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WÜRZBURG: UNVERHOFFTES WIEDERSEHEN von Alois Bröder. Uraufführung

WÜRZBURG: UNVERHOFFTES WIEDERSEHEN von Alois Bröder (Uraufführung)

am 24.6./9.7. (Werner Häußner)

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Copyright: Theater Würzburg

Am Anfang steht ein Rührstück. Eine jener einst beliebten Kalendergeschichten, deren hoch geschätzter Meister Johann Peter Hebel gewesen ist. Eine merk-würdige Begebenheit aus dem schwedischen Falun, wo man im Kupferbergwerk die perfekt konservierte Leiche eines verunglückten Bergmanns gefunden hat. Eine alte Frau identifizierte ihn als ihren vor Jahrzehnten verschwundenen Verlobten.

Liebe, Tod, Zeit und der geheimnisvolle Ort unter der Erde inspirierten Literaten: E.T.A. Hoffmann bettete in die „Serapionsbrüder“ die Erzählung von den „Bergwerken zu Falun“ ein, in der er unter der Erde eine unheimlich-faszinierende Anderswelt erstehen lässt. Johann Peter Hebel schuf 1811, acht Jahre vor Hoffmann, seine kurze, prägnant konstruierte, symbolisch aufgeladene Geschichte „Unverhofftes Wiedersehen“, die sich auf den Abschied der beiden Verlobten und ihre erneute Begegnung nach fünfzig Jahren konzentriert. Und der Komponist Alois Bröder wählte 2014/15 die Erzählung Hebels als Grundlage seiner zweiten Oper „Unverhofftes Wiedersehen, die an einem symbolträchtigen Tag, am Johannistag, 24. Juni 2017, am Mainfrankentheater Würzburg uraufgeführt wurde.

Symbolträchtig deshalb, weil das Johannisfest, der längste Tag des Jahres, bei Hebel auch die Zeit ist, in der die Leiche des jungen Bergmanns geborgen wird. Sein tödlicher Unfall dagegen ereignet sich um das Fest der heiligen Lucia, also nicht weit weg von der Wintersonnwende, der längsten Nacht. Bröder, der den Text Hebels beinahe wortgetreu in 75 Minuten Musik fasst, verstärkt die symbolischen Konnotationen noch durch einen Prolog („Die Erde“) und einen Epilog („Der Komet“): eine Reflexion über Stillstand und Bewegung, und ein Kapitel über den Kometen als Unglücksboten – in der Tradition, die von Johann Nepomuk Nestroy (komisch-melancholisch: „Lumpazivagabundus“) bis Lars von Trier (depressiv-erlösungssehnend: „Melancholia“) reicht.

Anders als Hebel gibt Bröder seinen Protagonisten Namen, Mathias und Anna, und verstärkt damit den Kontrast zwischen der individuellen Tragödie zweier Menschen und dem gleichmütigen Gang des Weltgeschehens. Sein Werk, eigentlich fünfteilig wie eine „grand opéra“, nimmt in den drei zentralen Szenen die Gliederung Hebels auf. Dort wo der Autor die großen Ereignisse der Weltgeschichte Revue passieren lässt, im Zentrum des Textes, baut Bröder ganz auf die Musik: Fast zwanzig Minuten lang schweigen die Stimmen, nur der ausgezeichnet intonierende Chor zitiert das dritte Kapitel des alttestamentlichen Buches Kohelet, „Ein jegliches hat seine Zeit …“.

Regisseur Markus Weckesser lässt in Würzburg – in Anlehnung an die Regieanweisungen in Bröders Libretto – in Videoprojektionen  von Nikolai Kröhnert das Verstreichen der Zeit sichtbar ablaufen. Er wählt dafür zwei Ebenen: Eingeblendete Schriftbänder zitieren die weltgeschichtlichen Ereignisse, die Hebel in seinem Text aufzählt – vom Erdbeben von Lissabon bis zur Eroberung Preußens durch Napoleon. In Bildern aber zeigt er prägende Ereignisse der letzten Jahrzehnte: Rotkreuzschwestern im Krieg, Mondlandung, Kniefall Willy Brandts in Warschau. So wird der bloße Historismus vermieden, der sich sonst in den sorgsam gestalteten Kostümen einfacher Leute zu Beginn des 19. Jahrhunderts von Götz Lanzelot Fischer nahegelegt hätte. Die alte Geschichte – sie ist auch eine unserer Zeit.

In der ruhigen, bewusst stilisierten Führung der Personen schafft es Weckesser ebenso, die Polarität einer realistischen Schilderung und eines exemplarischen Geschehens aufrechtzuerhalten. Der Pfarrer, ein konkreter Mensch (Taiyu Uchiyama), steht für Gottvertrauen, Glaube und Kirche, wie sie im alltäglichen Leben der Menschen präsent sind. Er reicht der fassungslosen Anna nach dem Unglück eine Bibel. Kein billiger Trost, sondern Verweis auf das einzig Tröstende: Ohne einen Gott, der die Überwindung des Todes im ewigen Leben garantiert, ist jede Hoffnung vergebens. Darauf zielt auch der Epilog, wenn der Chor angesichts einer möglichen kosmischen Katastrophe drei Mal „…in Gottes Hand“ singt und damit die Oper schließt.

Der Tod dagegen, virtuos gespielt und sattelfest gesungen von Daniel Fiolka, ist in seiner flammend roten Farbe nicht von dieser Welt. Er holt die Menschen durch seinen bloßen Blick aus ihrem Leben hinaus in das unbestimmte Schwarz eines undurchschaubaren Raumes. Er greift unsichtbar in den Lauf des Daseins ein, zeichnet mit Kreide die Trennlinien zwischen den Liebenden auf den Boden, ruft Matthias schon vor seinem Unglück, trägt am Ende Anna wiegend hinaus.

Dass die Liebe stark sei wie der Tod, eine der zentralen Botschaften des Stücks, wird vom Frauenchor als Kommentar gesungen, während Anna den wiedergefundenen Bräutigam in ihrer Stube aufbahrt. Die andere ist die ambivalente Rolle der Zeit, wie wir sie in vielen romantischen Stoffen thematisiert finden. Der Tote bleibt ewig jung, die Lebende altert. Das Verstreichen der Zeit ist die Voraussetzung des Lebens. Die alte Frau hat gelebt, der junge Mann, der die Jahre unverändert übersteht, ist in seiner Jugend erstarrt und tot. Weckesser akzentuiert dieses Paradox des irdischen Daseins mit einer bemerkenswerten Szene im zentralen zweiten Teil: Während um sie herum in Schrift und Bild die Weltgeschichte und die Episoden ihres eigenen Lebens verflimmern, wird Anna auf offener Spielfläche von Natalja Krylova vor einem Spiegel vom blühenden Mädchen in eine verwelkte alte Frau verwandelt. Ein starkes Bild, das die Frage von Identität und Wandel eindrucksvoll in den Raum stellt.

In Würzburg wird die Bühne als Spielraum genutzt: Das Publikum sitzt auf drei Seiten der Hinterbühne, das Portal zum Zuschauerraum ist geschlossen, davor sitzt das Orchester. Die Nähe zum Geschehen schafft eine eigene Form von Betroffenheit und Intimität. Für die Darsteller eine Herausforderung, die Silke Evers (Anna) bravourös meistert. Ihr Mienenspiel, ihre genau kalkulierte Körperhaltung lassen die inneren Prozesse und Wandlungen erkennen: Wir sehen eine lebensvolle junge Frau, die zuerst die Nachricht vom Unglück ihres Gefährten gar nicht erfassen kann, aus der aber, je weiter das Schreckliche in ihr Inneres dringt, das strahlende Licht des Antlitzes schwindet. Und wir erleben die faltige Alte, tief gezeichnet von fünfzig Jahren Trauer, aus deren zerfurchtem Gesicht die steinerne Starre weicht, wenn sie ihren toten Freund in die Arme nimmt, bei der durch die fahle Haut wieder das Leuchten der Jugend dringt.

Eine große Leistung der Sängerin, die stimmlich durch differenziert gebildete, oft vibratolos in den Raum projizierte Töne den Charakter ihrer Rolle ausleuchtet. Überzeugend auch Roberto Ortiz mit einem stets leicht kehlig getönten Tenor, aber mit einwandfreier Artikulation und Klängen des Entsetzens, der Sehnsucht, der zärtlichen Zuneigung. Georg Zeies findet als Sprecher den rechten Weg zwischen neutralem Erzählton und schilderndem Pathos.

Alois Bröder hat bereits in seiner ersten Oper „Die Frauen der Toten“ (Erfurt 2013) bewiesen, wie er mit seinen musikalischen Mitteln die Uneindeutigkeit der Zeit, die existenzielle Verunsicherung der Menschen, den Abgrund hinter einer bloß positivistischen Weltsicht gestalten kann. Der Darmstädter Komponist, Jahrgang 1961, der unter anderem bei Manfred Trojahn in Düsseldorf und bei Hans Ulrich Humpert in Köln studiert hat, bestätigt auch mit „Unverhofftes Wiedersehen“ seine Sensibilität für Stoffe, die zwischen Tatsächlichkeit und Fiktion schwebend in seelische und geistige Regionen vorstoßen, in denen das Wirken übermenschlicher Kräfte eine „Realität“ in Frage stellt, die keinen festen Boden mehr hat. Die Musik ist es, die Johann Peter Hebels Geschichte über das Rührstück hinaus auf eine symbolisch-exemplarische Ebene erhebt. Freilich kann Bröder dem epischen Grundzug des Stoffes nicht entkommen, aber das Mittel einer kleingliedrigen, vielfarbigen Musik lässt den dramatischen Steigerungsbogen nicht vermissen.

Knapp zwei Dutzend Musiker des Philharmonischen Orchesters Würzburg fächern mit einem vielfältigen – meist solistisch besetzen – Instrumentarium ein breites Spektrum klanglicher Farbmischungen auf. Bröder lässt mit ruhigen Klangflächen beginnen, die in sich aber gebrochen changieren, setzt die Harfe als „das“ Instrument des Romantischen ein, bricht den atmosphärischen Klang durch Bläsereinwürfe auf. Die Schichtungen der Akkorde wirken äußerlich ruhig, sind aber nach innen immer wieder in ihrer Harmonie gestört. So schafft Bröder musikalisch auszudrücken, dass dieses scheinbar ruhige, stetige Leben der Menschen, die sich auf die Hochzeit freuen, bereits haltlos ins Schwimmen gerät. Der Tod ist präsent, noch bevor sein Hauch zu spüren ist.

Die Musik scheut sich nicht vor Illustrativem – sie ist echte „Theater“-Musik, verrät sich aber nicht an den Handlungs-Vordergrund, sondern leuchtet aus. Besonders in dem fast ausschließlich instrumentalen Mittelteil wird hörbar, wie Bröder musikalisch die Brücke schlägt zwischen den beiden handlungsbestimmten Flanken: Was für eine Oper herkömmlichen Stils zum dramaturgischen Todesstoß werden kann, ist in „Unverhofftes Wiedersehen“ eine stimmige und sinnige Weitererzählung ohne Worte, aber mit sprechender, substanzvoller Musik. Beim Würzburger GMD Enrico Calesso ist diese fein gesponnene, bis auf wenige Ausbrüche filigran gehaltene Partitur in besten Händen: Mehr noch als in der Premiere hält er die Klänge flexibel, den Duktus des Metrums geschmeidig. Die Musiker sind mit punktgenauer Konzentration bei der Sache, vom Schlagzeug über die tiefen Bläser bis zum aufsteigenden Violinsolo im Schlussgesang Annas.

Alois Bröders „Unverhofftes Wiedersehen“ ist noch ein Auftrag des Mainfrankentheaters aus der Intendanz Hermann Schneiders gewesen, der mit Beginn der Spielzeit 2016/17 das Landestheater Linz als Intendant übernommen hat. So kommt Bröders Oper zur unverhofften Zweitaufführung in Linz und der Opernkomponist zu seinem Österreich-Debüt: Am 25. Februar 2018 ist im BlackBox Musiktheater die Premiere. Die Vorstellungen in Würzburg waren meist ausverkauft.

Werner Häußner

ATHEN/ Athens & Epidauros Festival Peiraios 260: ELEMENTARTEILCHEN von Michel Houellebecq/ Julien Gosselin

Athens & Epidauros Festival

Peiraios 260

Elementarteilchen
Besuchte Vorstellung am 30. Juni

 Die Geburt des neuen Menschen aus dem Geist der Postmoderne

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Copyright: Simon Gosselin

 Michel Houellebecqs Roman „Elementarteilchen“ (Originaltitel: Les Particules élémentaires) erschien 1998 und avancierte schnell zum kontrovers diskutierten Kultbuch. Es bietet eine Abrechnung mit der 68er Generation und gleichsam daraus folgernd die Vision eines neuen, von individueller Freiheit erlösten Menschen. Houellebecq erzählt die Geschichte zweier in den späten 50er Jahren geborenen Halbbrüder, die unter den Sexabenteuern und Selbstfindungssuchen ihrer Mutter zu leiden haben und unterschiedlich darauf reagieren: Bruno, der Lehrer, ist sexbesessen und gleichzeitig glücklos bei Frauen, Michel ist zum erfolgreichen Molekularbiologen geworden mit wenig Interesse am anderen Geschlecht. Es geht also, liesse sich sagen, um das soziale Wesen Mensch im Zeitalter scheinbar grenzenloser Möglichkeiten. Der Regisseur Johan Simons hat den Roman vor etlichen Jahren am Schauspielhaus Zürich auf die Figurenkonstellation Mutter und Söhne hin verdichtet und damit eine grossartige Theaterversion geschaffen.

 Der junge französische Regisseur Julien Gosselin (Jahrgang 1987) gelangte zu Bekanntheit, als er seine Version der „Elementarteilchen“ 2013 am Festival d’Avignon mit seinem Kollektiv „Si vous pouviez lécher mon cœur“ (dt.: Wenn ihr mein Herz probieren könntet) herausbrachte. Mit dieser Produktion nahm er 2014 auch am Münchner Festival „radikal jung“ teil. Im Juli letzten Jahres war seine zehnstündige Bühnenadaption von Roberto Bolaños Roman „2666“ in Avignon und Athen zu erleben. Wie ist nun der aufsteigende Star am französischen Theaterhimmel mit dem Kultroman Houellebecqs umgegangen? Nun, man könnte sagen, dass Gosselin einen recht „deutschen“ Zugang zum Thema findet. In einem Interview nannte der Regisseur einmal Nicolas Stemann als prägendes Vorbild. In der Tat erinnert bereits das Bühnenbild, welches Gosselin selbst entwarf, in der Anordnung von umlaufenden Podesten und einer Art Arena im Zentrum sowie die Situation, dass permanent alle Darsteller auf der Bühne sind, an Aufführungen des deutschsprachigen Theaters. Auch der fliessende Übergang von Theater zu Konzert kommt einem nicht nur von Inszenierungen Stemanns bekannt vor. Von solchen Einflüssen abgesehen ist es bemerkenswert, wie souverän der junge Regisseur das komplexe Handlungsgerüst in knapp vier Stunden in wirkungsvollen Tableaus entfaltet. Es beginnt mit starken erzählerischen Momenten und geht hin zu mehr auf Stimmung und Musik gebauten Szenen. Dabei folgt der Ablauf der Chronologie der Geschichte und sorgt auch für gelungene komisch-ironische Momente, etwa wenn die Welt der Mutter Janine zur Darstellung kommt. Die Musik von Guillaume Bachele und die Video Art von Pierre Martin sind bestens mit der Szene verlinkt.

 Auf der Bühne sorgen junge Darsteller und Darstellerinnen für eine sehr lebendige und mit Ironie daherkommende Aufführung: Marine de Missolz, Joseph Drouet, Denis Eyriey, Antoine Ferron, Noémie Gantier, Alexander Lecroc-Lecert, Caroline Mounier / Carine Goron, Victoria Quesnel, Geraldine Roguez, Guillaume Bachele / Maxence Vandevelde. Auch wenn Gosselins Inszenierung nicht die Konzentration erreicht wie diejenige von Johan Simons, weist sie doch bemerkenswerte Qualitäten auf. Der Franzose erweist sich insbesondere als beeindruckender, anregender Erzähler. Das Publikum reagiert mit viel Zustimmung und Begeisterung auf den langen Abend.

 Ingo Starz

 

GEBURTSTAGE IM JULI 2017

GEBURTSTAGE IM JULI 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage ab dem 60er

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.7. Anne WILKENS wird 70

Sie absolvierte ihr Gesangstudium an der Guildhall School of Music London und trat dann der English Opera Group bei, die sich um den Komponisten Benjamin Britten gebildet hatte. Hier wurde sie durch Peter Pears weiter ausgebildet. 1972 sang sie in der Londoner Festival Hall in einer konzertanten Aufführung von Verdis »Ernani«, 1973 bei der London Opera Company in »Die Nase« von Schostakowitsch. 1973 wirkte sie beim Aldeburgh Festival in der Uraufführung von Benjamin Brittens »Death in Venice«, 1974 in der von »The Voice of Ariadne« von Thea Musgrave mit. 1976-80 trat sie an der Covent Garden Oper London auf; hier sang sie u a. die Maddalena im »Rigoletto«, die Olga im »Eugen Onegin« und die Brangäne in »Tristan und Isolde«. 1976 nahm sie an der Covent Garden Oper an der Uraufführung von H. W. Henzes »We come to the River«, 1977 an der von »The Ice Break« von M. Tippett teil. Sie sang die Brangäne auch 1981 an der Welsh Opera Cardiff. Bei den Bayreuther Festspielen wirkte sie 1983-84 als Schwertleite und als 2. Norn, 1995-98 als Rossweisse im Nibelungenring mit. Ein Gastspiel an der Staatsoper Stuttgart als Brangäne leitete 1984 zu einer Verpflichtung an das Staatstheater Karlsruhe über. Hier sang sie Rollen wie die Venus im »Tannhäuser«, die Fricka im Nibelungenring, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Principessa in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und die Ortrud im »Lohengrin«, dazu traten Aufgaben in Opern und Oratorien von Händel. In Karlsruhe war sie 1986 an der Uraufführung der Oper »Der Meister und Margarita« von Kunad beteiligt. 1992 und 2000 sang sie an der Covent Garden Oper die Mary in »Der fliegende Holländer«. Weitere Gastspiele in Brüssel, Venedig, Frankfurt a.M. (Azucena im »Troubadour«) und am Opernhaus von Marseille. 1996 hörte man sie bei der Opera North Leeds als Neris in Cherubinis »Medea«, an der English National Opera als Mutter Stolzius in »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann. 1997 sang sie bei der English National Opera London die Larina im »Eugen Onegin«. 2000 trat sie am Opernhaus von Lausanne als Bianca in »The Rape of Lucretia« von B. Britten, 2001 in Dublin wieder als Mary auf.
Schallplatten: Decca (Brangäne in Gesamtaufnahme von »Tristan und Isolde«, nach einer Aufführung der Welsh Opera von 1981; religiöse Musik von Vivaldi), DGG (Rossweisse in der »Walküre«, »La Fanciulla del West« von Puccini).

1.7. Rosmarie HOFMANN wird 80

Sie studierte am Konservatorium von Verviers in Belgien, dann in Luzern bei Lucia Corridori. 1957 begann sie ihre Karriere als Konzert- und vor allem als Oratoriensängerin, in der sie es bald zu großen Erfolgen auf internationalem Niveau brachte. Sie trat in der Schweiz (Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern, Lausanne, Internationales Bach Festival Schaffhausen), in Innsbruck, Mannheim, Frankfurt a.M., beim Holland Festival wie beim Festival von Flandern, in Stuttgart und Bielefeld, in Nancy und Nantes, in Kopenhagen und Aarhus, in Kassel, Köln, Karlsruhe, Nürnberg und München, in Madrid und Toledo, in Brüssel und Gent, bei den Festspielen von Schwetzingen auf und unternahm eine sehr erfolgreiche Mexiko-Tournee. Aus ihrem umfangreichen Repertoire seien auszugsweise die Passionen, die Hohe Messe H-Moll, das Weihnachtsoratorium und viele Kantaten von J.S. Bach, »Der Messias« und zahlreiche weitere Oratorien von Händel, »Die Schöpfung«, »Die Jahreszeiten« und Messen von J. Haydn, das Requiem und religiöse Vokalwerke von Mozart, die Soli in der 9. Sinfonie und in der Missa solemnis von Beethoven, »Elias« und »Paulus« von Mendelssohn, die Requiem-Messen von Verdi und Gabriel Fauré, oratorische Werke von A. Bruckner und A. Dvorák, von Debussy (»La Damoiselle élue«), Rossini (Messe solennelle, Stabat mater), Z. Kodály, W. Burkhard (»Gesicht Jesajas«) und H. Suter (»Le Laudi«) genannt. Als Lied-Interpretin beherrschte sie ein Repertoire von ähnlicher Spannweite. Eine eigentliche Bühnenkarriere hatte sie nicht, sang aber gelegentlich die Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck. Nicht zuletzt wurde sie durch Radiosendungen in der Schweiz wie in Deutschland bekannt.
Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Harmonia mundi (»Phyllis und Thirsis« von Ph. E. Bach, »Canzonette amorose« von L. Rossi), auf Electrola (Kantaten von J.S. Bach), Mondiodisc (Stabat mater von Dvorák), Turicaphon (Messen von J. Haydn, Weihnachtskantate von Michael Haydn), Fono (Te Deum von R. Flury), Jecklin Disco (Lieder von W. Wehrli).

2.7. Balázs PÓKA wird 70

Balázs PÓKA

Er studierte zunächst an der Universität von Budapest Medizin und legte sein ärztliches Staatsexamen ab. Seit 1967 widmete er sich dann jedoch in der ungarischen Metropole mit Hilfe eines staatlichen Stipendiums der Ausbildung seiner Stimme. Dabei war er Schüler von Frau Hoor-Tempis und von Mircea Ereanu. Er wurde 1976 als Solist in das Ensemble der Nationaloper Budapest übernommen, an der er eine sehr erfolgreiche Karriere durchlief. Er sang zahlreiche Partien seines Stimmfachs aus allen Bereichen der Oper, darunter auch Charakterrollen. Zu nennen sind sein Figaro im »Barbier von Sevilla«, sein Dandini in »La Cenerentola« von Rossini, sein Valentin im »Faust« von Gounod, sein Eugen Onegin von Tschaikowsky, sein Fürst Igor von Borodin, sein Graf Luna im »Troubadour«, sein Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, sein Don Carlo in »La forza del destino« vom gleichen Meister, sein Germont-père in »La Traviata«, sein Lescaut in »Manon Lescaut« von Puccini, sein Porgy in »Porgy and Bess« von Gershwin und sein Napoleon in »Háry János« von Kodály. Er gastierte 1988 beim Wexford Festival, 1991 bei den Festspielen von Bregenz (Escamillo in »Carmen«). Weitere Gastspiele in Deutschland, Österreich (Graz), Belgien und Bulgarien, 1993 in Madrid und Lissabon als Don Giovanni, an der Oper von Lyon als Barak in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. 1998 hörte man ihn an der Nationaloper Budapest als Pang in Puccinis »Turandot«. Auch als Konzertsänger angesehen.
Schallplatten: Hungaroton (Napoleon in »Háry János«), Opus (Marcello in Puccinis »La Bohème«), DGG (»L’Arlesiana« von Cilea).

2.7. Florin DIACONESCU wird 75

Er wollte zuerst Musiklehrer werden, studierte dann aber Gesang am Konservatorium von Bukarest. 1970 Bühnendebüt an der Rumänischen Nationaloper Bukarest als Gérald in »Lakmé« von Delibes. Seither große Erfolge als erster lyrischer Tenor dieses Hauses. Gastspiele an der Nationaloper von Belgrad, beim Maggio Musicale von Florenz und an Opernhäusern in Rumänien. Höhepunkte in seinem Repertoire waren Partien wie der Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, der Rodolfo in »La Bohème«, der Faust in Gounods gleichnamiger Oper, der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata« und der Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Er gab dazu auch erfolgreiche Konzerte.
Schallplatten: Electrecord.

2.7. Attila FÜLÖP wird 75

Er studierte Ingenieurwissenschaften und wirkte dann als Toningenieur bei der ungarischen Schallplattenfirma Hungaroton. Nach seinem Gesangstudium, das er in Budapest bei Janö Sipos und später bei Dagmar Freiwald-Lange in Berlin absolvierte, erschien er zunächst als Konzertsänger. 1971 kam es zu seinem Bühnendebüt, und zwar sang er an der Budapester Nationaloper den Tamino in der »Zauberflöte« von Mozart. Seither Mitglied dieses Opernhauses, wo er sich vornehmlich auf das lyrische Fach (u.a. Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«) spezialisierte. Am 20.10.1978 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Draußen vor der Tür« (»Az ajtón delusa«) von S. Balassa mit. Er nahm dann auch zahlreiche Charakterpartien wie den Mime im Nibelungenring und den Gottesnarren im »Boris Godunow« in sein Bühnenrepertoire auf. Gastspiele und Konzerte in Ungarn wie im Ausland begründeten seinen Ruf als einer der führenden ungarischen Sänger seiner künstlerischen Generation. Im Konzertsaal trat er gern als Evangelist in den Passionen von J.S. Bach auf.
Seine Stimme erscheint auf der Plattenmarke Hungaroton in den integralen Haydn-Opern »Der Apotheker«, »La fedeltà premiata« und »L’Infedeltà delusa«, auch in der zeitgenössischen Oper »Az ajtón Kivül« von Sándor Balassa. Auf Hungaroton viele weitere Aufnahmen u.a. »Fedora« von Giordano, »Mosè in Egitto« von Rossini, Te Deum von Marc-Antoine Charpentier, »Il ritorno di Tobia« von J. Haydn, Krönungsmesse von Mozart.

2.7. Els BOLKESTEIN wird 85

Els BOLKESTEIN als Salome in Innsbruck
Als Salome in Innsbruck

Ausbildung am Konservatorium von Amsterdam bei Felix Hupka. 1960 begann sie ihre Karriere an der Niederländischen Oper Amsterdam, deren Mitglied sie 1961-65 war, als Koloratrice, nahm dann aber auch lyrische Rollen in ihr Repertoire auf. 1963 gastierte sie in London als Gilda im »Rigoletto«. Nach weiterem Studium bei Eva Hadrabová in Wien wandte sie sich dem jugendlich-dramatischen Fach zu. 1965-66 gehörte sie der Wiener Kammeroper an, 1966-67 dem Stadttheater Luzern, 1967-69 dem Landestheater Innsbruck. Sie gastierte in Tokio und beim Holland Festival. 1969 wurde sie durch Walter Felsenstein an die Berliner Komische Oper verpflichtet, wo sie als Aida ihren ersten großen Erfolg hatte, und deren Mitglied sie nun für viele Jahre blieb; seit 1970 auch Mitglied der Berliner Staatsoper. Es schlossen sich Gastspiele am Opernhaus von Leipzig, an den Staatsopern von Dresden, Hamburg und München an, die sehr erfolgreich verliefen. Sie war auch an der Nationaloper von Budapest, an der Königlichen Oper Kopenhagen, an der Oper von Tokio und am Teatro Real Madrid zu Gast. Höhepunkte ihres weitreichenden Repertoires waren die Sieglinde in der »Walküre«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Agathe im »Freischütz« und die Butterfly. Auch als Konzertsopranistin trat sie erfolgreich in Erscheinung.
Schallplatten: Eine Solo-Platte mit Arien auf BASF; auf Berlin Classics Solo in der Sinfonie Nr. 3 von Theodorakis.

3.7. Gabriele Maria RONGE wird 60

Gabriele Maria Ronge als Brünnhilde
Als Brünnhilde

Sie studierte Philologie, ließ aber zugleich ihre Stimme ausbilden. 1982 begann sie ihre Bühnenlaufbahn am Stadttheater von Heidelberg. 1983 kam sie an das Stadttheater von Osnabrück, wo sie als Fiordiligi in »Così fan tutte« debütierte; anschließend hörte man sie dort als Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe«. Bis 1985 blieb sie in Osnabrück tätig und ging dann einer sehr erfolgreichen Tätigkeit an den führenden deutschen Theatern nach. So sang sie 1985-87 am Staatstheater Hannover (ihrem Wohnsitz), an den Opernhäusern von Köln (1989), Frankfurt a.M. und Bonn, am Staatstheater von Braunschweig, an der Deutschen Oper Berlin und war seit 1987 der Bayerischen Staatsoper München verbunden. Sie trat vorwiegend in Partien aus dem deutschen Stimmfach, namentlich in Opern von Richard Wagner und Richard Strauss, hervor. So gehörten die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Elsa im »Lohengrin«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« (Grand Opéra Paris, 1989) und die Agathe im »Freischütz« (München 1990) zu den Höhepunkten in ihrem Bühnenrepertoire. An der Oper von Frankfurt a.M. sang sie 1987 die Titelheldin in Glucks klassischer Oper »Iphigénie en Tauride« (»Iphigenie auf Tauris«). 1990 gastierte sie am Theater von Bonn als Freia im »Rheingold«, 1990-91 an der Oper von Köln und in Bologna als Gutrune in der »Götterdämmerung«, 1991 am Stadttheater von Ulm als Martha in »Tiefland« von d’Albert, in Palermo als Isabella im »Liebesverbot« von R. Wagner, 1992 am Staatstheater Braunschweig als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, 1992-93 am Teatro Comunale Bologna als Gutrune, 1994 an der Opéra de Wallonie Lüttich als Senta in »Der fliegende Holländer« und an der Mailänder Scala als Helmwige in der »Walküre«, 1995 am Opernhaus von Essen als Sieglinde in der »Walküre« und am Opernhaus von Wuppertal als Elsa. An der Wiener Staatsoper debütierte sie 1994 als Freia und sang hier bis 2001 in insgesamt 13 Vorstellungen auch die Gutrune, sie Senta, die Leonore im »Fidelio« und die Sieglinde. Bei den Festspielen von Bregenz trat sie 1995 als Leonore im »Fidelio« auf, 1996 am Staatstheater Wiesbaden als Rosalinde in der »Fledermaus«, in Graz als Elisabeth im »Tannhäuser«, an der Staatsoper Dresden als Ariadne auf Naxos von R. Strauss, in Salzburg als Senta. 1997 sang sie gastweise an der Opéra de Wallonie in Lüttich die Salome von R. Strauss, am Opernhaus von Essen, am Staatstheater Braunschweig und an der Berliner Staatsoper die Leonore im »Fidelio«. Die Salome wiederholte sie 1998 an der Deutschen Oper Berlin; in Lüttich 1998 als Elisabeth im »Tannhäuser« zu Gast, am Staatstheater Karlsruhe und am Opernhaus von Bonn als Senta, in Karlsruhe auch als Sieglinde. 1999 sang sie in einer Galavorstellung auf dem Schweriner Schlossplatz die Titelrolle in »Aida«, 2000 am Opernhaus von Graz die Brünnhilde in der »Walküre« (diese auch am Staatstheater Karlsruhe) wie in der »Götterdämmerung«, am Teatro Comunale Bologna die Senta, die sie 2001 sehr erfolgreich an der Deutschen Oper Berlin übernahm. 2003 übernahm sie in Puccinis Geburtsstadt Lucca die Titelrolle in dessen Oper »Turandot«. Auch als Konzertsängerin wurde die Künstlerin, deren Repertoire man mit dem einer Tiana Lemnitz oder einer Elisabeth Grümmer vergleichen kann, bekannt.
Schallplatten: Bella Musica (Sieglinde in der »Walküre« und Gutrune in der »Götterdämmerung«, 3. Norn im Ring-Zyklus).
Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.gmronge.com/

3.7. Peter BREINER wird 60

Informationen über den slowakischen Dirigenten auf seiner Homepage:
http://www.peterbreiner.com/web/home.aspx

3.7. Axelle GALL wird 75

Axelle GALL

Geboren in Paris, aufgewachsen in der Schweiz, Musikstudium am Konservatorium der Stadt Wien. Mitglied der Wiener Staatsoper 1971-98. Beim Debut an der Wiener Staatsoper als Dryade in Ariadne auf Naxos übernahm Lisa Della Casa die Patenschaft der jungen Künstlerin. An der Wiener Staatsoper sang sie in mehr als 600 Vorstellungen u.a. die Bersi in Andrea Chénier, den Niklausse in Hoffmanns Erzählungen, die Olga in Eugen Onegin, den Orlofsky in der Fledermaus, die Federica in Luisa Miller, die Suzuki in Madame Butterfly, den Cherubino in Le nozze di Figaro, die Maddalena im Rigoletto und die Annina im Rosenkavalier. Das Repertoire von Axelle Gall hat ein weites Spektrum. Es reicht von Orpheus über Carmen bis zur Amneris in Verdis Aida. Neben zahllosen Auftritten an großen internationalen Opernhäusern pflegt sie auch intensiv den Lied – und Oratoriengesang. Ihre starke Ausstrahlung in Verbindung mit einer warmen, kräftigen Mezzostimme, eher zum Alt tendierend und einer großen Bühnenpräsenz hat sie auch zu einer gefragten Interpretin in Opernfilmen gebracht. Sie hat Filme mit Ponnelle, Wallmann, Düggelin und Sanjust gedreht.
So war sie die Mercédès in Franco Zeffirellis Carmen unter Carlos Kleiber die Lola in Zeffirellis Cavalleria Rusticana unter Georges Prêtre und die Flora in Zeffirellis La Traviata  mit Teresa Stratas und Placido Domingo.

3.7. Thomas JAMERSON wird 75

Thomas JAMERSON als Schaunard
Als „Schaunard“ (Boheme)

Gesangstudium an der Louisiana State University in Baton Rouge bei Loren Davidson, anschließend bei Cornelius Reid in New York. Debüt bei einer Wanderbühne, der Metropolitan Opera National Company, 1967 als Graf Almaviva in »Le nozze di Figaro«. Er trat in den Jahren 1969-81 an der City Opera New York auf, u.a. als Silvio im »Bajazzo« (seine Antrittsrolle), als Valentin im »Faust« von Gounod, als Moralès in »Carmen«, als Brétigny in »Manon« von Massenet, als Dandini in Rossinis »La Cenerentola«, als Schaunard wie als Marcello in »La Bohème«, dazu in zahlreichen Charakterpartien. Er sang an den Opern von Boston, Baltimore und Santa Fé und war auch im Konzertsaal mit Erfolg tätig. Sein Bühnenrepertoire umfasste vornehmlich lyrische Partien in Opern von Mozart bis Richard Strauss, dazu auch Aufgaben in Werken moderner Komponisten. So wirkte er 1968 an der Oper von Santa Fé in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Die Bassariden« von H.W. Henze mit.
Schallplatten: RCA (kleine Partie in »La Traviata«).
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://thomasjamerson.com/

3.7. Tito DEL BIANCO wird 85

Tito DEL BIANCO

Er studierte in seiner Heimatstadt Triest zehn Jahre hindurch bei der Pädagogin Augusta Rapetti-Bassi. Nachdem er anfangs glaubte, eine Baritonstimme zu besitzen, schulte diese Lehrerin ihn zum Tenor um. 1963 erregte er erstes Aufsehen beim Verdi-Gesangwettbewerb von Busseto und debütierte darauf am Teatro San Carlo Neapel als Kalaf in Puccinis »Turandot«. Nach ersten Erfolgen an den großen italienischen Theatern sang er 1965 in der New Yorker Philharmonic Hall das Tenorsolo im Stabat mater von Rossini unter Thomas Schippers. Unter der Leitung des gleichen Dirigenten sang er 1966 beim Spoleto Festival Verdis Otello, eine seiner Glanzrollen, die er im folgenden Jahr am Teatro Regio Parma, später bei den Festspielen von Wiesbaden, an der Staatsoper München, am Teatro Comunale Bologna, an den Opernhäusern von Szeged und Varna und an weiteren Theatern übernahm. Am Teatro San Carlo Neapel hörte man ihn als Radames in »Aida« und als Faone in der wieder entdeckten Oper »Saffo« von Pacini, beim Puccini-Festival in Torre del Lago als Kalaf. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire für italienischen Heldentenor waren der Pollione in »Norma«, der Canio im »Bajazzo«, der Ismaele in Verdis »Nabucco« und der Andrea Chénier in der Oper gleichen Namens von Giordano. Dazu sang er Wagner-Heroen wie den Lohengrin und den Siegmund in der »Walküre« und Solo-Partien im Konzertsaal. 1983 verließ er die Bühne, seit 1985 wirkte er als Professor am Konservatorium von Triest.
Schallplatten: Bongiovanni (Stabat mater von Rossini).
Weitere Informationen auf seiner Homepage: https://titodelbianco.wordpress.com/

4.7. Bruno BECCARIA wird 60

Er debütierte bereits im Februar 1986 an der Mailänder Scala (als Oronte in Verdis »I Lombardi alla prima crociata«), an der er noch im selben Jahr zur Eröffnung der neuen Spielzeit den Ismaele im »Nabucco«, 1987 den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera« und den Pinkerton in »Madame Butterfly«, 1988 den Turiddu in »Cavalleria rusticana« und nochmals den Ismaele sang. Die eigentliche internationale Karriere des Künstlers begann 1986 mit seinem Auftreten am Teatro Comunale Bologna in der Partie des Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. Er war auch in den folgenden Jahren 1987-88 an diesem Haus anzutreffen. Im Oktober 1986 (und nochmals 1988) war er an der Oper von Philadelphia zu Gast. 1987-88 gastierte er am Teatro San Carlo Neapel und am Opernhaus von Bonn. Im Oktober 1987 debütierte er an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Rodolfo in »La Bohème« von Puccini). Bis 1994 sang er hier in insgesamt 45 Vorstellungen auch den Macduff in Verdis »Macbeth«, den Pinkerton, den Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, den Cavaradossi in »Tosca«, den Don Carlos von Verdi, den Turiddu und den Arvino in Verdis »I Lombardi alla prima crociata«). Die letztgenannte Partie sang er auch 1994 mit dem Ensemble der Metropolitan Oper in einer konzertanten Aufführung in Frankfurt am Main. 1988 war er an der Staatsoper von Stuttgart und bei den Festspielen von Verona zu hören. In Verona sang er 1988 den Enzo, 1989 (und 1994) den Radames in »Aida« und den Turiddu. 1989 debütierte er in der Titelpartie von Giordanos »Andrea Chénier« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1993 in insgesamt 13 Vorstellungen auch den Foresto in Verdis »Attila«, den Gustavus (Riccardo) in Verdis »Un ballo in maschera« und den Macduff sang. Weitere Gastspielauftritte an der Grand Opéra Paris (1986 als Rodolfo in »La Bohème«), am Nationaltheater Mannheim (1989), an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. und Zürich, am Teatro Fenice Venedig (1990 als Titelheld in Verdis »Ernani«, den er dann auch am Teatro Regio Parma und am Teatro Comunale Bologna sang) und in Amsterdam (1990 als Enzo). Am Teatro Bellini Catania gastierte er 1992 als Gabriele Adorno in »Simon Boccanegra«, 1993 als Macduff, an der San Francisco Opera 1992 als Andrea Chénier. Bei den Festspielen von Ravenna sang er 1997 den Foresto. Auch im Konzertsaal hatte er seine Erfolge zu verzeichnen; so sang er das Tenorsolo im Verdi-Requiem, das neben dem Solo in der Petite Messe solennelle von Rossini einen Höhepunkt in seinem Konzert-Repertoire darstellte. Von den Partien, die er auf der Opernbühne sang, sind noch der Faust in »Mefistofele« von Boito, der Maurizio in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und der Ruggiero in Puccinis »La Rondine« nachzutragen.
Schallplatten: Decca (Tenorsolo in der Missa C-Dur von Beethoven).

5.7. Kristine CIESINSKI wird 65

Kristine CIESINSKI als Salome
Als Salome

Sie studierte an der Boston University (School of Fine Arts) bis 1974 und erwarb dort ihr Diplom. 1977 nahm sie an einem Sommerkurs am Salzburger Mozarteum teil; sie war weiter Schülerin der amerikanischen Pädagogen Robert Todd Duncan, Margaret Harshaw und Michael Warren. 1977 gewann sie den internationalen Gesangwettbewerb von Genf und einen Concours in Salzburg, 1978 einen Wettbewerb der New Yorker Metropolitan Oper. 1979-81 war sie am Landestheater Salzburg verpflichtet, seit 1985 Mitglied des Stadttheaters von Bremen. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1980 die Isabella in der Oper »Karl V.« von Krenek in einer konzertanten Aufführung des Werks. In der Saison 1983-84 hatte sie große Erfolge als Titelheldin in der Richard Strauss-Oper »Salome», zuerst in Milwaukee, dann bei der Canadian Opera Company Toronto. Sie trat an den Opern von Cincinnati (Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«), Rochester (Fiordiligi in »Così fan tutte«) und Chautauqua (Rosalinde in der »Fledermaus«, Manon Lescaut von Puccini) auf und war bei den Festspielen von Spoleto, Aspen, Caramoor und Newport zu hören. Bei der Scottish Opera Glasgow sang sie 1985 die Donna Anna im »Don Giovanni» und 1989 die Anna Maurrant in »Street Scene» von K. Weill. Von weiteren Partien aus ihrem Repertoire seien genannt: die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Butterfly und die Titelrolle in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck. Beim Taipeh International Arts Festival und später bei der Kentucky Opera sang sie die Fiordiligi in »Così fan tutte«, während ihre Schwester, die Mezzosopranistin Katherine Ciesinski (* 1950), als Dorabella auftrat. Beide Schwestern waren auch mehrfach bei Konzertveranstaltungen gemeinsam zu hören. Kristine Ciesinski gastierte 1988 beim Wexford Festival in Irland. 1987 sang sie bei der Welsh Opera Cardiff die Cassandre in »Les Troyens« von Berlioz und bei den Festspielen von Bregenz die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, 1988 bei der Opera North Leeds die Senta in »Der fliegende Holländer«. 1989 hörte man sie in Vichy, 1990 an der English National Opera London als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, am letztgenannten Haus auch 1990 als Marie im »Wozzeck«, 1991 als Salome von R. Strauss und 1991 als fremde Fürstin in »Rusalka« von Dvorák. 1991 Gastspiel am Theater von Basel als Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók und in dem dramatischen Monolog »Erwartung« von Schönberg, am Opernhaus von New Orleans 1992 als Leonore im »Fidelio«, 1992 sowohl an der Mailänder Scala als auch an der Opéra Bastille Paris als Axinja wie auch in der Titelrolle von Schostakowitschs »Lady Macbeth von Mzensk«, am Opernhaus von Leipzig wieder in »Herzog Blaubarts Burg«, 1993 an der Oper von Frankfurt a.M. und 1994 beim Spoleto Festival als Marie im »Wozzeck«, 1995 beim Glyndebourne Festival (und 1997 bei der Glyndebourne Touring Opera Company) als Emilia Marty in »Die Sache Makropoulos« von Janácek, 1996 bei der English National Opera London erneut als Salome, in Bremen als Lady Macbeth. 1997 trat sie in Frankfurt a.M. als Leonore im »Fidelio«, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg als Titelheldin in »Katja Kabanowa« von Janácek auf. 1998 sang sie an der Oper von San Diego die Salome von R. Strauss zusammen mit ihrer Schwester Katherine als Herodias, 1999 am Opernhaus der Stadt Bonn die Marie im »Wozzeck« von A. Berg. 1999 sang sie bei den Aufführungen des Nibelungenrings an der Oper von San Francisco die Gerhilde, die 3. Norn und die Gutrune, 2000 an der Opera Zuid in Holland die Emila Marty. An der Niederländischen Oper Amsterdam hörte man sie als Emilia Marty, als Agave in H.W. Henzes »Die Bassariden« und als Carlotta in Fr. Schrekers »Die Gezeichneten«. Kristine Ciesinski hatte als Konzertsopranistin eine ebenso bedeutende Karriere wie auf der Bühne und wurde namentlich als Händel- und Bach-Interpretin, als Solistin in Oratorien und geistlichen Vokalwerken, aber auch als Interpretin zeitgenössischer Musik in Europa wie in ihrer amerikanischen Heimat geschätzt. Sie war in erster Ehe mit dem Violinisten C. William Henry († 1984), seit 1985 in zweiter Ehe mit dem bekannten Bariton Norman Bailey (* 1933) verheiratet.
Schallplatten: Philips (vollständige Oper »Karl V.« von Krenek), Erato (»Ariane et Barbe-bleue« von Dukas), Leonarda (Lieder), TER (»Street Scene« von K. Weill), DGG (»Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch).
Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.kristineciesinski.com/

5.7. Matthias BAMERT wird 75

Er studierte Musik in der Schweiz sowie in Darmstadt und Paris bei Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen, deren Einfluss sich auch in seinen eigenen Kompositionen aus den 1970er Jahren wiederfindet. 1965-69 war er erster Oboist am Salzburger Mozart Orchester, arbeitete danach aber hauptsächlich als Dirigent. Seine internationale Karriere begann mit Assistenzen bei George Szell und später Leopold Stokowski am Cleveland Orchestra; unter Lorin Maazel war er Resident Conductor des Cleveland Orchestra. 1977-83 war er Chefdirigent des Radio-Sinfonieorchesters Basel. 1983 eröffnete Bamert mit dem Radio-Sinfonieorchester Basel die Sendereihe «Kindergarten Konzert», deren erste Ausgabe (Titel „Circus“) mit dem «Prix Jeunesse international» ausgezeichnet wurde. Diese Sendereihe wurde vom Schweizer Fernsehen DRS und dem Bayerischen Rundfunk mit 9 Folgen bis 1986 produziert und anschließend wiederholt durch die ARD gesendet. Ihr Ziel bestand in der Förderung der akustischen Wahrnehmungsfertigkeit bei Kleinkindern und enthielt zudem einen hohen musikalischen Unterhaltungswert im Nachmittagsprogramm des Fernsehens. Danach nahm er weitere Engagements in Europa an, so die Stelle als Gastdirigent des Royal Scottish National Orchestra und 1985-90 die Stelle des Direktors des Glasgow Contemporary Music Festival Musica Nova. Er erwarb sich einen Ruf durch innovative Programmgestaltung und dirigierte Uraufführungen von Komponisten wie Toru Takemitsu, John Casken, James MacMillan und Wolfgang Rihm. 1987 nahm er seinen ersten Wohnsitz in London; 1993-2000 war Leiter der London Mozart Players. Seit 1990 dirigierte er als Gastdirigent nahezu alle wichtigen Sinfonieorchester der Welt wie in Los Angeles, Toronto, London, Minnesota, Japan, Salzburger Mozarteum, Leipzig, Berliner Philharmoniker und Sankt Petersburg. Bamert ist vor allem bekannt für sein Engagement für die neue Musik, die unbekannte Musik des 18. Jahrhunderts und die vernachlässigte Musik aller Epochen. 2005-08 war Bamert Chefdirigent des Malaysian Philharmonic Orchestra.
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.matthias-bamert.com/

6.7. Vladimir ASHKENAZY wird 80

Er stammt aus einer musikalischen Familie. Sein jüdischer Vater David Ashkenazy war Pianist in der Unterhaltungsbranche; seine Mutter Yevstolia Grigorievna, geborene Plotnova war Schauspielerin und Tochter einer russischen Landarbeiterfamilie. Im Jahre 1943 übersiedelte die Familie nach Moskau, wo sich die Familie 13 Jahre lang eine Wohnung mit anderen Familien teilen musste. Im Alter von sechs Jahren begann Vladimir Ashkenazy das Klavierspiel und zeigte sich als frühes Talent. Als Absolvent des renommierten Moskauer Konservatoriums gewann er 1955 den zweiten Preis beim Chopin-Wettbewerb in Warschau. 1956 durfte er erstmals in den Westen reisen, um am Wettbewerb Concours Reine Elisabeth in Brüssel teilzunehmen. Dort gewann er den ersten Preis, ebenso wie 1962 beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Während seines Aufenthaltes in Island, dem Geburtsland seiner Ehefrau, 1968-78 entwickelte er seine Fähigkeiten als Dirigent. Er hat mir seiner Frau fünf Kinder, darunter zwei Söhne, die die musikalische Tradition der Familie weiter führen: Dimitri Ashkenazy tritt als Klarinettist, Vovka Ashkenazy als Pianist auf. Vladimir Ashkenazy verfügt über ein traditionelles, sehr umfassendes Klavierrepertoire, meidet aber zeitgenössische Musik. Eigenen Angaben zufolge hat er kleine Hände und kurze Finger, spielt aber auch viele Werke, die für große Hände konzipiert sind, wie die meisten von Rachmaninow. Seine pianistische Aufnahmetätigkeit ist umfangreich wie bei kaum einem zweiten Pianisten. Angefangen mit beiden Bänden des Wohltemperierten Klaviers über alle Mozart-Klavierkonzerte, Beethovens sämtliche Klavier-, Violin- und Violoncellosonaten (letztere mit Itzhak Perlman bzw. Lynn Harell), Klavierkonzerte und Klaviertrios (letztere mit Itzhak Perlman und Lynn Harrell), den Großteil des Klavierwerks von Chopin und Schumann, alle Skrjabin-Klaviersonaten bis zu allen Prokofjew- und Bartok-Klavierkonzerten sowie vielen weiteren Werken. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Werk von Sergej Rachmaninow: Hier hat Ashkenazy nicht nur alle wesentlichen Solo-Klavierwerke und alle Klavierkonzerte (diese bis zu viermal) eingespielt, sondern auch alle Lieder (mit Elisabeth Söderström), annähernd alle Werke für 2 Klaviere (mit André Previn) sowie die wesentlichen Orchesterwerke einschließlich der Klavierkonzerte (letztere mit Jean-Yves Thibaudet am Klavier) als Dirigent geleitet. Außerdem war er erster Präsident der Rachmaninoff-Society. Ab 1978 begann Ashkenazy seine Tätigkeit als Dirigent. 1987-94 war er Leiter des Royal Philharmonic Orchestra. 1989-99 leitete er außerdem als Nachfolger von Riccardo Chailly das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Danach hatte er bis zum Jahre 2003 die Leitung der Tschechischen Philharmonie inne, und bis 2007 die Leitung des NHK-Sinfonieorchesters Tokio. 2009-14 war er Chefdirigent des Sydney Symphony Orchestra. An Tonaufnahmen als Dirigent sind unter anderem alle Sinfonien von Felix Mendelssohn, Jean Sibelius, Alexander Skrjabin, Sergej Rachmaninow und vor allem Dmitri Schostakowitsch sowie viele Orchesterwerke von Richard Strauss zu nennen.
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.vladimirashkenazy.com/

7.7. Pál KOVÁCS wird 65

Er wollte ursprünglich Violinist werden und studierte dieses Fach acht Jahre hindurch an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest. Er ging dann jedoch zum Gesangstudium über, das er zuerst in Budapest, dann in Deutschland in Dortmund und in München betrieb. 1978 gewann er den Gesangwettbewerb von Treviso mit seiner Darstellung der Rolle des Silvio im »Bajazzo« von Leoncavallo. Er begann seine Bühnenkarriere in München. Er war in Deutschland 1979-80 am Stadttheater von Pforzheim, 1980-82 am Theater im Revier in Gelsenkirchen, 1982-95 am Opernhaus von Dortmund und seit 1995 am Pfalztheater Kaiserslautern engagiert. Auch bei Gastspielen und Konzertauftritten kam er zu seinen Erfolgen. 1997 sang er am Staatstheater Braunschweig den Mandryka in »Arabella« von R. Strauss, am Staatstheater Hannover den Faninal im »Rosenkavalier«, 1998 in Kaiserslautern den Kajin in »Die ersten Menschen« von Rudi Stephan. Auf der Bühne sang er ein umfangreiches Repertoire, das Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur, auch in Wagner-Opern (Gunther in der »Götterdämmerung«, Dortmund 1994) enthielt. Zu seinen Bühnenrollen gehörten der Don Giovanni, der Wolfram im »Tannhäuser«, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Titelheld in Borodins »Fürst Igor« und der Enrico in »Lucia di Lammermoor«. Hinzu kamen viele Konzert- und Oratorien-Auftritte.

7.7. Paul POLIVNICK wird 70

Informationen über den Dirigenten auf seiner Homepage: http://paulpolivnick.com/

7.7. Hermi AMBROS wird 90

Gesangstudium in Dresden bei G. Voigt und Johannes Kemter, dann in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) bei E. Doerrer. Sie debütierte sogleich 1955 an der Staatsoper Dresden, an der sie eine langjährige Karriere von Bedeutung hatte. Nachdem sie anfänglich Partien aus dem Fachgebiet der Koloratursoubrette gesungen hatte, wurde sie dort lyrische Sopranistin bis Ende der achtziger Jahre in einem umfangreichen Repertoire bekannt. Dazu gehörten die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Micaela in »Carmen«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut« wie die Gretel in »Hänsel und Gretel«. Sie sang dort u.a. in der Uraufführung der Oper »Dorian Gray« von R. Hanell (9.6.1962). Gastspiele, vor allem mit dem Ensemble der Dresdner Oper, an Bühnen in der DDR, in Frankreich und Rumänien; auch Konzerte in den Musikzentren der CSSR. Später als Pädagogin in Dresden wirkend.
Schallplatten: Eterna, Electrola (kleine Partie in »Figaros Hochzeit« in deutscher Sprache).

