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REINHARDSGRIMMA/ Schloss: WIENER KLASSIK IN SACHSEN

22.03.2015 | Konzert/Liederabende

Reinhardtsgrimma/Schloss: WIENER KLASSIK IN SACHSEN – 21.3.2015

 

Die Winter-Konzertsaison der Reinhardtsgrimmaer Schlosskonzerte unter der künstlerischen Leitung des Dresdner Kreuzorganisten Holger Gehring geht langsam in den Frühling über. Im ersten Konzert nach Frühlingsanfang widmeten sich vier Musiker der Sächsischen Staatskapelle Dresden: Susanne Branny, 1. Violine,  Jörg Kettman, 2. Violine, Michael Schöne, Viola und Helmut Branny, Kontrabass sowie die Cellistin Juliane Gilbert im schönen Rokoko-Festsaal des Schlosses heiter-beschwingten Werken der Wiener Klassik, nicht wie allgemein üblich, ausschließlich mit Werken von Haydn, Mozart und Beethoven, sondern auch mit „grenzwertigen“ Besonderheiten. 

Den schwungvollen Auftakt bildete das dreisätzige „Divertimento D-Dur“ (KV 136) des jungen W. A. Mozart,  mit viel Engagement und Musizierfreude dargeboten von den fünf Musikern, einem eingespielten Team. Obwohl es – wie die beiden anderen Divertimenti Mozarts – für Streichorchester berühmt geworden ist, wählten die Musiker eine einfache Streicherbesetzung, entsprechend dem ursprünglichen Verständnis eines Divertimentos zu Mozarts Zeiten in Salzburg. Mit entsprechender Klangfülle füllten Sie den Raum und trafen den kantabel-melodischen Tonfall, den die Zuhörer begeistert aufnahmen.

 Es folgte ein „Trio Es-Dur für zwei Violinen und Viola“ von Johann Gottlieb Naumann (1741-1801). Wie kommt aber der Dresdner Naumann in die Gesellschaft der Wiener Klassik? Ganz einfach, Mozart traf auf seiner legendären Dresden-Reise auch mit Naumann zusammen, dem damaligen Dresdner Hofkapellmeister, nach J. A. Hasse eine prägende Persönlichkeit der Dresdner Oper und zeitweilig auch des schwedischen Musiklebens. Seine Oper „Gustav Wasa“ galt zeitweilig als schwedische Nationaloper. Mozart und Nauman schätzten sich gegenseitig.

 Naumanns “Trio“  wird gern, wenn sich die Sächsische Staatskapelle Dresden auf Reisen befindet und eine Musikern/ein Musiker Geburtstag hat, von drei Kapellmitgliedern im Hotel als Ständchen dargebracht. Zwei Violinen und eine Bratsche finden sich schnell zusammen, um einen sehr wirkungsvollen musikalischen Glückwunsch zu überreichen, und auch hier, welche Klangfülle, welch einschmeichelnde Melodik und welch schönes Zusammenwirken der einzelnen Instrumente.

 Ein Kuriosum stellt das fünfsätzige „Divertimento D-Dur“ von „Joseph Haydn“ dar, komponiert von J. G. Albrechtsberger, dem Lehrer L. v. Beethovens in Wien. Es gelangte auf kuriosen Wegen ins Hoboken-Verzeichnis der Werke Haydns und war gut anzuhören, auch wenn es nicht von Haydn stammt. Wieder in „voller“ Besetzung, widmeten sich die fünf Musiker mit all ihren künstlerischen Ambitionen und Können diesem Divertimento, eine heitere Musik zum Vergnügen, vielleicht auch eine kleine „Nachtmusik“.

 Ihr folgte Mozarts berühmte „Kleine Nachtmusik“. Volkstümlich wird Mozart nicht selten auf dieses liebenswürdige, heitere kleine Gelegenheitswerk, das er so ganz nebenbei für seine Freunde zwecks fröhlicher Geselligkeit komponierte, reduziert. Man kann es oft hören, aber nicht immer so begeistert und geprägt von auffallend gutem Zusammenspiel wie hier, mit hoher Musikalität und viel Liebe zur Musik.

 Für den Abend waren die fünf Musiker, die neben der Sächsischen Staatskapelle auch noch in anderen „Formationen“ spielen, ein sehr gut eingespieltes Team, das sich liebevoll in diese heiteren „kleinen“ Werke vertiefte und sie mitreißend zu Gehör brachte.

 Nach dem begeisterten Beifall „gaben die Musiker zu, noch eine Zugabe zu haben“ (ein nettes Wortspiel), die „Polka mazur“ von Johann Strauss, und natürlich in exzellenter Ausführung, nicht nur als Dank an das musikinteressierte und musikverständige Publikum, sondern auch als Geburtstagsständchen für eine Dame im Publikum zum 60. Geburtstag – eine schöne Geste.

 Echt wienerisch ging es auch bei der 2. Zugabe, der Polka schnell „Auf Ferienreisen“ des Bruders Joseph Strauss zu, die die Stimmung „auf den Höhepunkt“ brachte, denn hier waren auch die Brüder Strauss in den allerbesten Händen.

 Ingrid Gerk

 

 

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