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ROM: NORMA – trotz toller Location keine Sternstunde

15.08.2012 | KRITIKEN, Oper

ROM (Terme di Caracalla) : NORMA von Vicenzo Bellini am 8.8. 20112

Sind lautsprecherverstärkte Freiluftopernaufführungen überhaupt rezensierbar ? Diese Frage musste man sich anlässlich der NORMA in den Caracalla -Thermen wieder einmal stellen.

An und für sich ist ja die Initiative der neuen künstlerischen Leitung der römischen Oper (Alessio Vlad) unter der Ägide von Maestro Riccardo Muti begrüßenswert, die sommerliche Opernsaison in den pittoresken römischen Ruinen nicht zur reinen Touristenattraktion verkommen zu lassen, sondern künstlerisch aufzuwerten.Und somit statt der ewigen Aida auch einmal Norma zu spielen oder Attila (und auch zeitgenössische Werke – siehe Merker vom 12.7 ) so wie heuer.

Aber wenn es dann offenbar nicht nur an Geld und Zeit, sondern auch ein wenig an Liebe fehlt, kann halt nichts Rechtes draus werden.

In Carlos Salvis an und für sich schönem Bühnenbild (nur die Spitalsbetten im zweiten Akt und der einen Scheiterhaufen symbolisieren sollende hereingeschobene Laternenmast sind indiskutabel) ist der Heilige Hain schon längst abgeholzt. Baumstümpfe weit und breit. Ein an und für sich intelligenter Ansatz, der aber in der Luft hängen bleibt, wenn ihn der Regisseur (Andrea de Rosa) nicht weiter verfolgt und sich zb. der Chor aus hingepfuschten schwarzen Gassen gemächlich auf die Riesenbühne schleppt und ebenso lustlos wieder von dannen trottet. Auch die übergewichtigen Hauptdarsteller leisten mehr oder minder stehenderweise Gesangsdienst nach Vorschrift.


Carmela Remigio (Adalgisa)

Wirklich überzeugen konnte eigentlich nur Carmela Remigio als nahezu perfekte Adalgisa, Julianna di Giacomo fehlt zur Norma sehr viel, darunter die stimmliche Agilität und ein Minimum an Involviertheit in das doch eher tragische Geschehen.

Und dann kommt halt noch das permanente leichte Rauschen aus den Lautsprecherboxen dazu, und das bei diesem absoluten Meisterwerk der Belcanto-Literatur. So kommt keine Freude auf.
Bei der gehetzten Interpretation von Gabriele „Speedy Gonzales“ Ferro auch nicht.

Tolle Location.Tolle Atmosphäre.Tolles Buffet. Toller Mond. Und tolle Sterne. Aber leider keine Sternstunde.

Robert Quitta, Rom

 

 

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