9.7. Anatoli KOTSCHERGA wird 70

Anatoli Kotscherga

Sein Vater war Direktor einer Traktorenstation. Er sollte zunächst das Polytechnische Institut in Winniza besuchen, kam dann jedoch in den Jahren 1968-72 zur Ausbildung seiner Stimme an das Konservatorium von Kiew. 1971 gewann er den Glinka-Wettbewerb, 1974 den internationalen Tschaikowsky-Concours in Moskau. Ebenfalls 1974 war er Preisträger beim Weltjugend-Festival in Berlin. Er wurde sogleich nach Abschluss seiner Studien an das Opernhaus (Schewtschenko-Theater) von Kiew verpflichtet, an dem er als Gremin im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky debütierte und eine über zwanzigjährige, erfolgreiche Karriere hatte. Er unternahm sehr erfolgreiche Gastspiel- und Konzertreisen, die ihm internationales Ansehen eintrugen. In Paris gastierte er in Mussorgskys Oper »Chowanschtschina« als Dosifej zusammen mit der berühmten Altistin Irina Archipowa, dann auch als Pimen im »Boris Godunow« vom gleichen Komponisten. 1989-96 war er regelmäßig an der Wiener Staatsoper anzutreffen (Debüt als Schaklowity in »Chowanschtschina«, später auch als Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, als Commendatore im »Don Giovanni«, als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Pistola im »Falstaff« von Verdi, als Ramfis in »Aida« und als Boris Godunow, insgesamt in 74 Vorstellungen). Als Konzertsänger hatte er u.a. seine Erfolge in Toronto, Montreal und Vancouver. 1991 gastierte er in Amsterdam als Kotschubej in Tschaikowskys »Mazeppa«. An der Opéra Bastille Paris gastierte er 1992 und 1994 als Boris (und als Polizeichef) in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch, 2000 als Marschall Kutusow in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, 2002 als Dosifej und 2008 (bei einem Gastspiel des Moskauer Bolschoi Theaters) als Gremin. An der Mailänder Scala gastierte er 1992 als Boris (und als Polizeichef) in »Lady Macbeth von Mzensk«, 1999 als Kotschubej, 2007 nochmals als Boris in »Lady Macbeth von Mzensk«, 2008 als Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, 2009 (bei einem Gastspiel des Moskauer Bolschoi Theaters) den Gremin und 2014 als Sobakin in Rimsky-Korssakows »Die Zarenbraut« (den er zuvor schon an der Berliner Staatsoper im Schillertheater gesungen hat). Dazu trat er als Gast an den führenden russischen Opernhäusern auf, darunter auch am Bolschoi Theater Moskau. Bei den Salzburger Osterfestspielen von 1994 sang er den Boris Godunow (sowie die Lieder und Tänze des Todes von Mussorgski), 2001 den Pistola. Bei den dortigen Sommerfestspielen sang er 1994 den Pimen wie den Titelhelden in »Boris Godunow« sowie in einem Mussorgsky-Konzert, 1999 und 2001 den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, 2001 auch den Pistola, 2008 den Commendatore im »Don Giovanni«, 2014 in Schostakowitschs 14. Sinfonie. 1994 sang er am Teatro Fenice Venedig den Boris Godunow, 1995 am Opernhaus von Rom den Polkan in Rimsky-Korssakows »Der goldenen Hahn«, ebenfalls 1995 beim Festival von Orange den Sparafucile im »Rigoletto«, 1996 am Théâtre de la Monnaie Brüssel den Dosifej, in Bordeaux wie in Montpellier den Boris Godunow, an der Deutschen Oper Berlin den Gremin. 1997 gastierte er in Amsterdam als Gremin, am Teatro Regio Turin als Boris Godunow, an der San Francisco Opera bei seinem USA-Debüt als Sparafucile. 1998 hörte man ihn am Opernhaus von Toulouse als Pimen, am Teatro de la Maestranza Sevilla als Großinquisitor, 1999 am Théâtre de la Monnaie Brüssel und an der Staatsoper Dresden als Boris in »Lady Macbeth von Mzensk«, im gleichen Jahr beim Festival von La Coruna als Basilio im »Barbier von Sevilla«. An der Staatsoper München trat er 2001 und 2004-06 als Pistola, 2005 als Sparafucile, 2007-08 als Dosifej, 2010-11 als Basilio im »Barbier von Sevilla« und als Ramfis, 2013 als Pimen, 2014 als Boris Godunow und 2016 als Boris in »Lady Macbeth von Mzensk« auf. 2010 sang er am Moskauer Bolschoi Theater den Commendatore im »Don Giovanni«. 2012 kam es dann auch zu seinem Debüt an der Metropolitan Oper New York als Iwan Chowanski in »Chowanschtschina«; 2014 gastierte er hier nochmals als Boris in »Lady Macbeth von Mzensk«. Im Konzertbereich trat er 1996 mit dem Israel Symphony Orchestra als Solist in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler auf, im gleichen Jahr gab er einen Liederabend in Berlin, dann auch in Wien und Graz. Bei seinen Liederabenden wurde er meistens durch die Pianistin Swetlana Tschernoscheij-Gluck begleitet. Aus seinem reichhaltigen Bühnenrepertoire verdienen noch der Leporello im »Don Giovanni« und der Mephisto im »Faust« von Gounod Erwähnung. 1975 erhielt er den Titel eines Volkskünstlers der Ukrainischen Sowjetrepublik, 1983 den eines Volkskünstlers der UdSSR.
Schallplatten: Melodiya, Capriccio (vollständige Oper »Boris Godunow«, Lieder von Schostakowitsch), Le chant du monde (»Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch), DGG (Schaklowity in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, Kotschubej in »Mazeppa« von Tschaikowsky, »Aleko« und »Der geizige Ritter« von Rachmaninoff, Sinfonie Nr. 13 von Schostakowitsch), Sony (Titelheld im »Boris Godunow«, Glagolitische Messe von Janácek), Forlane (»Don Giovanni«).

9.7. Elisabeth PROMONTI wird 75

Sie durchlief ein sehr intensives Musik- und Gesangstudium an der Franz Liszt-Musikakademie Budapest und erwarb Diplome als Konzert- und Opernsängerin wie als Chorleiterin. Sie ergänzte diese Ausbildung am Salzburger Mozarteum und war Schülerin u.a. von Viorica Ursuleac, Zoltan Zavodsky, Friederike Baumgartner, Denes Bartha, Erzsébeth Szönyi und Cecilia Vajda. 1967 kam es zu ihrem Bühnendebüt am Stadttheater von Bielefeld als Aida. Sie sang in Deutschland an den Theatern von Oberhausen, Kiel, Bremen und Heidelberg, trat 1970-71 in das Opernstudio in Zürich ein und hatte bis 1975 am Zürcher Opernhaus eine erfolgreiche Karriere. Sie gastierte in Wien und an der Oper von Bordeaux und war als Konzert-, Oratorien- und Liedersängerin tätig. Sie hatte sich schon immer mit musikpädagogischen Aufgaben befasst, wobei ihr die Vorstellungen des großen ungarischen Komponisten Zoltán Kodály als Grundlage dienten. Sie veröffentlichte wichtige Beiträge zu dieser Methode der Musikerziehung, betätigte sich in der Schweiz 1975-81 auch praktisch mit dem Kodály-Konzept der Musikerziehung und wurde 1983 Direktorin des Kodály Instituts in Luzern.
Schallplatten: Hungaroton (Lieder von Z. Kodály).

9.7. Ahmad PEJMAN wird 80

Biographie des iranischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Pejman

10.7. Franco GIOVINE wird 75

Biographie des italienischen Baritons auf Italienisch: http://www.concertodautunno.it/cur/giovinef.html

10.7. Florin FARCAS wird 80

Er war in der rumänischen Hauptstadt Bukarest Schüler von Dinu Badescu und debütierte 1961 an der Oper von Cluj (Klausenburg) als Canio im »Bajazzo« von Leoncavallo. Einige Jahre später wurde er als erster dramatischer Heldentenor an die Bukarester Nationaloper verpflichtet. Hier trat er sehr erfolgreich in Partien wie dem Don José in »Carmen«, dem Manrico im »Troubadour«, dem Erik in »Der fliegende Holländer«, dem Cavaradossi in »Tosca«, dem Kalaf in »Turandot« von Puccini, dem Rodolfo in »La Bohème« und dem Florestan im »Fidelio« auf. Gastspiele und Konzertauftritte in Rumänien wie im Ausland. Seine Tochter Valentina Farcas (* 14. Oktober 1975 in Bukarest)  wurde eine berühmte Sopranistin.
Electrecord-Aufnahmen.

11.7. Herbert BLOMSTEDT wird 90

Er wurde als Sohn schwedischer Eltern in den USA geboren. Sein Vater war adventistischer Pastor. Blomstedt erhielt seine erste musikalische Ausbildung am Königlichen Konservatorium in Stockholm und an der Universität Uppsala. Er studierte Dirigieren an der Juilliard School of Music in New York City, zeitgenössische Musik in Darmstadt sowie Renaissance- und Barockmusik an der Schola Cantorum Basel, außerdem arbeitete er unter Igor Markevitch in Salzburg und unter Leonard Bernstein in Tanglewood. 1954 debütierte Herbert Blomstedt als Dirigent mit dem Philharmonischen Orchester Stockholm und war dann als Chefdirigent bedeutender skandinavischer Orchester tätig, u. a. in Norrköping. Bis 1963 leitete er das Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks. 1975-85 war er Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und 1985-95 Music Director des San Francisco Symphony Orchestra. 1998-2005 leitete er als Nachfolger von Kurt Masur das Gewandhausorchester Leipzig. Herbert Blomstedt arbeitet mit vielen bedeutenden Orchestern als Gastdirigent, darunter die Bamberger Symphoniker, die Berliner Philharmoniker, das Boston Symphony Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, das Israel Philharmonic Orchestra, das Concertgebouw Orchester Amsterdam, das Los Angeles Philharmonic Orchestra, die Münchner Philharmoniker und nicht zuletzt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Die Wiener Philharmoniker baten ihn 2013 zum ersten Mal ans Pult. Das NHK-Sinfonieorchester (1986), das San Francisco Symphony Orchestra (1995), das Gewandhausorchester (2005), die Bamberger Symphoniker (2006), das Schwedische Radio-Sinfonieorchester Stockholm (2006), das Dänische Radio-Sinfonieorchester Kopenhagen (2006) und die Sächsische Staatskapelle Dresden (2016) ernannten ihn zu ihrem Ehrendirigenten. 2003 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz. Ihm wurde außerdem von zahlreichen Universitäten die Ehrendoktorwürde zuerkannt, beispielsweise von der Universität Göteborg. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche weitere Auszeichnungen, so zum Beispiel 2001 den Anton-Bruckner-Preis der Stadt Linz, 2007 den Max-Rudolf-Preis für sein Wirken als Dirigent und Pädagoge, 2007 die Goldene Ehrennadel der Sächsischen Staatskapelle Dresden, 2008 die Johann Walter Plakette des Sächsischen Musikrates und 2011 die Bach-Medaille der Stadt Leipzig. 2016 erhielt Blomstedt den Léonie-Sonning-Musikpreis. Im selben Jahr wurde ihm von der Brahms-Gesellschaft Schleswig-Holstein der Brahms-Preis 2017 zuerkannt, den er am 10. Juni 2017 im Rahmen der Brahms-Wochen 2017 in Wesselburen erhalten wird. Die Laudatio hält die Journalistin und Biographin Julia Spinola. Herbert Blomstedt, dessen Ehefrau Traute Blomstedt im Februar 2003 verstarb, hat vier Töchter und lebt seit 1984 in Luzern. Er ist bekennender Siebenten-Tags-Adventist. Blomstedt hat eine Fülle von Werken eingespielt, allein mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden existieren 130 verschiedene Aufnahmen. Komplett nahm Blomstedt u. a. die Sinfonien von Beethoven, Schubert, Sibelius sowie eine Reihe von Orchesterwerken von Paul Hindemith auf, ebenso sämtliche Sinfonien von Carl Nielsen mit dem San Francisco Symphony Orchestra, die als Referenzaufnahmen gelten. Er nahm auch Beethovens Oper Leonore, die Urfassung des Fidelio, mit der Staatskapelle Dresden auf. Mit dem Gewandhausorchester entstanden ab 2005 für das Label querstand u. a. Einspielungen aller Sinfonien von Anton Bruckner, aber auch die High Mass des Schweden Sven-David Sandström. Blomstedts Aufnahmen wurden hauptsächlich von Decca veröffentlicht, vor allem jene mit dem San Francisco Symphony Orchestra. Einspielung mit der Staatskapelle Dresden erschienen bei Denon und Eterna (mittlerweile Edel Classics).

12.7. Nicoletta CONTI wird 60

Informationen über die italienische Dirigentin auf folgender Web-Seite: http://www.dirigentinnen.de/1conti.htm

12.7. Vernon HARTMAN wird 65

Seine Ausbildung erfolgte an der West Texas State University und an der Academy of Vocal Arts in Philadelphia. In Philadelphia debütierte er auch 1977 als Masetto im »Don Giovanni« und wurde noch im gleichen Jahr an die City Opera New York verpflichtet, an der er bis zu Beginn der achtziger Jahre regelmäßig auftrat. Daneben erschien er auch an zahlreichen anderen amerikanischen Opernbühnen, u.a. in Cincinnati, San Antonio und Seattle. 1982 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, an der er als Antrittsrolle den Silvano in Verdis »Un ballo in maschera« sang. Bis 1997 sang er an diesem Haus außerdem noch in insgesamt 276 Vorstellungen u.a. den Grafen Dominik in »Arabella« von R. Strauss, den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Schaunard in Puccinis »La Bohème«, den Baron Douphol in »La Traviata«, den Donald in »Billy Budd« von B. Britten, den Marullo in »Rigoletto«, den Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Lescaut in Puccinis »Manon Lescaut«, den Silvio im »Bajazzo«, den Mercutio in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Moralès in »Carmen«, den Taddeo in Rossinis »L’Italiana in Algeri«, den Grafen  in »Le nozze di Figaro«, den Eisenstein in der »Fledermaus«, den Ping in Puccinis »Turandot«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Kuligin in »Katja Kabanowa« von Janácek und den Lorek in »Fedora« von Giordano. 1977 und 1978 hörte man ihn auch bei den Festspielen von Spoleto als Guglielmo in »Così fan tutte«. 1990 trat er in Cincinnati als Enrico in »Lucia di Lammermoor« auf. Aus seinem Bühnenrepertoire seien noch der Rigoletto, der Malatesta im »Don Pasquale«, der Marcello in »La Bohème«, der Frank in Korngolds »Die tote Stadt«, der Falke in der »Fledermaus« und der Danilo in F. Lehárs »Die lustige Witwe« genannt.
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.impresarioproductions.com/impr.htm

12.7. Judith DE PAUL wird 75

Judith De Paul

Sie kam als Kind mit ihren Eltern nach Nordamerika. Bereits mit acht Jahren trat sie im amerikanischen Fernsehen auf, mit elf Jahren erschien sie im Ballett zusammen mit Balanchine und Robbins. Sie entschloss sich dann zur Ausbildung der Stimme an der Manhattan School of Music New York und bei Kurt Baum. Debüt auf der Bühne 1966 an der Oper von Kansas City als Amelia im »Maskenball« von Verdi. Abschließende Ausbildung an der Accademia di Santa Cecilia in Rom, wo sie ihren Wohnsitz nahm. Es kam zur Entfaltung einer bedeutenden Karriere sowohl in Nordamerika wie an den führenden europäischen Bühnen. So gastierte sie in Prag und Kopenhagen, an der Grand Opéra Paris, an den Opern von Amsterdam, Dresden, Leipzig, Genua, Palermo, Venedig, beim Maggio Musicale von Florenz und beim Edinburgh Festival. Sie sang an den großen Opernhäusern der USA (Boston, Houston, Memphis, Miami, Philadelphia, Pittsburgh, San Diego) und wurde in der Spielzeit 1967-68 an die New Yorker Metropolitan Oper verpflichtet (Debüt 1968 als Frasquita in »Carmen«), an der sie bis 1972, zumeist in kleineren Partien (u.a. Gerhilde in der »Walküre« und Marianne Leitmetzerin im »Rosenkavalier«), aber auch als Musetta in »La Bohème« und als Santuzza in »Cavalleria rusticana« auftrat. Sie gestaltete auf der Bühne in erster Linie die dramatischen Partien ihres Stimmfachs (Verdi, Wagner, Puccini, R. Strauss, Halévy, Janácek, Cherubini, die italienischen Veristen, aber auch moderne Meister). Auch im Konzertsaal erfolgreich aufgetreten.
Schallplatten: RAI.

13.7. Per NØRGÅRD wird 85

Er studierte unter anderem bei Vagn Holmboe und Finn Høffding, an der königlich dänischen Musikakademie in Kopenhagen. 1956-57 setzte er seine Studien bei Nadia Boulanger in Paris fort. Seine Kompositionstechnik ist stark von mathematischen Vorstellungen geprägt. So entwickelte er ein System, welches Spektralharmonik und auf dem Goldenen Schnitt basierende Rhythmen mit der sogenannten Unendlichkeitsreihe verbindet. Letztere hat die Eigenschaft, dass jede Stauchung und Streckung dieser Reihe mit der Reihe selbst oder ihrer Intervallspiegelung identisch ist. Per Nørgård schrieb unter anderem zwei Opern, je zwei Violin- und Perkussionskonzerte, je ein Klavier- und Cellokonzert, bislang acht Sinfonien und Kammermusik sowie eine Märchenkantate über das Märchen Lygtemaend I Byen (Die Irrlichter sind in der Stadt, sagte die Moorfrau) von Hans Christian Andersen. Einige seiner Werke wurden auch in dänischen Filmen verwendet, bzw. wirkte er auch als Filmkomponist.

15.7. Maya BAZUKY wird 85

Die Sängerin, deren eigentlicher Name Maria Johanna Michel war, studierte am Königlichen Konservatorium im Haag bei Nelly Vertragt, Frans Vroons und Wolf-Dieter Ludwig. 1961 gewann sie den Noëmie Perugia-Concours, 1967 debütierte sie am Stadttheater von Bern (Schweiz) als Amneris in »Aida«. Sie ging von ihrem Wohnsitz Antwerpen aus einer weitreichenden Gastspieltätigkeit nach. Dabei trat sie an der Mailänder Scala (1968 als Grimgerde in der »Walküre«), am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Massimo Palermo, am Grand Théâtre Genf (1968 als Rossweisse in der »Walküre«), in Holland und Belgien auf und war nicht weniger erfolgreich im Konzertfach. Ihr Bühnenrepertoire hatte seine Höhepunkte im dramatischen Stimmbereich: so sang sie die Carmen, die Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky, die Azucena im »Troubadour«, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Eglantine in »Euryanthe« von Weber, die Ortrud im »Lohengrin«, die Erda und die Fricka im Nibelungenring von R. Wagner.

16.7. Philippe ROUILLON wird 65

Philippe ROUILLON als Henri VIII
Als Heinrich VIII

Ausbildung am Conservatoire National de Paris und an der École d’Art Lyrique, ebenfalls in Paris, hier bei M. Sénéchal. Er gewann Preise bei den Gesangwettbewerben von Verviers (1979) und Rio de Janeiro (1983) und war seit 1980 an der Opéra-Comique Paris und an der Grand Opéra Paris engagiert. An beiden Häusern sang er anfänglich kleinere Partien wie den Einäugigen in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, den Altgesell in »Jenufa« von Janácek, den Direktor in »Les Mamelles de Tirésias« von Fr. Poulenc, den Mandarin in »Turandot«, den Dancairo wie den Morales in »Carmen«, den Paris in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Ajax II in »La belle Hélène« von Offenbach, den Baron Douphol in »La Traviata«, den Schtschelkalow im »Boris Godunow«, den Emir von Ramla in »Jérusalem« von Verdi, den Yamadori in »Madame Butterfly«, den Oberpriester des Apollo in Glucks »Alceste« und den junge Seemann in »Tristan und Isolde«. Gegen Ende der achtziger Jahre übernahm er dann die großen Partien seines Stimmfachs, darunter den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Escamillo in »Carmen«, den Thoas in »Iphigénie en Tauride« von Gluck, den Faust und später auch den Ruprecht in »L’Ange de feu« von Prokofjew, den Grand Prêtre in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, den Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und zuletzt 2006 den Treffkönig in Prokofjews »L’Amour des trois oranges«. 1982 wirkte er am Théâtre des Champs-Élysées Paris in der Uraufführung der Oper »Ondine« von Jean-Yves Daniel-Lesur als Chevalier mit. In der Eröffnungsvorstellung der neu erbauten Opéra Bastille in Paris mit »Les Troyens« von Berlioz sang er am 17.3.1990 die Partie des Chorèbe. Es kam gleichzeitig zur Ausbildung einer großen Karriere an den französischen Provinztheatern. So sang er in Nîmes, Reims und 1987 und 1990 an der Opéra du Rhin Straßburg, am Opernhaus von Nantes, in Toulouse (1990), Marseille (1990) und am Théâtre des Champs-Élysées Paris (1987 in »La gazza ladra« von Rossini). 1988 sang er am Grand Théâtre Genf (den Faust in »L’Ange de feu« von Prokofjew und den Saint-Joseph in »L’enfance du Christ« von Berlioz), 1989 in Amsterdam (hier in der holländischen Erstaufführung in konzertanter Form den Ruprecht in Prokofjews »L‘Ange de feu«). Er unternahm eine sehr erfolgreiche Konzerttournee, bei der er u.a. in London, Boston, New York, Madrid und Bonn Ausschnitte aus »Saint-François d’Assise« von O. Messiaen vortrug. Bei den Bregenzer Festspielen gastierte er 1989 als Grand Prêtre in »Samson et Dalila« (den er 1990 auch am Staatstheater Karlsruhe sang), 1991-92 als Escamillo, 1992 als Mephistopheles in »La Damnation de Faust« von Berlioz, 1994 als Giovanni in »Francesca da Rimini« von Zandonai, 1996 in der Titelrolle von »Le Roi Arthus« von E. Chausson und 1999 als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1990-2005 in insgesamt 23 Vorstellungen als Golaud in »Pelléas et Mélisande«, als Grand Prêtre in »Samson et Dalila«, in den vier dämonischen Rollen in »Hoffmanns Erzählungen«, als Escamillo und als Hérode in »Hérodiade« von Massenet. 1991 sang er am Théâtre Impérial Compiegne die Titelpartie in »Henri VIII.« von Saint-Saëns, 1993 am Theater von St. Gallen den Athanaël in »Thaïs« von Massenet. An der Mailänder Scala hörte man ihn 1995 in den vier dämonischen Rollen in »Hoffmanns Erzählungen« und 2006 als Comte Des Grieux in Massenets »Manon«. Er gastierte 1995 am Opernhaus von Köln wieder als Mephisto in »La Damnation de Faust«, 1996 an der Staatsoper Hamburg als Hydraot in »Armide« von Gluck. Am Teatro San Carlo Neapel trat er 1997 in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen« auf, an der Hamburger Staatsoper als Titelheld in Verdis »Macbeth«, an der Opéra de Wallonie Lüttich als Rossinis Wilhelm Tell. 1998 sang er an der Deutschen Oper Berlin den Amfortas im »Parsifal«, an der Oper von Tel Aviv den Grand Prêtre in »Samson et Dalila«, 1999 am Teatro Municipal Rio de Janeiro den Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, am Opernhaus von Leipzig den Rigoletto. Bei den Salzburger Festspielen sang er 2000 den Thoas in »Iphigénie en Tauride« von Gluck und 2002 den Capulet in »Roméo et Juliette« von Gounod. 2000 gastierte er an der Staatsoper von München als Macbeth von Verdi, 2001 am Opernhaus von Bonn als Scarpia in »Tosca«. An der Oper Graz gastierte er 2005 mit den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen« und in der Spielzeit 2008/09 als Treffkönig in »L’Amour des trois oranges«. 2012 sang er an der Opéra du Rhin Strasbourg den Comte de St. Bris in Meyerbeers »Hugenotten« und an der Opéra de Wallonie den Herzog in »Stradella« von Franck, 2013 an der Niederländischen oper Amsterdam den Treffkönig und am Théatre des Champs-Élysées Paris den Marquis de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, 2014 in St. Étienne den Hildibrath in »Les Barbares« von Saint-Saëns, an der Oper von Marseille den Karnac in »Le Roi d‘Ys« von Lalo, an der Oper von Monte Carlo den Herzog in »Roméo et Juliette« von Gounod und an der Oper von Lausanne den Claudius in »Hamlet« von A. Thomas. Von seinen Bühnenpartien seien noch der Ourrias in »Mireille« von Gounod, der Alfio in »Cavalleria rusticana«, der Silvio im »Bajazzo« und der Tarquinius in »The Rape of Lucretia« von Benjamin Britten genannt.
Schallplatten: KRO (»Saint-François d’Assise«), Chant du monde (»Henri VIII.« von Saint-Saëns), Koch/Schwann (Giovanni in »Francesca da Rimini« von R. Zandonai), ORF/Koch (Titelrolle in »Le Roi Arthus« von Chausson).

16.7. Renate FACK wird 80

Die Ausbildung ihrer Stimme erfolgte an der Musikhochschule Bremen, dann bei den Pädagogen Annelies Kupper in München, Annemarie Leber in Mainz und Karlheinz Jarius in Stuttgart. Sie sang 1955-57 am Stadttheater von Hanau, 1957-65 am Stadttheater (Opernhaus) von Dortmund, 1966-75 am Staatstheater Wiesbaden, wo sie noch 1977 gastweise auftrat. ebenso 1977-78 am Staatstheater von Darmstadt. Sie hatte eine erfolgreiche Karriere als lyrischer und Koloratursopran vor allem in Partien aus dem Fachbereich der Soubrette, die sie auch darstellerisch hervorragend meisterte. Sie sang als Gast an den Opernhäusern von Köln, Essen, Wuppertal, Kassel, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Nationaltheater Mannheim, am Stadttheater von Basel und am Theater am Gärtnerplatz in München. Bekannt wurde die Künstlerin durch ihr Auftreten in mehreren Opernaufführungen im deutschen Fernsehen (»Die Zauberflöte«, »Hänsel und Gretel«, »Die Fledermaus«). Dazu erfolgreiche Konzertsopranistin.
Schallplatten: Tip Records (vollständige Oper »Falstaff« von Verdi).

16.7. Tamás PÁL wird 80

Biographie des ungarischen Dirigenten auf folgender Web-Seite: http://www.radioswissclassic.ch/de/musikdatenbank/musiker/20367046e613ade9d51d4b2de2547a3e69ea73/biography

16.7. Serge BAUDO wird 90

Er absolvierte in Paris seine Ausbildung in Kompositon und Dirigieren. Zunächst arbeitete er für das französische Radio als Komponist. Daneben komponierte er die Musik zu Filmen von Louis Malle und Jacques-Yves Cousteau. Seit 1959 arbeitete er nur als Dirigent. 1962 wurde er einer größeren Öffentlichkeit bekannt, als er auf Empfehlung von Herbert von Karajan an der Mailänder Scala Claude Debussys Oper Pelléas et Mélisande dirigierte. Weitere Erfolge feierte er mehrere Jahre beim Musikfestival von Aix-en-Provence. Wiederholt leitete er Aufführungen an der Wiener Staatsoper (1967-90 insgesamt 27 Vorstellungen der Opern Pelléas et Mélisande, Katerina Ismailowa von Schostakowitsch, Faust von Gounod, Carmen und Manon von Massenet). 1969 gastierte er mit dem Orchestre de Paris bei den Salzburger Festspielen. 1970 debütierte er mit Les contes d‘Hoffmann an der Metropolitan Oper New York, an der bis 1974 in insgesamt 61 Vorstellungen auch Samson et Dalila, Madame Butterfly und Rigoletto dirigierte. An der Pariser Oper leitete er u.a. 1974 Così fan tutte, 1974-75 Manon, 1978 Pelléas et Mélisande, 1980 Die Entführung aus dem Serail und 1994 Carmen. 1970-88 leitete er das Orchestre National de Lyon als Musikdirektor. Er setzte sich auch für das Werk von Hector Berlioz ein, in dem er dem französischen Komponisten ein Festival in Lyon widmete. Ab 1998 dirigierte er zahlreiche internationale Orchester. Seit 2001 ist er Musikdirektor des Prager Symphonie Orchesters. Am 6.3.2004 wurde der Asteroid (36235) Sergebaudo nach ihm benannt.

17.7. Vrastislav KŘÍŽ wird 60

Biographie des tschechischen Baritons auf Tschechisch:
https://www.musictheatre.cz/kriz-vratislav-baryton/

18.7. Carlo FRANCI wird 90

Er gastiert seit Jahrzehnten regelmäßig an der Oper Frankfurt. Zuletzt leitete er in der Mainmetropole Catalanis La Wally (konzertant in der Alten Oper) und (seit der Premiere dieser Produktion 2007/08) zahlreiche Vorstellungen von Don Carlo. Carlo Franci ist in Italien an den wichtigsten Opernhäusern tätig gewesen, an der Mailänder Scala (1967), am Teatro La Fenice in Venedig, am Teatro San Carlo in Neapel, an den Opernhäusern von Rom und Florenz sowie in der Arena di Verona. Außerhalb seines Heimatlands leitete er z.B. das London Symphony Orchestra, das BBC Orchestra, die Wiener Philharmoniker, die Wiener Symphoniker und das Salzburger Mozarteum-Orchester. An der Metropolitan Opera New York (Debüt 1969 mit Lucia di Lammermoor) leitete er bis 1972 insgesamt 69 Vorstellungen der Opern La Bohème, Il Trovatore, Don Pasquale, Madama Butterfly, Rigoletto und L’Elisir d’amore. An der Wiener Staatsoper leitete er 1969-88 insgesamt 36 Vorstellungen der Opern La Traviata, La Bohème, Il Trovatore, Il Barbiere di Siviglia, Don Carlo, Rigoletto, Aida, Un ballo in maschera, Madama Butterfly, Andrea Chénier und Tosca. Weitere Engagements in den USA führten ihn nach Boston, Cleveland, Minneapolis, Atlanta, Detroit und Dallas. Zudem gastierte er häufig in Berlin, Hamburg, München, Mannheim, Madrid, Barcelona, Zürich, Tokio, Seoul, Caracas, Rio de Janeiro, Singapur und Johannesburg. 1990-97 war er Chefdirigent des Transvaal Philharmonic Orchestra in Pretoria. Neben seiner Karriere als Dirigent findet Carlo Franci als Komponist Beachtung. Seine eigens dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester gewidmete Klangreise für Orchester wurde in der Spielzeit 2008/09 uraufgeführt.

19.7. Kim CRISWELL wird 60

Biographie der amerikanischen Musicalsängerin, die auch schon mehrmals an der Wiener Volksoper gastiert hat, auf Englisch : https://en.wikipedia.org/wiki/Kim_Criswell

19.7. Penelope THORN wird 60

Sie studierte an der Guildhall School of Music London und bei Tito Gobbi in Rom. 1980 begann sie ihre Bühnenkarriere am Staatstheater von Karlsruhe als Adriana Lecouvreur in der gleichnamigen Oper von Cilea. Sie sang in den folgenden Jahren bis 1985 dort die Alice Ford in Verdis »Falstaff«, die Amelia in Verdis »Un Ballo in maschera«, die Prinzessin in »Rusalka« von Dvorák, die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« und die Armida in »Rinaldo« von Händel (die sie auch in Barcelona vortrug). Sie trat an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und am Nationaltheater von Mannheim, 1985-89 am Staatstheater von Hannover auf. Hier hörte man sie u.a. als Tosca, als Abigaille im »Nabucco« von Verdi, als Jenufa von Janácek, in Düsseldorf auch als Freia und als Gutrune im Ring-Zyklus. Am Theater von Gießen war sie 1986 als Maria Golovin in der Oper gleichen Namens von Menotti zu Gast, in Bielefeld als Leonore in Verdis »La forza del destino« und als Asteria in »Nerone« von Boito, am Opernhaus von Zürich als Santuzza in »Cavalleria rusticana« und als Gutrune, in Nizza als Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West«. Die Senta in »Der fliegende Holländer« sang sie an den Theatern von Freiburg i. Br. und Mannheim, die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss in Bremen (1991) und Karlsruhe, die 3. Norn im Nibelungenring an der Bayerischen Staatsoper München. Am Staatstheater Saarbrücken hatte sie seit 1991 bedeutende Erfolge in Partien wie der Aida, der Salome von R. Strauss (1991), der Butterfly, der Medea in Cherubinis gleichnamiger Oper (1993) und der Elsa im »Lohengrin«. 1995 hörte man sie an der Stuttgarter Oper als Fata Morgana in Prokofieffs »Liebe zu den drei Orangen«. 2000 sang sie an der Deutschen Oper Berlin die 3. Norn.

20.7. Colette ALLIOT-LUGAZ wird 70

allioz

Sie wurde durch Magda Foney-Besson, dann im Centre Lyrique Genf und im Opernstudio der Grand Opéra Paris ausgebildet. Im Pariser Opernstudio kam es dann auch 1976 zu ihrem Bühnendebüt als Pamina in der »Zauberflöte«. Sie wurde an die Oper von Lyon engagiert, an der sie 1976-83 regelmäßig auftrat (u.a. 1980-81 als Jonathas in »David et Jonathas« von Marc-Antoine Charpentier und, ebenfalls 1980, als Mélisande in »Pelléas et Mélisande«) und war auch vertraglich der Opéra-Comique Paris verbunden, wo sie u.a. 1984 die Lazuli in »L‘Étoile« von E. Chabrier sang. 1980 sang sie an der Grand Opéra Paris den Yniold in »Pelléas et Mélisande«, 1985 dann am Théâtre du Champs-Élysées die Mélisande in der gleichen Oper. Sie gastierte sehr erfolgreich an den großen französischen Opernhäusern sowie am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1980, 1988, 1989). An diesem letztgenannten Haus wirkte sie in der Uraufführung der Oper »La Passion de Gilles« von Philippe Boesmans (18.10.1983) in der Rolle des Pagen mit. 1981 war sie zu Gast an der Oper von Rom. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang sie 1981 den Cherubino in »Le nozze di Figaro« und 1982-83 die Ninetta in »L’Amour des trois oranges« von Prokofjew. Beim Festival von Edinburgh sang sie 1985 anlässlich eines Gastspiels der Opéra de Lyon die Lazuli, in Aix-en-Provence 1985 die Musica in »L‘Orfeo« von Monteverdi und 1986 in »Tancrède« von Campra. an der Mailänder Scala 1986 in »Le Martyre de Saint Sébastien« von Debussy. 1990 wirkte sie in der Eröffnungsvorstellung der neu erbauten Opéra Bastille in Paris als Ascagne in »Les Troyens« von Berlioz mit. 1991 trat sie am Théâtre Châtelet Paris als Kind in Ravels »L’Enfant et les sortilèges« auf, am Théâtre des Champs-Élysées als Alceste in der gleichnamigen Oper von Lully, 1992 in Montpellier als Alceste von Gluck, 1992-93 an der Operá Bastille Paris als Siebel im »Faust« von Gounod. Weitere Gastspiele und Konzerte fanden in Turin, Neapel und Lausanne, in der New Yorker Carnegie Hall und in vielen anderen Zentren des internationalen Musiklebens statt. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind nachzutragen: die Zerline im »Don Giovanni«, die Jacqueline in »Fortunio« von Messager, der Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen«, die Euridike in »Opera« von Berio und der Gymnasiast in »Lulu« von A. Berg. Mit gleichem Erfolg trat sie im Konzertsaal auf, wo sie sich namentlich als Interpretin von Barock-Musik ihrem Publikum vorstellte.
Schallplatten: Erato (»David et Jonathas« von Charpentier, »Fortunio« von Messager, Alkande in »Pénélope« von Gabriel Fauré als Partnerin von Jessye Norman, »Tancrède« von Campra, »L‘Orfeo« von Monteverdi, »Évocations et Mélodies« von A. Roussel, »L’Enfant et les sortilèges« und »Schéhérazade« von Ravel), HMV (»Manon« von Massenet, »L’Étoile« von Chabrier, »La belle Hélène« und »Les Brigands« von Offenbach), Philips (»Iphigénie en Tauride« von Gluck), CBS (Mozart-Requiem), RCA (Venere in »Ercole amante« von Cavalli), Pathé (»Ciboulette« von Reynaldo Hahn), Decca (»Pelléas et Mélisande«), REM (Lieder), Disques Montaigne/IMS (»Alceste« von Lully), RM (»Pelléas et Mélisande«, Mitschnitt einer Aufführung aus der Oper von Lyon), Arthaus-Video (Mélisande in »Pelléas et Mélisande«, Oper von Lyon).

20.7. Aureliana BELTRAMI wird 85

Aureliana Beltrami

Sie erhielt ihre Ausbildung am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand bei Tina Poli-Randaccio sowie bei Apollo Granforte. 1952 erfolgte ihr Debüt am Teatro Nuovo Mailand als Suzel in »L’Amico Fritz« von Mascagni. Sie kam schnell zu einer erfolgreichen Karriere. 1953 trat sie am Opernhaus von Pisa und am Teatro Bellini Catania auf und sang bereits im gleichen Jahr mit einer italienischen Operntruppe am Londoner Stoll Theatre. 1954 gastierte sie am Teatro della Pergola in Florenz und am Teatro Massimo Palermo; 1955 sang sie bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom die Anna in Catalanis »Loreley«, 1956 die Sinaide in Rossinis »Mosè in Egitto«. 1957 unternahm sie eine Tournee durch Deutschland und Holland mit einer italienischen Truppe und gastierte in Madrid, wo sie im folgenden Jahr 1958 die Marguerite im »Faust« von Gounod sang; sie gastierte auch am Opernhaus von Bilbao sowie in Parma. 1957 erreichte sie die Mailänder Scala, wo sie bei ihrem Debüt die Regina in Hindemiths »Mathis der Maler« vortrug und 1958 die Elena in Schuberts »Der häusliche Krieg«, 1959 die Liu in Puccinis »Turandot«, die Donna Lorenza in Petrassis »Il Cordovano« und die Micaela in »Carmen« übernahm. 1955 Gastspiel am Teatro Comunale Florenz, 1957 an der Oper von Rom (als Micaela), 1958 am Teatro San Carlo Neapel. 1958 war sie an der Wiener Staatsoper als Nannetta im »Falstaff« von Verdi zu Gast, die sie dann auch 1960 am Teatro Liceu Barcelona sang, an der Oper von Antwerpen die Mimi in »La Bohème«. 1960 trat sie an der Oper von Rio de Janeiro auf. Weitere Auftritte fanden an italienischen Opernhäusern statt, u.a. in Livorno, Piacenza (1957 als Traviata), Adria, Bari und am Teatro Grande Brescia (1962 als Lauretta in »Gianni Schicchi« von Puccini). Sie gastierte auch in der Schweiz. 1962 zog sie sich relativ früh nach einem Auftritt als Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet am Teatro Bellini Catania von der Bühne zurück.
Schallplatten: Philips (Nedda im »Bajazzo«, 1960), Eterna (Mimi in »La Bohème«), Fonè (Mitschnitt einer Aufführung von Mascagnis »Lodoletta«, Livorno 1960), HMV, Columbia.

20.7. Michael GIELEN wird 90

Er ist nach seiner Schwester Carola Stella (geb. 1925) das zweite Kind des österreichischen Theatermanns und späteren Intendanten des Burgtheaters Josef Gielen (1890-1968) und der Schauspielerin Rosa Steuermann, der Schwester von Salka Viertel, Eduard Steuermann und Zygmunt Steuermann. Bereits als Elfjähriger studierte Michael Gielen die drei Klavierstücke Opus 11 von Arnold Schönberg. Gielens Familie emigrierte 1940 nach Argentinien. Dort traf er als Dreizehnjähriger auf den Dirigenten Fritz Busch, mit dem er häufig vierhändig Klavier übte. 1942-49 studierte Gielen in Buenos Aires Klavier und Musiktheorie bei Erwin Leuchter. Er begann 1945 zusätzlich für drei Semester ein Philosophiestudium und spielte sodann privat viel Kammermusik mit seinem Schwager Ljerko Spiller und dessen Violinschülern. Gielen studierte Ernst Kreneks Schrift Über neue Musik und komponierte 1946 als erstes Werk eine Sonate für Klavier und Violine. Seine berufliche Laufbahn begann er als 1947 als Korrepetitor am Teatro Colón, wo sein Vater Chefregisseur war und ihn der Dirigent Erich Kleiber entscheidend prägte. Gielen wurde Pianist im vom Komponisten Juan Carlos Paz gegründeten Ensemble Agrupación Nueva Música der Argentinischen Gesellschaft für Neue Musik, wo er auch Maurizio Kagel kennenlernte. Im Jahr 1949 führte er in einem durch Paz kommentierten Konzert die Klavierwerke Schönbergs auf. 1950 ging Gielen an die Wiener Staatsoper, wo er ebenfalls als Korrepetitor arbeitete und unter anderem auf Herbert von Karajan, Karl Böhm, Clemens Krauss und Dimitri Mitropoulos traf. Ab 1960 wurde Gielen für fünf Jahre Musikdirektor der Königlichen Oper in Stockholm, 1969 Leiter des Belgischen Nationalorchesters in Brüssel und 1973 Chefdirigent der Niederländischen Oper in Amsterdam. Operngeschichte schrieb er als Dirigent der Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten am 15. Februar 1965 in Köln. 1977-87 war Gielen Direktor der Oper Frankfurt, die unter seiner Leitung (in Zusammenarbeit mit Klaus Zehelein) zu einem der wichtigsten Opernhäuser Europas avancierte, außerdem Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main. Gleichzeitig war er 1978-81 Erster Gastdirigent des BBC Symphony Orchestra in London, dessen Ehrendirigent er seitdem ist, und 1980-86 Leiter des Cincinnati Symphony Orchestra. 1986 übernahm er das SWF Sinfonieorchester Baden-Baden, das 1996 in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde, und leitete es bis 1999. 1999-2014 war er ständiger Gastdirigent, seit 2002 Ehrendirigent dieses Orchesters. Regelmäßig arbeitete er mit dem Konzerthausorchester Berlin, zunächst als Erster Gastdirigent, später als Ehrengastdirigent. Die Staatskapelle Berlin dirigierte er das erste Mal 1991 mit einer Premiere von Claude Debussys Pelléas et Melisande in einer legendären Inszenierung von Ruth Berghaus. Michael Gielen veränderte das Klangverständnis dieses Orchesters für die Musik des 20. Jahrhunderts grundlegend. 1995 wurde Alban Bergs Lulu unter seinem Dirigat bei den Salzburger Festspielen mit einer Regiearbeit von Peter Mussbach zur Inszenierung des Jahres gekürt. 1997 war die Oper eine Erstaufführung an der Staatsoper Unter den Linden und blieb lange Jahre im Spielplan. 1998-2012 folgten in jeder Saison Konzerte mit der Staatskapelle Berlin in denen er sich mit Werken von Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner, Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Alban Berg und anderen Komponisten vorwiegend des 20. Jahrhunderts auseinandersetzte. 2001 führte der Dirigent die Premiere von Franz Schrekers Der ferne Klang – wiederum mit einer Regiearbeit von Peter Mussbach – zu einem Erfolg. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er mit der Premiere von Norma sich der italienischen Oper zugewandt. In den folgenden Jahren widmete sich Michael Gielen verstärkt diesem Repertoire und sorgte mit seiner entschlackten, unsentimentalen Interpretation für ein neues Klangbild dieser Literatur. Zunächst als Gastdirigent engagiert, später dann Prinzipal Guest Conductor, wurde er in Anerkennung seiner prägenden künstlerischen Arbeit und kollegialen Verbundenheit mit der Staatsoper Unter den Linden zum Ehrenmitglied ernannt. Gielens Repertoire war weit gefasst – von Bach bis zur Moderne, sinfonische Literatur wie Oper gleichermaßen. Dennoch waren Schwerpunkte seines Schaffens zu erkennen: einerseits die großen Sinfoniker wie Ludwig van Beethoven, Anton Bruckner und Gustav Mahler, andererseits die Komponisten des 20. Jahrhunderts und hier im Besonderen die Vertreter der Neuen Wiener Schule. Ende Oktober 2014 gab Michael Gielen bekannt, aus gesundheitlichen Gründen seine Dirigentenkarriere zu beenden und ab sofort keine Konzerte mehr zu dirigieren. Seither lebt er am Mondsee im österreichischen Salzkammergut.

21.7. Janis ECKHART wird 65

Sie studierte an der University of California in Los Angeles, wo sie den akademischen Grad eines Bachelor of Arts erwarb, und ergänzte diese Ausbildung an der Academia Real de Musica in Madrid. Sie trat dann in Europa, u.a. 1978-80 in einem Engagement am Stadttheater von Oberhausen, auf, wo sie als Carmen sehr erfolgreich war. 1980 sang sie auf den Philippinen die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns. 1981 debütierte sie an der New York City Opera, an der sie dann auch als Carmen (1986, 1988), als Maddalena im »Rigoletto« (1981, 1984, 1988) und in Verdis »Nabucco« auftrat. 1983 gastierte sie an der Oper von Monte Carlo als Maddalena, 1984 an der Delaware Opera als Amneris in »Aida«, 1984 an der National Grand Opera als Azucena im »Troubadour«. Weitere Auftritte 1981 an der Oper von Caracas in »Hoffmanns Erzählungen«, an der Oper von Seattle als Carmen (1982), an der Cincinnati Opera (1980), am Teatro de Opera Puerto Rico (1980), an der Oper von Miami (1981) und am Theater von Cagliari auf Sardinien (1983 in der »Walküre«). Die Carmen sang sie auch 1990 an der Oper von Kairo, 1995 in Madrid, 1994 in Hongkong in »Cavalleria rusticana« zu Gast. Auch als Konzertsängerin hatte sie in einem umfangreichen Repertoire ihre Erfolge (»Kindertotenlieder« von G. Mahler, Verdi-Requiem). – Verheiratet mit dem amerikanischen Bass-Bariton Harry Dworchak (* 1947).
Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.janiseckhart.com/  

21.7. Patricia CRAIG wird 70

Patricia CRAIG als Butterfly
Als Butterfly

Die Künstlerin, die eigentlich Patricia Duncklee hieß, wollte ursprünglich Musiklehrerin werden, studierte dann jedoch Gesang bei Donald E. Craig (den sie heiratete) und bei Marinka Gurevitch am Ithaka College New York. 1970 Bühnendebüt in Milwaukee als Nedda im »Bajazzo«. Sie wurde Preisträgerin beim Nationalen Gesangwettbewerb der Metropolitan Oper New York und sang darauf an vielen amerikanischen Opernhäusern, u.a. in Baltimore, Cincinnati, Memphis, San Antonio, vor allem aber an der New York City Opera. Sie debütierte 1978 an der Metropolitan Oper als Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut« und trat dort bis 1987 in zahlreichen Rollen auf, als 1, Dame in der »Zauberflöte«, als Micaela in »Carmen«, als Nedda, als Mme. Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc, als Lauretta in »Gianni Schicchi«, als Butterfly, als Musetta in »La Bohème«, als Jenny in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill und als Manon Lescaut in der Oper gleichen Namens von Puccini. 1986 sang sie in Cincinnati, 1989 an der Oper von Boston die Tosca, 1990 die Butterfly. Aus ihrem Repertoire sind noch zu nennen: die Gilda im »Rigoletto«, die Traviata, die Mimi in Puccinis »La Bohème«, die Liu in »Turandot«, die Rosalinde in der »Fledermaus«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Annina in Menottis »The Saint of Bleecker Street« und die Margherita in »Mefistofele« von Boito. Auch im Konzertsaal in einem umfangreichen Repertoire aufgetreten. 1990-2010 unterrichtete sie am New England Conservatory in Boston, danach ließ sie sich als Gesangslehrerin in San Francisco nieder. Sie war mit dem Tenor Richard Cassilly (1927-98) verheiratet.
Schallplatten: CBS.

22.7. Irina RUBTSOVA wird 60

Biographie der russischen Sopranistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Irina_Rubtsova

22.7. Andrey BOREYKO wird 60

Er studierte in Leningrad am Konservatorium Dirigieren bei Jelisaweta Kudrjawzewa und Alexander Dmitrijew, sowie Komposition bei V. Uspensky. Internationale Anerkennung errang er nach seiner mit Diplomen und Preisen ausgezeichneten Teilnahme an internationalen Wettbewerben wie dem Grzegorz-Fitelberg-Dirigentenwettbewerb in Katowice und dem nach Kirill Kondraschin benannten Dirigentenwettbewerb in Amsterdam.
1987-92 war er Dirigent in Uljanowsk und Chefdirigent in Jekaterinburg, 1992-95 Generalmusikdirektor in Posen (Polen). 1998 wurde er Chefdirigent/Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie sowie Principal Guest Conductor der Vancouver Symphony Orchestra; er nahm die Engagements bis 2003 wahr. 1998-2001 war er Principal Associate Conductor des Russischen Nationalorchesters. Seit der Saison 2001/02 bis 2005/06 war er Music Director des Winnipeg Symphony Orchestra und zusätzlich seit der Spielzeit 2004/05 Chefdirigent der Hamburger Symphoniker sowie erster Gastdirigent des Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR. Andrey Boreyko ist Ehrendirigent der Jenaer Philharmonie. Er wurde mit dieser zusammen 1999–2003 vom Deutschen Musikverleger-Verband drei Mal in Folge für das beste Konzertprogramm des Jahres ausgezeichnet. Von der Saison 2005/06 bis zur Saison 2009/10 war er Chefdirigent des Berner Symphonie-Orchesters. 2009-14 war er Generalmusikdirektor der Düsseldorfer Symphoniker. Seit 2012 ist er Chefdirigent des Orchestre national de Belgique. Debütkonzerte mit den Berliner Philharmonikern, den Münchner Philharmonikern, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Gürzenich-Orchester Köln, dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Dänischen Nationalorchester/DR, dem Sinfonieorchester des Schwedischen Rundfunks, dem Orchestra del Maggio Musicale Fiorentino, der Philharmonie Oslo, dem Sinfonieorchester von RAI Turin, dem Toronto Symphony Orchestra sowie dem Philharmonia Orchestra führten zu sofortigen Wiedereinladungen über mehrere Spielzeiten. Andrey Boreyko dirigierte außerdem u. a. das Concertgebouw-Orchester Amsterdam, das NDR Sinfonieorchester Hamburg, das Deutsche Symphonie Orchester Berlin, das Württembergische Staatsorchester Stuttgart, die Bamberger Symphoniker, das Berliner Sinfonie Orchester, das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das hr-Sinfonieorchester, das Nationaltheater Orchester Mannheim, die Dresdner Philharmonie, das MDR Sinfonieorchester, das Beethoven Orchester Bonn, das Orchestre de la Suisse Romande, das Sinfonieorchester Basel, die Stockholmer Royal Philharmonie, die Malmö Symphonie, die Bergen Philharmonie, das Trondheim Sinfonieorchester, das Royal Flanders Philharmonic Orchestra, das Belgian National Orchestra, das St. Petersburg Symphony Orchestra, die Tschechische Philharmonie auf einer USA Tournee mit Abschlusskonzert in der Carnegie Hall, das Prager Sinfonieorchester FOK, die Philharmonie Warschau, das Polish National Radio Orchestra, die Sinfonieorchester von Montreal, Toronto, Detroit, San Diego, Sydney, Melbourne, Brisbane, Adelaide und Tokio und die Kammerorchester Kremerata Baltica, und Amsterdam Sinfonietta.
Zu seinen CD-Aufnahmen zählt Lamentate von Arvo Paert und die Ersteinspielung der 6. Symphonie von Valentin Silvestrov, eingespielt mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, erschienen im Herbst 2005 und September 2007 bei ECM Records München. Im Juni 2006 gab Andrey Boreyko sein Debüt mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, das eine sofortige Wiedereinladung aussprach; im August 2006 übernahm er kurzfristig eine Europa-Tournee mit dem European Union Youth Orchestra mit Konzerten in Jurmala/ Litauen, Kopenhagen, Berlin und Amsterdam.

