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ROM: ATTILA

28.05.2012 | KRITIKEN, Oper

ROM/Teatro dell’Opera: ATTILA am 27.5.2012 (Robert Quitta)

Totale. Foto: Opera Rom

Riccardo Muti dirigierte (nach Florenz, Mailand und New York) seinen vierten „Attila“, Pier Luigi Pizzi inszenierte (nach Florenz, Nimes und Ravenna) diese rare Verdi-Oper ebenfalls zum vierten Mal. Was sollte da also viel schiefgehen ? Genau gar nichts. Und so geriet die neue gemeinsame
Produktion der beiden Altmaestri an der römischen Oper auch zu einem berechtigten Triumph.

Muti könnte dieses nicht besonders populäre Werk wahrscheinlich auch im Tiefschlaf und auf Autopilot dirigieren, er tut es jedoch mit besonderer Liebe und Aufmerksamkeit . Die Qualitätssteigerung, die er binnen knapp zwei Jahren mit dem Opernorchester erreicht hat, ist enorm und erstaunlich. Und so ist dieser Attila möglicherweise sein ausgereiftester und ausgeglichenster.

Es wird ein weiters Mal hörbar, dass diese Jugendoper zu Unrecht als ein minderwertiges Abfallprodukt der berüchtgten „Galeerenjahre „gilt. Vielleicht fehlen die ganz grossen „Schlager“, aber ansonsten ist Verdis Musik melodisch, eingängig, und – besonders was die vielen verblüffenden
Rhythmus-,Tempo- und Dynamikwechsel betrifft – von kühnstem Einfallsreichtum.
Besonders beeindruckend auch die unheimlichen Chorszenen aus dem „Off“.

Pier Luigi Pizzi verzichtet in diesmal auf Weizenfelder und Sümpfe, er siedelt seine neue Version – eher im klassischen „Pizzi-Stil“ gehalten(hauptsächlich schwarz-weiss Töne, einige wenige Farbtupfer in den Kostümen) –  in der Massenzio – Basilica an. Was im Sommer, wenn die Produktion in den Caracalla-Thermen wiederaufgenommen wird, sicher noch grösseren Eindruck machen wird.

Ein exquisites Sängerensemble setzt die Intentionen von Muti und Pizzi adäquat um: allen voran Ildar Abdrazakov ( als Attila, der Hunnenkönig,die „Geißel Gottes“, der in diesem Libretto überraschenderweise inmitten all dieser Verräter und Intriganten als einziger gut aussteigt)) und Tatjana Serjan (als mörderische Odabella), aber auch Giuseppe Gipale (Foresto) und Nicola Alaimo (Ezio) tragen – mit ein paar stilistischen Abstrichen – zum Erfolg des Abends bei.

Einhelliger Jubel für alle.

Dr. Robert Quitta

 

 

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