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IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM NOVEMBER 2016

IN MEMORIAM-Geburtstage im November 2016

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 2.11. Giuseppe SINOPOLI: 70. Geburtstag

Er wuchs in Messina auf Sizilien auf, wo er mit zwölf Jahren eine Ausbildung als Organist am dortigen Konservatorium begann. Mit 15 Jahren kehrte er in seine Geburtsstadt Venedig zurück. Dort studierte er 1965-67 am Konservatorium Musik und – auf Wunsch des Vaters – zeitgleich an der Universität Padua Medizin, Psychiatrie und Anthropologie. Weiterführende Kompositionsstudien unternahm er u. a. bei Bruno Maderna in Darmstadt und Franco Donatoni in Siena. 1972 schloss er sein Medizinstudium mit einer Promotion ab. Danach konzentrierte er sich ganz auf die Musik und erhielt eine Dozentur für elektronische und zeitgenössische Musik in Venedig. Im selben Jahr begann er Dirigierkurse bei Hans Swarowsky in Wien zu belegen. 1975 gründete er das Ensemble Bruno Maderna für Neue Musik. In den 1970er Jahren trat er vor allem als Komponist in Erscheinung; Kompositionen von ihm waren auf Festivals für Neue Musik zu hören. 1978 begann Sinopolis Karriere als Operndirigent in Venedig mit Aida von Giuseppe Verdi. Er entwickelte seine Interpretation der verdischen Musik in Abgrenzung zur damaligen Aufführungspraxis aus dem Quellenstudium der Originalpartituren; seine Aufführungen bekamen dadurch einen durchsichtigeren Orchesterklang und machten viele bis dato nicht gehörte musikalische Details der Partitur hörbar. Seine Aufführung der Oper Macbeth des gleichen Komponisten zwei Jahre später an der Deutschen Oper Berlin, die den gleichen ästhetischen Maßstäben verpflichtet war, wurde ein großer Erfolg und wird als der Beginn seiner nun beginnenden internationalen Dirigentenkarriere angesehen, welche die Kompositionstätigkeit in den Hintergrund treten ließ. Mit einer bejubelten Premiere von Verdis Frühwerk Attila (mit Nicolai Ghiaurov, Mara Zampieri, Piero Cappuccilli, Regie: Giulio Chazalettes) debütierte er 1980 an der Wiener Staatsoper (Mitschnitt inzwischen auf CD erschienen). 1982 dirigierte er dort Macbeth (mit Renato Bruson, Mara Zampieri und Nicolai Ghiaurov; Regie: Peter Wood), 1986 folgte Puccinis Manon Lescaut (mit Mirella Freni, Peter Dvorsky, Bernd Weikl, Kurt Rydl, Regie: Otto Schenk). 1988 dirigierte er eine Aufführungsserie von Wagners Tannhäuser in der Otto-Schenk-Inszenierung. Eine für April 1989 geplante Staatsopern-Neuinszenierung von Verdis La forza del destino wurde von Sinopoli abgesagt, nachdem ihm das Konzept von Regisseur Giancarlo del Monaco nicht zusagte (Sinopoli hatte sich ursprünglich Werner Herzog gewünscht). Stattdessen dirigierte er im Dezember die Wiederaufnahme einer Aida-Inszenierung (u. a. mit Leona Mitchell). Im Dezember 1999 leitete er nochmals eine Premiere an der Wiener Staatsoper: Die Frau ohne Schatten von Richard Strauss (Inszenierung: Robert Carsen). Von 1985 an dirigierte Sinopoli jedes Jahr bei den Bayreuther Festspielen: 1985-87 und 1989 den Tannhäuser, 1990-93 Der Fliegende Holländer (Regie: Dieter Dorn), 1994-99 den Parsifal (Regie: Wolfgang Wagner) und 2000 die Neuinszenierung des Nibelungenrings (Regie: Jürgen Flimm). Nach Sinopolis Tod übernahm der ungarische Kollege Adam Fischer das Ring-Dirigat. Wichtige Stationen von Sinopolis Laufbahn waren: 1983-87 Chefdirigent des Orchestra dell’Accademia di Santa Cecilia in Rom, 1984-94 Chefdirigent und ab 1987 Musikalischer Direktor beim Philharmonia Orchestra London; 1990 sollte Sinopoli Chefdirigent an der Deutschen Oper Berlin werden; er trat aber noch vor Beginn seiner Amtszeit von seinem Vertrag zurück; ab 1992 war er Chefdirigent der Sächsische Staatskapelle Dresden. Sinopoli erlitt am 20. April 2001, als er an der Deutschen Oper Berlin die Oper Aida als Versöhnungsgeste für den zwischenzeitlich verstorbenen Opernintendanten Götz Friedrich dirigierte, während der Aufführung einen Herzinfarkt, dem er kurz darauf erlag. Beigesetzt wurde er auf dem Friedhof Campo Verano in Rom. Als Dirigent lag Sinopolis musikalischer Schwerpunkt auf den Opern von Verdi und Puccini und der deutschen und österreichischen Musiktradition des 19. und 20. Jahrhunderts von Schubert über Wagner, Mahler und R. Strauss bis zur Zweiten Wiener Schule. Giuseppe Sinopoli bereitete bis kurz vor seinem plötzlichen Tod die Verteidigung einer Dissertation im Fach Vorderasiatische Archäologie mit dem Thema Die assyrische Kultur in Mesopotamien vor. Die Stadt Taormina auf Sizilien (bzw. die Agentur Taormina Arte) widmet dem Gedenken von Giuseppe Sinopoli seit 2005 ein Festival, das jährlich im Oktober stattfindet. Sinopoli war 1989-97 Filmarchitekt der musischen Abteilung der Taorminer Kirchweihfeste. Bei diesem Giuseppe-Sinopoli-Festival wird Sinopolis nicht nur als Musiker, Dirigent und Komponist gedacht, sondern auch als Mediziner, Archäologe und geistigem Menschen. Das Festival vereint somit Musik, Theater, Literatur und bildende Kunst in Zusammenkünften, Ausstellungen, Veröffentlichungen und natürlich Konzerten, zu dem jedes Jahr wichtige Orchester anreisen. Anlässlich des ersten Giuseppe-Sinopoli-Festivals wurde in Zusammenarbeit mit dem Konservatorium „Arcangelo Corelli“ in Messina das Sinopoli-Kammerorchester gegründet, in dem sich in der musikalischen Zusammensetzung junge Talente, Schüler und Dozenten des peloritanischen Konservatoriums abwechseln und überwiegend Kompositionen von Giuseppe Sinopoli aufführen.

 

3.11. Fridolin MOSBACHER: 95. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung in der Musikschule Winterthur und durch die Pädagogen Alfredo und Cornelio Cairati in Zürich. 1948 wurde er an das Theater der Schweizerischen Bundeshauptstadt Bern verpflichtet und blieb dessen Mitglied bis zu seinem Tod (Suizid) 1959. In diesen Jahren trat er dort in einer Vielzahl von Partien auf, u.a. als Figaro in »Figaros Hochzeit«, als Guglielmo in »Così fan tutte«, als Papageno in der »Zauberflöte«, als Minister im »Fidelio«, als Titelheld im »Barbier von Sevilla«, als Rigoletto, als Carlos in »La forza del destino« von Verdi, als Germont-père in »La Traviata«, als Belcore in »L’Elisir d’amore«, als Eugen Onegin, als Heerrufer im »Lohengrin«, als Wolfram im »Tannhäuser«, als Zar in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, als Kühleborn in dessen »Undine«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Marcello wie als Schaunard in »La Bohème«, als Don Ranudo in der gleichnamigen Oper von Othmar Schoeck, als Vendramin in »Massimilla Doni«, ebenfalls von Schoeck, als Truchsess von Waldburg in »Mathis der Maler« von Hindemith und als Matthias im »Gespensterschloss« von Moniuszko. Er gastierte an den Theatern von Zürich und St. Gallen und wirkte 1950 in Bern in der Uraufführung der Oper »Der spanische Rosenstock« von A. Schibler als Filenio mit. In Zürich sang er u.a. in der Spielzeit 1953-54 den Papageno, den Germont-père und den Kruschina in Smetanas »Die verkaufte Braut«, 1955-56 den Silvio im »Bajazzo«, den Grafen Liebenau im »Waffenschmied« von Lortzing und den Kothner in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Er wirkte in verschiedenen Schweizer Erstaufführungen von Opern mit: in Zürich in »Let’s make an Opera« von B. Britten (Spielzeit 1950-51), am Stadttheater von Bern in »Der Prozess« von G. von Einem (1953-54) und »Notre Dame« von Franz Schmidt (1957-58), in St. Gallen in »La Carrosse du Saint Sacrement« von H. Busser (als Vice-Roi de Pérou). Auch als Konzertsolist kam er in der Schweiz zu einer erfolgreichen Karriere.

 

4.11. Jindřich JINDRÁK: 85. Geburtstag

Jindřich JINDRÁK

 Er erhielt seine Ausbildung an der Musikakademie von Prag bei Kamila Ungrová und Bronislav Chorovic. Erster Bühnenauftritt 1956 am Prager Operettentheater als Herr Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«. Er debütierte 1958 am Nationaltheater Prag als Tomas in »Der Kuss« (»Hubicka«) von Smetana. Seitdem als erster Charakterbariton Mitglied dieses Hauses. Er gastierte am Bolschoi Theater Moskau, in Brüssel, Sofia, Warschau, Neapel, Amsterdam, Zürich und an der Wiener Volksoper. Bei den Festspielen von Edinburgh gastierte er mit dem Ensemble des Prager Nationaltheaters 1964 als Kuligin in »Katja Kabanowa«, als junger Gefangener und als Tschekunow in Janáceks »Aus einem Totenhaus«, als König Wladislaw in Smetanas »Dalibor« und als Staatsanwalt in Jan Cikkers »Auferstehung«, 1970 nochmals als König Wladislaw, als Förster in Janáceks »Das schlaue Füchslein« und als Kruschina in Smetanas »Die verkaufte Braut«. Neben dem klassischen slawischen und italienischen Repertoire seines Stimmfachs widmete er sich der Interpretation zeitgenössischer Werke (Opern von Henze, G. Klebe, Dallapiccola) und wurde zumal als Mozart-Sänger geschätzt. Partien aus seinem Opernrepertoire: der Germont sr. in »La Traviata«, Verdis Simon Boccanegra, der Posa im »Don Carlos« von Verdi, der Alfio in »Cavalleria rusticana«, der Gianni Schicchi von Puccini, der Graf in »Le nozze di Figaro«, der Guglielmo in »Così fan tutte«, der Eugen Onegin von Tschaikowsky, der Premysl in »Libussa« von Smetana, der Jeletzky in »Pique Dame« von Tschaikowsky, der Sima in »Ero der Schelm« von Gotovac und der König in »Die Kluge« von Carl Orff. Zugleich Konzertsänger und Pädagoge am Konservatorium von Prag. Hier nahm er 1968-75 eine Professur wahr; seit 1970 ging er auch einer Lehrtätigkeit an der Prager Musikakademie nach. Er starb 1993 in Prag.

Supraphon-Aufnahmen (vollständige Opern »Libussa«, »Dalibor« und »Die verkaufte Braut« von Smetana, »Zuzana Vojírová« von Jirí Pauer, »Rusalka« von Dvorák, »Hry o Marié« von B. Martinù; Liederzyklen von Dvorák, Martinù, Pauer u.a.).

 

4.11. Carlos MUNGUIA : 95. Geburtstag

Carlos-Munguía_

 Mit sieben Jahren wurde er in den Knabenchor eines Karmeliterklosters aufgenommen und sang dann seit 1930 im Chor der Paroquia de San Vicente in San Sebastian, wo er seinen ersten Musikunterricht erhielt. 1938 wurde er Mitglied des Chores »Orfeón Donostiarra« in San Sebastian und 1941 dessen Tenorsolist. Erst 1950 begann er seine professionelle Sängerkarriere. 1951 sang er am Teatro Victoria Eugenia von San Sebastian Soli im Magnificat und in der Matthäuspassion von J.S. Bach, 1952 in »La Damnation de Faust« von H. Berlioz und in der Kirche San Pedro de Vergara mit dem Orchester von Bilbao im Verdi-Requiem. Seit 1953 wurde er durch den Dirigenten Ataulfo Argenta in großen Aufgaben herausgestellt, u.a. in den Konzerten der »Quincena Musical Donostiarra«. 1955 trat er am Teatro Calderón Valladolid in »Le roi David« von A. Honegger, zusammen mit Consuelo Rubio, auf, dann im gleichen Werk am Teatro Gayarre von Pamplona, wo er auch das Tenorsolo im Requiem von Verdi vortrug, 1956 in Bilbao das Tenorsolo im Mozart-Requiem. 1957 gab er in Paris ein Konzert mit dem Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire, bei dem er Ausschnitte aus »Die Meistersinger von Nürnberg« sang, 1963 war er in Madrid im »Messias« von Händel zu hören, in Rom mit dem Orchester der Accademia di Santa Cecilia in »El retablo de Maese Pedro« von M. de Falla. Er betrat auch erfolgreich die Bühne; so sang er bereits 1941 am Teatro Victoria Eugenia San Sebastian den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. Er gastierte am Teatro Cervantes in Malaga und am Teatro Lope de Vega in Sevilla als Faust von Gounod, im Teatro Kursaal Manresa als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, 1950 am Teatro Liceu Barcelona in »La Lola se va a los puertos« von Angel Barrios. 1956 trat er in San Sebastian als Cassio in Verdis »Otello« (mit Mario del Monaco und Maria Curtis Verna) auf; er sang auch an verschiedenen spanischen Theatern in Operetten von Johann Strauß und in Zarzuelas, in denen er wohl seine größten Erfolge hatte. So erlebte man ihn 1956 am Teatro Zarzuela Madrid in »Dona Francisquita« von A. Vives, 1958 in »Luisa Fernanda« von Moreno Torroba, auch in »Bohemios« von Vives (in einer Neu-Bearbeitung), in »Pan y toros« von Barbieri (1960 Parque del Retiro Madrid), in »Mirentxu« von Guridi (Teatro Zarzuela Madrid) und in »Sueños de gloria« von José Maria Damunt (Valencia 1975). 1986 trat der beliebte Sänger letztmalig in der Kirche Paroquial von Deva (Guipuzcoa) als Solist im Mozart-Requiem auf. Er starb 2012 in San Sebastian.
Die Stimme von Carlos Munguia ist auf einer Fülle von Schallplattenaufnahmen zu hören. Auf den Marken Alhambra und Columbia kamen über 40 vollständige Zarzuelas (darunter fast alle hier erwähnten Titel) heraus. Auf Decca erschien de Fallas »El retablo de Maese Pedro« (als Maese Pedro). Außerdem existieren viele weitere Aufnahmen mit Ausschnitten aus Zarzuelas und Opern, mit spanischen Liedern bis hin zum Unterhaltungslied.

 

4.11. Milan ŠEPEC : 125. Geburtstag

Milan ŠEPEC als Pedrillo
Als Pedrillo

 Nach seiner Ausbildung an der Musikakademie von Zagreb und bei dem Pädagogen Ranieri-Horbowsky in Wien debütierte er 1916 am Theater von Varazdin (Kroatien) in der Operette »Künstlerblut« von Eysler. Bis 1919 blieb er in Varazdin engagiert und wurde darauf Mitglied des Kroatischen Nationaltheaters Zagreb. Er trat dort in Opern- wie in Operettenpartien auf wurde auch durch einige Tonfilme bekannt. Aus seinem Repertoire für die Bühne sind als Höhepunkte zu nennen: der Don Basilio in »Le nozze di Figaro«, der Mime im »Rheingold«, der Schuiskij in »Boris Godunow« von Mussorgsky, der Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Eisenstein in der »Fledermaus«, der Tassilo in der Operette »Gräfin Mariza« von Kálmán und der Radjani in einer weiteren Kálmán-Operette »Die Bajadere«. Er starb 1989 in Zagreb.

 

5.11. Jacqueline BRUMAIRE: 95. Geburtstag

Jacqueline BRUMAIRE

 Nach ihrer Ausbildung am Conservatoire National de Paris durch Madeleine Mathieu debütierte sie 1946 an der Pariser Opéra-Comique als Gräfin in »Figaros Hochzeit«. Seitdem hatte sie eine lang dauernde erfolgreiche Karriere an diesem Opernhaus. Man bewunderte sie vor allem in Partien für lyrischen Sopran aus den Bereichen der französischen und der italienischen Oper: als Mimi in »La Bohème«, als Micaela in »Carmen«, als Titelheldin in Massenets »Manon«, als Antonia in »Hoffmanns Erzählungen«, als Fiordiligi in »Così fan tutte« wie als Mireille in der Oper gleichen Namens von Gounod. 1951 wirkte sie an der Opéra-Comique in der Uraufführung der Oper »Madame Bovary« von Bondeville als Emma mit. 1962 sang sie an der Grand Opéra Paris, an der sie bereits 1949 als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod debütiert hatte, die Donna Elvira im »Don Giovanni« sie kam auch an diesem Opernhaus zu einer sehr erfolgreichen Karriere, u.a. als Pamina in der »Zauberflöte« und als Traviata, ebenso bei Gastspielen an den großen Opernhäusern des französischen Sprachgebiets, an den Opern von Marseille, Nizza, Bordeaux, Straßburg, Lyon und Toulouse. 1956 war sie an der Mailänder Scala als Fiordiligi, 1957 als Louise in der gleichnamigen Oper von Charpentier zu hören, 1958 an der Piccola Scala als Concepcion in »L’Heure espagnole« von Maurice Ravel. Sie trat als Gast in Johannesburg (1957) und in Prag (1967), an der Opéra de Wallonie Lüttich (1964 als Thaïs von Massenet) und in Oran (1961) auf. 1962 nahm sie in Toulouse an der Uraufführung der Oper »Hop! Signor« von Manuel Rosenthal teil. Sie galt als große Konzertsängerin und wurde auch durch ihre Rundfunksendungen bekannt. Noch 1969 sang sie in London in einer konzertanten Aufführung von Verdis »I Vespri Siciliani« die Elena. Aus ihrem ebenso umfassenden wie vielseitigen Bühnenrepertoire sind noch die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Renata in »L’Ange de feu« von Prokofieff (Opéra-Comique 1967) und die Béatrice in »Un sguardo sul ponte« von Renzo Rossellini (Bordeaux 1965, wohl in der französischen Erstaufführung dieser Oper) zu nennen. Später Professorin am Konservatorium von Nancy, 1981 bereitete sie in der Volksrepublik China chinesische Sänger auf eine viel beachtete Aufführung von Bizets »Carmen« in Peking vor. Sie starb 2000 in Nancy.

Schallplatten mit Opernarien auf Philips, einige Decca-Aufnahmen. Sang auf Véga in den beiden Opern »Les malheurs d’Orphée« und »Le pauvre matelot« von Darius Milhaud, auf Bourg Records in »Le Roi d’Yvetot« von J. Ibert, auf Forlane in »Don Juan de Mañara« von H. Tomasi, auf BBC Records die Hélène in »Les Vêpres Siciliennes« von Verdi.

 

5.11. Franjo PAULIK: 95. Geburtstag

Franjo Paulik

 Er wurde in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ausgebildet und debütierte 1947 am dortigen Opernhaus, dessen Mitglied er während seiner ganzen Karriere blieb. Durch Gastspiele wurde er auf internationaler Ebene bekannt. Mit dem Ensemble der Oper von Zagreb gastierte er 1962 beim Festival von Edinburgh (als Golizyn in »Chowanschtschina« von Mussorgsky, als Eroschka in »Fürst Igor« von Borodin und als Truffaldino in »L’amour des trois oranges« von Prokofjew), 1962 bei den Festspielen von Wiesbaden und 1964 beim Holland Festival (als Wenzel in Smetanas »Die verkaufte Braut«). Mit dem Ensemble der Belgrader Oper gastierte 1964 als Golizyn auch an der Wiener Staatsoper. 1964 gastierte er an der Oper von Monte Carlo als Schuiskij im »Boris Godunow« von Mussorgsky, 1967 am Teatro Fenice Venedig, 1968 in Oslo, 1969 in Lausanne. 1975 wirkte er an der Oper von Zagreb in der Uraufführung der Oper »Die Liebe des Don Perlimplin« von Miro Belamaric mit (anschließend Aufnahme des Werks auf Jugoton). Er sang mit Vorliebe Partien aus dem Charakter- und dem Buffo-Fach, wobei er sich auch als begabter Darsteller erwies. Im Einzelnen sind zu nennen: der Herodes in »Salome« von Richard Strauss, der Nero in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea« und der Tom Rakewell in Strawinskys Oper »The Rake’s Progress«. Er starb 1995 in Zagreb.

Weitere Schallplattenaufnahmen bei Philips (»Sadko« von Rimsky-Korssakow) und Jugoton (»Zrinski« von Ivan Zajc).

 

5.11. Attilio ARIOSTI: 350. Geburtstag

Attilio Ariosti, der einem illegitimen Zweig der Bologneser Adelsfamilie Ariosti entstammte, erhielt Gesangs-, Violin-, Orgel- und Kompositionsunterricht, von nicht näher bekannten Lehrern. Er trat 1688 in das Kloster des Servitenordens in Bologna ein, wo er am 28. Juli 1689 sein öffentliches Gelübde ablegte. Im Mai 1692 erhielt er die Weihe zum Diakon und im gleichen Jahr die Organistenstelle an S. Maria dei Servi, der Kirche seines Ordens. Durch die Komposition seiner ersten Oratorien (La passione 1693 in Modena und S. Radegonda reina di Francia 1694, Bologna) erhielt er erste Kontakte zur Welt des Theaters. Seine erste Oper Tirsi wurde 1697 in Venedig aufgeführt. 1697-1703 wurde er von Herzog Franz IV Gonzaga von Mantua für die Tätigkeit als Hofkomponist am Hof Sophie Charlottes, Lietzenburg, bei Berlin freigestellt. Hier komponierte er die Opern La fede ne tradimenti, L’inganno, vinto della costanza und Mars und Irene. Außerdem schrieb er am Hof diverse Arien, Kantaten und Kammerkonzerte. Im Jahr 1703 musste er wegen einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Oberhofkapellmeister Schloss Lietzenburg verlassen. Danach war er kurzzeitig am Hof von Anjou angestellt. 1703-09 war er in den Diensten Kaiser Josephs I., der österreichische Generalagent für Italien. Nach 1715 feierte er große Erfolge in Paris und London, die erst von Georg Friedrich Händel übertrumpft wurden. Er war mit Händel und Bononcini Mitglied der Royal Academy of Music, deren Aufgabe es war, die Londoner Aristokratie mit italienischen Opern zu versorgen. Die Bedeutung Ariostis wird herausgestellt durch die 1737 von Jean-Philippe Rameau gemachte Äußerung, bezüglich einer Passage der Oper Coriolano, die er als ein herausragendes Beispiel für enharmonisches Komponieren sah. Die Viola d‘amore wurde sein bevorzugtes Instrument, diese spielte er am 12. Juli 1716 zwischen den Akten der Aufführung von Händels Amadigi di Gaula des Hallensers in London. Ariosti schrieb rund 25 Opern, deren Vorbilder anfangs die Opern Jean-Baptiste Lullys und später die Opern Alessandro Scarlattis waren. Attilio Ariosti starb 1729 in London.

Sein jüngerer Bruder Giovanni Battista Ariosti (* 1668) war ebenfalls Mitglied des Servitenordens und Musiklehrer, er hinterließ ein 1686 gedrucktes Lehrbuch, Modo facile di suonare il sistro für eine Art Glockenspiel.

 

6.11. Leo GOEKE: 80. Geburtstag

Leo Goeke

Er studierte an der Louisiana University, dann an der State University of Iowa bei David Lloyd, in New York bei Hans Heinz und bei Margaret Harshaw. Er begann seine eigentliche Karriere in den sechziger Jahren und wurde dann in das Opernstudio der Metropolitan Oper New York aufgenommen. Er debütierte 1970 an der Metropolitan Oper als Gaston in »La Traviata« und sang hier bis 1974 in insgesamt 212 Vorstellungen u.a. den Arturo wie den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Beppe im »Bajazzo«, den Jaquino im »Fidelio«, den Ferrando in »Così fan tutte«, den Rodolfo in Puccinis »La Bohème«, den Cassio im »Otello« von Verdi, den Alfredo in »La Traviata«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Herzog im »Rigoletto«, den Hylas in »Les Troyens« von H. Berlioz und den Tamino in der »Zauberflöte«. Man hörte ihn an den Opern von Baltimore und Seattle, an der New York City Opera, in Straßburg, Amsterdam und beim Festival von Glyndebourne. Hier sang er 1973 den Flamand im »Capriccio« von R. Strauss, 1974 den Idamante in Mozarts »Idomeneo«, 1975 und 1977-78 den Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, 1977 den Don Ottavio und 1978 den Tamino. Den Tom Rakewell sang er auch 1980 am Théâtre des Champs-Élysées in Paris (mit dem Ensemble des Glyndebourne Festivals). Auch der Staatsoper von Stuttgart verbunden, an der er 1981 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Satyagraha« von Philipp Glass mitwirkte. In seinem Repertoire für die Bühne fanden sich weiter der Ernesto im »Don Pasquale« von Donizetti, der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der des Grieux in Massenets »Manon«, der Pinkerton in »Madame Butterfly« und der Admet in »Alceste« von Gluck, den er 1982 in Louisville/Kentucky sang. Auch im Konzertsaal erfolgreich aufgetreten. Er starb 2012 in Pittsfield (Massachusetts).

Schallplatten: RCA (Beppe im »Bajazzo«); Pickwick-Video (»Don Giovanni« aus Glyndebourne, 1977; »The Rake’s Progress«), Longman-Video (»Die Zauberflöte«), Arthaus-Video (»Satyagraha« von Philip Glass, Stuttgart 1981).

 

6.11. Kåge JEHRLANDER: 95. Geburtstag

 Studium an der Musikhochschule Stockholm 1948-52, das mit dem Musiklehrerexamen abgeschlossen wurde. Weitere Ausbildung in der Opernklasse der Wiener Musikakademie. Seine ersten Engagements waren 1957-58 am Theater von Landshut (Bayern), 1958-59 am Stadttheater von Luzern, 1959-60 am Stadttheater von Bremerhaven. Seine ersten großen Erfolge hatte er als Opernsänger am Teatro San Carlo von Neapel und an der Nationaloper von Helsinki. 1961 Gastspiel an der Königlichen Oper Stockholm als Don Ottavio im »Don Giovanni« seit 1963 Mitglied dieses Opernhauses. Er sang 1964 in der Stockholmer Uraufführung von »Drömmen om Therèse« von Werle die Partie des Colombel, 1965 wirkte er in der Uraufführung von Karl-Birger Blomdahls Oper »Herr von Hancken« mit. Weitere Gastspiele an französischen Bühnen. 1972-73 sang er bei den Festspielen von Drottningholm den Scipio Africanus in der gleichnamigen Oper von Cavalli, später auch den Ferrando in »Così fan tutte« und den Tamino in der »Zauberflöte«. Weitere Partien aus seinem Bühnenrepertoire: der Herzog im »Rigoletto«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, der Dr. Cajus im »Falstaff« von Verdi und der Leander in »Marionetter« von H. Rosenberg. Viel beschäftigter Konzert- und Oratoriensänger. Er starb 2013 in Karlshamm. Sein Bruder Karl-Frederik Jehrlander (* 15.10.1934) war ein bekannter Chorleiter und Musikpädagoge.

Schallplatten: Swedish Society und andere kleinere schwedische Marken.

 

6.11. Martin Joseph ADRIEN: 250. Geburtstag

 Er war zuerst Chorsänger an der Kathedrale von Lüttich, wurde aber bereits dort und später in der École Royale de Chant in Paris zum Solisten ausgebildet. 1781 sang er bei den Concerts Spirituels in Paris zusammen mit dem Bariton Auguste-Athanase Chéron, mit dem er auch alternierend Partien an der Grand Opéra übernahm, an der er 1785 debütierte. 1804 sang er dort in der Uraufführung der Oper »Ossian« von J. Fr. Lesueur die Partie des Rosmar. Zu seinen weiteren Rollen zählten der Evandre in »Alceste« von Gluck, Partien in »Astyanax« von R. Kreutzer, »Démophoon« von Joh. Chr. Vogel, »Les Prétendues« von Jean Baptiste Lemoyne, in »Oedipe à Colone« von Sacchini und in »Tarare« von A. Salieri. 1804 verließ er die Bühne, wirkte aber an der Pariser Opéra jetzt als Chef du Chant. 1822 wurde er als Nachfolger von Étienne Lainez Professor am Conservatoire National de Paris, starb aber noch im gleichen Jahr. Auf der Bühne wurde immer wieder sein großes darstellerisches Talent bewundert, während man seine Methode des Singens mehrfach kritisierte. Während der Jahre der Französischen Revolution komponierte er patriotische Lieder. Bei einigen Liedern ist es jedoch nicht sicher, ob sie von ihm oder von einem seiner Brüder Jean Adrien (etwa 1768 – etwa 1824) oder Ferdinand Adrien (etwa 1770 – etwa 1830) stammen, die Gesangsmeister am Théâtre Feydeau bzw. letzterer an der Grand Opéra (als Vorgänger von Martin Joseph Adrien in den Jahren 1798-1800) waren. Die Schreibweise des Familiennamens kommt auch in der Form Andrien vor; Martin Joseph Adrien war auch unter dem Namen »Le Neuville« bekannt.

 

7.11. Joan SUTHERLAND: 90. Geburtstag

Joan Sutherland

 Ihr Vater war Schneider, ihre Mutter war Amateursängerin. Zuerst arbeitete sie als Sekretärin, dann Ausbildung der Stimme durch John und Aida Dickens in Sydney. Bereits 1947 sang sie in Sydney in »Dido and Aeneas« von Purcell, 1950 die Titelrolle in der Oper »Judith« von Eugene Goossens. 1951 kam sie nach London und wurde am Royal College of Music Schülerin von Clive Carey. 1952 debütierte sie an der Covent Garden Oper London als erste Dame in der »Zauberflöte«. 1953 wirkte sie dort in einer Aufführung von Bellinis »Norma« als Clotilde mit, während Maria Callas die Titelheldin sang. Am 27.1.1955 sang sie an der Covent Garden Oper die Jennifer in der Uraufführung von M. Tippetts »A Midsummer Marriage«, 1958 in der englischen Premiere von »Dialogues des Carmélites« von Poulenc. An diesem Opernhaus hatte sie dann große Erfolge in Partien wie der Aida, der Amelia im »Maskenball« von Verdi, der Agathe im »Freischütz« und der Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, in der Saison 1958-59 wandte sie sich dem Koloraturfach zu und wurde als Lucia di Lammermoor, als Amina in »La Sonnambula« von Bellini und als Traviata begeistert gefeiert. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang sie 1956 die 1. Dame in der »Zauberflöte« und die Gräfin in »Le nozze di Figaro«, 1957 die Mme Herz in Mozarts »Der Schauspieldirektor«, 1960 die Donna Anna im »Don Giovanni« und die Elvira in Bellinis »I Puritani«. Sehr erfolgreich auch in London in szenischen Aufführungen des Oratoriums »Samson« von Händel. Bei den Neu-Aufführungen der Opern von G.F. Händel durch die Handel Society sang sie in London 1957 in »Alcina«, 1959 in »Semele« und in »Rodelinda« (hier zusammen mit Janet Baker), 1963 in »Serse« und in »Giulio Cesare«. 1958 kam es zu ihrem Nordamerika-Debüt in Vancouver als Donna Anna im »Don Giovanni«. Dort sang sie dann 1962 die Norma, 1967 die Lucia di Lammermoor und 1972 die Titelheldin in Donizettis »Lucrezia Borgia«. 1959 gastierte sie an der Wiener Staatsoper (als Donna Anna und als Desdemona in Verdis »Otello« in insgesamt 5 Vorstellungen), im gleichen Jahr an der Staatsoper Hamburg in »Giulio Cesare« von Händel, 1960 in Genua, Palermo und Venedig. Bei den Festspielen von Edinburgh hörte man sie 1960 als Elvira in Bellinis »I Puritani«. 1961 debütierte sie an der Mailänder Scala als Lucia di Lammermoor; man feierte sie hier 1961 auch als Titelheldin in »Beatrice di Tenda« von Bellini, 1962 als Amina, als Marguerite de Valois in Meyerbeers »Hugenotten« und in der Titelrolle von Rossinis »Semiramide« (mit Giulietta Simionato als Arbace), 1964 nochmals als Lucia di Lammermoor und 1966 als Donna Anna. 1961 hörte man sie an der Oper von Dallas als Donna Anna und als Alcina von Händel, 1962 in Vancouver erstmals als Norma. Glänzende Erfolge hatte sie an der Pariser Grand Opéra, in Köln und Barcelona. Sie galt allgemein als eine der größten Sängerinnen ihrer Epoche. An der Oper von San Francisco gastierte sie 1961 als Lucia di Lammermoor, 1963 als Amina, 1964 als Traviata, 1966 als Elvira in Bellinis »I Puritani«, 1971 in der Titelrolle von Donizettis »Maria Stuarda«, 1972 und 1982 als Norma, 1973 als Rosalinde in der »Fledermaus«, 1974 als Esclarmonde in der gleichnamigen Oper von Massenet, 1975 als Leonore im »Troubadour«, 1981 als Hanna Glawari in Lehárs »Die lustige Witwe« und 1984 in der Titelpartie von Donizettis »Anna Bolena«. 1961 wurde sie an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Lucia di Lammermoor), wo sie dann die nächsten 25 Jahre hindurch ihre Triumphe feierte. 1987 beging man dort festlich ihre 25jährige Zugehörigkeit zum Haus, an dem sie 13 Partien in insgesamt 223 Vorstellungen vorgetragen hatte. Ihre großen Erfolge hatte sie an der Metropolitan Oper als Amina, als Traviata, als Donna Anna, als Norma, als Marie in »La Fille du Régiment«, als Gilda im »Rigoletto«, in den vier Sopranpartien in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, als Elvira in »I Puritani«, als Esclarmonde und als Leonore im »Troubadour«. 1989 trat sie zum letzten Mal an der Metropolitan Oper mit einem Recital auf. 1965 und 1974 bereiste sie Australien mit einer eigenen Operntruppe. 1967 hörte man sie bei den Wiener Festwochen als Euridice in »Orfeo ed Euridice« von J. Haydn. 1974 sang sie am neu erbauten Opernhaus von Sydney die vier Sopranpartien in »Hoffmanns Erzählungen«. An der Chicago Opera war sie 1975 und 1985 (als Anna Bolena) zu Gast. 1990 verabschiedete sie sich am Opernhaus von Sydney als Marguerite de Valois in den »Hugenotten« von Meyerbeer von der Bühne. Glanzvolle Karriere auch als Konzert- und Oratoriensolistin, namentlich als Bach- und Händel-Interpretin. Sie starb 2010 in Les Avants (Schweiz). Sie war seit 1954 mit dem Dirigenten und Pianisten Richard Bonynge (* 1930) verheiratet. – In ihrem Sopran verbanden sich höchste Virtuosität des Ziergesangs und subtile Ausdruckskunst zu einer selten anzutreffenden Einheit. Man rühmte die Klarheit ihrer Intonation wie ihr brillantes Staccato auf der einen und die Schönheit ihrer Stimme im Vortrag langsamer Passagen auf der anderen Seite. Immer wieder wurde sie mit der großen australischen Primadonna Nellie Melba verglichen. 1992 wurde sie von der englischen Königin mit dem Order of Merrit ausgezeichnet.

Lit: E. Greenfield: »Joan Sutherland« (London, 1972); R. Braddon: »Joan Sutherland« (London, New York, 1962); Norma Major: »Joan Sutherland« (London, 1987); B. Adams: »La Stupenda, a Biography of Joan Sutherland« (Sydney, 1991); R. Christiansen: Sutherland a Wonderful Innings‘ (in »Opera« 1990).

Schallplatten: Decca (»Lucia di Lammermoor«, »Rigoletto«, »Alcina«, »Rodelinda« und »Athalia« von Händel, »La Sonnambula«, »Semiramide« von Rossini, »Faust« von Gounod, »I Puritani« von Bellini, »Die Hugenotten« von Meyerbeer, »Turandot« von Puccini, Waldvogel im »Siegfried«, »La Traviata«, »Hoffmanns Erzählungen«, »Don Giovanni«, »Montezuma« von Carl Heinrich Graun, »Don Pasquale« von Donizetti, »Adriana Lecouvreur« von Cilea, »Griselda« von Bononcini, »L’Oracolo« von Franco Leoni, »Le Roi de Lahore« von Massenet, »Messias«, zwei Aufnahmen von »Norma«, davon eine von 1987 mit Montserrat Caballé als Adalgisa, »Anna Bolena« und »La Fille du Régiment« von Donizetti, Elvira in »Ernani«, 1987 aufgenommen), Columbia (»Don Giovanni«), Oiseau Lyre (»Acis and Galathea« von Händel), HMV, Gala (»The Midsummer Marriage« von M. Tippett, Mitschnitt der Uraufführung; Amina in »La Sonnambula« von Bellini, New York 1961), Bella Voce (»Alcina« von Händel), OPD (»Rodelinda« von Händel, London 1959); VAI-Video (»Norma«). Auf Topaz-Video erscheint sie als Leonore im »Troubadour« Virgin-Video (»La Fille du Régiment«, »Die lustige Witwe« von F. Lehár), Castle-Video (»Lakmé«), Pioneer-Video (»Die Hugenotten«, Aufnahme der Abschiedsvorstellung in Sydney, 1990). Hinzu kommen eine Vielzahl von Aufnahmen aus allen Bereichen der Musikliteratur, auch viele Mitschnitte von Konzert- und Opernaufführungen, so dass ein erschöpfender Überblick über die Schallplatten der Sängerin hier unmöglich gegeben werden kann.

 

7.11. Rayén QUITRAL: 100. Geburtstag

Rayen_Quitral

 Ihr Gesangstudium erfolgte in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile. 1941 erschien die ganz unbekannte Sängerin am Teatro Colón Buenos Aires, wo sie unter Erich Kleiber als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« einen sensationellen Erfolg hatte. Man bewunderte auf der einen Seite das große, üppige Volumen ihrer Stimme, auf der anderen deren ungewöhnliche Tonhöhe und ihre Begabung für den Vortrag schwierigster Koloraturpassagen. Während der Jahre des Zweiten Weltkrieges hatte sie am Teatro Colón wie an anderen führenden Bühnen in Südamerika weitere Erfolge und unternahm in diesem Kontinent Konzertreisen. Ebenso erfolgreich war die Künstlerin als Gast am Opernhaus von Mexico City. 1951 erschien sie zu einem einmaligen Gastspiel an der Covent Garden Oper London, wiederum in ihrer Glanzrolle, der Königin der Nacht. Obwohl sie auch dort großen Erfolg hatte, war damit ihre Karriere abgeschlossen. Man hat danach kaum mehr etwas über die Künstlerin vernommen. Sie starb 1979 in Santiago de Chile.

Schallplatten: 1941 kam bereits auf Victor-RCA eine Schallplatte heraus mit der zweiten Arie der Königin der Nacht und der Kavatine der Rosina aus dem »Barbier von Sevilla« 1946 wurden auf Columbia weitere Titel aufgenommen, die aber nicht zur Veröffentlichung gekommen sind.

 

7.11. Paul LINCKE: 150. Geburtstag

Als Sohn des Magistratsdieners August Lincke und seiner Ehefrau Emilie wurde Paul Lincke am 7. November 1866 in der Nähe der Berliner Jungfernbrücke geboren. Vater August Lincke spielte zu jener Zeit als Geiger in mehreren kleinen Orchestern. Sohn Paul war erst fünf Jahre alt, als der Vater verstarb. Mutter Emilie zog mit ihren drei Kindern in die Adalbert-, später in die Eisenbahnstraße, nahe dem Lausitzer Platz. Pauls früh erkennbare musikalische Neigungen zeigten sich besonders im Hang zur Militärmusik. Darum schickte seine Mutter ihn nach Abschluss der Realschule in die Lehre nach Wittenberge. Hier wurde er in der Wittenberger Stadtmusikkapelle von Rudolf Kleinow als Fagottist ausgebildet. Darüber hinaus erlernte er das Spielen des Tenorhorns, des Schlagzeuges, das Klavierspiel sowie das Geigenspiel. Seine Körpermaße entsprachen 1884 nicht den Vorschriften für Militärmusiker, als er sich zu einer Ausbildung bewarb. Stattdessen gelang es ihm, am Central-Theater in der Alten Jakobstraße bei Adolf Ernst ein erstes Engagement als Fagottist zu erhalten. Bereits nach einem Jahr wechselte er ins Orchester des Ostend-Theaters in der Großen Frankfurter Straße. Spontan verliebte er sich in die 16-jährige Soubrette Anna Müller, die er 1893 heiratete. Seine Frau feierte später unter dem Namen Anna Müller-Lincke Triumphe beim Berliner Publikum. In der Unterhaltungs- und Tanzmusik sammelte Lincke am Königsstädtischen Theater, dem Belle-Alliance-Theater und dem Parodie-Theater in der Oranienstraße wertvolle Erfahrungen. Er begleitete musikalisch die Varieté-Programme und lieferte eigene Kompositionen für beliebte Couplet-Sängerinnen. Venus auf Erden, ein revueartiger Einakter, entstand 1897 im Apollo-Theater in der Friedrichstraße.  Zwei Jahre lang ließ sich Paul Lincke am berühmtesten europäischen Varieté, den Floies Bergère in Paris, feiern. Danach kehrte er mit neuen Kompositionen an das Apollo-Theater zurück. Mit riesigem Erfolg wurde 1899 Frau Luna uraufgeführt. Im selben Jahr folgten Im Reich des Indra und 1902 die Operette Lysistrata. Für das Libretto sorgte in beiden Werken Heinz Bolten-Baeckers. 1901 traf Lincke auf eine junge Schauspielerin, welche unter dem Künstlernamen Ellen Sousa bekannt war. Sie spielte im Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater und verzauberte Lincke vom ersten Augenblick an. Nachdem Sousa dem Begeisterten die erste Einladung ausschlug, was für Lincke eine ungewohnte Situation war, besuchte er immer wieder ihre Vorstellungen und lud sie jedes Mal aufs Neue ein. Das Glück sollte ihm bald ihre Nähe schenken und schon wenige Wochen nach ihrer ersten Begegnung holte Lincke die junge Ellen Sousa in seine Wohnung in der Oranienstraße 64. Ihre Beziehung war gekennzeichnet von tiefer Zuneigung und Leidenschaft. Lincke war nicht in der Lage, ihr einen Wunsch abzuschlagen und so kam es, dass Sousa die Frau Luna im Apollo-Theater sang. Fantastische Kritiken und ein begeistertes Publikum ließen Sousa auf eine große Karriere hoffen, doch es sollte anders kommen. Wenig bekannt ist dieses Verhältnis und noch unbekannter ist die Tatsache, dass Ellen Sousa ihr Bühnenwirken aufgrund einer Schwangerschaft abbrechen musste. 1902 gebar Ellen Sousa Lincke einen Sohn. Lincke verlangte nun, dass Sousa ihren Mutterpflichten nachkommen und die Bühnenarbeit zu diesem Zweck ablegen müsse. Doch schon ein Vierteljahr später hörte man Sousa wieder die Frau Luna am Apollo-Theater singen. Linckes Versuche, sich mit dieser Situation zu arrangieren, scheiterten und so bot er Ellen Sousa die Ehe an und verlangte im Gegenzug, dass sie für immer die Bühne verlässt. Sie sprach ihm eine Bedenkzeit ab und versuchte sich in ihrer neuen Rolle als Hausfrau, Mutter und ewig Wartende. Paul Lincke erlebte in dieser Zeit eine weitere Welle des Erfolges, da seine Stücke nun wieder in Paris gefragt waren. Weiter verbrachte er die Abende, wenn nicht am Theater, in illustren Runden oder großen Gesellschaften, welchen Sousa nicht beiwohnen konnte. Lincke forderte nun eine Antwort von Sousa und erklärte, dass er sie und ihren gemeinsamen Sohn nicht mehr sehen wollte, sollte sie sich für die Bühne entscheiden. Er gab ihr zehn Tage Bedenkzeit, fuhr in dieser Zeit zu einem Gastspiel und als er nach sechs Tagen zurückkehrte, waren Sousa und das Kind ausgezogen. Jahre später heiratete Ellen Sousa einen Großkaufmann, dem sie nach Dresden folgte und der ihren Sohn, ohne Einwände Linckes, adoptierte. Dies war das endgültige Ende der Beziehung zu Ellen Sousa und seinem Sohn. Aus jenen Ereignissen stammt der Walzer Verschmähte Liebe. Der Direktor des Apollo-Theaters, Richard Schultz, verpflichtete Paul Lincke 1908 als ersten Kapellmeister und Komponisten an das Metropol-Theater, dessen pompöse Ausstattungsrevuen zur größten Attraktion der Reichshauptstadt gehörten. 1937 erhielt er die Silberne Ehrenplakette seiner Heimatstadt, an seinem 75. Geburtstag wurde er zum Ehrenbürger von Berlin ernannt. 1943 gastierte Lincke im böhmischen Marienbad, um dort sein Werk Frau Luna zu dirigieren, dessen Uraufführung 1899 als Geburtsstunde der Berliner Operette gilt. Während seiner Abwesenheit wurden seine Wohnung und sein Verlag in der Berliner Oranienstraße ausgebombt. Nach Kriegsende wollte Lincke nach Berlin zurückkehren. Lange bemühte er sich vergebens um die Zuzugsgenehmigung der Alliierten, die man damals auch als gebürtiger Berliner benötigte. Mit Hilfe des amerikanischen Generals Pierce übersiedelte er zunächst mit seiner Haushälterin Johanna Hildebrandt, die bereits 35 Jahre für ihn sorgte, in das oberfränkische Arzberg. Dort bot sich für den gesundheitlich bereits angeschlagenen Lincke nicht das richtige Klima und so sorgten Freunde in Lautenthal (Oberharz) für eine Übersiedlung nach Hahnenklee. Hier starb er kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres am 3. September 1946. Nach der Trauerfeier in der Stabkirche Hahnenklee erfolgte seine Beisetzung auf dem Hahnenkleer Friedhof, wo sein Grab bis heute gepflegt wird.

 

7.11. Daniel FILLEBORN: 175. Geburtstag

Daniel FILLEBORN

 Er arbeitete in seiner Jugendzeit in dem Bronzekunst-Betrieb seines Vaters. Dort hörte ihn der damalige Direktor der Warschauer Oper J. Quattrini und überredete ihn zum Gesangstudium. Er debütierte im März 1862 an der Großen Oper von Warschau in einem Opernkonzert und sang als erste Partie dort auf der Bühne im Juli 1862 den Alesandro Stradella in der Oper gleichen Namens von Flotow. Er wurde darauf an das Opernhaus von Warschau engagiert, reiste aber im Herbst 1863 zur weiteren Ausbildung nach Mailand, wo er Schüler von Francesco Lamperti wurde. Nach seiner Rückkehr in seine polnische Heimat kam er als erster Tenor an der Oper von Warschau zu einer glänzenden Karriere. Er sang dort Partien wie den Elvino in Bellinis »La Sonnambula«, den Alfredo in »La Traviata«, den Nemorino in »L‘Elisir d’amore«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Titelhelden in Verdis »Ernani«, den Riccardo in »Un Ballo in maschera«, den Pollione in »Norma« und den Eleazar in »La Juive« von Halévy. Seine große Rolle war der Jontek in der polnischen Nationaloper »Halka« von Moniuszko. Am 11.12.1869 sang er in der Uraufführung von Moniuszkos »Paria« in Warschau die Partie des Idamor. 1873-74 trat er an den Hofopern von St. Petersburg und Moskau mit großen Erfolgen auf, wobei er in St. Petersburg zusammen mit der berühmten Primadonna Adelina Patti auf der Bühne stand. Wahrscheinlich durch Überanstrengung kam es dann zum fortschreitenden Verlust der Stimme. In den Jahren 1877-82 war er nur noch selten in Warschau zu hören und verabschiedete sich schließlich im Juli 1882 als Don Ottavio im »Don Giovanni« von seinem Publikum. Er lebte seitdem in seinem Landhaus in der Nähe von Warschau und betrieb dort das renommierte Restaurant »Marcelin«, das er von seinem Schwiegervater geerbt hatte. Er starb im Jahr 1904.