22.7. Vladimir KOBEKIN wird 70

Biographie des russischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Kobekin

22.7. Helen LAWRENCE wird 75

Absolventin der Royal Academy of Music London. Sie trat im Lauf ihrer Karriere an den großen englischen Operntheatern auf, vor allem an der Covent Garden Oper London, an der English National Opera London, bei der Handel Opera Society und bei der Chelsea Opera. In den USA gastierte sie bei der Phoenix Opera, in Westdeutschland bei den Festspielen von Ludwigsburg. Mit der Covent Garden Oper nahm sie 1979 an deren Fernost-Tournee teil. Dabei sang sie auf der Bühne u.a. die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Titelheldin in Cherubinis »Medea«, die Lady Macbeth in »Macbeth« von Verdi, die Amelia in »Un Ballo in maschera«, die Abigaille in »Nabucco«, die Leonore im »Troubadour«, die Traviata, die Tosca, die Santuzza in »Cavalleria rusticana« und die Lucrezia Borgia in der Donizetti-Oper gleichen Namens. Sie kam auch zu einer Konzertkarriere auf internationalem Niveau; sie sang in der Londoner Wigmore Hall, in Italien, Holland und 1984 mit dem Vokalensemble »Songmakers Almanac« beim Jerusalem Festival. Sehr oft wirkte sie in Radiosendungen mit; so sang sie im englischen Rundfunk BBC die Titelrolle in »Fedora« von Giordano und in der Rundfunk-Premiere der Oper »Beatrice Cenci« von Berthold Goldschmidt. 1983 stellte sie eine eigene Operntruppe (New Shakespeare’s Company) zusammen, mit der sie Freiluft-Aufführungen im Regent’s Park in London veranstaltete. 1988 sang sie in der Londoner Queen Elizabeth Hall die Giulia in »La Vestale« von Spontini und die Titelrolle in der (konzertanten) Uraufführung der Oper »Beatrice Cenci« von Berthold Goldschmidt. Seit 1991 nahm sie Mezzosopran-Partien in ihr Bühnenrepertoire auf und sang jetzt u.a. die Carmen und die Kundry im »Parsifal«.
Schallplatten: Decca (Gesamtaufnahme »Macbeth«, 1970; »Der gewaltige Hahnrei« von Berthold Goldschmidt).
Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.helenlawrence.co.uk/

23.7. David KUEBLER wird 70

Davdi KUEBLER

Während seines Universitätsstudiums nahm er an einem Schnellkurs für Operngesang teil und wirkte bei einer Schüleraufführung als Figaro in »Figaros Hochzeit« von Mozart mit. Dann erfolgte eine systematische Stimmausbildung durch Thomas Peck in Chicago und durch Audrey Field in London. Er wurde Chorist an der Chicago Opera und begann seine Solistenkarriere mit einer Anfängerverpflichtung 1972-73 an der Oper von Santa Fé. 1974 kam er nach Europa und hatte dort sein eigentliches Debüt am Stadttheater von Bern (Schweiz) als Tamino in der »Zauberflöte«. Seine Karriere nahm eine schnelle Entwicklung. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang er 1976 den Ferrando in »Così fan tutte«, 1987 und 1990 den Flamand im »Capriccio« von Richard Strauss, 1989 den  Matteo in »Arabella« von R. Strauss, 1996 den Alwa in »Lulu« von A. Berg. Bereits 1977 debütierte er als Tamino an der Wiener Staatsoper, an der er dann 1991-2002 regelmäßig auftrat (als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, als Matteo, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Arbace in Mozarts »Idomeneo«, als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Jaquino im »Fidelio«, als Johannes im »Baal« von F. Cerha, als Leicester in Donizettis »Maria Stuarda«, als Flamand und als Alwa  in insgesamt 79 Vorstellungen). 1977 wurde er Mitglied des Opernhauses von Köln und hatte große Erfolge im lyrischen Stimmfach, namentlich in Mozart- und in italienischen Belcanto-Partien. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 1980-82 den Steuermann in »Der fliegende Holländer« und 1981-82 den Kunz Vogelgesang in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1981 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo er bei seinem Debüt einen besonderen Erfolg als Tamino hatte; bis 2004 sang er hier außerdem in 78 Vorstellungen den Chevalier de la Force in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc, den Matteo, den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Flamand, den Andres in Alban Bergs »Wozzeck«, den Herzog von Parma in »Doktor Faust« von Busoni, den Alwa, den Eisenstein in der »Fledermaus« und den Schujskij im »Boris Godunow«. Seit 1981 trat er mehrfach bei den Rossini-Festspielen in Pesaro, dem Geburtsort des Komponisten, in Erscheinung. 1984 sang er den Tamino auch bei einem Gastspiel der Kölner Oper in Tel Aviv, an der Oper von Santa Fé hörte man ihn 1984 in »We come to the River« von H.W. Henze. Bei den Bregenzer Festspielen gastierte er 1985-86 als Tamino und 1992 als Faust in »La Damnation de Faust« von Berlioz. 1988 war er bei den Festspielen von Schwetzingen als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und in Köln als Lindoro in Rossinis »L‘Italiana in Algeri« zu hören. 1990 sang er bei den Festspielen von Schwetzingen in Rossinis »La scala di seta«, 1991 in Amsterdam (auch in Köln und 1995 an der Oper von Rom) die Titelrolle in der Oper »Benvenuto Cellini« von Berlioz und den Alfred in der »Fledermaus« (den er auch 1996 an der Staatsoper Hamburg sang), im gleichen Jahr in Straßburg den Faust in »La Damnation de Faust« von Berlioz, 1993 den Alfredo in »La Traviata«. An der Mailänder Scala gastierte er 1992 als Matteo, 2000 als Andres in Alban Bergs »Wozzeck« und 2009 als Vítek in Janáceks »Die Sache Makropoulos«. An der Oper von San Francisco sang er 1993 den Flamand, 1998 den Matteo und 2003 den Faust in »La Damnation de Faust«. 1994 übernahm er an der Wiener Volksoper den Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, 1995 am Opernhaus von Köln den Faust in »La Damnation de Faust«. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1995 und 1999 den Alwa, 1997 die Titelrolle in Mozarts »Lucio Silla«, 1998 den Boris in »Katja Kabanowa« von Janácek und 2001 den Stewa in »Jenufa« vom gleichen Komponisten. 1997 gastierte er an der Oper von Rom als Henri in Verdis »Les Vêpres Siciliennes« und in Amsterdam als Stewa. An der Opéra Bastille bzw. im Palais Garnier (Grand Opéra) Paris gastierte er 1998-99 und 2003 als Alwa, 1998 in der Titelrolle von A. Zemlinskys »Der Zwerg«, 2004 als Boris in »Katja Kabanowa«, 2007 und 2009 als Vítek, 2008 als Andres in Alban Bergs »Wozzeck« und in Janáceks »Das schlaue Füchslein«. Am Teatro Comunale Florenz gastierte er in der Titelrolle von A. Zemlinskys »Der Zwerg«. 2000 gastierte er an der Niederländischen Oper Amsterdam als Boris in »Katja Kabanowa« und als Flamand. Von seinen Bühnenpartien sind noch zu nennen: der Rodolfo in »La Bohème«, der Pinkerton in »Madame Butterfly«, der Lyonel in Flotows »Martha«, der Paolino in Cimarosas »Il matrimonio segreto« und der Giannetto in »La gazza ladra« von Rossini.
Schallplatten: DGG (»Mitridate Re di Ponto« von Mozart, »Carmina Burana« von C. Orff), Decca (Jaquino im »Fidelio«, »Regina« von Blitzstein), Orfeo (Boris in »Katja Kabanowa« von Janácek), Philips (»Mitridate Re di Ponto« von Mozart), EMI (Titelrolle in »Der Traumgörge«, »Eine Florentinische Tragödie«, »Der Zwerg« und Cymbeline-Suite von A. Zemlinsky); Warner-Video (»La cambiale di matrimonio« und »La scala di seta« von Rossini); Virgin-Video (»Idomeneo« von Mozart), Castle-Video (»La gazza ladra« von Rossini), NVC-Arts-Video (»Lulu« aus Glyndebourne, 1996), Arthaus-Video (»Der Barbier von Sevilla« mit Cecilia Bartoli).

23.7. Günter DRESSLER wird 90

Ausgebildet an der Musikhochschule Berlin durch Adelheid Müller-Hess. Bühnendebüt 1956 am Gerhart Hauptmann-Theater Görlitz als König in »Aida«. Nachdem er bis 1959 dort gesungen hatte, kam er 1959 zu den Sächsischen Landesbühnen Radebeul und von dort 1964 als erster Bass-Buffo an die Staatsoper von Dresden. Hier sang er eine bunte Vielfalt von Partien aus dem Buffo- und Charakterfach: den Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Leporello im »Don Giovanni«, den Warlaam im »Boris Godunow«, den Fra Melitone in Verdis »La forza del destino«, den Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von Cornelius, den Don Basilio im »Barbier von Sevilla«, den Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, aber auch den Kaspar im »Freischütz«, den Hunding in der »Walküre« und den Rocco im »Fidelio«. Am 27.3.1973 wirkte er an der Dresdner Oper in der Uraufführung von Udo Zimmermanns Oper »Levins Mühle« mit, 1979 in der der Oper »Vincent« von Rainer Kunad. Gastspiele, zum Teil mit dem Dresdner Ensemble, bei den Festspielen von Wiesbaden, an der Komischen Oper Berlin, am Opernhaus von Leningrad und an der Nationaloper Sofia. 1985 war er an den Aufführungen zur Einweihung der wieder aufgebauten Dresdner Semper-Oper beteiligt, an der er noch 1990 in Prokofieffs »Liebe zu den drei Orangen« auftrat.
Schallplatten: Eterna, Denon (Mitschnitt der »Rosenkavalier«-Aufführung zur Einweihung der neu erbauten Semper-Oper, Dresden 1985).

24.7. Loa FALKMAN wird 70

Eigentlicher Name Carl Johan Falkman; Studium an der Musikakademie Stockholm, bei Ingrid Eksell-Elders, schließlich bei Gino Bechi in Florenz. Bühnendebüt 1973 an der Königlichen Oper Stockholm in der Uraufführung der Oper »Tintomara« von Lars Johan Werle als Ferdinand. Seither bis 1990 Mitglied dieses Opernhauses, später dort gastweise tätig. 1973 großer Erfolg bei den Festspielen im Barocktheater von Drottningholm als Guglielmo in »Così fan tutte« und als Pacuvio in »La pietra del paragone« von Rossini; später sang er dort den Dandini in Rossinis »La Cenerentola«. Neben dieser Partie gehörten der Masetto im »Don Giovanni«, der Titelheld in »Figaros Hochzeit« von Mozart, der Eugen Onegin, der Germont-père in »La Traviata« und der Marcello in Puccinis »La Bohème« zu den Höhepunkten in seinem Bühnenrepertoire. Als brillanter Darsteller beeindruckte er immer wieder in kleineren komischen Partien. Bekannt wurde er auch durch seine Teilnahme an der Tournee mit »La Tragédie de Carmen« unter Peter Brook, die drei Jahre lang 1981-83 in Europa wie in den USA große Erfolge brachte. Er sang 1981 bei den Festspielen von Wiesbaden zusammen mit dem Stockholmer Ensemble den Figaro im »Barbier von Sevilla« und den Pluto in »Proserpina« von Joseph Martin Kraus. 1988 erregte er als Don Giovanni an der Oper von Stockholm großes Aufsehen; er sang diese Partie dann auch 1991 in der Eröffnungsvorstellung des renovierten Ständetheaters in Prag (wo die Oper 1787 uraufgeführt worden war). Bei den Festspielen von Drottningholm trat er 1993 in »Azor et Zémire« von Grétry auf. 1998 nahm er an der Königlichen Oper Stockholm an der Uraufführung der Oper »Staden« von Sven-David Sandström teil. 1999 wirkte er am Schlosstheater Drottningholm in der Uraufführung der Oper »Trädgarden« von Jonas Forssell in der Rolle des Linnaeus mit. 2000 trat er an der Königlichen Oper Stockholm als Wozzeck von A. Berg und mit besonderem Erfolg als Papageno in der »Zauberflöte« auf.
Schallplatten: Schwedische HMV-Aufnahmen, Conifer (»Barfußlieder« von Petterson).

24.7. Bernard ŁADYSZ wird 95

Bernard_Ładysz

Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Warschau. Er debütierte 1950 an der Nationaloper Warschau als Gremin im »Eugen Onegin« und blieb für mehr als zwanzig Jahre Mitglied dieses Hauses. Er gastierte an weiteren polnischen Opernhäusern. Internationales Ansehen trugen ihm Gastspiele an den großen Operntheatern in Europa wie in Nordamerika ein. 1965 Gastspiel an der Staatsoper Wien als Pater Guardian in »La forza del destino«; auch zu Gast am Teatro Massimo Palermo, am Teatro San Carlo Neapel und am Teatro Regio Parma. Als Konzertsänger gastierte er 1970 in Budapest und in Los Angeles, 1972 beim Edinburgh Festival, 1973 beim Maggio Musicale Fiorentino. Er gastierte an der Oper von Chicago, an Bühnen in Westdeutschland, Frankreich und Italien. In Russland trat er als Gast u.a. am Bolschoi Theater Moskau auf. An der Staatsoper von Hamburg wirkte er am 20.6.1969 in der Uraufführung der Oper »Die Teufel von Loudun« in der Partie des Pater Barré mit. Seine mächtige, voluminöse Bass-Baritonstimme beherrschte das klassische italienische wie das slawische Opernrepertoire; er wurde besonders als Don Giovanni, als Boris Godunow und als Amonasro in »Aida« geschätzt. Weitere Höhepunkte in seinem Bühnenrepertoire waren der König Philipp wie der Großinquisitor im »Don Carlos« von Verdi, der Mephisto im »Faust« von Gounod und die Titelrolle in »König Roger« von Szymanowski. Dazu galt er als hervorragender Interpret moderner Bühnen- und Konzertwerke, namentlich von Werken des zeitgenössischen polnischen Komponisten Krzystof Penderecki; so sang er 1970 bei den Salzburger Festspielen das Bass-Solo in der Lukas-Passion dieses Komponisten.
Schallplatten: Muza (Recital und mehrere Opern-Querschnitte), Columbia (Raimondo in »Lucia di Lammermoor« als Partner von Maria Callas, 1955), Philips (»Die Teufel von Loudun« und Lukas-Passion von K. Penderecki), RCA (»Utrenja« von Penderecki).

25.7. Natale DE CAROLIS wird 60

Natale de Carolis als Guglielmo in Salzburg
Als Guglielmo in Salzburg

Er absolvierte seine Studien im Instituto Pontificale des Vatikanstaates und war Schüler der Gesangpädogogen Renato Guelfi und Vittoria Romano in Rom. 1983 gewann er den Gesangwettbewerb von Spoleto. Er begann seine Bühnenkarriere 1983 und hatte bald in Italien erste Erfolge. 1986 sang er am Teatro Comunale Bologna den Gastone in »La Traviata«, 1987 den Publio in »La clemenza di Tito«, eine Partie, die er im gleichen Jahr auch am Theater von Reggio Emilia vortrug. 1987 debütierte er als Masetto im »Don Giovanni« an der Mailänder Scala, an der er dann 1989 nochmals den Masetto, 1997 den Figaro in »Le nozze di Figaro«, 2003 und 2008 den Schaunard in »La Bohème«, 2004 den Ford in Verdis »Falstaff« und den De Siriex in »Fedora« von Giordano und 2010 den Don Parmenione in Rossinis »L’Occasione fa il ladro« gesungen hat. Große Erfolge hatte er dann beim Maggio Musicale Fiorentino; hier gastierte er 1987 in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria«, 1990 als Masetto und 1991 als Guglielmo in »Così fan tutte«. 1987 hörte man ihn am Opernhaus von Frankfurt a.M. als Basilio im »Barbier von Sevilla« von Rossini. In dieser Rolle trat er auch 1989 in Genua und in Rio de Janeiro auf; am Teatro Rossini Pesaro erschien er 1989 in Rossinis »La gazza ladra«. Weitere Gastspiele am Teatro La Zarzuela Madrid, am Australian Opera House Sydney, am Teatro Massimo Palermo und am Teatro Bellini Catania, am Teatro San Carlo Neapel, bei den Festspielen von Macerata, am Opernhaus von Zürich, in Paris und Bonn. 1990 war er am Teatro Fenice Venedig als Guglielmo zu Gast, 1990 am Teatro Mercadante Neapel als Collatinus in Benjamin Brittens »The Rape of Lucretia«. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1990-91 den Masetto und 2001 den Guglielmo. 1989 debütierte er als Figaro in »Le nozze di Figaro« an der Metropolitan Oper New York, an der er 1990 auch den Masetto vortrug. In der Spielzeit 1991-92 gastierte er am Opernhaus von Köln, 1992 auch bei den Festspielen von Schwetzingen und am Théâtre Châtelet Paris als Don Parmenione, 1993 am Theater an der Wien und an der Staatsoper Berlin als Hercule in »Alceste« von Gluck, 1993 debütierte er als Figaro in »Le nozze di Figaro« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 2012 in insgesamt 11 Vorstellungen auch den Don Alfonso in »Così fan tutte« sang. 1993 hörte man ihn in Montpellier als Figaro im »Barbier von Sevilla« von Morlacchi, 1994 am Opernhaus von Frankfurt a.M. und 1996 an der Deutschen Oper Berlin als Don Giovanni, 1995 in der Grange sublime de Mézières als Grafen in »Le nozze di Figaro«, in Wien 1995 in einer konzertanten Aufführung von Rossinis »Torvaldo e Dorliska« (als Giorgio), 1996 an der Oper von Frankfurt a.M. als Figaro in »Le nozze di Figaro«. 1997 sang er am Opernhaus von Frankfurt a.M. den Belcore in »L‘Elisir d‘ amore«, am Teatro Colón Buenos Aires den Basilio im »Barbier von Sevilla«, 1998 an der Covent Garden Oper London und bei den Festspielen von Glyndebourne den Guglielmo in »Così fan tutte«, am Teatro Cajo Melisso Spoleto den Don Giovanni, am Teatro San Carlo Neapel die Titelrolle in Rossinis »Il Turco in Italia«. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang er 1998 den Guglielmo und 2000 den Don Giovanni. 1999 sang er am Teatro San Carlo Neapel den Guglielmo, am Opernhaus von Detroit in der Spielzeit 2000-01 den Don Alfonso. An der Bayerischen Staatsoper München gastierte er 2008-09 als Albert im »Werther« von Massenet. Verheiratet mit der Sopranistin Barbara Frittoli (* 1967).
Schallplatten: Philips (Schaunard in »La Bohème«), Decca (Monterone in »Rigoletto«), EMI (Masetto im »Don Giovanni«), Nuova Era (Argante in »Rinaldo« von Händel), Arts (»Nina« von Paisiello), Claves (Mozart-Arien, »II Signor Bruschino«, »La scala di seta«, »L’Inganno felice« und »L’Occasione fa il ladro« von Rossini, letztere Oper auch auf Teldec-Video).
Weitere Informationen auf seiner Homepage:
http://www.nataledecarolis.com/index.aspx?AspxAutoDetectCookieSupport=1

25.7. Irma MELLERGAARD wird 65

Sie absolvierte ihr Gesangstudium am Konservatorium von Aarhus und in der Theaterschule von Göteborg. 1979 wurde sie an das Stora Theater in Göteborg verpflichtet, an der sie in einer Anzahl von Bühnenpartien eine langjährige Karriere hatte. Sie sang dort u.a. die Maddalena im »Rigoletto«, die Charlotte im »Werther« von Massenet, die Ottavia in »L’Incoronazione di Poppea« von Monteverdi, die Türkenbaba in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, die Clemm in »The Voyage of Edgar Allan Poe« von D. Argento und die Eboli in Verdis »Don Carlos«. In der letztgenannten Partie gastierte sie auch an der Oper von Oslo; im Scandinavium in Göteborg hörte man sie in einer weiteren Glanzrolle aus ihrem Repertoire, der Carmen. 1997 sang sie an der Oper von Kopenhagen die Adelaide in »Arabella« von Richard Strauss. 2001 gastierte sie am Prager Nationaltheater als Marie im »Wozzeck« von A. Berg, 2004 an der Oper von Göteborg als Brünnhilde in der »Walküre«.  

25.7. Ruža BALDANI wird 75

Ruza BALDANI

Sie sang zuerst unter ihrem Mädchennamen Ruža Pospiš. Ausbildung durch die Pädagoginnen Ankica Opolski in Varazdin, Marija Brocic in Zagreb und Georgine von Milinkovic in München. Sie debütierte 1961 an der Kroatischen Nationaloper Zagreb als Kontschakowna in »Fürst Igor« von Borodin. Seitdem Mitglied dieses Opernhauses wie später auch der Nationaloper Belgrad. Internationale Karriere mit Gastspielauftritten an der Oper von Köln und an den Nationalopern von Sofia, Budapest und Athen, in Rom, Neapel und am Opernhaus von Leningrad. Beim Edinburgh Festival hörte man sie 1965 als Eurilda in J. Haydns »Le pescatrici«. In Nordamerika gastierte sie an den Opern von Chicago, Houston und New Orleans. Bereits 1966 debütierte sie an der Metropolitan Oper New York als Maddalena im »Rigoletto« sehr erfolgreich; sie sang dann an diesem Haus bis 1972 in insgesamt 58 Vorstellungen auch das Alt-Solo im »Parsifal«, die Madelon in »Andrea Chénier« von Giordano, die Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, die 3. Dame in der »Zauberflöte«, die Cieca in »La Gioconda« von Ponchielli, die Carmen, die Amneris in »Aida«, den Orpheus von Gluck, die Fricka in der »Walküre« und die Erda im »Siegfried«. Sie wirkte bei den Festspielen von Salzburg (1968 in einem Konzert mit den Zagreber Solisten und 1980 als Amneris), den Osterfestspielen von Salzburg (1972-73 als Brangäne in »Tristan und Isolde«, 1977 in Bachs Matthäus-Passion, 1979 in Beethovens Missa solemnis), Athen und Wiesbaden mit. 1970-78 war sie an der Staatsoper von München im Engagement. An der Oper von San Francisco hörte man sie 1972 und 1984 als Amneris, 1980 als Brangäne und 1982 als Ulrica. 1973-87 trat sie an der Wiener Staatsoper in insgesamt 18 Vorstellungen als Brangäne, als Azucena im »Troubadour« und als Carmen auf. 1974 debütierte sie als Fricka in der »Walküre« an der Mailänder Scala, an der man sie dann auch 1974 im Verdi-Requiem, 1975 als Ulrica, 1978 als Brangäne und 1979 als Marina im »Boris Godunow« hörte. 1976 gastierte sie an der Oper von Monte Carlo als Carmen. Sie gastierte am Teatro Liceu in Barcelona 1985 als Marina und 1989 als Marfa in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. 1988 gastierte sie an der Oper von Hamburg als Azucena. 1988 gastierte sie am Teatro Municipal Rio de Janeiro, 1991 bei den Festspielen von Savonlinna als Amneris. 1995 sang sie an der Oper von Zagreb die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, 1996 die Titelrolle in der Oper »Mila Gojsalica« des kroatischen Komponisten J. Gotovac, im gleichen Jahr die Carmen. 1999 trat sie sehr erfolgreich am Opernhaus von Zagreb als Marfa auf. Sie nahm eine Fülle von Partien sowohl des lyrischen wie des dramatischen Fachs in ihr Repertoire auf und wurde ebenso als Konzertsängerin geschätzt.
Schallplattenaufnahmen: Jugoton (Arien), Orfeo (vollständige Oper »Oberto« von Verdi), MRF (»Nerone« von Boito, Mitschnitt einer Rundfunksendung der RAI von 1975).

25.7. Magdalena CONONOVICI wird 80

Magdalena CONONOVICI als Senta mit Thomas Stewart
Als Senta mit Thomas Stewart (Holländer)

Gesangstudium am Konservatorium von Bukarest bei Mihail Vasilopol. Debüt 1969 an der Oper von Cluj (Klausenburg) als Tosca. Sie war Preisträgerin bei internationalen Gesangwettbewerben 1969 in Toulouse, 1970 und 1971 in Barcelona und 1970 in Verviers. Bald wurde sie eine der prominenten Künstlerinnen der Bukarester Nationaloper, wo sie in Opern von Verdi, Mozart, Richard Wagner, Mascagni, Giordano und Puccini auftrat. Mehrfach wirkte sie bei Opernaufführungen des rumänischen Fernsehens mit; bedeutende Karriere auch im Konzertsaal. Sie absolvierte erfolgreiche Gastspiele an den Staatsopern von Sofia, Berlin und Prag sowie am Opernhaus von Toulouse (1980). 1978 gastierte sie an der Covent Garden Oper London als Elettra in »Idomeneo« von Mozart, beim Wexford Festival 1979 als Fiora in »L’Amore dei tre Re« von Montemezzi, 1980 als Tigrana in »Edgar« von Puccini, 1981 an der Staatsoper Hamburg als Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, 1982 beim Spoleto Festival als Senta in »Der fliegende Holländer«, in Johannesburg 1982 als Turandot von Puccini, an der Opéra du Rhin Straßburg als Elena in »Mefistofele« von Boito. 1983 sang sie in Amsterdam die Senta, in München die Donna Anna im »Don Giovanni«, in Antwerpen die Aida und am Opernhaus von Köln die Titelfigur in Puccinis »Turandot« sie gastierte auch an der Oper von St. Louis und beim Tanglewood Festival. 1986 wirkte sie bei den Festspielen von Wiesbaden in den Aufführungen des Nibelungenrings als Brünnhilde mit und sang im gleichen Jahr an der Oper von Monte Carlo die Titelrolle in Rimsky-Korssakows »Zarenbraut«.
Schallplattenaufnahmen der rumänischen Marke Electrecord; auf Erato in »Krieg und Frieden« von Prokofjew.

26.7. Cal Stewart KELLOGG wird 70

Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://www.pinnaclearts.com/artist.php?id=108

26.7. Hanspeter BRAND wird 75

Hanspeter Brand

Er war am Konservatorium von Bern Schüler von Willy Frey und setzte seine Ausbildung bis 1971 bei Jakob Stämpfli und bei Jakob Keller fort; ergänzende Meisterkurse bei Paul Lohmann in Luzern und bei Gérard Souzay in Genf. Seit 1970 kam er in einer Konzertkarriere in der Schweiz wie im Ausland, u.a. in Darmstadt, Freiburg i. Br., Karlsruhe, Nürnberg, Stuttgart, Rotterdam und Mailand, zu bedeutenden Erfolgen. In seinem Konzertrepertoire fanden sich Solopartien in Werken von J, S, Bach (Johannes- und Matthäuspassion, Hohe Messe, Weihnachtsoratorium, Kantaten), Händel (»Der Messias«, »Judas Makkabäus«, »Samson«, »Saul«), J. Haydn (»Die Schöpfung«, »Die Jahreszeiten«), Mozart (Requiem), Beethoven (Messe C-Dur), Rossini (Stabat mater, Petite Messe solennelle), J. Brahms (Ein deutsches Requiem), Saint-Saëns (Oratorio du Noël), Szymanowski (Stabat mater), W. Burkhard (»Das Jahr«) und Frank Martin (»Golgotha«). Im Bereich des Liedgesangs widmete er sich der Interpretation des deutschen wie des französischen Kunstliedes.
Schallplatten: Bartók Records (Weihnachtsoratorium von J.S. Bach), Duraphon (Messe C-Dur von Beethoven, Te Deum von M.A. Charpentier), Sonographic (Messe Es-Dur von J.N. Hummel), Jecklin (»Spanien im Lied«).

26.7. Robert BICKERSTAFF wird 85

 Nachdem er zuerst in kaufmännischen Berufen gearbeitet hatte, kam er zum Gesangstudium am Conservatory of New South Wales bei Lyndon Jones. Am Melbourne University Conservatory war er Schüler von Henry Portnoj, zuletzt in Paris von Dominique Modesti. Bühnendebüt 1962 an der Oper von Marseille als Thoas in »Iphigénie en Tauride« von Gluck. Er sang dann an den Opern von Nizza, Bordeaux, Marseille und Lüttich, hatte aber seine wichtigsten Erfolge an englischen Theatern. 1964-70 trat er an der Sadler’s Wells (später English National) Opera London auf, u.a. als Amonasro in »Aida«, als Escamillo in »Carmen«, als Macbeth wie als Simon Boccanegra in den gleichnamigen Verdi-Opern, als Scarpia in »Tosca«, als Eugen Onegin, als Wotan im Nibelungenring und als Graf in »Le nozze di Figaro«. Er gab Gastspiele an der Covent Garden Oper London und bei der Welsh Opera Cardiff, in Nordamerika an der Oper von Pittsburgh, in seiner australischen Heimat beim Festival von Adelaide. Aus seinem Repertoire sind noch zu nennen: der Titelheld in »Der fliegende Holländer«, der Ezio in Verdis »Attila«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Renato in »Un ballo in maschera«, der Enrico in »Lucia di Lammermoor«, der Tonio im »Bajazzo«, der Hérode in »Hériodiade« von Massenet und der Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Nicht weniger bedeutend auf dem Konzertsektor. Er wirkte als Pädagoge am King’s College in Cambridge und an der Royal Academy of Music in London.
Schallplatten: Raritas (Ruggiero in vollständiger Aufnahme von Halévys »La Juive«).
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://robertbickerstaff.com/Welcome.html

27.7. Carol VANESS wird 65

Carol VANESS

Sie studierte in ihrer Heimat Kalifornien bei David Scott und gewann 1976 den Gesangwettbewerb der San Francisco Opera, der mit einem zweijährigen Anfänger-Engagement an diesem Opernhaus verbunden war. Dort debütierte sie 1977 als Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart. Nachdem sie 1977 an der Oper von San Francisco zunächst in kleineren Partien (u.a. Priesterin in »Aida« und Enrichetta in Bellinis »I Puritani«) aufgetreten war, sang sie bereits 1978 die Cleopatra in Händels »Giulio Cesare« und die Mimì in »La Bohème«. Sie kehrte auch danach noch oft an diese Haus zurück und sang dort 1981 die Donna Anna im »Don Giovanni« mit Cesare Siepi als Partner, 1982 die Blanche in »Dialogues de Carmélites« von Poulenc, 1991 die Violetta in »La Traviata«, 1992 die Mathilde in Rossinis »Guillaume Tell« und die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, 1993 die Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, 1995 die Titelrolle in Donizettis »Anna Bolena«, 1997 und 2004 die Tosca, 1998 die Norma von Bellini, 1999 die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera« und die Elettra in Mozarts »Idomeneo«, 2000 die Donna Elvira im »Don Giovanni«, 2001 die Amelia in Verdis »Simon Boccanegra«. An der New York City Opera debütierte sie 1979 wieder als Vitellia. Sie sang an der City Opera auch die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet und die Mimi. An der Covent Garden Oper London trug sie als erste Partie 1982 die Mimi vor. Bei den Festspielen von Glyndebourne hörte man sie 1982 und 1986 als Donna Anna, 1983 und 1991 als Elettra in »Idomeneo«, 1984 als Fiordiligi in »Così fan tutte«, 1986 als Amelia in »Simon Boccanegra«. An der Grand Opéra Paris gastierte sie 1983 als Nedda im »Bajazzo« mit Jon Vickers als Partner. Sie erreichte dann die New Yorker Metropolitan Oper, an der sie im Februar 1984 als Armida in Händels »Rinaldo« debütierte und dann bis 2004 in insgesamt 194 Vorstellungen auch als Vitellia, als Fiordiligi, als Tatjana in »Eugen Onegin«, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Elettra in »Idomeneo« als Philisterin und als Israelitin in »Samson« von Händel, als Manon von Massenet, als Rosalinde in der »Fledermaus«, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Donna Anna wie als Donna Elvira im »Don Giovanni«, in den vier Frauenrollen in »Hoffmanns Erzählungen«, als Desdemona in Verdis »Otello« und als Tosca große Erfolge erzielte. Ständige Gastspiele an den Staatsopern von Wien (1984-2004 als Donna Anna, als Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, als Mathilde, als Elisabetta in »Don Carlos« und als Tosca in insgesamt 20 Vorstellungen) und München, an der Deutschen Oper Berlin und an anderen großen europäischen Bühnen. 1985 sang sie an der Oper von Chicago und an der Covent Garden Oper London die Dalila in szenischen Aufführungen des Oratoriums »Samson« von Händel; 1985 an der Oper von Seattle als Manon in der Oper gleichen Namens von Massenet, an der Australian Opera Sydney als Amelia in »Un Ballo in maschera« aufgetreten. 1987 gastierte sie an der Opéra-Comique Paris als Elettra in »Idomeneo« und als Vitellia.  1987 in München als Marguerite im »Faust«, 1988 in Los Angeles als Fiordiligi zu Gast. An der Oper von Seattle sang sie 1986 die Desdemona, 1987 die Leonore im »Troubadour«, 1989 die Traviata. 1988 sang sie an der Covent Garden Oper London die Rosalinde. Bei den Salzburger Festspielen sang sie 1988-89 die Vitellia und 1990-91 die Donna Elvira. An der Mailänder Scala debütierte sie 1990 als Elettra in »Idomeneo« und sang hier 1992 das Sopran-Solo in Rossinis Stabat mater und die Titelrolle in Glucks »Iphigénie en Tauride« sowie 1993 die Donna Anna. 1990 sang sie an der Oper von Toronto die Tatjana und beim Maggio Musicale Fiorentino die Donna Anna (wohl ihre größte Kreation), 1991 am Opernhaus von Köln die Donna Elvira. An der Pariser Opéra Bastille gastierte sie 1991 als Elettra in »Idomeneo«, 1994 als Tosca, 1996 als Norma von Bellini, 1998 als Elisabetta in »Don Carlos«, 1999 als Donna Anna und 2001 als Donna Elvira. Am Opernhaus von Houston sang sie 1996 die Norma, in Los Angeles 1996 die Tosca, 1999 die Traviata und 2000 die Magda in Puccinis »La Rondine. 2000 hörte man sie an der Deutschen Oper Berlin als Tosca und an der Oper von Washington als Leonore im »Troubadour«. 1992 nahm sie an der Japan-Tournee der Covent Garden Oper London teil. Von New York aus, wo die Sängerin ihren Wohnsitz hatte, ging sie einer weltweiten Gastspiel- und Konzerttätigkeit nach. Als Konzertsopranistin hatte sie nicht weniger große Erfolge als auf der Bühne. So trat sie als Solistin in Beethovens 9. Sinfonie in Paris, in Cleveland und im antiken Theater von Epidauros auf und sang das Sopransolo im Verdi-Requiem unter Riccardo Muti bei einer Gedächtnisaufführung für Eugene Ormandy in Philadelphia. Im New Yorker Lincoln Centre erschien sie in einem glanzvollen Konzert zusammen mit Luciano Pavarotti (1986).
Lit: E. Forbes: Carol Vaness (in »Opera«, 1989).
Schallplatten: HMV (Donna Anna im »Don Giovanni«, Fiordiligi in »Così fan tutte«, Missa solemnis von Beethoven, Solopartien in Messen von Haydn), Nixa Classics, Philips (Stabat mater von Rossini, »Tosca«, Mina in »Aroldo« von Verdi), RCA (Mozart-Arien, Verdi-Requiem, Arien aus Opern von Verdi und Donizetti), CBS (»Iphigénie en Tauride« von Gluck), Telarc (Gräfin in »Le nozze di Figaro«), EMI (Vitellia in »La clemenza di Tito«), DGG (Elettra in »Idomeneo«), Teldec/East West Records (War Requiem von B. Britten), Orfeo (Anaide in »Mosè in Egitto« von Rossini); Arthaus-Video (»Don Giovanni«, Köln 1991).

27.7. Sandra BROWNE wird 70

Sandra BROWNE als Octavian und Valeria Masterson als Sophie im Rosenkavalier
Als Octavian-. Links Valeria Masterson als Sophie

Sie studierte in New York Romanistik und legte ihr Examen auf diesem Gebiet ab. 1968 begann sie das Gesangstudium am Konservatorium von Brüssel und schloss es am Royal College of Music in Manchester ab. 1971 wurde sie Preisträgerin beim Kathleen Ferrier-Concours. Ihr Bühnendebüt kam 1972 bei der Welsh Opera Cardiff in Verdis »Nabucco« zustande. Hier sang sie auch in der Uraufführung der Oper »The Beach at Falesá« von Hoddinnott. An der Kent Opera hatte sie großen Erfolg als Titelheld in Glucks »Orpheus und Euyrdike«. Seit 1974 trat sie bei der English National Opera London in Partien wie dem Octavian im »Rosenkavalier«, der Rosina im »Barbier von Sevilla«, der Poppea in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«, in Offenbachs »La belle Hélène« und als Carmen hervor. Letztere Rolle sang sie dann sehr erfolgreich an den Opern von Toulouse, Marseille, Nancy und in Florenz. 1978 wirkte sie in Verona in einer wichtigen Aufführung von Vivaldis »Orlando furioso« mit, die 1981 beim Festival de France in Paris wiederholt wurde; sie sang 1981-82 an der Mailänder Scala die Titelpartie in »Ariodante« von Händel. 1983 erschien sie bei den Festspielen von Aix-en-Provence in Mozarts Jugendoper »Mitridate, Re di Ponto«, 1985 an der Opéra-Comique Paris in der Titelrolle der Offenbach-Operette »La belle Hélène«. Sie beherrschte die schwierigen Partien für Koloraturalt des italienischen Belcanto mit Meisterschaft. Zu ihren Bühnenrollen gehörten auch die Dido in »Dido and Aeneas« von Purcell, der Idamante in Mozarts »Idomeneo«, die Andromache in »Ermione« von Rossini, die Clarice in »La Pietra del paragone« und die Neocle in »L’Assedio di Corinto« vom gleichen Meister sowie die Titelrolle in »Radamisto« von Händel. Auch als Konzertsängerin erfolgreich aufgetreten.
Schallplatten: Philips (»Mosè in Egitto« von Rossini), RCA-Erato (»Il nascimento dell‘ Aurora« von Tomaso Albinoni, »Serenata a Tre« von Vivaldi), Bongiovanni (»Alcie al Bivio« von V. Righini).

27.7. Joan CARROLL wird 85

Joan CARROLL

Sie studierte zuerst in Amerika, dann bei Margarethe von Winterfeldt in Berlin. 1957 begann sie ihre Karriere bei der New York Opera Company als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss; weitere Gastspiele in Nordamerika folgten. 1959 gastierte sie an der Oper von Havanna. Dann Gastspielverpflichtungen in Belgien, Frankreich, Dänemark, in der Schweiz und in Deutschland. 1962 sang sie an der Staatsoper von Hamburg, deren Mitglied sie 1959-61 war, und wo sie bis 1967 gastierte, die Lulu in der gleichnamigen Oper von A. Berg, ihre eigentliche Glanzrolle, die sie auch 1963 am Opernhaus von Marseille, 1966 in München und Zürich und 1969 am Stadttheater von Aachen gestaltete (und insgesamt mehr als hundertmal vortrug). 1963 brillierte sie in dieser Partie in der amerikanischen Erstaufführung des Werks an der Oper von Santa Fé. Erfolgreiche Gastspiele an den Opernhäusern von Hannover, Berlin, Köln, Stuttgart und Nürnberg, am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1960), an den Theatern von Graz und Basel. 1967 wurde sie Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Ihr technisch vortrefflich durchgebildeter Koloratursopran bewährte sich vor allem im Mozartgesang, doch war sie auf der Bühne wie im Konzertsaal auch als bedeutende Interpretin moderner Musik bekannt. Verheiratet mit dem bekannten deutschen Bühnenbildner Rudolf Heinrich (1926-75), der Entwürfe für Opern-Inszenierungen an der Komischen Oper Berlin, an der Metropolitan Oper New York, für Mailand, München, Boston und Santa Fé lieferte.
Schallplatten: Wergo (Werke von Strawinsky und Gorecki).

29.7. Alessandra MARC wird 60

Alessandra Marc als Ariadne
Als „Ariadne“

Ihre Mutter war Deutsche, ihr Vater ein aus Polen stammender amerikanischer Soldat; ihr eigentlicher Name war Judith Borden. Sie wuchs seit ihrer Schulzeit in den USA heran und erhielt dort ihre Ausbildung, hauptsächlich durch Marilyn Cotlow. Bereits 1983 erregte sie bei den Metropolitan Auditions erstes Aufsehen und sang beim Waterloo Festival in ihrer amerikanischen Heimat in einer konzertanten Aufführung von Richard Wagners »Liebesverbot« die Partie der Mariana. 1984 hörte man sie bei der gleichen Festspielveranstaltung in einer ebenfalls konzertanten Aufführung von Glucks »Iphigénie en Aulide« in der Titelrolle. Ihre Karriere nahm dann eine schnelle Entwicklung. 1987 sang sie bei der Connecticut Opera die Tosca, beim Wexford Festival des gleichen Jahres die Lisabetta in »La Cena delle beffe« von Giordano, 1988 an der Oper von Santa Fé die Maria im »Friedenstag« von Richard Strauss, 1990 die Titelpartie in »Ariadne auf Naxos« vom gleichen Meister. An der Oper von Chicago gastierte sie 1989 wie auch in San Francisco als Aida, eine ihrer bedeutendsten Partien, die sie auch in der Spielzeit 1989-90 bei ihrem Debüt an der Metropolitan Oper New York zum Vortrag brachte. Am Opernhaus von Houston/Texas trat sie 1989 als Mme Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von F. Poulenc auf, am Theater von Bonn 1990 wiederum als Aida, beim Holland Festival von 1990 und 1996 in Turin als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, 1991 in Amsterdam (und zuvor in Zürich) als Sieglinde in der »Walküre«, an der Michigan Opera Detroit als Ariadne auf Naxos. In Amsterdam sang sie die Salome von R. Strauss und die Silvana in »La Fiamma« von Respighi. An der Wiener Staatsoper debütierte sie 1992 als Aida, die sie im gleichen Jahr auch in Tel Aviv vortrug. Ebenfalls 1992 gastierte sie in Philadelphia als Turandot in der gleichnamigen Puccini-Oper. 1992 sang sie an der Berliner Staatsoper die Titelrolle in »Ariadne auf Naxos«, 1994 die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss (1995 auch an der Deutschen Oper Berlin), an der Oper von Köln die Ariadne auf Naxos, die sie 1994 auch an der Wiener Staatsoper sang. An der Covent Garden Oper London 1994 als Turandot von Puccini zu Gast. 1995 bewunderte man sie in Montpellier in einer konzertanten Aufführung von Bellinis »Norma« in der Titelrolle, 1995 in Wien in einer, ebenfalls konzertanten Aufführung der Richard Strauss-Oper »Der Friedenstag« in der Partie der Maria, 1996 an der Berliner Staatsoper als Aida. 1996 trat sie am Teatro Carlo Felice in Genua, an der Opera Pacific Costa Mesa und bei den Festspielen von Macerata als Turandot vom Puccini auf. An der Bayerischen Staatsoper Mümchen gastierte sie 1997 als Ariadne in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, bei den Festspielen von Macerata und am Teatro Regio Turin 1998 als Turandot von Puccini, 1999 an der Oper von Rom als Brünnhilde in der »Walküre«. 1999 trat sie an der Deutschen Oper Berlin als Kaiserin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss auf, 2000 an der Metropolitan Oper New York als Turandot von Puccini, die sie dann auch 2001 an der Oper von Washington und an der Königlichen Oper Kopenhagen übernahm. 2001 sang sie an der Deutschen Oper Berlin die Königin der Erdgeister in »Hans Heiling« von H. Marschner. Weltweite Karriere auch als Konzert- und Oratoriensängerin, u.a. als Solistin im Stabat mater von Rossini, im »Elias« von Mendelssohn, in der Missa solemnis und der 9. Sinfonie von Beethoven. 1990 gab sie einen Konzert- und Liederabend in der Wigmore Hall London und sang das Sopran-Solo im Verdi-Requiem in Wellington (Neuseeland), 1992 in Berlin in Beethovens 9. Sinfonie. 1996 sang sie in Dresden das Sopransolo im Verdi-Requiem, 1998 an der Deutschen Oper Berlin die Vier letzten Lieder von R. Strauss. Allgemein als große Konzert- und Liedersängerin anerkannt.
Schallplatten: Koch Records (Maria in »Der Friedenstag« von R. Strauss), Delos/Aris (Arien-Recital), Erato (9. Sinfonie von Beethoven), Decca (»Jonny spielt auf« von E. Krenek, Sieglinde in der »Walküre«), RCA-Ariola (Sinfonien von Gustav Mahler), DGG (Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss), Teldec (Chrysothemis in »Elektra«), Teldec/Warner (Lieder von A. Berg, Sechs Orchesterlieder von A. Schönberg, Schlussszene aus »Salome« von R. Strauss), Erato/East West Records (Verdi-Requiem), Teldec/East West Records (»Pierrot Lunaire« und »Erwartung« von A. Schönberg).
Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.alessandramarc.com/

29.7. Mária TEMESI wird 60

Maria Temesi

Der eigentliche Name der Künstlerin war Maria Tóth, unter dem sie bis 1983 auch auftrat. Gesangstudium am Konservatorium von Szeged bei V. Berdal und G. Sinkó, dann seit 1979 in Budapest bei E. Kutrucz und P. Takács. Sie bildete sich in Meisterkursen in Salzburg und in Weimar weiter. 1981 gewann sie den Internationalen Gesangswettbewerb von Rio de Janeiro, 1985 den Luciano Pavarotti-Concours in Philadelphia. 1982 debütierte sie an der Nationaloper von Budapest in der Partie der Elsa im »Lohengrin«. Es kam zur schnellen Entwicklung einer bedeutenden internationalen Karriere. Bereits in den achtziger Jahren gastierte sie an den Staatsopern von Berlin und Dresden (wo sie als ständiger Gast seit 1983 im Engagement blieb), am Teatro San Carlos Lissabon, in Mailand und in New York (1988 als Desdemona im »Otello«). Durch Gastspielverträge der Staatsoper Stuttgart und dem Opernhaus Köln verbunden, ebenso der Oper von Nizza, an der sie die Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, die Lisa in »Pique Dame« von Tschaikowsky und die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« sang. Sie übernahm weiter auf der Bühne Partien wie die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Elsa im »Lohengrin« (Dresden, 1988), die Amelia in »Un ballo in maschera« von Verdi (Zürich, 1989), die Alice Ford im »Falstaff«, die Adriana Lecouvreur in der gleichnamigen Oper von Cilea, die Donna Anna im »Don Giovanni« und die Tatjana im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Auch als Konzertsopranistin kam sie zu großen Erfolgen. In New York wirkte sie in einer Fernsehaufführung der Oper »Guntram« von Richard Strauss mit. 1991 sang sie am Opernhaus von Graz die Estrella in »Alfonso und Estrella« von Schubert. 1997 sang sie an der Budapester Nationaloper die Senta in »Der fliegende Holländer«, in Szeged die Aida, 1998 in Budapest die Brünnhilde in der »Götterdämmerung«, 1999 in Budapest die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss.
Schallplatten: Hungaroton (»La Fiamma« von O. Respighi; geistliche Vokalmusik und Missa choralis von F. Liszt).
    
29.7. Roland BRACHT wird 65

Sein Vater war viele Jahre als Chorsänger an der Staatsoper von München tätig. Gesangstudium an der Münchner Musikhochschule, wo er Schüler von Hanno Blaschke war. 1971 Mitglied des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper in München. Er sang bereits während seiner Ausbildung einige kleinere Partien an der Bayerischen Staatsoper. Nachdem er 1972 einen Gesangwettbewerb in Berlin gewonnen hatte, wurde er 1973 an die Staatsoper von Stuttgart berufen, an der er mehr als 40 Jahre lang auftrat und wo er 1985 zum Kammersänger ernannt wurde. 1978 sang er bei den Festspielen von Ludwigsburg den Masetto im »Don Giovanni« von Mozart, 1983 in Schwetzingen in der Uraufführung von »Die englische Katze« von H.W. Henze. 1981 gastierte er als Bartolo in »Le nozze di Figaro« an der Mailänder Scala. Als die restaurierte Stuttgarter Staatsoper 1984 wieder eröffnet wurde, sang er in der Eröffnungsvorstellung den Commendatore im »Don Giovanni«. 1985 hörte man ihn an der Stuttgarter Staatsoper als König in Prokofjews »Liebe zu den drei Orangen«, 1996 als Mustafà in Rossinis »L‘Italiana in Algeri«. 1985 sang er bei seinem US-Debüt an der Oper von San Francisco den Fasolt im »Rheingold« und den Eremiten im »Freischütz«. 1986 sang er in einer einzigen Vorstellung an der New Yorker Metropolitan Oper den König Heinrich im »Lohengrin«, den er auch 1989 am Opernhaus von Pretoria vortrug. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1987 im »Buch mit sieben Siegeln« von F. Schmidt, 1990-91 in der C-Moll-Messe von Mozart; er wirkte hier 1987-88 in Aufführungen von Schönbergs »Moses und Aron«, 2001 als Bartolo in »Le nozze di Figaro« und 2007 als Kuno im »Freischütz« mit. Am 25.9.1988 sang er in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Opernhauses von Essen (Aalto-Oper) den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1988 gastierte er mit dem Stuttgarter Ensemble an der Deutschen Oper Berlin, 1990 am Landestheater Salzburg als Don Alfonso in »Così fan tutte«, 1991 an der Oper von Rom als Truffaldino in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss; in Amsterdam trat er als Geisterbote in der »Frau ohne Schatten« vom gleichen Komponisten und 1995 in der »Zauberflöte« auf. Am Kölner Opernhaus trat er 1997 und 1999 als Eremit im »Freischütz« auf, an der Stuttgarter Staatsoper als Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, 1998 als Rocco im »Fidelio«. 1998 sang er am Gärtnerplatztheater in München den Baculus im »Wildschütz« von Lortzing, 1999 an der Staatsoper Stuttgart den Fasolt und den Seneca in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«. Bei den Festspiele von Wiesbaden gastierte er 1999 als Osmin. An der Staatsoper Stuttgart trat er 1998-99 ebenfalls als Osmin, als Mustafà und als Rocco auf. 2000 sang er an der Stuttgarter Staatsoper den Hagen in der »Götterdämmerung«,  2001 den König Philipp in Verdis »Don Carlos«. 2000 sang er bei den Festspielen von Mörbisch am Neusiedler See den Zsupan im »Zigeunerbaron«.  2001 gastierte er an der Wiener Staatsoper als Hagen. An der Pariser Opéra Bastille gastierte er 2004 als Frère Bernard in »Saint Francois d‘Assise« von O. Messiaen und als Dikoj in »Katja Kabanowa« von Janácek, 2005-06 als Publio in Mozarts »La clemenza di Tito«, 2005 und 2008 als Goldhändler in »Cardillac« von Hindemith, 2006 und 2008 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 2008 als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg und als Pfarrer in Janáceks »Das schlaue Füchslein«. An der Bayerischen Staatsoper München gastierte er 2009-10 als Madruscht in »Palestrina« von H. Pfitzner und 2014-16 als Geronte in »Manon Lescaut« von Puccini. Auf der Bühne wie auf dem Konzertpodium in einem umfangreichen Repertoire in Erscheinung getreten. Er war auch als Schauspieler auf der Sprechbühne erfolgreich und übernahm u.a. 1997 an der Berliner Volksbühne die Rolle Eduards IV. in Shakespeares »Richard III.«.
Schallplatten: Electrola (vollständige Oper »Don Giovanni«, Aufnahme in der Ludwigsburger Besetzung von 1978), Eurodisc (Osmin in integraler »Entführung aus dem Serail«, Fasolt im »Rheingold«), HMV-Electrola (»Die Zauberflöte«), Orfeo (»Oedipus Rex« von Strawinsky, »Alceste« von Gluck, »Die Feen« von R. Wagner), Amadeo (»Vom Tode« von Schiske); Thorn-Video (Eremit im »Freischütz«).

29.7. Csilla ÖTVÖS wird 70

Biographie der ungarischen Sopranistin auf Ungarisch: https://hu.wikipedia.org/wiki/%C3%96tv%C3%B6s_Csilla

29.7. Bernd WEIKL wird 75

Bernd WEIKL als Amonasro
Als Amonasro (Aida)

Bernd Weikl (* 29. Juli 1942 in Wien) ist ein deutsch-österreichischer Opern- und Konzertsänger (Bariton), Buchautor und Opernregisseur. Internationale Berühmtheit erlangte er mit der Rolle des Hans Sachs in Richard Wagners Oper Die Meistersinger von Nürnberg.

Weikl studierte zunächst Volkswirtschaftslehre, wechselte dann aber in Mainz zum Fach Gesang, das er an der Musikhochschule Hannover abschloss. 1968 debütierte er am Opernhaus Hannover, 1972 sang er zum ersten Mal bei den Bayreuther Festspielen. Seit 1977 tritt er regelmäßig an der Metropolitan Opera in New York auf. Die künstlerische Tätigkeit Weikls umfasste gleichzeitig das italienische, deutsche, französische und russischen Opernfach. Er war ständiger Gast der großen Opernhäuser und Festspielstätten. Zum Beispiel: 25 Jahre lang jeden Sommer Solist der Bayreuther Festspiele, 20 Jahre Wochen oder Monate an der Metropolitan Opera New York, 25 Jahre ebenso an der Covent Garden Opera in London, 20 Jahre auf diese Art an der Scala di Milano, 32 Jahre und ca. 350 Abende an der Staatsoper Wien, 30 Jahre Gast in Japan, 25 Jahre an der Staatsoper München, 17 Jahre an der Staatsoper Hamburg, Gastspiele an der Deutschen Oper Berlin und der Staatsoper Berlin, in Paris, Barcelona, Los Angeles, San Francisco, Lissabon, Luxor, Tel Aviv, Moskau und an vielen anderen Opern- und Konzerthäusern auf der ganzen Welt. Mit dem Pianisten Cord Garben hat Weikl mehrere Tonträger mit Liedern eingespielt. Mit diesem sowie mit Irwin Gage und Helmut Deutsch gab er Liederabende im In- und Ausland.

