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POTSDAM/ Musikfestspiele : GLI AMORI D’APOLLO E DI DAFNE von Francesco Cavalli

29.06.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

POTSDAM/MUSIKFESTSPIELE : GLI AMORI D’APOLLO E DI DAFNE von Francesco Cavalli am 27. Juni 2014

Unbenannt
Dafne wird zum Lorbeerbaum. Copyright: Musikfestspiele Potsdam

 Die Musikfestspiele von Potsdam, unmittelbar nach der Wende wieder-gegründet, erfreuen sich seither zunehmender Beliebtheit und internationaler Reputation.

Der unbestreitbare Erfolg beruht auf zwei Säulen: auf den unbeschreiblich schönen Spielorten (Sanssouci, Raffaelsaal, Bildergalerie, Römische Bäder, Marmorpalais, Schloß Glienecke, Belvedere auf dem Pfingstberg etc.etc.) und der intelligenten und ungewöhnlichen Programmierung.

Die heurige Ausgabe stand unter dem Generalmotto : MITTELMEER und begeisterte schon einmal mit ihrem Focus „Luigi Boccherini“. Dieser noch immer unterschätzte italienische Komponist war unter dem Cello-spielenden preußischen König Friedrich Wilhelm II. “ composer-in-residence“ in der Residenzstadt Potsdam – obwohl er während seines gesamten kompositorischen Lebens in – Madrid residierte.

Die Festspiele kosteten den Reiz der Uraufführungsorte dieser „Auftragswerke aus der Ferne“ natürlich voll aus (zb. den mit Rosenkreutzer-Symbolen übersäten Palmensaal in der Orangerie im Neuen Garten bzw. auch den Ovidsaal der Neuen Kammern), und besonders die Wiedergabe von Boccherinis „La Ritirata“ aus den „Musiche notturne delle starde di Madrid“ durch das danach benannte spanische Ensemble “ La Ritirata “ gestaltete sich zu einem schwer vergesslichen Erlebnis.

Auch Jordi Savalls Gastspiel in der neo-byzantischen „Friedenskirche“ mit seinem Programm „Kataklysmos“(benannt nach einem der Sintflut gewidmeten Feiertag, den es in dieser Form nur auf Zypern gibt) bewegte mit mit seiner schlüssigen Beweisführung, dass die Musiktraditionen jüdisch-sephardischen, griechischen und türkischen Ursprungs letztlich eins sind, die Herzen der Zuhörer nachhaltig.

Zum absoluten Höhepunkt des diesjährigen Festivals gestaltete sich jedoch die Aufführung von Francesco Cavallis „Gli,Amori d’Apollo e di Dafne „.

Cavallis zweite Oper weist bereits alle musikalischen und inhaltlichen Kühnheiten seiner späteren venezianischen Opern-Revolution auf, und die Potsdamer Produktion bleibt ihr darin auch nichts schuldig.

Unter der kompetenten Leitung von Pierre Pitzl legt das Ensemble Private Musicke die perfekte Grundlage für die tadellose sängerische(aber auch darstellerische) Leistung der Protagonisten: Fernando Guimares (Apollo), Emanuela Galli (Dafne) sowie Marcos Fink, Marie-Sophie Pollak und Benno Schachtner.

Im Gedächtnis eingebrannt bleiben werden das Lamento Apollos und die Baumwerdung Daphnes.

Aufgrund der renovationsbedingten Schließung des Schlosstheaters hatte die Festivalleitung für dieses Event die atemberaubende Location der Orangerie von Sanssouci gefunden. Und somit wäre alles in Butter – oder um beim Mittelmeerthema zu bleiben: im Olio d’Oliva Extra Vergine gewesen…

Wenn, ja wenn sich nicht die Veranstalter eingebildet hätten, diesem makellosen Highlight den Versuch einer Aufführung von Antonio Cestis theaterhistorisch legendärer Wiener Hochzeitsoper “ Il Pomo d’Oro“ voranzusetzen.

Nun versteht man ja, dass man dieses einstige sechsstündige Megaspektakel (mit 300 Pferden) nicht 1:1 wiederaufführen kann (zumal es auch nicht vollständig überliefert ist). Völlig unverständlich bleibt jedoch, warum man dann nicht wenigstens sie tradierten Fragmente (in Apollo und Dafne – Manier) zur originalgetreuen Aufführung brachte…

Anstatt sie durch eine hanebüchene Rahmenhandlung (eine commedia dell’arte-Gruppe besucht den preußischen Hof) und unreferierbar banale Zusatztexte zu ersetzen …

Einfach schauderhaft.

O liebe Veranstalter (möchte man ihnen zurufen), habt doch doch in Hinkunft mehr Vertrauen in die Kunst, und vor allem in eure hervorragenden Künstler !!

 Robert Quitta, Potsdam

 

 

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