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ROCK OF AGES

13.06.2012 | FILM/TV

Ab 15. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
ROCK OF AGES
USA  /  2012 
Regie: Adam Shankman
Mit: Tom Cruise, Catherine Zeta-Jones, Alec Baldwin, Julianne Hough, Diego Boneta u.a.

Nostalgie ist „in“, und zwar aller Art – die Achtziger Jahre und damit die hohe Zeit des Rock’n’Roll wurden beispielsweise 2006 in dem Rock-Musical „Rock of Ages“ (ein Titel von schöner Vielseitigkeit, der auch „Gestein aus Jahrtausenden“ bedeuten kann) gefeiert. Dessen Autor Chris D’Arienzo, der damals geschickt klassische Nummern von Bon Jovi, Guns N‘ Roses, Def Leppard u.a. rund um die übliche kitschige Story zusammen gestellt hat, tat sich nun mit dem Choreographen und Showproduzenten Adam Shankman zusammen, der aus dem Musical einen ziemlich gültigen Film machte – zwar noch immer „Nummernrevue“, aber doch mit mehreren durchgezogenen Handlungssträngen, wobei das periodische Ausbrechen von Gesang und Tanz natürlich die Hauptsache ist…

Die Handlung ist vergessenswert – Blondinchen vom Land kommt nach L.A., will natürlich Sängerin werden, landet als Kellnerin immerhin in dem Rock-Schuppen „The Bourbon Room“ und verliebt sich in braven Jungen, der dann tatsächlich Karriere macht. Parallel haben wir es mit dem Besitzer des Ladens, weiters einem ausgeflippten Rockstar und einer hektisch den Rock bekämpfenden Politikergattin zu tun. Und weil der Film diese Nebenrollen hoch bis „höchst“ besetzen konnte, wird er auch für Leute ansehbar sein, die sich die Ohren fest mit Wattebäuschchen (zur Not tut es auch ein Papiertaschentuch) verstopfen müssen – und selbst dann ist ihnen noch zu laut, was da von der Leinwand kommt und aus den Lautsprechern plärrt (die Kinos haben ja so glänzende Tonanlagen).

Während der Regisseur sein Liebespärchen so ernsthaft großäugig durchs Geschehen führt, als gäbe es diese Naiven der Achtziger noch für jugendliche Zuschauer von heute, dürfen die Stars in den Nebenrollen parodieren, was das Zeug hält. Tom Cruise als schon abgehalfterter Star Stacee Jaxx lässt sich das nicht zweimal sagen. Stets von einem Affen begleitet, ein belämmerter Gesichtsausdruck wie im steten Drogenrausch (da muss man dann auch weiter nichts spielen), schwankender Gang und lallendes Taumeln durch die Existenz – das erfordert keine darstellerischen Künste, die auch nicht geboten werden. Aber immerhin, Kids, das ist Tom Cruise, der da wankt  und gelegentlich sogar singt und rockt, der war mal wirklich ein Star! Er küsst alle Damen, die da um ihn herumwieseln, und verführt auch die Reporterin von „Rolling Stone“ (die man sich ein bisschen stärker besetzt vorstellen könnte als mit Malin Akerman).

     Tom Cruise                                    

Hingegen wirft sich Catherine Zeta-Jones mit vollem Elan ins Geschehen. Vermutlich hat sie begriffen, dass man als Frau über 40 in Hollywood nur eine Zukunft hat, wenn man nicht auf Hauptrollen wartet (die einem niemand anbietet), sondern in Nebenrollen mit Möglichkeiten sein Bestes gibt. Die Gattin des Bürgermeisters (er ist Bryan Cranston und damit beschäftigt, sich von seiner Sekretärin den Popsch verhauen zu lassen) möchte die Unsittlichkeit des Rock’n’Roll bekämpfen – warum wohl? Weil sie einst selbst ein Groupie war und vom Superstar schlecht behandelt wurde. Nun zickt und intrigiert, singt und tanzt sie, dass es nur so eine Freude ist, mit Ironie und Nachdruck gleicherweise. Und ihre einstige Schönheit ist nahtlos in Attraktivität übergegangen.

Witzig, wie souverän Alec Baldwin damit umgeht, dass er – einst einer der schönsten Männer Hollywoods – heute ein dicklicher, mittelalterlicher Herr ist. Als Dennis Dupree, der Besitzer des „Bourbon Room“, ist er mit halblangem Fetthaar von einiger Gelassenheit inmitten des allgemeinen Chaos, umschwirrt von Britanniens seltsamem Humor-Wunder Russell Brand, der trotz seines wunderbar britischen Tonfalls nicht jedermanns Sache ist, aber sein homosexuelles Liebesgeständnis für den Chef wirklich bezaubernd hinkriegt.

Schließlich ist auch, um die Oldies und Promis des Films abzuschließen, Paul Giamatti die gebremste Karikatur eines Agenten (man könnte sie sich so vorstellen), und die schwarze Pop-Diva Mary J. Blige, die es im europäischen Bewusstsein nie in die erste Reihe geschafft hat, bekommt auch noch ihre Rolle und ihre wirkungsvollen Auftritte.

Ja, und das Liebespaar? Die 23jährige Julianne Hough ist das amerikanische Teenager-Blondinchen von anno dazumal, und man kann nicht genug über die Massen von Hairspray staunen, die da in ihre Locken investiert werden mussten. Ihr 21jähriger Partner, der wirklich entzückende Mexikaner Diego Boneta schmachtet sie an, aber die beiden sind so schrecklich unbedeutend, dass sie im Film angesichts der anderen Darsteller immer wieder verloren gehen…

Was sich an „Rock of Ages“ – ein hoch professioneller, fabelhaft gemachter Musical-Film – nun erweisen muss, ist die Anziehungskraft des Rock’n’Roll an sich, zumal wenn man den „King“ Elvis total ausspart (es gibt weder seinen Namen noch eine seiner großen Nummern)… Der Startschuß fällt an diesem Wochenende weltweit, dann wird sich die Frage in Kürze beantworten. Gehen da nur die „Alten“ rein, die ihre Jugend suchen, oder auch das junge Publikum, das über den Erfolg an der Kinokasse entscheidet?

Renate Wagner

 

 

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