1993 promovierte er im Fach Management zum Thema „Die Übertragung des Marketingmodels auf die Unternehmenspolitik freischaffender Opernsänger“ an der Technischen Universität Vilnius.

Neben seiner Tätigkeit als Sänger arbeitete Bernd Weikl auch als Autor für Film und Fernsehen. Seine Filme befassen sich vor allem mit großen Komponisten wie Hugo Wolf: Das italienische Liederbuch und Das spanische Liederbuch; Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn; Richard Wagner: Deutsche und französische Lieder; Franz Liszt: Lieder; u. a.

Bereits 1988 wurde Weikl ehrenhalber der Professorentitel zuerkannt. 1993 wurde er zum Hamburger Kammersänger ernannt. Er ist auch Bayerischer und Österreichischer Kammersänger, sowie seit 1998 Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper.

Bernd Weikl war Initiator und Solist von „Elias für den Frieden“ zur Feier des vierzigjährigen Bestehens des Staates Israel. Das Oratorium von Mendelssohn Bartholdy wurde 1988 in Hamburg, München, Wiesbaden und Israel aufgeführt. Die Schirmherrschaft übernahmen die Ehefrauen der Präsidenten beider Länder Aura Herzog und Marianne von Weizsäcker.

Bernd Weikl initiierte 1996 die Studie Gesang als musiktherapeutische Intervention bei depressiven Patienten der Psychiatrischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

In der väterlichen Heimat in Bodenmais am Arber ist Bernd Weikl Ehrenbürger. Dort ist ihm ein Museum gewidmet.

Der Bildhauer Karl-Henning Seemann schuf 2012–2014 eine lebensgroße Büste von Bernd Weikl.

Auszeichnungen

Dr. rer.oec. (magna cum laude), 17. März 1993

 Das Große Bundesverdienstkreuz, 5. Oktober 1994

 Der Bayerische Verdienstorden, 13. Juli 1995

 Dr. h.c. der Universität Alma Ata, 24. Februar 1998

 Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Stadt Wien, September 2002

 Das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 4. Oktober 2002

Weikl sls Opernregisseur:

Figaros Hochzeit bei den Festspielen in Neustrelitz

Salome am Pfalztheater in Kaiserslautern

Die Meistersinger von Nürnberg an der Japanischen Nationaloper in Tokio

Orpheus in der Unterwelt an der Deutschen Oper am Rhein in Köln

Falstaff als Regisseur und Hauptdarsteller am Pfalztheater in Kaiserslautern

Veröffentlichungen:

Frei erfunden. Aus Oper, Politik und dazwischen. Eine Satire, Illustrationen von Horst Thom, Edition Va Bene, Wien und Klosterneuburg 1996, ISBN 3-85167-045-0

Hoffentlich gelogen. Aus Oper, Politik, Kultur und drumherum … Eine Satire, Illustrationen von Horst Thom, Edition Va Bene, Wien und Klosterneuburg 1997, ISBN 3-85167-057-4

 

Vom Singen und von anderen Dingen. Ein Ratgeber für alle, die beruflich oder privat mit einer klangvollen Stimme erfolgreich sein wollen. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1998 ISBN 3-218-00643-0, erschienen auch in einer russischen Ausgabe, Moskau 2000

Gesang als musiktherapeutische Intervention bei depressiven Patienten, Eine klinische Pilotstudie. Med. Diss. von Kristine Leopold an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität zu München, 1999.

Kunst-Medizin-Therapie, Wiener Vorlesungen, Konversatorien und Studien. In: Erich Vanecek/Christa Wenninger-Brenn (Hg.): Gesang als Handwerk, Therapie und Prävention, WUV-Univerlag, Wien 2003.

Licht & Schatten. Meine Weltkarriere als Opernsänger. Eine Mutter-Sohn-Beziehung als zweite Handlung, Pro Business, Berlin 2007, ISBN 978-3-939430-85-8

 Zusammen mit Peter Bendixen: Einführung in die Kultur- und Kunstökonomie. Mit einem Vorwort von Prinz und Prinzessin Georg Yourievsky. VS Verlag, 2011, ISBN 978-3-531-18279-7

30.7. Susan Marie PIERSON wird 65

Susan Marie Pierson als Brünnhilde

Sie absolvierte Studien an der Eastman School of Music und der Boston University School for the Arts. Die Künstlerin ist bekannt für ihre großartigen und überzeugenden Rolleninterpretationen in Opern von Wagner und Strauss, und kann auf ein beeindruckendes Bühnenrepertoire von 38 Hauptrollen in 58 Opernproduktionen seit Beginn ihrer Laufbahn verweisen, unter anderem die Senta in Der fliegende Holländer, die Brünnhilde im Ring-Zyklus, die Hauptrollen in Salome, Elektra, Tosca, Stiffelio, Jenufa, Die Sache Makropulos, Katja Kabanowa, Ariadne auf Naxos und die Agathe in Der Freischütz. Sie trat in zahlreichen Opernhäusern auf, wie der Baltimore Opera, der Canadian Opera Company, der Lyric Opera of Chicago, der Mailänder Scala (1987 als Amelia in Verdis Un ballo in maschera), der Netherlands Opera, der Opera Company of Philadelphia, der Opéra de Nantes, der Pittsburgh Opera, der San Francisco Opera (1995 Brünnhilde in Die Walküre), der Seattle Opera, dem Théatre du Chatalet und dem Teatro Communale di Bologna und der Finnischen Nationaloper (als Brünnhilde), an der Oper von Chemnitz (wieder als Brünnhilde), an der Austin Lyric Opera (als Elektra), Pittsburgh Opera (Leonore in Fidelio), an der Pariser Opera Bastille (2005 als Aufseherin in Elektra). 2005 folgten für Susan Marie Pierson unter anderem ihr Debut als Christine in Trauer muss Elektra tragen an der Oper Seattle und ihr Debut als Isolde in Tristan und Isolde, und ihr Debut als Sopran-Solistin in Beethovens 9. Sinfonie mit der Springfield Symphony. Engagement als Amelia für eine National PBS Fernsehproduktion von Un ballo in maschera mit Luciano Pavarotti. Die Künstlerin arbeitete mit folgenden Orchester zusammen: Innsbrucker Symphonieorchester, Orchestre National de Paris, Phoenix Symphony, North Carolina Symphony, Cleveland Orchestra, Rochester Philharmonic, Springfield Symphony und Canton Symphony und sang Solopartien unter den Dirigaten von Zubin Mehta, Donald Runnicles, Christoph von Dohnanyi, Jeffrey Tate, Leif Segestam und vielen anderen. Nominierung für den prestigeträchtigen Dora Mava Moore Award (den kanadischen Tony) für ihre Interpretation der Elektra.
Schallplatten: Isolde in Tristan und Isolde (Titanic Records), Ortlinde in Die Walküre (Decca); weiterhin war sie in Radioproduktionen bei CBC in Toronto, WGN in Chicago, Radio France und anderen lokalen Radiosendern zu hören

30.7. Tonny LANDY wird 80

Eigentlicher Name Tonny Landi Nuppenau; er erhielt seine Ausbildung 1960-62 am Königlichen Konservatorium von Kopenhagen und war später Schüler von Luigi Ricci in Rom und von Karl Schmitt-Walter in München. 1962-65 bildete er sich in der Opernschule der Kopenhagener Oper weiter aus. Er debütierte 1966 an der Königlichen Oper Kopenhagen als Alfredo in »La Traviata«; er trat seitdem länger als 25 Jahre an diesem Haus auf. 1969-70 war er Mitglied des Stadttheaters von Lübeck. 1970 sang er am Stora Theater Göteborg als Antrittsrolle den Yohyo in der zeitgenössischen Oper »Trankfjädrarna« von Sven-Erik Bäck. Er trat als Gast an der Jütländischen Oper Aarhus, an den Opernhäusern von Oslo und Bergen in Norwegen, an der Königlichen Oper Stockholm, bei den Festspielen von Drottningholm, in England und in den europäischen Ländern auf. Als Konzertsänger kam er in den skandinavischen Ländern, dann auch in Deutschland und in Russland, zu bedeutenden Erfolgen. 1973 gewann er den Benjamino Gigli-Concours in Macerata. Große Erfolge hatte er auch bei den Festspielen im Barocktheater auf Schloss Drottningholm, u.a. als Nemorino in »L‘Elisir d’amore«. 1975 fand sein amerikanisches Debüt statt, als er in Washington das Tenorsolo in der »Schöpfung« von J. Haydn sang. 1986 gastierte er an der Oper von Oslo nochmals als Alfredo, wie denn überhaupt in seinem Repertoire an erster Stelle Partien aus dem lyrischen Stimmfach standen. Davon sind zu nennen: der Tamino in der »Zauberflöte« und der Titelheld in »La clemenza di Tito« von Mozart, der Faust von Gounod, der Lenski im »Eugen Onegin«, der Riccardo (Gustavus) in Verdis »Un ballo in maschera« wie in »Tintomara« von L.J. Werle, der Rodolfo in »La Bohème«, der Pinkerton in »Madame Butterfly«, der Herzog im »Rigoletto« und der Cavaradossi in »Tosca«. Er ist verheiratet mit der Opernsängerin Tove Hyldgaard.
Schallplatten: Er sang auf Unicorn in den vollständigen dänischen Opern »Drot og Marsk« von P. Heise und »Maskarade« von C. Nielsen, auch auf Philips (»La fedeltà premiata« von Haydn, »Tintomara« von Werle).
Weitere Informationen auf seiner Homepage:
http://www.hyldgaard-landy.dk/tonny-landy/tonny-landy.aspx

30.7. Carlos FELLER wird 95

Carlos FELLER

Seine Eltern waren aus Polen nach Argentinien ausgewandert. Nachdem er zunächst Zahnmedizin an der Universität von Montevideo studiert hatte, ließ er seine Stimme in der Opernschule des Teatro Colón Buenos Aires bei der Pädagogin Edytha Fleischer ausbilden. Bühnendebüt 1946 am Teatro Colón als Arzt in »Pelléas et Mélisande« von Debussy. Er sang dann für mehr als zehn Jahre am Teatro Colón Buenos Aires. Nach ersten Erfolgen in Südamerika kam er 1958 mit der Kammeroper Buenos Aires zu einem Gastspiel im Rahmen der Weltausstellung von Brüssel und blieb nun in Europa. Er war zuerst am Stadttheater von Mainz engagiert, danach 1960-62 am Opernhaus von Frankfurt a.M. und bis 1966 am Theater von Kiel. Dann ging er für die Jahre 1966-69 nach Buenos Aires zurück, kam aber 1969 wieder nach Deutschland und war seit 1973 für mehr als zwanzig Jahre Mitglied des Opernhauses von Köln, zu dessen Ehrenmitglied er 1992 ernannt wurde. 1958 debütierte er für England an der Sadler’s Wells Opera London in Cimarosas »Il maestro di cappella«. Beim Glyndebourne Festival gastierte er 1959 als Don Alfonso in »Così fan tutte« und als Figaro in »Le nozze di Figaro« sowie 1960 als Sprecher in der »Zauberflöte«. Beim Edinburgh Festival gastierte er 1960 als Bombasto in Busonis »Arlecchino«, 1965 als Mastricco in J. Haydns »Le pescatrici«, 1980 anlässlich eines Gastspiels der Kölner Oper als Don Alfonso und 1981, ebenfalls anlässlich eines Gastspiels der Kölner Oper, als Bartolo im »Barbier von Sevilla«. Gastspiele an den Staatsopern von München, Hamburg und Stuttgart, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Frankfurt a.M., Mannheim, Kassel und Hannover. Auch zu Gast an der Niederländischen Oper Amsterdam, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, an der Opéra-Comique Paris (1984 als Geronimo in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa), am Grand Théâtre Genf (1985 als Schigolch in »Lulu« von A. Berg, 1991 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 2001 als Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«), an der Oper von Rio de Janeiro und an der Wiener Volksoper (1973 als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«). Bei den Salzburger Festspielen trat er 1969 als Uberto in »La serva padrona« von Pergolesi, 1979-80 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1982 als Don Alfonso und 1983 als Notar im »Rosenkavalier« auf. Bei den Festspielen im schwedischen Drottningholm gastierte er 1984 als Don Alfonso, 1988 als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, bei den Schwetzinger Festspielen 1989 in Rossinis »Il cambiale di matrimonio«. 1986 Gastspiel am Opernhaus von Zürich als Schigolch, 1990 bei der Miami Opera als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, 1990 am Teatro Colon Buenos Aires und 1991 in Santiago de Chile, 1992 in Ferrara und am Teatro San Carlos Lissabon wieder in seiner Glanzrolle, dem Don Alfonso. In dieser Partie debütierte er auch 1988 an der Metropolitan New York, an der er bis 1991 in insgesamt 12 Vorstellungen auch den Bartolo im »Barbier von Sevilla« sang. Er gastierte in Washington und Seattle, bei den Festspielen von Schwetzingen (1995 in »Falstaff« von A. Salieri) und nahm an einer Israel-Tournee der Kölner Oper teil. An der Opéra Bastille Paris gastierte er 1996 und 1999 als Alcindoro in »La Bohème«, 1997 als Antonio in »Le nozze di Figaro«, 1998 als Schigolch und als Dr. Grenvil in »La Traviata«. Am Théâtre de la Monnaie Brüssel gastierte er 1998 als Antonio in »Le nozze di Figaro«. Er sang ein sehr vielseitiges Repertoire, wobei er mit besonderer Vorliebe Buffo-Typen gestaltete und allgemein als großer Darsteller galt. Neben den bereits genannten Partien sind hervorzuheben: der Don Magnifico in »La Cenerentola« und der Mustafà in »L‘Italiana in Algeri« von Rossini, der Osmin in der »Entführung aus dem Serail«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Baculus im »Wildschütz« von Lortzing, der van Bett in »Zar und Zimmermann«, der Titelheld im »Don Pasquale«, der Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«, der Abul Hassan im »Barbier von Bagdad« von Cornelius, der Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Wozzeck wie der Doktor in »Wozzeck« von A. Berg.
Schallplatten: DGG (Bartolo in »Le nozze di Figaro«, Notar in vollständiger »Rosenkavalier«-Aufnahme), Decca (Don Alfonso in »Così fan tutte«, Bartolo in »Le nozze di Figaro«), EMI/Capriccio (»Die sieben Todsünden« von K. Weill); Warner-Video (»Il cambiale di matrimonio« und »Il Signor Bruschino« von Rossini), Arthaus-Video (Bardolfo im »Falstaff« von Antonio Salieri, Festspiele Schwetzingen 1995; »Der Barbier von Sevilla«, Stuttgart).

31.7. Anne BOLSTAD wird 65

Anne BOLSTAD

Die Sängerin erhielt ihre Ausbildung in ihrer norwegischen Heimat am Konservatorium von Bergen und ergänzte diese in der Opernschule in Göteborg sowie durch Studien in Salzburg. Sie trat zunächst gastweise an der Oper von Oslo auf, kam aber 1983 an das Värmlands Musiktheater in Schweden, wo sie als Tosca, als Butterfly, als Gräfin in »Figaros Hochzeit«, als Donna Elvira im »Don Giovanni«, als Magda in Menottis »The Consul« und als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth« auftrat. Am Stora Theater Göteborg war sie als Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« und in »Gycklarnas Hamlet«, einem Werk des zeitgenössischen schwedischen Komponisten Jonas Forssell, anzutreffen. An der Oper von Oslo hatte sie ihre Erfolge als Butterfly und in der Oper »Mysterier« von Johan Kvandal. 1993 sang sie an diesem Haus die Emilia Marty in Janáceks »Die Sache Makropoulos«. Sie gastierte mit dem Ensemble des Théâtre de la Monnaie Brüssel in Barcelona als Ellen Orford in »Peter Grimes« von Benjamin Britten. 1995 sang sie bei der Värmlands Opera die Senta in »Der fliegende Holländer«. 1998 sang sie am Théâtre de la Monnaie in Brüssel die Miss Jessel in »The Turn of the Screw« von B. Britten, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg die Titelrolle von Janáceks »Jenufa«. 1999 sang sie am Schlosstheater von Drottningholm in der Uraufführung der Oper »Trädgarden« von Jonas Forssell die Rolle der Frau Linnaeus. 2000 gastierte sie beim Spoleto Festival als Marschallin im »Rosenkavalier«, 2001 am Grand Théâtre Genf die Jenufa. Die Sängerin wurde u.a. mit dem Edvard Grieg-Preis ausgezeichnet.
Schallplatten: Simex (»Heimfred«, dramatische Sinfonie von L. Jensen), Norsk Kulturfond (Werke von E. Grieg),  Accord (Miss Jessel in »The Turn of the Screw«).

31.7. Reinhard GOEBEL wird 65

Im Alter von 12 Jahren erhielt er den ersten Violinunterricht. Er studierte nach dem Abitur zuerst an der Musikhochschule in Köln bei Franzjosef Maier, der sich schon früh als Leiter des Collegium Aureum mit der historischen Aufführungspraxis vertraut gemacht hatte. Später studierte Goebel bei Saschko Gawriloff an der Folkwangschule in Essen, es folgten Kurse auf der Barockvioline bei Marie Leonhardt und Eduard Melkus. An der Universität Köln studierte Reinhard Goebel anschließend Musikwissenschaft. Hier wurde der Grundstein zu seinen umfassenden Repertoirekenntnissen gelegt. 1973 gründete Goebel sein Ensemble Musica Antique Köln, welches sich der Barockmusik widmete. Seit vielen Jahren ist seine „Kölner Schule“ für angehende Barockgeiger ein Begriff. 1990 musste er seine Karriere wegen einer Lähmung der linken Hand unterbrechen. Er entschied sich daraufhin sein Instrument auf der anderen Körperseite neu zu erlernen. In der letzten Zeit widmet er sich mehr dem Dirigieren fremder Orchester, auch mit modernem Instrumentarium, um diese mit der Klangwelt des 18. Jahrhunderts vertraut zu machen.
Zum Herbst 2010 wurde Reinhard Goebel in Nachfolge von Nikolaus Harnoncourt als Professor für historische Aufführungspraxis an das Mozarteum Salzburg berufen. 1997 überreichte ihm Ministerpräsident Johannes Rau für seine Verdienste den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 2002 wurde er mit dem Georg-Philipp-Telemann-Preis der Landeshauptstadt Magdeburg ausgezeichnet. Das BBC Music Magazine wählte in 2015 in die Liste der 20 besten Geiger aller Zeiten. 2017 ehrte ihn die Stadt Leipzig mit der seit 2003 jährlich verliehenen Bach-Medaille „für besondere Verdienste um die Pflege des Bach’schen Werks“.
Dem breiten Publikum ist sein Ensemble Musica Antique Köln bekannt. Seit der Gründung 1973 hat Goebel mit mehreren Generationen von Mitgliedern zahlreiche Werke des 17. und des 18. Jahrhunderts auf Tonträgern verewigt. Schon sehr früh erhielt er einen Exklusivvertrag mit der Archiv Produktion der Deutschen Grammophon Gesellschaft. Hier spielte er vielbeachtete Interpretationen der gesamten Orchestermusik und Kammermusik mit Violine von Johann Sebastian Bach und der Rosenkranzsonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber ein, sowie zahlreiche Werke von Georg Friedrich Telemann, Johann David Heinichen, Johann Rosenmüller, Johann Pachelbel, Francesco Maria Veracini und vielen anderen. Dazu zählen auch viele Ersteinspielungen vergessener Komponisten. Goebel arbeitet mit bekannten Solisten, Chören und Orchestern zusammen und berät Musiker in der Aufführungspraxis alter Musik. Seit dem krankheitsbedingten Ende seiner Geigerkarriere im Frühjahr 2006 arbeitet er erfolgreich mit zahlreichen Orchestern als Gastdirigent, so den Duisburger Philharmonikern, der Bayerischen Kammerphilharmonie, dem Beethoven Orchester Bonn, dem Gewandhaus-Orchester Leipzig, dem Orchester des Nationaltheaters Mannheim, den Dresdner Philharmonikern, dem Deutschen Symphonieorchester Berlin, dem Orchester der Komischen Oper Berlin, dem Tonhall-Orchester Zürich, dem Royal Philharmonic Orchestra London, dem Orchester der Königlichen Oper Kopenhagen und weiteren Ensembles.
Weitere Informationen auf seiner Web-Seite: http://www.reinhardgoebel.net/de

31.7. Otoniel GONZAGA wird 75

Otoniel GONZAGA als Rifgoletto-Herzog
Als Duca in Rigoletto

Er begann seine Bühnenkarriere 1967, sang in Amerika und in Europa, dort seit 1973 am Stadttheater von Trier, dessen Mitglied er bis 1977 war. 1977-79 war er am Stadttheater von Augsburg engagiert, 1978-88 am Opernhaus von Frankfurt a.M. 1988-89 am Opernhaus von Köln. Durch Gastspielverträge war er der Staatsoper Stuttgart (1979-81), dem Münchner Theater am Gärtnerplatz (1980-84) und viele Jahre der Volksoper Wien verbunden. 1975 gastierte er am Teatro Liceu Barcelona, 1985 am Stadttheater von Bern, 1986 in Genua. 1986 Gastspiel am Staatstheater Saarbrücken als Manrico im »Troubadour«, 1990 am Stadttheater von Basel als Dimitrij im »Boris Godunow«, im gleichen Jahr in Cincinnati als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«. 1992 sang er bei den Festspielen von Mörbisch am Neusiedler See den Barinkay im »Zigeunerbaron«, an der Oper von Frankfurt a.M. den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, 1993 am Theater von Bergen in Norwegen den Kalaf in »Turandot«, an der Miami Opera den Cavaradossi in »Tosca«. 1997 gastierte er in Milwaukee als Alfredo in »La Traviata«, in Graz als Florestan im »Fidelio«. Auf der Bühne hörte man ihn zu Beginn seiner Karriere im lyrischen Fachbereich, u.a. als Ferrando in »Così fan tutte«, als Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, als Faust in der gleichnamigen Oper von Gounod und als Luigi in Puccinis »Il Tabarro«. Später übernahm er heldische Partien, darunter den Titelhelden in Verdis »Otello« (Aachen, 1990) und den Manrico im »Troubadour« (Cincinnati, 1994). Insgesamt ist er in 70 großen Partien aufgetreten. Auch als Konzertsolist konnte er sich bei vielen Gelegenheiten auszeichnen.
Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://otonielgonzaga.com/

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JULI 2017

IN MEMORIAM-Geburtstage im JULI 2017

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

1.7. Henry PEYROTTES: 90. Geburtstag

Henry PEYROTTES

Nach seiner Ausbildung in Paris debütierte er 1952 an der Opéra-Comique Paris als Onkel Bonze in »Madame Butterfly«. Er ging jedoch bald an die großen französischen Provinztheater, an denen er rasch zu einer erfolgreichen Karriere im französischen wie im italienischen Repertoire kam. So gastierte er u.a. an den Opernhäusern von Marseille, Nizza, Rouen, Vichy, Toulouse und Avignon sowie am Théâtre Antique Orange. 1956 wirkte er am Opernhaus von Nancy in der Uraufführung von Marcel Lewandowskis Oper »Le Fou« mit. 1966 und 1977 trat er als Gast an der Oper von Monte Carlo auf; seit 1965 hörte man ihn auch mehrfach an der Grand Opéra Paris, u.a. als Valentin im »Faust« von Gounod, als Scarpia in »Tosca« und als Rigoletto, 1962 und 1963 war er an der Oper von Lüttich zu Gast, zwischen 1967 und 1971 erschien er an der Oper von Rio de Janeiro; 1969 sang er in London in einer konzertanten Aufführung von Verdis »Les Vêpres Siciliennes« (»I Vespri Siciliani«). Er setzte seine Auftritte bis gegen Ende der siebziger Jahre fort. Aus seinem Repertoire sind noch die Titelrolle in Rossinis »Wilhelm Tell«, der Alfonso in »La Favorita« von Donizetti, der Tonio im »Bajazzo«, der Alfio in »Cavalleria rusticana«, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Karnac in »Le Roi d’Ys« von Lalo, der Des Grieux in »Manon« von Massenet, der Herodes in »Hérodiade« vom gleichen Meister, der Germont-père in »La Traviata« und der Telramund im »Lohengrin« zu erwähnen. Er starb 2012 in Balma (bei Toulouse).

Schallplatten: Philips (Querschnitt »L’Africaine« von Meyerbeer).

 

1.7. Ruth MILLER: 125. Geburtstag

 Sie studierte fünf Jahre lang in Paris bei Lloyd d’Aubigné, Émile Bourgeois und Giovanni Sbriglia. Sie trat dann seit 1912 als lyrische und Koloratursopranistin an französischen und spanischen Theatern auf; ihre europäische Karriere erfolgte unter dem Künstlernamen Francesca Milena. Diesen benutzte sie auch noch 1917 bei ihrem amerikanischen Debüt mit der Aborn Opera Company. Dort sang sie erfolgreich als Partnerin des Baritons Richard Bonelli und des Tenors Mario Chamlee. 1917 wurde sie an die New Yorker Metropolitan Oper verpflichtet und debütierte dort unter ihrem eigentlichen Namen Ruth Miller als Musetta in »La Bohème« mit Frances Alda, John McCormack und Giuseppe De Luca als Partnern. Sie blieb jedoch nur während einer Saison Mitglied der Metropolitan Oper und sang hier in insgesamt 10 Vorstellungen auch die Micaela in »Carmen«; 1919 heiratete sie den Tenor Mario Chamlee (1892-1966) und gab ihre eigene Karriere auf. Sie ist auch bei der Scotti Grand Opera Company aufgetreten. Zuletzt wirkte sie zusammen mit ihrem Gatten als Pädagogin in Los Angeles. Zu ihren Schülern gehörte der Bariton Theodor Uppman. Ruth Miller starb 1983 in Van Nuys (Kalifornien).

Sie hat während ihrer Karriere keine offiziellen Platten besungen; in den Jahren 1940-54 erschienen jedoch Aufnahmen von ihrer Stimme auf IRCC, die diese in ihrer ursprünglichen Schönheit zeigen.

 

1.7. Charles TROYON: 150. Geburtstag

 Nachdem er sein Gesangstudium bei Blanchet und Masset sowie bei dem berühmten Pädagogen Julius Stockhausen in Frankfurt a.M. absolviert hatte, begann er eine sehr erfolgreiche Konzertkarriere in den Musikzentren in der Schweiz. Man hörte ihn immer wieder in Lausanne und Genf, in Zürich, Basel und Bern, in La Chaux-de-Fonds, Neuchâtel, St. Gallen und Vevey. Dabei trug er u.a. Solopartien in der 9. Sinfonie von Beethoven, im »Messias« von Händel, in der »Schöpfung« von J. Haydn, in der Faust-Sinfonie von F. Lizt, in »Elias« wie in »Paulus« von Mendelssohn und in »Le Paradis perdu« von F. Lauber vor. Als Lied-Interpret widmete er sich besonders dem Liedschaffen von F. Schubert, R. Schumann, J. Brahms, M. Reger und A. Meyer. Seit 1894 war er am Konservatorium von Lausanne als Pädagoge tätig und leitete dieses Institut in den Jahren 1921-41 als Direktor. Er gehörte zu den Gründern des Schweizer Tonkünstlervereins. Er starb 1948 in Lausanne. – Seine Gattin, die Sopranistin Emmy Troyon-Blaesi (* 10.5.1873 Solothurn, † 14.3.1956 Lausanne) war eine nicht weniger bekannte Konzertsolistin. Sie hatte am Conservatoire von Lausanne, dann 1890-91 bei Anton Hromada und seit 1891 bei Charles Troyon studiert, den sie heiratete. Auch sie kam in Städten in der Schweiz, dazu in Paris und Stuttgart, zu bedeutenden Erfolgen im Bereich des Oratorien- wie des Liedgesangs. Seit 1905 unterrichtete sie wie ihr Gatte am Konservatorium von Lausanne.

 

2.7. Ruth BERGHAUS: 90. Geburtstag

Sie studierte Ausdruckstanz und Tanzregie bei Gret Palucca in Dresden und war Meisterschülerin von Wolfgang Langhoff an der Deutschen Akademie der Künste in Berlin. Jedoch konnte sie von Langhoffs Theaterästhetik nicht profitieren; prägend wurde für sie vielmehr die Begegnung mit Bertolt Brecht und seiner Theaterarbeit. 1951-64 arbeitete sie als Choreografin u.a. am Deutschen Theater, an der Deutschen Staatsoper, am Berliner Ensemble

und auch in der „Distel“. Ihr Interesse für die Regie erwachte mit dem Verhör des Lukullus von Paul Dessau an der Staatsoper Berlin 1951, Regisseur Wolf Völker. 14 Jahre später führte sie selbst Regie bei der Verurteilung des Lukullus. Berühmt wurde sie aber mit der Choreografie der Schlachtszenen im Coriolan in Brechts Bearbeitung am Berliner Ensemble 1964. 1954 heiratete sie den Komponisten Paul Dessau, dessen Werke für Musiktheater sie inszenierte. 1970 wurde sie Stellvertreterin von Helene Weigel in der Leitung des Berliner Ensembles, dessen Intendantin sie bis 1977 war. In dieser Zeit gelang es ihr, das BE aus der ideologischen und ästhetischen Erstarrung zu reißen und junge, unkonventionelle Kräfte an das Haus zu binden, unter anderem Heiner Müller und Einar Schleef. Nach der konzertierten Absetzung Berghaus‘ durch die Brecht-Erben, das ZK und einzelner Mitarbeiter des Berliner Ensembles versank dieses in der musealen Ausgestaltung des Brechtschen Werks. Ruth Berghaus‘ Karriere begann an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin 1951. Dort inszenierte sie etliche Stücke. Bis heute werden dort noch zwei ihrer Inszenierungen gespielt: Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini aus dem Jahr 1968 (inzwischen mehr als 300 mal aufgeführt) sowie Pelléas et Mélisande von Claude Debussy aus dem Jahr 1991 (erst etwa 30 mal aufgeführt). 1980-87 arbeitete sie an der Frankfurter Oper. Dort entstanden ihre bedeutendsten Aufführungen: 1980 Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, 1981 die – einschließlich Bühnenbild – von ihr entworfene Entführung aus dem Serail, 1982 Die Trojaner von Hector Berlioz (Bühnenbild Hans-Dieter Schaal), Die Sache Makropoulos von Leos Janácek und schließlich Richard Wagners Parsifal und 1985-87 Der Ring des Nibelungen. 1992 kehrte sie nochmals an die Frankfurter Oper zurück und inszenierte den Rosenkavalier. Daneben inszenierte sie 1980 am Nationaltheater Mannheim die Oper Elektra von Richard Strauss. Diese Inszenierung wird bis heute noch gespielt. 1985 in Prag den Wozzeck von Alban Berg und in Dresden Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke von Siegfried Matthus. 1986 debütierte sie an der Wiener Staatsoper mit der Choreografie von Hans Werner Henzes Orpheus (Bühnenbild Schaal, Dirigent Ulf Schirmer). In Brüssel inszenierte sie 1988 di
e Lulu von Alban Berg und im gleichen Jahr für die Wiener Festwochen im Theater an der Wien Fierrabras von Franz Schubert (Bühnenbild Schaal, Kostüme Marie-Louise Strandt, Dirigent Claudio Abbado) als auch in Hamburg an der Staatsoper Tristan und Isolde von Richard Wagner (Bühnenbild Schaal, Kostüme Strandt). Auch diese Inszenierung wird bis heute noch gespielt. Am Opernhaus Zürich entstanden Inszenierungen des Freischütz von Carl Maria von Weber (Dirigent Nikolaus Harnoncourt) und Der fliegende Holländers. Berghaus‘ letzte Arbeit war Freispruch für Medea von Rolf Liebermann, eine Uraufführung an der Hamburgischen Staatsoper 1994. Die letzte noch von Berghaus konzipierte Aufführung war 1995 Die Fledermaus von Johann Strauß in Leipzig, welche ein Assistententeam in ihrer Lesart realisierte. Sie arbeitete zudem am Wiener Burgtheater als Regisseurin und inszenierte hier 1991 Penthesilea von Kleist und 1993 Der kaukasische Kreidekreis von Brecht (beide mit Erich Wonder als Bühnenbildner). Sie war eine der wenigen Regisseure, die ihr Handwerk an junge Kollegen weiterzugeben versuchten. So veranstaltete sie in drei aufeinanderfolgenden Jahren einen „Meisterkurs für Opernregie“, bei denen Berufsanfänger Szenen aus ausgewählten Werken vorinszenierten. Sie starb 1996 in Zeuthen bei Berlin an den Folgen einer Krebserkrankung. Ihr Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Berghaus‘ Arbeit wird von der Berliner Akademie der Künste dokumentiert und ist dort für Interessenten zugänglich.

 

2.8. Bryan BALKWILL: 95. Geburtstag

Nach dem Privatstudium erhielt er ein Stipendium der Royal Academy of Music. Anschließend dirigierte er an der New London Opera und 1950 in Glyndebourne, wo er schließlich stellvertretender musikalischer Leiter wurde. Daneben wirkte er auch als musikalischer Direktor des Festival Ballett in London. 1959-65 war er ständiger Dirigent am Covent Garden Opera House; 1963-67 musikalischer Direktor der Welsh National Opera und musikalischer Direktor der Sadler’s Wells Opera (1966-69). 1978 wurde er von der Indiana University School of Music zum Professor der Musik ernannt. Er starb im Februar 2007.

 

3.7. Ken RUSSELL: 90. Geburtstag

Nach dem Besuch des Pangbourne Nautical College ließ er sich auf der Walthamstow Art School in London zum Fotografen ausbilden. Bereits früh beschäftigte er sich mit dem Film als Medium. Er experimentierte als Amateur mit 16-mm-Schmalfilm, den er später auch professionell nutzte. Seine ersten drei Amateurfilme, darunter Amelia und die Engel, drehte er 1957 und 1958. Ab 1958 schuf er für die BBC mehrere Dokumentarfilme über Komponisten. Sein unkonventioneller Stil – Russell stellte weniger Fakten als sein individuelles Empfinden in den Vordergrund – brachte ihm seitens verschiedener Musikkritiker den Vorwurf der Respektlosigkeit ein. Gleichzeitig lobte ihn die internationale Presse als außergewöhnlich einfallsreichen Regisseur. Nachdem er 1964 seinen ersten Kinofilm (French dressing) gedreht hatte, gelang ihm 1969 mit Liebende Frauen (Women in Love nach D.H. Lawrence) der Durchbruch als Spielfilmregisseur. Glenda Jackson erhielt für diesen Film den Oscar für die beste Hauptrolle. Es folgten weitere Erfolge wie die Aldous-Huxley-Verfilmung Die Teufel (The Devils) von 1972, 1974 die Rockoper Tommy von und mit der Band The Who, sowie 1973 der Musicalfilm Lisztomania. In den 1980er-Jahren arbeitete Russell für längere Zeit in den USA. Dabei entstanden moderne Genre-Klassiker wie 1980 Der Höllentrip (Altered States), 1984 China Blue bei Tag und Nacht  (Crimes of Passion) mit Kathleen Turner und Anthony Perkins, Gothic von 1986 und Der Biss der Schlangenfrau (Lair of the White Worm) von 1988. 1990 folgte Die Hure (Whore). Während der ersten Hälfte der 1980er Jahre betätigte sich Russell außerdem als Opernregisseur und inszenierte in Florenz, Lyon, Charleston (USA), an der Wiener Staatsoper (Charles Gounods Faust 1985) und in Spoleto verschiedene Opern, darunter Arrigo Boitos Mefistofele. Seine Inszenierungen unterstrichen zwar seinen Ruf als einfallsreichen Exzentriker, wurden von der Kritik aber größtenteils verrissen. In den 1990er Jahren hatte Russell zunehmend Schwierigkeiten, seine Projekte finanzieren zu lassen – nicht zuletzt aufgrund seiner Themen- und Darstellerwahl. Er ging deshalb dazu über, die Finanzierung selbst zu übernehmen und Low-Budget-Undergroundfilme zu produzieren. Durch Russells Werke ziehen sich Themen wie Sexualität und Religion, die Russell freizügig und oft auch bewusst provokant behandelte. Seine stark symbolhafte Bildsprache greift mitunter auf manieristische Elemente zurück. Er starb 2011 in London.

 

3.7. David WARD: 95. Geburtstag

David WARD

Er war zunächst Volksschullehrer in Sheffield. Dann ließ er seine Stimme am Royal College of Music in London durch Clive Carey ausbilden. Weitere Ausbildung durch Hans Hotter in München. 1952 trat er dem Chor der Sadler’s Wells Opera bei, und schon 1953 wurde er als erster Bassist in das Ensemble übernommen (Debüt als Old Bard in »The Immortal Hour« von Boughton). Seine erste große Partie war hier der Graf Walter in Verdis »Luisa Miller«. Er trat dort bis 1959 u.a. als Dr. Grenvil als »La Traviata«, als Simone in »Gianni Schicchi«, als Colline in »La Bohème«, als Monterone im »Rigoletto«, als Minister im »Fidelio«, als Zuniga in »Carmen«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Daland in »Der fliegende Holländer« und als Landgraf im »Tannhäuser« auf und wirkte 1953 in der Uraufführung der Oper »Nelson« von Lennox Berkeley mit. 1954 übernahm er beim Aldeburgh Festival das Bass-Solo in der Johannespassion von J.S. Bach, wie er denn allgemein als großer Bach- und Händel-Sänger galt. 1957 sang er bei der Edinburgh Opera Company den Zaccaria im »Nabucco«, 1958 bei der Dundee Opera Society den Mephisto im »Faust« von Gounod. 1958 sang er beim Glyndebourne Festival den Trulove in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, 1960 ebenfalls dort sowie beim Edinburgh Festival den Lord Walton in Bellinis »I Puritani«. 1958 trat er in seiner ersten Wagner-Partie, dem Fliegenden Holländer, vor das Londoner Opernpublikum und entwickelte sich bald zum Wagner-Spezialisten. 1960 gastierte er an den Opern von Frankfurt a.M. und Hamburg als Hunding in der »Walküre«. Er wirkte auch bei den Festspielen von Bayreuth mit, und zwar 1960 als Titurel im »Parsifal«, 1961 als Fasolt im »Rheingold« und als einer der Ritter im »Parsifal«. Seit 1960 trat er an der Covent Garden Oper London auf (Antrittsrolle: Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«). Hier sang er 1961 den Morosus in der englischen Premiere der Oper »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, 1962 den Wanderer und 1964 den Wotan im Ring-Zyklus, auch den Arkel in »Pelléas et Mélisande«, den Papst Clemens in »Benvenuto Cellini« von H. Berlioz, den Rocco im »Fidelio«, den Basilio im »Barbier von Sevilla« und den Iwan Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky. 1963 folgte er einem Ruf an die Metropolitan Oper New York. (Debüt 1964 als Sarastro in der »Zauberflöte«). Er sang an diesem Haus bis 1980 in insgesamt 48 Vorstellungen auch den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Fliegenden Holländer, den Hunding, einen der Nazarener in »Salome« von R. Strauss, die Titelrolle in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók und den Mr. Flint in »Billy Budd« von B. Britten. An der Scottish Opera Glasgow gastierte er 1964-77 als Commendatore im »Don Giovanni«, als Boris Godunow, als Wotan und Wanderer im Ring-Zyk
lus, als König Marke in »Tristan und Isolde«, als Pogner und als Banquo in Verdis »Macbeth«. Beim Edinburgh Festival gastierte er 1968 mit dem Ensemble der Hamburger Staatsoper als Fliegender Holländer. Er gastierte am Teatro Colón Buenos Aires, an der Staatsoper Wien (1968 als Großinquisitor und 1970 als Wotan in der »Walküre«), an der Mailänder Scala (1968 als Wotan in der »Walküre« und 1976 bei einem Gastspiel der Covent Garden Oper London als Papst Clemens in »Benvenuto Cellini«), am Teatro San Carlos Lissabon (1967), an den Opern von Chicago, Mexico City, New Orleans, San Francisco (1967 als Wotan im »Rheingold«, 1969 als Sarastro, 1982 als König Heinrich im »Lohengrin«) und Los Angeles (1969 als Wotan in der »Walküre«). Am Teatro Colón Buenos Aires war er als Wotan im Nibelungenring zu hören. Allein in einem Jahr, 1967, wirkte er in fünf verschiedenen vollständigen Aufführungen des Nibelungenrings mit. Man schätzte auf der Bühne die Fülle seines Stimmmaterials wie die aristokratische Würde seines Vortrags. Weitere Bühnenpartien des Künstlers waren der König Philipp in Verdis »Don Carlos« und der Fiesco in »Simon Boccanegra«. 1972 wurde er zum Commander of the British Empire ernannt. Er starb 1983 in Dunedin (Neuseeland).

Lit: A. Jefferson: David Ward (in »Opera«, 1968).

Schallplatten der Firma Decca (Bass-Solo im »Messias«, Hunding in der »Walküre«). Auf MRF Mitschnitt der vollständigen Oper »Benvenuto Cellini« von Berlioz aus der Covent Garden Oper von 1966, auf EJS in »La jolie fille de Perth« von Bizet. Auf CBS singt er den Arkel in »Pelléas et Mélisande«.

 

5.7. Adolf LIEBAN: 150. Geburtstag

liebahn

 Er entstammte einer jüdischen Kantorenfamilie. Wie seine Brüder Julius, Siegmund und Adalbert Lieban wurde auch er ein bekannter Sänger. Er ist vor allem an Berliner Operettenbühnen aufgetreten, war aber auch als Opern- und Konzertsänger tätig. 1906-08 war er am Lortzing-Theater in Berlin als Sänger verpflichtet, dessen Leitung er in der folgenden Spielzeit 1907-08 übernahm. 1916-18 bestand ein Engagement am Berliner Metropoltheater. Er gastierte sogar gelegentlich an der Berliner Hofoper und ging in Berlin auch einer umfangreichen pädagogischen Tätigkeit nach. Seine Bühnentätigkeit ist in ihren Einzelheiten kaum zu klären. Er wurde in erster Linie durch eine Fülle von Schallplattenaufnahmen bekannt, von denen die ersten bereits in der Zeit kurz nach der Jahrhundertwende auf Zonophone erschienen. Es folgten viele Titel auf den Marken HMV, Beka und DGG. Zumeist sind auf diesen Aufnahmen Unterhaltungslieder zu hören, doch finden sich darunter auch musikalisch anspruchsvollere Stücke. Bekannt wurde er als Mitglied eines Männer-Quartetts, des nach ihm benannten Lieban-Quartetts, von dem auch Schallplatten vorhanden sind. Er war der Gründer der Schallplattenfirma Lyrophon, auf der 1904-06 Aufnahmen seiner Stimme erschienen. Auf Lyrophon singen die vier Brüder Lieban als Quartett auf einer Schallplatte. Seine Bühnentätigkeit ist in ihren Einzelheiten kaum zu klären. Er starb 1924 in Berlin.

Weitere Aufnahmen: Künstler-Phonographen-Walzen (um 1900), Polyphon, Vox.

 

6.7. Alexandre GOURDIN: 175. Geburtstag

 Seine Ausbildung fand bis 1860 am Conservatoire National Paris statt, wo er Schüler der Pädagogen Fontana, T.-E. Mocker und Duvernoy war. Im gleichen Jahr debütierte er an der Opéra-Comique Paris in der Uraufführung der Oper »Maître Claude« von Jules Cohen. Da er sich als gewandter Darsteller erwies, konnte er bald einen angesehenen Rang im dortigen Sängerensemble einnehmen, zumal er erfolgreich in einigen Uraufführungen mitwirkte, so als Baskir in »Lalla Roukh« von F. David (1862), als Lambro in »Lara« von Maillart (1864) und als Capitain Parole in »Le Saphir« (1865), wiederum einem Werk von F. David. Im Laufe des Jahres 1865 machten sich Zeichen einer schweren, unheilbaren Krankheit bei ihm bemerkbar, der er dann im Juli 1865 in Inchy bei Arras (Departement Pas-de-Calais) erlag, noch bevor seine Karriere auf ihrem Höhepunkt angelangt war. Von seinen weiteren Bühnenrollen sind der Dorimont in »La fausse Magie« von Grétry, der Max in »Le Chalet« von A. Adam, der Michel in »Le Caïd« von A. Thomas und der Pygmalion in »Galathée« von V. Massé zu nennen.

 

7.7. Harry FRIEDAUER: 90. Geburtstag

Harry FRIEDAUER

Er nahm als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil und erlitt eine schwere Verwundung. Er erhielt seine Ausbildung in Karlsruhe und war seit 1951 als Schauspieler am dortigen Staatstheater engagiert. 1952 wechselte er zur Operette und hatte in den Jahren 1953-78 eine sehr erfolgreiche Karriere am Theater am Gärtnerplatz in München wie auch bei Gastspielen. Er glänzte vor allem in Buffo-Rollen wie dem Bobinet in »Pariser Leben« von Offenbach, dem Merkur in »Orpheus in der Unterwelt« vom gleichen Komponisten, dem Armand in F. Lehárs  »Der Graf von Luxemburg«, dem Gustl im »Land des Lächelns«, dem Orlofsky in der »Fledermaus«, dem Koloman Zsupan in »Gräfin Mariza« von Kálmán, dem Iwan im »Zarewitsch« von Lehár, dem Seppl in »Maske in Blau« von Fred Raymond, dem Arpád in N. Dostals »Die ungarische Hochzeit«, um nur einige Höhepunkte aus seinem reichhaltigen Repertoire zu nennen. Er zeichnete sich neben seiner temperamentvollen Darstellung auf der Bühne auch als hervorragender Tänzer aus, dessen akrobatische Darbietungen umso erstaunlicher waren, als er unter den Folgen einer schweren Kriegsverletzung litt. In den fünfziger Jahren wurde er vor allem durch Radio- und Fernsehsendungen bekannt, nicht zuletzt auch durch sein Auftreten im Film. Er starb 1985 in Marzling (Landkreis Freising) an den Folgen eines Autounfalls, den er während eines Spaziergangs erlitt.

Schallplatten: Zahlreiche Aufnahmen, zumeist Operetten-Querschnitte auf Eurodisc (»Glückliche Reise« von E. Künnecke), Decca (»Friederike« von F. Lehár), Ariola (»Das Land des Lächelns«, »Viktoria und ihr Husar« von P. Abraham), auch auf HMV-Electrola vertreten.

 

7.7. Elda DI VEROLI: 125. Geburtstag

Elda Di Veroli

 Sie war Schülerin der Pädagogin Elvira Ceresoli-Salvatori in Rom und debütierte 1919 am Teatro Traiano von Civitavecchia als Gilda im »Rigoletto«. Noch im gleichen Jahr 1919 sang sie am Teatro Costanzi in Rom die Norina im »Don Pasquale«. Sie war dann oft am Teatro San Carlo in Neapel anzutreffen, wo sie 1921 die Rosina im »Barbier von Sevilla« sang. 1922 und 1925 trat sie am Teatro Costanzi in Rom als Gilda auf, 1923 gastierte sie am Teatro Carlo Felice von Genua. In der Saison 1922-23 war sie bei der Italienischen Oper in Holland engagiert. 1924 hatte sie, wiederum als Gilda, große Erfolge am Teatro Carcano in Mailand. 1929 gab sie ein längeres Gastspiel am Teatro Donizetti in Bergamo. Weitere Gastspiele an den Opernhäusern von Bologna, Triest, Verona und Padua; sie bereiste die Schweiz, Spanien und Portugal sowie Polen und trat an der Oper von Nizza, am Teatro Liceu Barcelona und in Portugal am Teatro Sao João Porto auf. 1926 gastierte sie sehr erfolgreich als Gilda an der Grand Opéra Paris. In der Saison 1936-37 kam ihre Bühnenkarriere zum Abschluss. Als Jüdin wurde sie in Italien während der Jahre des Zweiten Weltkrieges zunehmend verfolgt und musste 1943-44 ein gefährliches Leben im Untergrund führen. Nach Kriegsende trat sie 1945 nochmals in einem Konzer
t im italienischen Rundfunk RAI auf. Sie starb 1981 in Rom. Sie war eine Schwester des Komponisten und Dirigenten Manlio di Veroli.

Ihr Koloratursopran ist durch Columbia-Aufnahmen (1928) überliefert.

 

8.7. Sven Erik VIKSTRÖM: 90. Geburtstag

Sven-Erik_Vikstrom-als Orpheus in der Unterwelt mit Elisabeth_Soderstrom als Eurydike
Als Orpheus in der Unterwelt mit Elisabeth Söderström

Er erlernte zunächst den Beruf eines Kürschners, kam aber 1950 in die Opernklasse der Stockholmer Musikakademie und wurde Schüler von Stina Rappe-Lunner und Dagmar Gustafson. 1951-52 sang er als erster Tenor in dem Männerquartett Synkopen. Bühnendebüt 1955 als Titelheld in »Orpheus in der Unterwelt« von Offenbach an der Stockholmer Oper, deren Mitglied er seitdem blieb. Er gastierte am Rikstheater Stockholm und an der Oper von Oslo. Seit 1968 trat er fast alljährlich bei den Festspielen von Drottningholm auf. Er war ein hoch geschätzter Oratoriensolist und wurde durch Sendungen des schwedischen Fernsehens, in denen er auftrat, bekannt. Auch als Filmsänger in Erscheinung getreten. Aus der großen Zahl der Partien, die er auf der Opernbühne sang, seien der Idamante in Mozarts »Idomeneo«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Herzog im »Rigoletto«, der Bardolfo in Verdis »Falstaff«, der Missail im »Boris Godunow« und der Mr. Triquet im »Eugen Onegin« erwähnt, hinzu kam eine Vielzahl von Operettenpartien. 1957 sang er an der Stockholmer Oper in der Premiere von Alban Bergs »Wozzeck« den Hauptmann, am 31.5.1959 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Aniara« von Blomdahl, am 2.9.1965 in der von »Herr von Hancken« vom gleichen Komponisten mit, am 3.4.1968 in der von »Drottningen av Golconda« von F.A. Berwald, 1971 am Rotunda Teater Stockholm in der Uraufführung von »Experiment X« von Bengt Hambraeus. Er starb 2002 in St. Johannes bei Stockholm.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf den schwedischen Marken Interdisc, Swedish Society (4. Sinfonie von H. Alfvén), Lisna, Rex, Caprice (Arien aus schwedischen Opern) und auf amerikan. Columbia (»Aniara« von Blomdahl).

 

8.7. Emmerich SMOLA: 95. Geburtstag

Er studierte bereist mit 12 Jahren am Prager Konservatorium. 1946 begann er seine Karriere als Kontrabassist beim unter der französischen Militärregierung neu gegründeten Funkorchesters Kaiserslautern, dessen Chefdirigent er 1948 wurde. Nach dessen Fusion mit dem Unterhaltungsorchester Koblenz 1951 im Rahmen einer Senderumstrukturierung war er bis 1987 Chefdirigent des Rundfunkorchesters Kaiserslautern des Südwestfunks, daneben Abteilungsleiter für Musik und Leiter des Studios Kaiserslautern des Südwestfunks. Nach Angaben des SWR dürfte Smola den Weltrekord halten, was Anzahl und Bandbreite der von ihm eingespielten Musik angeht: über 18.000 verschiedene Titel finden sich im Archiv des SWR – von der Barockmusik zur Neuen Musik, von Oper und Operette bis zu Jazz und Musical. Er starb 2011 in Kaiserlautern. Nach ihm benannt ist die Emmerich-Smola-Musikschule der Stadt Kaiserslautern, die Emmerich-Smola-Musikhalle in Kaiserslautern, der Emmerich-Smola-Platz in Kaiserslautern und ein Emmerich-Smola-Preis zur Förderung von Nachwuchsmusikern.

 

9.7. Karl DIETRICH: 90. Geburtstag

Er entstammte einer Familie auf dem katholischen Eichsfeld. Nach dem Abitur 1947 ging er zum Studium nach Jena und später nach Weimar, wo er ab 1954 als Dozent für Musiktheorie und Gehörbildung, ab 1984 als Professor für Komposition und Tonsatz lehrte. 1998 war er Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Komponistenverband. Er starb 2014 in Weimar. Sein Grab befindet sich auf dem Weimarer Hauptfriedhof. Seit 2007 war er Ehrenbürger seines Geburtsortes.

