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POLTERGEIST

27.05.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Poltergeist~1

Ab 29. Mai 2015 in den österreichischen Kinos
POLTERGEIST
USA  /  2015 
Regie: Gil Kenan
Mit: Sam Rockwell,  Rosemarie DeWitt, Kennedi Clements u.a.

Man kann es mögen oder nicht, aber das Horrorgenre ist mit dem Kino enger verbunden als mit jeder anderen Kunstform – Lesen ist nur die zweitbeste Variante, und sonst kann niemand den schleichenden bis tobenden Schrecken ähnlich beschwören wie die Kinoleinwand. Wobei es Horror aller Art gibt – von den Halloween-Killern bis zu den Zombies, und dazwischen immer wieder jene esoterischen Versuche, die uns weismachen wollen, das Übersinnliche sei echt und das Jenseits greife nach uns…

„Poltergeist“ ist so eine Geschichte, es gab bereits 1982 einen Film dieses Namens, an dem damals Steven Spielberg mitgefuhrwerkt hat.Die Neuverfilmung von Regisseur Gil Kenan und Produzent Sam Raimi, die beide als Fachleute in diesen Welten gelten, tragen natürlich den 33 Jahren Rechnung, die seit dem vorigen Film vergangen sind, der Fortschritt bezieht sich dabei gar nicht so sehr auf die Tricks (dergleichen gab es immer schon), sondern etwa auf die nüchterne Tatsache, dass man heutzutage offenbar in Fernsehgeräte hinein verschwindet (oder aus ihnen herausgeholt wird…)

Der „Klassiker“ ist wirklich ein solcher, mit allen Ingredienzien: Amerikanische Durchschnittsfamilie, Vater, Mutter und drei Kinder, ein Teenager und zwei kleine, kaufen ein großes Haus in einsamer Gegend – man wartet direkt auf den Spuk. (Amerikanische Kritiker lachten allerdings zu Recht darüber, dass Vater den Job verloren hat, die Familie offensichtlich arm ist, aber dennoch das Geld für ein Haus hat…)

Der kleine Junge ist beunruhigt über alles, was er fühlt, aber das kleine Mädchen – ja, die scheint ganz in ihrem Element. Man sieht ihr direkt zu, wie sie mit dem Jenseitigen kommuniziert. Ja, und dann ist sie eines Tages auch weg…

Und wir erfahren mit den entsetzten Eltern, dass das Haus auf einem Friedhofsgrund gebaut ist (man hat nur die Köpfe weggeschafft, die Skelette aber im Boden belassen), und Fachleute versichern, dass die Toten sehr, sehr ärgerlich sind und die sechsjährige Tochter Maddie quasi als Vermittlerin gekidnappt haben…

Man erlebt viel Knirschen, Klirren und andere schreckliche Geräusche, entsetztes Keuchen, Gegurgel, Schreien, Brüllen, alles Mögliche fliegt durch die Luft, Scheiben gehen in Bruch, Maddie möchte aus der seltsamen Zwischenwelt von Hier und Dort zu Mama zurück – und man sollte nicht verraten, wie es ausgeht, aber so richtig entkommt man diesen bösen Geistern ja nie, oder? Vielleicht in einem anderen Haus?

Keine prominenten Namen zieren die Besetzung, einzig Sam Rockwell kennt man, ihn vor allem aus Arthouse-Filmen. Vielleicht betrachtet er einen Horrorklassiker als solchen? Das beste Publikum für dergleichen wird man sein, wenn man dazu neigt, ans Übersinnliche zu glauben. Nüchterne  Seelen werden einfach die Machart betrachten – und bei der ultimativen Weisheit „They never let go!“ (sprich: die Geister lassen nie los) den Kopf schütteln…

Renate Wagner

 

 

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