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RETZ/Festival: ORPHEUS oder DIE WUNDERBARE BESTÄNDIGKEIT DER LIEBE von G.P.Telemann

08.07.2012 | KRITIKEN, Oper

FESTIVAL Retz: ORPEUS oder DIE WUNDERBARE BESTÄNDIGKEIT DER LIEBE am 8. 7.2012


Foto: Festival Retz

Georg Philipp Telemann erreichte für damalige Zeiten nicht nur ein hohes Alter, er wurde 86 Jahre alt. Er war auch ein sehr produktiver Komponist, der mehr als 3.000 schuf. Deswegen wurde er im 19. Jahrhundert als oberflächlicherer Vielschreiber abgetan und dann so ziemlich vergessen. Jetzt wird er allmählich wieder entdeckt und man merkt, dass er auch viel Inspiriertes geschrieben hat. So in der gespielten Oper im 1. Akt eine Szene mit Duett Orpheus/Eurimedes zusammen mit dem Chor – dieses Stück ist einfach wunderbar, oder als Orpheus in die Unterwelt hinabsteigt und mit seiner Musik den Pluto erweicht.

In dieser Oper kommt zum Orpheus-Mythos noch die Königin Orasia hinzu, die Orpheus begehrt. Deswegen besorgt ihre Gefährtin Ismene die Giftschlange, durch deren Biss Eurydike stirbt. Im 3. Akt tobt und rast sie, da sich Orpheus ihr auch jetzt nicht zuwendet. Orpheus stirbt am Grab der Eurydike. Es handelt sich um eine deutsche Oper, sie war ja für Hamburger Bürgeroper geschrieben, aber es gibt Arien in Italienisch bzw. in Französisch.

Ein in Retz seit Anbeginn enstandenes Retzer Ensemble ist aufeinander abgestimmt. Mit dem Dirigenten Andreas Schüller mit dem ensemble continuuum, dazu der LABYRINTHE-vocalensemble. Sie alle trugen ihren positiven Beitrag für eine überzeugende Umsetzung der Partitur bei. In der Regie von Monika Steiner mit den Kostümen von Alexander Löffler finden sich viele „unverzichtbare“ Elemente des Regietheaters wieder: so die schwarzen Kostüme (glücklicherweise manchmal auch in Weiß) und, zwar keine Koffer, aber dafür viele Leitern. Der Chor tritt meistens als Reinigungstrupp auf. Aber die Personenführung ist gut gelungen.

Durch den hohen Kirchenraum verändert sich die Akustik wenn forte gesungen wird, da wirken besonders Frauenstimmen etwas schrill und überlaut. Eine geringere Dosierung der Lautstärke wäre manchmal ratsam.

Das tragische Liebespaar ist mit dem Bariton Mathias Hausmann und der Sopranistin Katharina Stummer besetzt. Seine Rolle ist ziemlich groß und er singt sehr ausdrucksvoll und gestaltet überzeugend. Sie singt sehr schön und fein in lyrischer Weise. Es gibt noch den Eurimedes als Begleiter des Orpheus, gesungen vom Tenor Matthias Spielvogel in positiver Art und Weise.


Foto: Festival Retz

Für einen dramatischen Sopran ist die Partie der eifersüchtigen Orasia eine Bombenrolle. Bernarda Bobro nützt ihre Chance mit großem Nachdruck, denn sie agiert und singt mit großem Einsatz. Im 3. Akt bringt sie Verzweiflung, Rach- und Eifersucht mit Vehemenz über die Bretter. Ihre Begleiterin Ismene ist rollengemäß verschlagen. Mara Mastalir erfüllt ihre Aufgaben in guter Weise.

Pluto, der Herrscher der Unterwelt, singt der wortdeutliche Yasushi Hirano. Er besitzt einen mächtigen Bass und erfüllt seine Rolle zur vollen Zufriedenheit. Auch er hat einen Vertrauten, den Ascalax. Dieser wird von Csongor Szántó gut auf die Bühne gebracht.

Das Publikum war von dem unbekannten Werk sehr begeistert, der große und starke Beifall zeigte dies. Den meisten davon und ebenso mit den Bravos ging an die Orasia und an den Orpheus. Retz ist eine Reise wert.

Martin Robert BOTZ

 

 

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