In seinem musikalischen Schaffen war Karl Dietrich der Neuen Musik verpflichtet, die er nicht selten für Kompositionen mit christlichen Stoffen nutzte. Sein Werk umfasst Kammermusik, mehrere Liederzyklen, Kirchenmusik, Konzerte, acht Sinfonien, darunter die 1982 uraufgeführte 4. Sinfonie „contra bellum“ („Gegen den Krieg“) nach dem c.f. des lutherischen Renaissance-Komponisten Balthasar Resinarius „Verleih uns Frieden, gnädiglich“ (Schallplatte 1985, SSO Gotha, MD Seyfarth). Karl Dietrichs 5. Sinfonie „Die Weimarische“ nach dem Gedicht „Die Größe der Welt“ von Friedrich Schiller stand 1984/85 im Widerspruch zur sozialistischen Kulturtheorie. Es wurde als „dekadent“ beurteilt und durfte erst nach der Wende uraufgeführt werden, was 2004 in Form des Abschlusskonzertes der 5. Weimarer Frühjahrstage für zeitgenössische Musik geschah (Staatskapelle Weimar, Peter Hirsch). Karl Dietrich schrieb auch zwei Opern: „Die Wette des Serapion“, Komische Oper in 4 Szenen und 3 utopischen Intermezzi, Libretto: Heidemarie Stahl, UA 1984 Gera, und „Pervonte oder Die Wünsche“, Oper nach dem gleichnamigen Gedicht von Christoph Martin Wieland, welches wiederum auf eine Märchenerzählung von Giambattista Basile von 1634 zurück geht; Libretto: Heidemarie Stahl, UA 1989 Stralsund, 1990 Kiel, erschienen im Bärenreiterverlag Kassel. Seine „Rupert Mayer-Reflexionen für Orgel“ wurden im Juni 2016 bei einer Audienz Papst Franziskus übergeben, damit das Werk bei einer eventuellen Heiligsprechung Mayers im Vatikan aufgeführt werden könnte. Das Werk ehrt den 1987 für seinen Widerstand gegen die NS-Herrschaft seliggesprochenen Jesuiten-Priester.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.karldietrich.de/

 

9.7. Clara Louise KELLOGG: 175. Geburtstag

Clara Louise KELLOGG

 Sie studierte in New York bei Émile Millet, Mariano Manzocchi und Emanuele Muzio. Sie debütierte an der Academy of Music New York 1860 als Gilda im »Rigoletto« und war während drei Spielzeiten bei der Operngesellschaft von Maurice Grau engagiert, wo sie als Linda di Chamounix, dann aber besonders am 26.11.1863 als Marguerite in der New Yorker Premiere von Gounods »Faust« große Erfolge erzielte. 1867 trat sie als Gast am Her Majesty’s Theatre in London auf. Sie erregte hier als Traviata, als Linda di Chamounix in der Oper gleichen Namens von Donizetti, als Zerline im »Don Giovanni« und als Martha in der bekannten Oper von Flotow großes Aufsehen. Der Komponist Luigi Arditi schrieb für sie den »Kellogg-Walzer«, eine Koloratur-Bravourarie, die sie im Finale der Oper »Linda di Chamounix« als Einlage vortrug. 1868-72 unternahm sie ausgedehnte Tourneen in den USA. 1872 war sie dann wieder in London als Gast zu hören. 1872 gründete sie zusammen mit der großen Primadonna Pauline Lucca die Kellogg-Lucca Opera Company, die aber nur vorübergehend Bestand hatte. 1873-76 war sie Direktorin der English Opera Company, mit der sie große Gastspiel-Tourneen durch den nordamerikanischen Kontinent unternahm. Diese Truppe entfaltete eine derartige Aktivität, dass sie während einer Stagione 125 Aufführungen veranstaltete, in denen auch Clara Louis Kellogg immer wieder als Sängerin auftrat. Insgesamt trug sie auf der Bühne 40 große Opernpartien vor; als eine ihrer Glanzrollen galt die Aida, die sie 1877 während ihrer USA-Tournee mit der Tre Grazie-Company unter Carl Rosa, 1879 auch in Montreal und Toronto, sang. 1879 erschien sie nochmals am Her Majesty’s Theatre in London, jetzt vor allem als Aida und als Philine in der Oper »Mignon« von A. Thomas bewundert. 1880 gastierte sie an der Wiener Hofoper (als Leonore im »Troubadou
r« und als Philine), 1881 an der Hofoper von St. Petersburg. Nach 1881 trat sie hauptsächlich im Konzertsaal auf. 1887 nahm sie von der Bühne Abschied, nachdem sie ihren Manager Carl Strakosch, einen Neffen des Impresarios Max Strakosch (1834-92), geheiratet hatte. Auch danach war sie noch in ihrer amerikanischen Heimat organisatorisch auf dem Gebiet der Oper tätig. Sie starb 1916 in Elpstone bei Hartford (Connecticut).

Lit: H.P. Spofford: Clara Louise Kellogg, Our Famous Woman (Hartford, Conn., 1884);  S.L. Kellogg: »Memoirs of an American Prima Donna« (New York, 1913 mit interessanten Mitteilungen über zeitgenössische Sängerinnen wie Adelina Patti und Lillian Nordica).

 

10.7. Maureen GUY: 85. Geburtstag

Maureen GUY

Sie wurde in einem kleinen Dorf in Wales westlich von Swansea als jüngstes von sechs Kindern eines walisischen Bergarbeiters geboren. Sie wuchs mit Kirchenmusik, die in der nahegelegenen Bethel Chapel zur Aufführung gebracht wurde, auf. Sie besuchte die Schule im Nachbarort Gowerton. Im Alter von 18 Jahren gewann sie ein Stipendium der Grafschaft Glamorgan, mit dem sie in London Musik studieren konnte. Sie besuchte die Guildhall School of Music and Drama. 1955 war sie Finalistin bei den Kathleen Ferrier Awards. Ihr Debüt als Opernsängerin gab sie an der Sadler’s Wells Opera in London als Dryade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1957 gab sie ein Recital in der Londoner Wigmore Hall, wo sie Arien von Georg Friedrich Händel und Gaetano Donizetti sang. Sie erhielt hierfür hervorragende Kritiken, in denen vor allem die technische Sicherheit ihres Kontra-Alts hervorgehoben wurde. In den frühen 1960er Jahren war Maureen Guy regelmäßig als Konzertsolistin in London zu hören. Sie trat u.a. mit den London Mozart Players unter Harry Blech und dem Philharmonia Orchestra London unter Otto Klemperer auf. Außerdem sang sie an der Sadler’s Wells Opera die Olga in »Eugen Onegin«. Sie bekam durchgehend positive Kritiken, obwohl sie häufig zunächst auf der Opernbühne nur Nebenrollen sang. 1963 wurde sie als Erste Mezzosopranistin an das Royal Opera House Covent Garden verpflichtet. Sie trat dort u.a. in Hans Hotters Inszenierung von Richard Wagners »Götterdämmerung« auf, als Flosshilde neben Rita Hunter und Birgit Nilsson unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti, außerdem als Maddalena in »Rigoletto« unter Sir Edward Downes (neben Peter Glossop in der Titelrolle) und als Suzuki in »Madame Butterfly«. Bei der Amtseinführung von Prinz Charles als Prince of Wales auf Caernarfon Castle sang sie am 1. Juli 1969 bei einem Festkonzert mit dem BBC Welsh Orchestra, in dem insgesamt 15 walisische Künstler auftraten, an der Seite von Geraint Evans, Gwyneth Jones und Margaret Price. 1972 wurde sie für drei Spielzeiten Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. 1977 sang sie an der Welsh National Opera die alte Gräfin in der Oper »Pique Dame« unter dem Dirigenten David Lloyd-Jones. Maureen Guy trat an Opernhäusern in Frankreich, Spanien und Portugal auf; sie sang in Budapest, Israel, Neuseeland und unternahm eine Konzerttournee durch Australien. 1970 war sie die Alt-Solistin in einer Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie in Jerusalem, mit dem Israel Philharmonic Orchestra und dem Dirigenten Zubin Mehta. 1971 sang sie anlässlich des 80. Geburtstages von Igor Strawinsky unter der Leitung des Komponisten die Iokaste in einer Aufführung von dessen Oper »Oedipus Rex« im Theater des Herodes Atticus in Athen. In den 1960er und 1970er Jahren trat sie außerdem mehrfach bei den Proms-Konzerten auf. Sie sang 1963 im Proms-Konzert anlässlich des 150. Geburtstages von Richard Wagner unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti, 1968 im Gedenkkonzert für Sir Malcolm Sargent unter Leitung von Sir Colin Davis bei der First Night of the Proms und 1976 die Alt-Partie bei der alljährlichen Aufführung von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Nach Beendigung ihrer Gesangskarriere war sie bis 1998 als Gesangsprofessorin am Welsh College of Music and Drama tätig; danach erteilte sie bis wenige Wochen vor ihrem Tod privaten Gesangsunterricht. Sie starb 2015 in Haverfordwest (Pembrokeshire, Wales). Sie war mit dem britischen Tenor John Mitchinson (* 1932) verheiratet. Die Ehe wurde am 8. Mai 1958 in der Kirche von Guys Heimatort Penclawdd in Glamorganshire geschlossen. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor. Guy und Mitchinson hatten sich bei einer Aufführung von »Elijah« in Wales kennengelernt. Guy sang auf der Opernbühne schwerpunktmäßig die dramatischen Partien für Mezzosopran und Alt. Zu ihren Rollen gehörten u.a. die Titelpartie in Glucks »Orfeo ed Euridice«, Azucena im »Troubadour«, Prinzessin Eboli in Verdis »Don Carlos«, Amneris in »Aida«, Adriano in Wagners »Rienzi«, Fricka und Erda im Nibelungenring, Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns und, als Charakterpartie, Mrs. Sedley in »Peter Grimes« von B. Britten.

Es liegen nur wenige kommerzielle, offizielle Tondokumente von Maureen Guy vor. 1963 sang sie in Wien in Sir Georg Soltis legendärer Decca-Einspielung von Wagners »Der Ring des Nibelungen« die Rolle der Flosshilde in der »Götterdämmerung«. Die Rolle der Maddalena in »Rigoletto« ist in einer Privataufnahme aus der Sadler’s Wells Opera, sowie in einem »Rigoletto«-Querschnitt bei HMV erhalten. In einer Live-Aufnahme von 1961 aus der Covent Garden Oper London sang sie unter der musikalischen Leitung von Sir Georg Solti die Partie der Grimgerde in »Die Walküre«. In einem Konzert-Livemitschnitt der BBC von 1978 singt Guy Arien aus Opern von Christoph Willibald Gluck, Camille Saint-Saëns und Giuseppe Verdi.

 

10.7. Gerd NIENSTEDT: 85. Geburtstag

Gerd Nienstedt als Kothner in Bayreuth
Als Kothner in Bayreuth

Studium bei Otto Köhler in Hannover. 1954 fand sein Bühnendebüt am Stadttheater von Bremerhaven als König Heinrich im »Lohengrin« statt. Er sang dann nacheinander am Stadttheater von Gelsenkirchen (1955-59), am Staatstheater von Wiesbaden (1959-61), an den Opernhäusern von Köln (1961-72) und Frankfurt a.M. In Köln wirkte er in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von Bernd-Alois Zimmermann mit (15.2.1965). Als großer Wagnerinterpret erwies er sich bei den Festspielen von Bayreuth, wo er seit 1962 alljährlich bis 1976 zu hören war, im Einzelnen 1962-66 als einer der Gralsritter im »Parsifal«, 1962 und 1964 als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser«, 1963-64 als Konrad Nachtigall in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1965-67 als Biterolf im »Tannhäuser«, 1965-75 als Donner im »Rheingold«, 1966 als Steuermann in »Tristan und Isolde«, 1967 als Hunding in der »Walküre«, 1967-73 als Klingsor im »Parsifal«, 1968-70 sowie 1973-76 als Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1968 als Fafner im »Siegfried«, 1972 als Heerrufer im »Lohengrin« und 1973-74 als Gunther in der »Götterdämmerung«. 1965 wurde er an die Wiener Staatsoper berufen, der er bis 1973 als Mitglied angehörte. Hier sang er in insgesamt 184 Vorstellungen den König Heinrich wie den Heerrufer im »Lohengrin«, den Pogner wie den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Sarastro wie den Sprecher in der »Zauberflöte«, den 1. Nazarener wie den Jochanaan in »Salome« von R. Strauss, den Donner, den Minister im »Fidelio«, den Orest in »Elektra« von R. Strauss, den Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«, den Landgrafen im »Tannhäuser«, den Hermann in »Dantons Tod« von G. von Einem, den Morone im »Palestrina« von H. Pfitzner, den Klingsor, den Tierbändiger wie den Theaterdirektor in »Lulu« von A. Berg, den Hagen in der »Götterdämmerung«, den Montero
ne im »Rigoletto«, den Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«, den Komtur im »Don Giovanni«, den Albert K. in »Der Prozess« von G. von Einem, den Lehrer im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem und den Ephraimit in »Moses und Aron« von A. Schönberg. Gastspiele führten den Künstler in die großen Musikmetropolen in Europa wie in Übersee. So gastierte er an der Mailänder Scala (1971 als Klingsor und in der Titelrolle von A. Bergs »Wozzeck« sowie 1979 bei einem Gastspiel der Pariser Oper als Tierbändiger und als Athlet in A. Bergs »Lulu«), an der Deutschen Oper Berlin, an der Oper von Rom, bei den Salzburger Osterfestspielen (1977 in Bachs Matthäuspassion) und am Teatro Colón von Buenos Aires. Gastspiele auch an den Opern von Genf (1971 als König Heinrich und 1979 als Kothner) und Zürich, von Chicago und Montreal, am Théâtre de la Monnaie Brüssel und in San Francisco (1970 als Jochanaan). Am 24.2.1979 wirkte er an der Grand Opéra Paris in der Uraufführung der von Fr. Cerha vervollständigten dreiaktigen Version von A. Bergs Oper »Lulu« mit (in den Partien des Tierbändigers und des Athleten). Große Erfolge hatte er dazu als Konzertsänger. 1973 ging er als Inspizient und persönlicher Referent des Intendanten an das Stadttheater von Bielefeld, dann Intendant des Städtebundtheaters in Hof (Bayern); 1985-87 Intendant des Landestheaters Detmold. Er trat in einem sehr umfangreichen Bühnenrepertoire auf: als Masetto im »Don Giovanni«, als Rocco im »Fidelio«, als Kaspar im »Freischütz«, als Zaccaria in Verdis »Nabucco«, als Iwan Chowanski in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, als Gurnemanz im »Parsifal«, als Falstaff von Verdi, als Gianni Schicchi in der Oper gleichen Namens von Puccini und als Förster in Janáceks »Das schlaue Füchslein«. Noch 1979 sang er in Amsterdam den 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss. Er ging später einer Lehrtätigkeit am Konservatorium der Stadt Wien nach. Er starb 1993 in Wien nach einer Operation.

Seine voluminöse, dunkle Stimme ist auf Philips-Schallplatten zu hören. Hier sang er in den vollständigen Opern »Tannhäuser«, »Parsifal«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, »Die Walküre« und »Das Rheingold«, die bei den Bayreuther Festspielen aufgenommen wurden; weiter das Bass-Solo im Mozart-Requiem, das Solo in Gustav Mahlers »Das klagende Lied«; dazu auf der kleinen Marke Karussell volkstümliche Lieder, auf BASF Lieder von Grieg, auf Wergo (»Die Soldaten« von B.A. Zimmermann), auf HMV-Electrola in der vollständigen Oper »Salome« von R. Strauss und auf Gala den Piratenkönig in »Die Piraten« von A. Sullivan.

 

10.7. Werner FAULHABER: 90. Geburtstag

Werner Faulhammer als Donner in Bayreuth
Als „Donner“ im Rheingold.

Nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg wurde er durch den Bassisten Kurt Böhme entdeckt und studierte bei Robert Büssel und Walter Krone sowie an der Musikhochschule von Dresden. 1948 debütierte er an der Staatsoper von Dresden als Dr. Cajus in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. 1950 erregte er in Dresden Aufsehen, als er ohne eine einzige Orchesterprobe den Don Pizarro im »Fidelio« und den Jago in Verdis »Otello« sang. Bei den Festspielen von Bayreuth sang er 1951-52 einen der Gralsritter im »Parsifal« und den Donner im »Rheingold«, 1951 den Nachtwächter und 1952 den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1952 auch den Steuermann in »Tristan und Isolde«. Es folgten Gastspiele an der Komischen Oper Berlin sowie am Teatro San Carlo von Neapel und am Teatro Liceu von Barcelona. Ab 1952 war er an der Wiener Staatsoper engagiert, an der er in insgesamt 25 Vorstellungen den  Mesner in »Tosca«, den Leporello im »Don Giovanni«, den Biterolf im »Tanhäuser«, den Nikititsch im »Boris Godunow«, den Figaro in »Figaros Hochzeit«, den Lodovico in Verdis »Otello«, den Schlemihl in »Hoffmanns Erzählungen«, den Don Pizarro,  den 1. Nazarener in »Salome« von R. Strauss, den Mandarin in Puccinis »Turandot«, den Kothner, den König in »Aida«, den Schaunard in »La Bohème«, den Bonze in »Madame Butterfly« und den Kaspar im »Freischütz« sang. Noch bevor seine Karriere ihren Höhepunkt erreicht hatte, stürzte der Künstler 1953 während eines Italienurlaubs an der Steilküste von Portofino einen Felsen hinab und wurde tödlich verletzt.

Die schön gebildete Bass-Baritonstimme des Künstlers ist uns auf Eterna sowie auf Decca (kleine Partien in »Die Meistersinger von Nürnberg« und im »Parsifal« aus Bayreuth, 1951) erhalten. Auf Melodram singt er den Donner im »Rheingold« (Bayreuth, 1952), auf Cetra Opera Live den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg« (1952); Übernahme einer Rundfunkaufnahme des »Freischütz« auf BASF.

 

10.7. Johann REINHARD: 150. Geburtstag

 Sein eigentlicher Name war Johan Reindert (R.) Schultze. Unter diesem Namen debütierte er 1896 beim Amsterdamer Wagner-Verein als Kunz Vogelgesang in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1899-1900 war er bei der Nederlandse Opera von van der Linden engagiert. 1901-02 war er dann am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg, 1902-04 am Stadttheater von Stralsund, 1904-05 am Nationaltheater Berlin, 1905-09 an der Wiener Volksoper tätig. In den Jahren 1909-11 sang er am Opernhaus von Riga, schließlich 1911-12 an der Komischen Oper Berlin. Seine Opernkarriere im Ausland erfolgte unter dem Pseudonym Johann Reinhard. In Wien war er auch in klassischen Operetten, so in einer glänzenden Inszenierung von Johann Strauß »`Der Zigeunerbaron« zu hören. Während seiner Karriere im Ausland trat er aber noch gastweise in seiner Heimat Holland auf, so 1900-02 in Amsterdam als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, als Tamino in der »Zauberflöte«, als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, als Gérald in »Lakmé« von Delibes, als Manrico im »Troubadour« und als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut« sowie am 9.1.1903 als Jean in der Uraufführung der Oper »Het Eerekruis« von Cornelis Dopper. Er gastierte auch bei De Nieuwe Nederlandse Opera Amsterdam und 1907 an der Nederlandse Opera im Amsterdamer Rembrandt-Theater. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, kam er 1914 wieder endgültig nach Holland zurück, wo er zuerst bei De Nederlandse Opera en Operette, dann bei den zu dieser Zeit in Holland zahlreich entstehenden (und zumeist kurzlebigen) Operngesellschaften sang, u.a. 1915 bei der Opernkompanie von Kopman, 1916-19 bei De Nederlandse Opera, 1919-23 bei De Nederlandse Nationale Opera, 1923-24 bei der »Gast«-Opera (Leitung Cornelis Bronsgeest), 1923-24 auch bei der Volks-Opera von Chris de Vos und D. Pauwels. Er sang hier, auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehend, u.a. den Gennaro in »I Gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari, den Faust von Gounod, den Don José in »Carmen«, den Radames in »Aida«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Canio im »Bajazzo«, den Ktesiphar in Korngolds »Die toten Augen« (in der holländischen Erstaufführung der Oper 1920 in Amsterdam), den Leopold in »La Juive« von Halévy, insgesamt ein sehr umfangreiches Repertoire. 1924-28 war er bei der Gesellschaft Co-opera-tie in Den Haag engagiert, mit der er in Paris (1926 Grand Opéra) und Nizza gastierte und dabei den Mime im »Siegfried« mit dem berühmten Tenor Jacques Urlus in der Titelpartie sang. Seine Rollen bei der Gesellschaft Co-opera-tie waren mehr im Buffo- und Charakterfach beheimatet: der Nando in »Tiefland« von E. d’Albert, der Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, der Jaquino im »Fidelio«, der Steuermann in »Der fliegende Holländer«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Monostatos in der »Zauberflöte« und der Hirt in »Tristan und Isolde«. Bekannt wurde er auch als Kon
zertsänger, vor allem als Solist im holländischen Rundfunk. Hier sang er 1929 als Abschiedsrolle den Remendado in »Carmen«. Nach dem Rücktritt aus seiner Bühnenlaufbahn besaß er in Amsterdam ein Zigarrengeschäft. Er starb 1943 in Apeldoorn (Holland). –  Zu Beginn seiner Karriere trat er oft zusammen mit einer Sopranistin Helena Schlutze-Färber (vielleicht seine Ehefrau) auf, die in mittleren und kleineren Rollen 1897-1901 an der Nederlandse Oper von van der Linden, 1901-03 am Amsterdams Lyrisch Toneel, 1903 an De Nieuwe Nederlandse Opera in Amsterdam erscheint, u.a. als Sandmännchen in »Hänsel und Gretel«, als Frédéric in »Mignon« von A. Thomas, als Ines im »Troubadour«, als Annina in »La Traviata« und als Siebel im »Faust« von Gounod. – Seit seiner Rückkehr nach Holland sang er wieder unter seinem eigentlichen Namen Johann R. Schultze.

Unter diesem Namen erschienen Aufnahmen auf der Marke Jumbo; zuvor jedoch sang er während der Wiener Zeit als Johann Reinhard auf Odeon (Wien, um 1909), Pathé und Zonophone.

 10.7. Joseph Francis DUGGAN (britischer Komponist): 200. Geburtstag

 11.7. Giorgio Federico GHEDINI: 125. Geburtstag

Er studierte Orgel, Klavier und Violoncello am Liceo musicale in Turin. 1911 legte er seine Diplomprüfung in Komposition am Konservatorium Bologna bei Marco Enrico Bossi ab. Nach Tätigkeiten als Chor- und Orchesterdirigent verlagerte sich sein Schwerpunkt auf Komposition und Lehre. 1918-37 war er am Liceo musicale in Turin tätig, 1937-41 als Kompositionslehrer am Konservatorium Parma und seit 1941 am Konservatorium Mailand, dem er 1951-62 als Direktor vorstand. 1963 wurde er mit einem Antonio-Feltrinelli-Preis ausgezeichnet. Zu Ghedinis Schülern zählten Marcello und Claudio Abbado, Luciano Berio, Niccolò Castiglioni, Fiorenzo Carpi und Carlo Pinelli. Ghedini starb 1965 in Nervi.

Ghedinis Musik stand anfänglich unter dem Einfluss von Ravel und seines italienischen Zeitgenossen Pizzetti. Eine intensive Beschäftigung mit der Musik des 17. und frühen 18. Jahrhunderts (insbesondere Monteverdi, Gabrieli, Frescobaldi und Vivaldi) schlug sich dann zunehmend in seinen eigenen Werken nieder, in denen er eine Verbindung zwischen Musik der Gegenwart und Vergangenheit herzustellen suchte. Dies führte insbesondere ab den 1930er-Jahren zu einem schwer einzuordnenden polyphonen, vorwiegend lyrisch-kantablen Personalstil, der sich dabei durchaus harmonischer Mittel des 20. Jahrhunderts bedient.

Ghedinis Werkverzeichnis umfasst neben Opern und Bühnenmusiken eine Sinfonie, Orchesterwerke und Solokonzerte in verschiedener (oft kleiner) Besetzung, Kammermusik, Lieder und Geistliche Werke. Das dem Albatros gewidmete «Concerto dell’Albatro» (1945) gilt als eines von Ghedinis herausragenden Werken. In der Verbindung linearer, karg wirkender musikalischer Linien mit rezitierten Passagen aus Herman Melvilles «Moby Dick» evozieren die Instrumentalteile den Eindruck des Eismeeres, und durch zarte Dialoge von Orchesterklavier und Streichern sowie punktuell eingesetzte Bläser eine unheilschwangere Atmosphäre.

 

12.7. Mario BASIOLA: 125. Geburtstag

Mario Basiola as Gerard

 Studium bei Antonio Cotogni in Rom. Er hatte nach seinem Bühnendebüt 1919 am Theater von Viterbo (als Alfonso in »La Favorita« von Donizetti) seine ersten Erfolge am Teatro Comunale Florenz. 1920 Gastspiel am Teatro Liceu in Barcelona, wo er in der Uraufführung der Oper »Il Monaco nero« von Cassado mitwirkte; 1921 gastierte er am Teatro della Pergola Florenz als Rigoletto. 1923-25 erster Bariton bei der San Carlo Opera Company, mit der er Nordamerika bereiste. 1925-32 Mitglied der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Amonasro in Verdis »Aida«). Hier sang er in insgesamt 272 Vorstellungen alle großen italienischen Bariton-Partien alternierend mit Titta Ruffo, Giuseppe de Luca und Giuseppe Danise, übernahm aber auch Partien aus der französischen Opernliteratur: den Sharpless in »Madame Butterfly«, den Grafen Luna im »Troubadour«, den Alfio in »Cavalleria rusticana«, den Valentin im »Faust« von Gounod, den Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli, den Rigoletto, den Rafaele in »I Gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari, den Tonio im »Bajazzo«, den Cinna in Spontinis »La Vestale«, den Gerard in »Andrea Chénier« von Giordano, den Enrico in »Lucia di Lammermoor«, den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Germont-père in »La Traviata«, den Carlo in »La Forza del Destino«, den Ping in Puccinis »Turandot«, den Escamillo in »Carmen«, den Nelsuko in Meyerbeers »Die Afrikanerin«, den Don Carlo in Verdis »Ernani«, den Bischof in der amerikanischen Erstaufführung von Pizzettis »Fra Gherardo« (1929), den Lescaut in Massenets »Manon«, den Marcello in »La Bohème«, den Nickelmann in Respighis »La campana sommersa«, den venezianischen Gast in der amerikanischen Erstaufführung von Rimsky-Korssakows »Sadko« (1930), den Dapertutto in »Hoffmanns Erzählungen«, den Belcore in »L’Elisir d‘amore«, den Jodelet in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Le preziose ridicole« (1930) von Felice Lattuada und den Pedrito in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »La Notte di Zoraima« von Montemezzi (als Partner von Rosa Ponselle, 1931). Er gastierte 1924-31 alljährlich an der Sommer-Oper von Ravinia bei Chicago, 1926 an der Oper von Havanna. 1932 kündigte er seinen Vertrag mit der Metropolitan Oper, als deren Direktion die Gagen der Sänger kürzte. 1933 kehrte er nach Italien zurück und sang dann während 15 Spielzeiten an der Mailänder Scala, aber auch an der Oper von Rom (u.a. 1935 in »Il Pirata« von Bellini) und an anderen großen Bühnen. 1935 trat er als Gast an der Wiener Staatsoper (als Rigoletto), 1938 am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, 1935-36 am Teatro Comunale Bologna (u.a. als Posa im »Don Carlos« von Verdi), 1933 beim Maggio Musicale Fiorentino als Riccardo in »I Puritani«, 1937 als Vater Miller in Verdis »Luisa Miller« auf. 1939 sensationelle Erfolge an der Londoner Covent Garden Oper als Jago im »Otello« und als Scarpia in »Tosca«. Während der Jahre des Zweiten Weltkrieges trat er in Italien auf und gastierte an deutschen Bühnen. 1946 Tournee mit einer italienischen Operntruppe durch Australien; er blieb darauf bis 1951 als Gesanglehrer in Sydney, später lebet er wieder in Mailand und war dort als Pädagoge tätig; einer seiner Schüler war der Bariton Aldo Protti. Mario Basiola starb 1965 in Annico bei Cremona. – Sein Sohn Mario Basiola jr. (1935-96) hatte wie sein Vater eine bedeutende Karriere als Bariton.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen auf Edison, Columbia und HMV. Sang in vollständigen Aufnahmen der Opern »Bajazzo« und »Madame Butterfly« als Partner von Benjamino Gigli. Auf Legato in vollständiger Aufnahme von Verdis »Troubadour« zu hören.

 

13.7. Stanislaw NIEDZIELSKI: 175. Geburtstag

 Er studierte Gesang und Musik in Warschau und debütierte 1861 dort in der Oper »Szlachte czyshzowa« von F. Blotnicki. Dann ging er zur weiteren Ausbildung nach Wien. Er sang anschließend am Theater von Graz, kam aber 1866 nach Polen zurück und debütierte an der Oper von Krakau als Janusz in »Halka« von Moniuszko. Bis 1886 hatte er an diesem Haus, das er 1875-86 als Direktor leitete, eine große Karriere, wobei er auf der Bühne namentlich als Valentin im »Faust« von Gounod und als Nevers in den »Hugenotten« von Meyerbeer erfolgreich war. Dann ging er als Pädagoge nach Warschau; dort ist er noch gelegentlich im Konzertsaal aufgetreten. In seiner polnischen Heimat wurde er als Komponist volkstümlicher Lieder bekannt, von denen einige allgemein verbreitet waren. Er starb 1895 in Warschau.

 

13.7. Eliza
beth Taylor GREENFIELD: 200. Geburtstag

Elizabeth_Taylor_Greenfield

 Sie wurde als Kind einer Sklavenfamilie geboren, dann aber von einer wohlhabenden Quäkerwitwe Elizabeth Holiday Greenfield (deren Namen sie annahm) in Philadelphia frei gekauft und adoptiert. Diese ließ ihr eine gute Erziehung zukommen, wobei sich bald ein erstaunliches musikalisches Talent zeigte. Sie lernte Gitarre-, Harfen- und Klavierspiel und begleitete sich später auch auf diesen Instrumenten. In erster Linie war sie jedoch als Sängerin begabt. Nach dem Tod ihrer Adoptivmutter kam sie nach Buffalo; sie gab bereits 1851 ein Konzert im »North Star« in Buffalo. Im Dezember des gleichen Jahres erregte sie bei einem Konzert in Rochester großes Aufsehen, bei dem sie Arien von Händel, Bellini, Donizetti und Lieder von Bishop zum Vortrag brachte. Dabei wurde sie von dem Pianisten Holson begleitet, der später auch als Begleiter der »schwedischen Nachtigall« Jenny Lind bekannt wurde. Als diese weltberühmte Künstlerin in den Jahren 1850-52 ihre großen Nordamerika-Tourneen unternahm, hinterließ deren Gesang bei Elizabeth Greenfield einen unvergesslichen Eindruck. Wie Jenny Lind ihre Konzerte meistens mit einigen schwedischen Volksliedern schloss, so wählte sie als Schluss ihrer Programme Lieder wie »Old Hundreth« oder »Old Folks at Home«, mit denen sie jedes Mal das Publikum begeisterte. Einen Höhepunkt in ihrer Karriere bezeichnete ein Konzert in der New Yorker Metropolitan Hall am 31.3.1853 vor 4000 Zuhörern. 1853-54 konnte sie mit Hilfe der Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe eine Kunstreise durch England unternehmen, die ebenfalls einen sehr erfolgreichen Verlauf nahm. Sie wurde auf dieser Tournee durch den berühmten Dirigenten und Pianisten Sir George Smart begleitet. Höhepunkt ihrer England-Reise war im Mai 1854 ein Konzert vor der englischen Königin Victoria. Die englische Presse zeigte sich von der Künstlerin, die eigentlich als erste Farbige eine internationale Sängerkarriere entwickeln konnte, in höchstem Maße begeistert. In den USA, wo man sie auch als »The black Swan« pries, gab sie 1855 Konzerte in Michigan, 1857 in Wisconsin, 1863 trat sie im kanadischen Montreal auf. Später lehrte sie in Philadelphia und bildete eine Anzahl von Schülerinnen, darunter Carrie Thomas, aus. Ihre Stimme wird als ein wahres Phänomen geschildert. Sie verfügte einerseits über die Tiefe eines fast männlich wirkenden Alts, reichte aber bis in höchste Sopranregionen; dazu schätzte man die Ausdruckskraft ihres Vortrages. Sie starb 1876 in Philadelphia.

 

14.7. Jan DERKSEN: 85. Geburtstag

Jan DERKSEN

Er verbrachte seine Jugend in Nymwegen. Nach seinem Militärdienst Ausbildung der Stimme bei Felix Hupka, Coby Riemersmaa, Heinrich Altmaa und anderen Pädagogen des Amsterdamer Konservatoriums. Er erregte erstes Aufsehen bei Konservatoriums-Aufführungen der Opern »Così fan tutte« und »Giulio Cesare« von Händel sowie bei Opernsendungen des holländischen Rundfunks. 1964 debütierte er sehr erfolgreich am Stadttheater von Bremerhaven in Verdis Oper »Attila«. Er gastierte 1965 am Stadttheater von Trier als Posa in Verdis »Don Carlos« und wurde dann für lange Zeit Mitglied des Staatstheaters Hannover. Seit etwa 1965 trat er ständig an der Niederländischen Oper Amsterdam in Erscheinung; man schätzte seine Interpretation der Baritonpartien aus dem Bereich der italienischen Oper wie auch seine Darstellung des Titelhelden in Alban Bergs »Wozzeck«. 1971 Gastspiele in Leningrad und Kiew, 1974 an der Wiener Staatsoper (als Posa). 1982 sang er in Amsterdam als erste Tenorpartie den Canio im »Bajazzo« er trat dann auch als Parsifal auf. Seine Karriere dauerte lange; er wirkte u.a. noch am 29.4.1994 an der Niederländischen Oper Amsterdam in der Uraufführung der Oper »Symposion« von Peter Schat mit. Er starb 2004 in Amsterdam.

Schallplatten: Gala (Graf Luna im »Troubadour«), Movieplay (Papageno in der »Zauberflöte« mit Fritz Wunderlich) HMV (Duette mit Cristina Deutekom), MRF (Szene aus »Rigoletto« zusammen mit Magda Olivero).

 

14.7. Patricia KERN: 90. Geburtstag

Patricia Kern

Ausbildung 1949-52 an der Guildhall School London, vor allem durch Parry Jones. Zum Abschluss gewann sie alle nur möglichen Preise ihrer Schulklasse. Debüt 1952 bei der Opera for All in »La Cenerentola« von Rossini. Danach sang sie bei der Welsh Opera Cardiff und in Dublin. 1959 kam sie an die Sadler’s Wells Opera London; hier hörte man sie u.a. als Angelina in »La Cenerentola«, als Jill-all-alone in »Merrie England« von Edward German, als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Orlofsky in der »Fledermaus«, als Dorabella in »Così fan tutte«, als Euridice in Glucks »Orfeo ed Euridice«, als Isabella in »L’Italiana in Algeri«, als Cherubino in »Le nozze di Figaro«, als Pippo in »La gazza ladra« von Rossini, als Bote in Monteverdis »L‘Orfeo«, aber auch in modernen Werken. So wirkte sie dort auch in der Uraufführung von »The Violins of St. Jacques« von Malcolm Williamson in der Partie der Josephine mit (1966). 1969 erfolgte ihr USA-Debüt an der Washington Opera. 1967-72 übernahm sie an der Covent Garden Oper London Rollen wie die Zerline im »Don Giovanni«, den Cherubino, die Suzuki in »Madame Butterfly« und die Mrs. Herring in »Albert Herring« von B. Britten. Bei der Scottish Opera Glasgow gastierte sie 1969-79 als Angelina, als Hermia in B. Brittens »A Midsummer Night’s Dream«, als Rosina, als Ottavia in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, als Lucretia in B. Brittens »The Rape of Lucretia« und als Mrs. Grove in Brittens »The Turn of the Screw«. Am 16.3.1974 wirkte sie hier in der Uraufführung der Oper »The Catiline Conspiracy« von Iain Hamilton in der Partie der Aurelia mit. Beim Edinburgh Festival wirkte sie am 27.8.1975 in der Uraufführung der Oper »Hermiston« von Robin Orr in der Partie der Kirstie mit. Beim Glyndebourne Festival hörte man sie 1984 als Fortuna in »L’Incoronazione di Poppea«, 1985-86 und 1990 als Mrs. Herring in »Albert Herring«. Weitere Gastspiele an der City Opera New York, an der Oper von Dallas, an der Chicago Opera (1987 als Marcellina in »Le nozze di Figaro«), an der Oper von Toronto und bei den Festspielen von Drottningholm (Ottone in »L’Incoronazione di Poppea«) und Spoleto (Isabella). Vor allem als Interpretin der Koloratur-Altpartien in den Opern von Rossini bekannt geworden. Konzertauftritte in Paris, Turin und Hongkong. Ab 1980 unterrichtete sie für mehr als 20 Jahre an der Universität von Toronto Gesang; zu ihren Schülern gehörten u.a. Russell Braun, Brett Polegato, James Westman und Gidon Saks. Sie starb 2015 in Toronto.

Schallplatten: Ariola-Eurodisc (»Anna Bolena«), HMV (»Manon« von Massenet, »Hoffmanns Erzählungen«), Philips (Kantate von Strawinsky, »Romeo und Julia« von Berlioz, »Dido and Aeneas« von Purcell); Castle-Video (»L‘Incoronazione di Poppea«).

 

14.7. Gérard SERKOYAN: 95. Geburtstag

Gerard Serkoyan als König Marke
Als König Marke

Sohn armenischer Eltern, die später nach Paris verzogen. Sein Vater wurde Kantor an einer armenischen Kirche der französischen Metropole; er sang dort bereits als Knabe im Kirchenchor. Ges
angstudium bei Paul Razavet. 1949 erfolgte sein Bühnendebüt an der Oper von Nizza in einer kleinen Rolle in »Boris Godunow«, seine erste große Partie war der Colline in »La Bohème«. Es schlossen sich Verpflichtungen an den Opernhäusern von Lyon (1950 als Sarastro in der »Zauberflöte«) und Nantes sowie an anderen französischen Provinzbühnen an, schließlich wurde er erster Bassist an der Oper von Straßburg. 1952 wurde er an die Grand Opéra Paris berufen (Antrittspartie Sparafucile im »Rigoletto«), an der er bis 1972 regelmäßig auftrat. 1957 hatte er dort einen sensationellen Erfolg als Mephisto im »Faust« von Gounod; bereits 1955 hatte er an diesem Haus in der Uraufführung der Oper »Numance« von H. Barraud mitgewirkt. Er war in der Lage sowohl in deutscher als auch in italienischer und russischer und natürlich in französischer Sprache zu singen. 1963 ersetzte er Nicolai Ghiaurov an der Grand Opéra als König Philipp in Verdis »Don Carlos«. Neben den genannten Rollen zählten der Oroveso in Bellinis »Norma«, der Conte Rodolfo in »La Sonnambula«, der Boris Godunow, der Osmin in Mozarts »Entführung aus dem Serail«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Marcel in den »Hugenotten«, der Vater in Charpentiers »Louise«, der Fiesco in »Simon Boccanegra«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Rocco im »Fidelio« wie sämtliche großen Bass-Partien in Wagner-Opern zu den Höhepunkten in seinem umfassenden Repertoire. Erfolgreiche Gastspiele an führenden Opernbühnen in Frankreich wie in Brüssel (1983 Uraufführung »La Passion de Gilles« von Philippe Boesmans), Lüttich und Neapel. 1989 sang er in Nizza wie in Marseille den Hector und den Narbal in »Les Troyens« von Berlioz, 1991 am Théâtre Impérial in Compiegne den Norfolk in »Henri VIII.« von Saint-Saëns, 1992 an der Opéra de Wallonie Lüttich den Barré in »Die Teufel von Loudun« von K. Penderecki.

Er starb 2004 in La Cadière-d’Azur.

Aufnahmen seiner Stimme auf Philips (»La Juive«, »Louise« von Charpentier), Véga (»Thaïs« von Massenet), Chant du monde (»Henri VIII.«), Erato (»Krieg und Frieden« von Prokofjew).

 

18.7. Edith GABRY: 90. Geburtstag

Edith GABRY

Sie wurde an der Musikhochschule von Budapest ausgebildet und debütierte 1951 an der Budapester Nationaloper. 1957 verließ sie Ungarn und kam nach Westdeutschland. Hier war sie 1957-59 am Stadttheater von Bremen tätig. 1960 wurde sie an das Opernhaus von Köln berufen. Hier sang sie u.a. am 15.2.1965 in der Uraufführung der Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann die Partie der Marie. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1967 die Silvia in Mozarts »Ascanio in Alba« und wirkte 1974 in der Vokalsinfonie »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann (nach der gleichnamigen Oper) mit. Ihr umfangreiches Bühnenrepertoire brachte sie bei zahlreichen Gastspielen in Deutschland wie in den ausländischen Musikmetropolen zum Vortrag. Bühnenrollen: die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Fiordiligi in »Così fan tutte«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Baronin Freimann im »Wildschütz« von Lortzing, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Tochter in »Cardillac« von Hindemith, die Luise in »Der junge Lord« von H.W. Henze, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Desdemona in Verdis »Otello«, die Alice Ford im »Falstaff« vom gleichen Meister, die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen« und die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber. Sie war verheiratet mit dem ungarischen Dirigenten István Kertész (* 28.8.1929 Budapest, † 16.4.1973 bei einem Gastspiel in Israel, wo er beim Baden im Mittelmeer bei Haifa ertrank), der seit 1964 am Kölner Opernhaus wirkte. 1971 wurde die Künstlerin als Dozentin an die Folkwang-Musikhochschule in Essen berufen. Seit 1977 lehrte sie an der Musikhochschule Köln. Noch 1988 trat sie bei den Festspielen von Schwetzingen als Berta in Rossinis »Barbier von Sevilla« auf.  Sie starb 2012 in Köln.

Schallplatten: Qualiton (Missa brevis von Z. Kodaly), Opera (Querschnitt »Otello« von Verdi mit Eugene Tobin), Vox, Eurodisc, FSM, Wergo (vollständige Oper »Die Soldaten« von B.A. Zimmermann, »La Resurrezione« von Händel).

18.7. Luis BERBÉR (mexikanischer Dirigent): 90. Geburtstag

 18.7. Kurt MASUR: 90. Geburtstag

Er war der Sohn eines Elektroingenieurs, der ein Elektrofachgeschäft betrieb. Kurt Masur absolvierte eine Ausbildung zum Elektriker; zeitweise arbeitete er in der Firma seines Vaters. Er sagte von sich selbst, er habe viel Freude an praktischer Arbeit. Der Klavierunterricht seiner älteren Schwester weckte bei ihm das Interesse am Klavierspiel. Mit 10 Jahren bekam er Klavierunterricht von der zweiten Organistin der Brieger Kirche, und er begann Orgel zu spielen. Ab 1942 war er zwei Jahre Schüler an der Landesmusikschule Breslau in den Fächern Klavier und Violoncello. Mit 16 Jahren bekam er die ärztliche Diagnose, dass der kleine Finger seiner rechten Hand nicht mehr streckbar sei, was eine Karriere als Pianist ausschloss. So reifte der Entschluss, stattdessen zu dirigieren. 1944/45 wurde er zum Kriegsdienst bei den Fallschirmjägern eingezogen. Nach seiner Rückkehr studierte er 1946-48 an der Leipziger Hochschule für Musik Klavier bei Sigfrid Grundeis, Fritz Weitzmann und Franz Langer, Komposition und Orchesterleitung bei Heinz Bongartz und Kurt Soldan, brach das Studium jedoch ab. Später bezeichnete er sich deswegen als „Amateur“. Masur war bis 1966 in erster Ehe mit Brigitte Stütze verheiratet; sie bekamen zusammen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. 1971 heiratete er die Mutter der gemeinsamen Tochter Carolin (* 1966), die Tänzerin Irmgard Elsa Kaul (* 1938). Sie starb 1972 bei einem Autounfall, bei dem Masur am Steuer saß und der noch zwei weitere Todesopfer forderte. Die genauen Umstände des Unfalls blieben ungeklärt. In dritter Ehe war er seit 1975 mit der japanischen Bratschistin und Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Ken-David (* 1977), der Dirigent ist. Insgesamt hat Masur fünf Kinder. Am 10. Oktober 2012 wurde öffentlich bekannt gegeben, dass Kurt Masur bereits seit einigen Jahren an der Parkinson-Krankheit leide. Nach mehreren Stürzen (April 2012 und Februar 2013) trat Masur nur noch selten auf; zuletzt dirigierte er im Rollstuhl sitzend. Am 19. Dezember 2015 starb Kurt Masur im Alter von 88 Jahren im amerikanischen Greenwich (Connecticut) im Krankenhaus. Nach einem öffentlichen Trauergottesdienst mit dem Thomanerchor und 28 Musikern des Gewandhausorchesters unter Leitung von Gotthold Schwarz in der Leipziger Thomaskirche wurde Masurs Urne am 14. Januar 2016 im engsten Familienkreis in der Abteilung II des Leipziger Südfriedhofs beigesetzt. Am 16. April 2016 fand ein Gedenkkonzert im Gewandhaus statt.

Kurt Masur prägte als Gewandhauskapellmeister fast dreißig Jahre das Leipziger Musikleben. Nach seinem Studium war er 1948-51 Solorepetitor und Kapellmeister am Mandestheater Halle an der Saale. Nach der Tätigkeit als Erster Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Erfurt (1951–53) und den Städtischen Theatern Leipzig (1953–55) wurde er 1955 Dirigent der Dresdner Philharmonie. 1958-60 war er Musikalischer Oberleiter am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und 1960-64 an der Komischen Oper Berlin. Er gastierte 1964-67 in verschiedenen europäischen Ländern und in Brasilien; 1967-72 leitete er die Dresdner Philharmoniker als Chefdirigent. 1970-97 war Masur Gewandhauskapellmeister in Leipzig; er gab mit dem Gewandhausorchester über 900 Tournee-Konzerte. In dieser Funktion setzte er den Neubau des neuen (dritten) Gewandhauses f
ür das Orchester durch (Eröffnung 1981), das seit der Zerstörung im Krieg 1943 ohne eigene Spielstätte war. 1991-2002 wirkte er zudem als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. 2000-07 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. 2002-08 oblag ihm auch die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris. Seit 1997 war Kurt Masur Ehrendirigent des Gewandhausorchesters. Zudem war er seit 1992 Ehrengastdirigent beim Israel Philharmonic Orchestra sowie seit 1994 Ehrendirigent der Dresdner Philharmonie. Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, gehörte Masur zu den sechs prominenten Leipzigern (neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann), die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug maßgeblich zu deren friedlichem Verlauf bei. Am 27. Dezember 1989 wurde Masur erster Ehrenbürger der Stadt Leipzig nach dem Mauerfall. 2014 erhielt Masur für sein Engagement bei der Friedlichen Revolution die Goldene Henne in der Kategorie „Politik“. 1991 wurde unter Masurs Vorsitz die Internationale Mendelssohn-Stiftung e. V. für den Erhalt und die Wiederherstellung des Leipziger Mendelssohn-Hauses gegründet, in der er sich bis zuletzt engagierte. 2007 wurde ihm der Internationale Mendelssohn-Preis zu Leipzig verliehen, und er war Präsident der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Überdies war er Mitglied des Kuratoriums des forum thomanum Leipzig e.V. 2004-13 leitete Kurt Masur als Vorstandsvorsitzender das Beethoven-Haus Bonn. Hier führte er 2006 die jährlichen Meisterkurse für Nachwuchskünstler ein. Schon früh wurden Masur Ehrungen zuteil: Die DDR zeichnete ihn mit dem Leipziger Kunstpreis und dreimal mit dem Nationalpreis (1969/1970/1982) aus. Im Jahr 1975 wurde er zum Professor an der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ernannt. Im Jahr 1984 wurde ihm der Ehrendoktorgrad der Universität Leipzig verliehen. Am 26. Januar 1990 gehörte Masur zu den Gründern der Kulturstiftung Leipzig und wurde zu deren erstem Präsidenten (bis 1995) gewählt. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Nationalstiftung. Masur war Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin. 2003 wurde er zum Ehrenmitglied des „Vereins Beethoven-Haus“ ernannt. Masurs Arbeit umfasste ein reiches Repertoire; zu seinen bekanntesten Aufnahmen zählen die Werke von Bruckner, Dvorák, Liszt, Mendelssohn, Prokofjew und Tschaikowski sowie die neun Sinfonien von Beethoven. Letztere spielte er mit dem Gewandhausorchester mehrfach ein. Von Masur gibt es zudem Aufnahmen von Bach, Brahms, Britten, Bruch, Cerha, Debussy, Mahler, Schostakowitsch, Schubert, Schumann und Sibelius; aber auch von Gershwin, dessen Werke er 1975 auf Schallplatte veröffentlichte. Zusammen mit Annerose Schmidt spielte er sämtliche Klavierkonzerte von Mozart ein; gemeinsam mit Emil Gilels und dem Staatlichen Sinfonieorchester der UdSSR die Klavierkonzerte Beethovens. Sowohl mit Yehudi Menuhin als auch mit Anne-Sophie Mutter nahm er das Violinkonzert von Brahms auf und begleitete Mutter auch bei Werken von Beethoven und Mendelssohn. Masur konzertierte ebenso mit Cyproen Katsaris, Hélène Grimaud und Helen Huang. Mussorgskis Bilder einer Ausstellung nahm er mehrfach in der weniger bekannten Orchestrierung von Sergei Gortschakow auf. Unter der Leitung von Masur wurden auch die Opern Fidelio (Beethoven), Ariadne auf Naxos (Strauss) und Genoveva (Robert Schumann) aufgenommen. Für den Deutschen Fernsehfunk wurde außerdem Walter Felsensteins Inszenierung von Giuseppe Verdis Otello aufgezeichnet, bei der Masur die musikalische Leitung innehatte. Die zahlreichen Einspielungen Masurs wurden hauptsächlich von Eterna und Philips (Aufnahmen mit dem Gewandhausorchester), aber auch von Teldec (Aufnahmen mit dem Gewandhausorchester und mit den New Yorker Philharmonikern) veröffentlicht; die meisten der Aufnahmen sind auf CD erhältlich. Aufnahmen mit dem Orchestre National de France erschienen bei Naïve Records.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.kurtmasur.com/

 

18.7. Teodor ŠRUBAŘ: 100. Geburtstag

 Zuerst Jurastudium an der Universität von Brünn (Brno). Nach Entdeckung seiner schönen Stimme Ausbildung am Konservatorium von Brünn, bei Frau Matousková in Prag und bei Apollo Granforte in Mailand. Bühnendebüt 1942 an der Nationaloper Prag als Silvio im »Bajazzo«; er wurde durch den Dirigenten Vaclav Talich an die Prager Oper verpflichtet. Seither gehörte er zu den angesehensten Künstlern dieses bedeutendsten Opernhauses der CSSR. Über dreißig Jahre trat er hier in einer Fülle von Partien aus der gesamten Opernliteratur auf. Er wirkte hier am 8.5.1962 in der Uraufführung der Oper »Auferstehung« von Ján Cikker mit. Gastspiele brachten ihm an der Staatsoper von Wien (1949 als Germont-père in »La Traviata« und 1956 als Renato in Verdis »Maskenball«), an der Nationaloper Budapest und beim Edinburgh Festival (1964 als Jäger in Dvoráks »Rusalka« und als Fürst Dimitri Iwanowitsch Nechljudow in der englischen Erstaufführung von Ján Cikkers »Auferstehung«, beides anlässlich eines Gastspiel des Prager Nationaltheaters) große Erfolge. Er meisterte ein weitläufiges Repertoire: er sang den Escamillo in »Carmen«, den Janusz in »Halka« von Moniuszko, den Grafen in »Figaros Hochzeit«, den Eugen Onegin, den Prinzen Andrej in »Krieg und Frieden« von Prokofjew, den König in »Dalibor« von Smetana, den Premysl in »Sarka« von Fibich, den Titelhelden in »Fürst Igor« von Borodin, den Wolfram im »Tannhäuser«, den Fliegenden Holländer, dazu die großen Baritonpartien in den Opern von Verdi, Puccini und Smetana (Tomes in »Hubicka«, Vok in »Die Teufelswand«). Hoch geschätzt als Konzert- und Oratoriensänger. Er wurde zum Verdienten Künstler der CSSR ernannt. Er starb 1979 in Prag.

Seine Schallplattenaufnahmen erschienen unter dem Etikett von Supraphon; darunter die vollständige Oper »Dalibor« von Smetana und eine Aufnahme der »Carmina Burana« von C. Orff.

 

18.7. Zoltán ZÁVODSZKY : 125. Geburtstag

Zoltán Závodszky

 Er war ein Schüler des großen Wagner-Tenors Georg Anthes an der Franz Liszt-Musikakademie in Budapest. 1920 kam er an die Nationaloper Budapest, wo er sechs Jahre hindurch nur kleinere Partien sang. 1926 übertrug man ihm die Partie des Erik in »Der fliegende Holländer«, worin er einen sensationellen Erfolg hatte. In den folgenden Jahren sang er alle großen Wagner-Partien für Tenor an der Budapester Oper und galt nun als der führende Wagner-Interpret seines Landes. Die Kraft seiner Stimme und die Klarheit seiner Diktion wurden durch seine äußere Erscheinung, die dem Idealbild eines Wagner-Heroen entsprach, und durch sein mitreißendes Bühnenspiel glücklich ergänzt. Neben dem Wagner-Repertoire beherrschte er Partien wie den Pedro in »Tiefland« von d’Albert, den Prinzen Golizyn in Mussorgskys »Chowanschtschina« und kreierte 1928 die Titelrolle in Strawinskys »Oedipus Rex« für Ungarn. Die Schönheit seiner Stimme blieb ihm für die Bühne noch bis zu seinem 70. Lebensjahr erhalten, noch mit 80 Jahren trug er Lieder vor. Seit 1966 war er Professor an der Musikakademie von Budapest; später wirkte er als Gesangslehrer in Wien. Er wurde zum lebenslänglichen Mitglied der Budapester Oper ernannt. Er starb 1976 in Budapest.