 

8.11. Jerome HINES: 95. Geburtstag

Jerome Hines

 Zuerst Mathematik- und Chemiestudium an der Universität von Los Angeles, seit 1938 Ausbildung der Stimme durch Gennaro Curci; auch Schüler von Samuel Margolis in New York und von Rocco Pandiscio. Er debütierte 1941 an der Oper von San Francisco als Monterone im »Rigoletto« und sang dann dort auch den Biterolf im »Tannhäuser«. 1941-42 und 1943-44 war er bei der San Carlo Opera Company engagiert. Er sang anschließend am Opernhaus von New Orleans und mit verschiedenen amerikanischen Orchestern zusammen. Arturo Toscanini förderte die Karriere des jungen Sängers, der 1946 den Prix Caruso gewann. 1946 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen, deren Mitglied er seitdem für mehr als 40 Jahre (!) geblieben ist (Debüt als Sergeant in »Boris Godunow«). Hier ist er insgesamt in 45 verschiedenen Partien und in 869 Vorstellungen aufgetreten; von diesen Partien seien hier nur der Mephisto im »Faust« von Gounod, der Komtur im »Don Giovanni«, der Sprecher wie der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Fasolt im »Rheingold«, der Comte des Grieux in »Manon« von Massenet, der Ramfis in »Aida«, der Swallow in »Peter Grimes« von B. Britten, der Basilio im »Barbier von Sevilla«, der Ferrando im »Troubadour«, der Lothario in »Mignon« von A. Thomas, der Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, der Sparafucile im »Rigoletto«, der alte Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, der Dosifej in »Chowanschtschina« von Mussorgski, der Gurnemanz im »Parsifal«, der Großinquisitor wie der König Philipp im »Don Carlos«, der Minister im »Fidelio«, der Colline in »La Bohème«, der Pater Guardian in »La forza del destino«, der Pimen wie die Titelrolle im »Boris Godunow«, der Arkel in »Pelléas et Mélisande«, der Landgraf im »Tannhäuser«, der König Marke in »Tristan und Isolde«, der Gremin im »Eugen Onegin«, der Banquo in Verdis »Macbeth«, der Wotan in der »Walküre«, der Fiesco im »Simon Boccanegra«, der Zaccaria im »Nabucco«, der König Heinrich im »Lohengrin«, den Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli, der Silva im »Ernani«,der Conte Rodolfo in Bellinis »La Sonnambula«, der Graf Walter in Verdis »Luisa Miller«, der Phorcas in »Esclarmonde« von Massenet, der Zacharie in Meyerbeers »Le Prophète« und der Marquis de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc genannt. Gastspiele an den Opern von Rio de Janeiro, Säo Paulo und Mexico City brachten große Erfolge. 1953 sang er bei den Festspielen von Edinburgh den Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky. 1954 feierte man ihn in München als Don Giovanni. Glanzvolle Gastspiele auch an der Oper von Rom (1984 als Arkel), beim Maggio Musicale von Florenz und 1958 an der Mailänder Scala (als Titelheld in »Eracle« von Händel). Seit 1958 trat er bei den Festspielen von Bayreuth auf; hier hatte er 1958-59 als Gurnemanz, 1959 als König Marke, 1960-61 und 1963 als Wotan in der »Walküre« sowie 1961 als Wotan auch im »Rheingold« seine Erfolge. Berühmt auch als Boris Godunow (den er u.a. auch 1962 am Bolschoi Theater Moskau sang). 1962, 1964, 1966 und 1967 war er am Teatro Colón Buenos Aires zu Gast, auch in Budapest und in Toronto. Seine Karriere dauerte sehr lange; noch 1986 gastierte er an der Oper von Cincinnati als Sarastro, 1988 in Newark als blinder Vater in Mascagnis »Iris«, 1989 in New Orleans als Ramfis (45 Jahre nach seinem ersten Auftritt an diesem Haus), 1990 in New Orleans als Oroveso in Bellinis »Norma«. 1991 wurde sein 50jähriges Bühnenjubiläum festlich begangen, 1992 trat er bei der Long Beach Opera als Fiesco auf. 1996 sang er in Boston den Pater Guardian in einer konzertanten Aufführung von »La forza del destino« von Verdi. Noch 1997 hörte man ihn an der Oper von New Orleans als Sarastro. Er starb 2003 in New York. Er war verheiratet mit der Sängerin Lucia Evangelista (1917-2000). – 1968 erschien seine Selbstbiographie unter dem Titel »This is My Story. This is My Song«. Er war auch als Komponist tätig und schrieb eine Oper »I Am The Way«, deren Inhalt das Leben Jesu zugrunde liegt. 1982 gab er eine Sammlung von Interviews mit bedeutenden Sängern unter dem Titel »Great Singers on Great Singing« heraus. – Reich gebildete Stimme von einer unerschöpflichen Tonfülle und einer besonderen Intensität des dramatischen Ausdrucks, gleich vortrefflich im Wagner-Repertoire wie auf allen anderen Gebieten der Oper und des Oratoriums.

Schallplatten: RCA (»Macbeth« von Verdi, »Lohengrin«, Missa solemnis von Beethoven unter Toscanini), Decca (u a. vollständige Oper »La Favorita« von Donizetti), Columbia (»Messiah«), CBS (»Le Prophète« von Meyerbeer, »Herzog Blaubarts Burg« von Bartók), UORC (»Aida«, Großinquisitor in Verdis »Don Carlos«), Estro Armonico (Philipp im »Don Carlos«), Melodram (nochmals Philipp im »Don Carlos«, Wotan im »Rheingold«, »Tannhäuser«), Cetra (»Manon« von Massenet), Bruno Walter Society (»Fidelio«), Historical Performances (Sarastro in der »Zauberflöte«), GDS/Melodram (»Eracle« von Händel, Scala 1958).

 

9.11. Ricardo ORTALE (argentinischer Bariton): 65. Geburtstag

 

9.11. Piero CAPPUCCILLI: 90. Geburtstag

Piero Cappuccilli

 

 Ursprünglich hatte er die Absicht, Architekt zu werden. Sein Vater erkannte jedoch die Schönheit seiner Stimme und ließ sie durch Luciano Donaggio in Triest ausbilden. 1957 erfolgte sein Bühnendebüt am Teatro Nuovo in Mailand als Tonio im »Bajazzo«. Er gewann Preise beim Gesangwettbewerb von Vercelli und beim Festival von Spoleto. 1960 sang er in einer einzigen Vorstellung an der Metropolitan Oper New York den Germont-père in »La Traviata«. Es entwickelte sich schnell eine bedeutende Karriere an den führenden italienischen Opernhäusern. Sehr oft sang er an der Mailänder Scala, wo er 1964 als Antrittsrolle den Enrico in »Lucia di Lammermoor« vortrug. Seither ist er immer wieder dort aufgetreten: 1964, 1967 und 1970 als Graf Luna im »Troubadour«, 1965-66, 1972, 1976 und 1986 als Amonasro in »Aida«, 1965 und 1978 als Carlos in Verdis »La forza del destino«, 1968 als Hermann in »Loreley« von Catalani, 1968, 1970 und 1977 als Posa in Verdis »Don Carlos«, 1969 wieder als Enrico und als Don Carlo in Verdis »Ernani«, 1970-71 als Rigoletto, 1970 als Monforte in Verdis »I Vespri Siciliani«, 1971, 1973, 1976, 1978-79 und 1981-82 als Simon Boccanegra in der gleichnamigen Verdi-Oper, 1972 und 1977 als Renato in Verdis »Un Ballo in maschera«, 1974 als Alfonso in Donizettis »La Favorita«, 1975 als Ezio in Verdis »Attila«, 1975, 1979 und 1985 als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper, 1976 als Miller in Verdis »Luisa Miller«, 1976, 1980 und 1987 als Jago in Verdis »Otello«, 1977 als Valentin im »Faust« von Gounod, 1979 als Marcello in »La Bohème« und als Francesco Foscari in Verdis »I due Foscari«, 1982 und 1985 als Carlo Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, 1983 und 1987 als Michele in Puccinis »Il Tabarro« und 1989 als Scarpia in »Tosca«. 1966-94 gastierte er in insgesamt 177 Vorstellungen an der Wiener Staatsoper als Amonasro, als Jago, als Rigoletto, als Germont-père, als Carlo in »La forza del destino«, als Tonio im »Bajazzo«, als Renato in Verdis »Un Ballo in maschera«, als Posa, als Graf Luna, als Simon Boccanegra, als Ezio, als Carlo Gérard und als Macbeth. Der Künstler gastierte sehr erfolgreich in Deutschland, Österreich, Holland und Frankreich. Er sang an der Covent Garden Oper London (1967 Germont-père, 1974 Jago, 1975 Renato) und am Bolschoi Theater von Moskau. 1968 und 1970 gastierte er bei den Festspielen in der Arena von Verona als Posa, als Carlo in »Ernani« und als Graf Luna. Er trat oft an der Oper von Chicago auf, u.a. 1969 in Verdis »I due Foscari«. 1972 unternahm er eine ausgedehnte Gastspiel-Tournee durch Westdeutschland. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1974 als Graf Luna, 1976-77 als Carlo in »La forza del destino«, 1978-79 als Simon Boccanegra und 1983 als Miller. Große Erfolge bei den Salzburger Festspielen 1975-78 als Posa, 1979-80 als Amonasro, 1984-85 als Macbeth und 1986 mit einem Recital. 1986 trat er beim Orange Festival gleichfalls als Macbeth von Verdi auf. 1989 sang er an der Londoner Covent Garden Oper an einem Abend den Tonio im »Bajazzo« und den Alfio in »Cavalleria rusticana«. 1990 sang er den Simon Boccanegra (seine besondere Glanzrolle) am Teatro Liceu Barcelona, an der Stuttgarter Staatsoper den Scarpia. In der Saison 1991-92 hörte man ihn bei den Festspielen von Verona wie am Teatro San Carlo Neapel als Nabucco von Verdi, an der Covent Garden Oper London als Rigoletto. Sein Bühnenrepertoire enthielt mehr als 50 große Partien, davon allein 16 in Verdi-Opern. Er starb 2005 in Triest.

Die kraftvolle, ausdrucksstarke Baritonstimme des Künstlers ist auf verschiedenen Marken zu hören. Bereits 1959 sang er auf Columbia in »Lucia di Lammermoor« mit Maria Callas zusammen, später in einer Aufnahme von »Le nozze di Figaro«. Weitere Aufnahmen bei Decca (»La Wally« von Catalani, »I Puritani«, »Cavalleria rusticana«), Supraphon (»Der Barbier von Sevilla«, »Lucia di Lammermoor«), HMV (»Aida«, »Don Carlos«, »Il Pirata« von Bellini), DGG (»Macbeth«, »Nabucco«, »Rigoletto«), HRE (»Attila« von Verdi), Cetra (»Un giorno di Regno« von Verdi), Morgan (»Roberto Devereux« von Donizetti), RCA (»Simon Boccanegra« von Verdi), Philips (»I Masnadieri« und »I due Foscari« von Verdi), Hungaroton (»Macbeth« von Verdi), Rizzoli Records (»Beatrice di Tenda« von Bellini), Frequenz (»Rigoletto« und »Lucia di Lammermoor«, Mitschnitte von Sendungen der RAI, 1957), Nuova Era (»Loreley« von Catalani) und Eurodisc (»Der Barbier von Sevilla«, Escamillo in »Carmen«); Castle-Video (»Don Carlos« von Verdi), Videoland Wien (»Un Ballo in maschera«, Covent Graden Oper London 1986), Warner-Video (Jago in Verdis »Otello«, Verona 1982).

 

9.11. Pierrette ALARIE: 95. Geburtstag

Pierrette_Alarie

 Sie war die Tochter des Dirigenten Sylva Alarie und der Schauspielerin Amanda Plante-Alarie. Sie studierte zuerst bei Jeanne Maubourg und bei Albert Roberval in Montreal, dann 1938-44 bei dem Gesangpädagogen Salvator Isaurel, 1943-46 am Curtis Institute of Music in Philadelphia, wo sie Schülerin der großen Sopranistin Elisabeth Schumann war. Ein semiprofessionelles Debüt hatte bereits 1938 in Montreal in der Operette »Im weißen Rössl« von R. Benatzky stattgefunden; seit 1940 trat sie als Konzertsopranistin auf, 1943 sang sie in Montreal die Barbarina in »Le nozze di Figaro«, später weitere Rollen bis zur Marie in »La Fille du Régiment« von Donizetti. Nachdem sie 1945 den Gesangwettbewerb der Metropolitan Oper New York gewonnen hatte, debütierte sie an diesem Haus im Dezember 1945 als Page Oscar in Verdis »Un Ballo in maschera«. Sie hatte dort bis 1948 in insgesamt 26 Vorstellungen große Erfolge als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, als Xenia im »Boris Godunow« und als Blondchen in der »Entführung aus dem Serail«. 1946 heiratete sie den kanadischen Tenor Léopold Simoneau (1916-2006), mit dem sie 1949 an die Opéra-Comique Paris engagiert wurde, deren Mitglied sie bis 1953 war. Sie debütierte an diesem Haus als Olympia und sang dort die Lakmé von Delibes, die Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet und die Rosina im »Barbier von Sevilla«. An der Grand Opéra Paris hörte man sie 1950 und 1953 in Opern von Rameau. Sie sang 1951 beim Edinburgh Festival die Zerline im »Don Giovanni«; bei den Festspielen von Aix-en-Provence war sie 1951 als Carolina in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, 1952 als Zerline im »Don Giovanni« anzutreffen. 1959 gastierte sie bei den Salzburger Festspielen als Isotta in »Die schweigsame Frau« von Richard Strauss und trat dort auch in zwei Mozart-Konzerten auf. 1954 große Nordamerika-Tournee zusammen mit ihrem Gatten. In Deutschland trat sie gastweise an der Münchner Staatsoper und beim Mozartfest in Würzburg auf, in Nordamerika an den Opernhäusern von San Francisco (1959 als Zerline im »Don Giovanni« und als Najade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss), New Orleans und Philadelphia. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind noch die Titelrolle in »Mireille« von Gounod, die Traviata und die Micaela in »Carmen« zu erwähnen. 1966 gab sie ihre Bühnenkarriere auf (Abschiedsvorstellung in Lehárs »Die lustige Witwe«), 1970 sang sie letztmals im Konzertsaal, und zwar das Sopransolo im »Messias« in Montreal. Sie arbeitete dann im pädagogischen Bereich und leitete seit den sechziger Jahren zusammen mit Léopold Simoneau eine Kammer-Operntruppe. Seit 1972 lebte sie in Kalifornien. Sie starb im Juli 2011 in Victoria (BC) in Canada. – Technisch hervorragend durchgebildeter Koloratursopran, der seine besten Leistungen im Mozartgesang, im italienischen und französischen Repertoire erreichte, auch als Oratoriensopranistin bedeutend.

Viele Schallplatten auf Philips (»Les pêcheurs de perles« von Bizet, »Orphée et Eurydice« von Gluck), Telefunken (Duette mit Léopold Simoneau), Ducretet-Thomson, DGG, MMS (Micaela in »Carmen«, »Faust« von Gounod sowie eine weitere Duettplatte mit ihrem Gatten), Melodram (Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, Mitschnitt »Die Schweigsame Frau« aus Salzburg), Classic Editions (»Un Ballo in maschera«, Metropolitan Oper 1947), CBC, Westminster.

 

10.11. Franz KRÜKL: 175. Geburtstag

 Er kam mit zehn Jahren nach Wien und wurde 1855 als Sängerknabe in die Hofkapelle aufgenommen. Er komponierte, noch ganz jung, einige Vokalwerke, darunter eine Messe, die 1856 in der Klosterneuburger Kirche aufgeführt wurde. 1859 bezog er die Wiener Universität, studierte dort Jurisprudenz und promovierte zum Doktor der Rechtswissenschaften. 1864-68 arbeitete er in einer Wiener Anwaltskanzlei. Während er im Chor des Wiener Akademischen Gesangvereins sang, wurde man auf seine Stimme aufmerksam, die er dann durch den Hofkapellmeister Felix Otto Dessoff ausbilden ließ. 1868 kam es zu seinem Bühnendebüt am Theater von Brünn (Brno) in der Partie des Enrico in »Lucia di Lammermoor«. Am 18.2.1869 wirkte er in der Uraufführung der endgültigen Fassung des Deutschen Requiems von Johannes Brahms in Leipzig mit. Von Brünn aus ging er 1869 an das Hoftheater von Kassel, an dem er als Antrittsrolle den Grafen Luna im »Troubadour« sang und bis 1871 im Engagement blieb. 1871-74 wirkte er als Sänger und Regisseur am Stadttheater von Augsburg. 1874-81 war er am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg tätig, unterbrochen von einem Engagement in der Spielzeit 1876-77 am Opernhaus von Köln. In Hamburg wirkte  er 1878 in der Uraufführung der Oper »Ännchen von Tharau« von Heinrich Hofmann, 1879 in der von Anton Rubinsteins »Nero« mit. Er gastierte an den Hofopern von München (1872, 1873) und Wien (1880 als Wolfram im »Tannhäuser«, als Amonasro in »Aida«, als Telramund im »Lohengrin« und als Fliegender Holländer sowie 1885 als Julius in »Nero« von Rubinstein und nochmals als Wolfram), am Hoftheater Hannover (1886), am Opernhaus von Frankfurt a.M. (häufig 1884-86) und an der Berliner Kroll-Oper (1872, 1873, 1885). Auf Einladung von Angelo Neumann nahm er 1882-83 an dessen Tournee mit dem reisenden Wagner-Theater teil, die ihm in 58 Städten in Deutschland, in Belgien, Holland und Italien, in Österreich und in der Schweiz (wie der gesamten Truppe) große Erfolge als Wagner-Sänger brachte. Pädagogische Tätigkeit 1883-92 am Hoch’schen Konservatorium Frankfurt a.M. 1892 ging an das Stadttheater von Straßburg; 1893 feierte man dort sein 25jähriges Bühnenjubiläum. Am Stadttheater von Straßburg wirkte er bis zu seinem Tod 1899 als Direktor und Oberregisseur, trat aber auch noch als Konzert- und Oratoriensänger auf. Sein Repertoire für die Bühne enthielt u.a. den Wotan in der »Walküre«, den Alberich im »Rheingold« wie im »Siegfried«, den Jäger im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, den König Salomon in Goldmarks »Königin von Saba«, den Siegfried in »Genoveva« von R. Schumann, die Titelrolle im »Barbier von Sevilla«, den Malatesta im »Don Pasquale«, den Renato in Verdis »Maskenball«, den Germont sr. in »La Traviata«, den Escamillo in »Carmen« und den Juda in »Die Makkabäer« von A. Rubinstein. Er gehörte zu den Gründern der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger, um die er sich bis zu seinem Tod große Verdienste erwarb.

 

11.11. Boris MOROSOW: 85. Geburtstag

Boris Morosow

 Er arbeitete zunächst als Bergmann. Nachdem man seine schöne Stimme entdeckt hatte, wurde er Schüler von Korobejtschenko in Donezk (Ukraine). Bühnendebüt 1960 am Opernhaus von Odessa als Kontschak in »Fürst Igor« von Borodin. Nach bedeutenden Erfolgen an verschiedenen russischen Opernhäusern folgte er einem Ruf an das Bolschoi Theater Moskau, zu dessen großen Künstlern er für viele Jahre zählte. Durch Gastspiele wurde er international bekannt. So sang er 1987 bei den Festspielen von Wiesbaden, an der Covent Garden Oper London und an mehreren deutschen Theatern den Warlaam im »Boris Godunow«, 1988 an der Oper von Boston in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Die toten Seelen« von R. Schtschedrin. Man bewunderte seine dunkel timbrierte Stimme im seriösen wie im komischen Repertoire, vor allem in Partien wie dem Farlaf in »Ruslan und Ludmilla« von Glinka, dem Jurij in der »Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch« von Rimsky-Korssakow und dem König Philipp in Verdis »Don Carlos«. Auch als Konzert- und Liedersänger geschätzt. Er starb im Jahr 1997. – Er darf nicht mit dem jüngeren Bassisten Alexander Morozow verwechselt werden, der ebenfalls an der Oper von St. Petersburg (Leningrad) sang und in einem ähnlichen Repertoire auftrat und auch nicht mit dem (etwa gleichaltrigen) Bassisten Wladimir Morozow.

Schallplatten: Melodiya (u.a. vollständige Opern »Ruslan und Ludmilla« von Glinka und »Die toten Seelen« von R. Schtschedrin).

 

11.11. Jakob SOLTERMANN: 85. Geburtstag

 Ausbildung durch Helga Kosta in Bern und durch Bruno Manazza in Zürich. Er war nacheinander engagiert am Theater von St. Gallen (1954-56), am Stadttheater Bern (als Chorist, 1956-57), am Städtebundtheater Biel-Solothurn (1957-59), am Stadttheater Luzern (1959-61), am Opernhaus Zürich (1961-63), am Landestheater Salzburg (1963-67), am Stadttheater Trier (1967-69), am Stadttheater Bremerhaven (1969-73) und gab dann von Biel aus, wo er als Gesangpädagoge tätig war, Gastspiele. Als Gast hörte man ihn u.a. an den Theatern von Zürich und Basel, an den Staatstheatern von Braunschweig und Oldenburg, am Teatro Liceu Barcelona, an den Opernhäusern von Bordeaux und Lyon, in Metz, Münster (Westfalen) und Lübeck wie bei den Festspielen im Barock-Theater von Drottningholm. Sein Bühnenrepertoire war reichhaltig und enthielt vor allem Partien aus dem lyrischen Stimmfach, darunter den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Ferrando in »Così fan tutte«, den Tamino in der »Zauberflöte«, den Ernesto im »Don Pasquale«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Paolino in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa, den Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von Adam, den Titelhelden in »Hoffmanns Erzählungen«, den Herzog im »Rigoletto«, den Alfredo in »La Traviata«, den Rodolfo in »La Bohème«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Rinuccio in Puccinis »Gianni Schicchi«, den Stewa in Janáceks »Jenufa«, den Steuermann in »Der fliegende Holländer«, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, dazu Partien in Operetten. Er starb 1991 in Biel.

 

12.11. William JUSTUS: 80. Geburtstag

 Seine Lehrer waren die Pädagogen E.J. Remley in Kansas City und Joseph Pouhe in New York. Er debütierte 1962 in Kansas City als Figaro in Rossinis »Barbier von Sevilla«. 1963 ging er nach Europa und sang hier an Theatern in Deutschland, in Italien und in der Schweiz, u.a. an der Deutschen Oper Berlin. Er gehörte 1964-68 dem Opernhaus von Zürich, 1967-69 der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg an. 1974 kam er wieder nach Nordamerika zurück. 1974-78 und nochmals 1981 trat er an der City Opera New York auf; 1976 gastierte er (in einer einzigen Aufführung) an der New Yorker Metropolitan Oper als Escamillo in »Carmen«. Er sang in den USA auch an den Opern von Boston, Cincinnati, Pittsburgh, San Diego, Houston/Texas, New Orleans, Miami und an der San Francisco Opera (1971 Malatesta in »Don Pasquale« und 1972 Titelpartie in Monteverdis »L‘Orfeo«). Aus seinem Bühnenrepertoire sind als Hauptrollen zu nennen: der Graf in »Le nozze di Figaro«, der Don Giovanni, der Gugliemo in »Così fan tutte«, der Talbot in »Maria Stuarda« von Donizetti, der Rigoletto, der Renato in Verdis »Un Ballo in maschera«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Ezio in »Attila« von Verdi, der Marcello in Puccinis »La Bohème«, der Scarpia in »Tosca«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, der Telramund im »Lohengrin«, der Jochanaan in »Salome« von R. Strauss und die Titelrolle in »Hamlet« von A. Thomas. Auch als Konzertsänger erfolgreich aufgetreten. Er starb 1986 in Miami.

Schallplatten: Decca.

 

13.11. Joonas KOKKONEN: 95. Geburtstag

 Er verbrachte den größten Teil seines Lebens in Järvenpää bei Helsinki. Sein Studium führte ihn an die Universität Helsinki und später an die Sibelius-Akademie, wo er später auch Komposition lehrte; zu seinen Studenten zählte unter anderem Aulis Sallinen. Zusätzlich zu seiner Arbeit als Komponist war er als Vorsitzender oder Organisator wesentlich im finnischen Kulturleben engagiert, etwa an der Spitze von Organisationen wie der Gesellschaft Finnischer Komponisten und anderen. Seine Absicht war es stets, das musikalische Ausbildungsniveau zu heben, wie auch den Status und die Anerkennung der klassischen Musik und der finnischen Musik allgemein. In den 1960er und 1970er Jahren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen für sein Werk. Kokkonen war einer der international berühmtesten finnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts nach Sibelius. Trotz seines Studiums an der Sibelius Akademie erlernte er die Komposition weitgehend autodidaktisch. Üblicherweise werden seine Kompositionen in drei Stilperioden eingeteilt: Ein neoklassizistischer Frühstil 1948-58, eine relativ kurze Mittelphase des zwölftönigen Stils 1959-66, sowie eine späte „neo-romantische“ Stilphase mit freier Tonalität, die jedoch auch Aspekte früherer Schaffensphasen aufgreift; die letztere begann 1967 und dauerte bis zu seinem Lebensende an. Die Mehrzahl seiner frühen Werke gehört der Kammermusik an, und beinhaltet ein Klaviertrio und ein Klavierquintett; der Stil ist kontrapunktisch und beeinflusst von Bartók, greift aber auch auf Modelle der Renaissance und des Barock zurück. Während der zweiten Stilphase entstanden die ersten beiden seiner insgesamt 4 Sinfonien. Trotz Verwendung der Zwölftontechnik vermied er allzu große Strenge, was sich im gelegentlichen Gebrauch von Dreiklängen und Oktaven ausdrückt; er bevorzugte auch eine melodische Verwendung der Reihen, indem er den aufeinanderfolgenden Noten die gleiche Klangfarbe verlieh (viele andere Zwölftonkomponisten teilen eine Reihe zwischen unterschiedlichen Stimmen auf). In der dritten Stilperiode schrieb Kokkonen die Werke, die ihn international bekannt machten: Die beiden letzten Sinfonien, …durch einen Spiegel für 12 Solostreicher, das Requiem, und die Oper Die letzten Versuchungen (1975) (Viimeiset kiusaukset), basierend auf Leben und Tod des finnischen Erweckungspredigers Paavo Ruotsalainen. Die Oper ist mit Chorälen durchsetzt, die auf Johann Sebastian Bach zurückverweisen, und gleichzeitig an die afro-amerikanischen Spirituals erinnern, die mit ähnlicher Absicht Michael Tippett in seinem Oratorium A Child of our Time verwendet hatte. Die Oper hat bislang mehr als 500 Aufführungen weltweit erlebt, so kam sie 1983 auch an der Metropolitan Opera in New York heraus. Vielfach wird sie als Finnlands charakteristischste Nationaloper betrachtet. 1968 wurde Kokkonen mit dem Musikpreis des Nordischen Rates ausgezeichnet. 1973 erhielt er zusammen mit Wutold Lutoslawski den Wihuri-Sibelius-Preis. Kokkonen starb 1996 in Järvenpää.

 

13.11. Greta SÖDERMAN: 125. Geburtstag

 Sie studierte zuerst bei ihrem Vater, dann in Frankreich und Italien, vor allem aber bei Adelaide von Skilondz in Stockholm. Ihr Vater, Carl August Söderman (1860-1916), war lange als Bariton und Regisseur an der Stockholmer Oper tätig und kreierte dort mehrere Wagner-Partien; ihre Mutter war die Sopranistin Erika Bergenson (1864-1904), ihre Schwester, die Operettensängerin Ingalill Söderman (1902-88). Sie stand erstmals 1914 bei einem Gastspiel der Stockholmer Oper in Göteborg als Zerline im »Don Giovanni« auf der Bühne. 1915 wurde sie an die Königliche Oper Stockholm verpflichtet, in deren Haus sie als Antrittsrolle die Mimi in »La Bohème« sang, und der sie bis 1930 als Mitglied angehörte. Hier sang sie 1926 die Zerbinetta in der schwedischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Ariadne auf Naxos«. Sie sang an der Stockholmer Oper auch in den schwedischen Erstaufführungen der Opern »Un ballo in maschera« von Verdi (1927 die Amelia) und »Manon Lescaut« von Puccini (1929 die Titelpartie). In den Jahren 1919-22 gab sie Gastspiele in der CSR, in Rumänien und in Italien. 1930 verließ sie wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Direktor der Stockholmer Oper John Forsell dieses Haus. Seitdem gastierte sie häufig am Stora Theater Göteborg. Ihr vielseitiges Repertoire wurde durch Partien wie die Traviata, die Titelfigur in »Manon« von Massenet und die Adele in der »Fledermaus« gekennzeichnet. Sie trat gastweise in Operetten auf und gab Kirchenkonzerte, namentlich in der Kirche von Ekerö. Sie arbeitete später als Pädagogin in Göteborg und gab noch Gastspiele und Konzerte. 1951 wirkte sie am Stora Theater Göteborg in der schwedischen Premiere von Benjamin Brittens »Albert Herring« mit. Bereits 1924 erhielt sie vom schwedischen König den Orden »Litteris et artibus«. Sie starb 1969 in Stockholm.

Schallplatten: Odeon, HMV (hier u.a. Duette mit Joseph Hislop), Pathé.

 

13.11. Josip NOLLI: 175. Geburtstag

Josip_Nolli

 Seine Ausbildung fand in Wien und dann durch A. Gioramini in Mailand statt. 1865-75 betätigte er sich in Ljubljana als Konzertsänger, mehr aber noch als Organisator von Opern- und Konzertaufführungen. Seine eigentliche Bühnenkarriere nahm erst 1877 ihren Anfang, als er an den Opernhäusern von Zagreb und Prag auftrat. In der Folgezeit entfaltete er eine ausgedehnte Gastspieltätigkeit. In Italien war er in Bologna, Rom, Mailand, Florenz, Neapel, Turin, Bologna, Genua und Palermo zu Gast. Man hörte ihn an den Hofopern von St. Petersburg und Moskau, an den Opernhäusern von Odessa, Kiew und Lwów (Lemberg) und an der Budapester Oper. In Spanien gastierte er sowohl in Barcelona als auch in Madrid. Seit 1890 war er wieder als Impresario in Ljubljana anzutreffen. Seine wichtigsten Bühnenpartien waren der Rigoletto, der Graf Luna im »Troubadour«, der Amonasro in »Aida«, der Germont-père in »La Traviata«, der Escamillo in »Carmen«, der Mephisto im »Faust« von Gounod und der Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini. Im Konzertsaal sang er ein weitläufiges Repertoire. Er starb 1902 in Ljubljana.

 

14.11. Leonie RYSANEK: 90. Geburtstag

Leonie Rysanek

 Ihr Vater war tschechischer Abstammung. Sie studierte wie ihre ältere Schwester Lotte Rysanek (* 1924) am Konservatorium der Stadt Wien. Ihre Lehrer waren die Sänger Alfred Jerger und Rudolf Großmann (1901-83), den sie 1950 heiratete. Die Künstlerin debütierte 1949 am Landestheater von Innsbruck als Agathe im »Freischütz« von Weber. 1950-52 sang sie am Theater von Saarbrücken und 1952-54 an der Staatsoper von München, an der sie weiterhin als ständiger Gast wirkte. 1954 wurde sie an die Staatsoper von Wien berufen, an der sie bereits 1950 als Myrtocle in »Die toten Augen« von Eugen d’Albert, als Agathe und als Tatjana im »Eugen Onegin« gastiert hatte und bald große Erfolge hatte. Hier hörte man sie bis 1992 als Senta in »Der fliegende Holländer«, als Sieglinde in der »Walküre«, als Leonore im »Fidelio«, als Tosca, als Turandot von Puccini, als Leonore in »La forza del destino«, als Aida, als Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, als Desdemona in Verdis »Otello«, als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als 1. Dame in der »Zauberflöte«, als Donna Anna im »Don Giovanni«, als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Amelia in Verdis »Un Ballo in maschera«, als Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, in der Titelrolle von »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Elsa (und später auch als Ortrud) im »Lohengrin«, als Milada in »Dalibor« von Smetana, in der Titelrolle in Cherubinis »Medea«, als Salome (und später auch als Herodias) in »Salome« von R. Strauss, als Kundry im »Parsifal«, als Santuzza in »Cavalleria rusticana«, als Küsterin in Janáceks »Jenufa« und als Kabanicha in Janáceks »Katja Kabanowa« in insgesamt 537 Vorstellungen. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1951, 1958 und 1965-69 die Sieglinde, 1958 die Elsa, 1959 und 1969-70 die Senta, 1964-66 die Elisabeth im »Tannhäuser« und 1982-83 die Kundry im »Parsifal« (bei der Hundertjahrfeier dieses Bühnenwerks). Sie war zu Gast an der Covent Garden Oper London (1953-55, 1959, 1963), sie sang als Antrittsrolle hier 1953 (mit dem Münchner Ensemble) die Danaë in der Richard Strauss-Oper »Die Liebe der Danaë«, später die Chrysothemis, die Sieglinde, die Tosca und die Elsa. Sie sang als Antrittsrolle an der Mailänder Scala 1954 die Chrysothemis, dann 1955 und 1958 die Sieglinde, 1959 die Desdemona, 1966 die Senta, 1974 die Leonore im »Fidelio« und 1995 die Herodias. 1956 fand ihr Amerika-Debüt an der Oper von San Francisco als Senta statt; dort sang sie 1956-57 und 1960 die Aida, 1956, 1976, 1981 und 1983 die Sieglinde, 1957 die Ariadne, die Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, die Turandot und die Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1958 die Leonore in »La forza del destino«, 1958 und 1973 die Elisabeth im »Tannhäuser«, 1960, 1976 und 1980 die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«, 1973 und 1979 die Chrysothemis, 1974 die Salome, 1976 die Tosca und die Marschallin, 1982 die Ortrud, 1986 (anlässlich ihre 30-jährigen Jubiläums an diesem Haus) die Kostelnicka in Janáceks »Jenufa«, 1993 die alte Gräfin »Pique Dame« von Tschaikowsky und 1993 die Herodias. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie 1958 das Sopransolo im Requiem von Verdi und 1974-75 die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«. 1959 wurde sie an die Metropolitan Oper New York verpflichtet. Hier hatte sie bei ihrem Debüt 1959 einen besonders großen Erfolg, als sie Maria Callas in der Partie der Lady Macbeth in Verdis »Macbeth« ersetzte. Seither hatte sie auch dort eine glanzvolle, langjährige Karriere. Sie ist am New Yorker Haus der Metropolitan Oper in zwanzig verschiedenen Partien in insgesamt 299 Vorstellungen aufgetreten (als Aida, als Elisabetta im »Don Carlos«, als Senta, als Leonore in »La forza del destino«, als Sieglinde, als Marschallin, als Abigaille in Verdis »Nabucco«, als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Chrysothemis, als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, als Ariadne, als Leonore im »Fidelio«, als Desdemona, als Elsa, als Tosca, als Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«, als Salome, als Kundry, als Ortrud, als Kabanicha, als Klytämnestra in »Elektra« von R. Strauss und als Küsterin. 1984 ehrte die Metropolitan Oper die Künstlerin anlässlich ihrer 25jährigen Zugehörigkeit zum Haus durch ein großes Galakonzert. 1996 verabschiedete sie sich vom Publikum der Metropolitan Oper als alte Gräfin in »Pique Dame« von Tschaikowsky. Sie war zu Gast an den Staatsopern von Hamburg und München und an der Städtischen Oper (seit 1961 Deutsches Opernhaus) Berlin. Eine weltumspannende Gastspiel- und Konzerttätigkeit kennzeichnete die Karriere der Künstlerin. 1972 bewunderte man an der Grand Opéra Paris ihre Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«. Hier sang sie auch 1974-75 die Chrysothemis, 1988 und 1990-91 die Kabanicha, 1992 die Klytämnestra und 1994 die Herodias. 1974 triumphaler Erfolg bei den Festspielen von Orange als Salome. 1984 Teilnahme an der Japan-Tournee der Hamburger Staatsoper; 1986 sang sie beim Orange Festival die Elisabeth im »Tannhäuser«. 1989 hörte man sie an der Oper von Marseille als Klytämnestra, an der Australian Opera Sydney 1985 als Kostelnicka, am Teatro Liceu Barcelona 1990 als Kostelnicka und 1992 als alte Gräfin in »Pique Dame«, an der Deutschen Oper Berlin 1990-91 als Herodias, 1994 beim Maggio Musicale von Florenz als Herodias, 1995 am Teatro Colón Buenos Aires, 1996 bei den Salzburger Festspielen (zugleich ihr Abschied von der Bühne) als Klytämnestra. In einem »Elektra«-Film übernahm sie unter der Regie von Götz Friedrich die Titelrolle (mit Astrid Varnay als Klytämnestra und Karl Böhm als Dirigenten). In zweiter Ehe mit dem Musikologen E.-L. Gausmann verheiratet. Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper, mit der silbernen Rose der Wiener Philharmonie ausgezeichnet. 1997 wurde sie in das Amt des Präsidenten der Wiener Festwochen gewählt, im Februar 1998 zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt. Sie starb 1998 in Wien (nach schwerer Krankheit). – Dramatische Ausdrucksintensität und ein großes Stimmvolumen gaben die Grundlage für die Partien ab, die sie gestaltete, die aber ganz durch ihre eminente Persönlichkeit geprägt wurden; zumal als Wagner- und Richard-Strauss-Sängerin geschätzt. Auch als Oratorien- und Liedersängerin weltweit berühmt.

Lit: R. Celletti, R. Vegeto & G. Gualerzi: Leonie Rysanek (in »Le grandi Voci«, Rom 1964); A. Blyth: Leonie Rysanek (in »Opera«, 1994).

Schallplatten der Marken Columbia, RCA (»Der fliegende Holländer«, »Ariadne auf Naxos«, »Macbeth«, »Otello«), Philips (»Die Walküre«), HMV (»Die Walküre«), DGG (»Fidelio«, Herodias in »Salome«) und Decca (»Die Frau ohne Schatten«). Sang in Mitschnitten von den Bayreuther Festspielen die Senta in »Der fliegende Holländer« auf Replica (1959), auf der gleichen Marke die Elsa im »Lohengrin« (1958), auf Melodram (»Don Carlos« und »Nabucco« von Verdi, »Die ägyptische Helena« von R. Strauss; Titelrolle in »Salome« von R. Strauss, Festspiele von Orange 1977), auf HRE (»Elektra«), auf BIS (»Jenufa«), auf Myto (Milada in »Dalibor« von Smetana mit ihrer Schwester Lotte Rysanek als Jítka), auf Koch/Schwann (Chrysothemis in »Elektra«, Westdeutscher Rundfunk 1953), auf Harmonia mundi-Helikon (nochmals 1984 als Chrysothemis in »Elektra«), auf Legato (Santuzza in »Cavalleria rusticana«) und Myto (Titelrolle in »La Gioconda« von Ponchielli).

 

14.11. Willy THIERS: 100. Geburtstag

 Studium bei Elly Leibl-Kruesz in Wien und an der dortigen Musikakademie bei Hans Duhan. 1939-40 war er als Chorist am Städtebundtheater Biel-Solothurn tätig, wo er aber bereits einige Solopartien übernahm. 1940-41 sang er als Solist am Theater von Bern (Schweiz), 1942-43 am Theater von Linz/Donau, 1943-44 am Deutschen Theater Olmütz (Olomouc). In den Jahren 1944-53 gehörte er dem Theater von St. Gallen an, 1954-55 nochmals dem Stadttheater von Bern. Am Stadttheater von St. Gallen sang er in den Uraufführungen der Opern »Nal und Damajanti« von R. Neumann (Spielzeit 1944-45), »Notturno« von M. Haefelin (Spielzeit 1946-47 den Harlekin) und »Die Füße im Feuer« von H. Sutermeister (1948-49 den Schlossherrn), auch in der Schweizer szenischen Erstaufführung von »Die schwarze Spinne« vom gleichen Komponisten (1949-50 den Pfarrer). Er trat als Gast bis zum Beginn der sechziger Jahre in Brünn (Brno), Budweis (Ceske Budejovice), Pilsen (Plzen), Prag, Salzburg und Innsbruck auf. Bühnenpartien: Don Giovanni, Figaro wie Graf in »Figaros Hochzeit«, Guglielmo in »Così fan tutte«, Papageno in der »Zauberflöte«, Don Pizarro wie Minister im »Fidelio«, Figaro im »Barbier von Sevilla«, vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«, Valentin im »Faust« von Gounod, Escamillo in »Carmen«, Tonio wie Silvio im »Bajazzo«, Marcello in »La Bohème«, Scarpia in »Tosca«, Sharpless in »Madame Butterfly«, Zar in »Zar und Zimmermann«, Bernardo in »Erwin und Elmire« von O. Schoeck, Rigoletto, Germont-père in »La Traviata«, Renato in Verdis »Maskenball«, Jago im »Otello«, Wolfram im »Tannhäuser«, Alberich im Nibelungenring. Im Konzertbereich erwies er sich vor allem als begabter Liedersänger. Von seinem Wohnort Basel aus ging er bis 1968 einer ausgedehnten Konzerttätigkeit nach, die ihm in Deutschland (München), in Österreich, in den USA (New York, Boston, Dallas) und in der Schweiz Erfolge brachte. Er starb 1992 in Basel.

 

15.11. Zdeněk KROUPA: 95. Geburtstag

Zdeněk_Kroupa

Er erhielt zuerst eine Ausbildung als Techniker und war 1941-47 bei den Skoda-Werken beschäftigt. 1943 begann er sein Gesangstudium bei A. Kranz, das er 1946-47 bei dem berühmten italienischen Bassisten Tancredi Pasero fortsetzte. 1947 kam es dann zu seinem Debüt am Theater von Opava (Troppau). Von dort ging er 1948 an das Opernhaus von Brno (Brünn), dessen Mitglied er bis 1963 blieb. In diesem Jahr wurde er an das Nationaltheater von Prag berufen, dem er bis 1970 angehörte. Nachdem er schon Ende der fünfziger Jahre einen Gastvertrag mit der Wiener Volksoper abgeschlossen hatte, ging er 1970 an das Landestheater von Linz/Donau und blieb hier noch für rund zwanzig Jahre engagiert. Er trat als Gast an der Staatsoper Dresden, am Opernhaus von Zagreb und auch in Italien auf. Sein Repertoire für die Bühne besaß einen großen Umfang und enthielt Partien wie den Leporello im »Don Giovanni«, den Figaro in »Figaros Hochzeit«, den Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Benes in »Dalibor« von Smetana, den Chrudos in »Libussa«, den Paloucky in »Der Kuss« (»Hubicka«), den Mumlal in »Zwei Witwen« (»Dve vdovy«), den Rarach in der »Teufelswand« (»Certova stena«), den Wassermann in Dvoráks »Rusalka«, den Gorjantschikow in Janáceks »Aus einem Totenhaus«, den Stelina in »Krútnava« von Suchon, den Gremin im »Eugen Onegin«, den König Philipp in Verdis »Don Carlos«, den Pimen im »Boris Godunow«, den Kutusow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff, den Zaccaria in Verdis »Nabucco« und den Budd in »Albert Herring« von B. Britten. Er starb 1999 in Brno (Brünn).

Schallplattenaufnahmen bei Supraphon (Gesamtaufnahmen »Libussa« von Smetana, »Jenufa«, »Das schlaue Füchslein« und »Katja Kabanowa« von Janácek, Tschechische Weihnachtsmesse von J.J. Ryba).

 

15.11. Gervase ELWES: 150. Geburtstag

Gervase_Elwes

 Er gehörte dem englischen Landadel an und war zunächst im diplomatischen Dienst tätig. 1891-95 arbeitete er an verschiedenen Auslandsbotschaften. Er begann das Gesangstudium bei dem Pädagogen Demest in Brüssel und setzte es bei Henry Russell in London und bei Jacques Bouhy in Paris fort. 1903 debütierte er beim Westmoreland Festival in Kendal in Humperdincks »Wallfahrt nach Kevelaer«. Im Oktober 1903 gab er sein erstes Konzert in London. Nach seinem Debüt studierte er nochmals kurzfristig in London bei Victor Beigel. 1904 sang er erstmals das Solo in »The Dream of Gerontius« von Elgar und galt seitdem als der unerreichte Interpret dieser Partie. 1904 gab er auf Schloss Windsor ein Konzert vor der englischen Königsfamilie. 1907 Deutschland-Tournee mit der Pianistin Fanny Davies. Dabei bewunderte man in Berlin wie in München seinen Vortrag von Brahms-Liedern; 1908 sehr erfolgreiche Konzerte in Brüssel. 1907 stand er im Mittelpunkt des Three Choirs Festival im englischen Gloucester. 1909 kreierte er in London den Liederzyklus »On Wenlock Edge« von Ralph Vaughan Williams. 1909 hatte er auch in New York große Erfolge in »The Dream of Gerontius«; man feierte ihn im gleichen Jahr bei Liederabenden in Boston und New York und als Evangelisten in der Matthäuspassion. Diese Partie sang er 1914 in Amsterdam unter Willem Mengelberg. Während des Ersten Weltkrieges trat er in England auf und gab 1917 Konzerte vor alliierten Soldaten in Frankreich. 1920-21 unternahm er eine weitere große Nordamerika-Tournee, die in Winnipeg in Kanada begann. Am 6.1.1921 hatte er bei einem Konzert in der New Yorker Aeolian Hall einen grandiosen Erfolg. Am 11.1.1921, dem Abend vor seinem tragischen Tod hörte man ihn in einem Konzert an der Universität von Princeton. Am 12.1.1921 geriet e rim Bahnhof von Boston unter einen fahrenden Zug. – Dunkel timbrierte, ausdrucksvolle Tenorstimme; man bewunderte sein feines Stilgefühl im Oratorien-wie im Liedgesang. Immer wieder wird die Ausstrahlung seiner großen Persönlichkeit hervorgehoben, die auch noch in seinen Schallplattenaufnahmen spürbar ist.

Lit: W. Elwes: »Gervase Elwes. The Story of His Life« (London, 1935).

Schallplatten: HMV, Columbia.

 

16.11. Maralin NISKA: 90. Geburtstag

Maralin NISKA

 Sie wurde zunächst Elementarschullehrerin, studierte dann aber Gesang bei Louise Mansfield in San Pedro, bei Ernest St. John Metz, Jan Popper und Walter Ducloux in Los Angeles. Zu ihren Lehrern gehörte auch die berühmte Sopranistin Lotte Lehmann. 1959 debütierte sie in Los Angeles als Manon in der gleichnamigen Oper von Massenet. Sie kam zu großen Erfolgen an den großen Operntheatern in Nordamerika: in Houston/Texas, Boston, Cincinnati, San Diego (1965 als Mimi in »La Bohème«), Philadelphia, San Antonio, Santa Fé, Fort Worth, Washington wie an der Hawaii Opera. 1965-67 war sie bei der Metropolitan Opera Company, einer reisenden amerikanischen Operngesellschaft, engagiert, wo sie als Traviata, als Butterfly, als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, als Musetta in »La Bohème« und in der Titelrolle der Oper »Susannah« von Carlysle Floyd auftrat. Große Erfolge vor allem aber an der City Opera New York (Debüt als Gräfin in »Le nozze di Figaro«, 1967). Hier hörte man sie u.a. als Donna Anna wie als Donna Elvira im »Don Giovanni«, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Tosca, als Manon Lescaut von Puccini, als Turandot und als Suor Angelica vom gleichen Komponisten, als Governess in »The Turn of the Screw« von B. Britten und als Emilia Marty in Janáceks »Die Sache Makropoulos«. Hier sang sie auch am 7.7.1973 in der New Yorker Bühnen-Erstaufführung von Cherubinis klassischer Oper »Medea« (176 Jahre nach deren Uraufführung!) die Titelpartie. 1970 wurde sie an die New Yorker Metropolitan Oper engagiert, an der sie als Antrittsrolle die Violetta in »La Traviata« sang. Bis 1978 sang sie dort in insgesamt 42 Vorstellungen außerdem noch die Musetta, die Tosca, die Elena in Verdis »I Vespri Siciliani«, die Salome von R. Strauss, die Nedda im »Bajazzo« und die Donna Elvira. 1973 sang sie an der Niederländischen Oper Amsterdam die Marie im »Wozzeck« von A. Berg, die sie 1978 beim Maggio Musicale von Florenz wiederholte. Aus ihrem vielgestaltigen Bühnenrepertoire sind noch ergänzend zu nennen: die Elettra in Mozarts »Idomeneo«, die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, die Butterfly, die Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin und der Female Chorus in Benjamin Brittens »The Rape of Lucretia«.Neben ihrer Tätigkeit im Konzertsaal war sie auch in Los Angeles als geschätzte Pädagogin bekannt. Sie starb am 9.7.2016 in Santa Fé (New Mexico).

Schallplatten: Historic Records (Nedda in vollständigem »Bajazzo« mit Placido Domingo als Partner, Aufführung der City Centre Opera von 1968).

