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RENDSBURG/ Schleswig Holsteinsches Landestheater: ANYTHING GOES

17.03.2013 | KRITIKEN, Oper

Schleswig-Holsteinisches Landestheather „Anyhting goes“. Besuchte Vorstellung im Theater Rendsburg Am 17. März 2013


Foto: Schleswig Holsteinsches Landestheater

Irgendwie gleicht das Schleswig-Holsteinische Landestheater mit den Hauptsitzen in Flensburg und Schleswig dem weiland Prinzipal Striese aus dem Raub der Sabinerinnen“. Mit den geringstmöglichen Mitteln wird Erstaunliches geleistet Getragen wird die Bühne von einer Gesellschaft, der rund zwanzig Städte und Gemeinden im Norden und Westen des Landes angehören. Auch das Land gibt Geld –viel zu wenig, wie die Intendanten beklagen. Die Bühne bespielt mit Abstechern eine Region, die von Itzehoe über Heide, Wyk auf Föhr, Westerland bis in das südliche Nordschleswig reicht. Stadttheater-Funktion hat sie außer in Flensburg in Schleswig – wo im Slesvighus ein Ausgleichquartier für das marode Stadttheater gefunden worden ist – und Rendsburg. Dort haben wir die überaus farbenprächtige und personenstarke Musikalinszenierung „Anything goes“ von Cole Porter besucht.

 „Alles ist möglich“ auf dieser Europareise auf dem Luxusdampfer „S.S. American“ 1934 von New York nach „good old Europe“. Dort wollen sie alle ihren Traum verwirklichen: Der erfolgreiche Börsenmakler, der in London eine Ruder-Regatta gewinnen will, und seine Jugendliebe Evangeline, die ihre schöne Tochter mit einem skurrilen, nicht mehr taufrischen, aber reichen britischen Aristokraten verheiraten möchte. Der junge Angestellte Billy, der eben diese Tochter aus gutem Hause, Hope, für sich gewinnen will und dafür Reno, die „sinnlichste Predigerin der Welt“ abblitzen lässt.

 Für das nötige Verwechslungs-Chaos sorgen ein „unglücklicher“ Gangster, der sich als Priester verkleidet hat, ein „unglücklicher“ Priester, der für den Gangster gehalten wird, Erma, eine „verführerische Gangsterbraut“ sowie Luke und John, zwei „bekehrte Chinesen“. Aber auch das Schiffspersonal kann sich sehen lassen: von den steppenden Matrosen über Fred, den Barmann, der für jedes Wehwehchen den richtigen Drink mixt, die vier Showgirls mit viel Pfeffer und Swing – aber allesamt „Engel der Unschuld“ -, bis hin zum Kapitän, der eine Menge zu tun hat, bis er zu guter Letzt vier Paare unter die richtige Haube gebracht hat.

 Alles klar? Dann kann das Schiff ja in See stechen. „Glückliche Reise“ mit einigen der schönsten Cole-Porter-Schlagern wie „I Get a Kick Out of You“, „Let’s Misbehave“, „Night and Day“, „It’s De-Lovely“, „Blow, Gabriel ´, Blow“ Das sehr angejahrte Musikal ist auf den deutschen Bühnen kaum bekannt. Im deutschen Sprachraum hat es ein Gegenstück in Eduard Künnekes Revue „Glückliche Reise“.

Die Handlung ist dünn und wenig mitreissend. So setzt die Regie von Markus Hertel auf die musikalischen Werte. Dazu kann er auf ein Ensemble bauen, das unter der musikalischen Leitung von Stefan Diederich in dem luftigen Bühnenbild und in den fantasievollen Kostümen von Eckhard Reschat zu singen, zu spielen und zu tanzen weiß. Das kopfstarke Ensemble wird ergänzt mit Tänzern des hauseigenen Balletts, Mitgliedern des Opernchors und gut geschulten Statisten. 150 Minuten wirbelt es hinreißend über die Bühne. Das Schleswig-Holsteinische Sinfonieorchester gefällt vor allem in den Bläser-Passagen.

Das Rendsburger Publikum – das Durchschnittsalter ist erschreckend hoch – ist beifallfreudig und feiert am Schluss alle Beteiligten lang und anhaltend.

 Horst Schinzel

 

 

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