Schallplatten der Marke Hungaroton, teilweise Mitschnitte von Radiosendungen und Bühnenaufführungen.

 

19.7. John HOPKINS : 90. Geburtstag

 Biographie des britischen Dirigenten auf Englisch : https://en.wikipedia.org/wiki/John_Hopkins_(conductor)

 

19.7. Emil GREDER: 150. Geburtstag

 Er entstammte einer Mennonitenfamilie und wollte zunächst Schauspieler werden. Als solcher kam er 1887 als Volontär an das Stadttheater von Köln. Als er dann 1887-88 am Stadttheater von Lübeck (und danach 1888-90 in Danzig) engagiert war, übernahm er am Tivoli-Theater in Lübeck Buffo-Partien in Operetten und wurde dadurch auf seine stimmliche Begabung aufmerksam. Nach einem Gesangstudium bei Josef Hauser in Karlsruhe debütierte er 1891 als Opernsänger am Stadttheater von Ulm in der Partie des Sarastro in der »Zauberflöte«. 1893-95 war er am Hoftheater von Stuttgart, 1895-96 am Hoftheater von Kassel, 1896-97 an der Hofoper von Dresden engagiert. Er ging dann nach Nordamerika, wo er sich der Damrosch Opera Company anschloss. Nach Deutschland zurückgekehrt, sang er 1897-1902 am Opernhaus von Leipzig, 1902-04 wieder an der Dresdner Hofoper. In den Jahren 1904-05 war er dann Mitglied der Metropolitan Oper New York, wo er als Reinmar von Zweter im »Tannhäuser« debütierte und u.a. den Konrad Nachtigall wie den Nachtwächter wie den Sixtus Beckmesser wie den Hermann Ortel in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Grafen Ceprano im »Rigoletto«, den Donner wie den Fasolt im »Rheingold« und den Falke in der »Fledermaus« sang; außerdem führte er dort bei mehreren Aufführungen Regie (»Lohengrin«, »Die Walküre«, »Fidelio«, »Das Rheingold«, »Tristan und Isolde«, »Götterdämmerung«). Nach seiner Rückkehr bestand 1906-07 ein Gast-Engagement an der Berliner Lortzing-Oper. Bereits 1897 hatte er an der Hofoper Berlin, 1906 am Deutschen Theater Prag gastiert. Er wirkte in den Uraufführungen der Opern »Orestes« von F. von Weingartner (1902 in Leipzig als Aigisthos) und »Alpenkönig und Menschenfeind« von Leo Blech (Hofoper Dresden 1903) mit. Seine großen Bühnenpartien waren der Leporello im »Don Giovanni«, der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, der Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, der Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut« und der Mikhéli in »Der Wasserträger« (»Les deux journées«) von Cherubini. Er begann in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg ein ruheloses Wanderleben, das ihn in die entferntesten Länder führte. So ging er nach Australien und gründete in Sydney und Melbourne Chorschulen und Musikvereinigungen. Schließlich versuchte er in den USA als Manager Konzertveranstaltungen durchzuführen und entfaltete immer wieder neue Aktivitäten auf diesem Gebiet, blieb aber im Grunde immer erfolglos. Finanzielle Schwierigkeiten veranlassten ihn schließlich, 1919 in New York freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Stavy Horn (1869-1958), die in Hamburg und Stuttgart engagiert war.

 

19.7. Jean-Baptiste DAVAUX: 275. Geburtstag

Ab 1767 wirkte er in Paris und erhielt dort mehrere öffentliche Anstellungen. Er inszenierte 1785 zwei komische Opern. Bekanntheit erhielt er durch seine zwischen 1772 und 1800 komponierten konzertanten Sinfonien. Zu seinen weiteren Werken zählen 25 Streichquartette und weitere kammermusikalische Werke, Sinfonien, Arietten und ein Violinkonzert. Seine Kompositionen sind in einem dem Geschmack der Zeit entsprechenden einfachen, aber effektvollen Stil gehalten. 1784 entwickelte er auf Basis des BreguetChronometers ein Messgerät zur genauen Messung der Taktdauer, 30 Jahre vor Maelzels Metronom. Jean-Baptiste Davaux starb 1822 in Paris.

 

20.7. Lou Ann WYCKOFF: 80. Geburtstag

Sie war ursprünglich Büroangestellte, studierte dann Gesang bei Vivian Long in Los Angeles und bei Gibner King in New York. Sie gewann mehrere Stipendien zur Vervollständigung ihrer Ausbildung, die bei Josef Metternich und Irmgard Hartmann in Berlin stattfand. Debüt beim Spoleto Festival 1967 als Donna Elvira im »Don Giovanni«. Große Karriere an den führenden deutschen Opernhäusern; zuerst Mitglied der Hamburger Staatsoper, dann lange Jahre an der Deutschen Oper Berlin tätig. Gastspiele an den Opern von Köln und München, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel (u.a. mit dem Berliner Ensemble 1973 in der Uraufführung von Nicolas Nabokovs »Love’s Labour’s Lost«), an der Mailänder Scala (1967 Vier letzte Lieder von R. Strauss in einem Konzert unter Thomas Schippers, 1968 in Händels Oratorium »Israel in Ägypten«, 1972 als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«), in Genua, Venedig, Lyon, Marseille und Washington. 1985 gastierte sie an der Hawaii Opera in Honolulu als Senta in »Der fliegende Holländer«. Bedeutende Interpretin von Lirico-Spinto-Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur, auch von zeitgenössischen Werken. Erfolgreiche Konzert- und Oratoriensängerin. Sie starb am 26.12.2016 in New York. Sie lebte zuletzt in einem jüdischen Pflegeheim in Riverdale in der Bronx. Nur wenige Tage vor ihrem Tod wurde ein Artikel in der New York Times mit einem Foto von ihr veröffentlicht, in dem über den Einsatz von Katzen bei der Therapie von demenzkranken Patienten berichtet wurde.

Schallplatten: Turnabout (»Zoroastre« von Rameau), Eurodisc (Irene in Wagners »Rienzi«).

 

20.7. Dietrich ERDMANN: 100. Geburtstag

Sein Vater war der Publizist und Gewerkschaftsfunktionär Lothar Erdmann, seine Mutter Elisabeth Erdmann-Macke, die Witwe des Malers August Macke. Dietrich Erdmann lebte seit seinem achten Lebensjahr in Berlin. Ein kulturell sehr interessiertes familiäres Umfeld prägte seine Kindheit. Ersten Klavierunterricht erhielt er im Alter von neun Jahren. Schon während seiner Schulzeit am Humanistischen Gymnasium Berlin besuchte er Satzlehrekurse bei den Komponisten Paul Hindemith, Ernst Lothar von Knorr und Harald Genzmer. Im Jahre 1931 begann er seinen Cellounterricht bei Paul Hermann. 1934-38 studierte Erdmann Chorleitung und Tonsatz bei Kurt Thomas sowie Orchesterleitung bei Walter Gmeindl an der Musikhochschule Berlin. Er schloss sein Studium mit der künstlerischen Reifeprüfung in Chorleitung und der Privatmusiklehrerprüfung in Komposition ab. Erdmann war Mitgründer des Arbeitskreises für Neue Musik an der Berliner Hochschule. Ab 1947 unterrichtete Erdmann an der Pädagogischen Hochschule Berlin, wo er zwei Jahre später die Leitung des Musikseminars übernahm. Seine Ernennung zum außerordentlichen Professor erfolgte im Jahr 1954. 12 Jahre später wurde er Ordinarius und im Jahr 1970 schließlich Prorektor der Hochschule. Seine Emeritierung erfolgte im Jahr 1982. Er starb 2009 in Berlin. Dietrich Erdmann war 1940-46 mit Gisela Cludius, 1949-58 mit Bianca Kuron und ab 1959 mit Gertrud Schulz verheiratet.

Erdmanns Werk umfasst unterschiedlichste Besetzungen und fast alle musikalischen Formtypen: 16 Solokonzerte, 12 Werke für großes Orchester, Klaviermusik, Solo- und Kammermusik für Streicher und Bläser sowie Lieder, Kantaten und Chormusik. Darüber hinaus hat Erdmann auch zahlreiche Zupfmusik-Werke komponiert.

 

20.7. Friedrich STRATHMANN: 150. Geburtstag

 Er ergriff zunächst den Beruf eines Lehrers und war auch als solcher tätig. Als Mitglied eines Lehrergesangvereins trug er bei dessen Auftreten in Potsdam ein Solo vor; dabei hörte ihn der Intendant der Berliner Hofoper, Graf Hochberg, der ihm empfahl, seine Stimme ausbilden zu lassen. Dies geschah
dann durch Franz von Milde in Hannover. 1894 konnte er am Stadttheater von Mainz debütieren, wo er bis 1897 blieb. Hier sang er während dieses Engagements am 2.4.1895 in der Uraufführung von Hans Pfitzners Oper »Der arme Heinrich« die Partie des Dietrich. 1897 trat er erfolgreich als Gast am Hoftheater von Weimar auf und wurde an dieses Haus verpflichtet, dessen Mitglied er bis zur Beendigung seiner Bühnenkarriere 1929 war. Er sang hier eine Fülle von Partien, von denen mit dem Minister im »Fidelio«, dem Lysiart in Webers »Euryanthe«, dem Fliegenden Holländer, dem Wolfram im »Tannhäuser«, dem Telramund im »Lohengrin«, dem Wotan wie dem Alberich in Ring-Zyklus, dem Kurwenal in »Tristan und Isolde«, dem Kühleborn in Lortzings »Undine«, dem Titelhelden in »Hans Heiling« von Marschner, dem Helgi in »Islandsaga« von Vollerthun, dem Borromeo in Pfitzners »Palestrina«, dem Sebastiano in »Tiefland« von E. d’Albert, dem Orest in »Elektra« von R. Strauss, dem Jago in Verdis »Otello«, dem Amonasro in »Aida«, dem Malatesta im »Don Pasquale«, dem Figaro im »Barbier von Sevilla«, dem Simeon in »Joseph« von Méhul, dem Escamillo in »Carmen«, dem Valentin im »Faust« von Gounod und dem Belamy im »Glöckchen des Eremiten« von Maillart die wichtigsten genannt seien. 1901 wirkte er in Weimar in der Uraufführung der Oper »Dürer in Venedig« von Waldemar von Baußnern mit. Er gab im Lauf seiner langen Karriere Gastspiele an der Oper von Frankfurt a.M., an den Hoftheatern von Wiesbaden und Hannover (1906), an den Hofopern von München (1899, 1905) und Berlin, am Opernhaus von Leipzig (1907) und an weiteren deutschen Theatern. Er starb 1946 in Weimar.

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Favorit, 1907 in Weimar aufgenommen.

 

22.7. Jiří BERKOVEC: 95. Geburtstag

 Biographie des tschechischen Komponisten auf Tschechisch:

https://cs.wikipedia.org/wiki/Ji%C5%99%C3%AD_Berkovec

 

23.7. Thomas HERNDON: 80. Geburtstag

 Gesangstudium bei Walter Johnson am Westminster College (New Jersey), bei Sidney Dietch und Dorothy Di Scala in Philadelphia, dann bei Hertha Kalcher in Stuttgart und Teilnahme an Kursen bei Dusolina Giannini in Zürich. Debüt 1964 am Stadttheater von Heidelberg als Ernesto in »Don Pasquale«. Er war 1964-68 am Stadttheater von Heidelberg, 1968-69 am Nationaltheater von Weimar, 1969-73 an der Staatsoper Stuttgart, dann in Hamburg engagiert. 1976-80 bestand ein Gastvertrag mit dem Opernhaus Zürich. Er gastierte an den Staatsopern von Wien (1970-77 als Matteo in »Arabella« und als Henry in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, in insgesamt 6 Vorstellungen) und München, an den Opernhäusern von Frankfurt a.M., Hannover, Karlsruhe, Kassel, Mannheim und Hannover, an der Deutschen Oper Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der Niederländischen Oper Amsterdam, am Opernhaus von Zürich, in Tel Aviv, beim Maggio Musicale von Florenz sowie an der Mailänder Scala (1977 als Aron in »Moses und Aron« von A. Schönberg). Von den vielen Partien, die er gesungen hat, sind hervorzuheben: der Titelheld in Gounods »Faust«, der Cavaradosi in »Tosca«, der Canio im »Bajazzo«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, der Riccardo in Verdis »Maskenball«, der Manrico im »Troubadour«, der Herzog im »Rigoletto«, der Titelheld in »Don Carlos«, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Stewa in Janáceks »Jenufa«, der Lenski im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky und der Erik in »Der fliegende Holländer«. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich in einem zweiten Abschnitt seiner Karriere auch Partien wie der Herodes in »Salome« von R. Straus, der Ägisth in dessen »Elektra« und der Präsident in »Kabale und Liebe« von G. von Einem. Auch als Konzertsänger in einem vielseitigen Repertoire aufgetreten. Er erlitt 1981 während einer »Palestrina«-Aufführung in Hamburg eine Gehirnblutung und starb wenige Tage darauf. Mitschnitte von Rundfunk-Opernsendungen.

 

23.7. Josef HERIBAN: 95. Geburtstag

Josef HERIBAN

 Studium bei den Pädagogen Anny Kornhauserová-Korinská, Rudolf Petrak und Margit Czessány in Bratislava (Preßburg), dann bei Tino Pattiera und Lunka Michelová in Prag. Seine erste Rolle auf der Opernbühne war 1945 der Morales in »Carmen« an der Slowakischen Nationaloper Bratislava. Er sang dann für vierzig Jahre im Ensemble der Nationaloper von Prag, wo er beim Opernpublikum sehr beliebt war. Schwerpunkte in seinem reichhaltigen Repertoire bildeten die lyrischen Baritonpartien aus der italienischen, französischen und vor allem der slawischen Opernliteratur. Am 4.4.1974 sang er am Prager Nationaltheater in der Uraufführung der Oper »Coriolanus« von J. Cikker. Auslandsgastspiele an der Niederländischen Oper in Amsterdam, am Teatro Liceu von Barcelona und an der Warschauer Nationaloper. Geschätzter Konzertsänger. Er starb 2007 in Prag.

Schallplattenaufnahmen auf Supraphon.

 

23.7. Gustav DUPONT: 150. Geburtstag

 Er begann seine Karriere 1897 am Stadttheater von Augsburg und kam über Engagements am Stadttheater von Danzig und am Opernhaus von Düsseldorf für die Spielzeit 1900-1901 an das Hoftheater von Wiesbaden. 1902-04 war er am Stadttheater von Magdeburg, 1904-06 am Stadttheater von Bern (Schweiz) tätig. Er lebte seither in Bern und unternahm von dort aus Gastspiele an zahlreichen Bühnen in Deutschland. Dabei galt er als hervorragender Vertreter des lyrischen Tenorfachs, konnte sich aber auch im Konzertsaal auszeichnen. Seine großen Bühnenpartien waren der Lyonel in Flotows »Martha«, der Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, der Don Ottavio im »Don Giovanni« und der Tamino in der »Zauberflöte«. Er endete durch Selbstmord in einem Anfall von Depression 1912 in Frankfurt a.M..

 

24.7. Robert FARNON: 100. Geburtstag

Im Zweiten Weltkrieg diente er als Captain in der kanadischen Armee und wurde dort der Dirigent und Arrangeur der Canadian Band der alliierten Expeditionsstreitkräfte, eine Einheit vergleichbar der US-amerikanischen Army Airforce Band unter der Leitung von Glenn Miller. Nach Beendigung des Krieges entschied Farnon, England zu seiner neuen Heimat zu machen und ließ sich schließlich mit Frau und Kindern auf der Kanalinsel Guernsey nieder. Er starb 2005 im Alter von siebenundachtzig Jahren in einem Hospiz nahe seinem Wohnsitz auf Guernsey, wo er beinahe vierzig Jahre gelebt hatte. Am bekanntesten ist Robert Farnon wohl für die zwei Werke Jumping Bean und Portrait of a Flirt, die beide ursprünglich als A und B-Seite auf derselben Schallplatte erschienen sind. Ebenfalls bekannte Werke sind der Westminster Waltz und A Star is Born. Farnon schrieb außerdem die Musik zu mehr als vierzig Spielfilmen, wie Des Königs Admiral (1950) und Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis (1979), sowie für eine Anzahl Fernsehserien, wie Nummer 6 (1967) und Expedition ins Unbekannte (1961) von Hans Hass. 1968 war er an dem Film Man nennt mich Shalako beteiligt. 1962 arrangierte und dirigierte Farnon mit Sinatra Sings Great Songs from Great Britain das einzige Album, das Frank Sinatra außerhalb den USA aufgenommen hat. Robert Farnon gewann insgesamt viermal den Ivor Novello Award und 1996 einen Grammy Award.

 

25.7. Felix LOEFFEL: 125. Geburtstag

 Er wurde zunächst Volksschullehrer, dann Gesangstudium bei Wilhelm Lehnert und bei Heinrich Nahm in Bern, bei Otto Freu
nd in Prag und bei Felix von Kraus in München. Bühnendebüt 1921 am Stadttheater der Schweizerischen Bundeshauptstadt Bern als König Marke in »Tristan und Isolde«. Länger als vierzig Jahre blieb er Mitglied dieses Hauses und sang hier Partien wie den Sarastro in der »Zauberflöte«, den Rocco im »Fidelio« und den Gurnemanz im »Parsifal«. Während seiner Tätigkeit am Stadttheater von Bern nahm er an mehreren Erstaufführungen von Opern für die Schweiz teil, darunter »Der Golem« von E. d’Albert (Spielzeit 1926-27 als Rabbi Löw), »Christelflein« von Hans Pfitzner (1921-22 als Knecht Ruprecht), »Turandot« von Puccini (1926-27 als Timur), »Halka« von Moniuszko (1933-34 als Stolnik), »Chowanschtschina« von Mussorgsky (1945-46 als Dosifej), »Ivan IV.« von Bizet (1952-53 als Yorlok), »Notre Dame« von Franz Schmidt (1957-58 als Quasimodo) und »Mazeppa« von Tschaikowsky (1959-60 als Orlik). Er trat auf der Bühne auch als Ramfis in »Aida« und als Thoas in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck auf. 1928 gastierte er an der Berliner Staatsoper als Commendatore im »Don Giovanni«. Er gab auf dem Gebiet des Operngesangs Gastspiele am Opernhaus von Zürich, an den Theatern von Genf, Basel und St. Gallen und sang 1950 am Stadttheater Bern in der Uraufführung von Armin Schiblers »Der spanische Rosenstock«. Die eigentliche Bedeutung des Künstlers lag jedoch auf den Gebieten des Oratorien- und des Liedgesangs. Man schätzte ihn vor allem als Bach-Interpreten (Christus in der Matthäuspassion) und als großen Liedersänger. Er kreierte eine Anzahl von Liedern von Othmar Schoeck, darunter die Liedzyklen »Zwölf Hafis-Lieder« (1924, Bern) und »Unter Sternen« (1943, Zürich) sowie von Willy Burkhard den Zyklus »Frage« (1926, Colombier). 1929 gastierte er an der Mailänder Scala in der Matthäuspassion von J.S. Bach, 1936 in Berlin unter W. Furtwängler, 1930 und 1948 in Antwerpen, 1924 in Frankfurt a.M., 1929 in Leipzig, 1936 und 1937 in München. 1935 sang er bei den Salzburger Festspielen das Bass-Solo im Mozart-Requiem; man hörte ihn im Konzertsaal in Rom (1922), in Paris und in Wien (1935), in Köln (1936), Hamburg, Budapest, Amsterdam und 1935 auf der Weltausstellung in Brüssel, vor allem aber in einer langjährigen Karriere in Konzertveranstaltungen in seiner Schweizer Heimat. Er sang dort Solopartien in den Uraufführungen der Oratorien »Das Gesicht Jesajas« (Basel, 1936) und »Das Jahr« (Basel, 1942) von Willy Burkhard. Er wirkte als Pädagoge und Professor am Konservatorium von Bern. Er betätigte sich auch als Maler. Er starb 1981 in Münsingen (Kanton Bern). Seit 1926 war er verheiratet mit der Sopranistin  Olga Moser.

Lit: »Felix Loeffel, eine Freundesgabe zum 70. Geburtstag« (Bern, 1962)

Seine warm timbrierte, ausdrucksvolle Stimme findet sich auf schönen Polydor-Schallplatten und auf Elite sowie auf kleineren Marken (»Die Kantorei«).

 

25.7. Julius PFISTER: 200. Geburtstag

 Er war Sohn eines Juweliers und arbeitete im Geschäft seines Vaters. Nach dessen Tod 1835 nahm er jedoch die Ausbildung seiner Stimme auf. 1836 wurde er zu einem Probegastspiel an das Theater am Kärntnertor in Wien eingeladen und als Eleve an dieses Haus engagiert. Er studierte während dieses Engagements bei verschiedenen Wiener Pädagogen und konnte bereits 1837 als Solist in »Robert der Teufel« von Meyerbeer erfolgreich debütieren. In den nun folgenden Jahren sang er am Kärntnertor-Theater vor allem lyrische Tenorpartien. 1843 gastierte er an der Berliner Hofoper als Elvino in Bellinis »La Sonnambula«, als Pollione in »Norma« vom gleichen Komponisten, als Tamino in der »Zauberflöte« und als Don Ottavio im »Don Giovanni«. Der ungewöhnliche Erfolg dieses Gastspiels führte zur Verpflichtung an die Hofoper Berlin. Hier hatte er eine langjährige, bedeutende Karriere. Hier sang er Partien wie den Jakob von Lusignan in »Catharina Cornaro« von Franz Lachner, den Olivier d’Entragues in »Les Musquetaires de la Reine« von Halévy, den Henry in »Die beiden Prinzen« von Heinrich Esser, den Leopold in »La Juive« von Halévy, den Rienzi von R. Wagner (in der Berliner Premiere der Oper 1847), den Georg in »Der Verbannte« (»Il Proscritto«) von O. Nicolai (1849 in der Erstaufführung in Berlin), den Jonas in Meyerbeers »Der Prophet« und 1859 die Baritonrolle des Heerrufers im »Lohengrin«. Am 9.3.1849 sang er an der Berliner Hofoper in der Uraufführung von Otto Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« die Rolle des Fenton, bereits 1844 wirkte er dort in der Uraufführung von Meyerbeers »Ein Feldlager in Schlesien« (unter der Leitung des Komponisten) mit, 1850 in der von Friedrich von Flotows »Sophie Catherine«, 1854 in der Premiere der Oper »Die Nibelungen« von Heinrich Dorn. Er gehörte noch bis 1863 der Berliner Hofoper an, übernahm aber später nur noch kleinere Partien. Er starb 1866 in Berlin.

 

26.7. Philipp JARNACH: 125. Geburtstag

Er wurde als Sohn eines Katalanen und einer Flämin in Noisy-le-Sec bei Paris geboren. Von Maurice Ravel und Claude Debussy ermuntert, trat er bereits mit 11 Jahren als „pianistisches Wunderkind“ auf. Nach einem vierjährigen Klavierstudium in Paris bei Édouard Risler und Theorieunterricht bei Albert Lavignac arbeitete er als Liedbegleiter und Korrepetitor an der Pariser Gesangsschule. Aufgrund der deutschen Kriegserklärung an Frankreich siedelte er 1914 mit seiner deutschen Frau nach Zürich um. Dort freundete er sich ein Jahr später mit Ferruccio Busoni an, der ihm Verdienstmöglichkeiten verschaffte und Jarnach durch seine geistige Haltung in Bezug auf sein Künstlerdasein nachhaltig prägte. So gelang es Jarnach, in Zürich Fuß zu fassen, er wirkte zuerst als Korrepetitor und Dirigent am Zürcher Stadttheater und später als Theorielehrer am städtischen Konservatorium. Im Jahre 1921 entschied er sich, Busoni nach Berlin zu folgen. Dort schaffte er den endgültigen Durchbruch als Komponist Neuer Musik. Ab 1922 wurden seine Werke von Schott verlegt und an den Donaueschinger Musiktagen war er damals der meistgespielte Komponist. In Berlin verdiente Jarnach seinen Lebensunterhalt durch Aufführungen, privaten Kompositionsunterricht und Musikkritiken und engagierte sich nebenher als Pianist, Organisator und gelegentlich als Dirigent. Außerdem war er Mitglied der sogenannten Novembergruppe sowie des Musikausschusses des ADMV, Vorstandsmitglied und Juror der IGNM und künstlerischer Leiter der von Herbert Graf veranstalteten Meloskonzerte. 1925 vollendete Jarnach die Oper Doktor Faust des kurz zuvor gestorbenen Busoni, was als eine seiner bedeutendsten Leistungen gewürdigt wurde. Seine Version ist trotz einer neueren von Antony Beaumont aus dem Jahre 1984, der sich auf inzwischen aufgetauchte Skizzen Busonis beruft, noch nicht verdrängt worden. 1927-49 arbeitete Jarnach als Leiter der Meisterklasse für Komposition an der Kölner Musikhochschule. Dort erwarb er sich seinen Ruf als hervorragender Pädagoge, während jedoch sein künstlerisches Schaffen zurückging. Im Jahre 1950 zog Jarnach, der inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, nach Hamburg. Dort war er bis 1959 als Direktor der neugegründeten Musikhochschule tätig, und anschließend noch 11 Jahre als Kompositionslehrer. Jarnach starb 1982 im Alter von 90 Jahren in Börnsen bei Hamburg.

Jarnachs Sohn Franz (1943–2017) war Pianist und Schauspieler, der insbesondere durch die Sendung Dittsche bekannt wurde. Auch seine Enkelin Lucy Jarnach (* 1987 in Hamburg) trat als Pianistin in seine Fußstapfen. Die Schülerin von Alfred Brendel und Gerhard Oppitz gilt als Spezialistin für die Werke ihres Großvaters.

 

27.7. Enrique GRANADOS: 150. Geburtstag

Er war der Sohn des Kubaners Calixto José de la Trinidad Granados y Armenteros und der Katalanin Enriqueta Elvira Campiña. Er studierte Klavier bei Ricardo Vinas und Komposition bei Felipe Pedrell, dem führenden spanischen Mu
siktheoretiker und Komponisten seiner Zeit. Dieser forderte eine Erneuerung der spanischen Musik aus dem Geist der Folklore. Granados gehört neben Pedrells beiden anderen bedeutenden Schülern Isaac Albéniz und Manuel de Falla zu den großen Erneuerern der spanischen Musik. Granados wurde ein ausgezeichneter und erfolgreicher Pianist. Er schrieb vor allem Lieder und Klavierwerke. Seine Opern, Zarzuelas und die Sinfonischen Dichtungen stehen in ihrer Bedeutung hinter der Klaviermusik. Hier nehmen die temperamentvollen Danzas españolas, die Valses Poeticos, sowie die poesievollen Goyescas (1911) den überragenden Platz ein. Der Klavierzyklus Goyescas, zu dem Granados durch Bilder des Malers Francisco de Goya (1746–1828) inspiriert wurde und die er seiner Frau widmete, schildert das Volksleben der Goya-Zeit. Die Goyescas gehören zu den virtuosesten Klavierkompositionen von Granados. Das berühmteste Stück ist Quejas ó la Maja y el Ruiseñor (deutsch Klagelieder oder das schöne Mädchen und die Nachtigall), auf dem die Melodie des später von Consuelo Velázquez geschaffenen Schlagers Bésame mucho beruht. Am 7. Dezember 1892 heiratete er in der Kirche Monasterio de San Pedro de las Puellas in Barcelona die aus Valencia stammende María de los Desamparados Gal y Lloveras (genannt Amparo). Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor: Eduardo, Solita, Enrique, Victor, Francisco und Natalia. Der älteste Sohn, Eduardo Granados Gal (1894–1928), wurde Pianist, Komponist und Dirigent.

Viele seiner Werke wurden auch für Gitarre transkribiert und gehören zum Standardrepertoire von Gitarristen. Herausragende Gitarrenaufnahmen seiner Werke gibt es u.a. von Andrès Segovia, Narciso Yepes, Julian Bream, John Williams, Pepe Romero, Christopher Parkening, Manuel Barrueco oder David Russell. 1901 gründete Granados in Barcelona die Academia Granados (später Academia Marshall), die er bis zu seinem Tod leitete. Die Pariser Oper gab Granados den Auftrag zur Komposition einer Oper. Darauf begann er den Klavierzyklus Goyescas zu einer gleichnamigen Oper umzuarbeiten. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste die Pariser Oper ihren Auftrag jedoch zurückziehen. Die New Yorker Metropolitan Opera, schon lange an einem Stück eines spanischen Komponisten interessiert, beauftragte Granados daraufhin, die Oper fertigzustellen. Granados, der in seinem Leben nie gerne und viel gereist war, fuhr mit seiner Frau zusammen mit dem Sängerensemble zur Aufführung der Oper nach New York. Dort erlebte er eine glückliche Zeit, wurde gefeiert und umjubelt. Unter anderem wurde Granados vom US-Präsidenten Woodrow Wilson eingeladen, im Weißen Haus einen Klavierabend zu geben, weshalb er nicht wie ursprünglich geplant direkt nach Spanien zurückreisen konnte; stattdessen nahm er ein späteres Schiff nach England. Auf der letzten Etappe der Heimreise wurde die französische Kanalfähre Sussex im Ärmelkanal beim Übersetzen von Folkestone nach Dieppe am 24. März 1916 von einem deutschen U-Boot torpediert und schwer beschädigt. Granados konnte zwar zunächst gerettet werden, stürzte sich aber, als er seine Frau hilflos im Meer treiben sah, in einem verzweifelten Rettungsversuch zurück in die Fluten, in denen beide ertranken.

 

28.7. Eva HASSBECKER: 85. Geburtstag

Eva HASSBECKER

 Ausbildung durch G. Krake in Leipzig. Ihr Bühnendebüt fand 1958 am Landestheater von Gera (Thüringen) statt, und zwar als Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Bis 1963 blieb die Künstlerin an diesem Theater und wechselte dann an das Stadttheater von Halle (Saale). Dort trat sie vor allem bei den Händel-Festspielen in Erscheinung, sang aber auch Partien wie die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Leonore in Verdis »Troubadour«, die Aida, die Amelia im »Maskenball« und die Tosca. Sie gab Gastspiele an Bühnen in der CSSR und in Ostdeutschland, war aber auch eine angesehene Konzertsängerin. Im Konzertsaal trat sie namentlich als Bach- und Händelinterpretin hervor. Sie wirkte zwanzig Jahre lang am Stadttheater von Halle/Saale und war dann in Magdeburg als Pädagogin tätig, wo sie 1998 starb.

Schallplatten: Eterna; sang auf Ariola-Eurodisc eine kleine Partie in der Matthäuspassion von J.S. Bach.

 

28.7. Ruth KEPLINGER: 95. Geburtstag

Ruth KEPLINGER

 Sie trat schon mit 13 Jahren als Pianistin auf, ergriff aber schließlich doch den Beruf einer Büroangestellten. Ihr Gesangstudium fand bei Zureck-Dippner und später bei der berühmten Koloratrice Maria Ivogün statt. 1942 begann sie ihre Bühnenlaufbahn als Choristin am Theater von Magdeburg, war 1942-43 Soloelevin am Theater von Dessau und kam 1943 an das Stadttheater Görlitz, wo sie als Dianora in »Mona Lisa« von M. von Schillings debütierte. Für die Spielzeit 1944-45 war sie an das Theater von Gotha verpflichtet, konnte das Engagement aber wegen der Kriegsverhältnisse nicht mehr antreten. 1945-49 war sie am Stadttheater von Magdeburg tätig, seit 1949 gehörte sie zu den führenden Mitgliedern des Ensembles der Staatsoper Berlin. Dort sang sie u.a. die Desdemona in Verdis »Otello«, die Elsa im »Lohengrin«, die Micaela in »Carmen«, vor allem aber die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die sie auch 1955 bei der Eröffnung des wieder aufgebauten Hauses der Berliner Staatsoper übernahm. Gastspiele führten sie vor allem an die Staatsoper von Hamburg. 1954 unternahm sie eine Tournee durch die Volksrepublik China mit Liedprogrammen. Seit 1953 gab die Sängerin mehr als hundert Liederabende. Sie ist als Gast auch in der CSSR, in Dänemark und in Schweden aufgetreten. 1982 erfolgte ihre Ernennung zum Ehrenmitglied der Staatsoper Berlin, an der sie bis 1972 regelmäßig aufgetreten war. Ihre großen Bühnenrollen waren die Agathe im »Freischütz«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Tatjana im »Eugen Onegin«, die Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Eurydike in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Marzelline im »Fidelio«, die Solveig in »Peer Gynt« von Werner Egk und die Jane in »Der Günstling« von R. Wagner-Régeny. Sie starb 1999 in Berlin.

Einige Schallplattenaufnahmen auf Eterna, darunter Querschnitt »Der Günstling« von Wagner-Régeny.

 

29.7. Carl BAY: 90. Geburtstag

Er war der Sohn eines Malers aus Pöseldorf. Nachdem er schon seit 1941 als Mitglied der Jugendbewegung gesungen hatte, erlebte er das Kriegsende als junger Soldat. Später absolvierte er eine klassische Gesangsausbildung zum Bariton und gastierte bis zum Beginn der 1950er Jahre an verschiedenen deutschen Opernhäusern. Parallel dazu begann 1947 seine Karriere beim Rundfunk, als er in Cuxhaven zum ersten Mal im Hamburger Hafenkonzert zu hören war. Bay gab seine Opernkarriere daraufhin auf und wechselte als „Salzwasser-Barde“, wie er häufig genannt wurde, mit Seemannsliedern ins maritime Fach. 60 Jahre lang blieb er dem Hafenkonzert mit unzähligen Auftritten treu, daneben fuhr er als Unterhalter auf den Schiffen der damaligen Hamburg-Amerika-Linie (HAPAG) oder spielte Theater, so z. B. in der Spielzeit 1975/76 am St. Pauli Theater in dem Stück Berta, laß das nach. In den 1950er Jahren ging Carl Bay gemeinsam mit seiner Kollegin Lale Andersen auf eine Amerika-Tournee, 1973 war er als „Käpt’n Blume“ die Symbolfigur bei der in Hamburg stattfindenden IGA. Einem breiten Fernsehpublikum wurde Carl Bay ab 19
63 durch seine Mitwirkung in fast allen Folgen der ARD-Serie Haifischbar bekannt. Daneben trat er noch in einigen anderen Unterhaltungssendungen als Sänger auf. Auch ist seine Stimme auf zahlreichen Schallplatten erhalten geblieben. Ende der 1960er Jahre wirkte Bay in zwei niederdeutschen Hörspielproduktionen des NDR mit. Darüber hinaus war Carl Bay gemeinsam mit Dirks Paulun und Hans Harbeck 1946 Mitbegründer der Wendeltreppe in Hamburg, dem ältesten, noch existierenden literarischen Kabarett in Deutschland, an dem er auch selber regelmäßig auftrat. Carl Bay starb 2014 knapp zwei Wochen vor Vollendung seines 87. Lebensjahres und wurde anonym auf dem Hamburger Friedhof Öjendorf beigesetzt.

 

29.7. Bernard LEFORT: 95. Geburtstag

Bernard LEFORT

 Er studierte zuerst Philosophie, erwarb den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und wandte sich dann dem Jura- und Politologiestudium zu. Gleichzeitig wurde seine Stimme am Conservatoire National Paris ausgebildet. Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Armee eingezogen, konnte aber später seine Ausbildung bei Aureliano Pertile in Mailand, bei Hermann Weissenborn in Berlin und bei Elisabeth Rado in Wien zum Abschluss bringen. Noch während des Krieges gab er sein erstes Konzert in der Salle Gaveau in Paris. Er wurde bald als Interpret zeitgenössischer französischer Musikwerke bekannt; er brachte Kompositionen von O. Messiaen, A. Honegger, F. Poulenc, D. Milhaud, Jolivet und Dutilleux zum Vortrag; die Komponistin Germaine Tailleferre widmete ihm ihr »Concerto pour Baryton«, das er 1956 in der Uraufführung in Paris sang. Nachdem er am Pariser Théâtre Châtelet in Operetten aufgetreten war, nahm er 1957 eine Professur am Konservatorium von Lausanne an und trat während dieser Tätigkeit am Opernhaus von Lausanne in einer Anzahl von Partien auf, u.a. als Don Giovanni, als Malatesta im »Don Pasquale«, als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Germont sr. in »La Traviata« und als Titelheld in »Macbeth« von Verdi. Er war 1957-58 auch am Stadttheater von Luzern engagiert. Trotz seiner Erfolge auf der Bühne wandte er sich wieder mehr dem Konzert- und Oratoriengesang zu, doch wurde seine Sängerkarriere 1960 durch eine schwere Krankheit beendet. Jetzt widmete er sich der Theaterleitung und wurde künstlerischer Direktor der Festspiele von Lausanne. 1965-68 war er Direktor der Oper von Marseille, an der er einerseits in Vergessenheit geratene alte Belcanto-Opern, anderseits zeitgenössische Werke seinem Publikum anbot. 1969-78 war er künstlerischer Direktor des Théâtre de la Ville Paris, zugleich 1973-80 der Festspiele von Aix-en-Provence. 1980-82 war er Generalintendant der Pariser Opéra. Gegen Ende der achtziger Jahre begann er eine intensive Tätigkeit an der École d’Art Lyrique in Paris. Später pädagogische Tätigkeit am Mannes College New York und an der Academy of Vocal Art Philadelphia. Er starb 1999 in Paris.

Schallplatten: Auf MMS sang er in einer vollständigen Aufnahme von »Hoffmanns Erzählungen« die Partien des Crespel, des Hermann und des Schlemihl in einer französischen und einer deutschen Version.

 

29.7. Anna QUILLING: 150. Geburtstag

 Sie begann ihre Bühnenkarriere 1889 am Stadttheater von Lübeck, sang 1890-92 am Stadttheater von Magdeburg und während der folgenden Spielzeit am Opernhaus von Breslau. 1893-98 hatte sie am Opernhaus von Riga bedeutende Erfolge; 1898-99 war sie am Theater des Westens in Berlin engagiert. Seit 1899 wirkte sie bis 1905 am Hoftheater von Dessau. Von den zahlreichen Bühnenpartien der Sängerin sind zu nennen: die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Marie in Donizettis »Regimentstochter«, die Zerline in »Fra Diavolo« von Auber, die Marie im »Waffenschmied« von Lortzing, die Elsa im »Lohengrin«, die Nedda im »Bajazzo«  und die Adele in der »Fledermaus«. Auch als Operetten- und Konzertsopranistin hatte sie eine erfolgreiche Karriere. Sie trat noch bis 1908 als Gast auf. Sie starb 1912 in Leipzig.

Schallplatten: Zwei seltene Aufnahmen auf G & T von 1902.

 

30.7. Roger STALMAN: 90. Geburtstag

Musik- und Gesangstudium an der London University und bei den Pädagogen Eric Green und Frederick Jackson. Er begann seine Karriere im Jahre 1952 und kam als Opern-, vor allem aber als Konzertsänger zu bedeutenden Erfolgen, und zwar in England wie bei Konzertreisen in Westeuropa, in Kanada und Israel. Er galt als hervorragender Oratoriensolist und hat allein das Bass-Solo im »Messias« von Händel mehr als 250mal vorgetragen, u.a. auch in Fernsehsendungen. 1967 wirkte er beim Berlin Festival mit, 1968 sang er in einem Konzert im Vatikan in Rom vor Papst Paul VI. und trat in Israel in Aufführungen von Strawinskys »Oedipus Rex« auf. Er arbeitete dann auch als angesehener Gesangpädagoge in London. Er starb 2009 in Axminster.

Schallplatten: Er wirkte in zwei Aufnahmen des »Messias« unter Walter Süsskind und Frederick Jackson mit; auf Schwann-Edition sang er Vokalwerke von Purcell und Cathedral Music from Salisbury.

 

30.7. Meredith DAVIES: 95. Geburtstag

Informationen über den britischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Meredith_Davies

 

30.7. Franz Josef SCHÜTKY: 200. Geburtstag

 Er erhielt schon früh Unterricht im Violinspiel und sang in einem Kirchenchor seines Heimatortes Kratzau (Böhmen). Er interessierte sich dann für Bildhauerei, arbeitete aber schließlich in einem Textilunternehmen. 1837 kam er an das Konservatorium von Prag und wurde Schüler von Dionys Weber und von Maestro Gordigiani. Er fand sein erstes Engagement 1840 am Landestheater von Linz (Donau), wo er als Titelheld in Donizettis Oper »Belisario« debütierte. Er blieb dort zwei Jahre und gastierte dann in Prag als Commendatore wie als Masetto im »Don Giovanni«, als Tristan in »Jessonda« von Louis Spohr, als Enrico in »Lucia di Lammermoor« und als Marcel in den »Hugenotten« von Meyerbeer (in der dortigen Erstaufführung der Oper unter dem Titel »Die Welfen und die Ghibellinen«). 1844 ging er als erster Bassist und Regisseur an die Oper von Lwów (Lemberg), an der er bis 1847 blieb. Ein Gastspiel an der Wiener Hofoper führte zu seiner Berufung als Sänger und Direktor an das Stadttheater von Salzburg. 1849-54 war er am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg und dann seit 1854 bis zu seinem Tod 1893 an der Hofoper von Stuttgart engagiert, an der er zuvor 1853 in einer Reihe von Partien gastweise aufgetreten war. Am 4.5.1862 sang er dort in der Uraufführung der Oper »König Ezio« von Johann Joseph Abert, am 20.5.1866 in der Uraufführung der Oper »Astorga«, ebenfalls von J.J. Abert. Seit 1862 war er dort auch als Regisseur beschäftigt, dazu wirkte er 1868-72 als Professor am Stuttgarter Konservatorium. Während seiner langen Karriere zeichnete er sich in einer Vielzahl von Partien aus: als Don Pizarro im »Fidelio«, als Plumkett in Flotows »Martha«, als St. Bris in den »Hugenotten« von Meyerbeer, als Nelusco in dessen »Afrikanerin«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Kaspar im »Freischütz«, als Fliegender Holländer, als Telramund im »Lohengrin« und als Alfonso in »Lucrezia Borgia« von Donizetti. Auch als Oratoriensolist besaß er einen großen Ruf. Dazu war er als Komponist tätig, schrieb Chorsätze, Lieder und religiöse Musik und übersetzte Opern-Libretti in die deutsche Sprache (u.a. »Nabucco« und »La Traviata« von Verdi und »La Princesse jaune« von Saint-Saëns). – Seine Tochter Fernande Schütky (1845-89) war eine bedeutende Opernsängerin, die 1864 in
Stuttgart ihre Karriere begann und später in Darmstadt engagiert war. Eine zweite Tochter, Amélie Schmautz-Schütky (* um 1866) trat ebenfalls als Sängerin am Stuttgarter Hoftheater in Erscheinung.

 

31.7. Dermot TROY: 90. Geburtstag

Dermot TROY

 Er erhielt seine Ausbildung in Dublin und London. Er begann seine Laufbahn 1953-55 als Chorist bei den Festspielen von Glyndebourne, wo er 1955 eine kleine Solopartie in Rossinis »Le Comte Ory« übernahm. Beim Edinburgh Festival, bei dem er bereits 1954 in Rossinis »Le Comte Ory« debütierte, sang er 1955 den Dr. Cajus in Verdis »Falstaff« und 1960 den Leandro in »Arlecchino« von Busoni. Seine ersten Solo-Opernpartien sang er bei der Opera for All und wurde dann 1955 Mitglied der Covent Garden Oper London. Hier hatte er seine größten Erfolge als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Monostatos in der »Zauberflöte«, als Don Basilio in »Le nozze di Figaro« und als Hylas in »Les Troyens« von Berlioz; er wirkte in den dortigen Premieren der Opern »Les Troyens« von Berlioz (1957) und »Dialogues des Carmélites« von Poulenc (1958) mit. Er galt namentlich als großer Mozart-Interpret. 1958-61 war er am Nationaltheater von Mannheim engagiert; 1961 kam er an die Hamburger Staatsoper, starb jedoch bereits im folgenden Jahr, noch ehe seine Karriere den Höhepunkt erreicht hatte.

Schallplatten: Seine Stimme ist durch Aufnahmen von integralen Opern auf HMV (»Falstaff« von Verdi, »Die Zauberflöte«) und Columbia (»Capriccio« von R. Strauss) erhalten. Aufnahmen mit irischen Volksliedern auf privaten Marken.

 

31.7. Amélie-Julie CANDEILLE: 250. Geburtstag

Amélie-Julie CANDEILLE

 Sie war sehr vielseitig begabt und gleichzeitig als Schauspielerin, Sängerin und Komponistin berühmt. Sie war die Tochter des Komponisten Pierre-Joseph Candeille (1744-1827), der auch ihr Lehrer war. Bereits mit 13 Jahren trat sie als Sängerin wie als Instrumentalsolistin öffentlich auf. 1782 debütierte sie auf der Opernbühne, und zwar an der Grand Opéra Paris als Iphigénie in Glucks »Iphigénie en Tauride«. 1783 hatte sie an der Opéra großen Erfolg in der Oper »Atys« von Piccinni. Später wandte sie sich mehr dem Schauspiel zu und war bis 1796 als Actrice am Théâtre Français in Paris tätig. Schließlich widmete sie sich jedoch dem Beruf einer Musiklehrerin. 1792 hatte ein von ihr komponiertes Singspiel »La belle Fermière« einen großen Erfolg. Bei der Uraufführung dieses Werks sang sie selbst die Hauptrolle. Auch ihre beiden folgenden Opern »Bathilde« und »Cathérine« wurden erfolgreich aufgeführt. Dagegen blieb eine später komponierte Oper »Ida, l’orpheline de Berlin« erfolglos. Neben diesen Bühnenwerken hat sie auch Lieder, Romanzen, Klavierstücke und Kammermusik geschrieben. 1796 besuchte sie Belgien und Holland; sie heiratete 1798 einen belgischen Karrosseriebauer mit Namen Simons. Während der Hundert Tage Napoleons ging sie nach London und gab dort nochmals einige Konzerte. 1813 kam sie nach Paris zurück und erhielt von König Ludwig XVIII. eine Pension bewilligt. 1821 heiratete sie in zweiter Ehe den Maler Périé. Sie starb 1934 in Paris.

BERLIN/Deutsche Oper: BORIS GODUNOW. Premiere

Berlin/ Deutsche Oper:BORIS GODUNOW“ von Modest P. Mussorgskij, Premiere, 17.06.2017.

Boris Godunow, Titelheld Ain Anger und Chor, Foto Bernd Uhlig
Titelrollensänger Ain Anger. Copyright: Bernd Uhlig

Zwei großartige Bässe und die Chöre tragen diese Premiere an der Deutschen Oper Berlin,  eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden, London. In beiden Häusern hat man den kraftvollen „Ur-Boris“ von 1869 gewählt. Mussorgski selbst verfasste das Libretto, inspiriert insbesondere von Puschkins gleichnamigem Drama.   

Den russischen Opernhäusern gefiel diese Oper – seinerzeit eine Abkehr vom bis dato Gewohnten – gar nicht. Sie vermissten Frauenrollen und Arien. Erst 1929, 48 Jahre nach Mussorgskis Tod, wurde das ursprüngliche Werk in Moskau erstmals aufgeführt. Auch die Zweitfassung von 1874, gebracht in St. Petersburg, hatte kaum Erfolg.

Inzwischen genießt dieses düstere Melodram aus dem zaristischen Russland des 16. Jahrhunderts allgemeine Wertschätzung. Calixto Bieito hat es 2013 an der Bayerischen Staatsoper inszeniert, Peter Konwitschny 2015 in Nürnberg. Hier nun das „Original“ in der Regie von Richard Jones, das in London am 13. März 2016 Premiere hatte.

Er erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Ende eines ehrgeizigen Zaren (Regierungszeit 1598-1605) quasi vom Blatt. Das wirkt zwar etwas trocken, hat aber unbestreitbare Vorteile. Die Interpreten müssen mit ihrem Text nicht gegen inhaltsferne Regie-Eskapaden (auf Englisch: German Trash) ansingen. Speziell die Herren können sich in dieser fast hundertprozentigen Männeroper voll entfalten. Und sie können es wirklich!

Die waagerecht zweigeteilte Bühne (Miriam Buether) ist britisch praktisch. Auf der schmalen oberen Ebene geschehen die Morde. Mehrmals spielt dort ein kleiner Junge mit einem Kreisel, wird von drei Vermummten überfallen, rüde getötet und weggeschleppt. Er ist Dmitri, der Sohn des verstorbenen Zaren Iwan des Schrecklichen und der spätere Anwärter auf den Zarenthron.

Boris Godunow, Robert Watson und Ante Jerkunica, Foto Bernd Uhlig
Robert Watson, Ante Jerkunica. Copyright: Bernd Uhlig

Per saldo tragen zwei höchst beeindruckende Bässe das Geschehen: Ain Anger als Gast in der Titelpartie (Berliner Rollendebüt) und Ante Jerkunica als Mönch und Chronist Pimen. Jerkunica kommt zuerst ausführlich an die Reihe. Kraftvoll und ausdrucksstark präsentiert er dem jungen Mönch Grigorij Otrepjew die Geschichte der Zaren. Darüber hinaus berichtet er auch von dem Mord am Zarewitsch, den er mit eigenen Augen gesehen hat.

Robert Watson als Grigorij, noch Stipendiat des Förderkreises, kann mit seinem kräftigen Tenor gut gegenhalten und gibt plausibel den Ehrgeizigen, der aus dem Kloster flieht und sich später – wegen der Ähnlichkeit mit dem ermordeten Prinzen – als der echte Dmitri ausgeben und gegen Boris zu Felde ziehen wird.   

Zunächst aber trifft Grigorij bei der Flucht auf zwei Bettelmönche, die lieber saufend herumziehen, als im Kloster zu beten. In dieser Szene überrascht erneut ein kräftiger Bass: der vom Einspringer Alexei Botnarciuc. Sein Partner mit ebenfalls kräftigem Tenor ist Jörg Schörner. Bei dieser lustvoll überdrehten Wirthausszene gibt’s Lacher im Publikum sowie den ersten und einzigen Zwischenbefall.

Ansonsten gibt es bei dieser finsteren Story weder fürs Publikum und schon gar nicht für Boris Godunow Grund zum Lachen. Der, vor Jahren vom Volk förmlich auf den Zarenthron gezwungen, hat zunehmend Sorgen, als Familienvater und als Herrscher über das unter einer Hungersnot leidende Russland.

Boris Godunow, Ain Anger, Julius Röttger, Foto Bernd Uhlig
Ain Anger, Julius Röttger. Copyright: Bernd Uhlig

Ain Angers dunkelwarmer Bass lässt überzeugend die Liebe zu seinem Sohn Fjodor (Knabensopran Philipp Ammer) hören, dessen gute Ausbildung er dezidiert unterstützt. Schon früh erweist sich der Junge als Landkartenzeichner. Das ist geschichtlich erwiesen, und das Regieteam hat es beachtet. Boris teilt auch den Kummer seiner unglücklichen Tochter Xenia (Alexandra Hutton), deren Bräutigam gerade im Krieg gefallen ist.

Vor allem macht ihm das hungernde Volk Sorgen und Probleme. Korn und Gold hat er an die Armen verteilt, doch das hat nicht geholfen. Die Menschen und er selbst sehen diese Nöte als Strafe für den Mord an Dmitri, für den sie Boris verantwortlich machen.  

Hier kommen die Chöre des Hauses, einstudiert von Raymond Hughes, und der von Christian Lindhorst geleitete Kinderchor (in historisch inspirierten Kostümen von Nicky Gillibrand) gekonnt ins Spiel. Sie sind das Volk, mal feiernd, mal fordernd, mal fromm, mal aufsässig und per saldo den Mächtigen ausgeliefert. Das wird glaubhaft gespielt und volltönend gesungen. Auch Gastdirigent Kirill Karabits trägt mit dem Orchester der Deutschen Oper Berlin das Seine zum musikalischen Gelingen dieser Berliner Premiere bei.

Der Preis gebührt dennoch Ain Anger, und spätestens jetzt erkennen wohl alle, warum er weltweit gefragt ist. Ein großer Mann mit großer schöner Stimme. Da stimmt auch optisch alles. Wie er nun seine Reue und die zunehmenden Schreckens-Halluzinationen heraussingt und sich in seinen Qualen windet, fasziniert so sehr, dass er – der Mordauftraggeber – einige Sympathien gewinnt. (In London wurde die Rolle von Bryn Terfel gesungen).

Aber wie hilflos wirkt der eigentlich Mächtige gegenüber seinem Widersacher, dem Fürsten Wassili Schuiskij, den Burkhard Ulrich (Tenor) als raffiniert schmierigen Typen zeigt. Der setzt auf den neuen Dmitri, hat ihm ein Heer organisiert. Der holt den alten Mönch (Ante Jerkunica) herbei, der von einem Wunder am Grab des ermordeten jungen Dmitri berichtet.

