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PUBLIKATIONEN DER WIENER STAATSOPER

12.07.2012 | Allgemein, buch

   

WIENER STAATSOPER
IMPRESSIONEN ZUR SPIELZEIT 2011 / 2012 

Das ist keine Konkurrenz zum jährlich erscheinenden Jahrbuch der Opernfreunde (das erst im September auf den Markt kommt), sondern eine echte und sehr klug gedachte Novität. Die Staatsoper lässt ihren derzeitigen Hausfotografen Michael Pöhn offenbar jede Aufführung dokumentieren. Da Opern ja immer in Serien gespielt werden, deren Besetzungen nur selten von einander abweichen, kann man mit je einem Theaterzettel im allgemeinen vier bis fünf Abende abdecken. Wird ein Werk in mehreren Serien gespielt, ergeben sich zudem interessante Vergleiche. Die wunderschöne Marschallin der Anja Harteros, die das Titelbild der umfangreichen Broschüre ziert, ist im Buch – ebenfalls ganzseitig – mit der Marschallin der Nina Stemme konfrontiert. Man sieht Elina Garanca und Michaela Selinger als Octavian, Chen Reiss und Miah Persson als Sophie, und auch die wichtigen Nebenrollen kommen bildlich an die Reihe – ebenso wie sämtliche Dirigenten.

Das ist nun tatsächlich, vom Domingo-Boccanegra, der am Beginn der Saison stand, bis zur Damrau / Rae-Lucia am Ende ein gewaltiges Kompendium von Opernkünstlern, die fast erstaunt darauf zurückblicken lassen, wen man im Lauf dieser Saison alles gesehen hat.

Ein Buch wie dieses ist wichtig für die Zuschauer, die sich erinnern und auch bildlich vergleichen können (Schwanewils und Magee als Arabella, Dessay und Jaho als Traviata, Nylund und Lindstrom als Salome, Villazon, Vargas und Costello als Nemorino, Gould und Seiffert als Tannhäuser und viele andere mehr), wobei hier wirklich das Hauptaugenmerk auf Porträts gelegt wird. Beim Ballett, das auch ausführlich dokumentiert wird, dominieren die Szenenbilder.

Alles in allem – man blättert und blättert und erinnert sich und weiß, dass dergleichen im Lauf der Zeit als Dokument immer kostbarer wird.

 

EBERHARD WAECHTER UND DIE WIENER OPER

Es ist auch schon wieder 20 Jahre her, dass Eberhard Waechter am 29. März 1992 bei einem Spaziergang im Wienerwald gestorben ist – herausgerissen aus seiner erst im Jahr davor angetretenen Tätigkeit als Direktor der Wiener Staatsoper. Davor lag die glanzvolle Karriere des am 9. Juli 1929 (als Eberhard Wächter) Geborenen, der einer der ganz großen Baritone seiner Zeit und ein erklärter Wiener Publikumsliebling war. Das immer verlässliche Autorenduo Lang & Lang, die so erfolgreich in den archivierten Beständen des Hauses wühlen, hat nun einen Band über Waechter zusammen gestellt, der vorwiegend aus Bildern und Schriftstücken besteht – bei seinem ersten Auftritt in der Staatsoper, der am 11. Mai 1953 noch in der Volksoper stattfand, er war nicht, wie später so oft, der Danilo in der „Lustigen Witwe“ (den verwaltete noch Burgschauspieler Fred Liewehr), sondern erst der Nebenrollenheld St. Brioche. Dokumente wie Verträge, Theaterzettel, eine skurrile Unfall-Anzeige (der Beamtenstaat protokolliert, dass er bei seinem Eisenstein-Kopfstand stürzte und ärztlich versorgt wurde), Antrag zum Ehrenmitglied (1981) begleiten den Bildteil, der den Weg zu den großen Rollen (als 26jähriger Escamillo, mit 27 schon Posa, mit 29 Don Giovanni) nachzeichnet. Man sieht den Wandel vom pausbäckigen jungen Gesicht zu den markigen Zügen der späteren Jahre. In Karajans Silvester-„Fledermaus“ von 1960 war er schon der Eisenstein, später Figaro-Graf, Mandryka (auf einem Foto sieht man eine best gelaunte Gruberova als Fiakermilli) und vieles mehr. Am 19. Mai 1983 stand er als Erster Sprecher in der „Zauberflöte“ letztmals auf der Bühne der Staatsoper. Ein Foto zeigt dann ihn, Ioan Holender und Ministerin Hawlicek bei seiner Ernennung zum Staatsoperndirektor, nachdem er davor schon seit 1987 die Volksoper geleitet hatte. Der letzte Traum, „sein“ Haus zu führen, war kurz. Seine Spuren hat Waechter dennoch hinterlassen – bei allen, die ihn oft erleben durften. Und nun auch in diesem Buch.

 

DER SEELE NACH WIENER

Vor 50 Jahren, am 17. Februar 1962, starb Bruno Walter in den USA. Dieser Dirigent gehörte zu jenen zahlreichen Künstlern, deren Leben durch das Dritte Reich auseinander gerissen wurde. Ihnen späte Reverenz zu erweisen, galt nicht immer als Ehrensache – glücklicherweise ist es mittlerweile zu einer solchen geworden. Schließlich war der am 15. September 1876 in Berlin Geborene, der ab  1907 mit den Wiener Philharmonikern zusammen arbeitete und 1936 künstlerischer Berater der Wiener Staatsoper wurde, bevor er 1938 nach dem Anschluss Hals über Kopf Europa verließ, einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit, der nicht nur Pfitzners „Palestrina“ zur Uraufführung brachte.

Hier beschränkt sich der Band nicht auf den großen Bildteil, sondern würdigt Walter als Dirigenten ebenso wie als Komponisten und bittet Franz Welser-Möst in einem Interview zu seiner Interpretation.

Der Bildteil zeigt jene Dokumente, die in der Staatsoper anlässlich der Bruno Walter-Ausstellung präsentiert wurden, wobei frühe Theaterzettel ebensolchen Reiz haben wie Briefe, Bühnenbildentwürfe oder Fotos (köstlich die Bilder von Salzburg 1935, wo die Steirerhüte für Damen offenbar verpflichtend waren). Ob mit Toscanini oder Thomas Mann im Bild – Bruno Walter markierte die Spitzenliga seiner Zeit.

Renate Wagner

 

 

 

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