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RICHARD STRAUSS: INTERMEZZO – Live Gesamtaufnahme

04.05.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

interm. kl. RICHARD STRAUSS: INTERMEZZO – Live Gesamtaufnahme mit Simone Schneider und Markus Eiche – cpo 2 CDs

Aufgenommen beim Richard-Strauss-Festivals 2011 in Garmisch-Partenkirchen (Werdenfelssaal), ist die konzertante Aufführung von Strauss‘ Oper „Intermezzo“ mit dem Münchner Rundfunkorchester unter Ulf Schirmer unter sprechender Mitwirkung der Intendantin Brigitte Fassbaender jetzt dank des Labels cpo auch genussreich auf Tonträger nachzuhören.

Intermezzo ist ein ausladendes bürgerliches Konversationsstück auf ein Textbuch des Komponisten selbst. Es wird von hinreißend schönen orchestralen Zwischenspielen (z.B.: “Träumerei am Kamin”) wie in Brittens Peter Grimes und einem – wie kann es anders sein – nachdenklichen Schlussgesang der weiblichen Hauptrolle Christine von Storch veredelt. Es lebt von der vokalen Qualität der Protagonisten, die sowohl rezitativisch als auch arios brillieren müssen, und von einem durchsichtig silbern-leuchtenden Orchestersound, wie er halt das Markenzeichen dieses Komponisten ist. 

Simone Schneider ist eine Idealbesetzung der Christine. Mittlerweile hat sie schon die Kaiserin und Salome im Repertoire. Damit ist Simone Schneider dramatischer als ihre auf CD in dieser Rolle reüssierenden Fachkolleginnen Lucia Popp oder Hanny Steffek. Wer der legendären Strauss‘schen Pauline in Kratzbürstigkeit, Launen, Schmollen gespickt mit Gurren und Schnurren am nächsten kommt, weiß ich nicht. Simone Schneider verfügt jedenfalls sowohl über die stimmliche Autorität um das Königliche der Figur, aber auch über die Wärme, den Charme und die Zwischentöne, um die verletzliche Frau glaubhaft verkörpern zu können. Jedenfalls ziehen Robert und Christine anders als bei Färber und Färberin (wohl auch so ein autobiographisches Gespann) ihren Sohn mit ein in den emotionalen Krieg. Rein tiefenpsychologisch ist das absolut keine gute Idee.

Markus Eiche als Richard Strauss‘ alter ego Robert Storch ist sicherlich „softer“ im Vergleich zu Fischer-Dieskau in der EMI-Sawallisch Aufnahme, eher ein ländlicher Teddybär à la Mandryka als ein furioser „Streithansl“. Markus Eiches Bariton ist weniger markant fokussiert, und stößt in den Höhen manchmal an Grenzen. Dafür gelingen ihm die Lyrismen der Partie exzellent. Textverständlichkeit verbindet sich mit den Prey’schen Tugenden von Wohlklang und improvisatorischer Geste aus dem Moment heraus.

Martin Homrich als eher an Geld wie an Liebe interessierter Dandy und Möchtegern-Casanova Baron Lummer verfügt über tenorale Verführungskraft und Leichtfüßigkeit, kann aber auch den melancholischen Unterton in dieser eigentümlich defensiven Liebesgeschichte glaubhaft vermitteln.

Von der übrigen Besetzung ist noch Günter Missenhardt am Skattisch zu erwähnen, der mit einer hinreißenden Kammersänger-Parodie à la Alfred in der Fledermaus aufwartet.

Ulf Schirmer kann mit dem Münchner Rundfunkorchester Humor und wohl auch eine fragile Sympathie mit den an sich nicht gerade netten Protagonisten vermitteln. Die Zwischentöne spielen sich ja eher im Instrumentalen und die großen Emotionen in den Zwischenspielen ab, dazwischen geht es mitunter ja recht handfest zu.

Am Erfolg dieser Einspielung haben aber auch Martina Welschenbach als Kammerjungfer Anna, Michael Dries als Notar, Brendel Gunnell als Kapellmeister Stroh und Peter Schöne als Justizrat ihren verdienten Anteil.

Der Musikfreund hat jetzt die Qual der Wahl: Er kann aus zwei nahezu ebenbürtigen Referenzeinspielungen (Sawallisch EMI oder Schirmer cpo) wählen.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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