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RICHARD WAGNER für Violine und Klavier …………

21.02.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

wa RICHARD WAGNER für Violine und Klavier – mit Gerald Schubert und Bernadette Bartos – GRAMOLA CD

Wagner für den Konzertsaal gibt es ja bekanntlich vom Meister selbst in genuinen Schöpfungen: Erhalten sind Chorwerke, Sonaten, Polonaisen, Albumblätter, Lieder oder auch Transkriptionen eigener Werke in allen möglichen Spielarten. Daneben gibt es Legionen an Bearbeitungen von symphonischen Stücken und Teilen aus Wagners Opernschaffen durch andere Komponisten. Auf der vorliegenden CD finden sich solche Paraphrasen in unterschiedlicher Qualität und von unterschiedlichem Interesse für Violine und Klavier durch Joseph Joachim Raff, Alexander Sascha Ritter und August Wilhelmj.

Das Beste bietet gleich der CD Einstieg, nämlich das Duo für Violine und Klavier über Motive aus „Tannhäuser“ von Joachim Raff.  Dieser in der Schweiz geborene Komponist hatte mit seinem Schaffen für Klavier sogar Mendelssohn begeistert. Mit Paraphrasen wie der vorliegenden machte er sich rasch einen Namen und wurde dabei u.a. durch Hans von Bülow gefördert. Und wirklich, diese Tannhäuser Paraphrase ist die weitaus originellste, spannendste und effektvollste, die ich kenne. Raff schafft mit dem Duo ein genuines Stück Kammermusik, das über eine reine Adaption für den Hausgebrauch hinausgeht. Der Violine ist der Melodienpart zugeordnet und das Klavier darf den harmonischen Unterbau zelebrieren. Und es ist ganz großartig, was vor allem Gerald Schubert auf der Violine zustande bringt. Dieser eminente Solist ist die eigentliche Sensation der CD. Sein Name ist mit Lockenhaus, der Jeunesse, und den Wiener Philharmonikern auf Engste verbunden. Hier spielt er Wagner immer „auf Kante“, hellwach, mit einem enormen Ausdrucksspektrum an Tongebung, von Bogenstrich und Dynamik her. Die Bearbeitung des Joachim Raff bietet zudem die nötige virtuose Vorlage, um auch das beeindruckende technische Können unter Beweis stellen zu können. Eine wahre Freude für den Zuhörer. Da kann die auf dem Steinway sensitiv und einfühlsam spielende Bernadette Bartos nicht ganz mithalten. Der Klavierpart erklingt im direkten Vergleich „braver“ und weniger beherzt angegangen. 

Nach einer kompositorisch wenig aufregenden Bearbeitung des Preislieds aus den Meistersingern von Nürnberg durch August Wilhelmj enthält die CD eine sehr stimmungsvolle Wiedergabe der Wesendonck-Lieder, wo wiederum Gerald Schubert den vokalen Part quasi mit instrumentaler Stimme höchst differenziert zum Ausdruck bringt. Der in Estland geborene und später in München wirkende Alexander Ritter hat Isoldes Liebestod reizvoll bearbeitet. Hier ist auch Bernadette Bartos ganz in ihrem Element. Intensität und Ausdruckskraft der beiden Solisten ergänzen sich bei Tristan und Isolde auf das Beste. Bei Siegfried und Parsifal ist August Wilhelmj offensichtlich mehr eingefallen als wie bei den Meistersingern. Die beiden die CD abschließenden großen Paraphrasen sind wiederum eher die Violine bevorzugende Bearbeitungen, war doch August Wilhelmj neben Joseph Joachim einer der überragenden Violinvirtuosen seiner Zeit. Gerald Schubert nutzt dieses Momentum und ist wiederum der herausragende Solist, von Bernadette Bartos behutsam und mit viel Delikatesse am Klavier begleitet.

Eine CD für alle, die ihren Wagner einmal in kammermusikalisch ansprechender Weise und dabei exzellent interpretiert hören wollen.

Dr. Ingobert Waltenberger

https://www.gramola.at/de/shop/produkte/kammermusik/gramola/

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