Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

PALERMO/ Teatro Massimo: LUCIA DI LAMMERMOOR. Stream

24.05.2021 | Oper international

Stream: Gaetano Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am 23.5.2021 im Teatro Massimo/PALERMO

PACKEND BIS ZUM SCHLUSS

 In Bühnenbild und Inszenierung von Ludovico Rajata und den Kostümen von William Orlandi werden hier auch die monumentalen Aspekte von Donizettis „Lucia di Lammermoor“ zwischen gewaltigen Bauten und einem Kirchenfenster eindringlich beleuchtet. Die Handlung spielt in Schottland gegen Ende des 16. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der Fehden zwischen Katholiken und Protestanten. Die Familie Ashton hat die gegnerische Famile der Ravenswoods, Anhänger Maria Stuarts, verdrängt. Das Schloss Lammermoor wurde eingenommen.   Durch den Wechsel auf dem schottischen Königsthron  fühlt sich Lord Ashton im Besitz seiner Güter bedroht. Die Verbindung seiner Schwester Lucia mit  dem einflussreichen Lord Arthur Buklaw scheint hier Rettung zu bringen. Doch Lucia ist in Liebe zu seinem ärgsten Feind Edgard von Ravenswood entflammt.

Die Regie  arbeitet dabei die psychologischen Aspekte dieser Handlung eindringlich heraus. Ashton will Edgard aufgrund gefälschter Dokumente der Untreue verdächtigen – und er zwingt die Schwester, sich mit Buklaw zu vermählen. Edgard kehrt jedoch zurück und verdächtigt Lucia der Untreue. Doch diese tötet Buklaw in der Hochzeitsnacht und verfällt dem Wahnsinn. Als Edgard davon erfährt, begeht er Selbstmord.

Die drastischen Geschehnisse dieser Handlung werden bei der Aufführung packend bis zum Schluss herausgearbeitet, auch wenn manche szenische Passage noch deutlicher akzentuiert sein könnte. Auffallend sind vor allem die großen Chorszenen, die an gigantischer Wucht nichts zu wünschen übrig lassen.  Der von Cico Visco sorgfältig einstudierte Chor des Theaters Palermo gewinnt dem harmonischen Klangfarbenreichtum starke Reize ab. Roberto Abbado leitet das Orchester des Theaters Massimo Palermo voller Emphase und mit dramatischem Zugriff. Musikalisch kann die Aufführung in  jeder Beziehung überzeugen. Sara Blanch gelingt es als Lucia, Wärme und dramatische Ausdruckskraft gleichermaßen zu vereinen. Vor allem bei den Koloraturen der berühmten „Wahnsinnsarie“ besitzt ihr strahlkräftiger Sopran traumwandlerische Sicherheit und Opulenz. Sie wird den Anforderungen des Belcanto aber ganz anders gerecht als etwa eine Gruberova oder Sutherland. Es ist weniger ein dramatischer Sopran als ein Beispiel virtuosen Ziergesangs mit Kadenzen und Trillern. Der Nimbus mädchenhafter Unschuld haftet hier dieser Rollengestaltung an, was nicht ohne Reiz ist. Die Verbindung der „Nachtigallenklagen“ mit der obligaten Flöte besitzt den Glanz arabeskenhafter Klarheit. Und der subtile Einsatz der Glasharmonika (Sascha Reckert) hat hier durchaus etwas Dämonisches, Undurchdringliches. Roberto Abbado unterstreicht als Dirigent allerdings die dramatische Konzeption dieses Werkes.

Weitere Höhepunkte sind das Liebesduett Edgards mit Lucia, wo Celso Albelo und Sara Blanch gesanglich ganz zusammenfinden. Celso Albelo kann auch bei seiner letzten Arie als Edgardo mit höhensicherem  Timbre überzeugen. Als grandiose Ensemblenummer überzeugt außerdem das Sextett des 2. Aktes „“Wer vermag’s, den Zorn zu hemmen“. In weiteren Rollen fesseln Ernesto Petti als Lord Enrico Ashton, Michele Pertusi als Raimondo, David Astorga als Arturo, Matteo Mazzaro als Normanno sowie Natalia Gavrilan als Lucias Vertraute Alisa.

Das Werk wurde im Jahre 1835 in Neapel uraufgeführt. Für das gesamte Ensemble gab es zuletzt Ovationen und begeisterten Schlussapplaus im mit Publikum besetzten Teatro Massimo.

Alexander Walther

 

Diese Seite drucken