 

16.11. Rodolphe KREUTZER: 250. Geburtstag

Ersten Musikunterricht erhielt er von seinem Vater, später studierte er bei Anton Stamitz. Mit 16 Jahren wurde er zum Ersten Geiger der Königlichen Kapelle ernannt. Danach bekam er die Stelle als Soloviolinist am Théatre Italien, was ihn bewog, eine Oper zu komponieren. 1797 besuchte er Italien und Deutschland auf Konzertreisen und wurde anschließend Professor für Violinspiel am Pariser Konservatorium. Auch wirkte er seit 1801 als Soloviolonist an der Großen Oper und in der Privatkapelle Napoleons I. In den nächsten dreißig Jahren folgten vierzig von ihm geschriebene Opern, deren Aufführungen er auch leitete. Seit 1816 war er königlicher Kapellmeister und im Jahre 1817 wurde er zum Leiter der Pariser Oper bestellt, deren Intendant er 1824-26 war. Seit der Gründung des Pariser Konservatoriums 1795 war er Professor für Violine bis 1826. Nachdem Ludwig van Beethoven ihn 1803 in Wien gehört hatte, widmete dieser ihm die Violinsonate Nr. 9 op .47, die bekannte Kreutzer-Sonate, welche er jedoch nie öffentlich spielte, da er meinte, die Sonate wäre eine einzige Tortur für das Instrument. Mit seinen Kollegen Pierre Rode und Pierre Baillot entwickelte er die Violinmethode des Konservatoriums. Das Trio kann man als Begründer der französischen Violinschule bezeichnen. Kreutzer starb 1831 in Genf und fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Père Lachaise (Division 13). Er war Bruder des Violinisten und Komponisten Jean Nicolas Auguste Kreutzer (1778–1832) und ein Onkel des Komponisten Léon Charles François Kreutzer (1817–1868).

 

17.11. Helen BOATWRIGHT: 100. Geburtstag

Helen BOATWRIGHT

 Sie war Schülerin der Pädagogin Anna Shram Irving und studierte auch am Oberlin College bei Marion Sims. Es kam zu ihrem Bühnendebüt 1942 beim Berkshire Festival in Tanglewood (Massachusetts), wo sie die Jungfer Anne in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« sang. In den Jahren 1943-45 trat sie an den Opern von Austin und San Antonio in Texas auf. Sie wandte sich jedoch mehr und mehr dem Konzertgesang zu und wurde als Solistin im Zusammenwirken mit führenden amerikanischen Orchestern und Dirigenten bekannt. Sie ist auch in Europa aufgetreten, u.a. 1967 bei den Händel-Festspielen in Göttingen. Sie widmete sich in besonderer Weise der pädagogischen Arbeit; 1945-64 übte sie eine Lehrtätigkeit in New Haven (Connecticut) aus. Nachdem sie als Dozentin an der Syracuse University (New York) tätig gewesen war, bekleidete sie 1972-79 eine Professur an der Eastman School of Music in Rochester (New York). Seit 1969 gab sie Meisterkurse an verschiedenen Universitäten in den USA, 1987-89 war sie nochmals Professorin am Peabody Conservatory in Baltimore. Sie starb 2010 in Jamesville (NY). Sie war verheiratet mit dem bekannten amerikanischen Violinisten und Dirigenten Howard Boatwright (1918-99).

Schallplattenaufnahmen auf Columbia, Decca (»Porgy and Bess«, Kantaten von Händel), Cantate, Urania, Dover, SDG (Psalmen von Händel).

 

17.11. Hans NEUGEBAUER: 100. Geburtstag

 Er war der Sohn des Tenors Helmuth Neugebauer (1891-1966), hatte zunächst die Absicht Bühnenbildner zu werden und widmete sich diesem Studium 1936-39 an der Kunstakademie in Mannheim, studierte gleichzeitig auch Klavier- und Violinspiel und Musikwissenschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschloss er sich jedoch zur Sängerkarriere und ließ seine Stimme durch Josef Degler in Hamburg ausbilden. 1946 debütierte er am Staatstheater von Karlsruhe in der Partie des van Bett in Lortzings »Zar und Zimmermann«. Bis 1951 blieb er an diesem Haus tätig und wurde namentlich durch seine Gestaltung von Partien aus dem Buffo-Fach bekannt. 1948 wirkte er bei den Festspielen von Schwetzingen mit. 1951 wurde er an das Opernhaus von Frankfurt a.M. verpflichtet, wo er bis 1956 als Sänger (u a. in Partien wie dem Figaro in »Figaros Hochzeit« und dem König in »Aida«) zu wichtigen Erfolgen kam. Seit 1955 begann er mit der Übernahme von Aufgaben im Bereich der Opernregie. Nachdem er 1956-59 als Hausregisseur an der Frankfurter Oper gewirkt hatte, war er 1959-62 als leitender Regisseur am Stadttheater von Heidelberg tätig. 1962-64 wirkte er als Produktionsleiter am Staatstheater von Kassel und übernahm dann eine Position als Oberspielleiter und Leiter des Opernstudios am Opernhaus von Köln. Hier war er es, der die schwierige Inszenierung der Uraufführung der zeitgenössischen Oper »Die Soldaten« von Bernd-Alois Zimmermann (15.2.1965) übernahm. Im gleichen Jahr 1965 führte er bei den Festspielen von Glyndebourne Regie im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Als Gastregisseur trat er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Staatstheatern von Kassel und Wiesbaden, am Nationaltheater Mannheim, am Opernhaus von Nürnberg und, auf internationaler Ebene, am Stadttheater von Basel, am Opernhaus von Triest und an der Oper von Chicago in Erscheinung. Er starb im Juli 1994.

Es ist anzunehmen, dass Mitschnitte von Opernsendungen aus der Zeit, in der der Künstler als Sänger tätig war, vorhanden sind.

 

17.11. Guido PANNAIN: 125. Geburtstag

 Biographie des italienischen Komponisten auf Italienisch: https://it.wikipedia.org/wiki/Guido_Pannain

 

17.11. August Wilhelm AMBROS: 200. Geburtstag

Obwohl sein Vater für ihn die juristische Laufbahn vorgesehen hatte (Doktorwürde im Jahr 1839, Oberstaatsanwaltssubstitut am Prager Landesgericht – dabei im Jahr 1848 für die Zensur der Prager Presse zuständig – sowie im Justizministerium im Wien), waren sowohl Musik als auch Kunst seine wahre Profession. Schon in der Jugend wurde Ambros durch seine Mutter Karoline Ambros, eine Konzertpianistin, musikalisch gefördert. Während seiner Gymnasialzeit in Prag erlernte er sowohl Malerei als auch Musik praktisch und theoretisch.

Als Mitglied (Flamin) des von ihm mitgegründeten Prager Davidsbundes fand er dabei besonders in Robert Schumann, mit dem er von 1845 bis 1850 auch korrespondierte, sein musikalisches und journalistisches Vorbild. Seine Kompositionen waren ebenso vom Stil Felix Mendelssohn Bartholdys beeinflusst. Er opponierte mit zahlreichen Freunden aus dem Prager Bildungsbürgertum, zu denen u.a. Eduard Hanslick („Renatus“) gehörte, gegen den damals vorherrschenden musikalischen Konservatismus in Prag. Seinen Zeitgenossen war Ambros, neben seiner Komponistentätigkeit, besonders als Musikschriftsteller und Kritiker bekannt. Mit seinem Erstlingswerk Die Grenzen der Musik und Poesie (1856), als Antwort auf Eduard Hanslicks Schrift Vom Musikalisch-Schönen konzipiert, stellte er dessen ästhetischem Konzept der „tönend bewegten Form“ sein Konzept der „beseelten Form“ entgegen. In seiner Kernaussage war er dem Hanslickschen Ansatz so nahe, dass Ambros mit dieser Arbeit zwar einen publizistischen Erfolg verbuchen konnte, zur musikästhetischen Diskussion der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jedoch keinen konzeptionell neuen Beitrag liefern konnte. Dieses Buch und Arbeiten wie Culturhistorische Bilder aus dem Musikleben der Gegenwart (1860) und Bunte Blätter (1872/1874) sowie eine Vielzahl von Zeitungspublikationen trugen ihm dennoch sein Renommee als einer der bedeutendsten Musikkritiker seiner Zeit ein. Nach einem von der Fachwelt mit Interesse aufgenommenen Vortrag im Rahmen des Jahrestreffens des Deutschen Tonkünstlerbundes im Jahr 1859 („Die Musik als culturgeschichtliches Moment in der Geschichte“) beauftragte ihn das Breslauer Verlagshaus Leuckart (Constantin Sander) mit der Arbeit einer umfassenden Musikgeschichte. Das Ergebnis war seine dreibändige Geschichte der Musik. Der erste Band beschäftigte sich mit der Musik der außereuropäischen Kulturen und der Musik der Antike (mit einem besonderen Schwerpunkt auf griechischer Musik), der zweite Band mit der Musik vom 4. bis zum frühen 15. Jahrhundert (mit Schwerpunkten auf der Gregorianik, Guido von Arezzo, Antoine Busnoys und Guillaume Du Fay) und der dritte Band mit der Musik der frankoflämischen Schule (Schwerpunkt Josquin Desprez). Aufgrund seiner Ausbildung war Ambros dabei mehr als viele seiner Kollegen mit der Methodik und den Konzepten der Historischen Rechtsschule und der Kunstgeschichtsschreibung seiner Zeit vertraut, was sich in der Konzeption des Werkes niederschlug. Diese steht in einem Spannungsfeld zwischen einer geschichtsphilosophischen Konzeption hegelscher Provenienz und einer stark historistisch geprägten Herangehensweise, die dem Rankeschen Postulat der „Selbstauslöschung“ eigener historischer Anschauung zu folgen sucht. Während Ambros an der „Geschichte der Musik“ arbeitete, wurde er für mehrere Monate im Jahr seiner Ämter in Prag und Wien (unter anderem als Professor der Musikgeschichte des Prager Konservatoriums und als Kronprinz Rudolfs Lehrer für Kunstgeschichte) entbunden, um in verschiedenen Archiven Europas Materialien zusammentragen zu können. Ambros starb 1876 in Wien, bevor er den vierten Band, der das Zeitalter Palestrina umfassen sollte, vollenden konnte. Das Werk wurde 1878 von Otto Kade und Hugo Leichtentritt publiziert. Ein fünfter Band mit Musikbeispielen zum dritten Band der Geschichte der Musik erschien 1882 unter der Federführung Kades. Wilhelm Langhans setzte das Werk in „chronologischer Folge“ fort, ohne jedoch Ambros Niveau erreichen zu können. In Wien Liesing (23. Bezirk) ist seit 1954 der Ambrosweg ihm zu Ehren benannt. Er war seit 3. Juni 1850 mit Theresia Ambros verheiratet, die aufgrund der Verdienste ihres verstorbenen Mannes 1878 mit ihren acht Kindern, darunter dem Maler Rafael Ambros in den österreichischen Ritterstand erhoben worden ist.

 

18.11. David HEMMINGS: 75. Geburtstag

 Seine Stimme wurde bereits sehr früh entdeckt, und Benjamin Britten wählte ihn aus, um in der Uraufführung seiner Oper »The Turn of the Screw« durch die English Opera Group am 14.9.1954 im Rahmen des Festivals von Venedig die Knabenrolle des Miles zu kreieren. Diese Oper wurde in der Besetzung der Uraufführung auf Decca aufgenommen mit Joan Cross, Peter Pears, Arda Mandikian und Jennifer Vyvyan. Seltsamerweise singt die Kinderrolle der Flora, der Schwester von Miles, hier wie in der Uraufführung der Oper die erwachsene Sopranistin Olive Dyer. 1955 wurde auf der gleichen Marke auch eine Gesamtaufnahme der Kinderoper »The Little Sweep« von B. Britten mit dem Knabensopran herausgebracht. Zu der erwarteten Sängerkarriere von David Hemmings kam es nicht, dafür ging er mit 16 Jahren zum Tonfilm und wurde ein erfolgreicher Schauspieler. Er starb 2003 in Rumänien.

 

18.11. Ronald MACONAGHIE: 85. Geburtstag

 Er war zunächst Schüler des neuseeländischen Pädagogen James Leighton und kam dann zur weiteren Ausbildung nach London. Hier besuchte er die Opera School London als Schüler von Joan Cross, Roy Henderson und Dawson Freer. 1956 erfolgte sein Bühnendebüt bei der Sadler’s Wells Opera London in der Rolle des Schaunard in Puccinis »La Bohème«. In London sang er auch bei der English National Opera, ging dann aber an die Australian Opera Sydney, an der er eine langjährige, erfolgreiche Karriere durchlief. Von seinen Bühnenpartien sind zu nennen: der Guglielmo wie der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Leporello im »Don Giovanni«, der Papageno in der »Zauberflöte«, der Malatesta in Donizettis »Don Pasquale«, der Belcore in »L’Elisir d’amore«, der Marcello in Puccinis »La Bohème«, der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Titelheld in Rossinis »Barbier von Sevilla«, der Fra Melitone in »La forza del destino« von Verdi, der Titelheld in dessen »Falstaff« und der Wolfram im »Tannhäuser«. Der auch im Konzertfach erfolgreiche Sänger war in Sydney als Gesanglehrer tätig. Er starb am 30.4.2016.

 

18.11. Thomas TIPTON: 90. Geburtstag

Thomas Tipton

 Er entstammte einer eingewanderten polnischen Familie, sein eigentlicher Name war Thomas Max Pointkowski. Er studierte am Michigan State College bei Herbert Swanson, dann an der Universität von Ann Arbor bei Chase Baromeo. Vor seiner Ausbildung war er als Postangestellter und als Taxifahrer beschäftigt gewesen. Bühnendebüt 1952 an der New York City Opera als Bob in »The Old Maid and the Thief« von Menotti. Er blieb während zwei Spielzeiten an diesem Opernhaus und kam dann 1956 nach Europa, wo er in Deutschland nochmals bei Hedwig Fichtmüller studierte. Er sang 1957-58 mit einem Anfänger-Vertrag am Nationaltheater von Mannheim, dann 1958-59 als Solist am Stadttheater von Hagen (Westfalen), 1959-64 wieder am Mannheimer Nationaltheater. Hier nahm er u.a. an der Uraufführung von »Das lange Weihnachtsmahl« von P. Hindemith (17.12.1961) teil. An der Oper von San Francisco gastierte er 1962 als einer der Handwerksburschen im »Wozzeck« von A. Berg, als Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, als Marcello in »La Bohème«, als Faninal im »Rosenkavalier« und als Alfio in »Cavalleria rusticana« sowie 1968 als Titelheld in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Christopher Columbus« von D. Milhaud. In Los Angeles sang er 1962 auch den Valentin im »Faust« von Gounod. 1964-66 wirkte er an der Stuttgarter Staatsoper und war seither Mitglied der Bayerischen Staatsoper München. Regelmäßige Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1966-72 insgesamt 10 Vorstellungen als Amonasro in »Aida« und in den Rollen der vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen«) und an der Deutschen Oper Berlin sowie an der Staatsoper Hamburg (1964). 1965-66 sang er bei den Festspielen von Salzburg den Nardo in »La finta giardiniera« von Mozart, 1967 bei den Bayreuther Festspielen den Wolfram im »Tannhäuser« und den Heerrufer im »Lohengrin«. 1972-74 an der Covent Garden Oper London zu Gast, wo man ihn als Rigoletto hörte. Er gastierte auch an der Oper von Rom (1968) und am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1970) und war nicht zuletzt ein gesuchter Konzert- und Oratoriensänger. Auf der Bühne schätzte man ihn vor allem im italienischen Repertoire, u.a. in den Titelrollen der Verdi-Opern »Nabucco« und »Macbeth«. Er starb 2007 in München.

Lit: »Thomas Tipton, ein Leben in Bildern« (München 1987).

Schallplatten: Eurodisc (Querschnitt »La forza del destino« von Verdi), RBM (Arien-Platte), Melodram (Heerrufer im »Lohengrin«, Bayreuth 1967).

 

18.11. Hanna GORINA: 125. Geburtstag

Hanna GORINA

 Sie studierte am Konservatorium ihrer Heimatstadt Basel Klavierspiel, dann Gesang bei Sawitch. Nachdem sie bereits in Zürich als Operettensängerin aufgetreten war, kam sie 1924 nach Deutschland und war, ebenfalls als Operettensängerin, zuerst an der Komischen Oper Berlin (1924-25), danach am Berliner Theater am Nollendorf-Platz (1925-26) engagiert. Sie vollzog dann den Übergang ins Opernfach und sang vor allem hochdramatische und Wagner-Partien. 1926-27 war sie am Landestheater von Oldenburg, 1927-28 am Stadttheater von Hagen (Westfalen), 1928-30 am Opernhaus von Düsseldorf engagiert. In Düsseldorf hatte sie 1929 einen ihrer größten Erfolge als Titelheldin in der Richard Strauss-Oper »Elektra«. 1930-34 wirkte sie am Stadttheater von Mainz, schließlich 1934-44 in einem zehnjährigen Engagement am Staatstheater von Kassel. Dort sang sie u.a. am 29.3.1939 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Elisabeth von England« von Paul von Klenau. Gastspiele führten die Künstlerin an die Oper von Frankfurt a.M. (1929), an das Theater von Utrecht (1932), an das Stadttheater von Basel (1932), an das Nationaltheater von Mannheim und an weitere Bühnen. Sie trat auch als Gast an der Berliner Staatsoper auf, u.a. 1936 in ihrer großen Glanzrolle, der Marschallin im »Rosenkavalier«. Sie wurde vor allem durch ihr Mitwirken in Opernsendungen der deutschen Rundfunkstationen bekannt. Von ihren großen Rollen sind die Isolde in »Tristan und Isolde«, die Carmen, die Tosca, die Salome in der gleichnamigen Oper von R. Strauss zu nennen. Weitere Bühnenpartien: die Abigaille in Verdis »Nabucco«, die Leonore im »Troubadour«, die Amelia im »Maskenball« von Verdi und die Mona Lisa in der Oper gleichen Namens von Max von Schillings. Nach Beendigung ihrer aktiven Sängerlaufbahn lebte sie in Neufahrn bei München, zuletzt in einem Münchner Altenheim, wo sie 1980 starb.

Kommerzielle Schallplatten sind nicht bekannt, doch ist es möglich, dass Mitschnitte von Radiosendungen vorhanden sind.

 

18.11. Maria IVOGÜN: 125. Geburtstag

Maria_Ivogun

 Ihren eigentlichen Namen Maria Kempner kürzte sie nach dem Mädchennamen ihrer Mutter, der Operettensängerin I(da) vo(n) Gün(ther), zu »Ivogün« ab; ihr Vater, Pál Kempner, war österreichisch-ungarischer Offizier; sie war nicht verwandt mit der Sopranistin Mizzi Günther, die Lehárs »Die lustige Witwe« kreierte. Ausbildung durch Irene Schlemmer-Ambros in Wien. Sie wurde durch Bruno Walter an die Münchner Hofoper verpflichtet, wo sie 1913 als Mimi in »La Bohème« debütierte. 1913-25 wirkte sie als hoch geschätzte Primadonna an der Münchener Oper; sie sang hier am 12.6.1917 in der Uraufführung von Hans Pfitzners »Palestrina« den Ighino, 1918 die Titelrolle in »Das Christelflein« vom gleichen Komponisten in einer Neufassung der Oper. In München wirkte sie weiter in den Uraufführungen der Opern »Der Ring des Polykrates« von Korngold (28.3.1916) und »Die Vögel« (4.12.1920) von Walter Braunfels mit. 1916 und 1919 Gastspiel an der Berliner Hofoper bzw. der Staatsoper Berlin, 1917 an der Hofoper Dresden, 1916-19 am Stadttheater von Zürich, 1919 und 1932 am Stadttheater von Basel. 1921-32 war sie mit dem Tenor Karl Erb (1877-1958), seit 1933 mit dem Pianisten und Liedbegleiter Michael Raucheisen (1889-1984) verheiratet. Seit 1925 gehörte sie dem Ensemble der Berliner Städtischen Oper an. Gastspiele brachten ihr an der Covent Garden Oper London (1924 als Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos«, eine ihrer großen Kreationen, und als Gilda im »Rigoletto«, 1927 als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«), an der Mailänder Scala und an der Staatsoper Berlin glänzende Erfolge. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1920-23 als Zerbinetta, als Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, als Gilda, als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Mimì, als Norina im »Don Pasquale«, als Konstanze und als Ighino. 1922 unternahm sie eine sehr erfolgreiche Konzert-Tournee durch die USA, 1923 bereiste sie Nordamerika als Gastkünstlerin mit der German Opera Company; dabei hörte man sie in New York als Frau Fluth. 1922-23 sang sie an der Oper von Chicago und gastierte mit deren Ensemble 1926 im Haus der Metropolitan Oper New York als Rosina im »Barbier von Sevilla«. (Sie wurde jedoch nicht Mitglied dieses Hauses). Bei den Festspielen von Salzburg erlebte man sie 1925 und 1930 als Norina sowie bei Liederabenden und Konzerten. Als Konzertsängerin trat sie auch in Budapest (1926, 1933), Paris (1931), Amsterdam (1932, 1933), Oslo (1922), Kopenhagen (1932) und in Spanien auf. Berühmt war sie als Operettensängerin und als Interpretin von Koloratur-Walzern und -Kanzonen, vor allem aber als Liedersängerin. Sie hatte sich bei ihrem Debüt vorgenommen, zwanzig Jahre und keinen Tag länger zu singen, was sie dann auch durchführte. So gab sie 1932 ihre Karriere auf, sang aber 1934 in Berlin nochmals die Zerbinetta. 1948 erhielt sie eine Professur an der Wiener Musikakademie, 1950 an der Musikhochschule Berlin. Zu ihren Schülern zählten die berühmten Sopranistinnen Elisabeth Schwarzkopf, Rita Streich, Renate Holm, Michi Tanaka und die Liedersängerin Alexandra Trianti. Sie verbrachte ihren Lebensabend in Beatenberg am Thuner See (Schweiz), wo sie 1987 hochbetagt starb. – Eine der schönsten Koloraturstimmen des 20. Jahrhunderts, ebenso vollendet in der Exaktheit und der Brillanz ihrer Koloraturen wie in der Feinheit ihres Stilgefühls. Weitere Höhepunkte ihres Bühnenrepertoires waren die Königin der Nacht, der Page Oscar in Verdis »Maskenball« und die Serpina in »La serva padrona« von Pergolesi. Von ihren Partien für die Bühne sind noch zu nennen: die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Despina in »Così fan tutte«, die Zerline im »Don Giovanni«, die Titelrolle in Flotows »Martha«, die Marzelline im »Fidelio«, die Marie in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«, die Nannetta im »Falstaff« von Verdi, die Manon von Massenet und die Mignon von A. Thomas, die Tatjana im »Eugen Onegin« und die Rose Friquet im »Glöckchen des Eremitenb« (»Les dragons de Villars«) von Maillart.

Lit: A. Frankenstein & J. Dennis: Maria Ivogün (in »Record Collector«, 1971-72); A. Blyth: Maria Ivogün, an Appreciation (in »Opera«, 1987).

Akustische Aufnahmen auf Odeon (1913-19), Brunswick (1923) Polydor und DGG (1924-25), elektrische auf HMV und Electrola.

 

18.11. Theodor LIERHAMMER (Bariton und Gesangslehrer): 150. Geburtstag

 

19.11. Ratko DELORKO: 100. Geburtstag

Ratko DELORKO

 Studium in Zagreb bei Paul Marion und Law Urbancic; er debütierte an der Oper von Zagreb als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«. Bis 1951 blieb er an diesem Opernhaus tätig. 1952-54 war er am Stadttheater von Bern (Schweiz), 1954-55 am Theater von Innsbruck engagiert. 1955 kam er an die Staatsoper von Hamburg, wo er sich als hervorragender Vertreter der lyrischen Partien aus der italienischen Opernliteratur, aber auch als begabter Interpret moderner Musik erwies. 1959-62 war er durch einen Gastvertrag dem Opernhaus von Frankfurt a.M. verbunden. 1962 hatte er große Erfolge bei einem Gastspiel an der Covent Garden Oper London, 1961 sang er beim Maggio Musicale von Florenz den Matteo in »Arabella« von R. Strauss. Weitere Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1965 als italienischer Sänger im »Capriccio« von R. Strauss), am Teatro Colón Buenos Aires (1965 als Maler in »Lulu« von A. Berg) und am Théâtre de la Monnaie Brüssel. 1963-75 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, wo er noch 1982 als Gast den Kaiser Altoum in Puccinis Oper »Turandot« sang. Partien aus seinem Repertoire für die Bühne: der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Tamino in der »Zauberflöte«, der Lyonel in Flotows »Martha«, der Nureddin im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, der Fenton im »Falstaff« von Verdi, der Henry in »Die schweigsame Frau« von R. Strauss, der Herzog im »Rigoletto«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, der Pinkerton in »Madame Butterfly« und der Flamand im »Capriccio« von R. Strauss. Er starb 2002 in Kettwig/Ruhr.

Schallplatten: Auf Remington singt er in den vollständigen Opern »Madame Butterfly« (den Pinkerton) und »La Bohème« (den Rodolfo) sowie das Tenorsolo im Verdi-Requiem, auf Preiser erschien ein Recital, auf Nixa in »Christus am Ölberg« von Beethoven zu hören.

 

19.11. Charles GILIBERT: 150. Geburtstag

Charles Gilibert

 Er war Schüler des Conservatoire National in Paris und debütierte 1889 an der Pariser Opéra-Comique in »Esclarmonde« von Massenet. 1891 kam er an die Oper (Théâtre de la Monnaie) von Brüssel, an der er sehr beliebt wurde und bis 1900 im Engagement blieb. Er wirkte hier u.a. 1892 in der Uraufführung der Oper »Maître Martin« von Jan Blockx, 1896 in der der Oper »La Vivandière« von B. Godard, 1900 in der von »Tijl Ulenspiegel« von Jan Blockx mit. 1894-1909 war er Jahr für Jahr an der Londoner Covent Garden Oper zu Gast, wo man ihn in vielen Partien herausstellte, u.a. am 20.6.1894 in der Uraufführung von »La Navarraise« von Massenet. Er sang in London in den Erstaufführungen von Charpentiers »Louise« 1909 die Partie des Vaters und in »Le Jongleur de Notre-Dame« von Massenet 1906 den Boniface. 1900 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen, der er bis 1903 angehörte. Er debütierte an der Metropolitan Oper als Schaunard in der Premiere von Puccinis »La Bohème« und sang während seines Engagements dort in insgesamt 165 Vorstellungen eine bunte Fülle von Partien, darunter den Herzog von Verona in »Roméo et Juliette« von Gounod, den Biterolf in »Tannhäuser«, den Dr. Grenvil in »La Traviata«, den Monterone im »Rigoletto«, den Masetto im »Don Giovanni«, den Sakristan in der amerikanischen Erstaufführung von »Tosca« (1901), den Giscon in »Salammbò« von Reyer, den Dancaire in »Carmen«, den Guillot in »Manon« von Massenet, den Sulpice in »La fille du régiment«, den Myrrhon in der amerikanischen Erstaufführung von »Messaline« von I. de Lara (1902), den König in Massenets »Le Cid«, den Bartolo im »Barbier von Sevilla«, Titelpartie in Donizettis »Don Pasquale« und den Oberthal in »Le Prophète« von Meyerbeer. 1906 wurde er an das Manhattan Opera House in New York verpflichtet, zu dessen Ensemble er bis 1910 gehörte, und wo er 1908 in der amerikanischen Erstaufführung von Charpentiers »Louise« die Rolle des Vaters kreierte. Weitere Partien aus seinem Repertoire für die Bühne: der Nilakantha in »Lakmé« von Delibes, der Jean in »Les noces de Jeannette« von V. Massé, der Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Bustamente in »La Navarraise« von Massenet, der Gil Perez in »Le Domino noir« von Auber und der Vater in »Hänsel und Gretel«. Seine großen Erfolge am Manhattan Opera House veranlassten eine erneute Berufung an die Metropolitan Oper für die Spielzeit 1910-11, doch starb er plötzlich wenige Tage vor der Eröffnungsvorstellung. (Die Metropolitan Oper hat daraufhin ein Benefizkonzert zugunsten der hinterbliebenen Familie veranstaltet.) Er war verheiratet mit der belgischen Sopranistin Gabrielle Lejeune, die unter dem Namen Mme. Gilibert auch auf der Schallplatte gesungen hat.

Schallplatten: Ein Mapleson-Zylinder aus der Metropolitan Oper von 1903 (Szene aus »La fille du régiment« mit Marcella Sembrich); seltene Aufnahmen auf Columbia (zwei Serien von 1903 und 1907) und Victor (1907 und 1910), dazu einige Edison-Wachszylinder (Paris 1906).

 

20.11. Joseph ROGATSCHEWSKY: 125. Geburtstag

Joseph ROGATSCHEWSKY

Er kam mit 18 Jahren nach Paris, wo er am Conservatoire National durch Isnardon und Hettich ausgebildet wurde. Im Ersten Weltkrieg meldete er sich freiwillig zur französischen Armee und wurde zweimal verwundet. Nach Kriegsende kehrte er nicht nach Russland zurück, sondern beendete am Conservatoire National de Paris sein Gesangstudium. Debüt 1922 am Opernhaus von Toulouse. Noch im gleichen Jahr wurde er an die Opéra-Comique Paris verpflichtet, an der er als erste Partie den Cavaradossi in »Tosca« vortrug. Seit 1924 war er als erster lyrischer Tenor am Théâtre de la Monnaie von Brüssel verpflichtet, wo er als Titelheld im »Werther« von Massenet debütierte und in einer langjährigen, bis 1948 dauernden Karriere sehr beliebt wurde. Dazu gastierte er an der Opéra-Comique und an anderen führenden Theatern in Frankreich und Belgien. 1928-30 absolvierte er glanzvolle Gastspiele an der Wiener Staatsoper (als Des Grieux in »Manon« von Massenet, in den Titelpartien von Massenets »Werther«, Henri Rabauds »Marouf« und im »Faust« von Gounod). 1931 sang er an der Grand Opéra Paris den Lohengrin und den Titelhelden im »Faust« von Gounod. 1934 trat er in Holland in Konzerten mit dem Concertgebouw Orchest Amsterdam unter Pierre Monteux auf. Aus seinem Repertoire für die Bühne verdienen der Titelheld in »Idomeneo« von Mozart, der Lohengrin, der Tannhäuser, der Parsifal, der Orpheus von Gluck und der Hermann in »Pique Dame« Erwähnung. 1953-59 leitete er als Direktor das Opernhaus von Brüssel; er lebte später in Brüssel als Pädagoge. Er starb 1985 in Ixelles (Belgien). – Eine der schönsten lyrisch-dramatischen Tenorstimmen seiner Zeit im französischen Sprachraum.

Seine Platten erschienen exklusiv bei Columbia, darunter die vollständige Oper »Manon« von Massenet mit Fanny Heldy in der Titelrolle; alle Aufnahmen in elektrischer Aufnahmetechnik.

 

21.11. Timothy JENKINS: 65. Geburtstag

Timothy Jenkins als Froh in Bayreuth

 Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger an der Texas State University und debütierte 1974 bei der Fort Worth Opera als Baron Douphol in »La Traviata« von Verdi. 1979 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Jacob Schmidt in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von Weill). Bis 1989 ist er an der Metropolitan Oper in insgesamt 171 Vorstellungen in einer Anzahl von Partien aufgetreten, darunter als Melot in »Tristan und Isolde«, als Narraboth in »Salome« von R. Strauss, als Froh im »Rheingold«, als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, als Gran Sacerdote in »Idomeneo« von Mozart, als Macduff in Verdis »Macbeth«, als Elemer in »Arabella« von R. Strauss, als Titelheld im »Parsifal« und in Strawinskys »Oedipus Rex«, als Laça in »Jenufa« von Janácek und als Siegmund in der »Walküre«. Erfolgreiche Gastspiel- und Konzertauftritte verhalfen dem Künstler zu internationalem Ansehen. Bei den Festspielen von Salzburg hörte man ihn 1982 in einer konzertanten Aufführung von Strawinskys »Oedipus Rex« in der Titelrolle, 1983 als Gran Sacerdote in Aufführungen von Mozarts »Idomeneo«. 1984-85 sang er bei den Bayreuther Festspielen den Froh. 1985 trat er in Seattle als Laça, 1989 als Erik in »Der fliegende Holländer« auf, 1987 an der Chicago Opera als Prinz in »Rusalka« von Dvorák. Er starb 1995 in Durham (North Carolina).

Schallplatten: Decca (Gran Sacerdote in »Idomeneo«).

 

21.11. James DePREIST: 80. Geburtstag

 Er studierte bis 1961 an der University of Pennsylvania und danach am Philadelphia Conservatory of Music Komposition bei Vincent Persichetti. Er begann zunächst eine Karriere als Jazzmusiker; mit seinem Jimmy DePreist Quintet ging er mit Unterstützung des State Department auf eine Tournee durch den Nahen Osten und Fernost. Bei der Reise 1962 nach Bangkok erkrankte er an Kinderlähmung, gewann jedoch kurze Zeit später den Ersten Preis bei der Dimitri Mitropoulous International Conducting Competition. 1965-66 war er Assistent des Dirigenten Leonard Bernstein beim New York Philharmonic Orchestra. 1969 debütierte er in Europa mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest. 1971 holte ihn Antal Doráti als Associate Conductor an das National Symphony Orchestra nach Washington. Er wirkte dann als Dirigent des Orchestre symphonique de Quebec, der Malmö Symphony und 23 Jahre lang des Oregon Symphony Orchestra. Als Gastdirigent trat er u. a. in Amsterdam, Berlin, Budapest, Kopenhagen, Helsinki, Manchester, Melbourne, München, Prag, Rom, Rotterdam, Seoul, Stockholm, Stuttgart, Sydney, Tel Aviv, Tokio und Wien auf. 2005-08 war er Chefdirigent des Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra. Insgesamt spielte er mehr als 50 Aufnahmen ein. 2003 wurde er für einen Grammy nominiert. 1987 dirigierte DePreist das Orchester der Juilliard School of Music bei einer Aufführung von Mendelssohns Violinkonzert mit dem Geiger Gil Shaham. 1992 wurde DePreist in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 2004-11 war er Direktor (danach Emeritus) der Conducting and Orchestral Studies an der Juilliard School. 2005 wurde er mit der National Medal of Arts ausgezeichnet. DePreist starb 2013 in New York City; er war ein Neffe der Opernsängerin Marian Anderson (1897-1993).

 

21.11. Malcolm WILLIAMSON: 85. Geburtstag

Er studierte bis 1944 am Sydney Conservatorium bei Sir Eugene Ainsley Goossens. Seit seinem achtzehnten Lebensjahr lebte er vorwiegend in England, wo er als Organist und zeitweise auch als Barpianist arbeitete. Er studierte hier seit 1953 bei Elisabeth Lutyens und später bei Erwin Stein. Mitte der 1950er Jahre wurden seine ersten Kompositionen durch Adrian Boult und Benjamin Britten bekannt gemacht. Seinen ersten Durchbruch erlangte er durch seine ersten, beiden Opern Our Man in Havanna (1963) und English Ecentries (1964) sowie sein Violinkonzert (1964). Er beherrschte auch die music eduation. Seine Werke für Kinder The Happy Prince sowie die konzertanten Miniatur-Opern sind beliebte Education-Projekte. 1977 wurde der Bestseller der Kinderliteratur, die Novelle Watership Down, als Zeichentrickfilm produziert zu dem er die Filmmusik komponierte. Sein letzter Zyklus A Year of Birds ist erfolgreich bei den Proms 1995 uraufgeführt worden. Nach dem Tod von Sir Arthur Bliss wurde er der neunzehnte Master oft he Queen’s Music – und war der erste und bislang einzige Nicht-Brite in dieser Position. 1977 und 1992 wurde er aufgerufen für die Jubiläen der Queen und zur Beerdigung von Princess Diana zu komponieren. Williamson Werke wurden regelmäßig übertragen im BBC Radio. Er starb 2003 in Cambridge.

 

21.11. Roman HÜBNER: 125. Geburtstag

 Der tschechische Tenor studierte Gesang bei V.Viktorina und L. Prochazková-Neumannová. Er sang an den Opernhäusern von Bratislava (Preßburg), Lieberc (Reichenberg) und Kosice. In seinem Repertoire befanden sich Rollen wie der Prinz in »Rusalka« von Dvorák, der Éléazar in Halévys »La Juive« und der Julien in »Louise« von Charpentier. Er starb 1964 in Prag.

 

22.11. Günter REICH: 95. Geburtstag

Günter_Reich

 Er entstammte einer jüdischen Familie, die Deutschland 1934 verließ und nach Israel auswanderte. Dort arbeitete er in verschiedenen Berufen und begann schließlich das Gesangstudium. Ursprünglich glaubte er, eine Tenorstimme zu besitzen, doch wurde er seit 1958 an der Musikhochschule Berlin durch Sengeleitner, schließlich durch Unold in Mannheim zum Bariton ausgebildet. 1961 fand sein Bühnendebüt am Stadttheater von Gelsenkirchen in der Rolle des Jago in Verdis »Otello« statt. Seit 1968 wirkte er an der Staatsoper von Stuttgart, deren Mitglied er bis zu seinem Tod blieb. 1976 nahm er an der Stuttgarter Uraufführung der Oper »Das Mädchen aus Domrémy« von Giselher Klebe, 1980 an der von »Hamlet« von Hermann Reutter teil. Gastspiele an der Deutschen Oper Berlin (wo er seit 1969 ständig auftrat), an den Staatsopern von München und Hamburg, am Opernhaus von Frankfurt a.M. und bei den Salzburger Festspielen. Dort sang er am 15.8.1986 in der Uraufführung der Oper »Die schwarze Maske« von K. Penderecki den Löwel Perl, 1988 in einer konzertanten Aufführung der Oper »Der Prozess« von G. von Einem sowie in einem Kirchenkonzert. Er gastierte in Rio de Janeiro, Leipzig, Amsterdam, Zürich, Lissabon und beim Festival von Edinburgh. 1976 am Teatro Liceu von Barcelona als Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«, einer seiner Glanzrollen, gefeiert, die er auch 1975 bei der 150-Jahrfeier des Stadttheaters von Aachen und 1983 an der Covent Garden Oper London sang. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1978-86 in insgesamt 28 Vorstellungen als Hans Sachs, als Telramund im »Lohengrin«, als Kurwenal in »Tristan und Isolde«, als Don Pizarro im »Fidelio«, als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als La Roche im »Capriccio« von R. Strauss, in der Titelrolle der Oper »Karl V.« von E. Krenek, als Borromeo im »Palestrina« von Hans Pfitzner, als Löwel Perl und als Doktor im »Wozzeck« von A. Berg. Auch an der New Yorker Metropolitan Oper aufgetreten (in der Saison 1985-86 als Faninal im »Rosenkavalier« in insgesamt sechs Vorstellungen). An der Philadelphia Opera gastierte er 1985 als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos«. 1988 gastierte er in München in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, an der Covent Garden Oper und am Teatro Real Madrid als Dr. Schön in »Lulu« von A. Berg. An der Deutschen Oper Berlin wirkte er am 25.9.1969 in der Uraufführung der Oper »200.000 Taler« von Boris Blacher mit. In seinem umfassenden Bühnenrepertoire mit Schwerpunkt im heldischen Fach standen moderne Werke mit im Vordergrund, vor allem sein Moses in »Moses und Aron« von Schönberg, den er auch in einer Schallplattenaufnahme auf Philips gestaltete. Weitere Partien aus seinem Bühnenrepertoire: der Don Alfonso in »Così fan tutte«, der Ulisse in der gleichnamigen Oper von Dallapiccola, der Morone in »Palestrina«, der Adorno in »Die Gezeichneten« von Fr. Schreker, die Titelrolle in »Doktor Faust« von Busoni, der Satan in »The Paradise Lost« von Penderecki und die Titelpartie in »Lear« von A. Reimann. Angesehener Konzert- und Oratoriensänger. Am 16.6.1961 sang er in Wien in der Uraufführung des Oratoriums »Die Jakobsleiter« von A. Schönberg (nach der Vollendung des Werks durch W. Zillig). Im November 1988 übernahm er, bereits schwer erkrankt, in Frankfurt a.M. nochmals ein Solo in der Kantate »Ein Überlebender aus Warschau« von A. Schönberg. Er starb 1989 in Heidelberg.

Weitere Schallplatten erschienen unter dem Etikett von CBS. Auf EJS als Solist im Requiem D-Moll von Bruckner zu hören, auf Saphir-Intercord in der Glagolitischen Messe von Janácek und in Messen von J. Haydn.

 

23.11. Nina MULA: 85. Geburtstag

 Sie sang viele Sopranpartien an der Albanischen Oper, darunter in den Opern »Eugen Onegin«, »Madame Butterfly«, »Le nozze di Figaro« und ihre Glanzrolle, die Micaela in »Carmen«. Später sang sie die Mrika in der gleichnamigen Oper des albanischen Komponisten Prenke Jakova und die Donika in der Oper »Scanderbeg« von Vivaldi. Sie zog sich bereits im Alter von 45 Jahren von der Bühne zurück. Anlässlich ihres 80. Geburtstages hat sie das Albanische Nationaltheater für Oper und Ballett in einer feierlichen Zeremonie geehrt. Sie starb im Dezember 2011. Sie war mit dem Komponisten Avni Mula (* 1928) verheiratet und ist die Mutter der Sopranistin Inva Mula (* 27.6.1963)

 

23.11. Fanny MOODY: 150. Geburtstag

Fanny Moody als Marguerite im Faust
Als Marguerite

 Nach ihrem Studium bei Charlotte Sainton-Dolby debütierte sie 1887 mit der Carl Rosa Opera Company in Liverpool in der Oper »The Bohemian Girl« von Balfe in der Rolle der Arline. Bis 1898 war sie als erste Sopranistin Mitglied dieser großen englischen Operngesellschaft. 1890 sang sie am Drury Lane Theatre in London u.a. die Titelpartie in »Mignon« von A. Thomas. 1890 heiratete sie den Bassisten und Impresario Charles Manners (1857-1935). Mit ihm zusammen gründete sie 1898 die Moody-Manners Opera Company, die für das Opernleben in England große Bedeutung erlangte und bis 1916 bestehen blieb. Auf der Höhe ihrer Entwicklung hatte diese Kompanie zwei Gruppen von 175 bzw. 96 Mitgliedern, die Tourneen durch England unternahmen. Fanny Moody war eine der großen Primadonnen dieser Operntruppe. Bereits 1892 hatte sie am Londoner Olympic Theatre die Tatjana in Tschaikowskys »Eugen Onegin« für England kreiert, während Charles Manners den Gremin sang. 1902 sang sie in London in der englischen Erstaufführung der Oper »Rosalba« von Emilio Pizzi, am 22.9.1903 die Militza in der Uraufführung von »The Cross and the Crescent« von McAlpin. 1904 erschien sie am Drury Lane Theatre in der Partie der Senta in »Der fliegende Holländer«. Ihre Spezialität waren namentlich die leichteren lyrischen Sopranpartien, in deren Interpretation man sie gerne mit der großen Sopranistin Christine Nilsson verglich. Sie starb 1945 in Dundrum (Irland).

Lit: P. Graves: The Moody-Manners Partnership (in »Opera«, 1958).

 

23.11. Emil PINKS: 150. Geburtstag

 Er war zuerst bis 1890 als Lehrer tätig, begann dann aber am Konservatorium von Leipzig seine Gesangsausbildung, die er bei dem berühmten Pädagogen Julius Stockhausen fortsetzte. Seit 1894 trat er als Konzert-, Oratorien- und Liedersänger mit großem Erfolg auf, wobei er regelmäßig in den deutschen Musikzentren erschien. Darüber hinaus gastierte er auch in Holland, in Russland, in der Schweiz und in Österreich, wo er u.a. 1907 und 1908 in Wien auftrat. Er sang vor allem in Oratorien und religiösen Musikwerken von Bach und Händel, übernahm aber auch Partien in den großen Konzertwerken des 19. Jahrhunderts. 1901-05 war er zugleich als Pädagoge am Konservatorium von Leipzig tätig, Auf der Opernbühne ist er nicht in Erscheinung getreten. Er starb 1933 in Leipzig.

 

24.11. Jouni KAIPAINEN: 60. Geburtstag

 Er studierte an der Sibelius-Akademie in Helsinki bei Aulis Sallinen und Paavo Heininen. 1981 gewann er in Paris mit Trois morceaux de l’aube für Cello und Klavier den ersten Preis im internationalen Rostrum der Unesco für junge Komponisten. Während seine frühen Werke einer modernen Ästhetik verpflichtet sind, sind später auch Einflüsse von Komponisten wie Debussy und Ravel in seinem Schaffen zu erkennen. Zu seinen bekannteren Werken zählen das Klarinettenkonzert Carpe diem!, das Oboenkonzert op. 46 und seine vier Sinfonien. Die Fünfte Sinfonie, ein Auftragswerk des Finnischen Radio-Sinfonieorchesters, konnte der Komponist vor seinem Tod nicht mehr beenden. Der Dirigent Hannu Lintu brachte viele seiner Kompositionen zur Uraufführung und Erstaufnahme. Kaipainen zeichnete sich durch einen Stil zwischen Expressionismus und Klassizismus aus, sein kompositorisches Schaffen umfasst alle Bereiche von der großbesetzten Sinfonik, über die Vokal- bis zur Kammermusik. Außerdem war er als vielbeachteter Musikschriftsteller tätig. Er starb 2015 in Tampere.

 

25.11. Giuseppe CREMONINI: 150. Geburtstag

Giuseppe Cremonini

 Der Künstler, der eigentlich Giuseppe Bianchi hieß und sich nach seiner Heimatstadt Cremonini nannte, entstammte einer ganz armen Familie. Er wurde durch den Pädagogen G. Cima ausgebildet und debütierte 1889 am Teatro Politeama in Genua als Carlo in »Linda di Chamounix« von Donizetti. 1890 trat er am Teatro Filodrammatico Mailand als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas und am Teatro Coccia in Novara auf. 1891 gastierte er an der Oper von Bukarest als Turiddu in »Cavalleria rusticana« mit der berühmten Primadonna Hariclea Darclée als Santuzza. 1891 hatte er große Erfolge als Titelheld in Mascagnis »L‘Amico Fritz« in den Premieren dieser Oper in Mantua, Faenza und Palermo. Am 1.2.1893 sang er in der Uraufführung von Puccinis Oper »Manon Lescaut« am Teatro Regio Turin die Partie des Des Grieux mit Cesira Ferrani in der Rolle der Manon. Mit der gleichen Partnerin trat er 1894 an der Mailänder Scala in der Uraufführung von A. Franchettis »Il Fior d’alpe« auf und sang auch dort in Puccinis »Manon Lescaut«. Am Teatro Costanzi in Rom hörte man ihn 1894 in der Uraufführung der Oper »Il Voto« von Pietro Vallini. 1893-94 hatte er große Erfolge bei Gastspielen in Buenos Aires, am Teatro Costanzi Rom und am Teatro Real Madrid in Partien wie dem Turiddu, dem Assad in Goldmarks »Die Königin von Saba« und dem Lohengrin. Er gastierte 1892 an der Covent Garden Oper London als Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet und als Alfredo in »La Traviata«, 1896 als Turiddu, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Lyonel in Flotows »Martha«, als Gennaro in »Lucrezia Borgia« von Donizetti, als Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, als Herzog im »Rigoletto« und als Faust in »Mefistofele« von Boito. 1895 an der Oper von Monte Carlo zu Gast (als Turiddu, als Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, als Titelheld in Mascagnis »L‘Amico Fritz«, als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und als Arturo in »I Puritani« von Bellini), 1897 an der Berliner Hofoper (als Don Ottavio). 1895-97 (Antrittsrolle: Fernando in »La Favorita« von Donizetti) und nochmals in der Spielzeit 1900-1901 war er an der New Yorker Metropolitan Oper engagiert, an der er 1901 in der amerikanischen Erstaufführung von »Tosca« die Rolle des Cavaradossi übernahm. Diese Partie kreierte er dann auch für Boston und Chicago. An der Metropolitan Oper sang er 15 Partien in 116 Vorstellungen: den Alfredo, den Turiddu, den Lohengrin, den Nadir, den Herzog im »Rigoletto«, den Faust in »Mefistofele«, den Fenton in Verdis »Falstaff«, den Edgardo, den Faust von Gounod, den Lyonel in »Martha« von Flotow und den Rodolfo in »La Bohème«. Zu seinem Partien zählten auch der Jean Gaussin in »Sapho« von Massenet und der Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1903 sang er, wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod, noch am Theater seiner Heimatstadt Cremona den Des Grieux in »Manon« von Massenet.

Eigentliche Schallplatten existieren von seiner Stimme nicht; auf einem Mapleson-Zylinder aus der Metropolitan Oper von 1901 finden sich Teile eines Duetts aus »Tosca« mit Milka Ternina.

 

25.11. Johann Christian FRISCHMUTH: 275. Geburtstag

Er war ab 1765 Mitglied verschiedener Wanderbühnen. Zehn Jahre später bekam er ein Engagement am Stadttheater Münster und auch am Gothaer Hoftheater. Nachdem dies aufgelöst worden war, wurde er vom Prinzipal Konrad Ernst Ackermann unter Vertrag genommen. 1782 bekam Frischmuth ein Engagement von Karl Theophil Döbbelin, der ihn mit nach Berlin nahm. Dort war er zwei Jahre als Schauspieler verpflichtet und anschließend als Kapellmeister. Als Komponist wurde Frischmuth nie überregional bekannt. Er komponierte Operetten, aber auch Sonaten, Duette und andere Stücke für Klavier und Violine. Er starb 1790 in Berlin.