Ohnehin erscheint immer wieder der ermordete Junge mit dem Kreisel als Wahnbild vor Boris’ Augen. Der fühlt sein Ende, macht seinen Sohn Fjodor zum Nachfolger, bricht zusammen und stirbt.

Und auch dieser Junge steht danach auf der oberen Ebene, Vermummte nahen und töten ihn genau so wie einst den kleinen Dmitri, eine krasse Anspielung auf das historische Geschehen. Denn kurz vor dem Einzug des falschen Dmitri (Grigorij Otrepjew) „wurden der abgesetzte Zar und seine Mutter in deren Kremlwohnung erwürgt,“  ist bei Wikipedia zu lesen. Der war dann allerdings älter und wird hier – abweichend vom Foto – von Philipp Ammer verkörpert.

In den übrigen eher kurzen Rollen Ronnita Miller als Xenias Amme, Annika Schlicht als Schankwirtin, Dong-Hwan Lee als Andrej Schtschelkalow, Matthew Newlin als Gottesnarr, Andrew Harris als  Mikititsch, Andrew Dickinson als Leibbojar, Stephen Bronk als Mitjuch und Samuel Dale Johnson als Grenzpolizist.

Sie alle erhalten eher kurzen, aber kräftigen Beifall, Ante Jerkunica und Ain Anger jedoch die verdienten Ovationen. Wie sehr sich Ain Anger das Schicksal des Boris zu eigen gemacht hat, ist ihm noch anzumerken. Welch ein Glücksfall für diese Aufführung!  

Weitere Termine:  23. und 27. Juni sowie am 01., 04. und 07. Juli

JOSÉ CURA: ALLES NEU MACHT 2017

José Cura: Alles neu macht 2017! (Juni 2017/ Renate Publig)
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 © Zoe Cura

2017 ist ein höchst ereignisreiches Jahr für den argentinischen Tenor José Cura, standen doch zwei Rollendebuts, Uraufführungen seiner Kompositionen und die Veröffentlichung einer neuen CD am Programm.

Doch der „neue Weg“ zeichnete sich bereits im Jahr davor ab: Cura inszenierte Turandot an der Opéra National de Wallonie und entschied sich, jene Version auf die Bühne zu bringen, die mit dem Tod der Liù endet; das Stück also dort zu beenden, wo auch Puccini seine Feder für immer aus der Hand legte. Im Dezember 2016 folgte in Prag die Uraufführung seines „Magnifikats“, bevor es 2017 mit Elan in das wortwörtlich neue Jahr, das Jahr voller Neuigkeiten ging.

TANNHÄUSER
Das Jahr 2017 begann mit einem Rollendebut, genauer gesagt mit einem Fach-Debut: Der Tenor sang an der Opéra de Monte-Carlo erstmals Wagner, den Tannhäuser in der französischen Fassung, welche Wagner gemeinsam mit Charles Nuitter für Paris geschaffen hatte. Und die Wahl der Sprache war auch der Grund für Curas Zusage:

J.C.: „Die deutsche Fassung hätte ich phonetisch bewältigen können, doch mein Respekt vor der Öffentlichkeit, vor einer Partie verbietet mir, eine Rolle in einer Sprache zu singen, die ich nicht beherrsche. Die französische Sprache war mir jedoch nicht nur phrasierungstechnisch, sondern vor allem artikulatorisch vertraut. Mir ist die Verbindung von Wort und Körpersprache extrem wichtig, und ohne Beherrschung der Sprache kann es keine adäquate Körpersprache geben.“

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 © LaLibre.be

Doch auch Wagners Tonsprache stellt ein Novum für den Tenor dar, der sonst Verdi, Puccini und Verismo als seine Favoriten bezeichnet.

J. C.:„Tannhäuser ist eine große Oper, reich an äußerst anspruchsvollem Gesang. Wagners beeindruckende musikalische Rhetorik zu vermitteln, verbunden mit einer Theatralik, die glaubwürdig bleibt, stellt eine hohe Herausforderung dar!“

Wilhelm Sinkowitz bescheinigt in seiner Rezension in der „Presse“ dem Tenor den Erfolg dieses Unterfangens: „Der bis dato nur im italienischen und französischen Repertoire aktive Argentinier bewältigte die notorisch kräfteraubende Rolle auf höchstem Niveau: Wo Kollegen glücklich sind, „durchzukommen“, gebietet Cura über die denkbar breiteste Ausdruckspalette.“ Und er schließt mit der Empfehlung an das internationale Intendanten-Gremium, José Cura einen tiefgehenden Deutschkurs zu finanzieren: „Tannhäuser-Interpreten, die so singen, laufen zwischen dem Bayreuther Festspielhaus und dem Teatro Colon nicht allzu viele herum!“ (Wilhelm Sinkovicz, Die Presse)

Antonin Dvořák: Love Songs

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Jahrelang hielt sich Cura mit der Veröffentlichung neuer CDs zurück. Nun schlägt er einen neuen Weg ein, über ITunes und andere Plattformen ist seine CD „Love Songs“ mit Liedern von Antonin Dvořák zum Download erhältlich: Keine neue Einspielung, sondern vielmehr die Veröffentlichung eines Albums aus dem Jahr 2003. Warum jetzt – und warum Lieder von Dvořák?

J. C.: „2004 nahm ich anlässlich des 100. Todestages von Dvořák diese Lieder sowie die 9. Symphonie auf, allerdings nur für eine private Veröffentlichung. Um die Zusammenarbeit mit digitalen Plattformen zu testen, starte ich zunächst mit einer bestehenden Aufnahme. Doch diese Aufnahme ist natürlich neu abgemischt, endlich klingen die Einspielungen, wie ich mir das vorstelle! Außerdem enthält der Download auf ITunes ein digitales Booklet, die Einleitung ist neben den gängigen europäischen Sprachen in Chinesisch, Arabisch und Japanisch zu lesen, die Liedtexten sind in englischer Sprache zu finden.“

Natürlich hat die Wahl des Komponisten auch mit einer Zusammenarbeit zu tun, die in den letzten Jahren reifte: 2015 luden die Prager Symphoniker Cura als Artist in Residence ein, seither dirigiert er regelmäßig dieses Orchester in von ihm zusammengestellten Programmen.

J.C.: „Ich wollte den tschechischen Fans eine besondere Überraschung bieten: Die Veröffentlichung der Lieder von Dvořák. An die Aufnahmen erinnere ich mich noch gut, an die Herausforderung, diese wunderbare Musik in einer Sprache zu singen, die mir völlig fremd ist. Natürlich hatte ich damals einen Sprachcoach, denn das Tschechische stellte mich vor Rätsel: Ich hatte vier Silben zu singen, bei einem Wort mit zwei Vokalen. Die Antwort des Coaches war sehr einfach: ‚Singe die Konsonanten und mach einfach weiter‘!“
http://josecura.com/antonin-Dvořák-love-songs

ECCE HOMO – Uraufführung Prag
Das Oratorium Ecce Homo komponierte Cura 1989 für einen Tenorkollegen; für die Uraufführung fehlten jedoch die Mitteln, das Werk landete vorerst in der Schublade. Warum er diesen Text wählte:

J.C.: „Ich sprach mit mehreren Menschen, mit meiner Frau, mit dem Priester aus der Nachbarschaft über das Thema ‘Mensch’ und dessen Beziehung zum Göttlichen. Mich berührte stets das Leben Christi, seine letzten Worte auf dem Ölberg, darüber hinaus jedoch die Verbindung Menschlich-Göttlich: Verkörpert durch die menschliche Dimension Christi, der im christlichen Glauben der Sohn Gottes ist. “

Es sollte noch eine Weile dauern, knapp 30 Jahre, bis das Werk erklingen konnte. Was bedeutet es für einen Komponisten, wenn die Noten am Papier erstmals in reale Klänge umgewandetl werden?

J.C.: „Das war ein sehr berührender Moment, die erste Probe mit dem Orchester, dem Chor und den Solisten! Für einen Komponisten ist es etwas ganz Besonderes, sein Werk zum ersten Mal zu hören. Wenn wir ein Werk komponieren, hören und fühlen wir die Musik natürlich in unserem Kopf, wir stellen uns vor, wie das Werk klingen muss. Aber alles ist nur ein Fantasiegebilde in unserem Hirn. Wenn man die Musik dann tatsächlich hört, ist es wie ein Schock – ein positiver Schock. Manches klingt, wie man es sich vorgestellt hat, anderes funktioniert weniger – das korrigiert man.
Betrachtet man Mahlers Partituren – letztes Jahr durfte ich seine 2. Symphonie dirigieren –, findet sich zahlreiche Fußnoten, wann Mahler welche Korrekuren durchführte. Wenn also Genies wie Mahler seine Werke ständig einer Korrektur unterzog, dass kann man sich vorstellen, wie oft wir kleinen Komponisten korrigieren, die einfach ihre Ideen in Klänge verwandeln möchten. Bei Ecce homo war ich positiv überrascht, wie wenig ich verändern musste!”

PETER GRIMES
Drei Monate nach Tannhäuser erfolgte ein weiteres Rollen -und Fachdebüt als Peter Grimes in der gleichnamigen Oper von Benjamin Britten. Bei dieser Produktion sang Cura nicht nur die Hauptrolle, sondern übernahm darüber hinaus die Regie und das Bühnenbild. Freilich ist es nicht seine erste Regiearbeit: 2010 setzte er bereits für Karlsruhe Samson et Dalilah in Szene, 2012 folgte La Rondine an der Opéra de Lorraine, im gleichen Jahr noch gab es seine Inszenierung von Cav/Pag an der Opéra Nationale de Wallonie zu sehen! Am Teatro Colón inszenierte er 2013 Otello, 2015 an der Royal Swedish Opera La Bohème und 2016 kehrte er an die Opéra Nationale de Wallonie mit Turandot zurück.

J.C.: „Diesen holistischen Ansatz verfolge ich seit längerem, und wer meint, es ginge darum, alles an mich zu reißen, der liegt völlig falsch: Mir ist es wichtig, im Team zu arbeiten, ich hole mir die Meinung des kompletten Teams in ihrem jeweiligen Bereich ein, auch auf die Gefahr hin, nicht einer Meinung zu sein. Man kann sich nicht weiterentwickeln, wenn man nicht den Rat anderer einholt.
Bei einer Produktion, in der ich selbst singe, ist es mir wichtig, die Bühne „bewohnbar“ zu machen. Das erfordert eine sorgfältige Vorbereitung auf das Stück! Zunächst betrachte ich mir die Handlung – und dann entwerfe ich den Raum, in dem die Geschichte sich entfalten kann. “

Bei den bisherigen Regiearbeiten handelte es sich um ihm „bekanntes“ Repertoire – stellt die Doppelfunktion eine größere Herausforderung dar, wenn es sich um ein neues Fach handelt?

J.C.: „Natürlich ist es eine enorme Herausforderung. Aber davon, diese Partie zu singen, träume ich schon lange. Deshalb konnte ich der Möglichkeit, diese Oper, die so selten auf den Spielplänen zu finden ist, zu singen UND zu gestalten, nicht widerstehen! Und natürlich gibt es kritische Stimmen zu dieser Personalunion. Und man kann meine Arbeit, meine Interpretationen ablehnen. Doch niemand kann die Ernsthaftigkeit, die Professionalität, die hinter meinen Arbeiten steht, in Frage stellen.“

Den Teamgeist – beim Schlussapplaus holte Cura die komplette Crew einschließlich der Bühnenarbeiter vor den Vorhang – bestätigen die Rezensionen dem Sänger und Regisseur ebenso wie die akribische Arbeit an einer packenden und authentischen Inszenierung. So schreibt der General-Anzeiger Bonn: „Er wirkt hier wie eine Urgewalt, bei dem Gesang und Darstellung eine packende Einheit bilden. Sowohl in den lyrischsten Momenten der Arie „Now the Great Bear and Pleiades“ wie auch in der Wahnsinnsszene im dritten Akt, in der er die ganze Seelenpein des Peter Grimes mit seiner Otello-gestählten Stimme hör- und spürbar macht. Grandios!“ (Bernhard Hartmann, General-Anzeiger Bonn). Und auch die Zeitschrift Opernglas äußert sich positiv: „Dass Brittens Werk eine Ensembleoper ist, in der fast ein ganzes Dorf gegen den Außenseiter Grimes steht, den es ausgrenzt und in die Isolation treibt, hat José Cura überzeugend herausgearbeitet. Die Jagd auf den unglücklichen Fischer im letzten Akt wurde so durch die markerschütternden „Grimes“-Rufe der aufgebrachten Dorfbewohner zu einem eindringlichen und verstörenden Moment, der durch Curas überzeugende szenische Führung noch verstärkt wird.“ (L.-E.Gerth, Das Opernglas)

In diesem Tonfall wird es weitergehen: Die Produktion von Peter Grimes wird in Monaco übernommen, auch die Zusammenarbeit mit den Prager Symphonikern setzt sich fort, und im Oktober 2018 wird es in Tallinn eine Neuinszenierung von Puccinis La fanciulla del West geben. Regisseur: José Cura.
Blicken wir noch etwas in die Zukunft: Werden noch weitere neue Partien kommen?

J.C.: „Tannhäuser zu entwickeln und Peter Grimes mir wirklich zu eigen zu machen, wird einige Jahre in Anspruch nehmen, daher gibt es derzeit keine weiteren Rollen. Es gibt noch eine weitere Oper, die ich sehr gern singen würde, und das ist PIQUE DAME, aber ich fürchte, dass Tschaikowski meiner künstlerischen Gier wegen der Sprachbarriere entkommen wird.“

Renate Publig

Martin ACHRAINER: „Der Sänger, der sich nicht selbst in die Rollengestaltung einbringt, der tut mir Leid“

KÜNSTLERGESPRÄCH: MARTIN ACHRAINER am 23.5.2017 (Galerie des „Online-Merker“)

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Dr. Harald Lacina und Martin Achrainer beim Gespräch. Copyright: Barbara Zeininger

Das Gespräch führte Dr. Harald Lacina, nachstehend HL bezeichnet. MA steht für Martin Achrainer

HL: Wie haben Sie Ihre künstlerische Begabung entdeckt und Sie veranlasst nach Wien zu kommen?

MA: Ohne Ihren dramaturgischen Ablauf stören zu wollen, würde es mich freuen, Ihnen gleich den Grund zu präsentieren, weshalb ich heute da bin. Geh’n wir‘s an. Ich werde Ihnen am Anfang lieber gleich etwas singen.
(singt: Ständchen aus Don Giovanni mit Klavierbegleitung von Konstantinos Diminakis)
Das habe ich nur gemacht, damit der erste Druck verschwindet.

HL: Ich habe da so einen Spickzettel, den ich aber – nach Möglichkeit – nicht verwenden möchte, da unser seliger Deutschprofessor, Isabella Gregor weiß das noch, gesagt hat: „Man muss frei sprechen“. Sie hatten in jüngster Zeit große Erfolge als Don Giovanni in Linz. Diese Partie haben sie aber dort bereits zehn Jahre zuvor gesungen?

MA
: Ja genau, damals auf Deutsch. Und ich muss gestehen, vor zehn Jahren bin ich auf diesem „Pferd“ dieser Oper draufgehangen, wirklich auf dem Pferd gesessen. Und jetzt die große Chance zu haben, diese Partie nach zehn Jahren wieder zu singen. Da habe ich selber für mich bemerkt, was ich in diesem festen Engagement in Linz lernen durfte und wie schön es ist, wenn man in einem Ensemble eine Entwicklung machen durfte. Nach zehn Jahren konnte ich den Don Giovanni singen, was ich mit Mitte 20 nicht konnte.

HL: Sie haben aber auch Leporello gesungen?

MA: Ja, das war eine meiner ersten Partien. Das war damals im Haus in Bad Hall. Das war eine kleine Sommerproduktion. Dort wird auch jetzt jedes Jahr hübsch Operette gemacht. Wo Alexander Girardi und Gustav Mahler übrigens ihr Debüt gegeben haben als ganz, ganz junge Künstler und da durfte ich damals Leporello singen.

HL
: Ich möchte noch einmal zu Innsbruck zurückkommen 2004-2006. Brigitte Fassbaender hat sie dort sehr gefördert oder kann man sagen auch entdeckt?

MA: Es war auch eine Entdeckung, ja. Ich habe mein Debüt mit Papageno in Rheinsberg bei Berlin gegeben. Frau Fassbaender war damals in einer Jury, die bestimmen sollte, wer an diesem Festival den deutschen Jugenddarstellerpreis bekommt. Und Sie war damals auch schon Intendantin in Innsbruck und hat mich dann quasi eingepackt und mitgenommen. Und ich hatte das große Glück, dass sie mich – ah- ja, sie war zwar offiziell meine Chefin, aber eigentlich war sie Mentorin. Sie hat mich zwei Jahre lang unterrichtet. Es war eigentlich wie ein Opernstudio. Keine zu großen Rollen, langsame Entwicklung und Sie war da auch sehr darauf schauend und achtend, dass man der Stimme nicht zu früh zu viel zumutet. Und noch dazu, wenn man so einen Geist hat wie ich, dem ständig die Pferde durchgehen, war das ganz gut, dass Frau Fassbaender da die Hand darauf gelegt hat.

HL: Wie kamen Sie dann von Innsbruck nach Linz?

MA: Das war ein Gesangswettbewerb. Der „gradus ad parnassum“. Der war damals in Bozen und Dennis Russell Davies war in der Jury und hat mich quasi nach dem Preisträgerkonzert engagiert, um nach Linz zu kommen. Und das war vor zehn Jahren. Und nun bin ich seit zehn Jahren in Linz.

HL: Und dort haben Sie ja auch sehr viele Uraufführungen gesungen? Oder auch Opern, die fernab des Mainstreams sind?

MA: Ja, wenn man an einem Haus wie Linz im Ensemble ist und für mich selber ist das grandios. Dann singt man wirklich quer durchs Gemüsebeet  alles. Und von neuer Musik bis über den Barock herauf bis in die Romantik. Und das Tolle daran ist, man lernt das gesamt Repertoire richtig kennen. Auch wenn man nur in kleineren Partien auf der Bühne steht, hat man aber dann erfahrene Kollegen, die die großen Rollen singen und da lernt man die ganze Zeit.

HL: Philip Glass hat Ihnen eine Oper gewidmet oder besser gesagt, die Titelpartie für sie geschrieben. Das war der „Kepler“, den es auch auf dvd gibt. Ich selber habe auch eine Aufführung in Linz gesehen. Wie war die Zusammenarbeit mit Philip Glass?

MA: Das war insofern wahnsinnig spannend, weil Ich war eigentlich nicht vorgesehen. Die Oper wurde konzipiert, so sagen wir mal um 2007 herum wusste man, dass Linz europäische Kulturhauptstadt wird und dass man einen sehr berühmten Komponisten wählt, der quasi die Oper für Linz schreibt. Das Thema war auch klar. Johannes Kepler. Aber es war ein erfahrener Baritonkollege vorgesehen, der, bevor die Oper überhaupt komponiert wurde, an einem Herzinfarkt verstorben ist. Und da stand man plötzlich ohne Hauptdarsteller da und da ich 2008 die Oper Orphée von Philip Glass gesungen hatte und Glass mich in dieser Oper gehört hat und Dennis Russell Davies ja auch ein großer Förderer von Philip Glass‘ Musik  ist, hat mich Dennis Russell Davies ins Rennen gebracht ja und dann habe ich mich mit Herrn Glass in New York getroffen, hab ihm von Mozart, sehr viel Schubert, Bach vorgesungen. Wir haben drei Tage lang gearbeitet und dann hat er mir diese Partie wie einen Handschuh angepasst. Ja und es war ein großes Geschenk, dass einem ein solches Werk und noch dazu mit so einer Figur auf den Leib geschrieben wird. Und so wurde „Kepler“ halt von einem ursprünglich 60jährigen Mann zu einem jungen Kepler.

HL: Man muss dazu erwähnen, dass Kepler eine Nahebeziehung zu Linz hat und offenbar Opern, in denen Kepler die Hauptrolle darstellt, für Linz prädestiniert sind sowie jetzt Hindemiths „Die Harmonie der Welt“. Aber es waren dies nicht die beiden einzigen Opern von Philip Glass, in denen sie aufgetreten waren. Auch bei der Eröffnung des neuen Opernhauses.

MA: Wir haben dann die „Spuren der Verirrten“ nach einem Roman von Handke, den Philip Glass vertont hat und damit haben wir das neue Haus eröffnet. Da hatte ich dann eine kleinere Partie, weil das war eine wirkliche Ensembleoper, wo man darauf geachtet hat, dass das gesamte Ensemble vorgestellt wird. Wurde auch vom ORF übertragen und auch auf 3Sat ausgestrahlt…

HL: und davon gibt es auch eine dvd

MA: Ja genau. Ja, es gab dann auch eine weitere sehr intensive Zusammenarbeit mit Philip Glass. Wir hatten das große Glück, dass wir als gesamtes Ensemble „Kepler“ dann auch in der amerikanischen Uraufführung an der Brooklyn Academy New York präsentieren durften. Und bei dieser Premierenfeier da habe ich wahrscheinlich schon ein Gläschen zu viel gehabt, bin ich auf Herrn Glass zu und meinte, dass ich es sehr schade finde, dass er überhaupt kein Kunstlied geschrieben hat und gerade ich, wo das Kunstlied für mich so eine wichtige Gattung ist, die auch eine große Bedeutung in meinem eigenen Repertoire hat. Und daraufhin hat er sich ein Herz genommen und hat Texte, die er schon lange mit sich herum getragen hat, nämlich Gedichte des Mönches Milarepa aus dem 12. Jhd. ein buddhistischer Mönch, die hat er dann vertont. Zuerst in einer Klavierversion, die haben wir dann 2012 in der Schweiz uraufgeführt und weil er irgendwie selber so berührt war von dieser Gattung Kunstlied, die er vorher noch nicht verwendet hat, hat er eine Orchesterversion daraus gemacht und die haben wir dann auch mit dem Bruckner-Orchester uraufgeführt. Jetzt gerade vor kurzem eingespielt und Ende 2017 – Anfang 2018 zum runden Geburtstag von Philip Glass werden diese Orchesterlieder bei seinem Label erscheinen.

HL: Das Stichwort haben Sie gerade so schön geliefert. Sie haben eine rege Konzerttätigkeit, die sie nicht nur in die USA, sondern auch nach Japan, Frankreich, in die Schweiz führt. Neben Bachpassionen, auch Liederzyklen. Wollen Sie uns darüber etwas erzählen?

MA: Bevor ich mit der Oper angefangen hab, hab ich Lied gesungen. Ich hatte eine Lehrerin, ich muss dazu sagen, dass ich, ich war wirklich ein ziemlicher Wildfang, jetzt so um die 19, Anfang 20, und da habe ich eine Dame kennen gelernt, bei der ich auch studiert hab, die Rotraud Hansmann. Und diese Dame war selber eine grandiose Liedinterpretin und eine fantastische Konzertsängerin. Und die hat immer gesagt „Oper kannst nachher singen. Bleib jetzt einmal beim Lied und wir singen a bisserl  Oratorien und Messliteratur. Aber jetzt singst du einmal Lied. Jetzt singst du einmal ordentlich Schubert, Brahms und lernst einmal dieses Repertoire kennen.“ Und so hat sich eigentlich herauskristallisiert, dass sich mein gesamtes Studium auf der Liedkunst aufgebaut hat. Und ich profitiere heute noch sehr stark davon, denn ich habe ein langes Gespräch mit dem berühmten Hans Sotin gehabt, da haben wir Parsifal gemacht und ich hab – wie man auf gut Wienerisch sagt „a Wurzn“ gesungen – und der große Hans Sotin hat mir dann gesagt „Ich singe meine Wagner-Partien immer so, als ob ich Schubert singen würde“. Ja, das war auch der Grund, warum Hans Sotin selbst heute noch eine wunderschöne und gesunde Stimme hat. Deswegen ist für mich das Liedrepertoire so etwas wahnsinnig Wichtiges und selbst, wenn ich nicht engagiert werde für einen Liederabend, schaue ich, dass ich regelmäßig meinen Schubert, meinen Brahms singe. Einfach, um die Stimme gesund zu erhalten. Weil Lied ist so etwas wie die Apotheke für die Stimme. Wenn man eine große Wagnerpartie gesungen hat oder einen ganzen Abend auch Don Giovanni gesungen hat, wo es manchmal  wirklich in die Vollen geht, kann man die Stimme wieder wunderbar verschlanken und wieder auf ein gesundes Level herunter holen. Und Lied ist immer wie ein Farbkasten. Da kann man Farben verwenden, die man auf der Opernbühne nicht verwenden kann, weil einfach ein sehr sensibler Klavierbegleiter es zulässt und deine Farben im Piano nicht zudeckt, was man beim Orchester nicht immer hat.

HL: Ich glaube, dass Stichwort ist gefallen. Wollen Sie uns eine zweite Kostprobe geben?

MA: Ja, gerne. Thema piano. Ich habe ein Lied von Franz Liszt mitgebracht, auf das ich durch Brigitte Fassbaender gekommen bin. Die Fassbaender hat nämlich immer große Liedkurse in Eppan bei Südtirol gemacht. Und, wenn man aus dem Vintschgau herunter kommt nach Meran, gibt es auf der rechten Seite oben ein kleines Dorf, nämlich die Gemeinde Marling und Liszt ist auf seiner Italienreise, wie er auf der Rückreise durch dieses Marling zurückgekommen und dürfte so beeindruckt gewesen sein von diesem kleinen Dorf, dass er folgendes Lied geschrieben hat:
(Anmerkung: Martin Achreiner singt „Ihr Glocken von Marling“ nach einem Text von Emil Kuh (1828-76)):

„Ihr Glocken von Marling, wie brauset ihr so hell!
Ein wohliges Lauten, als sänge der Quell.
Ihr Glocken von Marling, ein heil‘ger Gesang
Umwallet wie schützend den weltlichen Klang,
Nehmt mich in die Mitte der tönenden Flut –
Ihr Glocken von Marling, behütet mich gut!“

HL: Bevor wir auf ihr jetziges zukünftiges Projekt bei der Oper Klosterneuburg zu sprechen kommen, möchte ich noch gerne über moderne Komponisten sprechen. Außer Philip Glass haben sie auch Kurt Schwertsik,  Ligeti, Henze, Kelterborn, Paul Engel, Ernst Ludwig Leitner, zwei Opern waren von ihm in Linz, und Ingo Ingensand gesungen.

MA: Ja, also Henze hat nicht für mich komponiert, ich habe nur Henze  gesungen. Aber mit den anderen Komponisten war es eine sehr schöne Zusammenarbeit und ich erinnere mich besonders gerne an die Zusammenarbeit mit Herrn Schwertsik, der so etwas von extrem lustig ist, offen und extremst unterstützend war. Und genau wusste, was er will. Also er hat drei, nein vier Lieder für Orchester und Bariton geschrieben und die in einem Ballettabend drinnen waren. Und er hat mit mir sehr intensiv an dieser Interpretation gefeilt, denn Schwertsik kommt extremst von der Sprache und die Sprache liegt mir sehr, also ich habe überhaupt kein Problem mit Sprechgesang. Aber er war knallhart, was aber dem Werk dann sehr sehr gut getan hat.  

HL: Und jetzt gab es ja wieder eine Uraufführung in Linz?

MA: Ja da hatten wir gerade am Samstag die Premiere, es war keine Welturaufführung, denn das Werk wurde schon vor zehn Jahren in Würzburg uraufgeführt. Sagt Ihnen Alfred Kubin was, der Maler? Alfred Kubin hat in einer Schaffenskrise den Roman „Die andere Seite“ geschrieben. Das ist ein Roman, den man eigentlich als den ersten Sciencefiction-Roman bezeichnen kann und Kafka war extrem beeindruckt von diesem Roman. Da es natürlich ein besonders starker Linz Bezug ist, hat man für Linz diese Oper neu adaptiert und es zur österreichischen Erstaufführung gebracht und mich für den Zeichner, der eigentlich Alfred Kubin ist, in dieser Oper eingesetzt. Unter der Regie von John Dew, der auch in Wien viel inszeniert hat und wir haben ein wunderbares großes Medienecho bekommen. Also, ich bin ganz glücklich.

HL: und es gibt noch Vorstellungen bis Ende Juni, habe ich nachgesehen. Bevor ich auf die  Oper Klosterneuburg zu sprechen komme, darf ich noch verraten, dass Herr Achrainer in der nächsten Spielsaison sein Debüt am Theater an der Wien in der Oper von Gottfried von Einem „Der Besuch der alten Dame“ feiern wird. Ich selber habe diese Oper als Student in der Staatsoper gesehen und seitdem nicht wieder. Und Sie werden den „Doktor“ singen?

MA: Ja, genau. Wobei ich dazu noch überhaupt nichts sagen kann. Ich habe mich nur kurz kundig gemacht, ob die Partie etwas für mich ist, aber da liegen noch so viele andere „Kollegen“ dazwischen.

HL: Wien Debüt auf einer Bühne in einer Oper war, abgesehen von off-Produktionen,  glaube ich der Nekrotzar in Ligetis Le Grand Macabre im Museumsquartier 2012.

MA: Ja, mit der Neuen Oper Wien. „Le Grand Macabre“ von Ligeti. Ein extrem schwieriges Werk, aber, wie so oft bei neuer Musik braucht man einfach eine gewisse Zeit bis man rein findet. Und wenn man dann drinnen ist, gerade als Darsteller, ist es also meine Riesenschüssel, die man auslöffeln muss. Es hat sehr sehr viel Freude und Spaß gemacht.

HL: Das Interessante bei dieser Oper ist ja, dass Ligeti mehrere Fassungen für verschiedene Sprachen geschrieben hat. Und es wurde in Wien natürlich die deutsche Version gespielt. Er hat eine ungarische auch und eine italienische, also mehrere Fassungen.

MA: Und uraufgeführt wurde die Oper auf Englisch.

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Martin Achrainer vor dem „Comte-Plakat“ (operklosterneuburg). Copyright: Barbara Zeininger

HL: Kommen wir jetzt zu Klosterneuburg. Rossini. Sie haben aber schon Rossini gesungen? Barbier? Cenerentola?

MA: Nein, der Barbiere ist mir noch leider nicht unter gekommen, aber ich habe den Dandini in Cenerentola gesungen und ich habe viel Kirchenmusik gesungen. Vor kurzem gab es das Stabat Mater von Rossini. Und jetzt freue ich mich sehr auf diese Partie des Rimbaud.

HL: Der Begleiter des Grafen Ory. Wie Sie wissen, war die österreichische Erstaufführung dieser Oper 2013 am Theater an der Wien. Die Rolle, die Herr Achrainer singen wird, hatte seinerzeit Pietro Spagnoli gesungen. Was können Sie uns zu diesem Projekt sagen. Rimbaud ist ja ein Saufkumpane des Grafen Ory?

MA: Sozusagen. Es ist eine Mischung aus Saufkumpane und Leporello-Figur. In gewissen Zügen erinnert die Oper sehr stark, überhaupt nicht vom musikalischen Material, aber so in der Handlung hat sie manchmal Anklänge an Don Giovanni. Und man kann sagen, Ory ist Don Giovanni und Rimbaud ist Leporello. Es ist ein wahnsinniger Opernspaß, genau die richtig Produktion, um Sommeroper zu machen. Und ich freue mich, denn es sind sehr sehr viele Bekannte von mir an dieser Produktion beteiligt. Unter anderen meine heißgeliebte Daniela Fally. Iurie Ciobanu war mit mir lange in Linz engagiert und wird den Grafen Ory singen. Ein wunderbarer, ideal gecasteter Rossini-Tenor, der auf diese Figur passt, wie ein Deckel auf einen Topf. Ja, dann die Daniela Fally als die Comtesse Adèle. Dann Margarita Gritskova als Isolier, die gerade jetzt an der Staatsoper Wien Erfolge feiert.

HL: Ja und dann noch Peter Kellner als Gouverneur

MA: und Carole Wilson, die ja auch eine sehr erfahrene Kollegin ist und schon seit Jahren im Operngeschäft tätig ist. Ein hervorragender Cast und ich freue mich besonders, weil der Regisseur, mit dem wir gerade in Linz Don Giovanni gemacht haben, wird die Regie machen. Also es ist ein Wiedersehen und das ist ein alter Theaterfuchs. Es wird sicher eine wahnsinnig lustige Produktion.

HL: Und er wird es verorten im Mittelalter, ist schon etwas bekannt oder wird er es modernisieren wie im Theater an der Wien?

MA: Ich denke nicht. So wie ich den François einschätze, er ist immer sehr sehr stark am Stück selber dran. Ich denke, dass es sehr zeitgemäß wird.

HL: Es wird also ein Nonnenkloster geben, wo sich dann die Saufkumpanen ebenfalls als Nonnen verkleiden.

MA: Genau. Gerade in Klosterneuburg wir immer darauf geachtet, dass die Inszenierungen sehr am Stück dran sind und in der Zeit spielen und deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass François es komplett aus der Zeit nimmt.

HL: Fein, da können wir ja schon gespannt sein. Der Dirigent kommt ebenfalls aus Linz?

MA: Ja Herr Campestrini. Wobei ich mit Herrn Campestrini noch nicht gearbeitet habe. Ich weiß nur, dass es eine langjährige Zusammenarbeit mit dem Festival in Klosterneuburg gibt und da sind ja schon mehrere Erfolge gefeiert worden.

HL: Es ist ihre zweite Rolle in Klosterneuburg nach dem Papageno, wo unsere geliebte Isabella Gregor, wo sitzt sie denn? Die hervorragende Regie gemacht hat. Und Herr Franz Blumauer, der sitzt da hinten, die Ausstattung.

MA: Ja dieser Papageno war so ein Anstupser, denn ich wurde dann durch die Produktion in Klosterneuburg dann in der Schweiz engagiert und durfte dann noch in einer weiteren Produktion in Deutschland den Papageno singen. Ja, das hat so Kreise gezogen und ich bin sehr froh, dass ich jetzt wieder zurückkommen darf nach Klosterneuburg, weil‘s einfach eine wunderschöne Arbeit ist. Sehr, sehr intensiv. Aber das Produkt, das dann immer herauskommt, ist einfach ein großer Spaß.

HL: Sie haben – meines Wissens – in der Schweiz auch den Besenbinder in  Hänsel und Gretel gesungen.

MA: Nein, den habe ich nur in Linz gesungen. Also ich singe in der Schweiz sehr viele Oratorien. Ich habe gerade eine Johannespassion in Basel gesungen, dann eine Matthäuspassion, und ich habe so meine 5-6 Veranstalter in der Schweiz, die mich regelmäßig engagieren, worüber ich sehr sehr froh bin, weil ich einfach gerne in der Schweiz auch singe. Aber Oper habe ich bisher nur die Zauberflöte gemacht und eine Don Giovanni-Produktion, allerdings da als Masetto.

AC (A.Cupak): Mich interessiert immer, wie man überhaupt dazu kommt, Opernsänger zu werden. Wie sich die Eltern verhalten habe, ob sie es gefördert haben. Oder eher dagegen waren. Haben Sie gesagt „Lern an anständigen Beruf“.

HL: Herr Achrainer hat einen „anständigen“ Beruf.  

MA: Nein, ich komme von einem Tiroler Bauernhof, bin in den sehr behüteten Tiroler Bergen aufgewachsen und die Oper war eine Kunstform, die es bei uns nicht gab. Aber ich wollte immer Schauspieler werden und ich wusste, sobald ich irgendwie die Möglichkeit hatte, eine Schauspielausbildung zu machen. Wie sie es richtig gesagt haben, heißt es in Tirol einen anständigen Beruf erlernen und den habe ich auch erlernt. Ich habe Koch gelernt, was ein großes Glück war, denn als meine Eltern mitbekommen haben, dass ich nach der Kochlehre Schauspieler werden wollte, hat’s natürlich geheißen: „das finanzierst du dir selber!“ Das habe ich mir auch selber finanziert. Ich bin während des Studiums kochen gegangen. Ich habe die Aufnahmeprüfung beim Max Reinhardt Seminar geschafft und habe zunächst Schauspiel studiert, war aber eigentlich immer derjenige, wenn immer es um Singen ging, haben sich alle anderen gedrückt und ich war immer derjenige, der gesungen hat. Es hat sich dann sehr schnell abgezeichnet, dass ich ins musikalische Unterhaltungstheater kam. Ich habe dann sehr viel Musical gemacht. Da hatte ich aber relativ bald das Problem, dass mich die Musik – jetzt sage ich etwas, das mir hoffentlich nicht auf den Kopf fällt – das Musical mir relativ bald zu fad geworden ist. Und ich habe nach Möglichkeiten gesucht und habe durch Rotraud Hansmann gefunden, die mich sehr geschickt und sehr liebevoll zur Oper geführt hat und sie war eine künstlerische Mutter und sie hat mich regelmäßig in die Oper mitgenommen und hat mich auch forciert, die Aufnahmeprüfung auf der Hochschule für Musik zu machen. Und ehe ich’s mir versah, habe ich klassischen Gesang studiert. Und sehr sehr schnell habe ich diese Liebe entdeckt und es war mir klar, dass ich nicht auf die Schauspielbühne gehöre, sondern auf die Opernbühne. Und deswegen ist aber auch meine Rollengestaltung immer sehr von der Schauspielerseite gedacht. Wenn ich eine Rolle lerne, dann kommt die Musik, die lerne ich mit, aber ich nehme zuerst einmal ein Personenporträt. Wen sehe ich da? Woher kommt der? Wie stehen die Figuren zueinander? Dann fange ich einmal an, mich mit dem Text auseinander zu setzen. Und die Musik ist eigentlich die ganze Zeit da, die muss ich dann meistens gar nicht mehr lernen, weil sie schon präsent ist. Also nur über die Annäherung der Figur.

HL: Können Sie sich in der Rollengestaltung selber einbringen oder gibt es da Regisseure, die unbedingt ihr Konzept und ihre Ideen aufoktroyieren wollen?

MA: Nein, der Sänger, der sich nicht selber einbringt in der Rollengestaltung, der tut mir Leid. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man einem Regisseur etwas anbietet, dann nimmt er es auch. Ja, ein Sänger ist ja nicht eine bloße Marionette, sondern eine Persönlichkeit, die auf der Bühne steht. Wenn ich mit meiner eigenen Persönlichkeit eine Rolle nicht ausfülle, dann ist das ja eine seelenlose Puppe, die da oben steht. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll, wenn ich mich nicht in meiner Rollengestaltung zu 100% einbringen kann. Deshalb liebe ich ja meinen Beruf so, weil ich gehe am Morgen ins Theater, das ist wie bei kleinen Kindern, die in den Kindergarten gehen.  Ich gehe spielen.

HL: Haben Sie Lieblingskomponisten, die sie besonders gerne interpretieren?

MA: Mozart ist für mich der Opernkomponist. Ich liebe Mozart aber das war auch so der erste Komponist, über den ich mich an die Oper angenähert habe. Immer mehr entdecke ich für mich Richard Wagner und bis man dieses Repertoire singen kann, dauert es halt. Aber jetzt komme ich schön langsam in das Alter, wo ich zeigen muss, dass ich diese Rollen singen kann. Wolfram von Eschenbach, dann würde ich sagen Heerrufer im Lohengrin. Ich hoffe in Zukunft wird einmal ein Beckmesser anstehen. Aber da lasse ich mir noch ein bisschen Zeit. Beckmesser wurde mir schon angeboten, aber als ich mit Frau Fassbaender darüber gesprochen habe, hat die nur gesagt „Bist du wahnsinnig?“ Damit war die Diskussion beendet. Aber ich bin überzeugt, die Rollen kommen.

HL: Bei Richard Strauss haben ie bisher nur den Harlekin in Ariadne und einen Nazarener in Salome gesungen?

MA: Ja, aber das war ganz am Anfang. Also ich werde nie einen Jochanaan singen. Dazu ist meine Stimme zu wenig dramatisch.

HL: Na ja, jetzt noch nicht.

MA: Na, schauen wir einmal. Aber es steht jetzt Frau ohne Schatten an, wo ich einen der drei Brüder von Barak singen werde und ich würde wahnsinnig gerne einmal in Capriccio den Grafen singen. Das wären so die Partien, die bei Richard Strauss interessant wären. Wobei, da gibt es mehrere Partien, aber kleinere.

HL: Aber Mozart an erster Stelle.

MA: Ja, ich bin mit diesem Komponisten aufgewachsen und es hat sich gezeigt, dass das vernünftig war. Ich singe jetzt professionell, dass ich davon lebe, seit 20 Jahren und die Stimme ist Gott sei Dank gesund. Ja, was nicht immer der Fall ist, weil sehr oft verlangt dieses Business, dass man zu früh die dramatischen Partien singt. Ich hatte Glück, ich hatte die richtigen Leute um mich und auch immer sehr mütterliche und väterliche Freunde, die auf mich geschaut haben und die richtig Lehrer. Aus der Sicht des Sängers ist beim Ensembletheater eine langsame, kontinuierliche Entwicklung möglich. Wenn man einen Intendanten hat, der ein Gespür, der ein Gehör für Stimmen hat, dann weiß er, was er seinen Sängern zumuten kann, setzt auch keine Stücke an, die er nicht unbedingt aus dem Ensemble größer besetzen kann, wo er dann – mehr oder weniger – einen Großteil der Sänger also mit Gästen besetzen muss. Schaut, dass er dann ein Ensembletheater macht mit Stücken, wo er seine eigenen Leuten besetzen kann und damit wird eine Theaterführung, so wie ich es jetzt aus der Sängersicht gesehen habe, auch wirtschaftlich ein Erfolg sein. Denn, wenn man ständig Gäste holen muss, wird das am Ende eine teure Geschichte. Wir haben Ensembleverträge, wir haben eine gewisse eine Sicherheit, dass wir regelmäßig unser Geld auf dem Konto haben. Aber es sind nicht die Bombengagen, aber mir sind – ehrlich gesagt – die Regelmäßigkeiten  lieber. Ich bin ein großer Verfechter des Ensembletheaters. Und ich sehe es auch bei unseren Gästen, die regelmäßig in Linz ans Theater kommen, die freuen sich, wenn sie nach einer Vorstellung mit den Leuten, die sie über Jahre hinweg kennen und in den verschiedensten Partien gesehen haben, dann auch bei einem Glaserl Wein über die Inszenierung diskutieren können. Was vielleicht mit Gästen gar nicht so leicht ist, weil man sich ja gar nicht traut, sie anzusprechen, weil man sie ja gar nicht so gut kennt… Aber das ist jetzt nur nebenbei.

AC: Sie waren bei Herrn Schneider gesetzt? Sozusagen, denn er hat ja das Ensemble ziemlich durchforstet.

MA: Ja, äh, ein schwieriges Thema. Ich habe den Intendantenwechsel überlebt. In Linz sind aber auch sehr sehr viele in Pension gegangen, deswegen hat es dann so extrem ausgedünnt ausgeschaut. Aber es gab dann einfach Pensionierungen und das waren nicht nur Nichtverlängerungen.

AC
: Den gibt es noch den Bauernhof?

MA: Ja. Den Bauernhof gibt es noch, aber er wird nicht mehr bewirtschaftet. Wir sind 7 Kinder. Die Eltern sind schon stolz auf mich, aber Oper liegt ihnen halt doch fern. Sie können nicht wirklich etwas damit anfangen, was ich aber absolut verstehe. Meine Eltern sind einfach nicht mit der Oper in Berührung gekommen und hatten nicht das Glück, so liebevoll dahin geführt zu werden. Und sie wissen ja alle: Die Oper muss man kennen lernen. Ganz selten, dass einem die Oper wirklich in den Schoß fällt. Also zumindest ist es mir so gegangen.

HL: Ihre Eltern aber haben sie schon besucht bei Aufführungen?

MA: Sie haben sich schon Aufführungen angesehen. Ich habe nicht das Gefühl in meiner Entwicklung stecken geblieben zu sein. Ich bin jetzt seit zehn Jahren in Linz. Ich glaube, dass ich, selbst wenn ich internationale Angebote bekomme, immer wieder nach Linz zurückkehren werde. Einfach, weil es mir so viel erlaubt und künstlerisch ermöglicht. Wenn man mich jetzt an die Staatsoper holt, dann singe ich mittlere und kleine Rollen…

MG (Michael Garschall): Linz schafft es ja immer wieder auf sich aufmerksam zu machen.

MA: Da hat natürlich jetzt das Neue Haus auch damit zu tun. Aber ich erinnere mich auch an Innsbruck. Die Fassbaender hat ein Ensemble erschaffen mit 30 Sängern fix am Haus bei einem kleinen Haus wie Innsbruck. Aber die Leute sind gekommen, weil die Fassbaender da war. Das hängt dann auch sehr stark am Intendanten und an einer Führungspersönlichkeit, die vorne steht. Und die Sänger sind gerne nach Innsbruck gekommen und da waren auch Sänger im Ensemble, die waren 55 und 60, die das dramatische große Fach bedienen konnten. Da hat man den Vergleich gar nicht scheuen müssen mit Fachkollegen, die an größeren Häusern singen. Ich weiß noch, unser dramatischer Bariton hat in München vorgesungen und es hieß tatsächlich beim Vorsingen, die Stimme ist für München zu laut. Aber er hat das dramatische Fach in Innsbruck bedient. Man will ja auch in gewisser Weise ein Privatleben haben und aus dem Privatleben schöpft man ja auch dann die Kraft, um neue Figuren zu erschaffen, die teilweise sehr sehr anstrengenden Partien zu meistern. Aber, ich würde vorschlagen, ich singe zum Abschluss noch ein Lied und nutze dabei die Chance, heute Abend auch etwas zu singen, was ich noch nie gesungen habe. Deswegen, Verzeihung, dass ich es nicht auswendig singe,  deshalb lege ich die Noten hier auf die Seite. Sie hören von Beethoven das „Flohlied„ (Flohlied des Mephisto aus Goethes Faust: „Es war einmal ein König…“, op. 75 Nr. 3 in g-moll):

„Es war einmal ein König,
Der hatt‘ einen großen Floh,
Den liebt‘ er gar nicht wenig,
Als wie seinen eig’nen Sohn.
Da rief er seinen Schneider,
Der Schneider kam heran;
„Da, miß dem Junker Kleider
Und miß ihm Hosen an!“
In Sammet und in Seide
War er nun angetan,
Hatte Bänder auf dem Kleide,
Hatt‘ auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister
Bei Hof auch große Herrn.
Und Herrn und Frau’n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht.“

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Martin Achrainer mit der Regisseurin Isabella Gregor. Copyright: Barbara Zeininger

Gespräch am 23.5.2017 in der Galerie des Online-Merker

 
 

 

 

 

 

 

PETER SCHNEIDER zu Gast beim Wiener Richard Wagner-Verband.

Peter Schneider
zu Gast beim Wiener Wagner-Verband (18.5.2017)

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Gut gelaunt und auskunftsfreudig: Peter Schneider beim Gespräch im Cafe Museum. Foto: Herta Haider

Inhalt nach Noten

Lebhaft und lustvoll beantwortete der Maestro alle ihm gestellten Fragen im übervollen Clubraum des Café Museum, wo der Wiener Wagner-Verband zu tagen pflegt. Beim ersten „Ring“-Durchlauf dieser Saison, gipfelnd im überwältigenden Finale der „Götterdämmerung“, überboten die heimischen und angereisten Wagnerianer einander an Begeisterung über Schneiders so ungemein expressive und spannungsgeladene Wiedergabe der Tetralogie, die den Eindruck erweckte, als habe er das Riesenwerk in seiner ganzen Großartigkeit und Lebendigkeit neu entdeckt. Genauso erging es nämlich uns Zuhörern.

Die beiden „Ring“-Zyklen dieser Saison waren die ersten seit dem Jahre 2004, die dem gebürtigen Wiener von Wiens Operndirektoren angeboten wurden. (Dass es im vorigen Jahrhundert etliche Spielzeiten gab, in denen Peter Schneider überhaupt der einzige Österreicher am Pult der Wiener Staatsoper war, sei nur am Rande angemerkt.) Inzwischen sind es über 400 Abende vornehmlich im deutschen Fach geworden. Überdies kann er mit einem Rekord in der Bayreuther Festspielgeschichte aufwarten: Er stand unter allen dort auftretenden Maestri die meisten Spielzeiten (genau 20) am Pult und hat die meisten „Lohengrin“-Vorstellungen geleitet.

Gar nicht so weit von unserem Treffpunkt am Karlsplatz, nämlich in der Rechten Wienzeile Nr. 99 (2 Häuser entfernt vom Geburtshaus Hans Mosers) hat er am 26. März 1939 das Licht der Welt erblickt und etwas weiter stadtwärts, im Theater an der Wien (Linke Wienzeile 6), dem Ausweichquartier der Staatsoper nach dem Krieg, als Wiener Sängerknabe seine erste Bühnenerfahrung gesammelt. Nach dem Musikstudium führte seine Laufbahn über Korrepetionsstellen in Salzburg und Heidelberg, wo er auch bereits dirigierte, nach bzw. neben festen Positionen in Düsseldorf/Duisburg, Bremen, Mannheim und München über Bayreuth (ab 1981) in die Welt und – zurück nach Wien (ab 1984), wo er sich bei Sängern, Musikern und dem Publikum größter Beliebtheit erfreut.

Das ganze Werk

Meine Fragen galten zuförderst einem Phänomen, das den meisten großen Dirigenten gar nicht leicht fällt zu beantworten:
Wie gelingt es einem, nicht nur anhand der Noten präzise Einsätze zu geben und das gesamte Opernensemble unter Kontrolle zu halten, sondern auch Inhalte zu vermitteln bzw. den  Musikern das abzufordern, was zwischen und hinter den Noten steht?

Die bei früheren Gesprächen mit Schneider mehrfach erhaltene Antwort: „Ich dirigiere, was dasteht“ wollte ich diesmal nicht im Raum stehen lassen. Der Künstler erklärte denn auch bereitwillig, wie er diverse Effekte erzielt.

Am Beispiel von 2 Ouvertüren aus dem gängigen Opernrepertoire, bei denen unter Schneiders Leitung mit dem 1. Akkord bzw. Takt sofort klargestellt wird, worum es dem Komponisten in diesem speziellen Werk geht, kam einer der großen Vorzüge des Dirigenten zur Sprache.

„Don Giovanni“: Unter Schneiders Händen kündigt bereits der 1. Akkord der Ouvertüre ein dramma giocoso an. Das Orchester klingt zwar kompakt, aber es ist ein voller, weicher Klang, wohl hintergründig, aber nicht von tödlicher Wucht, und gibt den Weg zu einem spielerischen Umgang mit den Liebespraktiken des Titelhelden frei. Zu oft lassen Dirigenten diesen Beginn zu einem irreversiblen Todesstoß werden, worauf dann die restliche Ouvertüre zerfällt. – Schneider erklärt: Mozart schreibt ein forte, nicht ein fortissimo vor, dazu ein Andante und in den tiefen Stimmen kein tenuto. D.h. ein Mysterium hat zwar begonnen, aber noch bleibt offen, wie es sich entfalten wird.

„Fidelio“: Mit der Ouvertüre, wie Schneider sie in klassischem Ebenmaß spielen lässt, beginnt ein groß dimensioniertes menschliches Drama, das ein positives Finale erahnen lässt. Es ist lebhaft bewegt, ja, aber er drischt nicht den Beginn effektheischerisch herunter, denn das würde eine organische Zusammenbindung des Ganzen stören. 

Das sind kurze Antworten auf die Frage, wie es Schneider gelingt, jedes von ihm dirigierte Werk als ein in sich geschlossenes Ganzes zu präsentieren. Es geht ihm nicht um eigenwillige Effekte mittels übermäßiger Lautstärke oder verrückter Tempi.

Textverständlichkeit 

Die hängt natürlich weitgehend mit der Rücknahme des Orchesters durch den musikalischen Leiter zusammen, wobei die musikalische Aussagekraft aber nicht vermindert werden soll. Ich stellte dieses Problem bzw. Nicht-mehr- Problem anhand dreier Aufführungen der „Schweigsamen Frau“ in den Raum, die ich unter Schneiders Leitung gehört habe. Zuerst (Juni 2010) an der Wiener Staatsoper. Ein köstliches Konversationsstück, das jede der handelnden Personen nicht nur textlich, sondern auch musikalisch individuell zur Geltung kommen ließ. Nie deckte das Straussische Orchester die Stimmen zu, was mir bis dahin immer dieses Stück etwas verleidet hatte. Dann in Dresden – eine Koproduktion mit Wien (die pointierte und farbfrohe Marelli-Inszenierung, die wir gern wieder sähen!). Die Semperoper ist kleiner, sodass zu befürchten war, dass die Staatskapelle zu laut werden würde. Aber nein – im Gegenteil! Und auch das dortige Sängerensemble war optimal zu hören. Zuletzt an der Züricher Oper, ein Haus vom Format eines Stadttheaters. Und das war die allerleiseste „Schweigsame“. Nicht aus Mangel an größeren Stimmen, sondern weil Peter Schneider sie alle so liebevoll – getreu den Noten – begleiten ließ, dass die ganze Geschichte menschlich berührender wurde. Fast ohne Proben…Der Maestro bat mich damals, dies nicht zu Papier zu bringen, sonst bekäme er womöglich noch weniger Orchesterproben angeboten….

