Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

PALERMO/ Teatro Massimo: GÖTTERDÄMMERUNG

07.02.2016 | Oper

PALERMO/ Teatro Massimo: GÖTTERDÄMMERUNG am 4.2.2016

A
Siegfried und Gutrune. Copyright: Teatro Massimo Palermo

 Erlösung ist nicht. Statt „starker Scheite“ werden nach Siegfrieds Tod die Requisiten aus den vorangegangenen Tetralogie-Teilen(Plastiksonnenblumen, Stockbetten und ziemlich viel Müll) aufeinander getürmt. Und wenn endlich das wunderbare Erlösungsmotiv erklingt, treten die vierzig Mimen und Akrobaten, die als „das Volk“ das Geschehen seit dem Rheingold begleitet haben, alle an die Rampe, öffnen ihre Mäntel, unter denen jede Menge Sprengstoffgürtel rot blinken…

So endet Graham Vicks Ring-Zyklus am Teatro Massimo und trotz zahlreicher Provokationen auch beim Abschluss (die Nornen rauchen und basteln eine Bombe, Brünnhilds Pferd ist ein Statist mit nacktem Oberkörper, Gunter und Gutrune sind ein inzestuöses drogensüchtiges Geschwister, das gemeinsam auf einer Matratze schläft, Gutrune läuft überhaupt bis zum Schluss nur im Nachthemdchen herum, die Rheinnixen sind billige Flittchen, im Jagdakt sieht man vor lauter Massenvergewaltigungen den Wald nicht, etc.etc.) bedachte das Palermitaner Publikum den Regisseur und sein Team zuletzt mit frenetischen Applaus.

Attachme
Doppelhochzeit. Copyright: Teatro Massimo Palermo

Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass der Ring in Palermo 1971 nicht mehr zu sehen war – trotz der zahlreichen Bezüge Richard Wagners zu dieser Stadt. Denn hier wohnte er monatelang im Grand Hotel et des Palmes(im Foyer zeigt man immer noch seinen Klavierhocker), hier schrieb er am Parsifal, hier wurde er von der Adelsfamilie Tasca großzügig gefördert, hier ist eine Straße und ein Hotel nach ihm benannt…

Szenisch betrachtet, war diese Götterdämmerung mit ihrer Hardcore-Trash-Ästhetik und ihrem permanenten und geradezu fanatischen Willen zur Hässlichkeit(und das in Italien, dem Land, das die Schönheit so liebt !) eine einzige Faust ins Aug und somit kaum anzuschauen.

Atta
Die Rheintöchter als Nutten. Copyright: Teatro Massimo Palermo

Musikalisch hingegen war sie eine ziemlich runde Sache. Stefan Anton Reck dirigierte zwar ziemlich schleppend, und das Orchestra del Massimo hat auch schon bessere Tage gesehen, aber das optisch und typmässig ziemlich kunterbunt zusammengewürfelte Ensembe agierte gesanglich doch sehr geschlossen und überzeugend : Sergei Leiferkus(Alberich), Iréne Theorin (Brünnhilde), Eric Greene (Gunther), Elisabeth Blancke-Biggs (Gutrune), Viktoria Vizin (Waltraute), Mats Almgren (Hagen), Renée Tatum (Flosshilde), Christine Knorren(Wellgunde), Stephanie Corley (Woglinde) und Annette Jahns (Erste Norn). Nur der arme Siegfried (Christian Voigt) distonierte (zumindest in der von uns besuchten Vorstellung) mitleiderregend.

Das Mammutunternehmen „Ring in Palermo“ ist also vollbracht, und das – auch wenn weniger Müll wirklich mehr gewesen wäre – in durchaus beachtlicher Weise.

 Robert Quitta, Palermo

 

 

Diese Seite drucken