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RED LIGHTS

14.08.2012 | FILM/TV

Ab 17. August 2012 in den österreichischen Kinos
RED LIGHTS
Regie: Rodrigo Cortés
Mit: Robert De Niro, Sigourney Weaver, Cillian Murphy u.a.

Das Thema ist „in“ und wird es immer sein (vor nicht langer Zeit diskutierte man bei Maischberger aus allen erdenklichen Gesichtspunkten darüber): die Parapsychologie. Ist sie eine Wissenschaft oder hat man es schlicht und einfach mit geschickten Betrügern zu tun?

Gibt es das „Unerklärliche“? Kann man mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen (was ja beweisen würde, dass nach dem Tod nicht alles aus ist)? Und vor allem: Gibt es Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten? Denn darum geht es ja – und um die ungeheuren Summen, die solche Leute ihren gläubigen Mitmenschen aus der Nase ziehen.

In diesem Film des Spaniers Rodrigo Cortés, der sich mit dem „Sarg“-Film „Buried“ (Ryan Reynolds eineinhalb Stunden eingeschlossen und die Kamera ausschließlich bei ihm) einen Namen machte, begibt sich Sigourney Weaver (gelassen, nüchtern, nur selten aus der Fassung zu bringen) folglich – nein, nicht auf Hexenjagd, auf Betrügerjagd. Gleich zu Beginn entlarvt dieses Margaret Matheson ein Poltergeistsyndrom souverän und erklärt auf der Universität bald auch ihren Studenten (und uns), wie leicht es ist, beim „Tischerlrücken“ scheinbar unerklärbare Wackeleffekte zu erzeugen…

An der Seite der Wissenschaftlerin arbeitet ihr leidenschaftlicher Assistent Tom Buckley, der ihre Ambition, alle Scharlatane zu entlarven, teilt. Der Ire Cillian Murphy hat eines der interessantesten Gesichter, die in den letzten Jahren auf der Filmleinwand auftauchten. Man glaubt ihm den  interessanten, dabei aber irisierend hintergründigen Menschen, der für viele Überraschungen gut ist und dessen immer leidenschaftlicherer Jagd man mit einer Spannung folgt, die mehr aus seiner Person denn aus der herausragenden Qualität des Films resultiert…

Immerhin, sein Gegner als der große „Magier“ Simon Silver ist Robert De Niro, und das bringt es dann wirklich für den Film, denn selbst wenn dieser nur die prachtvolle Routine eines Schauspielerlebens bietet (und nicht eine seiner genuinen larger than life-Leistungen), ist er immer noch großartiger als die meisten je sein werden. Blind lässt er sich von seiner Assistentin (cool: Redgrave-Tochter Joely Richardson) zu seinen Auftritten führen, wo er nicht wie David Copperfield „zaubert“, sondern scheinbar die geheimsten Gedanken willkürlich ausgewählter Personen im Publikum liest… Als silberhaariger, souveräner „großer Meister“ umgibt er sich mit der kalkulierten Aura der Rätselhaftigkeit.

Die spannende Konfrontation soll kulminieren, als Margarets Gegner in der Universität, Professor Shackleton (der zwergenhafte Toby Jones, auch aus „Harry Potter“ bekannt) zur Stärkung seines Parapsychologie-Lehrstuhls eine wissenschaftliche Erforschung von Silvers Fähigkeiten verlangt – und dieser sich darauf einlässt. Aber die Krimi-Elemente dürfen nicht fehlen, es gibt unerklärliche Tode und unerklärliche Phänomene und… die Fairness verlangt, nichts weiter zu verraten. Schließlich ist Gänsehaut bei Filmen dieser Art inbegriffen. Und die Ambition des Regisseurs ging hier über einen Thriller kaum hinaus.

Am Ende scheint der Film auszusagen, was man ohnedies weiß: Es gibt Scharlatane (wenn auch ihre Zaubertricks nicht immer durchschaubar sind). Aber, wie die Drehbücher schon spielen, soll man ja doch an das Übersinnliche, an das schier Unmögliche glauben. Und darum platzt ganz am Ende noch eine Überraschung… Denn, wie schon Shakespeare sagt, es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde… und so weiter.

Renate Wagner

 

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