Jetzt will er das gar nicht mehr verheimlichen, zumal es bei einem Klangkörper von der Qualität der Wiener Philharmoniker ja ohnedies keine Probleme gibt – im Gegenteil, sie fühlen sich noch mehr gefordert.

Anpassung an die Sängerbesetzung

So nach dem Motto „Lass die Frage..,“  unterließ ich es, beim Vergleich zweier ganz unterschiedlicher Interpretationen des „Siegfried“-Finales an der Wiener Staatsoper, den Dirigenten direkt zu fragen, wie er das gemeistert habe.

Am 1. November 2004 stand als Siegfried erstmals John Treleaven hier auf der Bühne, und Linda Watson war seine Brünnhilde – ein heroisches Paar, stimmlich, von der Erscheinung her und mit der Fähigkeit, die großen Gefühle, die Wagner in Worte und Töne gesetzt hat, glaubhaft zu machen. Als die Götterkinder am Ende alle Ängste und Zweifel überwunden und nur noch der gemeinsamen Liehe zu leben beschlossen hatten, kam vom Orchester ein finaler Aufschwung, der die beiden derart beflügelte, dass sie – entgegen der Regieanweisung (sie hätten sich nach den letzten Worten auf dem Boden wälzen sollen), animierte, auf den Felsen in der Bühnenmitte (in der Dresen-Inszenierung) zu springen, einander an der Hand zu nehmen und lachend mit ausgestreckten Armen geradezu ekstatisch frontal ins Publikum ihr „Leuchtende Liebe, lachender Tod!“ zu singen. Weder hatte er sie noch sie ihn da hinaufgezogen, sondern es geschah beiderseits spontan. Als ich später die beiden Sänger unabhängig voneinander fragte, warum sie das getan hatten, kam die Antwort: „Wir konnten nicht anders – Schneider hat es so dirigiert!

In der jetzigen Aufführung am 6. Mai fiel der Schluss leichtgewichtiger, lockerer aus und der finale Abschlag hatte fast etwas Scherzhaftes. Hier fällt mir Peter Schneider gleich ins Wort: „Die beiden Stimmen waren leichter und Petra Lang benötigte flottere Tempi.“ Diese Brünnhilde und ihr Partner Stefan Vinke durften sich am Ende zu Boden begeben und dort einander umschlingen, als der Vorhang fiel.

Ein Beispiel für viele, wie gut es wäre, öfters Dirigenten Regie führen zu lassen…

Wagner-Magie:

Eine kostbare Erinnerung, die sich aus aktuellem Anlass vordergründig anbietet. Plácido Domingo, dessen hiesiges 50-jähriges Bühnen-Jubiläum wir gerade gefeiert haben, hatte sein betörendes Wiener Lohengrin-Debut am 4. Jänner 1985 unter Peter Schneiders dirigentischer Obhut. (Wie uns der Maestro nun bestätigte, natürlich ohne Orchesterprobe.) Ich saß mit meiner Mutter in der seitlichsten 2.Rang-Loge hinten, ohne Sicht auf den Dirigenten und den in der hintersten Bühnenecke auftretenden Gralsritter. Da setzten die philharmonischen Violinen ein mit einem seidenweichen pp-Schwebeklang, dass ringsum die Welt versank. Und dann diese berückende Tenorstimme: „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan“ in einem endlos-piano-Legato… Meine Mutter blickte mich an, ich sie, unsere Münder blieben offen, wir vergaßen zu atmen… Es war pure Klangmagie. Mochte die deutsche Aussprache des Spaniers nicht optimal gewesen sein – zwei Erzmusikerseelen hatten einander gefunden. (Domingos 2. Lohengrin-Serie 5 Jahre später unter Claudio Abbado fiel weit weniger befriedigend aus. Der Sänger war eigentlich krank und Abbado fehlte noch die Wagner-Erfahrung.)

Peter Schneider konnte diese „Lohengrin“-Magie rund um den Erdball in unterschiedlichsten Inszenierungen und mit vielen verschiedenen Sängern und Orchestern immer wieder verwirklichen. Auch schon in frühen Jahren.

Mit dem „Tristan“ brauchte er längere Zeit, bis sich ihm dieser Klangkosmos mehr und mehr erschloss. Waren schon seine Bayreuth-Abende im Angesicht der völlig stimmungslosen, der Größe des Werks unwürdigen Marthaler-Inszenierung musikalische Feste, so konnte Peter Schneider bei den 7 Aufführungen an der Wiener Staatsoper in den Jahren 2013-2015 jenes Klangwunder verwirklichen, das geeignet ist, hellhörige Opernbesucher verrückt zu machen – „Ertrinken, versinken, unbewusst, höchste Lust…“                                                                     
Als ich ihn darauf anspreche, warum es ihm jedes Mal gelingt, z.B. bei Isoldes „Frau Minne will, es werde Nacht“ mit einem Irrsinns-Emotions-Crescendo des sich öffnenden Orchesters zu bewirken, dass man vor Seligkeit heulen muss, da bekennt er schlicht und einfach: „Das gehört zu meinen Lieblingsstellen!“ – Zu diesen gehört offenbar auch „in des Weltatems wehendem All“, wo Tristan und Isolde endgültig zusammengekommen sind. Wie und wo und für wie lange – das bleibt für uns offen…Aber es hör- und fühlbar machen zu können,  ist für mich ein Hauptkriterium für das Einfühlungsvermögen eines „Tristan“-Dirigenten.

Welche Gefühle sich da vom Komponisten auf den Dirigenten und von diesem aufs Publikum übertragen – darüber redet man nicht. Das erlebt man.

Reales

Peter Schneider hat sich in der Hand. Er kommt nicht nur mit den Tristan-Ekstasen schadlos zurecht, sondern auch mit etwaigen Benachteilungen und Enttäuschungen im Berufsleben.

So sprach ich ihn auf München an, wo er bereits in Sawallischs Direktionszeit viel dirigiert hatte, dann Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper wurde, unter Mehta noch Erster Gastdirigent blieb und seit Nikolaus Bachlers direktoraler Amtsübernahme nicht mehr aufscheint. Da überrascht uns Schneider mit dem Faktum, dass er sich nie um eine leitende Stellung an diesem Haus beworben hatte, aber nach dem Abschied von Wolfgang Sawallisch vom gesamten Hausensemble zum neuen Musikdirektor gewählt wurde. Obzwar er selbst sogar Bedenken hatte, ob er dieses Amt denn würde ausfüllen können, redete ihm auch der verantwortliche Kultusminister zu, es anzunehmen, zumal der designierte Intendant, Peter Jonas, ein guter Teamworker sei und Schneider ja auch schon mit dem Operndirektor Gerd Uecker (späterer Dresdener Generalintendant) gut zusammengearbeitet hatte. Die gute Zusammenarbeit mit Jonas erwies sich jedoch bald als lückenhaft. Alle wichtigen Entscheidungen wurden von diesem allein getroffen, Schneider erfuhr sie zumeist dann aus der Zeitung. „Wenn aber etwas schief ging, dann war ich schuld.“ Eine Rücksprache mit Peter Jonas ergab: „Ich bin laut Vertrag nicht verpflichtet, etwas mit Ihnen abzusprechen.“ Worauf Schneider nach 5 Jahren von seinem Amt als Chefdirigent zurücktrat. Wohlmeinende Freunde sagten ihm, er hätte eigentlich sollen darauf bestehen, dass er „Generalmusikdirektor“ würde, denn das hätte ihm mehr Rechte gegeben. Aber das tut halt ein Mensch, der bisher immer nur auf Grund seines Könnens eingeladen wurde, eben nicht. – Sein Gastvertrag mit München ist eigentlich nie offiziell aufgelöst worden, es kamen nur keine Anfragen mehr.

Schneider versteht nicht, warum es heute nur ein „Entweder – Oder“ zu geben scheint. In seinen 10 Düsseldorfer bzw Duisburger Jahren, wo er sich so ziemlich das gesamte Opernrepertoire erarbeitet hat und von Wolfgang Wagner entdeckt wurde, gab es 3 Kapellmeister – alle 3 Österreicher – , die untereinander kollegial abgesprochen haben, wer was dirigiert. Auch mit Zubin Mehta gab es in München stets eine freundschaftliche Zusammenarbeit. Auf eine Frage aus dem anwesenden Wagner-Kreis, ob Schneider von jüngeren Kollegen vielleicht gelegentlich um Rat und Hilfe gebeten werde, muss er antworten: ganz selten. Sascha Goetzel, der jetzt seinen ersten „Rosenkavalier“ in Wien dirigiert, habe ihn diesbezüglich angesprochen. Auf die Publikumsfrage, ob er auch unterrichtet oder unterrichten möchte: „Solange ich dirigiere, möchte ich das nicht, denn dafür muss man sich Zeit nehmen. Aber künftig: warum nicht?

Und was bietet Wien? Definitiv ist derzeit nur eine „Salome“-Serie im November 2017 verbucht.

Der „Merker“ wacht und denkt…. Böte sich nicht logischerweise eine „Tristan“- Serie spätestens zum 80. Geburtstag als Liebesgabe der Wiener Staatsoper an ihr Ehrenmitglied an?  Was für Zubin Mehta die „Falstaff“-Premiere war, wäre für Peter Schneider eine Reprise von Wiens derzeit schönster Wagner-Inszenierung…

Im Namen unzähliger Opernfreunde                               Sieglinde Pfabigan

 

TODESFÄLLE – STAND MAI 2017

TODESMELDUNGEN STAND MAI 2017

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

Lucienne JOURFIER ist am 10.1.2017 in Paris verstorben

Lucienne Jourfier als Manon

 Geboren am 17. September 1923 in Toulouse; sie studierte 1939-41 am Konservatorium von Toulouse und vollendete ihre Ausbildung am Conservatoire National de Paris. 1945 debütierte sie an der Grand Opéra von Paris als Pamina in der »Zauberflöte«. Sie hatte dort wie auch an der Pariser Opéra-Comique eine lange, sehr erfolgreiche Karriere. 1952 sang sie dort in einer denkwürdigen Aufführung der Oper »Les Indes galantes« von Rameau. Sie trat als Gast am Opernhaus von Lausanne (1949) und an der Oper von Monte Carlo (1949 und 1952 als Manon von Massenet) auf. Sie war bis 1953 an der Pariser Opéra-Comique engagiert und gastierte danach noch in der französischen Provinz, vor allem in Bordeaux und Toulouse. Sie beherrschte eine Vielzahl von Rollen aus dem Koloratur- wie dem lyrischen Stimmfach, darunter die Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, die Mimi in »La Bohème«, die Gilda im »Rigoletto« und die Micaela in »Carmen«. Zu ihren großen Partien gehörten die Rosina im »Barbier von Sevilla« (die sie auch 1948 in einem Film übernahm), die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, die Sophie im »Werther« von Massenet, die Philine in »Mignon« von A. Thomas und die Susanna in »Figaros Hochzeit«. 1951 wirkte sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »Marion« von Pierre Wissmer mit.

Ihre Schallplatten erschienen bei Odeon-Pathé.

 

Helena MOLON ist am 14.2.2017 in Gdansk verstorben

Helena MOLON

 Geboren am 27. Januar 1917; Nachruf auf die polnische Sopranistin auf Polnisch: http://www.dziennikbaltycki.pl/kultura/a/zmarla-helena-molon-nazywano-ja-gdanska-maria-callas,11793040/

 

Shari BORUVKA ist am 19.2.2017 in Birmingham (Alabama) verstorben

Shari BORUVKA

 Geboren am 5. September 1933 in Prag; leider liegt über diese Sängerin, die an der Wiener Staatsoper 1968 als Küsterin in »Jenufa« von Janácek und 1972 als Herodias in »Salome« von R. Strauss gastierte, keine Biographie vor.

 

Nina STANO ist am 28.2.2017 in Warschau verstorben

Nina STANO

Geboren am 26. Juli 1919 in Warschau; sie verbrachte ihre Kindheit in Lwów (Lemberg), wo sie bereits ihren ersten Gesangunterricht erhielt. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sie ihre eigentliche Ausbildung beginnen und war an der Musikhochschule von Warschau Schülerin von Ada Sari und Eugen Kopp. 1954 erwarb sie dort ihr Diplom als Sängerin und Gesangslehrerin. 1955 wurde sie an die Nationaloper Warschau verpflichtet; als erste größere Partie sang sie an diesem Haus die Rosina im »Barbier von Sevilla«. Nachdem sie einen Preis beim Internationalen Gesangwettbewerb in Wien gewonnen hatte, sang sie 1959 erstmals im Ausland, und zwar am Schwedischen Rundfunk. 1960 gab sie ihr Engagement an der Warschauer Oper auf und gastierte jetzt an der Staatsoper (1961 als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« und 1967 als Gilda im »Rigoletto«) wie an der Volksoper Wien und am Opernhaus von Graz. In den Jahren 1962-64 gehörte sie dem Ensemble des Opernhauses von Leipzig an. 1964 folgte sie einem Ruf an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der sie bis 1965 als reguläres Mitglied, und dann noch lange als Gast auftrat. Sie gastierte u.a. in Dortmund und Amsterdam und widmete sich später einer intensiven pädagogischen Tätigkeit. Nachdem sie als Dozentin an der Pädagogischen Akademie Aachen gewirkt hatte, übernahm sie ein Lehramt an der Robert Schumann-Musikhochschule Düsseldorf und betreute gleichzeitig den Sängernachwuchs der Deutschen Oper am Rhein. Aus ihrem Repertoire für die Bühne sind als weitere Höhepunkte die Adina in »L‘Elisir d’amore« und die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss zu nennen. Bedeutende Karriere auch im Konzertsaal.

 

Bruce BREWER ist am 6.3.2017 in Sainte Anne (St. Fraimbault in Lassay-Les-Chateaux, Frankreich) verstorben

Bruce BREWER

Geboren am 12. Oktober 1941 in San Antonio (Texas); Studium an der Texas University in Austin bei Josephine Lucchese, dann bei dem Dirigenten Richard Bonynge, dem Gatten der berühmten Sopranistin Joan Sutherland, in New York und London. Das französische Lied erarbeitete er zusammen mit der bekannten Komponistin Nadja Boulanger, die Bach-Interpretation mit Rosalyn Tureck in New York. Er begann seine Karriere als Konzerttenor; Preisträger beim internationalen Gesangwettbewerb von Montreal 1967. 1970 erfolgte sein Bühnendebüt als Don Ottavio im »Don Giovanni« an der San Antonio Opera. Er hatte dann wichtige Erfolge an den Opernhäusern von Boston, San Francisco (1971 in »Carmina burana« von Carl Orff) und Houston. In Westdeutschland wirkte er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg und an der Deutschen Oper Berlin, in Frankreich an der Oper von Toulouse; weiter beim Camden Festival (1974 als Roberto in Donizettis »Torquato Tasso«), bei den Festspielen von Aix-en-Provence (1975 als Orpheus in »Le carnaval de Venise« von André Campra) und Spoleto (1988 in »Platée« von Rameau) in Erscheinung getreten. 1977 Debüt an der Covent Garden Oper London in »La Princesse de Navarre« von Rameau; er sang 1980 an der Mailänder Scala in dem Oratorium »L’Enfance du Christ« von Berlioz. An der Pariser Oper (im Haus der Opera-Comique) sang er 1984 den Lord Puff in H.W. Henzes »Die englische Katze«, 1986 den Prolog in B. Brittens »The Turn of the Screw«, am 15.3.1986 Le Sénéchal in der Uraufführung der Oper »L’Ecume des jours« von Edison Denisov und am 13.6.1988 den Tristan in der Uraufführung der Oper »La Célestine« von Maurice Ohana. 1990 beim Maggio Musicale von Florenz in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill zu Gast. In Lyon gastierte er in »Die Abenteuer des Herrn Broucek« von Janácèk. 1991 gastierte er an der Mailänder Scala in der Titelpartie von Rossinis »Le Comte Ory«. In Paris wirkte er auch in der Uraufführung der Oper »Dracula« von Ballif (1984) mit. Auf der Bühne sang er die großen Partien des lyrischen Stimmfachs und galt als hervorragender Mozart-Interpret. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind noch der Rodrigo in Rossinis »Otello«, der Giannetto in »La gazza ladra« vom gleichen Meister, der Elvino in »La Sonnamula« und der Arturo in »I Puritani« von Bellini hervorzuheben. Im Konzertsaal in Werken aus der Barock-Epoche, zumal in denen von J.S. Bach, gerühmt. Zeitweilig war er mit der Mezzosopranistin Joyce Castle (* 1944), die in Nordamerika eine bedeutende Bühnenkarriere hatte, verheiratet.

Schallplatten: CBS (»Les Indes galantes« von Rameau), RCA, Vox, Turnabout (»Zoroastre« von Rameau), MRF (Mitschnitt einer Aufführung von Donizettis »Torquato Tasso« vom Camden Festival 1974), Harmonia mundi (Werke von Berlioz), Cascavelle (»Boulevard Solitude« von H.W. Henze), Vox-Fono (»Zoroastre« von Rameau), KRO (»St. François d’Assise« von O. Messiaen), PV-Records (»Les Paladins« von Rameau), Thesis (»Les nuits d’été« von Berlioz).

 

Rita ORLANDI-MALASPINA ist am 8.4.2017 in San Donato Milanese verstorben

Rita Orlandi Malaspina

Geboren am 28. Dezember 1937 in Bologna; sie war eine Schülerin der berühmten Carmen Melis in Mailand und hatte ihr Bühnendebüt 1963 am Teatro Nuovo in Mailand als Giovanna in Verdis »Giovanna d’Arco«. Ihre Karriere nahm eine sehr schnelle Entwicklung. Sie trat an allen italienischen Bühnen von Rang auf und hatte vor allem an der Mailänder Scala ihre Erfolge, an der sie 1966 als Leonore in »La forza del destino« debütierte; hier sang sie auch 1967 und 1970 die Leonore im »Troubadour«, 1968-69 die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1968 und 1970 die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, 1969 die Elvira in Verdis »Ernani«, 1975 die Odabella in Verdis »Attila« und 1978 nochmals die Leonore in »La forza del destino«. Sie sang weiter an der Oper von Rom, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Carlo Felice Genua (die Amelia in »Simon Boccanegra«), am Teatro Fenice Venedig (die Elvira in »Ernani«), am Teatro Regio Parma, am Teatro Massimo Palermo, am Teatro Regio Turin (die Amelia in »Un ballo in maschera«), am Teatro Comunale Bologna (die Lucrezia Contarini in Verdis »I due Foscari«), am Teatro Grande Brescia (die Leonore im »Troubadour«), in Triest, bei den Festspielen von Verona (1968-69, 1971-72) und in den Thermen des Caracalla in Rom. Im Ausland war sie zu Gast an der Covent Garden Oper London, an den Staatsopern von München (als Aida) und Hamburg, an der Grand Opéra Paris (1974 als Leonore im »Troubadour«), in Nizza, Toulouse, Wiesbaden, am Teatro Liceu Barcelona, am Théâtre de la Monnaie Brüssel, an der Staatsoper von Wien (1967-75 als Leonore sowohl im »Troubadour« als auch in »La forza del destino «, als Alice Ford in Verdis »Falstaff«, als Amelia sowohl im »Maskenball« als auch in »Simon Boccanegra« und als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«), am Teatro Colón Buenos Aires, an den Opern von Montreal und Philadelphia. 1968 kam es zu einem erfolgreichen Debüt an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Amelia in »Simon Boccanegra«). Bis 1980 sang sie dort in insgesamt 17 Vorstellungen auch die Elisabetta im »Don Carlos« und die Aida. Die Künstlerin heiratete den Bassisten Massimiliano Malaspina (* 1925), der wie sie eine große internationale Opernkarriere hatte, sie trat seitdem unter dem Namen Rita Orlandi Malaspina auf. Ihr umfangreiches Bühnenrepertoire enthielt als Höhepunkte Partien wie die Tosca, die Titelfigur in Puccinis »Suor Angelica«, die Elsa im »Lohengrin« und die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano, doch war sie vor allem eine große Verdi-Interpretin (Luisa Miller, Abigail in »Nabucco«, Desdemona im »Otello«, Elena in »I Vespri Siciliani«). Auch als Konzertsopranistin war sie sehr erfolgreich.

Schallplatten: Melodram (Elisabetta im »Don Carlos«, Scala 1968), Mondo Musica (Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, Teatro Fenice Venedig 1971).

 

Kathleen CASELLO ist am 12.4.2017 in München verstorben

Kathleen Cassello

Geboren am 13. August 1958 in Wilmington (Delaware) als Tochter einer italo-amerikanischen Familie; sie studierte in den USA (1980-84 bei Dan N. Pressley) und dann in Österreich (1984-86 in Salzburg bei Wilma Lipp, auch bei Sesto Bruscantini) und wurde am Landestheater von Salzburg als Choristin beschäftigt. 1985 erregte sie großes Aufsehen, als sie den Internationalen Mozart-Wettbewerb in Salzburg gewann und beim Belvedere-Concours in Wien durch ihre Leistungen beeindruckte. Daraus resultierte ein Solisten- Engagement am Landestheater Salzburg (1986-87); bereits hier kam sie als Königin der Nacht  in der »Zauberflöte« (die sie zuvor schon an der Hamburgischen Staatsoper gesungen hatte) zu großen Erfolgen. 1987 wurde sie als erste Koloratursopranistin an das Staatstheater von Karlsruhe berufen, dessen Mitglied sie bis 1990 blieb. Hier wie bei Gastspielen und Konzertauftritten zeichnete sie sich durch die ungewöhnliche Tonhöhe ihrer Sopranstimme wie durch deren technische Beherrschung aus. In Karlsruhe sang sie u.a. die Lisa in Lehárs »Das Land des Lächelns«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Mimì in »La Bohème«, die Violetta in »La Traviata«, die Lucia di Lammermoor und die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«. Als ihre besondere Glanzpartie galt die Königin der Nacht, die sie u.a. in der Eröffnungsvorstellung des renovierten Stadttheaters von Koblenz (21.12.1985), am Teatro Liceu Barcelona (1989), an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg (1989), an der Deutschen Oper Berlin (1989), an der Staatsoper von Stuttgart (1990) und bei den Festspielen von Savolinna (1989) zum Vortrag brachte. In der Spielzeit 1987-88 gastierte sie am Opernhaus Frankfurt als Musetta in »La Bohème«, Am Grand Théâtre Genf gastierte sie 1988 als Königin der Nacht und 1995 als Traviata. Weitere Gastspiele gab sie 1989 am Opernhaus von Sao Paulo als Lucia di Lammermoor, in der Spielzeit 1989-90 am Theater von Metz als Manon von Massenet, 1990 in Düsseldorf als Alceste in »Admeto« von Händel und an der Oper von Marseille als Lucia di Lammermoor. Regelmäßig trat sie am Opernhaus von Marseille auf, u.a. als Manon von Massenet, 1990 und 1993 als Lucia di Lammermoor, 1991 als Elvira in Bellinis »I Puritani« und in der Titelpartie von Massenets »Thais«, 1992 als Gilda im »Rigoletto«, 1993 und 1995 als Konstanze, 1998 als Elisabetta in Donizettis »Roberto Devereux«, 1999 als Marguerite im »Faust« von Gounod, 2000 als Liu in Puccinis »Turandot«, 2001 als Giselda in Verdis »I Lombardi alla prima crociata« und 2002 als Madame Butterfly. In der Spielzeit 1990-91 gastierte sie am Opernhaus von Leipzig als Leonore im »Troubadour« und als Mimi, 1991 an der Bayerischen Staatsoper München als Konstanze und am Teatro Liceu Barcelona als Pamina in der »Zauberflöte«, 1992 in der Arena von Verona als Musetta und in Treviso als Lucia di Lammermoor. In Toulouse hörte man sie 1992 als Vitellia in »La clemenza di Tiro« und als Traviata, 1996 in der Titelrolle von »Louise« von Charpentier und 1997 als Gilda. 1992 gastierte sie als Konstanze in Avignon und Nimes. An der Oper von Rom gastierte sie 1993 als Lucia di Lammermoor, später auch als Traviata und 1996 als Amina in Bellinis »La Sonnambula«. An der Opera de Bellas Artes in Mexico City gastierte sie 1993 als Gilda und 1998 als Elettra in Mozarts »Idomeneo«. Mehrfach wirkte sie bei den Festspielen von Orange mit (1993 als Traviata, 1995 als Gilda, 1996 als Donna Anna, 1997 als Lucia di Lammermoor). Sie gastierte weiter 1993 am Teatro La Fenice Venedig als Elettra in Mozarts »Idomeneo«, 1994 an der Mailänder Scala als Gilda, 1995 in Neapel als Donna Anna im »Don Giovanni«, 1997 in Sevilla als Lucia di Lammermoor und in Oviedo als Traviata. Beim Rossini Festival in Pesaro trat sie 1994 in dessen »L’Inganno felice« auf. 1995 sang sie in Tokio die Traviata. 1996 kam es dann auch zu ihrem USA-Debüt, als sie an der Oper von Dallas die Donna Anna sang. In den Jahren 1996-2000 gab sie gemeinsam mit Kallen Esperian und Cynthia Lawrence Konzerte unter dem Namen „The Three Sopranos“. 1996 sang sie in Südafrika in Konzerten mit Luciano Pavartotti, 1997 in Caracas die Lucia di Lammermoor, 1999 am Teatro Colón Buenos Aires die Traviata, 2000 an der Staatsoper von Dresden die Konstanze und die Donna Anna, am Stadttheater von Aachen die Maria di Rohan in der gleichnamigen Donizetti-Oper, bei den Antiken-Festspiele von Trier 2002 die Norma von Bellini. Sie war mit dem italienischen Bassbariton Renato Girolami verheiratet, der 1991-96 Ensemblemitglied an der Wiener Volksoper und an der Wiener Staatsoper war. Mit ihm trat sie auch mehrfach, unter anderem in Karlsruhe, Barcelona und Marseille, gemeinsam auf. Während Girolamis Festengagement lebte sie in den 1990er Jahren in Wien.

 

Manfred JUNG ist am 14.4.2017 in Essen verstorben

Manfred JUNG

Geboren am 9. Juli 1940 in Oberhausen; er ergriff zuerst den Beruf eines Elektroingenieurs. Er arbeitete als solcher am Stadttheater von Essen und war dann, nachdem er sich zur Ausbildung seiner Stimme entschlossen hatte, 1963-69 an der Folkwang-Musikhochschule Essen Schüler von Frau Hilde Wesselmann. 1967-71 hatte er am dortigen Opernhaus sein erstes Engagement (Debüt in »The Fairy Queen« von Purcell). 1970-73 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen im Chor mit. Bei den Bayreuther Jugendfestspielen 1967 sang er bereits den Arindal in Wagners früher Oper »Die Feen«. Seit 1971 am Opernhaus von Dortmund engagiert. Er sang dann am Pfalztheater von Kaiserslautern; seit 1977 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Er gastierte mit diesem Ensemble in der UdSSR im Nibelungenring. Der Künstler entwickelte nun sehr schnell eine große internationale Karriere als Wagner-Tenor. Seit 1977 gehörte er zu den ersten Kräften des Bayreuther Festspiel-Ensembles. Hier sang er 1977-81 den Parsifal, 1977-80 und 1983-86 den Siegfried in der »Götterdämmerung«, 1979-80 und 1983-84 den Siegfried auch im »Siegfried«, 1983 und 1985-86 den Loge im »Rheingold« sowie 1994-98 den Mime im Ring-Zyklus. Ähnliche Erfolge erzielte er bei den Osterfestspielen von Salzburg unter Herbert von Karajan (1975 in »Die Meistersinger von Nürnberg«). Eine weltweite Gastspiel- und Konzerttätigkeit kennzeichnete die weitere Karriere des Künstlers: er gastierte an den Opernhäusern von Zürich, Chicago und Toronto, an den Staatsopern von Wien (1976-85 als Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß, als Parsifal, als Siegmund in der »Walküre«, als 1. Geharnischter in der »Zauberflöte« und als Laça in Janáceks »Jenufa« in insgesamt 12 Vorstellungen), Hamburg, München und Stuttgart, an der Deutschen Oper Berlin, in Brüssel, Göteborg, Barcelona, Köln und Frankfurt a.M., in Karlsruhe, Lissabon, Basel, Rom und Montreal. Sein USA-Debüt fand 1980 an der Oper von Tulsa als Siegmund statt. 1981 debütierte er an der Metropolitan Oper New York in einem Wagner-Konzert an der Seite von Birgit Nilsson. In den Jahren 1981-84 sang er an diesem Haus dann die Titelrolle in Wagners »Siegfried«, den Siegmund, den Parsifal und den Tristan in insgesamt 18 Vorstellungen. Bei Ring-Aufführungen in Düsseldorf und Karlsruhe sang er alle vier großen Tenorpartien des Opernwerks (Loge, Siegmund, beide Siegfriede). 1987 gastierte er am Staatstheater Kassel als Hermann in Tschaikowskys »Pique Dame«, 1988 an der Nationaloper Warschau als Loge und als Siegmund in aufsehenerregenden Aufführungen des Ring-Zyklus, 1990 beim Spoleto Festival als Herodes in »Salome« von R. Strauss. 1992 hörte man ihn am Teatro Bellini Catania und an der Oper von Frankfurt a.M. als Valzacchi im »Rosenkavalier«, am 27.10.1993 in Montpellier in der Uraufführung der Oper »Le Château des Carpathes« von Philippe Hersant. Er setzte seine Karriere im heldischen wie im Charakterfach lange fort; so trat er 1997 an der Staatsoper Dresden als Teiresias in »Die Bassariden« von H.W. Henze auf. Am Staatstheater Kassel hörte man ihn 1997-98 als Mime im Ring-Zyklus, am Teatro Massimo Palermo 1999 als Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg. Konzertauftritte in den europäischen Musikzentren, in der New Yorker Carnegie Hall, in Tokio, Chicago und Toronto.

Schallplatten: Philips (Siegfried in vollständigem Nibelungenring), Koch Records (»Die Dreigroschenoper« von K. Weill), Eterna (»Gurrelieder« von A. Schönberg), Arts (Mime im »Siegfried«, Kassel 1998), MDG/Naxos (Sprecher in der Lukas-Passion von K. Penederecki).

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.jung-manfred.de/opernsaenger/

 

Eva VALENTOVÁ ist am 14.4.2017 in Prag verstorben

Eva VALENTOVA

 Geboren am 25. Juni 1923 in Prag; Nachruf auf die tschechische Sopranistin auf Tschechisch: http://www.divadelni-noviny.cz/zemrela-eva-valentova

 

Dorothy DOROW ist am 15.4.2017 verstorben

Dorothy DOROW

Geboren am 22. August 1930; sie studierte (bereits seit ihrem 12. Lebensjahr) am Trinity College London Piano, Komposition und Gesang; sie entschloss sich dann aber zur Sängerlaufbahn. Sie debütierte 1958 in London und hatte wichtige Erfolge bei internationalen Festspielen in England, Schweden und Italien. Als Gast erschien sie an verschiedenen europäischen Opernhäusern, vor allem in Italien (Rom, Venedig und Bologna, wo sie 1979 an der italienischen Erstaufführung von Ligety’s »Le Grand Macabre« teilnahm, sowie an der Mailänder Scala, an der sie 1971, 1978, 1981, 1983 und 1985 in Konzerten auftrat), widmete sich jedoch in erster Linie dem Konzertgesang, und hier vor allem der Interpretation zeitgenössischer Werke. Die ungewöhnliche Weite ihres Stimmumfangs (der drei und eine viertel Oktave umspannte) und die Sicherheit in der Gestaltung schwierigster moderner Kompositionen erregten große Bewunderung. 1961 sang sie bei den Festspielen von Glyndebourne in Henzes »Elegie für junge Liebende« die Hilda Mack. 1970 gab sie Konzerte in New York und in Basel, 1969 in Köln und in Wien, 1969 auch beim Weltmusikfest in Hamburg. 1963-77 wohnte sie in Schweden und war seit 1967 als Pädagogin am Opernstudio der Stockholmer Oper tätig. 1983 sang sie erstmals an der Londoner Covent Garden Oper in »Le Rossignol« von Strawinsky. Seit 1973 gab sie Interpretationskurse für moderne Musik in s’Hertogenbosch und verlegte 1977 ihren Wohnsitz nach Maastricht in Holland; seither Gastpädagogin an den Konservatorien von Amsterdam (wo sie Leiterin eines Workshops am Sweelinck-Konservatorium war) und im Haag. Sie war auch kompositorisch tätig (»Two songs for children«, 1950; »Hands and fate«, 1964; »Dream«, 1976).

Schallplatten: Sie sang in der Schallplattenanthologie »400 jaar Nederlandse muziek« »Six Turkish Folk Poems« von Loevendie. Weitere Aufnahmen auf Decca (»Dido and Aeneas« von Purcell), Etcetera (Lieder von Szymanowski, A. Webern und Vokalwerke von F. Donati), HMV (»Lulu« von A. Berg), Italia (Lyrische Sinfonie von Zemlinsky), Caprice (Ausschnitte aus schwedischen Opern), BIS (»Harawi« und weitere Vokalmusik von O. Messiaen).

 

Kristine JEPSON ist am 21.4.2017 verstorben

Kristine Jepson

 Geboren am 28. Juli 1962 in Onawa (Iowa); sie studierte u.a.am der Indiana University in Bllomington. Ihre Karriere führte sie rasch an die führenden Opernhäuser Amerikas. An der Oper von San Francisco sang sie 1990 kleinere Partien in »Suor Angelica« von Puccini, »Elektra« von R. Strauss und »Krieg und Frieden« von Prokofjew und 1998 mehrere Partien (Theatergarderobiere, Schüler und Groom) in »Lulu« von A. Berg. Am 7.10.2000 wirkte sie hier in der Uraufführung der Oper »Dead Man Walking« von Jake Heggie in der Partie der Sister Helen Prejean und am 1.10.2005 in der Uraufführung der Oper »Dead Man Walking« von John Adams in der Partie der Kitty Oppenheimer. An der Metropolitan Opera New York debütierte sie 1994 in B. Brittens »Death in Venice« und sang hier bis 2006 in insgesamt 108 Vorstellungen u.a. die Flora in »La Traviata«, die Mercédès in »Carmen«, den Siebèl im »Faust« von Gounod, den Küchenjungen in »Rusalka« von A. Dvorák, die Lola in »Cavalleria rusticana«, den Stéphano in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Cherubino in »Le nozze di Figaro«, die Wellgunde im Nibelungenring, den Octavian im »Rosenkavalier«, den Komponisten in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Ascanio in »Benvenuto Cellini« von H. Berlioz und den Idamante in Mozarts »Idomeneo«. In Europa trat sie u.a. an der Mailänder Scala (als Octavian 2003, als Komponisten in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und 2007 in einem Konzert), am Royal Opera House Covent Garden (als Niklausse in »Hoffmanns Erzählungen« 2008), am Theâtre Royal de la Monnaie Brüssel, an der Pariser Opéra Bastille (2001 als Siebèl und 2002 als Nicklausse), an der Hamburgischen und Bayerischen Staatsoper (2003 als Octavian). An der Sächsischen Staatsoper Dresden und dem Theater an der Wien (2007) war sie als Sister Helen Prejean zu erleben. In Oviedo gastierte sie als Mère Marie in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc.

Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://www.kristinejepson.com/

 

Hanna SCHOLL ist am 23.4.2017 verstorben

Hanna SCHOLL

 Geboren am 25. Juli 1921; ihre Ausbildung erfolgte seit 1949 an der Musikhochschule in München; 1951-52 war sie bereits als Elevin an der dortigen Staatsoper beschäftigt. Ihre eigentliche Bühnenkarriere begann sie 1952 mit einem Engagement am Opernhaus von Frankfurt a.M., wo sie bis 1955 blieb. In den Jahren 1955-61 war sie dann am Staatstheater Hannover tätig. An diesem Haus erschien bis zum Ende der sechziger Jahre noch häufig als Gast. Auf der Bühne verkörperte sie vor allem Soubretten- und lyrische Partien wie die Zerline im »Don Giovanni«, die Pamina in der »Zauberflöte«, das Gretchen im »Wildschütz« von Lortzing, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Micaela in »Carmen«, die Nedda im »Bajazzo«, die Mimi in »La Bohème« und die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Sie trat als Gast an den größeren deutschen Bühnen, aber auch im Ausland auf, so u.a. 1954 und 1955 in Aufführungen beim Maggio Musicale von Florenz. Sie war mit dem Bariton Georg Völker (1923-2006), dem Sohn des berühmten Tenors Franz Völker (1899-1965) verheiratet.

Schallplatten: Melodram (Pepa in »Tiefland« von d’Albert, Mitschnitt von einer Münchner Aufführung).

 

Agnes GIEBEL ist am 24.4.2017 in Köln verstorben

Agnes GIEBEL

Geboren am 10. August 1921 in Heerlen (Niederlande); sie trat schon als Kind in Konzertveranstaltungen auf und gab 1933 einen ersten Liederabend, bei dem sie Lieder von Richard Strauss und Max Reger vortrug. Sie studierte dann an den Essener Folkwangschule bei Hilde Wesselmann. 1947 begann sie ihre professionelle Karriere als Konzertsopranistin. Bekannt wurde sie, als sie 1950 in den wöchentlich vom Sender RIAS Berlin übertragenen Bach-Kantaten die Sopran-Soli sang. Seitdem galt sie als eine der bedeutendsten deutschen Konzertsängerinnen ihrer Generation, vor allem als große Bach-Interpretin. Sie wirkte bei vielen internationalen Musikfesten mit; sie erzielte in den Musikzentren in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Belgien, Holland und in der Schweiz große Erfolge. Sehr erfolgreich war sie auch bei mehreren Nordamerika-Tourneen. 1968 unternahm sie eine sehr erfolgreiche Japan-Tournee; sie gab auch mehrere Konzerte in England. Die Künstlerin ist nicht auf der Bühne aufgetreten, hat jedoch am Rundfunk und auf Schallplatten mehrere Opernpartien gesungen. Agnes Giebel trat bis 1982 in Kirchenkonzerten in Köln auf, wo sie ihren Wohnsitz hatte, 1989 gab sie nochmals einen Duett-Abend zusammen mit dem Tenor Jean van Ree. – Die Tonsicherheit und -reinheit ihres Soprans, die Klarheit ihrer Diktion und ihre feinsinnige, stilsichere Ausdruckskunst kennzeichneten jede ihrer Interpretationen.

Zahlreiche Schallplattenaufnahmen: HMV (H-Moll-Messe und Weihnachtsoratorium von Bach, »Die Zauberflöte« als Pamina), Oiseau Lyre (Matthäuspassion), DGG (Johannespassion von J.S. Bach), MMS, Philips (Matthäuspassion von J.S. Bach, Missa solemnis von Beethoven, »Die Schöpfung« von Haydn, Bach-Kantaten), Decca (Ein deutsches Requiem von Brahms), Telefunken (Schubert-Lieder), Edition Schwann (Lieder), Fono (Requiem von A. Bruckner), Nuova Era (»Paulus« von Mendelssohn), Renaissance (Bach-Kantaten, 1952), Hunt Records (C-Moll-Messe von Mozart), Polyphon (Geistliche Lieder, 1980 aufgenommen), Vox und auf Myto (Ein deutsches Requiem von J. Brahms, Rundfunkaufnahme von 1957); auf BBC Records als Solistin in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler zu hören.

 

Miroslav SMYČKA ist am 25.4.2017 in Prag verstorben

Miroslav Smyčka als Figaro

Geboren am 11. September 1926 in Olomouc; Biographie des tschechischen Baritons auf Tschechisch: https://cs.wikipedia.org/wiki/Miroslav_Smy%C4%8Dka

 

Endrik WOTTRICH ist am 26.4.2017 in Berlin verstorben

Endrik WOTTRICH als Siegmund in Bayreuth
Als Siegmund in Bayreuth

Geboren am 13. Oktober 1964 in Celle; er begann seine Ausbildung an der Musikhochschule von Würzburg, wo er Violine studierte und im Gesangsfach Schüler von Ingeborg Hallstein war. Er wurde Stipendiat des Deutschen Bühnenvereins und setzte seit 1990 sein Studium an der Juilliard School of Music New York bei Daniel Del Ferro fort. Er vervollständigte diese Ausbildung in Meisterkursen bei Nicolai Gedda und bei Ileana Cotrubas in Wien. 1992 kam es am Staatstheater von Wiesbaden zu seinem Bühnendebüt in der Partie des Cassio in Verdis »Otello«. 1992 hatte er aufsehenerregende Erfolge, als er in Berlin in einer konzertanten Aufführung der Oper »Der gewaltige Hahnrei« von Berthold Goldschmidt und das Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven unter Rafael Frühbeck de Burgos sang. Im Januar 1993 kam er an die Berliner Staatsoper, an der er als erste Partien Heinrich den Schreiber im »Tannhäuser«, den Melot in »Tristan und Isolde« und den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, dann den Tamino in der »Zauberflöte« und den Andres im „Wozzeck“ von A. Berg, 1995 den Alfredo in »La Traviata« sowie den Froh im »Rheingold« und 1996 den Gernando in »L’Isola disabitata« von J. Haydn übernahm. 1994 trat er als Solist mit den Berliner Philharmonikern in den »Faust«-Szenen von R. Schumann auf; seitdem hatte er auch eine bedeutende Konzertkarriere. Gastengagements führten ihn u.a. an Bühnen in Amsterdam, Dresden und Stuttgart. 1994 debütierte er an der Wiener Staatsoper als Steuermann in »Der fliegende Holländer« und sang hier 2012 auch den Erik in der gleichen Oper sowie den Florestan im »Fidelio«. 1995 gastierte er am Staatstheater Braunschweig und am Théâtre Châtelet in Paris als Jaquino im »Fidelio«, in Berlin in einer konzertanten Aufführung von Webers »Der Freischütz« als Max. In den USA trat er in Konzerten zusammen mit dem Chicago Symphony Orchestra auf. 1996 debütierte er mit dem Chamber Orchestra of Europe unter der Leitung von Harnoncourt an der Carnegie Hall New York. Bei den Bayreuther Festspielen hörte man ihn 1996-97 und 1999 als jungen Seemann in »Tristan und Isolde«, 1996-2000 als David und 2001-02 als Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 2000-04 als Froh im »Rheingold«, 2003 und 2005-06 als Erik, 2004 als Parsifal, 2006-09 als Siegmund in der »Walküre«. Im Schubert-Jahr 1997 sang er bei den Wiener Festwochen unter Nikolaus Harnoncourt den Alfonso in »Alfonso und Estrella« von F. Schubert (in einer Produktion des Opernhauses Zürich), an der Berliner Staatsoper im gleichen Jahr den Tamino und den Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing. 1998 sang er auch an der Deutschen Oper Berlin sang den Tamino. 1999 hörte man ihn in Wiesbaden als Erik und an der Berliner Staatsoper als italienischen Sänger im »Capriccio« von R. Strauss. An der Mailänder Scala debütierte er 1999 mit dem Tenor-Solo in Beethovens 9. Sinfonie (unter Riccardo Muti) und sang im gleichen Jahr hier den Jaquino, 2000 den Chevalier de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc, 2005 den Tannhäuser sowie die Titelrolle in Beethovens »Christus am Ölberge« und 2008 den Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg. Am Opernhaus von Bonn sang er in der Spielzeit 2000-01 den Don Carlos von Verdi. 2001 trat er an der Chicago Opera als Steuermann in »Der fliegende Holländer« auf, an der Deutschen Oper Berlin als Konrad in »Hans Heiling« von H. Marschner. 2002 sang er am Théâtre du Châtelet in Paris den Grafen Elemer in »Arabella« von R. Strauss. Den Siegmund verkörperte er 2004 an der Semperoper in Dresden, 2006 in Stockholm sowie am Théâtre du Châtelet. 2007 gab er sein Debüt am Royal Opera House Covent Garden als Florestan. In der Spielzeit 2009/10 gastierte er als Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg in Tokio und an der Bayerischen Staatsoper München, an der er auch den Erik gesungen hat, sowie als Lohengrin an der Oper in Tampere. Er gastierte als Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saens in Sofia und Montréal, als Rustan in »Ein Traum ein Leben« von Walter Braunfels in Bonn, als Tristan am Teatro San Carlo Neapel (2015) und als Arindal in Richard Wagners »Die Feen« an der Oper Leipzig. Nur wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod sang er noch an der Wiener Volksoper, an der er 2009 als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss debütiert und 2013 den Siegmund und den Siegfried in »Wagners RING an einem Abend« gesungen hat, den Hagenbach in A. Catalanis »La Wally«. 

Schallplatten: Sonopress (»Neue Stimmen«), Decca (»Der gewaltige Hahnrei« von Berthold Goldschmidt, »Die Gezeichneten« von Franz Schreker, »Die Vögel« von W. Braunfels, »Die Herzogin von Chicago« von E. Kálmán), Sony (»Beatrice Cenci« von B. Goldschmidt, Szenen aus Goethes »Faust« von R. Schumann, »Der Cid« von P. Cornelius), Harmonia mundi (9. Sinfonie von Beethoven), (Capriccio (»Wozzeck« von M. Gurlitt), Teldec (»Elektra« von R. Strauss, Max im »Freischütz«; Andres im »Wozzeck« von A. Berg, auch als Video).

 

Francis TRAVIS ist am 28.4.2017 in München verstorben

Francis TRAVIS

Geboren am 9. Juli 1921 in Detroit (Michigan); er studierte an der Wayne University in Detroit, der Michigan State University in East Lansing, der University of Michigan in Ann Arbor und schließlich an der Universität Zürich, wo er mit einer Dissertation über Verdi bei Paul Hindemith und Antoine-Elisée Cherbuliez einen Doktorgrad in Musikwissenschaft erlangte. Daneben war er fünf Jahre Schüler, später Assistent von Hermann Scherchen. Ab 1953 wirkte er als freiberuflicher Dirigent. Er arbeitete als Gastdirigent mit mehr als achtzig Orchestern europaweit sowie in Japan, China und Korea und trat bei zahlreichen europäischen Musikfestivals sowie im Rundfunk und Fernsehen auf. Sein Repertoire reichte von Werken des Frühbarock bis zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Neben Werken der klassischen Moderne (Arnold Schönberg, Alban Berg, Anton Webern, Edgar Varèse, Igor Strawinsky) dirigierte er Welturaufführungen von mehreren hundert Werken zeitgenössischer Komponisten, insbesondere im Rahmen der Konzerte der International Society for Contemporary Music (ISCM), deren Schweizer Sektion er zwölf Jahre lang als Präsident leitete, und von Konzertreihen zeitgenössischer Musik in Oslo, Stockholm, Berlin, Hamburg, München und Köln. Bei seinen CD-Aufnahmen konzentrierte sich Travis auf seltener eingespielte Werke z. B. von Joachim Raff und zeitgenössischen Komponisten wie Bo Nilsson, Isang Yun und Mathias Spahlinger und arbeitete mit Solisten wie Heinz Holliger, Hildegard Behrens und Sonia Theodoridou. Travis wirkte fünfundzwanzig Jahre als Professor für Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik Freiburg. Zu seinen Schülern zählten u. a. Douglas Bostock, Eberhard Dietz, Hortense von Gelmini, Robert HP Platz, Burkhard Rempe, Leendert Runia und Arturo Tamayo. Er war dann Chefdirigent am Basler Theater und dem Theater Trier sowie ständiger Gastdirigent der Nederlandse Opera Stichting in Amsterdam. 1990-95 lebte er in Tokio, wo er als Dirigent verschiedener japanischer Orchester und Chöre wirkte und Dirigieren an der Tokyo National University of Fine Arts and Music unterrichtete. In jüngerer Zeit widmete er sich verstärkt der Oper und dirigierte u. a. am Royal Opera House London, der Bayerischen Staatsoper München, am Teatro Colón in Buenos Aires und am Teatro Real in Madrid. Zuletzt lebte er in München, wo er im Alter von 95 Jahren verstarb.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.cantafidelia.com/francistravis/defaultg.htm

 

 

RICHARD WAGNER: PARSIFAL

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RICHARD WAGNER: PARSIFAL – The Hallé, Sir Mark Elder, HLD 4 CDs

Das orchestrale Wagner-Wunder aus England; live BBC Proms 25.8.2013

Veröffentlichung: 2. Juni

Seit 2000 ist Sir Mark Elder Chefdirigent des Hallé Orchestra in Manchester, mit dem er regelmäßig bei den Londoner Proms auftritt, so auch 2013 mit einer gefeierten konzertanten Aufführung von Wagners „Parsifal“. Diese Aufführung erscheint nun auf Tonträgern. Ein ungeheurer Trumpf für Orchester und Dirigent, ein starker Gesamteindruck  trotz einer sehr durchwachsenen Sängerbesetzung. Als erster Engländer dirigierte Sir Mark Elder 1981 übrigens auch bei den Bayreuther Festspielen, er leitete damals eine Aufführung von Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Selten habe ich eine so stimmungsvolle Wagner-Aufführung  mit so einer leuchtenden instrumentalen Aura gehört wie diesen Parsifal aus London mit dem Luxusklangkörper aus Manchester und den Chormassen des Royal Opera House, des Hallé Youth Choir und des Trinity Boys Choir. Sir Mark Elder gelingt es wie kaum einem Dirigenten nach Knappertsbusch, spirituelles Fluidum mit romantischem Schönklang, präzise Übergänge zu elegischen Legati mit Höhepunkten dramatischer Wucht zu vereinen. Wie aus einem Guss gelingt die Gesamtdramaturgie der Tempi, spannt sich der musikalische Bogen von der ersten Note an bis zum Schluss. Das Orchester liefert einen Wagner-Sound, wie man ihn auf Tonträgern nur von den legendären ersten Aufnahmen der Nachkriegsära aus Bayreuth her kennt. Sir Mark Elder pflegt keinen schlanken Wagner-Klang, wie ihn Clemens Krauss, Karajan oder Boulez pflegten, sondern rollt einen mächtigen, orientalisch-sinnlichen Klangteppich aus. Pure Schönheit allerorts, Musik, in der der Zuhörer baden kann, wie der verletzte Amfortas im ersten Akt dies wortwörtlich tut.

Von der Besetzung stehen der charaktervolle Klingsor des Tom Fox und Reinhard Hagens Titurel für individuelle, ausdrucksstarke Rollenporträts. Der schwedische, bayreutherprobte Tenor Lars Clevemann ist ein „technisch“ guter Parsifal, allerdings mit einem trockenem Timbre und einer nur monochromen, im Ausdruck wenig differenzierenden Stimme. Die ebenfalls aus Schweden stammende Katarina Dalayman ist zwar als Kundry „richtiger“ als als Ortrud oder Brünnhilde besetzt, von einer Offenbarung in dieser Rolle ist sie allerdings weit entfernt.  Weder transformiert sie „Höllenrose“ noch „Urteufelin“, aber auch nicht das somnambul Büßende dieser komplexen Figur in vokalen Glanz. Wenig temperamentvoll, dafür schrill und angestrengt durchmisst sie die Partie in den aufwühlendsten Passagen im 2. Akt. Die an sich samten timbrierte Stimme ist vibratoreich, nicht gerade ideal konturiert und weist einen unangenehmen Bruch in der oberen Mittellage auf. Für Detlev Roth, eher Spiel- als Heldenbariton, ist der Amfortas eine Grenzpartie, dessen Ausbrüche im dritten Akt eindringlicher gelingen als im ersten Akt. Eine ganz besondere Bewandtnis hat es mit Sir John Tomlinson in der Riesenrolle des Gurnemanz. Für Robert Holl eingesprungen, ist dieser Wagner Sänger von Gnaden im Spätherbst seiner Karriere noch allemal eindrucksvoll. Mit rabenschwarz timbrierter Riesenstimme singt er ähnlich wie einst Josef Greindl einen vokal mächtigen, grantelnden alten Ritter (Anm.: Im wirklichen Leben wurde Tomlinson 2005 zum Ritter geschlagen).  Allerdings ist die Stimme schwerfällig und nicht einfach zu manövrieren. Das hat zur Folge, dass Tomlinson manchmal störend schleppt. Nichtsdestotrotz ist sein Auftritt auch auf Tonkonserve hoch faszinierend und scheint aus einer anderen Zeit zu stammen. Der 70-jährige Wagner Bass stellt noch immer die Mehrzahl aller Bässe, die heute den Gurnemanz singen, leicht in den Schatten. 

Der „neue“ Parsifal ist klangtechnisch ganz besonders gut gelungen, die Stimmen sind präsent und werden von einem idealen Orchester wie auf Wogen getragen. Bei adäquater Besetzung wäre dieser Parsifal Anwärter auf eine Referenz gewesen. Die Aufnahme legt auf jeden Fall ein beeindruckendes Zeugnis von der hohen Wagner-Kultur ab, die Sir Mark Elder im hohen Manchester pflegt.

Dr. Ingobert Waltenberger