 

26.11. Cecilia NÚÑEZ ALBANESE: 85. Geburtstag

Cecilia NÚÑEZ ALBANESE

 Sie kam aus ihrer südamerikanischen Heimat nach Italien und erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand und durch die Pädagogen Ettore Campogalliani und Magda Piccarolo. Sie gewann Gesangwettbewerbe in Macerata, Vercelli und Parma und debütierte in Reggio Emilia als Gilda im »Rigoletto«. Sie kam von ihrem Wohnort Mailand aus am Teatro San Carlo Neapel, an der Hamburger Staatsoper, am Teatro Liceu Barcelona (1968 Titelrolle in »Marina« von Arrieta, 1974 Norina im »Don Pasquale«), an der New York City Opera (1973 als Gilda und als Rosina im »Barbier von Sevilla« von Rossini) sowie in England bei der Welsh Opera Cardiff zu großen Erfolgen im Koloraturfach, hatte aber ähnliche Erfolge auch bei Gastspielen und Konzerten in anderen Zentren des internationalen Musiklebens. So gastierte sie 1973 am Teatro San Carlo Neapel und 1977 an der Oper von Santiago de Chile als Gilda. Aus ihrem Bühnenrepertoire sind zu nennen: die Amina in »La Sonnambula« von Bellini, die Lucia di Lammermoor, die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«, die Violetta in »La Traviata«, die Nannetta im »Falstaff« von Verdi, die Musetta in Puccinis »La Bohème« und die Monica in »The Medium« von Gian Carlo Menotti. Sie starb 2010 in Catania.

 

26.11. Petre MUNTEANU: 100. Geburtstag

Petre MUNTEANU

 Er studierte am Konservatorium von Bukarest Gesang und Violinspiel. 1940 debütierte er an der Königlichen Oper Bukarest, ging dann aber zur weiteren Ausbildung nach Deutschland und wurde in Berlin Schüler von H. Weißenborn. Nach dem Zweiten Weltkrieg erregte er in Italien als Konzertsänger Aufsehen. 1947 kam er an die Mailänder Scala, wo er als Antrittsrolle den Ferrando in »Così fan tutte« vortrug und dann in der Premiere von Strawinskys »Persephone« mitwirkte. An der Mailänder Scala sang er auch 1951 den Tiburno in Cimarosas »Il Credulo«, 1952 den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail« und den Andres im »Wozzeck« von Alban Berg, 1952 und 1959 das Tenor-Solo in Beethovens 9. Sinfonie, 1956 das Tenor-Solo in Strawinskys »Canticum Sacrum«, 1960 das Tenor-Solo in Mozarts C-Moll-Messe, 1961 das Tenor-Solo in Mahlers »Lied von der Erde« und 1962  das Tenor-Solo in Mahlers 8. Sinfonie. Er trat 1950 an der Oper von Rom als Ferrando auf und sang dort 1952 den Schuiskij im »Boris Godunow«, 1954 den Zaren Berendey in der italienischen Erstaufführung der Märchenoper »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow. Er gastierte am Teatro Comunale Genua (1947), am Teatro Comunale Bologna (1950 als Fenton im »Falstaff« von Verdi, 1958 als Tamino in der »Zauberflöte«), am Teatro San Carlo Neapel (1948 als Pedrillo, 1949 als Andres, 1950 als Ferrando, 1954 in der italienischen Erstaufführung von H.W. Henzes »Boulevard Solitude« und als Milfort in Rossinis »La cambiale di matrimonio«), beim Maggio Musicale von Florenz (1949 in der Matthäuspassion von J.S. Bach und als 1. Hirte in Monteverdis »L’Orfeo«, 1952 als Solist in der 9. Sinfonie von Beethoven, 1963 als Andres, 1964 in der italienischen Erstaufführung der Oper »Die Zwingburg« von E. Krenek) und bei den Festspielen von Bregenz (1955 als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«). Weitere Gastspiele an der Covent Garden Oper London, an der Staatsoper von München, und am Opernhaus von Triest. 1948-49 sang er bei den Festspielen von Edinburgh den Ferrando. 1961 wirkte er am Teatro Fenice Venedig in der Uraufführung der Oper »intolleranza 60« von Luigi Nono mit. Er war auch in Madrid, in den skandinavischen Ländern und in Australien (1958) bei Gastspielen zu hören. Zu seinen großen Bühnenrollen gehörten noch der Cassio in Verdis »Otello«, der Pylades in Glucks »Iphigénie en Tauride« und der Filipeto in Wolf-Ferraris »I quattro rusteghi«. Fast noch bedeutender als seine Bühnenkarriere war sein Wirken im Konzertbereich; auch hier trat er bis 1965 in einem umfassenden Repertoire, vor allem als Solist in Oratorien und religiösen Vokalwerken, auf. 1968 trat er in Turin erstmalig als Dirigent in Erscheinung. Er wirkte später als Pädagoge am Conservatorio Giuseppe Verdi in Mailand. Er starb 1968 in Mailand. – Neben der vollkommenen Beherrschung des italienischen Belcantos in Opern von Bellini, Rossini und Donizetti zeichnete der Künstler sich sowohl als Mozart-Interpret wie auch im Konzertsaal als Oratorien- (Bach, Händel) und als Liedsänger aus.

Aufnahmen auf DGG, Philips (»Don Pasquale«), Nixa (Matthäuspassion), Westminster (9. Sinfonie von Beethoven, »Winterreise« von Schubert), Angelicum, Hunt Records (C-Moll-Messe von Mozart), Fonit Cetra (Magnificat von J.S. Bach), Hardy Classics (Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, Mitschnitt in italienischer Sprache aus dem Teatro San Carlo Neapel 1950 mit Renata Tebaldi als Elisabeth).

 

26.11. Gerhard UNGER: 100. Geburtstag

Gerhard Unger

 Er studierte an der Musikhochschule Berlin, doch wurde sein Debüt durch den Zweiten Weltkrieg verhindert. Seit 1945 betätigte er sich als Konzert- und Oratoriensänger. 1947 begann er seine Bühnenlaufbahn am Nationaltheater von Weimar, an dem er fünf Jahre blieb. Bei den Bayreuther Festspielen bewunderte man ihn 1951-52 in einer seiner Glanzrollen, dem David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1952 außerdem noch als einen der Knappen im »Parsifal« und als jungen Seemann in »Tristan und Isolde«. 1952 wurde er an die Berliner Staatsoper berufen. Man schätzte ihn bald als einen führenden Vertreter des Tenor-Buffo-Fachs, doch war er auch als lyrischer Tenor erfolgreich und sang den Tamino in der »Zauberflöte«, den Alfredo in »La Traviata« und den Pinkerton in »Madame Butterfly«. 1960-78 oftmals an der Wiener Staatsoper zu Gast, u.a. als David, als Steuermann in »Der fliegende Holländer«, als Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail« (wohl seine größte Kreation), als Eselmann in »Die Kluge« von C. Orff, als Jaquino im »Fidelio«, als Bischof von Budoja in »Palestrina« von H. Pfitzner, als Brighella und als Tanzmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als junger Diener in »Elektra« von R. Strauss, als Narraboth in »Salome« von R. Strauss, als italienischer Tenor im »Capriccio« von R. Strauss, als Monostatos in der »Zauberflöte«, als Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg, als Mime im Nibelungenring und als Sänger im »Rosenkavalier«. Seit 1961 Mitglied der Staatsoper von Stuttgart, 1962-73 auch der Staatsoper Hamburg vertraglich verbunden. Gastspiele führten ihn an die Staatsoper von Dresden und an andere wichtige Theater. Er wirkte auch bei den Salzburger Festspielen mit, und zwar 1962-63, 1965-67 und 1970-75 als Pedrillo, 1964-65 als Brighella, 1967-68, 1970 und 1974 als Monostatos, 1969 als Valzacchi im »Rosenkavalier« und 1977-78 als einer der Juden in »Salome« von R. Strauss; er wirkte in Salzburg auch in Konzerten (1968 in einem Mozart-Konzert, 1975 in »Carmina Burana« von Carl Orff, 1977 in »Jeanne d’Arc au bûcher« von A. Honegger) mit. An der Mailänder Scala debütierte er 1960 als Jaquino im »Fidelio«; hier sang er auch 1971 das Tenor-Solo in Beethovens 9. Sinfonie, 1972 und 1978 den Pedrillo, 1975 den Mime im »Siegfried«, 1977 und 1979 den Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg. Auch zu Gast an der Grand Opéra Paris (1979 als Hauptmann im »Wozzeck«, 1983 und 1986 als Brighella, 1984 als Pedrillo), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1962), am Teatro Colón Buenos Aires (1966, 1981), an der Oper von Marseille (1955) und in Turin (1970). Noch 1987 trat er an der Stuttgarter Staatsoper als Mime im Nibelungenring auf. Aus seinem Repertoire für die Bühne ist noch der Skuratow in »Aus einem Totenhaus« von Janácek zu nennen. Dazu galt er als hervorragender Konzertsänger, zumal als bedeutender Bach-Interpret. Er starb im 2011 in Stuttgart.

Schallplatten: Sang auf HMV (»Der Waffenschmied« von Lortzing, Steuermann in »Der fliegende Holländer«, David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Alwa in »Lulu« von A. Berg, »Der Bettelstudent«), Eterna, Columbia (»Die Entführung aus dem Serail«, »Die Meistersinger von Nürnberg«), Urania (»Die Meistersinger von Nürnberg«), DGG (»Der Rosenkavalier«, »Madame Butterfly«), Eurodisc (»Der Barbier von Bagdad«), Philips (»La finta giardiniera« von Mozart), RBM (»Doktor und Apotheker« von Dittersdorf), Calig-Verlag (David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1967) und auf HRE (»Fidelio«).

 

27.11. Giovanni BREVIARIO: 125. Geburtstag

Giovanni BREVIARIO als Bajazzo
Als Bajazzo

 Er studierte zunächst als Bariton bei Dante Lari in Mailand, wurde aber noch während seiner Ausbildung zum Tenor umgeschult. Als solcher debütierte er 1924 in Pola als Manrico im »Troubadour« von Verdi und hatte seine ersten großen Erfolge 1927-34 an der Italienischen Oper in Holland, wo er 1938 nochmals gastierte. Er sang 1929 am Teatro Carlo Felice von Genua in der Uraufführung der Oper »Onesta« von Massa. Man schätzte ihn zumal als Interpreten der heldischen Partien des italienischen Repertoires. In Italien war er jedoch nicht so erfolgreich wie in Holland. Er gastierte dort u.a. am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Fenice Veneidg, am Teatro Regio Parma, am Teatro Petruzzelli Bari, am Teatro Carlo Felice Genua (1929 als Turiddu in »Cavalleria rusticana«). Er trat auch an der Oper von Kairo, am Royal Opera House auf Malta, am Teatro San Carlos Lissabon und in Deutschland gastweise auf. 1932 und 1938 hörte man ihn am Stadttheater von Zürich, 1938 an der Oper von Budapest. 1946-47 unternahm er eine Nordamerika-Tournee mit der Salmaggi’s Opera Company. Im gleichen Jahr Konzert-Tournee durch Westeuropa. 1948 sang er bei seinem einzigen Auftritt an der Mailänder Scala den Pollione in »Norma« von Bellini. 1949 gab er seine Karriere auf. Seine großen Bühnenpartien waren der Canio im »Bajazzo«, der Radames in »Aida«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, der Titelheld in Giordanos »Andrea Chénier« und in besonderer Weise der Otello von Verdi. Später war er als Pädagoge am Konservatorium von Johannesburg in Südafrika tätig und lebte danach in seiner Geburtsstadt Bergamo, wo er 1982 starb.

Schallplatten: Er sang in zwei integralen Opern-Aufnahmen die Hauptrollen (»Cavalleria rusticana« auf HMV und 1937 auf Cetra »Norma« als Partner von Gina Cigna). Solo-Aufnahmen erschienen auf Grammophone.

 

27.11. Joseph Anton PLANICKHY: 325. Geburtstag

 Er war ein Sohn des Kantors Jaroslav Planickhy. Er diente seit 1722 als Tenorist in der Fürstbischöflichen Hofkapelle in Freising. 1723 gab er in Augsburg eine von ihm komponierte Sammlung von 12 Arien mit Instrumentalbegleitung unter dem Titel »Opelta Ecclesiastica« heraus, die man nach zeitgenössischen Berichten sehr zu schätzen wusste. Er starb 1732 in Freising bei München.

 

29.11. Demeter MARCZIS: 85. Geburtstag

 Biographie des ungarischen Bassisten auf Ungarisch: http://mek.oszk.hu/02100/02139/html/sz15/142.html

 

29.11. Valentino BUCCHI: 100. Geburtstag

Der Sohn eines Hornisten und einer Violinistin absolvierte nach einem Philosophiestudium an der Universität Florenz eine musikalische Ausbildung am Liceo Musicale Cherubini bei Vito Frazzi und Luigi Dallapiccola. Seit 1938 war er Musikkritiker der Zeitschrift La Nazione in Florenz. 1939 wurde seine einaktige Oper Giuoco del Barone uraufgeführt, die die Beachtung des Musikkritikers Bruno Barilli fand und 1956 mit dem Prix Italia ausgezeichnet wurde. Nach 1941 erschienen nur noch vereinzelte Musikkritiken von ihm. 1945-47 schrieb er Kritiken für La Nazione del Popolo und Mattino dell’Italia Centrale. Seit 1945 unterrichtete Bucchi an den Konservatorien von Florenz und Venedig. 1957-74 leitete er das Konservatorium von Perugia, danach bis zu seinem Tode das von Florenz. Daneben wirkte er als Leiter der Accademia Filarmonica Romana (1958–60), des Teatro Comunale di Bologna (1963–67) und der Accademia Chigiana in Siena. Er starb 1976 in Rom. Nach seinem Tod wurde 1977 die Associazione Musicale Valentino Bucchi (seit 1990 Fondazione Valentino Bucchi) gegründet, die jährlich den Premio Valentino Bucchi an junge Musiker und Komponisten vergibt.

 

29.11. Waldemar von BAUSSNERN: 150. Geburtstag

Er entstammte der Volksgruppe der Siebenbürger Sachsen. Er wurde als Sohn des Finanzbeamten Carl August Philipps Edler von Baußnern und dessen zweiter Ehefrau Frederike in Berlin geboren und wuchs in Siebenbürgen und Budapest auf. 1882-88 studierte an der Königlich Akademischen Hochschule für ausübende Tonkunst in Berlin bei Friedrich Kiel und Woldemar Bargiel. Nach seiner Hochzeit mit Elsbeth Dorothea Louise Fischer 1889 wurde er 1891-1903 Leiter der Chorvereine Mannheimer Musikverein und Dresdner Liedertafel. 1903 wurde er an das Konservatorium in Köln berufen und ab 1909 war er Direktor der Großherzoglichen Musikschule in Weimar. 1910 erfolgte seine Professur. 1916 wurde er Direktor am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt am Main und ab 1923 2. Sekretär der Berliner Akademie der Künste. 1926 fand im Rahmen des Baußnern-Jahres anlässlich seines 60. Geburtstages in sieben Städten in Siebenbürgen das Siebenbürgische Baußnernfest statt. 1929 vertrat Baußnern Deutschland beim Premier Salon International de la Symphonie in Paris, zudem trat er im Berliner Rundfunk mit zweien seiner 1928 entstandenen Triosonaten auf. 1931 starb Baußnern in Potsdam-Sanssouci an Krebs.

Die Akademie der Künste in Berlin übernahm 2014 den umfangreichen Nachlass von Baußnern und errichtete das Waldemar-von-Baußnern-Archiv. Korrespondenz von Baußnern befindet sich auch im Bestand 21081 Breitkopf & Härtel, Leipzig, im Sächsischen Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig.

Waldemar von Baußnerns umfangreiches Werkverzeichnis umfasst nahezu alle musikalischen Gattungen, wobei das Hauptgewicht auf Chorsinfonik und Orchesterwerken liegt. Der Komponist wurde nicht nur in der Vokal-, sondern auch in der Instrumentalmusik stark von dichterischen Anregungen, insbesondere Johann Wolfgang von Goethes, beeinflusst, was sich in zahlreichen Werktiteln niederschlägt, die jedoch nicht programmmusikalisch zu verstehen sind. Stilistisch galt Baußnern schon den Zeitgenossen als Einzelgänger, der sich nur schwer einer bestimmten Richtung zuordnen ließ. Generell ist seine Musik in den Traditionen des 19. Jahrhunderts verwurzelt, geht jedoch in der formalen Gestaltung oft selbstständige Wege und weitet die überkommene Tonalität durch häufig polyphon gebundene Chromatik bis an ihre Grenzen aus, ohne allerdings in Atonalität umzuschlagen.   Er vollendete die nur skizzenhaft hinterlassene Oper Gunlöd von Peter Cornelius und betätigte sich als Herausgeber der weiteren Opern Cornelius‘ in der Gesamtausgabe. Ein länger anhaltender Erfolg blieb Baußnern zu Lebzeiten versagt und viele Werke des Komponisten sind nie im Druck erschienen (z.B. alle Sinfonien). Die Erforschung seines künstlerischen Schaffens steht noch in den Anfängen. Der Komponist Dietrich von Bausznern (1928–80), ein Enkel Waldemars, regte die Gründung einer Baußnern-Gesellschaft an, die sich seit 1981 für die Verbreitung von dessen Werk einsetzt.

 

29.11. Carl BINDER: 200. Geburtstag

 Er arbeitete 1839-47 als Kapellmeister an Wiener Vorstadttheatern, seit 1840 besonders für das Theater in der Josefstadt als Nachfolger von dessen Kapellmeister Conradin Kreutzer. 1847 verschlug es ihn für kurze Zeit nach Hamburg und Preßburg; aber bereits 1848 kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo das Theater an der Wien und das Carltheater seine bevorzugten Wirkungsstätten waren. 1851-59 schrieb er die Bühnenmusik für mehrere Stücke von Johann Nepomuk Nestroy. Als Jacques Offenbach mit seinen ersten Operetten in Paris sensationelle Erfolge feierte, lechzten auch die Wiener Theater danach, sie in einer deutschsprachigen Fassung auf die Bühnen zu bringen. Dabei gab man sie nicht im Original, sondern ließ sie von Binder nach Offenbachs Klavierauszügen instrumentieren. Binder ist auch der Komponist der Ouvertüre zu Offenbachs meistgespielter Operette Orpheus in der Unterwelt. Weil der Meister selbst kein Vorspiel dazu geschrieben hatte, in Wien aber ein solches obligatorisch war, beauftragte man Binder, nach verschiedenen Motiven des Werkes eine Ouvertüre zu schreiben. Binder hatte zwei Söhne. Einer wurde wie sein Vater Kapellmeister, starb aber bereits im Alter von 27 Jahren. Carls Bruder, Eduard Binder, war viele Jahre als Regisseur und Schauspieler am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater in Berlin und am Carltheater in Wien engagiert. Besonders berühmt wurde Binder für die Vertonung von Nestroys Wagner-Parodie Tannhäuser (UA 31. Oktober 1857 Wien, Carltheater). Binder ist auch als Opern- und Liedkomponist (Wenn ich einmal der Herrgott wär, Text Eduard Amthor) sowie Librettist hervorgetreten. Er starb 1860 in Wien. Er ruht auf dem evangelischen Friedhof Wien Matzleinsdorf (Grab bereits aufgelassen).

 

30.11. Norman SCOTT: 95. Geburtstag

Norman Scott

 Seine Familie war russischer Herkunft. Er erhielt seine Ausbildung in New York und debütierte 1946 bei der New England Opera Company in Boston. Er sang dann in New Orleans, Pittsburgh und Havanna und 1948-51 an der New York City Opera. Dort war er so erfolgreich, dass man ihn 1951 an die Metropolitan Oper New York berief. Hier debütierte er als Monterone in Verdis »Rigoletto«. Bis 1968 blieb er ein angesehenes Mitglied dieses Opernhauses. Nachdem er anfänglich kleinere Rollen (u.a. Onkel Bonze in »Madame Butterfly«, Guccio in »Gianni Schicchi«, König in »Aida«, Zuniga in »Carmen«, Herold in »Alceste« von Gluck, Reinmar von Zweter in »Tannhäuser«, Fouquier Tinville in »Andrea Chénier« von Giordano, Hans Schwartz in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Tom in Verdis »Un ballo in maschera«, Crespel in »Hoffmanns Erzählungen«, Marquis de Calatrava in »La forza del destino«, Angelotti in »Tosca«, Lodovico in Verdis »Otello«, Polizeikommissar im »Rosenkavalier«, Pietro in »Simon Boccanegra«, Graf Lamoral in »Arabella« von R. Strauss, Hohepriester in »Nabucco«, Ashby in »La fanciulla del West«, Quinault in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, Pistola in Verdis »Falstaff«, Hobson in »Peter Grimes« von B. Britten, Herzog von Verona in »Roméo et Juliette« von Gounod) gesungen hatte, wurde er später mit größeren Aufgaben beschäftigt: als Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, als Colline in »La Bohème«, als Komtur im »Don Giovanni«, als Trulove in »The Rake’s Progress« (in der amerikanischen Erstaufführung dieser Oper von Strawinsky), als Abimélech in »Samson et Dalila« von Saint-Saens, als Pimen im »Boris Godunow«, als Ferrando im »Troubadour«, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als Ramfis in »Aida«, als Sarastro wie als Sprecher in der »Zauberflöte«, als Basilio im »Barbier von Sevilla« und als Daland in »Der fliegende Holländer«. Er trat an der Metropolitan Oper in insgesamt 927 Vorstellungen auf, u.a. auch 1964 in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »The Last Savage« von G.C. Menotti und in der Uraufführung der Oper »Antony and Cleopatra« von S. Barber am 16.9.1966. Mehrfach war der Künstler auch in Europa zu Gast. Er gastierte u.a. in Deutschland und England. Beim Holland Festival 1953 trat er in einer konzertanten Aufführung der Oper »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók auf. 1959 Gastspiele in Chile, 1960 am Teatro Colón von Buenos Aires als Alvise in »La Gioconda« und als Pater Guardian in »La forza del destino«. Er war auch ein geschätzter Konzert- und vor allem Oratorienbassist. Allzu früh wurde seine Karriere durch den Tod 1968 in New York beendet.

Die Stimme des Künstlers ist durch sehr viele Schallplattenaufnahmen erhalten; sie finden sich auf MMS, London, CBS (vollständige »Lucia di Lammermoor«), Remington (»Lucia di Lammermoor«, »Turandot«), Decca, Philips, MGM und RCA (kleinere Partien in Verdis »Falstaff« und »Un Ballo in maschera«, Ramfis in »Aida« unter Toscanini).

 

30.11. Cilli JÜRGENSEN: 150. Geburtstag

 Sie hieß eigentlich Cilli Barteldes, war die Tochter eines Kaufmanns und wurde durch Carl Löber für die Bühne ausgebildet. Sie begann ihre Karriere als Schauspielerin wie als Sängerin am Theater von Zwickau und kam über das Theater von Görlitz 1891 an das Adolf-Ernst-Theater Berlin. 1893 wurde sie an das Hoftheater von Kassel verpflichtet, an dem auch ihr Gatte, der bekannte Schauspieler Adolf Jürgensen (1850-1925), wirkte. Sie vertrat zu Beginn ihrer Bühnenkarriere das Soubrettenfach (Orlofsky in der »Fledermaus«, Elfriede im »Obersteiger« von Zeller), übernahm später aber Partien aus dem Fachbereich der Komischen Alten. Neben ihrer Tätigkeit auf dem Gebiet der Operette trat sie in Sprechstücken, Komödien, Possen und Singspielen auf und entfaltete eine sehr vielseitige Karriere. Sie blieb bis 1907 in Kassel tätig.

 

30.11. Andreas DIPPEL: 150. Geburtstag

Andreas DIPPEL als Vasco da Gama an der MET
Als Vasco da Gama an der Met

Er war der Sohn eines Fabrikanten. Erste Ausbildung durch Nina Zottmayr in Kassel, dann bei Julius Hey in Berlin, Alberto Leoni in Mailand und Johannes Ress in Wien. Debüt 1887 am Stadttheater von Bremen als Lyonel in »Martha« von Flotow. Er blieb bis 1892 in Bremen und wirkte 1889 bei den Festspielen von Bayreuth in kleinen Partien (einer der Knappen im »Parsifal«, den jungen Seemann in »Tristan und Isolde«, Ulrich Eisslinger in »Die Meistersinger von Nürnberg«) mit. 1890 debütierte er an der New Yorker Metropolitan Oper (Antrittspartie: Titelheld in »Asraël« von Alberto Franchetti in der amerikanischen Erstaufführung dieser Oper in deutscher Sprache). In der Saison 1890-91 sang er an der Metropolitan Oper auch den Andor in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Il Vassallo di Szigeth« von Smareglia, den Lohengrin, den Armand in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »Diana von Solange« von Ernst II. (Sachsen-Coburg und Gotha), den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Vasco da Gama in Meyerbeers »Die Afrikanerin«, den Nureddin im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, den Don José in »Carmen« und den jungen Seemann in »Tristan und Isolde«. 1892-93 am Opernhaus von Breslau engagiert, 1893 wurde er an die Wiener Hofoper berufen, an der er bereits 1892 gastweise aufgetreten ist und deren Mitglied er bis 1898 war. Hier sang er u.a. den Vasco da Gama, den Radames in »Aida«, den Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, den Baba Mustafa im »Barbier von Bagdad« von P. Cornelius, den Marcello in Leoncavallos »La Bohème«, den Don José, den Turiddu in »Cavalleria rusticana«, den Vitek in Smetanas »Dalibor«, den Don Ottavio im »Don Giovanni«, den Faust von Gounod, den Florestan im »Fidelio«, den Alfred in der »Fledermaus«, den Steuermann wie den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Lorenzo in »Fra Diavolo« von Auber, den Max im »Freischütz«, den Skrivanek im Smetanas »Das Geheimnis«, den Contran in I. Brülls »Das goldene Kreuz«, den Arnold in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Laertes in »Hamlet« von A. Thomas, den Astolf in Schuberts »Der heimliche Krieg«, den Eduard in K. Goldmarks »Das Heimchen am Herd«, den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer, den Hanno in Smetanas »Der Kuss«, den Lohengrin, den Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Lyonel, den Walther von Stolzing, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den Pollione in »Norma«, den Beppe im »Bajazzo«, den Raimbaud in »Robert der Teufel« von Meyerbeer, den Tybalt in »Roméo et Juliette« von Gounod, den José in Josef Forsters »Die Rose von Pontevedra«, den Titelhelden im »Siegfried«, den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, den Narren in Marschners »Der Templer und die Jüdin«, den Alfredo in »La Traviata«, den Manrico im »Troubadour«, den James Gadshill in Marschners »Der Vampyr«, den Duval in Schuberts »Der vierjährige Posten«, den Marquis von Chateauneuf in »Zar und Zimmermann« und den Tamino in der »Zauberflöte«. 1897 große Erfolge bei den Aufführungen von Wagners Ring-Zyklus an der Londoner Covent Garden Oper, wo er bis 1900 regelmäßig gastierte. 1898 wurde er abermals an die Metropolitan Oper New York engagiert. Hier hat er bis 1908 in insgesamt 394 Vorstellungen gesungen, darunter auch den Radames, den Tannhäuser, den Froh, den Siegmund und den Siegfried im Ringzyklus, den Raoul, den Faust von Gounod, den Alfredo, den Turiddu, den Manrico, den Erik, den Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, den Florestan, den Tamino, den Don Ottavio, den Cavaradossi in »Tosca«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Parsifal, den Ernesto in »Don Pasquale«, den Tristan in »Tristan und Isolde«,  den Eisenstein in der »Fledermaus«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Enzo in »La Gioconda« von Ponchielli, den Barinkay im »Zigeunerbaron« von J. Strauß,  den Herzog im »Rigoletto«,  den Assad in Goldmarks »Die Königin von Saba«, den Rodolfo in Puccinis »La Bohème«, den Narraboth in der amerikanischen Erstaufführung von »Salome« von R. Strauss und den Pinkerton in »Madame Butterfly«. In den Jahren 1900-10 gehörte er  dem Direktorium der Metropolitan Oper an. In London wie in New York ersetzte er mehrfach den berühmten Tenor Jean de Reszke. Er gastierte auch 1897 an der Hofoper von München, 1899 an der Oper von Budapest und 1905 an der Hofoper von Stuttgart. Er war gleichzeitig ein geschätzter Konzert- und Oratoriensänger. 1910-13 leitete er als Direktor die Philadelphia-Chicago Grand Opera Company. Später gründete er eine eigene Operngesellschaft, mit der er große Tourneen durch Nordamerika unternahm. Zuletzt Pädagoge in Hollywood, wo er 1932 starb. Er war verheiratet mit der Schauspielerin Anita Lenar. – Groß dimensionierte Tenorstimme von nuancenreichem Ausdruck, deren Repertoire im Wagnergesang gipfelte. Alles in allem bewältigte ein riesiges Repertoire von 150 Partien.

Schall

TODESFÄLLE – STAND OKTOBER 2016

TODESFÄLLE (STAND OKTOBER 2016)

Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

Hilde LÄNGAUER ist am 24.6.2016 im Alter von 102 Jahren verstorben

Hilde LÄNGAUER

Geboren am 24. März 1914 in Rumänien; ihr erstes Engagement führte sie 1934 an das Theater Innsbruck. Von dort ging sie 1935 an das Deutsche Theater in Aussig/Böhmen und 1936 an das Opernhaus von Breslau, dem sie bis zur Schließung der deutschen Theater im Kriegsjahr 1944 angehörte. Nach dem Krieg zog sie nach Wien, wo sie an der Wiener Staatsoper in der Volksoper 1945-50 insgesamt 19 Mal als Pepi in Wiener Blut und in den Jahren 1947-51 am Wiener Bürgertheater auftrat. 1954-55 gastierte sie nochmals an der Wiener Staatsoper in der Volksoper als Donna Aurora in Giroflé-Girofla von Charles Lecocq und als Adelaide in Der Vogelhändler. Ab 1955 stand sie regelmäßig in der Volksoper auf der Bühne, u. a. als Mrs.Wade (Wonderful Town), Dolly (Annie, get your gun), Fürstin Božena (Gräfin Mariza), Gräfin Hardegg (Das Land des Lächelns), Frau Schlumberger (Die Zirkusprinzessin), Friederike von Insterburg (Ein Walzertraum), Sylviane (Die lustige Witwe), Mme. Quimper-Karadec (Pariser Leben), Lehrerin (in der Uraufführung von Die Frühjahrsparade), Anhilte (Die Csárdásfürstin), Ballmutter (Wiener Blut) und Giovanna (Eine Nacht in Venedig). Insgesamt hat sie bis 1973 an der Volksoper in insgesamt 790 Vorstellungen mitgewirkt.

Ihre Schallplattenaufnahmen erschienen bei Philips (Operetten-Querschnitte) und bei Vox (Szenen aus Operetten). Sie war zeitweilig verheiratet mit dem Operettentenor Carl Heinz Graumann († 23.12.1965 Wiesbaden), der mit ihr zusammen in Breslau engagiert war, nachdem er 1927 in Stettin debütiert hatte und anschließend an den Theatern von Greifswald, Göttingen und Chemnitz auftrat. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine Karriere am Hamburger Operettenhaus sowie an den Staatstheatern von Wiesbaden und Karlsruhe (hier auch als Regisseur) fort.

 

Bernard IZZO ist am 5.8.2016 in Downers Grove (Illinois) verstorben

Bernard IZZO

 Geboren am 21. März 1924 in Rochester; Nachruf auf den amerikanischen Bariton auf Englisch: http://www.chicagotribune.com/news/obituaries/ct-bernard-izzo-obituary-20160921-story.html

 

Iris KELLS ist am 10.8.2016 verstorben

Iris KELLS

 Geboren am 31. Januar 1923 in Pachmari (Indien); Nachruf auf die britische Sopranistin auf Englisch: http://www.telegraph.co.uk/obituaries/2016/08/25/iris-kells-soprano–obituary/

 

Béla TURPINSZKY ist am 26.8.2016 verstorben

Béla TURPINSZKY

 Geboren am 10. Dezember 1931 in Léva; er begann zunächst das Studium der Rechtswissenschaften, wechselte dann aber in das Gesangfach und wurde Schüler der beiden großen ungarischen Sänger Alexander Svéd und József Réti in Budapest. 1960 fand sein Bühnendebüt als Bariton an der Nationaloper von Budapest in der Partie des Sid in »Albert Herring« von Benjamin Britten statt. Nachdem er anfänglich Baritonpartien gesungen hatte, entwickelte sich seine Stimme zum Heldentenor. Seit etwa 1965 wurde er vor allem als Wagner-Sänger bekannt. Dabei galten als seine beiden bedeutendsten Kreationen der Tristan und der Titelheld im »Parsifal«. Daneben hatte er auch in Aufgaben aus dem Bereich der italienischen, der slawischen und der ungarischen Opernliteratur seine Erfolge. Gastspiele führten ihn an Bühnen in Österreich, in Ost- und Westdeutschland, u.a. an das Staatstheater in Kassel. Daneben genoss er als Konzertsänger hohes Ansehen. Auch unter dem Künstlernamen Béla Adolbert aufgetreten.

Einige Aufnahmen, alle als Tenor, auf der ungarischen Marke Hungaroton.

 

Biserka ANIĆ-BELKOVIĆ ist am 29.8.2016 in Split verstorben

Biserka ANIĆ-BELKOVIĆ

 Geboren 1939 in Zagreb; Nachruf auf die kroatische Mezzosopranistin auf Kroatisch: http://www.jutarnji.hr/kultura/glazba/preminula-biserka-anic-belkovic-splitska-operna-publika-izgubila-je-svoj-visoki-mezzosopran/4660187/

 

Giampiero MASTROMEI ist am 8.9.2016 verstorben

Giampiero Mastromei

Geboren am 1. November 1932 in Camaiore in der Toscana; seine Familie war italienischer Abstammung, wanderte aber nach Argentinien aus. Er erhielt seine Ausbildung in Buenos Aires, zum Teil bei dem berühmten Bariton Apollo Granforte. Er kam als Eleve an das Teatro Colón Buenos Aires, in dessen Opernschule er durch Mario Melani und Hina Spani weitergebildet wurde. Er debütierte 1959 am Teatro Colón Buenos Aires als Schaunard in »La Bohème« und trat während 13 Spielzeiten an diesem Haus auf. 1962 kam er nach Europa und war dort zuerst am Opernhaus von Marseille erfolgreich. 1969 debütierte er als Scarpia in »Tosca« an der Wiener Staatsoper, an der er bis 1990 in 107 Aufführungen in Erscheinung trat (als Luna im »Troubadour«, als Escamillo in »Carmen«, als Posa in Verdis »Don Carlos«, als Carlo in Verdis »La forza del destino«, als Jago in Verdis »Otello«, als Amonasro in »Aida«, als Tonio im »Bajazzo«, als Marcello in »La Bohème«, als Macbeth in der gleichnamigen Verdi-Oper, als Sharpless in »Madame Butterfly«, als Rigoletto, als Lescaut in Massenets »Manon«, als Germont-pêre in »La Traviata« und als Dulcamara in »L’Elisir d‘amore«). An der Mailänder Scala hatte er 1972-73 als Amonasro, 1972 als Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und 1975 als Scarpia große Erfolge. Bei den Festspielen in der Arena von Verona hörte man ihn 1971-72, 1976 sowie 1983-86 als Amonasro, 1974 und 1984 als Scarpia. Er sang bei den Festspielen von Caracas, Oviedo und Bilbao sowie während einer italienischen Saison in Tokio. 1972 am Teatro Colón als Carlo in »La forza del destino« zu Gast, 1972-74 am Teatro Liceu Barcelona. Im Verlauf seiner Karriere trat er auch in London und Hamburg, in Madrid und Budapest, in San Francisco (1973 als Germont-père), Dallas und Philadelphia auf. 1987 sang er den Amonasro bei den Aufführungen von Verdis »Aida«  vor den Tempeln im ägyptischen Luxor. 1989 Gastspiel in Havanna als Scarpia.

Schallplatten: RCA (»Simon Boccanegra« von Verdi), Philips (»Il Corsaro« von Verdi), MRF (»Aida«).

 

Johan BOTHA ist am 8.9.2016 in Wien verstorben

Johan BOTHA

Geboren am 19. August 1965 in Rustenburg (Südafrika); durch seinen Vater, der ein großer Bewunderer von Enrico Caruso war, kam er frühzeitig mit Musik und Gesang in Berührung. Seit seinem 10. Lebensjahr erhielt er Klavier- und Gesangsunterricht. Seine eigentliche Ausbildung erfolgte seit 1986 in der Opernschule des Technikums von Pretoria bei Eric Müller. Nachdem man anfänglich angenommen hatte, dass er eine tiefe Bassstimme besitze, wurde er seit 1987 zum Tenor umgeschult. Er wirkte in mehreren Aufführungen der Hochschule von Pretoria mit, so 1988 in der Uraufführung von Hendrik Hofmeyers Oper »The Fall of the House of Usher«. 1989 sang er am Theater von Roodepoort den Max im »Freischütz«, 1990 wurde er als bester Sänger Südafrikas ausgezeichnet und darauf zu Konzerten in Warschau und Moskau eingeladen. Der Chordirektor der Bayreuther Festspiele Norbert Balatsch wurde auf seine Begabung aufmerksam und vermittelte ihm ein weiterführendes Studium in Bayreuth, das bis 1990 dauerte. 1991 debütierte er für Deutschland am Pfalztheater von Kaiserslautern in der Partie des Gustavus (Riccardo) in Verdis »Maskenball«, anschließend sang er am Opernhaus von Dortmund den Prinzen in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofieff. In der Spielzeit 1991-92 kam er als Ensemblemitglied an das Stadttheater von Hagen (Westfalen), wo er den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, den Cassio in Verdis »Otello« und den Prinzen Sou-Chong im »Land des Lächelns« von Fr. Lehár sang. und gastierte am Theater von Bonn als Florestan im »Fidelio«. Seit 1992 war er dann Ensemblemitglied des letztgenannten Opernhauses. An der Pariser Oper gastierte er 1993 als Pinkerton und 2000 als Pollione in »Norma« von Bellini. 1993 sang er in Catania das Tenor-Solo im Verdi-Requiem und an der Komischen Oper Berlin den Canio im »Bajazzo«, 1994 an der Staatsoper Berlin den Grafen Rudolph in »Silvana« von Weber, an der Wiener Volksoper den Rodolfo in »La Bohème«, am Grand Théâtre Genf die Titelrolle in Mozarts »Idomeneo«, 1995 am Théâtre Châtelet Paris den Florestan, an der Staatsoper Berlin den Cavaradossi in »Tosca«. 1995 debütierte er als Rodolfo in »La Bohème« an der Londoner Covent Garden Oper, an der er danach auch als Radames in »Aida«, als Kalaf in Puccinis »Turandot«, als Lohengrin, als Tannhäuser und als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss gastierte. 1996 sang er an der Berliner Staatsoper den Turiddu in »Cavalleria rusticana«. 1996 debütierte er als Pinkerton an der Mailänder Scala, an der er 2009 das Tenorsolo im Verdi-Requiem und den Radames, 2012 den Kaiser in der »Frau ohne Schatten« und das Tenorsolo in Beethovens 9. Sinfonie sang. An der Wiener Staatsoper debütierte er am 20. Februar 1996 als Cavaradossi und war dem Haus seither eng verbunden: Hier war er in insgesamt 222 Vorstellungen zu erleben: als Lohengrin, als Florestan, als Arrigo in Verdis »I Vespri Siciliani«, als Canio, als Turiddu, als Kaiser und als Jüngling in der »Frau ohne Schatten«, als Kalaf, als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Titelheld in »Andrea Chénier« von Giordano, als Parsifal, als Apollo in »Daphne« von R. Strauss, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als italienscher Sänger im »Rosenkavalier«, als Titelheld in Verdis »Don Carlos«, als Radames, als Titelheld in Verdis »Otello«, als Siegmund in der »Walküre«, als Tannhäuser und als Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. 1997 debütierte er Canio an der Metropolitan Oper New York, an der er bis 2015 in insgesamt 80 Vorstellungen auch den Lohengrin, den Walther von Stolzing, den Florestan, den Kalaf, den Radames, den Don Carlos und den Otello von Verdi, den Siegmund und den Tannhäuser sang. 1997 hörte man ihn an der Berliner Staatsoper als Turiddu, am Théâtre Châtelet Paris als Lohengrin, an der Wiener Volksoper als Pollione, dort 1998 auch als Walther von Stolzing (bei der Hundertjahrfeier der Wiener Volksoper). 1998 sang er in Wien als Solist im Verdi-Requiem, an der Berliner Staatsoper den Turiddu, an der Oper von Chicago den Enzo in Ponchiellis »La Gioconda«. Bei den Salzburger Festspielen gastierte er 1998 als Florestan, 2002 als Kalaf, 2003 als Don Carlos sowie mehrfach in Konzerten (2007 in Beethovens 9. Sinfonie und in Brahms‘ Kantate »Rinaldo«, 2008 in Mahlers »Das Lied von der Erde«,  2011 in Mahlers »Das klagende Lied«). 1999 sang er am Teatro Liceu Barcelona den Kalaf, beim Festival von La Coruna (konzertant) den Florestan. 2000 gastierte er an der Oper von Los Angeles als Radames in »Aida« (mit Deborah Voigt in der Titelpartie), den er 2001 auch an der Berliner Staatsoper sang. 2001 hörte man ihn an der Dresdner Staatsoper als Kaiser in der »Frau ohne Schatten« und als Solisten im Verdi-Requiem. 2009 gastierte er an der San Francisco Opera und an der Bayerischen Staatsoper München als Otello. 2010 sang er im Theater an der Wien den Bacchus. Bei den Bayreuther Festspielen sang er 2010 sowie 2013-15 den Siegmund. An der Bayerischen Staatsoper München hörte man ihn 2011 als Lohengrin, 2012 als Kalaf, 2013-14 als Kaiser in der »Frau ohne Schatten«. Bei den Salzburger Osterfestspielen sang er 2013 den Parsifal. Noch kurz vor seinem Tod sang er 2015 beim Budapester Wagnerfestival den Siegmund und an der Bayerischen Staatsoper München den Kalaf. Aus seinem Bühnenrepertoire ist noch der Theo in der zeitgenössischen Oper »Vincent« von E. Rautavaara zu nennen. Neben Opernauftritten war Johan Botha auch regelmäßig auf den großen Konzertpodien der Welt zu erleben und arbeitete mit allen bedeutenden Dirigenten seiner Zeit zusammen. Am 3. Juni 2003 wurde Johan Botha der Berufstitel „Österreichische Kammersänger“ verliehen, 2016 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt.

Schallplatten: RCA/Ariola (»Das Dschungelbuch« von Ch. Koechlin), Conifer (Puccini-Arien), Teldec (Melot in »Tristan und Isolde«, Ägisth in »Elektra« von R. Strauss), DGG (Stabat mater von A. Dvorák).

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.johan-botha.com/biography.php

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM SEPTEMBER 2016)

 

IN MEMORIAM-Geburtstage IM SEPTEMBER 2016

Berücksichtigt wurden runde und habrunde Geburtstage. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 

1.9. Samuel KRACHMALNICK: 90. Geburtstag

 Biographie des amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Samuel_Krachmalnick

 

1.9. Gustav SCHMIDT: 200. Geburtstag

 

Er war der älteste Sohn eines Weimarer Hofbeamten, seine Großmutter väterlicherseits entstammte der Allstedter Musikerfamilie Martini. Seinen ersten Musikunterricht erhielt Schmidt, der mit Goethes Enkeln befreundet war, in Weimar bei Johann Nepomuk Hummel, Franz Carl Adalbert Eberwein und Johann Christian Lobe, zwischendurch (1833–36) Jura-Studium in Jena, hier auch Unterricht beim Liederkomponisten J. Chr. C Töpfer. 1840-41 lebte Schmidt als Schüler von Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig, ab 1841 war er Theaterkapellmeister in Brünn und fungierte im Jahre 1845 als Musikdirektor am Theater Würzburg. Nachdem er von 1846 an in Hechingen und Leipzig privatisiert hatte, brachte er in Frankfurt am Main seine erste Oper Prinz Eugen, der edle Ritter auf die Bühne, zu der er auch den Text selbst verfasst hatte. Nach einem Engagement in Wiesbaden als erster Kapellmeister und Operndirektor am Hoftheater ging er im Tausch gegen Ludwig (Louis) Alexander Balthasar Schindelmeisser 1851 als Kapellmeister an das Frankfurter Stadttheater, wo seine zweite Oper Die Weiber von Weinsberg zur Aufführung kam. 1864 wurde er Theaterkapellmeister in Leipzig, und in diese Zeit fällt die Entstehung der Opern La Réole und Alibi. Schmidt galt als Förderer Berlioz‘ und Wagners, dessen Tannhäuser und Lohengrin er erstmals in Frankfurt aufführte. 1876 wurde er als Hofkapellmeister nach Darmstadt berufen, wo er bis 1880 tätig war und 1882 verstarb. Verheiratet war Schmidt mit der Schauspielerin Emilie Böttiger. Ein jüngerer Bruder seines Vaters war der Schauspieler und Theaterdirektor Heinrich Schmidt, die älteste Schwester Maria Henrietta Carolina (1775–1837), Witwe von Herders ältestem Sohn, dem Hofmedicus Wilhelm Christian Gottfried Herder (1774–1806), heiratete 1811 den Juristen Christian Gottlob Voigt (1774–1813), Sohn des Christian Gottlieb von Voigt, welcher im Frühjahr 1813 in französische Gefangenschaft geriet, aus der er zwar befreit werden konnte, an deren Folgen er jedoch kurz darauf auf Grund einer fiebrigen Erkrankung verstarb.

 

2.9. Maria CAPUANA: 125. Geburtstag

 Maria_CAPUANA

Sie war die ältere Schwester des Dirigenten Franco Capuana (1894-1969). Sie studierte Gesang und Klavierspiel am Konservatorium San Pietro a Majella in Neapel und debütierte 1916 in Reggio Emilia als Amneris in Verdis »Aida«. 1918 gastierte sie am Teatro San Carlo Neapel als Page Urbain in den »Hugenotten« von Meyerbeer. 1920 hatte sie am Teatro Regio in Turin großen Erfolg als Brangäne in »Tristan und Isolde«. Sie sang die gleiche Rolle bei einer Wiederholung der Turiner Aufführung am Théâtre des Champs Élysées Paris, in Reggio Emilia (1920), in Triest und später auch an der Mailänder Scala. Die Brangäne galt als besonderer Höhepunkt in ihrem Repertoire, wie sie denn überhaupt eine der führenden italienischen Wagner-Interpretinnen innerhalb ihrer künstlerischen Generation war. 1922 kam sie an die Mailänder Scala (Antrittsrolle: Ortrud im »Lohengrin«). 1923 feierte man sie an der Scala als Herodias in »Salome« von R. Strauss, 1925-27 als Fricka in der »Walküre«, als Amneris und als Rubria in Boitos »Nerone«. Am Teatro Carlo Felice in Genua hörte man sie 1924 als Brangäne, 1936 als Ortrud, am Teatro San Carlo Neapel 1927 in »Nerone« von Boito, 1930 in »Conchita« von Zandonai. 1925 trat sie am Teatro Colón von Buenos Aires als Amneris auf, weitere Gastspiele in Barcelona, Lissabon, Kairo, Südafrika, bei den Festspielen von Verona (1923 als Adalgisa in »Norma«, 1926 als Rubria) und an den großen italienischen Bühnen. 1926 wirkte sie in Bergamo in der Uraufführung der Oper »Ivania« von Pizzi mit. Ebenfalls 1926 gastierte sie am Teatro Regio Parma, 1931 und 1934 am Teatro Massimo Palermo. 1931 nahm sie an einer der ersten Italien-Tourneen der Wanderoper Carro di Tespi teil, bei der sie als Amneris auftrat. Sie bereiste auch Chile und gastierte 1935 in Vichy in Frankreich. Dazu war sie als Konzertsängerin hoch angesehen. Sie starb 1955 in Cagliari (Sardinien). – Dunkel timbrierte, ausdrucksstarke Stimme, namentlich im Wagner-Repertoire von Bedeutung.

Akustische Schallplatten der Marke Fonotecnica (um 1924 aufgenommen), elektrische auf Columbia (vollständige Oper »Aida«, 1929).

