komponisten Georgs Pelecis.

Das jazzig anmutende Cover zeigt Martin Fröst in blau rauchigem Schatten gleich einem Schlangenbeschwörer. Man kann es mit den PR Leuten von Sony sagen: „Den Barden und Troubdouren der Vergangenheit gleich, die mit ihren Geschichten und Liedern durch die Lande zogen, begibt sich Fröst mit „Roots“ auf eine musikalische Forschungsreise durch Länder und Zeiten“. Oder aber man lehnt sich einfach in den Sessel zurück und genießt trotz manchen Abgleitens in Kitsch und vielleicht ein wenig zu gefällig sein Wollens eines der aufregendsten Klarinettenabenteur der CD-Geschichte. Dem Wundermann Martin Fröst mögen noch viele mutige musikalische Erkundungen gelingen. Im Spiel ist er kompromisslos direkter und ausdrucksversessener als seine eher auf Wohlklang bedachten berühmten Wiener Kollegen. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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