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PALERMO/ Teatro Massimo/ Stream: RICCARDO MUTI dirigiert das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini (Schubert, Dvorak)

28.03.2021 | Konzert/Liederabende

Palermo: Riccardo Muti dirigiert das Orchestra Giovanile Luigi Cherubini im Teatro Massimo am 28.3.2021/PALERMO

Mit dramatischer Entwicklung

Dass ein Konzert mit Werken von Franz Schubert und Antonin Dvorak eine gute Kombination ist, beweist Riccardo Muti mit dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini im Teatro Massimo.

Die dritte Sinfonie in D-Dur brachte Franz Schubert innerhalb weniger Tage im Sommer 1815 zu Papier. Die Adagio-Einleitung gemahnt bei dieser Wiedergabe mehr an Beethoven als an Haydn. Das Klarinettenthema wirkt zart und von Energie erfüllt. Einen heiteren Grundton erhält auch die graziöse Allegretto-Melodie des zweiten Satzes. Ein übermütiger Scherzo-Charakter im Menuett wird in reizvoller Weise von einem Ländler-Idyll und Trio beherrscht. Feingliedriges Musizieren ist bei der Wiedergabe die hervorstechende Eigenschaft. Zuletzt überzeugt das ausgelassene Thema des Presto-Finales mit seinem rasant-atemlosen Tarantella-Rhythmus. Die harmonischen Gewagtheiten des 18jährigen werden in verblüffender Weise deutlich.

Ein Höhepunkt dieses Konzerts ist in jedem Fall die bewegende Interpretation von Antonin Dvoraks Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“, wo Riccardo Muti die thematischen Zusammenhänge mit dem Orchester sehr gut herausarbeitet. Dvorak schrieb das Werk im Jahre 1893 in Amerika. Negro-Spirituals und indianische Melodien zeigen dabei eine große Ausdruckskraft. Nach einer kurzen, spannungsvollen Adagioeinleitung eröffnet das naturfrische Hauptthema hier den an Beethovens Sonatenschema orientierten ersten Satz.  Hörner und Klarinetten erinnern an eine böhmische Polka. Muntere Fortspinnungen und Umspielungen beschwören den Gruß der Heimat, Flöten und Oboen ergreifen facettenreich das zweiten Thema. Slawische Wehmut und träumerische Monotonie beherrscht diese Melodie. Energischere Töne schlägt das dritte Thema an. Riccardo Muti lässt das Orchester immer mit großer Konzentration musizieren. Besonders gut gelungen ist der zweite Largo-Satz. Die schwermütige Legende der indianischen Prärie zeigt ihren besonderen Zauber. Unvergessliche Stimmungsmagie beherrscht die Hauptmelodie, die zuerst im melancholischen Einsatz des Englisch-Horns erklingt. Sehnsüchtig erscheint dann die Flötenmelodie des Mittelsatzes. Und an der eindrucksvollen Steigerung beteiligt sich der Widerhall des Negro-Spirituals. Drohend reckt sich in den Posaunen das Hauptthema des ersten Satzes auf. Wunderbar leise und verhalten lässt die Melodie des Englisch-Horns den Gesang der Verlassenheit erklingen. Robust erklingt das Scherzo des dritten Satzes (Molto vivace) mit einer rhythmisch spritzigen Melodie. Ein wilder Tanz scheint sich anzukündigen. Den gefühlvollen Gegensatz mit der Trio-Episode unterstreicht Riccardo Muti mit dem Orchestra Giovanile Luigi Cherubini eindringlich. Eine friedlich wiegende Weise beherrscht die Largomelodie des Englischhorns. Der Rhythmus erinnert zuweilen an das Hauptthema des ersten Satzes. Bei der Trio-Episode gemahnt das Holzbläserthema im Dreiklang sogar an Schubert. Und in der Coda meldet sich das Hauptthema des ersten Satzes. Leidenschaftlich erregt kommt das Finale daher, dem Muti elektrisierenden Überschwang abgewinnt. Das trompetenstarke Hauptthema zeigt eine hinreissende Kraft und Klarheit. Überhaupt haben die Blechbläser bei diesem Konzert starke Momente. Und in den Klarinetten klingt zart und ergreifend eine böhmische Heimatmelodie als zweites Thema auf. Melodien aller vier Sätze behaupten sich in gewaltiger Weise in der Durchführung als Stimmen der Heimat und der „Neuen Welt“. Schließlich triumphiert das Hauptthema des ersten Satzes hervorragend als Hymne an die Heimat. Dem unbeschreiblichen Zauber dieser verklärenden Stretta kann sich niemand entziehen.    

Alexander Walther       

 

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