 

2.9. Gino NERI: 125. Geburtstag

 Seine Stimme wurde während seiner Militärdienstzeit in Mailand durch den Mäzen Luzzatti entdeckt und dort auch ausgebildet. 1921 debütierte er am Teatro Sociale von Crema (bei Mailand) als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. In den folgenden Jahren konnte er eine sehr erfolgreiche Karriere an den führenden Theatern Italiens entwickeln. Er sang in Novi Ligure, Monza, Cremona, Parma, am Teatro Dal Verme Mailand (1922 den Canio im »Bajazzo« und den Turiddu in »Cavalleria rusticana«), am Teatro Carcano Mailand (1922 den Cavaradossi in »Tosca«), am Teatro Verdi Pisa (1922-23, 1926), in Ferrara und Livorno, am Teatro Petruzzelli Bari (1925, 1929), in Piacenza und Bologna, in Vercelli und an vielen weiteren Bühnen. 1925 war er zu Gast am Grand Théâtre Genf (als Pinkerton in »Madame Butterfly« und als Turiddu), 1926-27 sang er am Theater von Lausanne den Pinkerton und den Rodolfo in »La Bohème«. 1928-29 erreichte er einen weiteren Höhepunkt in seiner Karriere, als er am Teatro Municipal von São Paulo in Brasilien in einer Vielzahl von Partien große Erfolge hatte; ähnliche Erfolge stellten sich bei Auftritten am Teatro San Pedro von Porto Alegre ein wie auch bei Konzerten, die er in Süd- und Mittelamerika gab. 1932 sang er am Teatro Fenice Venedig in der Uraufführung der Oper »Le astuzie di Colombina« von G. Zuffellato. 1933 gab er ein längeres Gastspiel in Tokio, bei dem er den Titelhelden im »Faust« von Gounod, den Herzog im »Rigoletto« und den Alfredo in »La Traviata« zum Vortrag brachte. 1944 gab er seine Karriere auf und wohnte seither in Mailand, wo er 1961 starb.

 

3.9. Thurston DART: 95. Geburtstag

Er besuchte die Hampton Grammar School und war Chorist der Royal Chapel in Hampton Court. 1938-39 studierte er Tasteninstrumente am Royal College of Music in London. Während des Zweiten Weltkrieges war er Offizier der Royal Air Force. Danach setzte er sein Studium bei Charles van den Boren in Brüssel fort. 1947-64 war er zunächst Dozent, später Professor für Musik an der University of Cambridge. Danach nahm er eine King-Edward-Professur für Musik am King’s College der University of London an. Seine bekanntesten Schüler waren der Komponist Michael Nyman und der Dirigent Christopher Hogwood. Seit den späten 1940er Jahren trat Dart als Cembalist und Organist auf und spielte auch historische Instrumente der Barockzeit. 1950 spielte er die ersten Aufnahmen mit dem Jacobean Ensemble ein, das sich auf frühe Musik spezialisiert hatte und dem u.a. Neville Marriner angehörte. Später übernahm er die Leitung des Boyd Neel Orchestra, das in Philomusica of London umbenannt wurde. Während der vier Jahre seiner Leitung spielte er mit dem Ensemble u.a. Bachs Brandenburgische Konzerte und Orchestersuiten, seine Doppelkonzerte für Violinen und seine Cembalokonzerte, weiter John Dowlands Lachrymae, Georg Friedrich Händels Wassermusik, Serenaden von Mozart, Concerti grossi von Alessandro Scarlatti, Arcangelo Corelli und Francesco Geminiani sowie verschiedene Werke Johann Christian Bachs auf Schallplatte ein. Daneben gab er 1947-54 das Galpin Society Journal heraus und betreute 1950-65 die Herausgabe der Musica Britannica. Er verfasste Artikel über die Interpretation der Werke von Bach, Händel und Purcell, überwachte die Revision der Ausgaben der Werke von William Byrd und Francois Couperin und gab selbst Werke von Thomas Morley, John Bull und anderen heraus. Als sein musiktheoretisches Hauptwerk erschien 1954 in London The Interpretation of Music. Er starb 1971 in London.

 

3.9. Karl DÜFFKE: 200. Geburtstag

 Er begann seine Bühnenkarriere 1837 als Chorsänger am Stadttheater von Hamburg, wo er bis 1842 blieb und bereits gelegentlich kleine Solopartien übernahm. Seine eigentliche Solistenkarriere begann er 1842 am Stadttheater von Rostock, dem er bis 1845 angehörte. 1845-47 am Theater von Königsberg engagiert, 1847-48 Mitglied des Stadttheaters von Bremen, 1848-50 des Stadttheaters von Danzig und in der folgenden Spielzeit 1850-51 des Stadttheaters von Stettin. Von dort ging er 1851 an das Friedrich Wilhelmstädtische Theater Berlin und wurde dann 1853 als Bass-Buffo an die Berliner Hofoper engagiert. 1855 wechselte er an das Hoftheater von Hannover, als dessen Mitglied er bis zu seiner Pensionierung 1868 aufgetreten ist. Hier sang er Partien für Bass-Buffo aus allen Bereichen der Opernliteratur, hatte aber – einer alten deutschen Theatertradition folgend – auch eine Vielzahl von Aufgaben aus den Bereichen des Schauspiels, der Posse und der Operette in seinem Repertoire. Er gab Gastspiele an den großen deutschen Theatern, auch an der Hofoper in Wien. Man schätzte seinen Gesangsvortrag wie seine Kunst der Darstellung vor allem in Singspielen von Karl Ditters von Dittersdorf (»Doktor und Apotheker«, »Hieronimus Knicker«) und in Partien wie dem Leporello im »Don Giovanni«, dem Papageno in der »Zauberflöte«, dem Baculus im »Wildschütz«, dem van Bett in »Zar und Zimmermann« und dem Kellermeister in »Undine« von Lortzing, dem Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, dem Figaro wie dem Bartolo im »Barbier von Sevilla« und dem Dulcamara in »L‘Elisir d’amore«. Er starb 1880 in Hannover.

 

4.9. Siegfried LANDAU: 95. Geburtstag

 Biographie des deutsch-amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Siegfried_Landau

 

4.9. Ariel RAMÍREZ: 95. Geburtstag

Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für die indianische und kreolische Volksmusik seines Heimatlandes Argentinien. Auf den Rat des Dichters Atahualpa Yupanqui bereiste er 1941 die Provinzen Tucumán, Salta und Jujuy und lernte in Humahuaca den Musiker und Kenner der nationalen Kultur Justiniano Torres Aparicio kennen. Seit 1943 trat er als Pianist mit einem immensen Repertoire auf südamerikanischer Folklore beruhender Stücke auf, von denen er 1946 eine Anzahl auf Schallplatte einspielte. 1950-54 hielt er sich in Europa auf. 1954 ließ er sich in Lima nieder, im folgenden Jahr kehrte er nach Argentinien zurück, wo er die Compañía de Folklore Ariel Ramírez gründete. Mit dem Ensemble unternahm er 1957 eine Reise durch die Sowjetunion, die Tschechoslowakei und Polen. Daneben vervollkommnete er seine Ausbildung durch Kompositionsstudien bei Erwin Leuchter.

1964 entstand sein bekanntestes Werk, die Misa Criolla (Kreolische Messe), das er in den Folgejahren in Lateinamerika und 1967 in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und der Schweiz aufführte. Daneben komponierte er mehrere Kantaten und andere Vokalwerke, häufig auf Texte des Dichters Félix luna. Ramírez war Leiter der Sociedad Argentina de Autores y Compositores und wurde 1988 als erster Lateinamerikaner zum Präsidenten der International Confederation of Authors and Composers Societies (CISAC) gewählt. Er starb 2010 in Monte Grande (Argentinien).

 

4.9. François BAZIN: 200. Geburtstag

Er studierte am Pariser Konservatorium und erhielt den Prix de Rome. Nach seiner Rückkehr aus Italien unterrichtete er am Konservatorium als Gesangslehrer, seit 1849 als Harmonie- und seit 1871 als Kompositionslehrer. Einer seiner Schüler war Charles Lecocq. Neben neun komischen Opern komponierte er ein Oratorium, eine Messe, Chöre und Lieder im romantischen Stil. Er starb 1878 in Paris.

 

5.9. Danilo MERLAK: 95. Geburtstag

Er erhielt seine Ausbildung zum Sänger bei E. de Filippi in Triest und bei E. Belucci in Bologna. 1942 debütierte er am Teatro Verdi Triest als Commendatore im »Don Giovanni«. 1947-48 war er am Theater von Split (Spalato), 1948-52 in Maribor (Marburg a. d. Drau) engagiert. 1952 wurde er an die Slowenische Nationaloper in Ljubljana (Laibach) verpflichtet, deren Mitglied er bis zu seinem Tod 1979 geblieben ist. Hier und bei Gastspielen (u.a. mit dem Ensemble von Ljubljana 1956 beim Holland Festival und an der Grand Opéra Paris) hörte man ihn in Partien wie dem Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, dem Wassermann in »Rusalka« von Dvorák, dem Gremin in Tschaikowskys »Eugen Onegin«, dem Mephisto im »Faust« von Gounod, dem König Philipp in Verdis »Don Carlos« und dem Zaccaria in dessen Oper »Nabucco«. Er gastierte auch an italienischen Theatern, u.a. 1961 in Genua.

Schallplatten: Philips (»L’Amour des trois oranges« von Prokofieff in der Partie des Leander, Aufnahme von 1957).

 

5.9. Hanna ALLIN: 100. Geburtstag

Sie war Schülerin der Pädagogen Kristine Lindemann, Margrete Ernst und Ingeborg Steffensen in Kopenhagen, dann von Maestro Rizzo in Neapel und von Elisabeth Rado in Wien. 1939 debütierte sie in einem Tivoli-Konzert in Kopenhagen. 1940 wurde sie Mitglied der Königlichen Oper von Kopenhagen, an der sie als Marguerite im »Faust« von Gounod debütierte und eine lange, erfolgreiche Karriere hatte. Sie sang hier Partien wie die Mimi in »La Bohème«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Agathe im »Freischütz« von Weber, die Elisabeth im »Tannhäuser«, die Bess in »Porgy and Bess« von Gershwin, die Michal in »Saul og David« von C. Nielsen und weitere Aufgaben aus allen Bereichen der Opernliteratur. Auch als Konzertsopranistin erfolgreich. Sie starb 1962 in Gjentofte.

Aufnahmen auf dänischen Marken, zumeist Überspielungen von Rundfunksendungen.

 

5.9. Jolanda di MARIA-PETRIS: 100. Geburtstag

Jolanda-di-Maria-Petris

Sie erhielt ihre Ausbildung am Konservatorium von Bologna bei Arrigoni. Während der Spielzeit 1935-36 debütierte sie an der Oper von Rom als Margherita in »Mefistofele« von Boito. Sie hatte dann eine erfolgreiche Laufbahn an den großen italienischen Provinzbühnen. 1939 erfolgte in Rom ihr Konzertdebüt in Ravels »Scheherazade«. Der Erfolg war so groß, dass sie sich seitdem ganz auf den Konzertgesang spezialisierte. 1946 bereiste sie die skandinavischen Staaten, 1948 Nordamerika. Gegen Ende ihrer Karriere unternahm sie erfolgreiche Tourneen durch die DDR, wobei auf der Marke Eterna Aufnahmen ihrer Stimme entstanden. Außerdem sind aus dem Jahre 1946 Aufnahmen auf schwedischen HMV-Platten vorhanden. Sie starb im Februar 1987.

 

5.9. Giacomo MEYERBEER: 225. Geburtstag

Er wurde als Jakob Meyer Beer und Sohn des jüdischen Zuckerproduzenten und Bankiers Jacob Herz Beer (1769–1825) und der Amalie („Malka“) Beer, einer Tochter des Liepmann Meyer Wulff, in einem Reisewagen, mit dem seine Mutter von Berlin nach Frankfurt (Oder) unterwegs war, in Tasdorf geboren. Das Geburtshaus stand bis Januar 2013 und wurde dann abgerissen (bewohnt war es bis ca. 1990). Die Gedenktafel, die sich an diesem Haus befand, befindet sich jetzt in der Heimatstube der Gemeinde Rüdersdorf. Seine Brüder waren Wilhelm Beer (ein Geschäftsmann, der als Amateurastronom bekannt wurde) und Michael Beer (der als Schriftsteller bekannt wurde). Der dritte Bruder Heinrich Beer (1794–1842) war wohl das Sorgenkind der Familie und übte nie einen Beruf aus. Jakob wurde frühzeitig unter Leitung von Franz Seraphimus Lauska (1764–1825), zeitweilig auch von Muzio Clementi zum Pianisten ausgebildet und trat als solcher bereits im Alter von neun Jahren an die Öffentlichkeit. Seine späteren Kompositionsstudien leiteten der Kapellmeister B. A. Weber, Carl Friedrich Zelter und ab 1810 der Abbé Vogler in Darmstadt, wo Carl Maria von Weber sein Mitschüler war. Zu jener Zeit komponierte er kirchenmusikalische Werke verschiedener Art sowie eine Kantate: Gott und die Natur. Ab 1810 zog er die Namen Meyer und Beer zu einem Wort zusammen und nannte sich Meyerbeer. Im gleichen Jahr trat er der Gesellschaft der Freunde bei. Während der Studienzeit bei Zelter in Berlin war er auch Mitglied in der Sing-Akademie. Zur dramatischen Komposition übergehend, welcher er fortan seine Kräfte widmete, schrieb er die Oper Jephthas Gelübde, die in München unter mäßigem Beifall zur Aufführung kam. Anfang 1813 ging er nach Wien und widmete sich hier zehn Monate lang musikalischen Studien bei Antonio Salieri. Auch seine zweite Oper Wirt und Gast hatte sowohl in Stuttgart (Dirigent: Conradin Kreutzer) als auch in Wien mit Cathinka Buchwieser (bearbeitet als: Die beiden Kalifen) nur geringen Erfolg. Meyerbeer ging 1814 nach Paris und Ende 1815 auf Anraten Salieris nach Italien, wo er in dem neuen, durch Gioacchino Rossini begründeten Opernstil für die dortige Bühne eine Reihe von Opern schrieb. In Deutschland bekannt wurden Emma di Resburgo, Margherita d’Anjou und Il crociato in Egitto (Der Kreuzritter in Ägypten), ohne jedoch einen durchgreifenden Erfolg zu haben. Die übrigen waren: Romilda e Costanza, La Resmiramide riconosciuta, L’esule di Granada und Almansor. 1824 nach Paris zurückgekehrt, verband er sich mit dem Dramatiker Eugène Scribe, mit dem er zum Hauptvertreter der französischen Großen Oper des 19. Jahrhunderts wurde. Dieser Verbindung verdankte die Oper Robert le Diable (Robert der Teufel) ihre Entstehung, welche – 1831 uraufgeführt – in Frankreich mit einem bis dahin ganz unerhörten Beifall aufgenommen wurde und selbst die beiden gefeierten Meister jener Tage, Rossini und Auber, zeitweilig verdrängte. Das Sujet derselben ist in szenischer Hinsicht wirksam und bei genauer Kenntnis des Bühnenwesens mit außerordentlichem Geschick zusammengestellt. Die Musik steigert den Eindruck der Handlung; sie ist ungewöhnlich prägnant, melodiös ins Gehör fallend, sinnlich ansprechend und energisch erregend, oft charakteristisch und bezeichnend für die Situation, effektreich durch grelle, kontrastierende Instrumentalfarben. 1834 wurde Meyerbeer als auswärtiges Mitglied in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen. Sein nächstes großes Werk war die ebenfalls von Scribe gedichtete, Anfang 1835 vollendete, aber erst am 29. Februar 1836 aufgeführte Oper Les Huguenots (Die Hugenotten), welche an Reichtum der musikalischen Erfindung, dramatischer Wirksamkeit und geschicktem Einsatz aller der französischen großen Oper zu Gebote stehenden Kunstmittel Robert le Diable noch übertrifft und in Paris wie später in ganz Europa großes Aufsehen erregte. 1842 wurde Meyerbeer vom König von Preußen als Nachfolger Gaspare Spontinis zum Generalmusikdirektor der Berliner Oper ernannt, mit der Verpflichtung, vier Monate im Jahr zu dirigieren; doch trug die Stellung in Wahrheit fast den Charakter eines Ehrenamtes. Auf das damit verbundene Gehalt von 4000 Talern verzichtete Meyerbeer zu Gunsten der Kapelle. Meyerbeer erhielt den Orden Pour le Mérite. An Kompositionen folgten jetzt u. a. die Oper Ein Feldlager in Schlesien, zur Einweihung des Berliner Opernhauses geschrieben und 1844 zuerst aufgeführt; ferner die Musik zum Trauerspiel Struensee seines verstorbenen Bruders Michael Beer, sowie seine dritte große Oper Le prophète (Der Prophet), die 1849 in Paris uraufgeführt wurde und ab 1850 auch auf den größeren deutschen Bühnen die Runde machte. In ihr ist bei allem individuellem Reichtum der Charakteristik gegen Robert der Teufel und Die Hugenotten ein Sinken der musikalisch schöpferischen Kraft des Komponisten unverkennbar, während das Aufgebot szenischer Mittel ungewöhnlichster Art überwiegend in den Vordergrund tritt. Die letzten Arbeiten Meyerbeers, der von nun an abwechselnd in Berlin und Paris lebte, waren die Umarbeitung seines Feldlagers zu der für Paris bestimmten komischen Oper L’étoile du nord (Der Nordstern, 1854) und eine zweite, hinsichtlich Stilreinheit wie Erfindung weniger bedeutende komische Oper Dinorah, ou le pardon de Ploermel (Dinorah, 1859 uraufgeführt); ferner Gelegenheitsstücke, zu denen ihm Friedrich Schillers 100ster Geburtstag (Schillermarsch, 1859), die Krönung Wilhelms I. zum König von Preußen (Fackeltänze, 1861) und die Weltausstellung London 1862 (Festouvertüre) Anlässe boten. Während er in Paris die Aufführung seiner bereits 20 Jahre zuvor begonnenen, aber erst 1863/64 vollendeten vierten großen Oper L‘Africaine (Die Afrikanerin) vorbereitete, starb er plötzlich am 2. Mai 1864. Die Leiche wurde testamentarischer Bestimmung gemäß zur Bestattung auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee nach Berlin gebracht; in Paris wurde jedoch eine großartige Totenfeier veranstaltet. Ein Jahr später wurde die letztgenannte Oper in einer bearbeiteten und gekürzten Fassung unter der Leitung von Francois-Joseph Fétis in Paris mit großem Aufwand aufgeführt und fand die glänzendste Aufnahme. Meyerbeer war Mitglied der Freimaurerloge Les Frères Unis Inséparables in Paris. Giacomo Meyerbeer heiratete 1827 seine Cousine Minna Mosson (1804–84). Sie hatten fünf Kinder.

Die Opern Meyerbeers werden auch heute noch vereinzelt aufgeführt, ihre Anziehungskraft hat jedoch stark nachgelassen. Sie werden jedoch von Liebhabern geschätzt, namentlich Die Hugenotten, in denen die außerordentlichen Fähigkeiten des Komponisten, dramatische Wärme, gut geführte, weitausgreifende Melodien, die Kunst, wirksam für die Singstimmen zu schreiben, und farbenprächtige Instrumentalisierung zur Verdeutlichung der darzustellenden Charaktere und Situationen am entschiedensten hervortreten. Dazu kommt noch seine Befähigung, sich den Kunstgeist der Musiknationen Deutschland, Italien und Frankreich anzueignen und zu einem eigenartigen Neuen zu verschmelzen, wie es die französische große Oper verlangt, deren wesentliches Merkmal eben jener Eklektizismus bildet. Gerade in den letzten Jahren wurde wiederholt aufgezeigt, wie eminent die Bedeutung Meyerbeers für die Weiterentwicklung der Großen Oper gewesen ist. Auch durch seine Publikumserfolge und seine romantische Auffassung von der Oper übten seine Werke einen starken Einfluss auf Hector Berlioz und den jungen Richard Wagner aus (deutlich zu erkennen in Rienzi und Tannhäuser). Wagner stufte Meyerbeers Werk später jedoch als nur auf äußerlichen Effekt bedacht („Wirkung ohne Ursache“) geringer ein, obwohl es Meyerbeer war, der Wagner bei der Entstehung des Rienzi unterstützt hatte. Wagners antisemitisches Pamphlet „Das Judenthum in der Musik“ zielte (neben Mendelssohn Bartholdy) auf Meyerbeer. Spott und Kritik erfuhr Meyerbeers musikalischer Stil aber auch von Heinrich Heine, Robert Schumann und Hector Berlioz. Letzterer schrieb über ihn: „Ich kann hier meinem musikalischen Glauben … nicht abschwören, einem Glauben, … dessen Apostel Gluck, Spontini, Mozart, Beethoven, Rossini (in Wilhelm Tell und der Barbier von Sevilla), Weber, Grétry, Méhul und so viele andere große Meister waren. Diese Abirrungen in der theatralischen Musik sind mir immer als die abscheulichsten Ketzereien vorgekommen und flößen mir tiefen Widerwillen ein.“

Meyerbeer hinterließ ein fürstliches Vermögen, welches er, wie schon bei Lebzeiten so auch testamentarisch, zu freigebiger Unterstützung unbemittelter Kunstgenossen verwendete. In seinem Testament setzte Meyerbeer ein Legat von 10.000 Reichstalern aus (Meyerbeer-Stiftung), dessen Zinsen alle zwei Jahre an junge deutsche Komponisten zum Zweck eines Studienaufenthalts von je sechs Monaten in Italien, Paris, Wien, München und Dresden vergeben wurden. Zur Bewerbung um das Stipendium waren nur die Schüler der Königlichen Hochschule für Musik (Abteilung für Komposition), des Stern’schen Konservatoriums, der Kullakschen Akademie in Berlin und die des Kölner Konservatoriums berechtigt. Die Bewerbung erfolgte durch die Komposition einer achtstimmigen doppelchörigen Vokalfuge, einer Ouvertüre für großes Orchester und einer dreistimmigen dramatischen Kantate mit Orchester. Der größte Teil des schriftlichen Nachlasses von Giacomo Meyerbeer befindet sich in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin. Einiges befand sich bis 1987 noch im Staatlichen Institut für Musikforschung. Was bis dahin bereits im Besitz der Staatsbibliothek war, kehrte zum Großteil nicht aus kriegsbedingter Verlagerung zurück. Knapp dreißig Bände davon lagern gegenwärtig in der Biblioteka Jagiellonska in Kraków, der Rest gilt als verschollen bzw. verloren. Die Bibliothèque national de France hält ebenfalls etliche Autographe.

 

5.9. Luigi BASSI: 250. Geburtstag

Luigi_Bassi_als_Don_Giovanni

Er sang bereits 1779 als Knabensopran in Pesaro in der Oper »Il curioso indiscreto« von Anfossi. Er war zunächst Schüler von Pietro Morandi in Senegallia. Er ging dann zur weiteren Ausbildung nach Florenz und studierte dort bei dem Pädagogen Pietro Laschi. Der Impresario Domenico Guardasoni vermittelte 1784 ein Engagement des Künstlers an das Ständetheater (Nostické divadlo) von Prag. Dort hatte er aufsehenerregende Erfolge in den Opern »Il Re Teodoro« und »Il Barbiere di Siviglia« von Paisiello, in Cimarosas »L’Italiana in Londra« sowie in »Una Cosa rara« von Vicente Martín y Soler. 1786 hörte Mozart ihn in der Prager Erstaufführung von »Le nozze di Figaro« in der Partie des Grafen Almaviva. Der Meister war von der Leistung des jungen Sängers so begeistert, dass er die Titelrolle in seinem »Don Giovanni« im Hinblick auf dessen Stimme, einen hell timbrierten, hohen Bariton, schrieb. Am 29.10.1787 sang Luigi Bassi dann den Don Giovanni in der Prager Uraufführung dieser Oper im dortigen Ständetheater; er begeisterte dabei das Publikum auch durch seine mitreißende Darstellungskunst. (Er soll Mozart veranlasst haben, fünfmal das Duettino »Là ci darem la mano« geändert zu haben). 1793 sang er in Leipzig den Papageno in der »Zauberflöte« (in italienischer Sprache!). Bis 1806 wirkte der Künstler in Prag, wo er sehr beliebt war. Er trat später auch in weiteren Mozart-Partien auf, als Guglielmo in »Così fan tutte«, als Masetto im »Don Giovanni« und auch als Papageno in der »Zauberflöte«. Er ging 1806 nach Wien und trat dort in den Dienst des Fürsten Lobkowitz. 1814 kam er nochmals für eine Saison nach Prag, ging dann aber 1815 nach Dresden. Er sang zu Beginn seines Dresdner Engagements in den Opern »Axur« von A. Salieri und »Amor Mariano« von J. Weigl und trat dort auch als Don Giovanni auf, 1816 in der Uraufführung der Oper »Il Barbiere di Siviglia« von Francesco Morlacchi und nochmals als Graf in »Figaros Hochzeit«, 1817 als Guglielmo. Den Don Giovanni sang er gegen Ende seiner Karriere nicht mehr, dafür aber (wenig erfolgreich) den Masetto. Da seine Stimme dann deutlich nachließ, wurde er Regisseur an der Italienischen Oper in Dresden. Hier setzte er sich für den jungen Carl Maria von Weber ein, den er aus seiner Prager Zeit kannte. Er unterstützte Weber vor allen Dingen in seinen Auseinandersetzungen mit dem Dresdner Kapellmeister Francesco Morlacchi. Beethoven, der den berühmten Sänger 1824 und 1825 in Wien traf, erinnert sich in seinen Aufzeichnungen an ihn als »il focoso Italiano«. Luigi Bassi blieb bis zu seinem Tod 1825 der Dresdner Oper verbunden.

Lit: T. Mantovani: Luigi Bassi ed il »Don Giovanni« di Mozart (cale III, 3).

 

6.9. Arthur OLDHAM: 90. Geburtstag

 Biographie des englischen Komponisten und Chorleiters auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Oldham

 

6.9. John Charles THOMAS: 125. Geburtstag

John Charles THOMAS

Sein Vater war ein Methodistengeistlicher. Er bereitete sich auf den Beruf des Arztes am Mount Street College in Baltimore vor und studierte dann Gesang am Peabody Conservatory Boston und bei Adelin Fermin in New York. Zuerst war er seit 1915 als Operettensänger am New Yorker Broadway tätig, wo er namentlich in dem Musical »Apple Blossoms« erfolgreich war und bald einer der beliebtesten Künstler auf diesem Gebiet wurde. Er strebte jedoch eine Laufbahn als Opern- und Konzertsänger an. 1918 Konzert-Debüt in der New Yorker Aeolian Hall. 1922 kam er nach Europa und studierte nochmals in Paris bei dem berühmten Tenor Jean de Reszke. 1924 sang er in Washington den Amonasro in »Aida«. Er wurde nach einem Konzert in Brüssel sogleich an das Théâtre de la Monnaie Brüssel verpflichtet, an dem er 1925-28 mit großen Erfolgen auftrat. Er sang hier zuerst den Hérode in Massenets »Hérodiade«, dann den Amonasro, den Hamlet von A. Thomas, den Escamillo in »Carmen« und den Zurga in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Am 7.5.1926 sang er hier in der Uraufführung der Oper »Les malheurs d’Orphée« von Darius Milhaud. Seine erste Partie an der Covent Garden Oper London war 1928 der Valentin im »Faust« von Gounod, gefolgt vom Amonasro. 1928 kehrte er nach Amerika zurück, gab dort zuerst Konzerte und gastierte an den Opern von Philadelphia, San Francisco (1930 als Valentin, als Tonio im »Bajazzo«, als Jochanaan in »Salome« von R. Strauss und als Wolfram im »Tannhäuser«; 1943 nochmals als Tonio und als Rigoletto) und Chicago, an der er 1930-42 auftrat (Debüt als Tonio). 1934 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Germont-père in »La Traviata«), deren Mitglied er bis 1943 blieb. In dieser Zeit sang er dort in neun Spielzeiten Partien wie den Tonio, den Scarpia in »Tosca«, den Amonasro, den Rigoletto, den Figaro im »Barbier von Sevilla«, den Athanaël in »Thaïs« von Massenet (mit Helen Jepson in der Titelrolle), den Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und den Valentin. Er wurde durch Gastspiele und Konzertreisen international bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab er zahlreiche Konzerte und Liederabende in Nordamerika, England, Deutschland, Frankreich und Italien. 1950 unternahm er eine Tournee durch Australien; zuletzt lebte er als Pädagoge in Los Angeles; er war auch Manager eines Radiosenders in Apple Valley und trat noch gelegentlich in Operetten auf, auch in Filmen. Er starb 1960 in Apple Valley (Kalifornien). – Baritonstimme von üppiger Tonfülle und ergreifender Ausdrucksintensität, zumal im italienischen Repertoire hervorgetreten.

Schallplatten der Marken Vocalion (1917-20, zumeist Ausschnitte aus Musicals), Brunswick und RCA (seit 1934), eine unveröffentlichte Edison-Platte. Sang auf HRE in einer vollständigen Aufnahme des »Faust« von Gounod den Valentin, auf UORG den Figaro im »Barbier von Sevilla« (Metropolitan Oper, 1938).

 

7.9. Peter LAGGER: 90. Geburtstag

Peter LAGGER

Seine Familie stammte väterlicherseits aus Italien, mütterlicherseits aus Russland. Zuerst studierte er am Konservatorium von Zürich, dann in Wien bei Seehofer Klavierspiel. Er ließ schließlich aber seine Stimme in Wien, u.a. bei Hans Duhan, ausbilden. Er wurde auch durch Marko Rothmüller und durch Sylvia Gähwiller ausgebildet. Er begann seine Karriere 1953 in Graz, sang 1955-57 am Opernhaus von Zürich, 1957-59 am Staatstheater Wiesbaden und 1959-63 am Opernhaus von Frankfurt a.M., seitdem bis zu seinem Tod 1979 an der Deutschen Oper Berlin. Hier kam er bald zu einer großen, dann auch internationalen Karriere. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1963-64 den Bartolo in »Le nozze di Figaro«, 1964 auch den Banquo in »Macbeth« von Verdi; am 6.8.1966 wirkte er bei den gleichen Festspielen in der Uraufführung der Oper »Die Bassariden« von H.W. Henze (als Kadmos) mit sowie am 17.8.1974 in der Uraufführung des Magnificat von K. Penderecki. Er trat als Gast an der Staatsoper Wien (1967 als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, 1979 als Sarastro in der »Zauberflöte« und als Kaspar im »Freischütz«), in München, Paris, Lyon, Rio de Janeiro, Warschau, Neapel, Madrid und Genf (1961 als Landgraf im »Tannhäuser«,  1965 und 1971 als Sarastro, 1967 als Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1968 als Hunding in der »Walküre«, 1969 als Hagen in der »Götterdämmerung« und 1972 als Daniel in einer szenischen Aufführung von Händels »Belshazzar«) auf und war seit 1972 durch einen Gastvertrag der Hamburger Staatsoper verbunden. Er gastierte auch in Washington (1974), Parma, Triest und Lissabon. Er trat beim Edinburgh Festival 1972 als Konzertsolist sowie 1973-74 als Commendatore im »Don Giovanni« auf. Er sang auch bei den Festspielen von Glyndebourne (1957 als Herr Frank in Mozarts »Schauspieldirektor«, als Truffaldin in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Gouverneur in Rossinis »Le Comte Ory«), Aix-en-Provence und Luzern. 1967 übernahm er in Berlin erstmalig den Boris Godunow, seither ein besonderer Höhepunkt in seinem umfassenden Repertoire für die Bühne. 1982 wirkte er in Frankfurt a.M. in der Uraufführung der Oper »Alkestiade« von Louise Talma mit. Aus seinem Repertoire seien noch der Daland in »Der fliegende Holländert«, der Crespel in »Hoffmanns Erzählungen« und der Warlaam im »Boris Godunow« genannt. Er nahm am Opernhaus von Zürich in der Spielzeit 1955-56 an der Schweizer Erstaufführung der Oper »Peer Gynt« von W. Egk (als Schnapper) teil. Neben seiner Karriere als Opernbassist entfaltete er eine zweite, ebenso erfolgreiche Karriere im Konzertsaal. Hier trug er in meisterhafter Interpretation Werke von J.S. Bach bis hin zu modernen Komponisten vor. Sein Bruder kam unter dem Namen Alexander Malta (* 1942) ebenfalls zu einer großen Karriere als Bass-Bariton, vor allem an den Opernhäusern von München und Stuttgart.

Schallplatten: Decca, Philips (Russische Volkslieder; englische und deutsche Volkslieder sowie Lieder von Schubert), Columbia (»Der Mond« von Carl Orff), DGG (»Le nozze di Figaro«, »Die Meistersinger von Nürnberg«, Te Deum von A. Bruckner), Eurodisc (»Fidelio«), Philips-RCA (»Utrenja« von Penderecki), HMV-Electrola (»Don Giovanni«), Orfeo (»Macbeth« von Verdi), Westminster (Matthäuspassion), Disco-Jecklin (Requiem von Frank Martin), Myto (Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli), GAM (»Le Prophète« von Meyerbeer); Topaz-Video (»Eugen Onegin«).

 

7.9. Bertha PESTER-PROSKY: 150. Geburtstag

Bertha PESTER-PROSKY

Nach ihrem Studium bei M. Dessoff debütierte sie 1884 am Stadttheater von Würzburg als Soubrette und hatte dann 1886-89 erste Erfolge als Operettensängerin am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin. Sie setzte ihre Ausbildung bei Frau Elisabeth Dreyschock in Berlin fort, die sie zur dramatischen Sopranistin umschulte. Als solche kam sie 1890 an das Stadttheater von Halle (Saale). 1891-95 war sie am Stadttheater von Zürich tätig, 1895 kam sie an das Opernhaus von Köln, wo sie den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte und bis 1902 engagiert blieb. Seitdem gab sie nur noch Gastspiele. 1899 gastierte sie an der Berliner Hofoper als Isolde in »Tristan und Isolde«, wo sie 1907-08 nochmals auftrat, 1901 an der Wiener Hofoper als Aida und als Senta in »Der fliegende Holländer«, weiter an den Hoftheatern von Hannover (1890-1907), Wiesbaden (ständig seit 1890), Karlsruhe (seit 1904), Mannheim (1900-1902) und Stuttgart (1905), in Frankfurt a.M. (1895, 1902), Breslau (1905) und Bremen (1903, 1905). Sie gastierte u.a. 1900 nochmals am Stadttheater von Zürich, 1904-06 am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg. Sie galt als große Wagner-Interpretin in Partien wie der Elisabeth im »Tannhäuser«, der Ortrud im »Lohengrin« und der Brünnhilde. Ihre weiteren großen Rollen waren die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Leonore im »Fidelio«, die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Norma, die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer, die Rachel in »La Juive« von Halévy, die Milada in Smetanas »Dalibor«, die Amelia in Verdis »Maskenball«, die Rezia im »Oberon« von Weber, die Titelrolle in »Jessonda« von Louis Spohr, die Sulamith in Karl Goldmarks »Die Königin von Saba«, die Didon in »Les Troyens« von Berlioz und die Ingwelde in der gleichnamigen Oper von Max von Schillings. Sie setzte ihre Gastspiele bis 1914 fort. Später lebte sie unter sehr dürftigen Verhältnissen als Pädagogin in Köln. Sie starb 1922 in Krefeld. Seit 1894 war sie mit dem Harfenvirtuosen Reinhold Pester (1870-1928) verheiratet, der 1906 Direktor des Stadttheaters von Krefeld wurde.

Von ihrer Stimme existieren vier ebenso seltene wie schöne Schallplattenaufnahmen auf G & T (Köln, 1907).

 

8.9. Hans Ulrich ENGELMANN: 95. Geburtstag

Obwohl Engelmann für die Nationalsozialisten „Halbjude“ war, konnte er in seiner Heimatstadt Darmstadt das Abitur ablegen, wurde dann aber als Arbeiter in einem Darmstädter Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet. Sein Vater, der Ingenieur Rudolf Engelmann, protestantisch getauft und Offizier im Ersten Weltkrieg, kam im April 1945 im Ghetto Theresienstadt zu Tode. Nach Ende des 2. Weltkriegs studierte Hans Ulrich Engelmann zunächst Architektur und erhielt ab 1946 privaten Kompositionsunterricht bei Hermann Heiß. Er besuchte die neu gegründeten Darmstädter Ferienkurse, wo er auf den Archivlisten des Internationalen Musikinstituts Darmstadt als Student Nr. 1 der Ferienkurse 1946 vermerkt ist und ihn in den Folgejahren vor allem die Zwölftonmusik-Kurse von René Leibowitz (1948) und Ernst Krenek (1951) beeinflussten. Ab 1947 studierte er Musikwissenschaft (Friedrich Gennrich, Helmuth Osthoff) und Philosophie (Theodor W. Adorno, Max Horkheimer, Hans-Georg Gadamer) sowie Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Frankfurt und nahm Kompositionsunterricht bei Wolfgang Fortner. 1952 folgte die Promotion über Béla Bartóks Mikrokosmos. Nach Heirat und einjährigem Island-Aufenthalt war Engelmann an mehreren deutschen Theatern als Dramaturg, Schauspielkomponist und Regieassistent tätig. Als Dozent wirkte er bei den Musiktagen in Bilthoven und den Ferienkursen in Darmstadt. Ab 1969 Lehrauftrag für Komposition in Frankfurt, wo er 1969-86 als Ordentlicher Professor unterrichtete. Gastprofessuren in Gent, Offenbach am Main, Tel Aviv-Jaffa und Jerusalem. Kompositionskurse in Moskau und Vilnius (1985) sowie an der Columbia University (1995). Engelmann erhielt Stipendien der Harvard University (1949) und der Villa Massimo Rom (1960, 1967, 1983) und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Seit 1995 war Engelmann Vorsitzender des Werkausschusses der GEMA. 2006 wurde Engelmann (nach Gründler, Resch und Leopolder) als viertem die Ehrensenatorwürde der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main verliehen. Er starb im Januar 2011 in Darmstadt.

 

8.9. Antonín DVOŘÁK: 175. Geburtstag

František Dvořák, der Vater,  (1814–94) betrieb eine Gaststätte und einen Metzgerladen, den er von seinem Vater geerbt hatte. In späteren Jahren gab sein Vater die Metzgerei auf und verdiente seinen Lebensunterhalt als Zitherspieler. Antonín wurde die Musik in die Wiege gelegt, so waren in der Familie des Vaters auch zwei Onkel Berufsmusiker, sie arbeiteten als Trompeter und Violinist. Die Mutter Anna, geb. Zdeňková, war die Tochter des Verwalters von Fürst Lobkowitz. Die beiden hatten am 17. November 1840, ein Jahr vor Antoníns Geburt, geheiratet, und Antonín war das erste von neun Kindern dieser Ehe. Mit sechs Jahren ging er in die Schule von Nelahozeves (Mühlhausen) und bekam dort von seinem Lehrer, Joseph Spitz, zum ersten Mal Geigenunterricht. 1853 siedelte er nach Zlonice (Slonitz) über, um dort Deutsch zu lernen, ohne welches man in Böhmen damals nicht auskam. Beim dortigen Kantor Anton Liehmann lernte er zudem Klavier und Orgel. Während dieser Zeit spielte Dvořák gelegentlich aushilfsweise Orgel, wirkte in der Kapelle seines Lehrers mit und fing an zu komponieren. Obwohl sein Lehrer nach Aussage Dvořáks streng und jähzornig war, schätzte der Schüler ihn sehr. In der Oper Der Jakobiner setzte er ihm ein Denkmal.

Entgegen einer lange verbreiteten und durch einen gefälschten Gesellenbrief gestützten Legende gibt es keine Anzeichen dafür, dass Dvořáks Eltern ihn ins Metzgerhandwerk drängen wollten oder dass er eine Ausbildung in dieser Richtung anfing. Im Herbst 1856 ging Dvořák nach Ceska Kamenice (Böhmisch-Kamnitz), vermutlich um seine Deutschkenntnisse aufzubessern und sich für die deutschsprachige Prager Orgelschule vorzubereiten. Ab Oktober 1857 besuchte er zwei Jahre lang die Orgelschule, daneben die deutsche Fortbildungsschule des Franziskanerklosters zu Maria Schnee, und trat gleichzeitig als Bratschist in das zweimal jährlich auftretende Orchester des Cäcilienvereins unter Leitung von Anton Apt ein. 1859 absolvierte er als Zweitbester die Orgelschule. Da Dvořáks Versuche, eine Stelle als Organist zu erlangen, scheiterten, arbeitete er ab Sommer 1859 als Bratschist im privaten Orchester von Karl Komzák, das in Kaffeehäusern und auf öffentlichen Plätzen Potpourris, Ouvertüren und Tänze spielten. Dieses Leben als Musiker zog sich über elf Jahre hin, ohne dass Dvořák mit eigenen Kompositionen an die Öffentlichkeit ging. Diejenigen, die ihm nicht gefielen, verbrannte er sogar. Nach den überlieferten Werken zu urteilen, scheint er jedoch autodidaktisch seinen Kompositionsstil fast planmäßig weiterentwickelt zu haben, angefangen bei Mozart über Mendelssohn und Schumann bis zu Wagner am Ende der 1870er Jahre. In den musikalischen Formen lag der Schwerpunkt zunächst beim Streichquartett. Ab 1862 spielte Komzáks Kapelle auch im neueröffneten Prager Interimstheater, das 1865 vollständig in dem Opernorchester aufging und in dem Dvořák als Erster Bratschist tätig war. Das Interimstheater war – bis zum Bau des Nationaltheaters – das erste Theater, in dem sich national geprägte tschechische Opern und Schauspiele entwickeln konnten. Eine wichtige Rolle in diesem Umfeld spielte Bedrich Smetana, dessen Opern Die Brandenburger in Böhmen und Die verkaufte Braut 1866 uraufgeführt wurden. Ab 1865 erteilte Dvořák neben seiner Arbeit am Theater Klavierunterricht. Zu seinen Schülerinnen gehörten die Schwestern Josefina und Anna Čermáková. In die sechzehnjährige Josefina verliebte er sich unglücklich, die zu der Zeit elfjährige Anna heiratete er acht Jahre später, am 17. November 1873. 1870 schrieb Dvořák seine erste Oper Alfred auf ein deutschsprachiges Libretto von Theodor Körner, die aber zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurde und wohl eher ein Übungsstück darstellte. Das erste für die Öffentlichkeit bestimmte Werk war die Oper Der König und der Köhler auf ein Libretto in tschechischer Sprache von Bernhard J. Lobeský. Um mehr Zeit für das Komponieren zu haben, gab er im Juli 1871 seine Stelle als Orchestermusiker auf. Gleichzeitig mit der Komposition führte er im Laufe der Jahre 1871-73 Lieder, kammermusikalische Werke und den Hymnus Die Erben des Weißen Berges für Chor und Orchester auf, die gut bis enthusiastisch aufgenommen wurden. Mit dem letztgenannten patriotischen Werk gelang ihm der Durchbruch. Allein mit seiner Oper Der König und der Köhler hatte er weniger Glück. Die 1873 am Interimstheater aufgenommenen Proben wurden bald abgebrochen, weil das Werk als zu schwierig und unsingbar erachtet wurde. Dvořák überdachte daraufhin seinen Kompositionsstil und wandte sich von der Neudeutschen Schule ab. Seine Oper schrieb er neu und führte sie im November 1874 erfolgreich auf. Im selben Jahr begann Dvořák an einer privaten Musikschule zu unterrichten und trat im Februar eine Organistenstelle an, die er bis Februar 1877 behielt. In den Jahren 1874-77 wurde dem Komponisten jährlich ein staatliches Stipendium verliehen. Mitglied der begutachtenden Kommission war Eduard Hanslick, später auch Johannes Brahms. Dieser verhalf Dvořák 1877 schließlich zu seinem endgültigen Durchbruch, indem er sich bei seinem Verleger Fritz Simrock (1838–1901) für die Veröffentlichung der Klänge aus Mähren, einer Sammlung von Duetten, einsetzte. Gleichzeitig war dies der Beginn einer lebenslangen Freundschaft zwischen den beiden Komponisten. 1884 unternahm Dvořák auf Einladung der Philharmonic Society die erste von mehreren Reisen nach London. Dort führte er sein Stabat Mater (1880) auf. Als Auftragswerke für Birmingham bzw. Leeds entstanden in diesem und dem folgenden Jahr die Oratorien Die Geisterbraut nach einer Ballade von Karel Jaromir Erben und Die Heilige Ludmilla, das erste große tschechischsprachige Oratorium. Nach der ersten Londonreise erwarb Dvořák eine Sommerresidenz in Vysoká bei Príbram, wo er fernab der Stadt seiner Liebe zur Natur entsprechend leben konnte. Auch in seiner öffentlichen Tätigkeit lässt sich ab 1887 eine ruhigere Phase ausmachen, in der er weniger Aufträge annahm, ältere Werke überarbeitete und die Oper Die Jakobiner komponierte. Anfang 1889 unternahm Dvořák auf Einladung der kaiserlich-russischen Musikgesellschaft eine Konzertreise nach Moskau und St. Petersburg. Nach einem weiteren Besuch in London kehrte er nach Prag zurück, wo ihm die Ehrendoktorwürde der Karlsuniversität verliehen wurde. Im Oktober 1890 nahm er schließlich eine Stelle als Professor am Prager Konservatorium an, die ihm schon im Januar 1889 angeboten worden war, die er zunächst wegen der anderen Verpflichtungen ausgeschlagen hatte. 1891 wurde ihm vom Kaiser in Wien der Orden der Eisernen Krone der III. Klasse verliehen, er wurde Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Prag und bekam die Ehrendoktorwürden der tschechischen Universität in Prag und der University of Cambridge. Im September 1892 trat Dvořák eine Stelle als Direktor des National Conservatory of Music in New York an. Die Stelle war mit 15.000 Dollar jährlich dotiert und damals ein attraktives finanzielles Angebot für Dvořák, wenn er auch für diesen langen Aufenthalt eine Lösung für seine Familie finden musste. Seine Frau, seine Tochter Otilie und sein Sohn Antonín begleiteten ihn. Die anderen vier Kinder kamen nur für die Sommermonate 1893 in die USA, die die Familie in dem tschechisch geprägten Spillville in Iowa verbrachte.

Initiatorin des Angebots war die Präsidentin Jeannette Thurber, die von der Idee geleitet wurde, Amerika von der Vorherrschaft der europäischen Kunstmusik zu lösen und ein nationales amerikanisches Kunstidiom zu fördern. Dvořák ließ sich von dieser Idee begeistern und studierte Spirituals der schwarzen Plantagenarbeiter und Indianermelodien, in denen er die Grundlage für eine charakteristisch amerikanische Musik sah. Den Wurzeln der amerikanischen Kultur Rechnung tragend, sind die Themen in der Regel aber klassisch-periodisch gebaut und nehmen zuweilen den Volksliedton auf, der für Dvořáks böhmische Heimat so charakteristisch ist. Die so genannten Amerikanismen beschränken sich auf wenige Details. Für New York schrieb Dvořák einige seiner bekanntesten Werke: Die Sinfonie Nr. 9 (Aus der Neuen Welt), das Te Deum und das Streichquartett op. 96, das oft als Amerikanisches Streichquartett bezeichnet wird. Hier zeigte sich der Einfluss des Landes in bestimmten Eigenarten der Komposition wie Pentatonik, einem erniedrigten Leitton, dem Scotch snap und der Synkopierung. Zu Dvořáks Hauptaufgaben am Konservatorium zählte der Kompositionsunterricht, bei dem unter anderem Rubin Goldmark sein Schüler war. Offiziell war Dvořáks Vertrag zunächst für zwei Jahre abgeschlossen, dann um zwei Jahre verlängert worden. Jedoch reiste er schon im April 1895 wieder nach Hause. Ein Grund dafür mag die finanzielle Lage seiner Mäzenin Thurber gewesen sein, die sich durch die Wirtschaftskrise dramatisch verschlechtert hatte, so dass er mehrmals auf sein Gehalt warten musste. Er selbst führte aber im Wesentlichen seine Kinder an, um deren Obhut in Prag er besorgt war und von denen seine Frau nicht getrennt sein wollte. So verbrachte Dvořák zunächst einige ruhige Monate in Vysoká, um im November wieder seine Tätigkeit am Prager Konservatorium aufzunehmen. Er erwog kurze Zeit einen Umzug nach Wien, wo er am Konservatorium eine Stelle hätte bekommen können, entschied sich dann aber dagegen. In dieser Zeit entstanden seine letzten Streichquartette. Die Honorare aus Amerika ermöglichten Dvořák den Erwerb eines Palais an der Kateřinská in der Prager Neustadt, dem er den Namen „Villa Amerika“ gab. Dort befindet sich heute das Dvořák-Museum. Das Jahr 1896 markiert Dvořáks Abkehr von der absoluten Musik. Er hatte zwar schon vorher Werke geschrieben, die man als Programmmusik bezeichnen konnte, so vor allem 1889 die Poetischen Stimmungsbilder für Klavier, die er als „Programmusik, aber im Sinne Schumanns“ bezeichnete, oder das Dumky-Trio (ein Klaviertrio) im selben Jahr. Doch nun wandte er sich direkt der sinfonischen Dichtung zu, eine Gattung, die im Streit um die Neudeutsche Schule um Franz Liszt und Wagner eine wichtige Rolle gespielt hatte. Innerhalb eines Jahres schrieb er den Wassermann, die Mittagshexe, das Goldene Spinnrad und Die Waldtaube, alle nach Balladen aus der Sammlung Kytice des tschechischen Dichters Karel Jaromír Erben. Zusammenfassungen der jeweiligen Handlung gab er den Hörern in Prosaform mit. Dazu kam noch im nächsten Jahr das Heldenlied, dessen Programm er nicht explizit veröffentlichte, das er aber in einem Brief erklärte. Dvořák hatte nun mit seinem Kammermusik- und Orchesterschaffen abgeschlossen. In seinen letzten Jahren komponierte er nur noch Opern: 1898 Die Teufelskäthe (Čert a Káča), 1900 Rusalka, eine Geschichte, die der Kleinen Meerjungfrau ähnelt, und 1902/03 Armida. Während der Uraufführung der Armida musste Dvořák aufgrund plötzlichen Unwohlseins das Theater verlassen. Er litt an einer schmerzhaften Lebererkrankung und Zerebralsklerose trat hinzu. Er starb am 1. Mai 1904 im Kreis seiner Familie an einem Schlaganfall. Viele Tausende begleiteten den Trauerzug. Dvořáks Grab befindet sich auf dem Vysehrader Friedhof, auf dem zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der tschechischen Nation ihre letzte Ruhe fanden.

