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PRAG/ Narodni Divadlo: PELLÉAS ET MÉLISANDE – Premiere

05.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Praha, Národni divadlo: „PELLÉAS ET MÉLISANDE“ 4. 11.2012


Philippe Do, Veronika Hajnova. Foto: Narodni Divadlo Praha

Die erste Premiere der neuen Spielzeit galt Claude Debussy. Seine Oper ist in vieler Hinsicht ein ganz spezielles Werk im reinen Impressionismus. Viele Komponisten verwendeten diesen Stil, es seien nur Dvořák (z. B. in der „Rusalka“), Janačék, R. Strauss, erwähnt, aber selten in einem so reinen Stil wie Debussy.

Changierend zwischen Traum und Irrealität war bereits das gleichnamige Drama von Maurice Maeterlinck. Der wollte z. B.den 1. Akt hinter Gazevorhängen spielend, im letzten Akt sollten die Schauspieler bzw. Sänger fast regungslos stehen. Diesen Ansatz wählte auch der Regisseur Rocc, derzeit Operndirektor der Prager Häuser, zuvor in Brünn. Er ist auch der Meinung, man könne dieses Stück nicht realistisch aufführen. Er entwarf auch die Bühne und zusammen mit Miroslav Saba die Kostüme. Die Bühne besteht eigentlich nur aus einer Art von Gitterwänden, die durch die Beleuchtung eine changierende Wirkung bekommen. Gleichsam wie im Traum bewegen sich die Sänger nur wenig – und so entsteht im Verlauf der Aufführung eine ganz eigene Wirkung, so irgendwie traumverloren. Man muss sich aber auf die Sache einlassen.

Der Dirigent Jean-Luc Tingaud ist nicht nur in Frankreich, sondern ebenso international tätig. Er besitzt offensichtlich ein gutes Gespür für diese Art von Musik und studierte die Oper mit dem Orchester des Nationaltheaters vortrefflich ein. Die Wirkung war jedenfalls vortrefflich.

Den Pelléas sang Philippe Do mit einem hellen, leicht wirkenden Tenor. Besonders hoch liegende Rollen scheinen ihm gut zu liegen. So gelingt ihm der Pelléas sehr gut. Die Liste der größen und größeren Häusern, an denen er bereits sang, ist lange. Die Mélisande der Veronika Hajnová wirkt wirklich traumverloren und zwar im Singen und in der Darstellung. Ihr Ansatz wirkt zwar etwas hart, pendelt sich aber recht schnell auf eine schöne Linie ein.


Veronika Hajnova (Mélisande), Jiri Sulzenko (Golaud). Foto: Narodni Divadlo Praha

Einzig Golaud scheint „von dieser Welt“ zu sein und kann weder seine Frau, noch seinen Bruder wirklich verstehen. Sein dramatischer Bariton passt sehr gut zu dieser Rolle. Der Sänger heißt Jiri Sulženko. Sehr lieb wirkt der Sängerknabe Kristiám Kašpar als Yniold. Gut gefallen konnte Jean-Vincent Blot als König Arkel und Yvona Škvárova als seine Frau Geneviéve. Auch Roman Vocel/Lékař und Eduard Exner/Pastýř passten.

Während der Pause verließen einige Leute das Haus, das Werk war ihnen wohl zu ungewöhnlich. Die aber bis zum Schluss blieben zeigten sich ganz stark begeistert.

Martin Robert BOTZ

 

 

 

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