In seinem Werk verbindet Dvořák Einflüsse von Klassik und Romantik mit Elementen der Volksmusik. Sein persönlicher Stil ist insgesamt viel mehr von Neuorientierungen als durch eine lineare Entwicklung geprägt. Während er sich in seinen frühen Jahren an Mozart und Beethoven orientierte, suchte er erst 1873 seinen eigenen nationalen Stil. Die zwei darauffolgenden slawischen Schaffensperioden (1876–81 und 1886–91) waren nun nicht mehr klassisch, sondern tschechisch-folkloristisch geprägt. In den in Amerika entstandenen Werken versuchte er das typisch amerikanische Kolorit einzufangen und wandte sich gegen Ende seines Lebens schließlich verstärkt der Programmmusik und Opern zu. Zu seinen Hauptwerken gehören seine neun Sinfonien, darunter am bekanntesten die Sinfonie Nr. 9 Aus der Neuen Welt, das Cellokonzert H-Moll op. 104, Oratorien mit großer Suggestivkraft wie das Stabat Mater und das Requiem, zahlreiche Kammermusikwerke, die sechzehn slawischen Tänze und die Oper Rusalka. Bis in die 1970er-Jahre wurden die ersten vier Sinfonien nicht gezählt. Dementsprechend hatte damals beispielsweise die Sinfonie Aus der Neuen Welt die Zählung 5. Sinfonie. Mit Dvořáks vielseitigem Werk fand das tschechische Musikschaffen seine unverwechselbare nationale Identität. Was Bedrich Smetana mit den nationalen Stoffen und folkloristischen Zügen einiger seiner Opern und mit seinem Zyklus Mein Vaterland eingeleitet hatte, führte Dvořák zu einem Höhepunkt. Unbeirrt von ideologischen Strömungen ging er seinen eigenen Weg und ließ es sich nicht nehmen, in gleicher Weise Wagner und Brahms zu bewundern. Heimatliebe, Naturverbundenheit, tiefe Religiosität, aber ebenso berauschende Lebensfreude kommen in Dvořáks Werk zum Ausdruck, der einige Misserfolge durchzustehen hatte, bis durch die Empfehlung von Brahms seine Slawischen Tänze im Druck erschienen und die Musikwelt auf ihn aufmerksam wurde. Nachdem zunächst nur wenige seiner Werke im internationalen Musikbetrieb Fuß gefasst hatten, änderte sich dies unter anderem durch die Gesamteinspielung seiner Sinfonien durch István Kertész.

 

10.9. Christopher HOGWOOD: 75. Geburtstag

Er studierte Musik am Pembroke College in Cambridge. Er war Schüler von Raymond Leppard und Stanley Thurston, Rafael Puyana und Gustav Leonhardt. Nach einem einjährigen Stipendium in Prag wurde er Cembalist des Early Music Consort in London, einem Ensemble, das mit großem Erfolg auch Musik der Renaissance zur Aufführung brachte. 1973 gründete er die Academy of Ancient Music, ein Orchester, das sich besonders um die historische Aufführungspraxis verdient macht. Seit 1981 dirigierte er große Orchester in den USA und leitete dort Opernaufführungen. Im Jahre 1992 wurde er Professor für Alte Musik an der Royal Academy of Music in London. Hogwood schrieb mehrere Bücher, so etwa einen grundlegenden musikalischen Führer über die Triosonate und eine Biographie von Georg Friedrich Händel. Hogwood starb 2014 in Cambridge. Kurz vor seinem Tode trennte er sich von seinem Civil PArtner, dem englischen Filmregisseur Anthony Fabian.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.hogwood.org/

 

10.9. Beatriz AZNAR: 85. Geburtstag

Biographie der mexikanischen Sopranistin auf Spanisch: http://www.poresto.net/ver_nota.php?zona=yucatan&idSeccion=1&idTitulo=202271

 

10.9. Zdzisław NIKODEM: 85. Geburtstag

 Biographie des polnischen Tenors auf Polnisch: https://pl.wikipedia.org/wiki/Zdzis%C5%82aw_Nikodem

 

10.9. Barbara TROXELL: 100. Geburtstag

Barbara TROXELL

 Sie studierte in ihrer amerikanischen Heimat am Curtis Institute of Music bei der berühmten Sopranistin Elisabeth Schumann. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie in Nordamerika wie auch in Europa, namentlich in Westdeutschland, eine erfolgreiche Bühnen- und Konzertlaufbahn. In der Saison 1950-51 war sie an der New Yorker Metropolitan Oper engagiert (Debüt als Ines im »Troubadour«); hier sang sie in insgesamt 17 Vorstellungen außerdem noch eine der adeligen Waisen im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Auf der Bühne war sie als Vertreterin des lyrischen Stimmfachs angesehen; als Konzertsängerin trat sie in einem reichhaltigen Repertoire auf; dazu Tätigkeit im pädagogischen Bereich. Sie starb 1984 in Ithaka (New York).

Schallplattenaufnahmen unter dem Etikett von Allegro Royale.

 

10.9. David KLEIN: 200. Geburtstag

 Er sang nacheinander am Stadttheater von Mainz (1843-47), am Theater von Konstanz (1847-48), am Theater von Linz a.d. Donau (1848-49), am Theater von Ulm (1849-50), dann nach weiterer Ausbildung 1851-52 am Theater von Olmütz (Olomouc), 1852-53 am Hoftheater Mannheim, 1853-59 am Hoftheater von Darmstadt. 1859-60 war er am Hoftheater von Hannover engagiert, seit 1860 bis zu seiner Pensionierung 1881 am Hoftheater von Wiesbaden. Aus seinem Repertoire sind der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Komtur im »Don Giovanni«, der Bassi in Flotows »Alessandro Stradella«, der Minister im »Fidelio«, der Eremit im »Freischütz«, der Kardinal in »La Juive« von Halévy, der Giorgio in Bellinis »I Puritani« und der Oroveso in »Norma« zu nennen. Er starb 1884 in Wiesbaden.

 

11.9. Elisabetta BARBATO: 95. Geburtstag

Elisabetta BARBATO

Gesangstudium 1939-44 am Konservatorium von Bologna bei M. Aguccini und an der Accademia di Santa Cecilia in Rom. Debüt 1944 an der Oper von Rom als Garsenda in »Francesca da Rimini« von Zandonai. 1944-47 setzte sie ihre Ausbildung bei Luigi Ricci in Rom fort. 1945 sang sie bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom die Aida, bei denen sie bis 1948 und dann wieder 1953-54, 1956 und 1958-60, insbesondere als Aida und als Tosca, auftrat. Einen entscheidenden Erfolg hatte sie, als sie 1946 an der Oper von Rom für Maria Caniglia als Aida einsprang. 1944-62 trug sie ihre großen Partien an der Oper von Rom vor. 1946 erfolgte ihr Debüt an der Mailänder Scala als Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano; sie trat dort 1946 und 1948 als Aida und als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1949 als Manon Lescaut von Puccini und wieder als Amelia sowie am 17.3.1952 in der Uraufführung der Oper »Proserpina e lo Straniero« von Juan José Castro als Proserpina auf. Große Erfolge erzielte sie in Südamerika, vor allem an der Oper von Rio de Janeiro (wo sie 1947 und 1949-51 auftrat) und am Teatro Colón Buenos Aires (1950-51). 1949 traten während einer Saison die drei großen Primadonnen Maria Callas, Renata Tebaldi und Elisabetta Barbato in Rio de Janeiro auf, wobei das Publikum die letztgenannte besonders (und mehr als die beiden anderen Sängerinnen) feierte. 1949 kam es zu ihrem US-Debüt, als sie an der Oper von San Francisco die Tosca und anschließend die Aida sang; als Tosca debütierte sie im gleichen Jahr auch an der Metropolitan Oper New York (wo sie in insgesamt vier Vorstellungen auch die Butterfly sang). Seit 1951 war sie immer wieder am Teatro San Carlo Neapel zu hören, wo sie auch 1952 die Titelrolle in der Uraufführung der Oper »Maria Antonietta« von Gargiulo sang und 1953 in der italienischen Erstaufführung von »Der Spieler« von Prokofieff mitwirkte. Am Teatro Comunale Florenz gastierte sie 1948 als Manon Lescaut von Puccini, 1951 als Amelia, 1952 in der Titelrolle von Catalanis »La Wally«. Weitere Gastspiele fanden am Teatro Comunale Bologna (seit 1948), am Teatro San Carlos Lissabon, am Teatro Liceu Barcelona, am Opernhaus von Caracas, am Opernhaus auf Malta (1962 als Maddalena in »Andrea Chénier«), am Teatro Massimo Palermo (1964 als Mme. Lidoine in »Dialogues des Carmélites« von Poulenc) und am Teatro Petruzzelli in Bari (1967 als Madelon in »Andrea Chénier«, wohl der Ausklang ihrer Karriere) statt. 1962 war sie an der Oper von Rom als Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók zusammen mit Nicola Rossi-Lemeni zu hören. Aus ihrem Bühnenrepertoire seien noch die Iris in der Oper gleichen Namens von Mascagni, die Mariella in »Il piccolo Marat« von Mascagni, die Giorgetta in »Il Tabarro« von Puccini, die Minnie in »La Fanciulla del West« vom gleichen Komponisten, die Giulietta in »Giulietta e Romeo« und die Francesca da Rimini in der Oper gleichen Namens von R. Zandonai, die Titelrolle in »Margherita di Cortona« von Licinio Refice und die Jaroslawna in Borodins »Fürst Igor« genannt. Sie starb 2014 in Rom.

Von ihrer musikalisch vortrefflich geführten, ausdrucksreichen Stimme sind nur einige wenige Cetra-Platten vorhanden. Auf ANNA-Records wurden Szenen aus »La forza del destino« mit Benjamino Gigli als Partner herausgebracht.

 

11.9. Leonard HANCOCK (englischer Dirigent): 95. Geburtstag

 

13.9. Werner HOLLWEG: 80. Geburtstag

Werner Hollweg

 Er arbeitete zuerst als Bankangestellter in Hamburg; seine Ausbildung (seit 1958) wurde durch W. Brückner-Rüggeberg gefördert. Er wurde an den Musikhochschulen von Detmold und München sowie in Lugano als Schüler von Fred Husler, Günter Weißenborn und Hubert Giesen ausgebildet. Er debütierte in Bonn in Mozarts »Il Re pastore«, sang 1962 an der Wiener Kammeroper und war dann 1963-67 am Stadttheater von Bonn, 1967-69 am Stadttheater von Gelsenkirchen und 1969-72 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. Beim Maggio Musicale von Florenz gastierte er 1969 als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail« und 1974 als Tamino in der »Zauberflöte«. Er ging Gastspielverpflichtungen mit den Staatsopern von Hamburg und München und mit der Deutschen Oper Berlin ein. Seine internationale Karriere gestaltete sich glanzvoll; so war er zu Gast in Rom, New York und Los Angeles. Von Salzburg aus, wo der Künstler wohnte, unternahm er seine Gastspiel- und Konzertreisen in alle Welt. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1970-75 den Belmonte, 1974 auch den Tamino, 1976-77 und 1979 den Titelhelden in »La clemenza di Tito« von Mozart, 1984 den Idomeneo von Mozart, 1984-86 die Titelfigur in »Jephta« und 1985 den Jonathan in »Saul« in szenischen Aufführungen dieser Oratorien von Händel, 1990 den Gran Sacerdote in Mozarts »Idomeneo« und 1991 den Mr. Hill in der Oper »Mozart in New York« von Helmut Eder. 1983 wirkte er dort in einer konzertanten Aufführung der Oper »Dantons Tod« von G. von Einem als Camille Desmoulins mit sowie 1989 in einer konzertanten Aufführung der Oper »Antigonae« von Carl Orff  als Hämon. Seit 1969 war er immer wieder bei Konzerten im Rahmen der Salzburger Festspiele zu hören (1969 in der Grande Messe des Morts von H. Berlioz, 1969, 1972, 1976 und 1990 in Mozart-Konzerten, 1986 in der 8. Sinfonie von G. Mahler, 1988 in Kirchenkonzerten; 1984 gab er dort sehr erfolgreich einen Liederabend). Am Opernhaus von Zürich hatte er in den Aufführungen unter N. Harnoncourt bedeutende Erfolge. Er gastierte beim Spoleto Festival (1969), am Nationaltheater Prag, am Opernhaus von Bordeaux, an der Staatsoper Stuttgart, in Monte Carlo (1971 als Konzertsolist), an der Budapester Nationaloper und an der Oper von Rio de Janeiro. An der Staatsoper von Wien hörte man ihn 1969-91 in insgesamt 23 Vorstellungen als Tamino, als Belmonte, als Tito in »La clemenza di Tito« sowie in Mozarts »Idomeneo« gleich in drei verschiedenen Partien: als Gran Sacerdote, als Arbace und in der Titelrolle). An der Mailänder Scala debütierte er 1970 in Beethovens C-Dur-Messe und sang dort bis 1980 sehr oft in Konzerten (u.a. 1971 in Mahlers »Das klagende Lied«, 1977 in Beethovens 9. Sinfonie und 1980 in »Judas Makkabaeus« von Händel) sowie 1976 die Titelpartie in »La clemenza di Tito« von Mozart (anlässlich eines Gastspiels der Londoner Covent Garden Opera) und 1978 die Titelpartie in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« (anlässlich eines Gastspiels des Opernhauses Zürich). Beim Edinburgh Festival gastierte er 1971 als Belmonte (anlässlich eines Gastspiels der Deutschen Oper Berlin), 1978 in der Titelpartie in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria« (anlässlich eines Gastspiels des Opernhauses Zürich), 1981 in der Titelpartie in Mozarts »La clemenza di Tito« (anlässlich eines Gastspiels der Kölner Oper) und 1987 in der »Schöpfung« von J. Haydn. An der Covent Garden Oper London sang er 1976 den Tito. Am Teatro Margherita Genua sang er 1978 in Bellinis Oper »Bianca e Fernando«, am Teatro San Carlo Neapel wie am Teatro Colón Buenos Aires 1980 wieder den Tito, am Teatro Fenice Venedig 1981 den Idomeneo. In Helsinki wie am Opernhaus Zürich trat er 1983 erneut als Tito auf. An der Grand Opéra Paris gastierte er 1986 als Jason in Cherubinis »Medée« mit Shirley Verrett in der Titelpartie und am 20.5.1989 in der Uraufführung der Oper »Der Meister und Margarita« von York Höller (als Matthieu Levi). 1988 gastierte er am Teatro Liceu Barcelona als Titelheld in »La clemenza di Tito« von Mozart. 1993 wirkte er am Opernhaus von Wuppertal in der deutschen Erstaufführung von Alfred Schnittkes »Leben mit einem Idioten« (als Wowa), 1996 am Stadttheater von Bern in der Uraufführung von »Der Sturm« von Daniel Schnyder (als Prospero). 1998 übernahm er am Theater von St. Gallen in der Uraufführung der Oper »Stichtag« von Daniel Fueter die Partie des Damunt; im gleichen Jahr sang er in Montpellier den Podestà in »La finta giardiniera« von Mozart. Er galt als einer der großen Mozartsänger seiner Epoche und gestaltete Partien wie den Don Ottavio im »Don Giovanni« oder den Ferrando in »Così fan tutte« in vorbildlicher Weise. Weitere Opernpartien: der Sesto in »Giulio Cesare« von Händel, die Titelfigur in Händels »Serse«, der Paolino in »Il matrimonio segreto« von Cimarosa, der Pylades in »Iphigenie auf Tauris« von Gluck, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Ernesto im »Don Pasquale«, der Zephoris in »Si j‘ étais Roi« von A. Adam, der Faust in »La damnation de Faust« von H. Berlioz, der Lenski im »Eugen Onegin«, der Flamand im »Capriccio« von R. Strauss, der Max im »Freischütz«, der Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg« und der Hüon im »Oberon« von Weber. Zugleich war er ein bedeutender Konzertsänger. 1970 sang er bei der Weltausstellung von Osaka das Tenorsolo in der 9. Sinfonie von Beethoven unter Herbert von Karajan, 1989 bei den Londoner Promenade Concerts als Solist im »Psalmus Hungaricus« von Z. Kodaly. Er trat auch als Schauspieler auf. Er arbeitete auch als Opernregisseur und inszenierte u.a. am Landestheater von Linz/Donau 1986 Mozarts »Idomeneo«. 1995 wurde er zum Professor an der Musikhochschule von Freiburg i. Br. ernannt. Er starb 2007 in Freiburg i. Br.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen: Decca (kleine Rolle im »Tannhäuser«, »Jephtha« von Händel, »Capriccio« von R. Strauss), HMV (»Die Jahreszeiten« von Haydn, Basilio in »Le nozze di Figaro«, Operettenmelodien), Philips (»Das klagende Lied« von Gustav Mahler, »La finta giardiniera« und »Zaide« von Mozart), DGG-Polydor (»Die lustige Witwe«, 2. Sinfonie »Lobgesang« von Mendelssohn, »Mitridate, Rè di Ponto« von Mozart), Telefunken (»Idomeneo« von Mozart, »Il Combattimento di Tancredi e Clorinda« von Monteverdi, Balladen von Schubert, Schumann und Loewe, »Die Fledermaus«), Orfeo (»Zaide« von Mozart, »Lazarus« von Schubert, »Dantons Tod« von G. v. Einem), Metronom-CBS (»Christus« von Liszt), RCA (»Die drei Pintos« von Weber-Mahler), MRF (»La Cecchina« von Piccinni), Obligat (»Die Jahreszeiten«), Capriccio (Krönungsmesse von Mozart), Voce (»Alessandro Stradella« von Flotow), Edition Schwann (»Der Corregidor« von Hugo Wolf), Intercord (Lieder, von Hubert Giesen am Klavier begleitet), Amadeo (»Frühling in Wien«).

 

14.9. Ada NORDENOVÁ: 125. Geburtstag

 Eigentlicher Name Ada Nováková; ihr Vater war Postangestellter; der bekannte tschechische Komponist Joseph Bohuslav Foerster (1859-1951) war ihr Onkel. Ihre Tante, dessen Gattin, die bekannte Sängerin Bertha Foerster-Lauterer (1859-1936), erteilte ihr ersten Gesangunterricht. Sie verbrachte ihre Kindheit und ihre Schulzeit in Plzen (Pilsen) und wurde durch die Pädagogin Klara Kaspar dort weiter ausgebildet. 1913 debütierte sie an der Oper von Plzen, doch konnte sich ihre Karriere in den Jahren des Ersten Weltkrieges nicht entwickeln. Sie war nach 1918 zuerst als Bankangestellte tätig, betrieb aber zugleich die weitere Ausbildung ihrer Stimme. Nach weiterem Studium bei K. Wallerstein in Prag kam sie 1920 an das Opernhaus von Ostrava (Mährisch Ostrau), 1922-24 sang sie wieder in Plzen und folgte dann 1924 einem Ruf an das Nationaltheater Prag. Sie gehörte bis 1942 zu den bekanntesten Mitgliedern dieses bedeutendsten Opernhauses der Tschechoslowakei. Hier wirkte sie am 27.4.1927 in der Uraufführung der Oper »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von Weinberger mit. Sie gastierte an den Opernhäusern von Stockholm (1928) und Bukarest (1929). Zu ihren großen Kreationen zählten die Marie in »Die verkaufte Braut« von Smetana und die Titelrolle in der tschechischen Nationaloper »Libussa«, ebenfalls von Smetana, doch meisterte sie ein umfangreiches Repertoire mit Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur: Donna Elvira im »Don Giovanni«, Elisabeth im »Tannhäuser«, Senta in »Der fliegende Holländer«, Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Marschallin im »Rosenkavalier«, Desdemona in Verdis »Otello«, Jitka in »Dalibor« von Smetana, Jenufa von Janácek, Tatjana im »Eugen Onegin«, Jaroslawna in »Fürst Igor« von Borodin, Rusalka in der gleichnamigen Oper von Dvorák. 1942 verabschiedete sie sich am Nationaltheater Prag als Vendulka in Smetanas »Hubicka« (»Der Kuss«) von der Bühne. 1953-61 wirkte sie als Professorin am Staatlichen Konservatorium in Prag. Sie starb 1973 in Prag. Sie war verheiratet mit dem Schauspieler Josef Jenicek.

Schallplattenaufnahmen auf HMV, darunter als Marie in der ersten vollständigen Aufnahme von Smetanas »Die verkaufte Braut« von 1933; auch Schallplattenaufnahmen auf Ultraphon.

 

15.9. Jan Frank FISCHER: 95. Geburtstag

Biographie des tschechischen Opernkomponisten auf Tschechisch: https://cs.wikipedia.org/wiki/Jan_Frank_Fischer

 

15.9. Nikolai Iwanowitsch WASSILJEW: 125. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Leningrad, wo er in der Hauptsache Schüler der Pädagogin S. Andrejewa war. 1922 begann er seine Karriere am Narodny-Theater Leningrad und sang dann in der Spielzeit 1923-24 am Theater von Swerdlowsk. 1924 wurde er als erster Tenor an das Lettische Nationaltheater in Riga berufen, an dem er zunächst bis 1941 wirkte und in Partien wie dem Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, dem Don José in »Carmen«, dem Canio im »Bajazzo« und in weiteren Rollen, vornehmlich aus dem dramatischen Fachbereich, zu großen Erfolgen kam. Seit 1940 übernahm er auch die Inszenierung von Opernwerken, flüchtete aber bei der Besetzung der Baltischen Staaten durch die deutschen Truppen 1941 in das Innere der Sowjetunion. Hier gab er bis 1945 Gastspiele und Konzerte, kam aber 1945 wieder nach Riga zurück. Jetzt betätigte er sich an der dortigen Oper als Regisseur für Opern- und Ballettaufführungen. Seit 1950 nahm er dazu eine Professur am Konservatorium von Riga wahr.

 

16.9. Fritz GEISSLER: 95. Geburtstag

Er stammte aus bescheidenen Verhältnissen, der Vater war Maurer. Er erhielt früh Geigenunterricht und trat nach abgebrochener Lehre als Musiker in Leipziger Kaffeehäusern auf. Im Jahr 1940 wurde er zum Kriegsdienst in der Wehrmacht eingezogen. Er war bei einem Luftwaffen-Musikkorps auf Guernsey stationiert. 1945 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft, wo er sich als Geiger hervortat. 1948 wurde er entlassen und studierte bis 1950 Komposition und Viola bei Max Dehnert, Arnold Matz und Wilhelm Weismann an der Leipziger Musikhochschule. Nach einer Tätigkeit als Bratscher am Landessinfonieorchester Gotha studierte er erneut Komposition bei Boris Blacher, Konrad Friedrich Noetel und Hermann Wunsch an der Hochschule für Musik Berlin-Charlottenburg.

1954-78 war Geißler Dozent an der Universität Leipzig und später Professor für Komposition an den Musikhochschulen Leipzig und Dresden. Zu seinen Schülern gehören Peter Herrmann, Wilfried Krätzschmar, Reinhard Pfundt, Johannes Reiche, Friedrich Schenker, Karl Ottomar Treibmann, Lothar Voigtländer und Günther Witschurke. Fritz Geißler war 1956-68 Vorsitzender des Komponistenverbandes in Leipzig und 1972-84 Vizepräsident des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR sowie Mitglied der Akademie der Künste der DDR. Er starb 1984 in Bad Saarow.

 

16.9. Czesław MAREK: 125. Geburtstag

Während seiner Musikstudien war er Schüler von Hermann Graedener, Teodor Leszetycki und Karl Weigl in Wien und von Hans Pfitzner in Straßburg. 1916-19 unterrichtete er am Berrs-Konservatorium in Zürich. 1929-30 leitete er das Konservatorium in Posen, danach lebte er erneut in der Schweiz. Er verstarb 1985 in Zürich.

Marek komponierte eine Sinfonie (3. Preis beim Internationalen Schubert-Wettbewerb 1928) und eine Sinfonietta, eine Orchestersuite, Capriccio und Meditationen für Orchester, kammermusikalische Werke, Chormusik und Lieder. Zwischen 1940 und 1972 veröffentlichte er seine Schule des Klavierspiels.

 

16.9. Max SCHLOSS: 200. Geburtstag

Er begann seine Bühnentätigkeit in den Jahren 1839-41 mit einem Engagement am Stadttheater von Bremen. Er war dann 1841-45 am Hoftheater von Detmold, in der Spielzeit 1845-46 an der Hofoper von Dresden engagiert, wo er 1845 in der Uraufführung von Richard Wagners »Tannhäuser« den Walther von der Vogelweide sang. 1846-48 sang er am Opernhaus von Breslau und wirkte dann zehn Jahre hindurch am Hoftheater von Kassel, wo er auch damit begann, Regie zu führen. 1858 wurde er wieder an die Dresdner Hofoper berufen, an der er jetzt bis 1865 als Sänger wie als Regisseur wirkte. Er wurde 1875 als Oberregisseur an das Stadttheater von Hamburg verpflichtet, starb aber noch vor dem eigentlichen Antritt seines Amtes 1875 in Wehlen (Sächsische Schweiz). Vor allem in den vierziger Jahren war er gastweise an den führenden deutschen Operntheatern aufgetreten und trug dabei besonders Partien aus dem lyrischen Stimmfach vor: den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla« (seine große Glanzrolle), den Tamino in der »Zauberflöte« den Alessandro Stradella in der gleichnamigen Oper von Flotow, den Hüon im »Oberon« von Weber, den George Brown in »La Dame blanche« von Boieldieu, den Chapelou im »Postillon von Lonjumeau« von A. Adam und den Fra Diavolo von Auber, doch übernahm er auch schwerere Rollen wie den Pollione in »Norma«, den Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und den Eleazar in »La Juive« von Halévy.

 

16.9. Angelo AMOREVOLI: 300. Geburtstag

Angelo AMOREVOLI in  Antigono von Hasse

 Seine ersten Opernauftritte erfolgten 1730 (im Alter von 14 Jahren!) in Venedig in »Dalisa« von J.A.Hasse und im gleichen Jahr in Rom in »Mitridate« und in »Siface« von Porpora. 1731-35 trat er in Florenz, 1736-40 in Neapel auf, hier u.a. am 4.11.1737 in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Teatro San Carlo in der Oper »Achille in Sciro« von Domenico Sarro und am 19.12.1737 in der zweiten dort aufgeführten Oper »L‘Olimpiade« von Leonardo Leo (den Clistene). Er wurde durch Horace Mann, der ihn 1741 in Florenz gehört hatte, nach London empfohlen. Er trat dort 1741-43 am King’s Theatre in zehn verschiedenen Opern, u.a. sehr erfolgreich in den Pasticcio »Alexander in Persia«, auf. 1744-45 war er in Mailand zu hören; dann ging er nach Dresden, wo er als gefeierter Tenor an der Dresdner Hofoper in Erscheinung trat. Hier wurde er namentlich in den Opernwerken von Johann Adolf Hasse, damals Direktor der Dresdner Hofoper, herausgestellt. Auf Grund seiner Verbindungen zu dem berühmten Librettisten und Hofdichter Pietro Metastasio kam er auch in Wien zu großen Erfolgen. So sang er dort am 14.5.1748 in der Uraufführung der Oper »Semiramide riconosciuta« von Christoph Willibald von Gluck. 1748-49 und 1760-61 trat er nochmals in Mailand auf. 1764 schied er aus dem Ensemble der Dresdner Oper aus, verblieb aber im Dienst des sächsischen Hofes als Kirchen- und Kammersänger. Er starb 1798 in Dresden. Der Familienname des Künstlers kommt auch in der Schreibweise Amerevoli vor. Burney schreibt über ihn, dass er bessere Tenöre gehört, aber dabei nie auf der Bühne mehr Geschmack und Erfahrung angetroffen habe.

 

18.9. József SIMÁNDY: 100. Geburtstag

Jozsef SIMANDY

 

 Er konnte erst nach großen Schwierigkeiten am Konservatorium von Budapest studieren. Er war Schüler der Pädagogin Emilia Posszert. 1940 trat er in den Chor der Nationaloper Budapest ein. Sein Debüt als Solist gab er 1946 an der Oper von Szeged als Don José in »Carmen«. 1947 wurde er an die Nationaloper Budapest berufen, an der er als erster Tenor für viele Jahre bis 1982 blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er bei Gastspielen bedeutende Erfolge; so sang er 1956 an der Wiener Staatsoper den Don José in zwei Vorstellungen. Seit 1956 war er durch einen Gastspielvertrag der Staatsoper von München verbunden. Er sang sowohl Partien aus der italienischen wie aus der französischen Opernliteratur, aber auch Wagner-Heroen, dazu natürlich das ungarische Repertoire. Höhepunkte in seinem Repertoire für die Bühne waren u.a. der Lohengrin, der Radames in »Aida«, der Otello von Verdi sowie die Titelrollen in »Bánk Bán« und »Hunyadi Lászlo« von F. Erkel. 1984 sang er bei der Hundertjahrfeier der Nationaloper Budapest nochmals eine Szene des Bánk Bán. 1978-86 bekleidete er eine Professur an der Staatlichen Musikhochschule von Budapest. Er gab 1983 in Budapest eine Selbstbiographie heraus. Er starb 1997 in Budapest..

Lit: L. Dalos: Bánk bán elmodja (Budapest, 1983).

Schallplatten: DGG (Krönungsmesse von Liszt), Qualiton-Hungaroton (»Hunyadi Laszlo« und »Bánk Bán« von Erkel, »Bajazzo«, »Cavalleria rusticana«, Psalmus Hungaricus von Kodály), weitere Aufnahmen auf Hungaroton (Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Titelheld in »Lohengrin«).

 

18.9. Anna SCHIMON-REGAN: 175. Geburtstag

 Die berühmte Altistin Caroline Sabatier-Unger (1803-77), eine der großen Primadonnen ihrer Epoche, war ihre Tante. Sie wurde im Hause des Arztes Dr. Unger in Karlsbad erzogen. 1859 ging sie zur Ausbildung ihrer Stimme nach Dresden und wurde Schülerin von Maschinka Schubert-Schneider. Im folgenden Jahr 1860 begleitete sie ihre Tante Caroline Sabatier-Unger nach Florenz und vervollständigte ihre Ausbildung unter deren Anleitung bis 1864. Nachdem 1864 ein erster Bühnenauftritt in Siena sehr erfolgreich verlaufen war, nahm sie ein Engagement am Hoftheater von Hannover an, dem sie 1864-67 angehörte. Auf Einladung der russischen Großherzogin Helena ging sie 1869 nach St. Petersburg. Hier trat sie als Konzertsängerin auf und war die Solistin in drei von den sieben Konzerten, die Hector Berlioz in der russischen Residenzstadt dirigierte. 1869 besuchte sie London zusammen mit ihrer Tante und Lehrerin Caroline Sabatier-Unger und sang u.a. in Konzerten im Crystal Palace und in den Philharmonic Concerts. Bis 1875 war sie dann in England immer wieder zu hören, wobei sie sich besonders als Interpretin der Lieder von Schubert auszeichnete. 1870 und 1871 hatte sie in Wien ganz ungewöhnliche Erfolge. 1872 heiratete sie in Florenz den österreichischen Komponisten Adolf Schimon (1820-87). 1872 und 1873 unternahm sie zwei glanzvolle Konzerttourneen zusammen mit der berühmten Zélia Trebelli und anderen Künstlern. Danach hörte man sie nur noch bei einigen Leipziger Gewandhauskonzerten. Nach dem Tod ihres Gatten nahm sie einen Lehrauftrag an der Königlichen Musikakademie in München an und wurde eine hoch geschätzte Pädagogin. Sie starb 1902 in München.

 

20.9. Gustave DORET: 150. Geburtstag

Er studierte an der Musikhochschule Berlin bei Joseph Joachim, danach am Conservatoire de Paris bei Théodore Dubois und Jules Massenet. 1893-95 war er zweiter Dirigent der Concerts d’Harcourt, 1904 dirigierte er das Orchester der Opéra-Comique in Paris. Er schrieb in den Jahren 1905 und 1927 die Musik zum Fête des Vignerons. Seine Oper Les Armaillis (1900) und das Oratorium Les sept paroles du Christ (1895) sind in einem Stil gehalten, der noch nahe bei Massenet liegt. Sein Name ist eng mit dem Théâtre du Jorat in Mézières VD verbunden, für welches er zu zahlreichen Stücken die Bühnenmusik schrieb: Aliénor (1910), La Nuit des Quatre Temps (1910), Tell (1914), La Servante d’Evolène (1937). Der 1990 entstandene Werkskatalog der Bibliothèque Cantonale et Universitaire de Lausanne führt beinahe 400 Kompositionen auf. Er starb 1943 in Lausanne.

 

22.9. Colin GRAHAM: 85. Geburtstag

Er besuchte die Stowe School und die Royal Academy of Dramatic Art. Schon in den fünfziger Jahren begann er eine intensive Zusammenarbeit mit dem Komponisten Benjamin Britten, dessen Opern er größtenteils zur Uraufführung brachte. Sein Interesse für das japanische Theater führte ihn später nach Tokio zu dem Komponisten Minoru Miki, für den er drei Opern inszenierte. Er arbeitete außerdem für das Royal Opera House und die English National Opera in London sowie für das Glyndebourne Festival in Sussex, bevor er 1978 nach St. Louis zog, wo er 2007 starb. Er inszenierte die Weltpremieren von John Coriglianos Oper The Ghosts of Versailles für die Metropolitan Opera, André Previns A Streetcar Named Desire für die San Francisco Opera und Bright Shengs The Song of Majnun für die Lyric Opera of Chicago. Zusätzlich leitete er Produktionen für die Santa Fé Opera, unter anderem Shengs Madame Mao im Jahre 2003. Er führte dort seine Zusammenarbeit mit dem Generaldirektor Richard Gaddes fort, die er in St. Louis begonnen hatte. Von 1985 bis zu seinem Tod war Graham Artistic Director des Opera Theatre of Saint Louis. Nach Angaben der Zeitung St. Louis Post-Dispatch erlag er am 6. April 2007 einem Herzversagen. Einen Tag vor seinem Tod arbeitete er noch an der kurz bevorstehenden Erstaufführung von David Carlsons Oper Anna Karenina, für die er auch das Libretto geschrieben hatte.

 

22.9. Edmund NICK: 125. Geburtstag

Der Kaufmannssohn studierte 1910-15 in Wien und Graz Jura, absolvierte gleichzeitig eine musikalische Ausbildung an der Wiener Musikakademie und am Dresdner Konservatorium und wurde 1918 an der Universität Graz zum Dr. jur. promoviert. Nick war seit 1920 mit der Konzertsängerin Käte Jaenicke (1889–1967), Tochter von Karl Jaenicke, verheiratet; sie hatten die 1926 geborene Tochter Dagmar Nick. Käte Nick-Jaenicke galt in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“ und alle drei waren Repressalien ausgesetzt. 1921 wurde Nick Kapellmeister der Schauspielbühnen in Breslau, 1924 gemeinsam mit Fritz Ernst Bettauer künstlerischer Leiter der Schlesischen Funkstunde. 1928 holte er den noch jungen Dirigenten Franz Marszalek an diesen Sender. 1929 entstand in Zusammenarbeit mit Erich Kästner das Funkspiel „Leben in dieser Zeit“. 1933 wurde er im Zuge der Gleichschaltung beim Sender entlassen. Er übersiedelte nach Berlin, wo er bis 1935 als musikalischer Leiter des Kabaretts Die Katakombe arbeitete und 1936-40 musikalischer Leiter am Theater des Volkes in Berlin-Mitte war. Nick erhielt Aufträge zur Komposition der Musik einer Vielzahl von Ufa-Filmen, zuletzt 1944 für Eine Frau für drei Tage. Im Dezember 1943 wurde er ausgebombt, wich mit der Familie nach Böhmen aus und musste von dort im Februar 1945 nach Bayern flüchten. Ab Herbst 1945 übernahm Nick zusammen mit Kästner, dem früheren Mitarbeiter in Breslau und Berlin, und Rudolf Schündler den Aufbau und die Leitung des Kabaretts Die Schaubude in München. 1947 wurde Nick Chefdirigent der Bayerischen Staatsoperette, dem heutigen Staatstheater am Gärtnerplatz, in München. 1949-52 hatte er eine Professur an der Münchner Musikhochschule inne. Er war 1952-56 Leiter der Musikabteilung beim Westdeutschen Rundfunk in Köln, wo er die Cappella Coloniensis gründete, ein Ensemble für historisch informierte Aufführungspraxis. 1957-60 war er Musikkritiker der „Welt“, ab 1962 der „Süddeutschen Zeitung“. Nick komponierte das musikalische Lustspiel Das kleine Hofkonzert (1935), Operetten (unter anderem Über alles siegt die Liebe, 1940, und Das Halsband der Königin, Uraufführung 1. Dezember 1948) sowie Unterhaltungs-, Bühnen- und Filmmusik. Er schrieb Paul Lincke (1953) und Vom Wiener Walzer zur Wiener Operette (1954). Am Ende der Zusammenarbeit mit Kästner komponierte er 1969 die Musik zu dem 1955 entstandenen Gedichtzyklus „Die 13 Monate“. Edmund Nick starb 1974 in Geretsried. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Münchner Westfriedhof.

 

23.9. Elisabeth SCHWARZENBERG: 90. Geburtstag

Elisabeth Sschwarzenberg

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien. Die Künstlerin fand ihr erstes Bühnenengagement 1956 an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, wo sie als Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg« debütierte. Hier hatte sie sogleich große Erfolge zu verzeichnen, die zu Gastspielen an den führenden in- und ausländischen Opernhäusern Anlass gaben. So gastierte sie an der Münchener Staatsoper, an der Grand Opéra Paris, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, an der Niederländischen Oper in Amsterdam, in Nizza, Turin, Dublin, Zürich und Genf (1963 Marzelline im »Fidelio«). Sie blieb bis 1966 an der Deutschen Oper am Rhein tätig und war dann seit 1966 für mehr als zwanzig Jahre an der Wiener Volksoper engagiert. Bei den Festspielen von Salzburg sang sie am 16.8.1961 in der Uraufführung der Oper »Das Bergwerk zu Falun« von Rudolf Wagner-Régeny die Anna. Bereits 1958 wirkte sie in Düsseldorf in der Uraufführung einer Neufassung der Oper »Karl V.« von E. Krenek und am 3.6.1957 ebenfalls in Düsseldorf in der Uraufführung der Oper »Die Räuber« von G. Klebe mit. Auch bei den Festspielen von Bayreuth trat sie in Erscheinung; dort sang sie die Wellgunde (1962-64, 1968-69), die Ortlinde (1962-64) und die Gerhilde (1968-73) im Nibelungenring, den 1. Knappen (1968-73) und ein Blumenmädchen (1969, 1972-73) im »Parsifal«. In den Jahren 1968-72 gastierte sie auch an der Wiener Staatsoper (als 3. Norn, als Freia, als Gutrune, als Gerhilde und als Wellgunde im Nibelungenring sowie als 1. Dame in der »Zauberflöte«). 1967 gastierte sie am Teatro San Carlos von Lissabon; als ihre Glanzrolle galt allgemein die Marschallin im »Rosenkavalier« von R. Strauss. Auch als Mozart-Interpretin genoss sie hohes Ansehen. Sie starb 2004 in Wien. Sie war verheiratet mit dem Opernsänger Georg Schnapka (1932-2005), der ebenfalls lange Zeit an der Wiener Volksoper tätig war.

Schallplatten: Eurodisc (Donna Elvira in Querschnitt durch »Don Giovanni« in deutscher Sprache), DGG (kleine Partie im »Parsifal«), Melodram (Marzelline im »Fidelio«, Genf 1963).

 

24.9. Norman GIFFIN: 95. Geburtstag

 Der amerikanische Tenor sang in Europa hauptsächlich im Wagner-Fach, darunter den Tannhäuser und den Lohengrin. An der Metropolitan Opera debütierte er 1965 in A. Bergs »Wozzeck«. Bis 1971 sang er hier in insgesamt 19 Vorstellungen auch den Boten im »Troubadour«; am 16.9.1966 wirkte er bei der Eröffnung des neuen Hauses der Metropolitan Opera im Lincoln Center in der Uraufführung der Oper »Antony and Cleopatra« von Samuel Barber in der Partie des Demetrius mit. Er starb 2012 in Ocala (Florida).

 

24.9. Karin BRANZELL: 125. Geburtstag

Karin Branzell

 Ursprünglich Organistin in Stockholm, dann Gesangsausbildung durch Thekla Hofer in Stockholm, Ludwig Mantler und Louis Bachner in Berlin, schließlich durch Enrico Rosati in New York. Bühnendebüt 1912 an der Königlichen Oper von Stockholm, wo sie bis 1918 blieb. Ihre Debütrolle war der Prinz Sarvilaka in der Oper »Izeyl« von d’Albert. 1918-33 Mitglied der Staatsoper Berlin (Antrittsrolle: Fricka in der »Walküre«), an der man sie in einer Vielzahl von Partien erlebte. Hier wirkte sie 1919 in der Premiere von Hans Pfitzners »Palestrina«, 1920 in der Premiere der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss als Amme mit. 1924 kam sie an die Metropolitan Oper New York (Antrittspartie: Fricka in der »Walküre«), an der sie bis zu ihrem Abschied von der Bühne 1951 aufgetreten ist. Sie war dort in den Jahren 1924-42, dann nochmals 1944 und schließlich in der Spielzeit 1950-51 engagiert. Sie ist an der Metropolitan Oper in insgesamt 412 Vorstellungen und in 18 verschiedenen Rollen aufgetreten. Dabei sang sie in erster Linie dort Wagner-Rollen (Ortrud im »Lohengrin«, Erda und Fricka im Nibelungenring, Brangäne in »Tristan und Isolde«, Waltraute in der »Götterdämmerung«, Venus im »Tannhäuser«, Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg«), trat aber auch als Amneris in »Aida«, als Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, als Azucena im »Troubadour«, als Küsterin in »Jenufa« von Janácek, als Laura in »La Gioconda« von Ponchielli, als Fidès in Meyerbeers »Le Prophète«, als Klytämnestra in »Elektra« und als Herodias in »Salome« von R. Strauss auf. 1931 wirkte sie in der amerikanischen Erstaufführung von Weinbergers »Schwanda, der Dudelsackpfeifer« in der Rolle der Königin mit. 1926 glanzvolles Gastspiel am Teatro Colón von Buenos Aires, wo sie auch wieder 1934 und 1938 auftrat. Sie sang 1930-31 bei den Festspielen von Bayreuth die Fricka und die Waltraute im Ring-Zyklus. Sie gastierte in Paris, an der Wiener Staatsoper (1921 als Amneris, als Ortrud, als Waltraute in der »Götterdämmerung« und als Amme in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss), in Mailand, an der Covent Garden Oper London (1935-38), in Brüssel (1941), Leningrad (1935), Chicago und San Francisco (1941 als Venus). 1935-39 nahm sie an den Münchner Sommerfestspielen teil, wo sie auch den Adriano in Wagners »Rienzi« vortrug, 1922 und 1939 gastierte sie in Zürich, 1934 an der Oper von Rio de Janeiro. Auch als Konzertsängerin war sie sehr erfolgreich. 1951 nahm sie an der Metropolitan Oper in der Partie der Erda im »Siegfried« ihren Abschied von der Bühne. 1932 wurde sie mit dem schwedischen Orden »Litteris et artibus« ausgezeichnet, 1936 schwedische Hofsängerin. Sie war verheiratet mit dem Maler Einar Eduardsen, der 1929 starb; später erscheint sie unter dem Namen Karin Branzell-Reinshagen. 1946-50 Pädagogin an der Juilliard-Schule in New York, 1952-58 an der Adelphi School of Music, ebenfalls in New York. Sie lebte zuletzt in Kalifornien. Sie starb 1974 in Altadena bei Los Angeles. Ihre Schülerinnen waren u.a. die bedeutenden Sängerinnen Jean Madeira, Nell Rankin und Mignon Dunn. – Umfangreiche, samtige Stimme von großer Wandlungsfähigkeit, dabei zu erregendem dramatischem Ausdruck fähig; hervorragende Wagner-Interpretin. Aus ihrem Repertoire sind noch die Carmen, die Brünnhilde in der »Walküre« und der Orpheus von Gluck nachzutragen.

Lit: R. Celletti & Leo Riemens: Karin Branzell (in »Le grandi Voci«, Rom 1964).

Die Künstlerin sang akustische Aufnahmen auf Homochord, Brunswick und Homophon, elektrische auf den Marken Parlophon, HMV, Brunswick, Odeon (hier Duette mit Emmy Bettendorf) und Urania-Remington (deutsche Lieder). Dazu mehrere Mitschnitte von Opernaufführungen aus der Metropolitan Oper (Fricka in »Rheingold« von 1938, Ortrud im »Lohengrin« von 1936, Magdalene in »Die Meistersinger von Nürnberg« von 1936).

 

26.9. Charles MUNCH: 125. Geburtstag

Er war der Sohn des Elsässer Organisten und Chorleiters Ernst Münch. Er studierte Geige am Konservatorium in Straßburg und 1912 bei Lucien Capet in Paris. Einer seiner Lehrer am Straßburger Konservatorium war Hans Pfitzner. Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er als Artillerie-Sergeant zum Deutschen Heer eingezogen. Bei Péronne erlitt er eine Gasvergiftung und in der Schlacht von Verdun wurde er verwundet. Nach Kriegsende kehrte er ins Elsass zurück und wurde französischer Staatsbürger. Nach weiteren Studien bei Carl Flesch in Berlin verfolgte Charles Münch eine Solistenkarriere und lehrte Violine am Straßburger Konservatorium (1919) und dann am Leipziger Konservatorium. Seit 1926 war er Konzertmeister des Leipziger Gewandhausorchesters. Im November 1932 gab er in Paris sein Debüt als Dirigent mit dem Orchestre Straram. Erst seine 1933 erfolgte Heirat mit der Enkelin eines der Gründer des Nestlé-Konzerns ermöglichte ihm die Finanzierung seiner weiteren Karriere. 1933-40 bildete er sich im Dirigieren bei Alfred Szendrei in Paris weiter. 1935-38 war er Dirigent des von Alfred Cortot gegründeten Orchestre de la Société Philharmonique in Paris und 1936 erhielt er eine Stelle als Lehrer an der École Normale de Musique de Paris. 1938 wurde er zum Direktor der Société des Concerts du Conservatoire de Paris ernannt und behielt diesen Posten während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Da er die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten ablehnte und stattdessen die Résistance unterstützte, erhielt er 1945 den Orden der Ehrenlegion. Charles Münch gab sein Debüt in den USA als Gastdirigent des Boston Symphony Orchestra im Dezember 1946. 1948 folgte eine Tournee durch die USA mit dem Orchestre de la Radio nationale de France und 1949 wurde er zum Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra ernannt, mit welchem er und Pierre Monteux 1952 eine erste Europa-Tournee unternahmen. 1950 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. 1956 folgte eine weitere Tournee durch Europa und die Sowjetunion. 1962 zog er sich von seinem Posten in Boston zurück und war fortan als Gastdirigent tätig. Außerdem war er 1967 an der Gründung des Orchestre de Paris beteiligt. Er starb 1968 in Richmond, als er mit dem Orchestre de Paris auf einer Amerika-Tournee war.

Er erlangte Anerkennung als Interpret des französischen Repertoires. Seine Aufführungen zeichneten sich durch Spontaneität, Farbe und Eleganz aus. Die französische Musik des 20. Jahrhunderts nahm in seinen Programmen einen herausragenden Platz ein. Er brachte neue Werke von Albert Roussel, Darius Milhaud, Arthur Honegger und anderen zur Aufführung. In seiner Pariser Zeit führte er neue Werke in die Programme des Lamoureux Orchesters, der Shihoan Konzerte und der Straram Konzerte ein. Er schrieb das Werk Je suis chef d’orchestre (1954).

 

26.9. Marius AUDRAN: 200. Geburtstag

 Er kam als Kind nach Marseille, wo sein Vater als Maurer und Bauunternehmer arbeitete. Er sollte Architektur studieren, doch wurde seine Stimme in Liebhaberkreisen entdeckt. Darauf begann er das Gesangstudium bei E. Arnaud in Marseille. Eine Ausbildung am Conservatoire National in Paris musste er wegen fehlender finanzieller Mittel aufgeben und vollendete dann sein Gesangstudium bei Panseron in Marseille. 1837 debütierte er an der Oper von Marseille in »Le Chalet« von Adam. Er hatte dort große Erfolge in »La dame blanche« von Boieldieu und in »Le pré aux clercs« von Hérold. 1838 ersetzte er am Théâtre de la Monnaie in Brüssel den plötzlich verstorbenen Tenor Thénard in »Le Domino noir« von Auber. 1839 sang er am Opernhaus von Bordeaux, 1840-41 in Lyon. 1842 wurde er an die Pariser Opéra-Comique verpflichtet. Hier sang er sehr erfolgreich in »La dame blanche« von Boieldieu und in »Les diamants de la couronne« von Auber und war in den Uraufführungen der Opern »Le Roi d’Yvetot« von Adam (30.10.1842), »La Sirène« von Auber (26.3.1844), »Le Val d’Andorre« von Halévy (11.11.1848) und »Haydée« (»Le Secret«, 28.12.1847) von Auber, auch in »Giralda« von A, Adam (20.7.1850), zu hören. Als unübertroffen galt seine Interpretation der Titelrolle in »Jean de Paris« von Boieldieu. Weitere Höhepunkte in seinem Repertoire waren der Titelheld in »Fra Diavolo« von Auber und der Chapelou in »Le Postillon de Lonjumeau« von Adam, die beide enorme Anforderungen an die Stimme in den höchsten Lagen stellen. In Paris trat er auch in den Concerts du Conservatoire auf. Nach einem Streit mit der Direktion der Opéra-Comique verließ er 1852 Paris und sang 1852 wieder in Marseille sowie 1853-56 in Bordeaux. 1857 erschien er am Théâtre Lyrique in Paris in der Uraufführung der Oper »La Demoiselle d’honneur« von Semet. 1857-59 unternahm er Gastspielreisen durch Frankreich, Belgien und Italien. 1861 gab er seinen Rücktritt von der Bühne bekannt; 1863 wurde er Professor am Konservatorium von Marseille. Er starb 1887 in Marseille. Sein Sohn Edmond Audran (1840-1901) wurde als Komponist von sehr beliebten Operetten (u.a. »Les Noces d’Olivette«, »La Cigale et la Fournie«, »Monsieur Lohengrin«, vor allem »La Poupée«) bekannt.

 

27.9. Fred TESCHLER: 90. Geburtstag

 Sein Vater war Chorist an der Dresdner Staatsoper, er selbst nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst Journalist. Nach Ausbildung seiner Stimme durch Senta Kutzschbach in Dresden debütierte er 1955 an der Staatsoper von Dresden als Bauer in »Die Kluge« von C. Orff. Seitdem blieb er für mehr als zwanzig Jahre ein beliebtes Mitglied dieses Opernhauses, an dem er 1979 an der Uraufführung der Oper »Vincent« von Rainer Kunad teilnahm. Seit 1962 war er als ständiger Gast der Berliner Staatsoper verbunden. Gastspiele an der Komischen Oper Berlin, an der Stuttgarter Staatsoper, an den Opernhäusern von Sofia, Brno (Brünn), Bukarest, Zürich, Leipzig, Baltimore und Boston. Berühmt als Interpret der klassischen Barockopern von Händel, namentlich im Rahmen der Händel-Festspiele von Halle, bei denen er Jahr für Jahr in Erscheinung trat. Neben seinem Bühnenrepertoire von mehr als 40 Rollen war er ein hoch geschätzter Konzert- und Oratorienbassist. Gastspiele und Konzertreisen führten ihn nach Holland und Frankreich, nach Westdeutschland und Finnland, nach Ägypten, Syrien und in den Irak. Er starb 1997 in Dresden.

Schallplatten der Marke Eterna (Lodovico in Verdis »Otello«, vollständige Aufnahme der Oper »Die Verurteilung des Lukullus« von Dessau) und Berlin Classics (Deutsche Sinfonie von Hanns Eisler). Sang auf HMV-Electrola in einem Querschnitt durch Verdis »Macht des Schicksals«, auf Pergola den Saretzki im »Eugen Onegin«, auf Koch Records im »Parsifal«.

 

27.9. Max MARTINI: 150. Geburtstag

 Er leitete seine Bühnenkarriere mit einem Engagement an der Dresdner Hofoper in der Spielzeit 1885-86 ein und sang dann 1887-89 am Stadttheater von Regensburg, 1889-90 am Stadttheater von Metz, 1890-92 am Stadttheater von Mainz. 1892 wurde er an das Opernhaus von Breslau verpflichtet, an dem er bis zu seinem Rücktritt von der Bühne 1913 wirkte. Seit 1904 war er dort auch als Regisseur beschäftigt. Er sang in erster Linie Partien aus dem Buffo- und dem Charakterfach wie den Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, den Peter Iwanow in »Zar und Zimmermann« von Lortzing, den Georg im »Waffenschmied« vom gleichen Komponisten, den Mime in den Opern des Ring-Zyklus, den Eisenstein in der »Fledermaus« und den Simon in Millöckers »Der Bettelstudent«. Er starb 1915 in Breslau.

 

28.9. Bernhard KLEBEL: 80. Geburtstag

 Studien an der Musikakademie (Musikpädagogik, Oboe, Cembalo bei Eta Harich-Schneider, Dirigieren bei H. Gillesberger und H. Swarowsky) und an der Universität in Wien (Germanistik). Leiter des Madrigalchors der Katholischen Hochschulgemeinde in Wien, des Ensembles Musica Antiqua und des Wiener Motettenchores. Konzertreisen in ganz Europa, USA, Kanada und Mexico. Opernproduktionen in Wien (Theater an der Wien, Spectaculum u.a.), in Venedig (Teatro La Fenice), Neapel (Teatro San Carlo), Dresden, Augsburg, Rouen u.a. Er war Professor für Musiktheorie an der Grazer Musikuniversität und fungierte als Herausgeber und Bearbeiter bisher unveröffentlichter barocker Opern und Oratorien, die er z.T. auch selbst aufführte (u.a. 2002 und 2003 in der Wiener Kammeroper). Zahlreiche Schallplatteneinspielungen. Er starb im Juni 2013.

 

28.9. Ferry GRUBER: 90. Geburtstag

Ferry GRUBER

 Seine Ausbildung fand an der Wiener Musikakademie bei Hans Swarowski und bei Hermann Gallos statt. Zuerst wirkte er als Chordirektor und Dirigent in Wien, wandte sich dann aber der Sängerlaufbahn zu. Bühnendebüt 1950 am Stadttheater von Luzern als Tamino in der »Zauberflöte«, nachdem er bereits in Radiosendungen des Schweizer Senders Monte Ceneri erstes Aufsehen erregt hatte. Über das Stadttheater von Basel kam er 1954 an die Bayerische Staatsoper München, wo er in erster Linie Rollen aus dem Buffo- und dem Charakterfach sang. Im gleichen Jahr begann er eine große Karriere als Operettensänger, wobei er hauptsächlich am Münchner Gärtnerplatztheater auftrat. Es kam zu häufigen Gastspielen an der Staatsoper (1962-64 als Brighella in »Ariadne auf Naxos«, als Flaut in B. Brittens » A Midsummer Night’s Dream «, als Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, als Monostatos in der »Zauberflöte« und als Baron Lummer im »Intermezzo« von. R. Strauss) wie an der Volksoper von Wien, an der er seit 1960 ständig wirkte. Bei den Salzburger Festspielen sang er 1959 den Cecco in »Il Mondo della luna« von J. Haydn. Weitere Gastspiele an den Opern von Hamburg und Köln, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Dortmund, Frankfurt a.M. und Stuttgart. Im Ausland hörte man ihn als Gast in Kopenhagen, Amsterdam, Lissabon und Monte Carlo, in Ottawa und Vancouver und 1988 am Teatro Verdi in Triest. Er wirkte bei den Festspielen von Florenz und Edinburgh (1965 als Baron Lummer bei einem Gastspiel der Bayerischen Staatsoper München) mit. Weitere Partien: Fenton im »Falstaff« von Verdi (Teatro Comunale Florenz 1956), Peter Iwanow und Châteauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und Fatty in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill. Er galt allgemein als einer der führenden Operetten-Tenöre seiner Generation, wobei man auf diesem Gebiet wie bei seinen Buffotypen auf der Opernbühne auch sein temperamentvolles darstellerisches Talent bewunderte. Er wurde durch Rundfunk- und Fernsehauftritte bekannt und betätigte sich seit 1969 erfolgreich als Opern- und Operettenregisseur. Noch 1997 wirkte er bei den Münchner Festspielen als Zirkusdirektor in Smetanas »Die verkaufte Braut« mit. Er starb 2004 in München.

Schallplatten: Zahlreiche vollständige Operetten und Operetten-Querschnitte auf Eurodisc (»Die Lustige Witwe«, »Das Land des Lächelns«, aber auch in »Die Kluge« und »Der Mond« von Carl Orff und in einer italienisch gesungenen »Madame Butterfly«-Aufnahme), Electrola (Querschnitt »Der Vogelhändler«), DGG, Melodram (»Intermezzo« von R. Strauss), Voce (»Alessandro Stradella« von Flotow), EMI (»Der Rosenkavalier«), Nixa (»Gurrelieder« von A. Schönberg), Philips.

 

28.9. Václav HALÍŘ: 90. Geburtstag

Václav HALÍŘ

Er erhielt seine Ausbildung am Konservatorium von Brno (Brünn) sowie bei Bohuslav Sobeského. Sein Bühnendebüt fand 1953 am Janácek-Opernhaus in Brno statt, dem er bis Mitte der achtziger Jahre angehörte. Mit dem Ensemble dieses Hauses gastierte er 1966 beim Maggio Musicale Fiorentino in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, 1967 in »Die Ausflüge des Herrn Broucek«. 1974 trat er am Teatro San Carlo Neapel in Rimsky-Korssakows »Der goldene Hahn« auf. Gastspiele, zum Teil auch als Konzertsänger, führten ihn nach China (1954), nach Warschau (1955), Leipzig (1960) und Berlin (1956). In Brno sang er u.a. 1963 den Ruprecht in der tschechischen Erstaufführung von Prokofieffs »L’Ange de feu«. Sein Bühnenrepertoire umfasste in erster Linie Partien aus dem slawischen Repertoire wie den Mumlal in Smetanas »Zwei Witwen«, den Chrudos in dessen »Libussa«, den Vavra in »Marysa« von Burian, den Förster wie den Pfarrer in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, den Platzkommandanten in »Aus einem Totenhaus« vom gleichen Meister, den Würfel in »Die Ausflüge des Herrn Broucek«, den Kolenaty in »Die Sache Makropoulos« von Janácek, den Fürsten Galitzky in Borodins »Fürst Igor«, den Denisow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff und den Boris Timofejew in »Lady Macbeth von Mzensk« von Schostakowitsch. Er starb 1999 in Brünn.

Schallplatten: Supraphon (vollständige Opern »Das schlaue Füchslein«, 1958 und »Jenufa«, 1979).

 

29.9. Josef TRAXEL: 100. Geburtstag

Josef TRAXEL

 Er war zuerst an der Musikhochschule von Darmstadt Schüler von Noak. Er wurde im Zweiten Weltkrieg als Soldat einberufen und debütierte 1942 während eines Lazarett-Aufenthaltes am Stadttheater von Mainz als Don Ottavio im »Don Giovanni«. Gegen Ende des Krieges geriet er dann in englische Gefangenschaft. 1946 begann er seine eigentliche Bühnenlaufbahn am Stadttheater von Nürnberg. Von dort kam er 1952 an die Staatsoper von Stuttgart. Am 14.8.1952 sang er bei den Salzburger Festspielen in der Uraufführung der Richard-Strauss-Oper »Die Liebe der Danaë« die Rolle des Merkur. Seit 1954 wirkte er bei den Festspielen von Bayreuth mit, und zwar 1954-57 als Froh im »Rheingold«, 1954-55 als Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«, 1955-56 als 1. Ritter im »Parsifal«, 1955 als Steuermann und 1956 als Erik in »Der fliegende Holländer«, 1956 als Kunz Vogelgesang und 1957 als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1957-58 als junger Seemann in »Tristan und Isolde«. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1958 und 1960 als Rodolfo in »La Bohème« von Puccini. Durch Gastspielverträge war er mit der Staatsoper von München und mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Konzert- Tourneen und Gastspiele trugen ihm in Frankreich (Grand Opéra Paris 1957, 1959), Österreich, Holland und in der Schweiz große Erfolge ein; 1957 unternahm er eine Nordamerika-Tournee. 1964 wirkte er in der Carnegie Hall New York in einer konzertanten Aufführung der Oper »Maria Stuarda« von Donizetti mit. Sein Bühnenrepertoire reichte vom Belmonte in Mozarts »Entführung aus dem Serail« bis zum Siegmund in der »Walküre«. Sehr erfolgreich auch als Konzertsänger, zumal als Evangelist in den Passionen von Bach. Seit 1963 war er Dozent an der Musikhochschule Stuttgart. Er starb 1975 in Stuttgart.

Schallplatten auf HMV, Decca (»Der Fliegender Holländer«), DGG, Eurodisc, Colosseum, Cetra Opera Live (Froh im »Rheingold«, Bayreuth 1957), Melodram (»Die Lustigen Weiber von Windsor«, 1949, »Die Liebe der Danaë« von R. Strauss, 1951), Hunt Records (Mozart-Requiem).

 

29.9. Enrico BEVIGNANI: 175. Geburtstag

 Biographie des italienischen Dirigenten und Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Enrico_Bevignani

 

30.9. Paul HÖGLUND: 90. Geburtstag

 Er studierte 1946-47 in der Opernklasse der Stockholmer Musikhochschule und war Schüler von Clemens Kaiser-Breme in Essen. 1948 debütierte er an der Königlichen Oper Stockholm als Bartolo in Rossinis »Barbier von Sevilla« und blieb bis 1952 an diesem Haus tätig, wo er u.a. den Masetto im »Don Giovanni« und den Hortensio in »La Fille du Régiment« von Donizetti sang. 1952-55 war er Mitglied des Stadttheaters Malmö, 1955-60 des Stora Theaters Göteborg. Hier trat er als Leporello im »Don Giovanni«, als Sparafucile im »Rigoletto« und in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen« auf. Seit 1960 gehörte er (nach einem Gastspiel als Figaro in »Le nozze di Figaro«) wieder bis 1983 der Oper von Stockholm an. Hier sang er 1977 in der Erstaufführung der Oper »Lulu« von Alban Berg die Rolle des Schigolch und wurde als Titelheld in Donizettis »Don Pasquale«, als Leporello, als Sparafucile, in den vier dämonischen Partien in »Hoffmanns Erzählungen«, als Sakristan in Puccinis »Tosca«, als Frosch in der Johann Strauß-Operette »Die Fledermaus« und in vielen anderen, darunter auch kleineren Partien (Alcindor in »La Bohème«, Antonio in »Le nozze di Figaro«), bekannt. 1968 wirkte er in der Stockholmer Uraufführung von F.A. Berwalds »Drottningen av Golconda« mit. Man schätzte seine darstellerische Begabung vor allem in Aufgaben aus dem Buffo-Fach. Er starb 2001 in Norra Åsum.

 

30.9. Konstantin OGNEVOI: 90. Geburtstag

Biographie des russischen Tenors auf Russisch:

ZUR BIOGRAFIE

 

30.9. Margarete von VAHSEL: 150. Geburtstag

Als sie elf Jahre alt war, hörte der Braunschweiger Hofkapellmeister und Komponist Franz Abt sie beim Vortrag von Liedern und riet dringend zur Ausbildung der Stimme. 1881 trat sie erstmals in einem Konzert in Magdeburg öffentlich auf; 1882 hatte sie als Soubrette ihr erstes Engagement am Stadttheater von Magdeburg und war dann in den Jahren 1883-94 am Hoftheater von Dessau tätig. 1894-95 gehörte sie dem Opernhaus von Leipzig an und gab seitdem nur noch Gastspiele und Konzerte. Eine weltweite Konzerttournee führte sie seit 1895 durch Nordamerika, Kanada, nach Neuseeland, Australien und Indien, und überall wurde sie bei ihren Auftritten gefeiert. Sie lebte dann für einige Jahre in New York und setzte dort ihre Konzerttätigkeit fort; sie betätigte sich zugleich auch als Gesanglehrerin. 1901 kam sie nach Deutschland zurück und nahm eine Stellung als Pädagogin am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin an. Von den Partien, die sie auf der Bühne gesungen hat, verdienen die Susanna in »Figaros Hochzeit«, die Frau Fluth in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, die Marie in Donizettis »Regimentstochter«, die Carmen, die Undine von Lortzing, die Marguerite im »Faust« von Gounod, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Sieglinde in der »Walküre« und die Venus im »Tannhäuser« Erwähnung. Sie starb 1922 in Berlin. – Sie war mit dem lyrischen Tenor Rudolf Schmalfeld (* 22.2.1858 Neustrelitz, † 1922 Berlin) verheiratet, der Schüler von Franz von Milde in Hannover und dann 1885-95 am Hoftheater von Dessau, 1891-92 am Stadttheater von Zürich engagiert war und sich seit 1895 an den Kunstreisen seiner Gattin in aller Welt beteiligte; er trat 1897 an der Hofoper von München in der Uraufführung der Oper »Sarema« von A. Zemlinsk

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM AUGUST 2016

IN MEMORIAM-Geburtstage

Es wurden runde und halbrunde Geburtstage berücksichtigt. Zusammenstellung der Liste: Walter Nowotny

 1.8. Nico CASTEL: 85. Geburtstag

Nico CASTEL

Er war zuerst in einem kaufmännischen Beruf in Südamerika tätig, ließ dann jedoch seine Stimme durch Carmen Hurtado in Caracas, durch Mercedes Llopart in Mailand und durch Julia Drobner in New York ausbilden. Nachdem er einen Gesangwettbewerb in New York gewonnen hatte, erfolgte sein Bühnendebüt 1958 an der Oper von Santa Fé als Fenton in Verdis »Falstaff«. Er nahm an der Oper von Santa Fé an der Uraufführung von Carlisle Floyds »Wuthering Heights« teil (16.7.1958). Er verlegte sich zunehmend auf das Buffo- und Charakterfach und beherrschte auf diesem Gebiet mehr als 120 größere und kleinere Rollen. Er sang u.a. an den Opern von Philadelphia (1985), Chicago, Houston (Texas), Baltimore, New Orleans und an der New York City Opera, an der 1965 in der Uraufführung der Oper »Miss Julie« von Ned Rorem mitwirkte. Gastspiele in Europa am Teatro San Carlos Lissabon, beim Maggio Musicale in Florenz und beim Festival von Spoleto. 1970 wurde er Mitglied der New Yorker Metropolitan Oper, wo er als Basilio in »Le nozze di Figaro« debütierte. An diesem Haus hatte er in einer langjährigen Karriere bis 1997 vor allem im Charakterfach seine Erfolge und erwies sich in insgesamt 793 Vorstellungen in vielen kleineren und mittleren Partien (darunter der Goro in »Madame Butterfly«, der Incredibile in »Andrea Chénier« von Giordano, der Arturo in »Lucia di Lammermoor«, der Schmidt im »Werther« von Massenet, der Borsa im »Rigoletto«, der Hirte in »Tristan und Isolde«,  der Augustin Moser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der königliche Herold in Verdis »Don Carlos«, der Alcindoro in »La Bohème«, der Ruiz im »Troubadour«, der Dr. Blind in der »Fledermaus«, der Spalanzani in »Hoffmanns Erzählungen«, der Lampenanzünder in »Manon Lescaut« von Puccini, der Pong in Puccinis »Turandot«, der Gottesnarr im »Boris Godunow«, der Gherardo in »Gianni Schicchi«, der Isèpo in »La Gioconda« von Ponchielli, der Haushofmeister in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, Prinz/Kammerdiener/Marquis in »Lulu« von A. Berg, der Spoletta in »Tosca«, der Zirkusdirektor in Smetanas »Die verkaufte Braut«, der Bassa Selim in der »Entführung aus dem Serail« und der Guillot in »Manon« von Massenet) als ein ganz unentbehrliches, verlässliches Mitglied des Ensembles, dem er auch als Pädagoge und Spracherzieher zur Verfügung stand. Er starb 2015 in New York.

Aufnahmen auf RCA (»La Bohème« von Puccini) und HMV (»Hoffmanns Erzählungen«), Nightingale (»La Fille du Régiment« von Donizetti).

 

1.8. Lili CHOOKASIAN: 95. Geburtstag

Lili CHOOKASIAN
Als Gertrude in Hänsel und Gretel

 Sie entstammte einer armenischen Familie; ihre Ausbildung erhielt sie bei Philip Manuel und bei der berühmten Sopranistin Rosa Ponselle in Baltimore. Konzertdebüt unter Bruno Walter 1953 in Chicago. 1955 Bühnendebüt an der Oper von Chicago als Adalgisa in Bellinis »Norma«. Der berühmte Dirigent Thomas Schippers engagierte sie für das Festival von Spoleto, wo sie das Solo in der Alexander Newsky-Kantate von Prokofieff sang. 1962 kam es dann zu ihrem Debüt an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Cieca in »La Gioconda«). Hier wurde sie bis 1986 in insgesamt 291 Vorstellungen als Mamma Lucia in »Cavalleria rusticana«, als Madelon in »Andrea Chénier«, als Ulrica in Verdis »Un ballo in maschera«, als Mary in »Der fliegende Holländer«, als Teresa in Bellinis »La Sonnambula«, als Amme im »Boris Godunow«, als Marthe im »Faust« von Gounod, als 1. Norn in der »Götterdämmerung«, als Maharanee in der amerikanischen Erstaufführung von G.C. Menottis Oper »The Last Savage«, als Filipjewna im »Eugen Onegin«, als Mrs. Quickly im »Falstaff« von Verdi, als Auntie im »Peter Grimes« von B. Britten, als Mutter wie als Hexe in »Hänsel und Gretel«, als Erda im Ring-Zyklus, als Azucena im »Troubadour«, als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«, als Amneris in »Aida«, als Frugola, als Principessa und als Zita in den drei Opern des »Trittico« von Puccini, als Begbick in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, als Tod in »Le Rossignol« von Strawinski, als Stimme der Mutter in »Hoffmanns Erzählungen«, als alte Buryja in »Jenufa« von Janácek und als Gertrude in »Roméo et Juliette« von Gounod eingesetzt. Sie sang auch an der New York City Opera, u.a. 1963 in Menottis »The Medium«. 1966 gastierte sie bei der American Opera Society, ebenfalls 1966 in Montreal. 1966-67 war sie an der Oper von Philadelphia tätig. Bereits 1961 war sie am Opernhaus von Triest als Herodias in »Salome« von R. Strauss aufgetreten, 1962 am Teatro Regio Turin. Beim Spoleto Festival sang sie 1961 die Herodias, 1962 die Clarissa in Prokofieffs »L’Amour des trois oranges«. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1965 die Mary in »Der fliegende Holländer« sowie die Erda, die Schwertleite und die 1. Norn im Nibelungenring. 1970 sang sie bei den Salzburger Osterfestspielen die 1. Norn in der »Götterdämmerung«. 1973 großer Erfolg an der Oper von Mexico City als Amneris. 1976 wirkte sie in Baltimore in der Uraufführung der Oper »Ines de Castro« von Thomas Pasatieri mit. Auch als Konzertsängerin war sie erfolgreich. Sie starb 2012 in Branford (Connecticut).

Schallplatten: DGG (Norn in »Götterdämmerung«), Columbia-CBS (2. Sinfonie von Gustav Mahler), BASF (9. Sinfonie von Beethoven), Candide (»Das Lied von der Erde« und »Das klagende Lied« von G. Mahler), RCA, MRF (»Roberto Devereux« von Donizetti), CBNS (»Alexander Newsky« von Prokofieff).

1.8. Ignaz Anton LADURNER: 250. Geburtstag

 Biographie des in Südtirol geborenen Komponisten auf Deutsch:

http://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_L/Ladurner_Brueder.xml

 

2.8. Hans HOPF: 100. Geburtstag

Hans HOPF

 Ausgebildet durch Paul Bender in München. Bühnendebüt 1936 am Bayerischen Landestheater als Pinkerton in »Madame Butterfly«. Er sang 1939-42 als lyrischer Tenor am Stadttheater von Augsburg. 1942-44 war er am Deutschen Theater in Oslo engagiert, wo er seine Ausbildung bei R. Bjarne fortsetzte. Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte er sich auf das heldische Tenorfach und war 1946-48 und 1949-50 Mitglied der Berliner Staatsoper; in der Spielzeit 1948-49 sang er an der Staatsoper von Dresden. Seit 1949 gehörte er der Staatsoper München an, war aber durch einen Gastspielvertrag zugleich mit der Wiener Staatsoper verbunden, an der er in den Jahren 1951-78 in 110 Vorstellungen als Don José in »Carmen«, als Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Florestan im »Fidelio«, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Rodolfo in »La Bohème«, als Radames in »Aida«, als Don Carlos in der gleichnamigen Verdi-Oper, als Tamino in der »Zauberflöte«, als Erik in »Der fliegende Holländer«, als Dimitrij im »Boris Godunow«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Kaiser in der »Frau ohne Schatten«, als Bacchus in »Ariadne auf Naxos«, als Herodes in »Salome« von R. Strauss, als Siegmund in der »Walküre«, als Tristan und als Ägisth in »Elektra« von R. Strauss zu erleben war. Seit 1951 wirkte er bei den Festspielen von Bayreuth mit. Hier hörte man ihn 1951 in Beethovens 9. Symphonie, 1951-52 und 1960 als Walther von Stolzing, 1960-64 als Siegfried im Nibelungenring, 1964 auch als Froh im »Rheingold«, 1965-66 als Tannhäuser und 1966 als Parsifal. 1952-63 trat er sehr erfolgreich an der New Yorker Metropolitan Oper auf (Debüt als Walther von Stolzing); er sang hier in insgesamt 36 Vorstellungen ausschließlich Wagner-Partien (Parsifal, Lohengrin, Tannhäuser, Siegfried). Gastspiele an der Mailänder Scala (1952 mit dem Tenorsolo in Beethovens 9. Sinfonie, 1963 als Siegfried im Nibelungenring und 1974 als Herodes), an der Grand Opéra von Paris, an der Londoner Covent Garden Oper (1951-53 als Radames und als Walther von Stolzing, 1963), am Opernhaus von Zürich (1956 als Walther von Stolzing) und am Teatro Colón von Buenos Aires (1958 als Walther von Stolzing) brachten ihm, namentlich als Wagner-Sänger, bedeutende Erfolge. 1950-76 durch einen Gastspielvertrag auch mit der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg verbunden. Bei den Salzburger Festspielen von 1954 sang er den Max im »Freischütz«. Große, weltweite Karriere mit Auftritten in Genf (1956 als Bacchus), Neapel, Rom, in Amsterdam, Monte Carlo, Stockholm, Lissabon, Barcelona, Mexico City, am Bolschoi Theater Moskau, in San Francisco (1974 als Herodes), Chicago und Rio de Janeiro, auch beim Maggio Musicale Fiorentino. Eine weitere bedeutende Partie war der Otello von Verdi. Er starb 1993 in München.

Schallplatten: Urania (»Fra Diavolo«), Decca (u.a. »Der Freischütz«, »Die Frau ohne Schatten«), Columbia (»Die Meistersinger von Nürnberg«), DGG (»Don Giovanni«). BASF (»Luisa Miller« von Verdi), HMV (»Tannhäuser«), Philips (»Tiefland«) Melodram (vollständige Oper »Daphne« von R. Strauss von 1950), Rococo (»Notre Dame« von Franz Schmidt), Orfeo (»Peer Gynt« von W. Egk), Arlecchino (»Die Meistersinger von Nürnberg«, Metropolitan Oper New York, 1952), Koch/Schwann (Max im »Freischütz«, Westdeutscher Rundfunk Köln, 1955), Mercury. Ebenfalls auf Melodram Siegfried im Nibelungenring aus Bayreuth (1960), auf Cetra Opera Live Florestan in »Fidelio«, auf Hunt Records Max im »Freischütz«.

 

2.8. Arthur BLISS: 125. Geburtstag

Er studierte in Cambridge bei Cyrill Rootham und Charles Wood und am Royal College of Music bei Charles Villiers Stanford und Gustav Holst. 1921-23 unterrichtete er am Royal College of Music, dann lebte er bis 1925 in Santa Barbara. Danach lebte er als Komponist in London, wo er 1975 starb. Nach seinem Studium diente Arthur Bliss im Ersten Weltkrieg an der französischen Front; er wurde in der Schlacht an der Somme verwundet und erlitt später in Cambrai eine Senfgasvergiftung. Diese Erfahrungen, wie auch der Tod seines geliebten Bruders Kennard, hinterließen einen nachhaltigen Einfluss auf Bliss Leben und Werk, der in der groß angelegten Chorsinfonie Morning Heroes für Bariton, Chor und Orchester aus dem Jahr 1930 gipfelte. Nach seiner Rückkehr nach London profilierte sich Bliss jedoch zunächst mit experimentellen Werken wie Madam Noy (1918), Conversations (1920) und Rout (1920), allesamt kürzere Stücke für kleines Ensemble, in denen Bliss neueste kompositorische Trends vom Kontinent aufgriff. Besonders prägend wirkte auf ihn (wie auch auf andere britische Komponisten jener Tage, z.B. Percy Grainger und Constant Lambert) das Vorbild von Igor Strawinskys epochalem Ballett Petruschka, das 1913 von den Ballets Russes zum ersten Mal in London präsentiert worden war. In dem Orchesterwerk Mêlée fantasque von 1921 ist dieser Einfluss besonders deutlich zu hören. Bliss interessierte sich auch sehr für die Arbeiten der französischen Gruppe Les Six um Arthur Honegger und Darius Milhaud. Kurze Zeit später jedoch wandte er sich von der Avantgarde ab und einem stärker national beeinflussten spätromantischen Stil zu, der Elemente der Musik Edward Elgars aufgriff. Bliss‘ bekanntestes Werk ist die etwa halbstündige A Colour Symphony (1922), in der er, angeregt durch ein Werk über Heraldik, die vier Farben eines Wappens beschreibt: im ersten Satz „Purpur, die Farbe des Amethysts, des Prunks, der Königlichkeit und der Todes“, im zweiten Satz „Rot, die Farbe der Rubine, des Weines, der Festlichkeit, der Hochöfen, der Mutes und der Magie“, im dritten Satz „Blau, die Farbe der Saphire, des tiefen Wassers, des Himmels, der Ehrlichkeit und der Melancholie“ und im vierten Satz „Grün, die Farbe der Smaragde, der Hoffnung, der Jugend, der Freude, des Frühlings und des Sieges“. Die Colour Symphony ist ein Werk des Übergangs und mischt auf interessante Weise Elemente der Musik Elgars mit jener Strawinskys. Wichtige konzertante Werke sind das Klavierkonzert von 1939 (uraufgeführt von dem berühmten Virtuosen Solomon aus Anlass der New Yorker Weltausstellung), das Violinkonzert (1955, für Alfredo Campoli) und schließlich das Cellokonzert für Mstislav Rostropovitch (1970, uraufgeführt unter Leitung von Benjamin Britten). Daneben komponierte Bliss mehrere abendfüllende Ballette wie Checkmate (1937, mit Schachfiguren als handelnden Personen), Miracle in the Gorbals (1944, dessen Sujet sicher von Béla Bartóks Der wunderbare Mandarin beeinflusst wurde) und Adam Zero (1946), das den Zyklus eines Menschenlebens von der Wiege bis zur Bahre zum Thema hat. 1936 erhielt Bliss den Auftrag, die Hintergrundmusik zu William Cameron Menzies aufwändiger H. G. Wells-Verfilmung Was kommen wird (Things to Come) zu komponieren. Bis dahin bestanden Filmmusiken in Großbritannien meist aus versatzstückartig zusammengestellten Klassikkompilationen oder anspruchslosen Partituren, verfasst von mäßig talentierten Arrangeuren (z.B. der Musik zu Alfred Hitchcocks Klassiker Die 39 Stufen). Bliss hingegen widmete sich mit aller Kraft der Musik zu Things to Come, wobei er insofern privilegiert war, als er die Partitur vor Fertigstellung des Streifens schreiben durfte. Things to Come wurde noch vor der Premiere des Films für die Schallplatte aufgenommen; sein enormer Erfolg bei der Kritik und Hörern wertete das Bild der Filmmusik in England und international nachhaltig auf, und so folgten Bliss Kollegen wie Ralph Vaughan Williams, John Ireland, Arnold Bax und William Alwyn in der Komposition anspruchsvoller Filmpartituren. In den folgenden Jahren schrieb Bliss eine ganze Reihe weiterer Filmmusiken, konnte jedoch weder mit Conquest of the Air (1940), Men of Two Worlds (1946) noch mit Seven Waves Away (1957) an den Erfolg von Things to Come anknüpfen. Seine bereits fertige Partitur zu Gabriel Pascals verschwenderischer George Bernard Shaw-Verfilmung Caesar and Cleopatra (1945) wurde gar vom Regisseur abgelehnt, woraufhin Bliss von dem Auftrag zurücktrat und durch Georges Auric, ein früheres Mitglied der Les Six, ersetzt wurde. Bliss verloren geglaubte Partitur wurde vor einigen Jahren neu eingerichtet und aufgenommen. 1941 wurde Bliss musikalischer Direktor der Klassikabteilung der British Broadcasting Corporation, wo er das beliebte Programm Composer of the Week einführte, das bis heute in ähnlicher Form ausgestrahlt wird. 1950 in den Adelsstand erhoben, ernannte man Bliss 1953 (nach dem Tod seines Vorgängers Bax) zum Master of the Quuen’s Music, in welcher Funktion er für alle höfischen Musikangelegenheiten zuständig wurde und Märsche, Fanfaren etc. zu öffentlichen Anlässen beizutragen hatte (z.B. die Fanfare zur Amtseinsetzung des Prince of Wales Charles im Jahr 1969). Der Avantgarde nach dem Zweiten Weltkrieg entfremdet und durch offizielle Aufgaben in Anspruch genommen, komponierte Bliss in den letzten eineinhalb Jahrzehnten seines Lebens immer weniger. Das letzte Werk, Spirit of the Age, stammt aus seinem Todesjahr 1975. Zum Zeitpunkt seines Todes war Bliss früherer Ruhm verblasst, seine Werke wurden kaum mehr aufgeführt. Dies änderte sich erst im Zuge der – z.T. mehrfachen – Einspielung aller wichtigen Werke für Schallplatte und Compact Disc. Vor allem die Colour Symphony ist seitdem im normalen Konzertbetrieb gelegentlich wieder zu hören. Seine Handschriften und sein privates Archiv sind in der Cambridge University Library gelagert.

 

2.8. Adèle-Louise GUICHARD: 200. Geburtstag

 Ihre Ausbildung erfolgte am Conservatoire National de Paris, und nach ersten Auftritten an kleineren Theatern wurde sie für die Saison 1840-41 an die Pariser Opéra-Comique berufen. Von hier ging sie an das Théâtre de la Monnaie Brüssel, sang dann in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre an der Grand Opéra Paris und war 1851-53 am Pariser Théâtre Lyrique engagiert. Dort wirkte sie in mehreren Uraufführungen von Opern mit, so 1851 in »La Perle du Brésil« von Félicien David (als Comtesse de Cavallos) und 1853 in »Le Roi des Halles« von A. Adam (als Marielle). Danach trat sie bis gegen Ende der fünfziger Jahre an französischen und belgischen Bühnen auf, war aber als Gast auch in London zu hören. In ihrem Repertoire für die Bühne fanden sich viele weitere Rollen aus damals oft gespielten Opern wie die Julie in »Les Rendez-Vous Bourgeois« von Isouard, die Marton in »Ma Tante Aurore« von Boieldieu, die Madeleine im »Postillon de Lonjumeau« von A. Adam, die Jeanneton in »Le Roi d’Yvetot«, ebenfalls von Adam, und die Amélie in »Les Visitandines« von François Devienne. Sie starb 1878 in Paris.

 

3.8. Marcel HUYLBROCK: 85. Geburtstag

 Er war Absolvent des Conservatoire National Paris. 1953 debütierte er am Opernhaus von Casablanca als Don José in »Carmen«. Im folgenden Jahr 1954 wurde er an die Grand Opéra Paris verpflichtet, seit Ende der fünfziger Jahre wurde er auch Mitglied der Opéra-Comique Paris. Bis etwa 1970 ist er an diesen beiden großen Opernhäusern der französischen Metropole erfolgreich aufgetreten. Seit 1962 gastierte er oft an der Opéra du Rhin Straßburg, 1964 am Opernhaus von Marseille, 1966 in Toulouse, 1966 und 1968 an der Oper von Bordeaux. 1965 wirkte er am Opernhaus von Rouen in der Uraufführung der Oper »La Princesse de Clèves« von Jean Françaix in der Rolle des de Nemours mit. Er gastierte regelmäßig an den führenden belgischen Operntheatern wie auch in Holland. Von den Partien, die er auf der Bühne gesungen hat, verdienen sein Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod, sein Mylio in »Le Roi d’Ys« von Lalo, sein Énée in »Les Troyens« von Berlioz, sein Titelheld in Verdis »Don Carlos«, sein Hermann in »Pique Dame« von Tschaikowsky, sein Cavaradossi in »Tosca«, sein Werther von Massenet, sein Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, sein Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, sein Gérald in »Lakmé« von Delibes und sein Peter Grimes in der Oper gleichen Namens von Benjamin Britten Erwähnung. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er ein angesehener Konzertsänger.

Schallplatten: Decca (Arien-Aufnahmen), Charlin Disques (»Les Béatitudes« von César Franck).

 

4.8. Carlos Julio RAMIREZ: 100. Geburtstag

Carlos Julio Ramirez

Er debütierte in seiner Heimat Kolumbien am Teatro Coló der Landeshauptstadt Bogotà. 1937 gastierte er erstmals am Teatro Colón Buenos Aires und kam dort wie auch am Opernhaus von Mexico City seitdem zu einer erfolgreichen Karriere. Er bereiste 1939-40 mit der San Carlo Opera Company die USA. 1940-41 nahm er an der USA-Tournee von Charles L. Wagners Einstudierung der Rossini-Oper »Der Barbier von Sevilla« teil, wobei ihm seine Gestaltung der Titelpartie in dieser Oper große Erfolge brachte. Er trat danach in Hollywood in zwei Musicals auf, sang dann wiederum an der Oper von Mexico City. Seine weitere Karriere entsprach jedoch nicht deren vielversprechendem Beginn. Er wirkte in Hollywood in mehreren Musikfilmen mit. Zu seinen wichtigsten Bühnenrollen gehörten der Renato in Verdis »Un ballo in maschera« und der Graf Luna im »Troubadour«. Er starb 1986 in Miami (Florida).

1941 wurde eine (abgekürzte) Aufnahme des »Barbiers von Sevilla« auf Victor produziert mit Hilde Reggiani und Bruno Landi in den weiteren Hauptrollen und Carlos Ramirez als Figaro. Etwa gleichzeitig wurden einige mexikanische Lieder herausgegeben.

 

7.8. Gail ROBINSON: 70. Geburtstag

Gail ROBINSON

 Sie war an der Memphis State University Schülerin von Frau Norvell Taylor, in New York von Robley Lawson. 1967 gewann sie den Gesangwettbewerb Auditions of the Air der Metropolitan Oper New York. 1967 erfolgte ihr Debüt bei der Memphis Opera als Titelheldin in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti. Bereits 1967 sang sie in der St. George’s School in Newport (Rhode Island) in einer Aufführung der New Yorker Metropolitan Oper in der amerikanischen Erstaufführung der Oper »The Happy Prince« von Williamson die Swallow. Ihr offizielles Debüt an der Metropolitan Oper erfolgte 1970 als eine der Knaben in der »Zauberflöte« (übrigens als Partnerin von Frederica von Stade, die ebenfalls an diesem Abend ihr Debüt an der Metropolitan Oper als einer der Knaben gab). Sie hatte dann bis 1987 eine erfolgreiche Karriere an diesem Opernhaus, an dem sie während 18 Spielzeiten in insgesamt 216 Vorstellungen zu hören war. Sie sang an der Metropolitan Oper u.a. die Annina in »La Traviata«, die Barbarina in »Le nozze di Figaro«, die Papagena wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Lucia di Lammermoor, den Amor in »Orfeo ed Euridice« von Gluck, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Sophie im »Werther« von Massenet, die Gilda im »Rigoletto«, den Pagen Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«, die Norina im »Don Pasquale«, die Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«, die Gretel in »Hänsel und Gretel«, die Adina in »L’Elisir d’amore«, die Prinzessin in »L’Enfant et les sortilèges« von Ravel, die Ilia in »Idomeneo« von Mozart, die Blanche in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, die Almirena in »Rinaldo« von Händel, die Garsenda in »Francesca da Rimini« von Zandonai, die Servilia in »La clemenza di Tito« von Mozart, die Sophie im »Rosenkavalier«, die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod und das Echo in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Auch an den Opern von Chicago, San Antonio, Philadelphia und New Orleans, bei der Omaha Opera Company und bei der Kentucky Opera trat sie gastweise auf. In Europa absolvierte sie Gastspiele an der Hamburger Staatsoper, am Grand Théâtre Genf (1974 Romilda in »Xerxes« von Händel), an der Deutschen Oper Berlin, an den Staatsopern von Berlin (1977) und München und bei den Festspielen von Herrenhausen, wo sie 1977 die Romilda übernahm. Als begabte Koloratrice erwies sie sich in weiteren Partien wie der Zerline im »Don Giovanni«, der Fiordiligi in »Così fan tutte«, der Amina in Bellinis »La Sonnambula«, der Marie in »La Fille du Régiment«, der Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet und der Lucy in Menottis »The Telephone«. Erfolgreiches Wirken auch im Konzertbereich. Seit 1990 Direktorin des Young Artist Development Program der New Yorker Metropolitan Oper. Sie starb 2008 in Lexington (KY).

Schallplatten: Ariola.

 

7.8. Harlan FOSS: 75. Geburtstag

 Der amerikanische Bariton absolvierte die Universität von Südflorida. Er sang viele Jahre an der New York City Opera und an der Santa Diego Opera sowie bei anderen amerikanischen Operngesellschaften. Er war vor allem berühmt für die Mitwirkung in zeitgenössischen Opern. Er gestaltete Abraham Lincoln in Roberts Wilsons Civil War. Er starb 1991 in North Myrtle Beach (SC).

 

8.8. Maria CARENA: 125. Geburtstag
Märta_Petrini,

Ausgebildet durch Virginia Ferni-Germano in Turin, Debüt 1917 am Teatro Chiarella in Turin als Leonore im »Troubadour«. Sie sang dann am Teatro Costanzi in Rom (1919 die Aida), am Teatro San Carlo in Neapel und am Teatro Lirico in Mailand. 1919 gastierte sie am Teatro Coliseo von Buenos Aires, 1920 am Teatro San Carlos von Lissabon, 1920-21 am Teatro Real von Madrid, hier u.a. als Partnerin von Giacomo Lauri-Volpi. 1920 wirkte sie in der Uraufführung der Oper »Uomo che ride« von Arrigo Pedrollo am Teatro Dal Verme in Mailand mit. Im Januar 1922 debütierte sie an der Mailänder Scala als Titelheldin in Puccinis »Suor Angelica«. In der Saison 1922-23 hörte man sie dort als Elsa im »Lohengrin« und als Isabella in »Cristoforo Colombo« von Franchetti. Bis 1932 blieb sie jetzt eine gefeierte Primadonna der Scala. Dort sang sie 1924, alternierend mit Rosa Raisa, die Asteria in den ersten Aufführungen von Boitos nachgelassener Oper »Nerone« 1925 begeisterte sie das Publikum der Scala als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera« und trat im gleichen Jahr an der Oper von Santiago de Chile auf. 1920 nahm sie am Teatro Comunale Bologna an der Uraufführung der Oper »Nemici« von Guerrini teil. 1922 und 1931-32 gastierte sie am Teatro Carlo Felice Genua, 1920-21 und 1924 am Teatro Comunale Bologna, in den Jahren 1926-36 immer wieder am Teatro Regio Turin. 1927 erregte sie am Teatro San Carlo Neapel durch ihre Gestaltung der Giulia in »La Vestale« von Spontini (seitdem ihre besondere Glanzrolle) und der Valentine in Meyerbeers »Hugenotten« Aufsehen. 1932 feierte man sie am Teatro Costanzi von Rom abermals als Giulia in »La Vestale«. 1930 sang sie bei den Festspielen in der Arena von Verona die Elsa. Noch 1940 ist sie in Rom aufgetreten. Von ihren großen Bühnenrollen seien die Giselda in Verdis »I Lombardi«, die Titelrolle in »Loreley« von Catalani, die Elena in »Mefistofele« von Boito, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, die Tosca und die Katiusha in »Risurrezione« von Alfano angeführt. Sie starb 1966 in Turin.

Akustische Aufnahmen auf Fonotipia (u.a. ein Duett mit Luisa Bertana); elektrische Aufnahmen: vollständiger »Troubadour« auf HMV mit Aureliano Pertile und Apollo Granforte, dazu eine Fonotipia-Platte.

 

8.8. Adolf BUSCH: 125. Geburtstag

Der Sohn des Instrumentenbauers Wilhelm Busch studierte in Köln bei Willy Hess und bei Bram Eldering Violine, Kompositionsunterricht erhielt er bei Fritz Steinbach. Neben dieser Ausbildung am Kölner Konservatorium erhielt er seit 1908 noch Kompositionsunterricht vom Bonner Musikdirektor Hugo Grüters. 1912 wurde er Konzertmeister in Wien und erhielt 1918 eine Professur an der Musikhochschule in Berlin. Dort gründete er das weltberühmte Busch-Quartett. Duo-Partner war unter anderen Rudolf Serkin. Er war Solist unter den großen Dirigenten wie Arturo Toscanini, Bruno Walter, Wilhelm Furtwängler, Adrian Boult und John Barbirolli. Aus Protest gegen die Berufung des Komponisten Franz Schreker als Leiter der Musikhochschule war er 1922 demissioniert und erst nach Darmstadt, 1927 nach Basel gezogen, wo er unter anderem auch Lehrer von Yehudi Menuhin war. Bis 1939 arbeitete er in Basel, wo er sein eigenes Kammerorchester gründete. In England gründete er 1936 die Busch Players. Busch war ein Gegner der Nationalsozialisten, und als diese versuchten ihn zurückzugewinnen, meinte er, dass er „mit Freuden an dem Tag zurückkehren“ werde, da „Hitler, Goebbels und Göring öffentlich gehängt“ würden. 1933-49 trat er fortan nicht mehr in Deutschland auf. 1939 emigrierte er in die USA, wo er sich bald bei Rudolf Serkin, der 1935 seine Tochter Irene geheiratet hatte, in Guilford bei Brattleboro (Vermont) niederließ. Schon bald bildeten sie zusammen mit seinem Bruder Hermann Busch das „Busch-Serkin-Trio“. Er entfaltete dort eine reiche künstlerische und pädagogische Tätigkeit. Ebenfalls mit Serkin gründete er das 1951 Marlboro Music Festival, das in Marlboro, Vermont, stattfindet. Adolf Busch 1952 in Guildford, Vermont. Er war der Bruder des Dirigenten Fritz Busch, des Cellisten Hermann Busch, des Schauspielers Willi Busch sowie des Pianisten Heinrich Busch.

Obwohl vorrangig als Interpret berühmt, war Busch auch ein produktiver Komponist spätromantischer Prägung, der stilistisch Johannes Brahms, Max Reger und Othmar Schoeck nahestand. Den Kern seines Schaffens bilden Kammermusikwerke, dazu treten Orchesterwerke, Chorsinfonik, Klavier- und Orgelstücke sowie Lieder.

 

9.8. Ursula BRÖMME: 85. Geburtstag
Ursula BRÖMME

 Gesangstudium bei dem Pädagogen K. Wichmann in Halle. Sie debütierte 1953 als Altistin am Stadttheater von Stralsund in der Rolle der Emilia in Verdis »Otello«. 1955-59 kam sie an das Theater von Meiningen (Thüringen), wo sie den Übergang ins Sopranfach vollzog. Seit 1959 als erste Sopranistin am Opernhaus von Leipzig verpflichtet. Sie trat dort in Aufgaben wie der Leonore im »Fidelio«, der Carmen, der Amelia im »Maskenball« von Verdi, der Aida, der Senta in »Der fliegende Holländer«, der Elisabeth im »Tannhäuser«, der Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, dem Adriano in Wagners »Rienzi«, der Titelfigur in Tschaikowskys »Jungfrau von Orléans«, der Salome in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, der Färbersfrau in der »Frau ohne Schatten«, der Titelheldin in Janáceks »Jenufa« und der Katarina Ismailowa (»Lady Macbeth von Mzensk«) in der gleichnamigen Oper von Schostakowitsch auf. 1969 wirkte sie in Leipzig in der Uraufführung von R. Hanells »Griechischer Hochzeit« mit. Erfolgreiche Gastspiele in den sechziger Jahren an den Staatsopern von Dresden und München und an der Nationaloper Budapest. Große Darstellerin. Sie starb im Jahr 2000.

Eterna-Schallplattenaufnahmen.

 

9.8. Jeanne-Éléonore PAULIN: 150. Geburtstag

 Sie studierte am Conservatoire National de Paris. 1890 debütierte sie an der Oper von Monte Carlo als Berthe in »Le Voyage en Chine« von F. Bazin. In der Saison 1890-91 war sie am Théâtre de la Monnaie Brüssel anzutreffen, wohin sie nach der folgenden Spielzeit, die sie am Theater von Cannes verbrachte, für die Jahre 1892-94 zurückkehrte. Danach wirkte sie am Théâtre de la Haye im Haag, wo sie den Siebel im »Faust« von Gounod, den Pagen Urbain in Meyerbeers »Hugenotten«, die Lola in »Cavalleria rusticana«, die Nedda im »Bajazzo« und die Titelrolle in »Mignon« von A. Thomas sang, dann 1895 an den Folies-Dramatiques Paris und an den Opern von Lyon und Antwerpen. 1902 kam sie wieder nach Brüssel und blieb jetzt bis 1913 dort am Théâtre de la Monnaie im Engagement. Hier sang sie u.a. 1907 in der ersten Aufführung von Smetanas »Die verkaufte Braut« in französischer Sprache die Hata (Agnes) und in den Erstaufführungen der Richard Strauss-Opern »Feuersnot« (1907 die Ursula) und »Elektra« (1910). Aus ihrem Repertoire sind noch die Brigitte in »Le Domino noir« von Auber, die Jacqueline im »Le Médecin malgré lui« von Gounod, die Babet in »Le Nouveau Seigneur de Village« von Boieldieu, die Rita in »Zampa« von Hérold, die Baronin in »Chérubin« von Massenet und die Mme. Prune in »Madame Chrysanthème« von Messager zu erwähnen. Seit 1890 war sie mit dem zeitweilig an der Opéra-Comique tätigen Korrepetitor J. Archaimbaud verheiratet. (Sie ist vielleicht identisch mit der Sängerin Liesbeth Paulin, die in der Saison 1905-06 an der Londoner Covent Garden in kleineren Rollen auftrat).

 

11.8. Hermann KRUG: 150. Geburtstag

 Er war zunächst als Instrumentalmusiker in Helsinki tätig. Als er gelegentlich in einem Konzert eine Solopartie sang, fiel seine schöne Stimme auf. Er studierte darauf Gesang, vor allem bei Günzburger in Sondershausen (Thüringen). 1894-95 begann er seine Karriere mit einem Engagement am Hoftheater von Sondershausen. Hier sang er bereits Partien wie den Tannhäuser, den Siegfried im Nibelungenring, den Faust von Gounod und den Fra Diavolo in der Oper gleichen Namens von Auber. Nach einem erfolgreichen Gastspiel an der Dresdner Hofoper als Tannhäuser wurde er an dieses Opernhaus verpflichtet, dem er 1895-97 angehörte. Hier sang er u.a. den Max im »Freischütz«, den Rienzi von R. Wagner und den Aubry in »Der Vampyr« von H. Marschner, die letztgenannte Partie in einer Gala-Vorstellung zum 100. Geburtstag des Komponisten. 1897 folgte er einem Ruf an das Hoftheater von Mannheim, wo er wiederum als Wagner-Interpret (Lohengrin, Tannhäuser, Rienzi, Siegmund, Tristan) bekannt wurde und 1897 in der Uraufführung der Oper »Gernot« von Eugen d’Albert mitwirkte, doch starb er dort 1903 im Alter von nur 36 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere stehend.

 

12.8. Samo SMERKOLJ: 95. Geburtstag

 Er wurde durch Julius Betetto und Bogo Leskovic ausgebildet. 1945 debütierte er am Opernhaus der slowenischen Hauptstadt Ljubljana als Titelheld in »Fürst Igor« von Borodin. Seine gesamte Karriere spielte sich in den folgenden Jahrzehnten an diesem Haus ab, mit dessen Ensemble er auch Gastspielreisen unternahm. Seine großen Partien auf der Bühne waren der Titelheld in »Macbeth« von Verdi, der Jago in dessen »Otello«, der Don Pizarro im »Fidelio«, der Scarpia in »Tosca«, der Eugen Onegin in der gleichnamigen Tschaikowsky-Oper und der Orest in »Elektra« von Richard Strauss. Er starb 1993 in Ljubljana.

Der auch im Konzertrepertoire geschätzte Sänger erscheint unter dem Etikett von Philips in einer vollständigen Aufnahme der Oper »Der Jahrmarkt von Sorotschinzy« von Mussorgsky.

 

12.8. Antonio CORTIS: 125. Geburtstag

Antonio_CORTIS

Seine Familie stammte aus Valencia, der eigentliche Name des Künstlers war Antonio Morton Córts. (Sein Bruder Bautista Cortis wurde ein bekannter Bariton). Musikstudium am Konservatorium von Valencia, und zwar nicht nur Gesang, sondern auch Komposition und Orchesterleitung. Debüt 1915 am Teatro Real Madrid. 1916 heiratete er Carmen Arnau. 1917 gastierte er am Teatro Colón von Buenos Aires und an der Oper von Rio de Janeiro (dort auch wieder 1921). Er sang 1917 als Antrittsrolle am Teatro Colón Buenos Aires den Beppe im »Bajazzo« (während Enrico Caruso als Canio auf der Bühne stand). Er sang dann in Italien u.a. an den Theatern von Triest, Terni und Bari. Zunächst übernahm er zumeist nur kleinere Rollen, konnte aber dann seit 1920 in großen Partien hervortreten, so seit 1920 am Teatro Costanzi von Rom (Debüt als Canio im »Bajazzo«). Dort sang er bis 1923 den Don José in »Carmen«, den Dick Johnson in Puccinis »La Fanciulla del West«, den Radames in »Aida« und den Dimitrij im »Boris Godunow«, dann auch den Walther von Stolzing in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Luigi in »Il Tabarro« von Puccini und den Faust in »La damnation de Faust« von Berlioz. Am Teatro Costanzi wirkte er 1921 in der Uraufführung der Oper »Anima Allegra« von Franco Vittadini, 1923 in der Uraufführung der Oper »I Compagnacci« von Primo Riccitelli mit. 1924 kam er an die Oper von Chicago, wo er als Radames debütierte. In Chicago hatte er einen sensationellen Erfolg in der Premiere von Giordanos »La cena delle beffe« und blieb dort bis 1932. In der Saison 1925-26 hörte man ihn an der San Francisco Opera als Radames, als Pedro in »Anima Allegra« von Vittadini, als Rodolfo in »La Bohème«, als des Grieux in »Manon Lescaut« von Puccini und als Cavaradossi in »Tosca«. Er sang an der Londoner Covent Garden Oper (1931 Kalaf in »Turandot« von Puccini), aber auch an der Mailänder Scala (1931 den Dick Johnson) und an anderen großen italienischen Bühnen. 1927 wirkte er bei den Festspielen von Verona als Radames mit. 1934 sang er an der Oper von Monte Carlo den Gennaro in »I gioielli della Madonna« von E. Wolf-Ferrari. Gegen Ende seiner Karriere ist er hauptsächlich an spanischen Theatern aufgetreten. Er lebte dann als Komponist und Pädagoge in seiner spanischen Heimat. Während des spanischen Bürgerkriegs geriet der inzwischen 45jährige Tenor, der sich nach Valencia zurückgezogen hatte, in große finanzielle Schwierigkeiten, da sein Besitz teilweise beschlagnahmt wurde. Er nahm, soweit dies möglich war, seine Karriere wieder auf und gab in Barcelona Gesangsunterricht. 1947 sang er nochmals am Teatro Tivoli in Barcelona den Cavaradossi und den Don José. Letztmalig erschien er 1950 in Zaragoza als Cavaradossi auf der Bühne. Er starb 1952 in Denia bei Valencia. – Strahlende Tenorstimme von metallischem Glanz in den hohen und höchsten Lagen, besonders als Puccini-Interpret gerühmt.

Lit: F. Vercher-Grau: »Antonio Cortis, il piccolo Caruso« (Valencia, 1989).

Schallplatten: Parlophon, Victor, HMV.

 

13.8. Helmut GRITZKA: 90. Geburtstag

Nach seinem Studium, das in Berlin stattfand, war er zuerst an der Staatsoper und an der Komischen Oper Berlin tätig. 1955 gewann er einen internationalen Gesangwettbewerb in Moskau, 1956 kam er als erster Bariton an das Stadttheater von Erfurt. Früh machte sich bei ihm eine schwere, unheilbare Krankheit bemerkbar. 1960 trat er der holländischen Operngesellschaft Forum in Enschede bei, wo er noch bis unmittelbar vor seinem Tod auftrat. Sein Repertoire für die Bühne hatte seine Höhepunkte in Partien wie dem Escamillo in »Carmen«, dem Marcel in »La Bohème«, dem Rigoletto, dem Wolfram im »Tannhäuser« und dem Telramund im »Lohengrin«. Er starb 1962 in Enschede (Holland).

Schallplatten: Telramund in vollständiger »Lohengrin«-Aufnahme, aus der jedoch nur ein Querschnitt veröffentlicht wurde.

 

14.8. Giorgio STREHLER: 95. Geburtstag

Er ist der Sohn eines Österreichers und einer slawischen Mutter, seine Großmutter war Französin. Strehler lebte während des Zweiten Weltkriegs in der Emigration in der Schweiz. Dort begann er mit dem Theater. Er gründete in Genf mit anderen Exilanten aus verschiedensten Ländern die Theatergruppe Compagnie des Masques. Seine erste Inszenierung als Regisseur war Mord im Dom von T.S. Eliot und die zweite Caligula, ein mäßiges Debütstück von Albert Camus. Beide Inszenierungen entstanden noch in der Schweiz. Nach dem Krieg ging er zurück nach Italien und fuhr mit seiner Theaterarbeit fort. Seine erste Inszenierung in Italien war Trauer muss Elektra tragen von Eugene O’Neill. Seine ersten Arbeiten sind geprägt vom Neo-Realismus des italienischen Films, vor allem durch die Filme von Roberto Rossellini und Vittorio De Sica. Zum zehnten Todestag von Maxim Gorki inszeniert Strehler als freie Produktion Die Kleinbürger. Die Schauspielertruppe wurde organisiert von Paolo Grassi und bildete wenig später den Kern für die Gründung des Piccolo Teatro. Es war das erste ständige Sprechtheater in Italien. Bereits Mitte der 1950er Jahre bereiste das Ensemble ganz Europa und entwickelte sich zum kulturellen Exportschlager Italiens. Vor allem Strehlers Beschäftigung mit der Commedia dell’Arte wurde als beispielhaft angesehen. Seine Inszenierung von Carlo Goldonis Diener zweier Herren gilt als eines der theatralischen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts und wird bis heute regelmäßig am Piccolo Teatro wiederaufgenommen. Dieser Erfolg wurde nur möglich durch die Zusammenarbeit mit Amleto Sartori, einem Bildhauer, der sich von da an ganz der Fertigung der Theatermaske widmete, und Strehlers Forschen nach den besonderen „Bewegungen“ der Commedia dell’arte. Seit den späten 1950er Jahren arbeitete Strehler vorwiegend mit dem Bühnen- und Kostümbildner Luciano Damiani zusammen. Diesem Team gelangen international gefeierte Inszenierungen, etwa 1963 Bertolt Brechts Leben des Galilei oder 1964 Carlo Goldonis Le baruffe chiozzote) (Viel Lärm in Chiozza). Ende der 1960er kam es zu künstlerischen Differenzen, weswegen Strehler nun verstärkt auf Damianis Schüler Ezio Frigerio zurückgriff, der als ständiger Partner vor allem in den späten Jahren fungierte. Strehler inszenierte in vielen Theatern Europas. Für die Salzburger Festspiele erarbeitete er 1973 in der Felsenreitschule eine mit Das Spiel der Mächtigen betitelte Version von William Shakespeares Königsdramen (mit Andrea Jonasson, Michael Heltau, Will Quadflieg u. a.). Am Wiener Burgtheater erarbeitete er 1973 Carlo Goldonis Trilogie der Sommerfrische (Bühnenbild, Kostüme: Frigerio; mit Heltau, Jonasson, Susi Nicoletti u. a.) sowie 1975 erneut Das Spiel der Mächtigen. Seine Dreigroschenoper in Paris (Bühnenbild Frigerio) hatte Mitte der 1980er Jahre großen Erfolg. Mit einem internationalen Ensemble, darunter Michael Heltau als Mackie Messer, Milva als Seeräuber-Jenny, Hanna Schygulla als Polly und Yves Robert als Mr. Peachum, schuf er eine sehr positiv aufgenommene Aufführung. 1994 kehrt er noch einmal an das Burgtheater – als dessen Direktor er wiederholt im Gespräch gewesen war – zurück, um Luigi Pirandellos Die Riesen vom Berge (Bühnenbild Frigerio, Kostüme Franca Squarciapino) aufzuführen. Auch als Opernregisseur war er an allen wichtigen Opernhäusern der Welt tätig, vor allem an der Mailänder Scala, wo er bereits in den späten 1940er Jahren erstmals inszeniert hatte und wohin er immer wieder zurückkehrte. Dort gestaltete er beispielsweise 1971 Giuseppe Verdis Simon Boccanegra in einer von Kritik und Publikum heftig akklamierten Inszenierung (Bühnenbild, Kostüme: Frigerio; Dirigent Claudio Abbado), 1975 Verdis Macbeth (Bühnenbild, Kostüme: Damiani; Dirigent Abbado) oder 1980 Wolfgang Amadeus Mozarts Le nozze di Figaro (Bühnenbild: Frigerio, Kostüme Squarciapino; Dirigent Riccardo Muti). Der große internationale Durchbruch als Operninszenator fand jedoch 1965 bei den Salzburger Festspielen mit einer sehr bald als Maßstab setzend eingeschätzten Gestaltung von Mozarts Die Entführung aus dem Serail statt (Bühnenbild, Kostüme: Damiani; Dirigent Zubin Mehta; mit Fritz Wunderlich, Anneliese Rothenberger, Fernando Corena und Michael Heltau als Bassa Selim). 1974 führte er in Salzburg bei Mozarts Die Zauberflöte Regie (Bühnenbild, Kostüme: Damiani; Dirigent Herbert von Karajan), die jedoch weniger glücklich ausfiel, nicht zuletzt aus musikalischen Gründen und wegen der enormen Dimensionen des Großen Festspielhauses. Im Streit vor allem mit Karajan beendete Strehler deshalb seine Zusammenarbeit mit den Festspielen, mit denen er eine intensive Kooperation geplant hatte (u. a. eine Inszenierung von Mozarts Don Giovanni). Spätere Versuche, Strehler wieder nach Salzburg zu bringen, scheiterten. Seinen nun schon legendären Simon Boccanegra brachte Strehler 1978 nach Paris, und an der Wiener Staatsoper widmete er sich 1984 dieser Verdi-Oper ein letztes Mal. Strehler unterrichtete auch am Max-Reinhardt-Seminar in Wien als Gastdozent. Strehler starb Weihnachten 1997 an einem Herzinfarkt in Lugano. Seine letzte geplante Inszenierung, Mozarts Così fan tutte konnte er nicht mehr vollenden, es blieb bei insgesamt elf Probentagen. Die Aufführung wurde von Strehlers Mitarbeitern (u. a. Bühnenbildner Frigerio) fertig gestellt. Strehler war mit der deutschen Schauspielerin Andrea Jonasson verheiratet. In den Jahren 1983 und 1984 war Strehler, nachdem er für Bettino Craxi nachgerückt war, Mitglied des Europäischen Parlaments. 1987 wurde er in den Senato della Rupubblica gewählt.

 

14.8. Albino MARONE: 125. Geburtstag

Albino MARONE als Mefistofele
Als Mefistofele

Er wurde 1911 Chorist am Teatro Regio Turin und dann durch Pia Rocca und durch Maestro Boglione zum Solisten ausgebildet. Er debütierte (wahrscheinlich) 1920 am Teatro Regio Turin als Hans Foltz in »Die Meistersinger von Nürnberg« und sang dort in der Saison 1921-22 den König in »Aida« und den Gualtiero in »I Puritani« von Bellini, 1923 den Angelotti in »Tosca«, 1923 am Teatro Sociale Mantua den Sparafucile im »Rigoletto« und den Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, am Teatro Petruzzelli in Bari in der Oper »Dejanice« von Catalani, 1923 auch am Teatro Paganini in Genua. Einen ersten großen Erfolg hatte er, als er unter dem berühmten Dirigenten Tullio Serafin den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« sang. An der Mailänder Scala debütierte er 1926 als Großinquisitor im »Don Carlos« von Verdi und sang dort 1928-29 den König in »Aida«, 1929-30 den Commendatore im »Don Giovanni« und den Pater Guardian in Verdis »La forza del destino«.  Er nahm 1929 an den Scala-Gastspielen in Wien und Berlin teil, die zu einem großen Triumph für Arturo Toscanini wie für das Ensemble wurden. Albino Marone sang dabei in »Aida« wie im »Rigoletto« von Verdi. 1931 gastierte er am Teatro Massimo Palermo als Oroveso in »Norma« (mit Gina Cigna in der Titelrolle), als Pimen im »Boris Godunow« und als König Marke in »Tristan und Isolde«. 1936 hörte man ihn am Teatro Comunale Bologna als König in »Aida« und als Hunding in der »Walküre«, 1938 am Opernhaus von Rio de Janeiro, 1940 am Teatro Municipale Piacenza als Pater Guardian. Er bereiste auch Frankreich, die Schweiz, Ungarn, Ägypten, Spanien, Portugal, Griechenland, Nord- und Südamerika. In der zweiten Hälfte seiner Karriere trat er viel am Italienischen Rundfunk EIAR Rom und Turin auf; fast alljährlich war er in Südamerika anzutreffen, wo man ihn besonders schätzte. Die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges veranlassten ihn, in seiner italienischen Heimat zu bleiben, wo er sich in Turin als Hunding von seinem Publikum verabschiedete. Auch als Konzertbassist kam er zu hohem Ansehen; so nahm er 1925 an einem Gala-Konzert vor den Delegierten des Genfer Völkerbunds teil und wurde von dem italienischen Minister Scialoia danach mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Er starb 1962 in Alfiano Natta bei Alessandria.

Schallplatten: Zwei Ensembleszenen aus »Wilhelm Tell« und aus »Un ballo in maschera« auf Odeon (um 1930); vollständige Aufnahmen von Monteverdis »L‘Orfeo« auf HMV (etwa 1938, als Caronte und Plutone).

 

15.8. Rita SHANE: 80. Geburtstag

Rita SHANE

Sie erhielt ihre Ausbildung durch Beverley Peck Johnson und Herbert Bliss in New York. Sie studierte auch am Barnard College New York und 1962-63 im Apprentice Program der Santa Fé Opera. 1964 kam es zu ihrem Bühnendebüt bei der Chattanooga Opera als Olympia in »Hoffmanns Erzählungen«. Sie hatte bald eine große Karriere in ihrer nordamerikanischen Heimat und trat dort an den Opern von Chicago, Baltimore, Philadelphia, San Diego, Santa Fé und an der City Opera New York (Antrittsrolle: Donna Elvira im »Don Giovanni«, bereits 1965) auf. Dort sang sie auch 1979 in der Uraufführung von »Miss Havisham’s Fire« von Dominick Argento. 1973 wurde sie Mitglied der Metropolitan Oper New York, an der sie als Königin der Nacht in der »Zauberflöte« debütierte und bis 1982 in insgesamt 72 Vorstellungen auch die Musetta in »La Bohème«, den Pagen Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«, die Pamira in Rossinis »Le siège de Corinthe«, die Traviata, die Lucia di Lammermoor, die Berthe in »Le Prophète« von Meyerbeer und die Gilda im »Rigoletto« sang. Große internationale Erfolge brachten ihr Gastspiele im Wiener Konzerthaus (1971 als Marguerite de Valois in einer konzertanten Aufführung der »Hugenotten« von Meyerbeer), an den Staatsopern von Wien (1973 als Königin der Nacht und als Konstanze in der »Entführung aus dem Serail«) und München, an der Mailänder Scala (1970 als Fiakermilli in »Arabella« von R. Strauss), an der Niederländischen Oper Amsterdam, an der Opéra du Rhin Straßburg und am Opernhaus von Genf (1971 Titelfigur in »Lulu« von A. Berg). Bei den Festspielen von Salzburg trat sie 1972 in dem Monodrama »Erwartung« von A. Schönberg auf. Sie brachte eine Vielzahl von Partien aus dem klassischen Koloraturrepertoire, aber auch moderne Werke zum Vortrag. Von ihren Rollen seien weiters genannt: die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Adina in »L‘Elisir d’amore«, die Titelfigur in Donizettis »Maria Stuarda«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Fata Morgana in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofieff und die Zerbinetta in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Nicht weniger erfolgreich im Konzertsaal. Sie wurde als Professorin an die Eastman School of Music in Rochester berufen. Sie starb 2014 in New York.

Schallplatten: Privataufnahmen aus der Metropolitan Oper und aus der Oper von Santa Fé. Auf der Marke MRF singt sie die Marguerite de Valois in einer integralen Aufnahme der »Hugenotten« (Mitschnitt einer Aufführung in Wien, 1971).

 

16.8. Guido MAZZINI: 95. Geburtstag

 Seine Lehrer waren die Pädagogen Manfredo Polverosi und Riccardo Stracciari in Rom. Sein Debüt erfolgte 1945 am Teatro San Carlo Neapel als Silvio im »Bajazzo« von Leoncavallo. Der Künstler hatte eine lang dauernde, erfolgreiche Karriere an den ersten Opernhäusern der italienischen Halbinsel. So sang er an der Mailänder Scala (1967 einen der Boten in  »Job« von Dallapiccola), an den Opern von Rom, Bologna, Turin, Florenz, Palermo, Parma und Venedig und wirkte bei den Festspielen von Florenz, Spoleto und in den römischen Thermen des Caracalla mit. 1969, 1975, 1979-80 und 1984 trat er bei den Festspielen von Verona auf. Im Ausland gastierte er an der Wiener Staatsoper (1966-70 als Fra Melitone in »La forza del destino« und als Ping in Puccinis »Turandot«), am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, am Teatro Liceu von Barcelona, an der Nationaloper von Sofia, in Basel, Genf und Helsinki, an der Scottish Opera (1954 als Marcello in »La Bohème«, als Belcore in »L’Elisir d’amore« und als Lescaut in »Manon« von Massenet) sowie beim Festival von Edinburgh (1972 als Herzog von Montolino in Bellinis »La Straniera« anlässlich eines Gastspiels des Teatro Massimo Palermo). Sein weit reichendes Bühnenrepertoire enthielt die klassischen Partien aus dem Bereich der italienischen und der französischen Oper, aber auch Aufgaben in slawischen, zeitgenössischen und Wagner-Opern. Davon seien besonders der Sharpless in »Madame Butterfly«, der Malatesta im »Don Pasquale«, der Michonnet in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und der de Siriex in Giordanos »Fedora« genannt. 1995 beendete er seine Bühnenkarriere. Er starb 1996 in Rom.

Schallplattenaufnahmen auf HMV (Ping in »Turandot«), Cetra (»La Bohème« von Leoncavallo), DGG (Mesner in »Tosca«), Philips (»La Bohème« von Puccini), MRF (»Isabeau« von Mascagni), ANNA-Records (vollständige Oper »Nozze istriane« von Smareglia), Melodram (»L’Ajo nell‘ imbarazzo« von Donizetti), CBS (Gesamtaufnahme »Don Giovanni«).

 

17.8. Nicola GHIUSELEV: 80. Geburtstag

Nicola GHIUSELEV

 Er hatte zunächst die Absicht Maler zu werden und studierte sechs Jahre lang an der Kunstakademie von Sofia. Man entdeckte dann jedoch seine schöne Stimme, die durch Cristo Brambaroff in Sofia ausgebildet wurde. 1960 fand sein Bühnendebüt an der Nationaloper Sofia in der Rolle des Timur in Puccinis »Turandot« statt; bereits 1959 hatte er den Bulgarischen Nationalen Gesangwettbewerb in Sofia gewonnen, 1960 gewann er einen Concours in Prag, 1962 den Wettbewerb beim Welt-Jugendfestival in Helsinki. Mit der Bulgarischen Nationaloper gastierte er 1965 auf einer ausgedehnten Tournee in Westdeutschland, Frankreich und Holland. Er sang dabei vorwiegend Partien aus der russischen Opernliteratur. Im Dezember 1965 erfolgte dann sein Debüt an der Metropolitan Oper New York als Ramfis in »Aida«, neben dem Boris Godunow und dem König Philipp in Verdis »Don Carlos« eine seiner Glanzrollen. Er trat in den Jahren 1965-66 an der Metropolitan Oper auch als Colline in Puccinis »La Bohème«, als Commendatore im »Don Giovanni« und als Raimondo in »Lucia di Lammermoor«, dann 1991 als Warlaam im »Boris Godunow« und 1992 als Timur, insgesamt in 24 Vorstellungen auf. 1968 war er zu Gast an der Berliner Staatsoper, 1968 (und nochmals 1987) sang er an der Grand Opéra Paris den König Philipp, 1979 an der Oper von Monte Carlo die gleiche Partie, 1981 dort auch den Mephisto im »Faust« von Gounod. In den Jahren 1970-91 war er häufig an der Wiener Staatsoper zu hören, als Mephisto im »Faust« von Gounod, als König Philipp, als Banquo in Verdis »Macbeth«, als Kreon in »Medea« von Cherubini, als Pater Guardian in »La forza del destino«, als Fiesco in Verdis »Simon Boccanegra«, als Ramfis, als Basilio im »Barbier von Sevilla«, als Don Giovanni, als Narbal in »Les Troyens« von Berlioz, als Pimen wie als Titelheld in »Boris Godunow«, als Dosifej in »Chowanschtschina« von Mussorgsky und als Attila in der gleichnamigen Verdi-Oper. Er gastierte an der Wiener Staatsoper auch im Rahmen von Gesamtgastspielen der Oper Sofia (1975 als Boris Godunow und als Dosifej, 1979 nochmals als Dosifej). Es gastierte auch an der Mailänder Scala (1970 König Philipp, 1977 Mephisto im »Faust« von Gounod, 1979 Pimen, 1981 Dosifej, sowie 1981-82 in Konzerten), in Moskau und Chicago, an den Nationalopern von Prag, Bukarest, Budapest, Warschau und Belgrad, in Bordeaux, Marseille, Lyon, Nizza und Toulouse, an den Opernhäusern von Leipzig und Dresden, in Neapel, Triest und Parma, in Kiew, Leningrad, Tiflis (Tblissi) und am Teatro Liceu Barcelona. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1965 als Pimen mit, beim Holland Festival 1966 als König Philipp. 1974 hörte man ihn an der Oper von Stockholm als Mosè in Rossinis »Mosè in Egitto«, 1976-77 und 1980-81 trat er bei den Festspielen in der Arena von Verona auf, in Houston/Texas 1986 als Enrico in »Anna Bolena« von Donizetti. 1990 sang er bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla den Ramfis, am Teatro Regio Turin den König Philipp (in der französischen Erstfassung der Oper »Don Carlos«), an der Covent Garden Oper London (Antrittsrolle 1976 Pagano in Verdis Oper »I Lombardi«) den Galitzky in »Fürst Igor« von Borodin, in Parma den Silva in Verdis »Ernani«, in Wuppertal den Leporello im »Don Giovanni«, 1991 in Dublin den Zaccaria in »Nabucco«. In einem tschechischen Film sang und spielte er den Don Giovanni. Zu seinen Bühnenpartien zählten auch der Oroveso in Bellinis »Norma«, die Titelfigur in »Mefistofele« von Boito, die vier Dämonen in »Hoffmanns Erzählungen« und der Arkel in »Pelléas et Mélisande«, den er 2000 am Teatro Comunale Bologna sang. Er starb 2014 in Sofia.

Lit: A. Marinov: Nikolai Ghiuzelev (Sofia, 1979).

Schallplatten: Die kraftvolle, dunkel timbrierte Bass-Stimme des Künstlers erscheint auf bulgarischen Balkanton-Schallplatten (u.a. vollständige Opern »Aida«, »Carmen«, »Iwan Susanin« von Glinka, »Chowanschtschina«, »Aleko« von Rachmaninoff), auf Decca (Alvise in »La Gioconda« von Ponchielli, Marcel in Meyerbeers »Hugenotten«), HMV (»Hoffmanns Erzählungen«, »La Bohème«, »Turandot« von Puccini), Sony (»Chowanschtschina« von Mussorgsky, Pimen im »Boris Godunow«, Gremin im »Eugen Onegin«, »Fürst Igor« von Borodin), Chandos (Leporello im »Don Giovanni«). Philips (»Aida« und »La Battaglia di Legnano« von Verdi, »Carmen«), Erato (Marcel in den »Hugenotten«, Kutusow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff), Harmonia mundi (»Boris Godunow«, »Aida«), Italia (»Tancredi« von Rossini), HRE (»Macbeth«), Companions Classics (Timur in »Turandot« und »I Lombardi« von Verdi), Capriccio (König Frost in »Schneeflöckchen« von Rimsky-Korssakow, Iwan Susanin in »Ein Leben für den Zaren« von Glinka) und auf Decca-Video (»Fürst Igor«).

 

17.8. Wenko WENKOFF: 95. Geburtstag

Wenko_WENKOFF

 Er war ein Bruder des bekannten bulgarischen Tenors Spas Wenkoff (1928-2013) und erhielt seine Ausbildung an der Wiener Musikakademie. 1943-44 war er an der Staatsoper Wien engagiert (Antrittsrolle: Stimme des Jünglings in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss; danach folgten Auftritte als Rodolfo in Puccinis »La Bohème«, als italienischer Sänger im »Rosenkavalier«, als Dandini und als 4. Kapellsänger in Hans Pfitzners »Palestrina«, als italienischer Tenor im »Capriccio« von R. Strauss und als Malcolm in Verdis »Macbeth«). Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wirkte er 1945-55 wieder an der Wiener Staatsoper (nun auch als Pinkerton in »Madame Butterfly«, als Dimitrij im »Boris Godunow«, als Cavaradossi in »Tosca«, als Ernesto im »Don Pasquale«, als Cassio in Verdis »Otello«, als Herzog im »Rigoletto«, als Riccardo in Verdis »Maskenball«, als Alfredo in »La Traviata«, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Stewa in Janáceks »Jenufa«, als Graf von Bosco in »Die schalkhafte Witwe« von E. Wolf-Ferrari, als Faust von Gounod, als Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, als Rinuccio in »Gianni Schicchi«, als Herzog Guido in »Eine Nacht in Venedig« von J. Strauß, als Wladimir in Borodins »Fürst Igor«, als Gritzko in »Der Jahrmarkt von Sorotschintzi« von Mussorgski, als Francois Lorand in »Die Kathrin« von E.W. Korngold, als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Octavio in Lehárs »Giuditta«, als Dick Johnson im »Mädchen aus dem goldenen Westen«, als Kalaf in Puccinis »Turandot«, als Manrico im »Troubadour« und als Don Carlos in der gleichnamigen Verdi-Oper) und noch bis 1957 als Gast an der Wiener Volksoper. Bis 1958 gehörte er auch dem Ensemble des Stadttheaters von Basel an. Er gastierte am Opernhaus von Graz (1942), in Düsseldorf (1951) und Hannover (1953), am Teatro Liceu Barcelona (1955) und an der Oper von Monte Carlo (1955). 1949 gastierte er am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich als Alfred in der »Fledermaus«. Erfolgreiche Konzertauftritte rundeten die Karriere des Sängers ab. Er starb 1992 in Wien.

Schallplatten: Archivaufnahmen aus der Wiener Staatsoper auf Koch/Schwann (Jüngling in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss).

 

18.8. Edgar SEIPENBUSCH: 80. Geburtstag

Er studierte an der Hochschule für Musik und Tanz Köln Geige, Klavier, Komposition und Kammermusik. Seine künstlerische Laufbahn begann er als Konzertmeister des Rheinischen Kammerorchesters in Köln. 1962 absolvierte er unter anderem bei Hans Swarowsky ein Dirigentenstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, das er mit Auszeichnung abschloss. Sein erstes festes Engagement für zwei Jahre hatte er am Stadttheater in St. Pölten. Ab 1967 war er fünf Jahre lang erster Kapellmeister an der Grazer Oper. 1972 wechselt er nach Innsbruck, übernahm die Kapellmeisterklasse des Tiroler Landeskonservatoriums, später auch die Leitung des Orchesters, und wirkte bis 1992 als Generalmusikdirektor der Stadt Innsbruck. Nachdem er das Amt an den Niederländer Kasper de Roo abgegeben hatte, folgten Jahre der Lehrtätigkeit am Innsbrucker Konservatorium und Gastdirigate in Europa. 1982-84 leitete er an der Wiener Staatsoper insgesamt 19 Vorstellungen der Opern Don Pasquale, Die Meistersinger von Nürnberg und Der Rosenkavalier. Ab 1995 war er Dirigent der Wiener Kammeroper sowie des Festivals „Mozart in Schönbrunn“. Neben seiner Konzerttätigkeit im In- und Ausland lehrte er auch am Mozarteum. Die Stadt Innsbruck und das Land Tirol zeichneten ihn mit dem Ehrenzeichen und dem Verdienstkreuz für Kunst und Kultur aus. Er starb im April 2011.

 

18.8. Märta PETRINI: 150. Geburtstag

Märta_Petrini,

 Schülerin der Pädagogen A. Bax und Mathilde Marchesi in Paris. 1890 debütierte sie an der Königlichen Oper von Stockholm als Titelheldin in »Lakmé« von Delibes, wobei es sich um die schwedische Erstaufführung der Oper handelte. In den Jahren 1890-95 gab sie Gastspiele an verschiedenen europäischen Theatern, so (sehr wahrscheinlich unter dem Namen Marta Petrina) an der Covent Garden Oper London als Königin Marguerite de Valois in den »Hugenotten« von Meyerbeer, 1893 an der Opéra-Comique Paris, 1895 am Teatro Dal Verme in Mailand. 1895-97 war sie reguläres Mitglied der Königlichen Oper Stockholm. 1896 sang sie hier die Titelrolle in Massenets »Manon« in der schwedischen Erstaufführung dieser Oper. 1899 gastierte sie an der Hofoper von Budapest. 1900-03 war sie am Opernhaus von Leipzig engagiert. Sie gab in den folgenden Jahren Gastspiele und Konzerte in Deutschland und Schweden. So trat sie u.a. als Gast an den Hofopern von Stuttgart (1898) und Dresden (1903) sowie in Düsseldorf auf und gastierte in Rom (1905) und St. Petersburg. Weitere Bühnenpartien: die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Lucia di Lammermoor, die Leonore im »Troubadour«, die Traviata, der Page Urbain in Meyerbeers »Hugenotten«, die Philine in »Mignon« von A. Thomas, die Titelrolle in Flotos »Martha«, die Marguerite im »Faust« und die Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod, auch die Nedda im »Bajazzo«. Später wandte sie sich theosophischen Studien und der Philosophie des indischen Hinduismus zu. Sie wanderte nach Indien aus und lebte dort bis 1919 in Madras, kehrte dann aber wieder in ihre schwedische Heimat zurück. Sie starb 1932 in Höstsol bei Stockholm.

1909 wurde ihr schön gebildeter Koloratursopran durch einige in Deutschland aufgenommene HMV-Aufnahmen festgehalten.

 

19.8. Guadalupe PÉREZ ARIAS: 95. Geburtstag

 Informationen über die mexikanische Sopranistin auf Spanisch: https://es.wikipedia.org/wiki/Guadalupe_P%C3%A9rez_Arias

 

20.8. Richard AMES: 85. Geburtstag

 Er wurde zunächst durch Mario Basiola in Mailand zum Bariton ausgebildet und debütierte 1958 in diesem Stimmfach bei der New Orleans Opera in der Rolle des Masetto im »Don Giovanni«. Er sang in den folgenden Spielzeiten in Philadelphia und Boston und kam 1961 nach Europa. Hier debütierte er 1961 am Stadttheater von Münster (Westfalen) als Don Giovanni. 1962-65 war er am Opernhaus von Wuppertal verpflichtet, wo er Partien wie den Jago im »Otello« von Verdi, den Amfortas im »Parsifal«, den Tonio im »Bajazzo« und den Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky sang. 1966-68 wurde seine Stimme durch den berühmten Wagnersänger Max Lorenz zum Heldentenor umgeschult; als solcher debütierte er 1967 am Staatstheater von Oldenburg mit dem Siegmund in der »Walküre«. 1968 wurde er Mitglied des Opernhauses von Graz, an dem er in den folgenden zwanzig Jahren große Erfolge hatte, darunter als Loge und als Siegmund im Nibelungenring, als Titelheld in Pfitzners »Palestrina«, als Florestan im »Fidelio«, als Otello von Verdi, als Canio im »Bajazzo« und als Lohengrin. Später wandte er sich bevorzugt dem Charakterfach zu (Basilio in »Figaros Hochzeit«. Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, Hauptmann in A. Bergs »Wozzeck«,  Schulmeister in Janáceks »Das schlaue Füchslein«, Hoteldirektor in »Johnny spielt auf« von E. Krenek, Herodes in »Salome« von Richard Strauss, Hirte in »Tristan und Isolde«, Charles Carboy in der österreichischen Erstaufführung der Oper »Barnstable oder Jemand auf dem Dachboden« von Francis Burt, Bill in »Aufstieg und Fall der Stadt  Mahagonny« von K. Weill, Spalanzani in »Hoffmanns Erzählungen« u.a.). Er erlangte vor allem als Herodes großes Ansehen; er sang diese Partie u.a. an den Opern von Rom (1977) und Monte Carlo (1977), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1974), am Stadttheater Augsburg (1988) und an weiteren Bühnen. Nicht weniger bekannt wurde er als Mime im Nibelungenring, als Bürgermeister im »Besuch der alten Dame« von G. von Einem und in vielen zeitgenössischen Opernpartien. So wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Die Lederköpfe« von Rudolf Weishappel (1970 in Graz), »Der lange Weg zur großen Mauer« von Schwertsik (1975 in Luzern), »Orpheus ex machina« von Ivan Eröd (1978 in Graz) und »Der Rattenfänger« von Friedrich Cerha (1987 in Graz) mit. Auch auf den Gebieten des Musicals und des Schauspiels trat er erfolgreich auf. Gastengagements an den Opernhäusern von Leipzig, Budapest und Zagreb, am Stadttheater von Basel, am Theater von Bern, in Dortmund, Kassel und Mannheim, an der Wiener Staatsoper (in Friedrich Cerhas Oper »Der Rattenfänger«), am Teatro San Carlos Lissabon, beim Steirischen Herbst in Graz, bei den Wiener Festwochen und beim Festival de Lausanne. Er starb im März 2005.

Zweifellos existieren Mitschnitte von Rundfunksendungen.

 

21.8. Gregg SMITH: 85. Geburtstag

 Informationen über den Chorleiter auf seiner Homepage: http://greggsmithsingers.com/

 

21.8. August KRAEMER: 175. Geburtstag

 Er studierte zuerst Philosophie an der Universität von Halle/Saale und begann dann eine Beamtenlaufbahn in der Landwirtschaftsverwaltung. Er ließ seine Stimme seit 1872 durch Luigi Salvi in Wien, seit 1875 durch Francesco Lamperti in Mailand ausbilden und debütierte 1878 am Theater von Vercelli mit einer italienischen Stagione im »Faust« von Gounod. Er gastierte 1878 in Turin. Er sang in Italien unter dem Namen Augusto Lurani. In Italien sang er zu Beginn seiner Karriere seine Bühnenpartien in italienischer Sprache. Seit 1879 trat er dann (jetzt unter seinem wirklichen Namen) an den Theatern von Brünn (Brno, 1879-80), Graz (1880-82), am Deutschen Opernhaus Rotterdam (1882-83), in Amsterdam und Den Haag auf, 1884-85 am Theater von Linz/Donau. 1885-86 unternahm er eine große Nordamerika-Tournee und gastierte in Opernaufführungen in Chicago, St. Louis und Cleveland und wurde an die Metropolitan Oper New York verpflichtet. Hier wirkte er (unter dem Namen Felix Krämer) 1886 in der amerikanischen Erstaufführung der »Meistersinger von Nürnberg« mit. An der Metropolitan Oper New York sang er 1886 in insgesamt 14 Vorstellungen auch den Jaquino im »Fidelio« und den Walther von der Vogelweide im »Tannhäuser«. 1886 sang er in New York in einer konzertanten Aufführung des »Parsifal« die Titelrolle. 1886 kam er nach Europa zurück und trat im gleichen Jahr an der Berliner Kroll-Oper auf. 1887 nahm ein Engagement am Theater von Graz an, wo er 1893 an der Uraufführung der Oper »Helfried« von S. von Hausegger teilnahm. 1895 nahm er von der Bühne Abschied, betätigte sich aber noch als Konzert- und Oratoriensänger. 1900 gab er seine Karriere ganz auf. Er eröffnete in Graz eine Gesangschule, in der auch seine Gattin, die Sopranistin Marie Kraemer-Widl (1860-1926), als Lehrkraft wirkte. Auf der Bühne trat August Kraemer vor allem in lyrischen Partien hervor: als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, als Tamino in der »Zauberflöte«, als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Lyonel in Flotows »Martha«, als Gomez im »Nachtlager von Granada« von C. Kreutzer, als Max im »Freischütz« und als Georg im »Waffenschmied« von Lortzing. Er war ein bekannter Konzert-, vor allem Liedersänger und widmete sich, genau wie seine Gattin, bereits sehr früh dem Liedschaffen von Hugo Wolf. Er starb 1916 in Kollnitz bei St. Paul im Lavanttal (Kärnten).

 

22.8. Joseph-Denis DOCHE: 250. Geburtstag

 Biographie des französischen Dirigenten und Komponisten auf Französisch:

https://fr.wikipedia.org/wiki/Joseph-Denis_Doche

 

23.8. Ana LIPŠATOFOVIĆ: 90. Geburtstag

 Sie war an der Musikakademie von Zagreb Schülerin von M. Reizer und trat zunächst als Rundfunksängerin bei Radio Zagreb auf. 1947 debütierte sie dann auf der Bühne des Theaters von Skopje als Olga im »Eugen Onegin« von Tschaikowsky. Sie gehörte später zu den führenden Kräften der Kroatischen Nationaloper Zagreb und gastierte viel im Ausland, u.a. beim Holland Festival und in Frankreich. Ihre großen Bühnenpartien waren der Orpheus in »Orpheus und Eurydike« von Gluck, die Azucena im »Troubadour«, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Charlotte im »Werther« von Massenet, die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, die Adalgisa in »Norma« von Bellini und die Mme. Flora in »The Medium« von Menotti. Von noch größerer Bedeutung war jedoch ihre Karriere als Konzert- und vor allem als Oratoriensolistin. Sie starb 2012 in Skopje. Ihr älterer Bruder Stanko Lipša (1915-86) war nach seiner Ausbildung in Zagreb seit 1933 an der Oper von Zagreb als Bariton engagiert, sang später am Theater von Rijeca (Fiume) und seit 1952 am Opernhaus von Skopje.

Die Sängerin wirkt in einer vollständigen Aufnahme von Rimsky-Korssakows Oper »Sadko« bei Philips in der Partie der Ljubawa mit (1959).

 

23.8. Gabriella LUPANCEA: 100. Geburtstag

 Sie hatte ihre Ausbildung größtenteils in Wien erhalten und war am Landestheater Linz und 1945-55 wie ihr Gatte Hans Habietinek (1906-92) an der Wiener Staatsoper engagiert. Sie sang hier in 473 Vorstellungen die Tosca, die Nedda im »Bajazzo«, die Butterfly, die Giulietta in »Hoffmanns Erzählungen«, die Doris in der Oper »Das Werbekleid« von F. Salmhofer, die Mimi in »La Bohème«, die Dorota in »Schwanda der Dudelsackpfeifer« von J. Weinberger, die Eurydike in »Orpheus in der Unterwelt« von Offenbach, die Madame Robin in »Die kleine Zauberflöte« von Offenbach, die Felice in »Die vier Grobiane« von E. Wolf-Ferrari, die Saffi im »Zigeunerbaron«, die Laura in Millöckers »Der Bettelstudent«, die Leila in »Tausend und eine Nacht« von J. Strauß, die Titelrolle in der Oper »Die Kathrin« von E.W. Korngold, die Martha in »Tiefland«, die Smeraldine in »Die Liebe zu den drei Orangen« von Prokofjew, die Beatrice im »Boccaccio«, die Santuzza in »Cavalleria rusticana«, sowohl die Sylviane als auch die Olga in Lehárs »Die lustige Witwe« und die Napolska in »Polenblut« von Nedbal. Sie starb 1993 in Wien.

 

23.8. Blažena SNOPKOVÁ: 125. Geburtstag

 Sie war eine Tochter des Bassisten Eduard Aschenbrenner(1857-1921), der am Interimstheater in Prag und an anderen Bühnen eine bedeutende Karriere hatte. Sie trat daher oft auch unter dem Namen Blazenka Snopková-Aschenbrennerová auf. Nachdem sie zuerst an den Opernhäusern von Zagreb (Agram) und Ljubljana (Laibach) gesungen hatte, wurde sie 1916 an das Nationaltheater Prag berufen. Während der folgenden zehn Jahre hatte sie dort in Partien wie der Krasava in Smetanas »Libuse«, der Marguerite im »Faust« von Gounod, der Antonia in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach, der Mignon in der gleichnamigen Oper von A. Thomas, den Titelgestalten in den tschechischen Opern »Eva« von Foerster und »Jenufa« von Janácek große Erfolge. Die auch im Konzertsaal gefeierte Künstlerin gab 1926 ihre Karriere auf. Sie starb am 6.9.1975 in Kutná Hora.

 

23.8. Adolf HENNIG: 175. Geburtstag

 Ausbildung durch F.A. Hipfel in Berlin. Seine Engagements waren im Einzelnen: 1864-65 Stadttheater Potsdam, 1865-66 Stadttheater Thorn (Westpreußen), 1866-67 Stadttheater Halle/Saale, 1867-68 Stadttheater Magdeburg, 1868-69 Stadttheater Görlitz, 1869-70 Hoftheater Neustrelitz, 1870-71 erneut Stadttheater Görlitz, 1871-72 Stadttheater Mainz, 1872-74 Stadttheater Zürich. 1874 wurde er zu einem Gastspiel am Hoftheater von Weimar eingeladen. Er sang dort den König Heinrich im »Lohengrin« und den Mephisto im »Faust« von Gounod; er hatte einen derartigen Erfolg, dass man ihn sofort für Weimar engagierte; 1889 wurde er zum lebenslänglichen Mitglied des Hoftheaters Weimar ernannt. 1879 sang er dort in den Musteraufführungen zusammen mit der großen Primadonna Adelina Patti; 1877 wirkte er in Weimar in der Uraufführung der Oper »Samson et Dalila« des Komponisten Camille Saint-Saëns mit, 1883 in der szenischen Uraufführung der »Legende von der heiligen Elisabeth« von Franz Liszt. Er wirkte dort auch 1894 in der Uraufführung der Jugend-Oper »Guntram« von Richard Strauss mit. Er gab Gastspiele an verschiedenen großen deutschen Theatern. Er gastierte auch erfolgreich an Operntheatern in Schweden und Norwegen. Seine Interpretationen im Konzertsaal wurden vor allem im Rahmen der Leipziger Gewandhauskonzerte bewundert. Er beherrschte ein Repertoire von rund hundert Partien, in denen er bis zu seinem Tod auftrat. Von seinen Bühnenpartien sind zu nennen: der Sarastro in der »Zauberflöte«, der Marcel in den »Hugenotten« von Meyerbeer, der Bertram in dessen »Robert le Diable«, der Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Osmin in Mozarts »Entführung aus dem Serail«, der Falstaff in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor« und der van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing. Er starb 1902 in Weimar.

 

24.8. Marion LIPPERT: 80. Geburtstag

Marion LIPPERT

 Gesangstudium bei Irma Koboth, Hedwig Fichtmüller und Annelies Kupper in München. Vervollständigung der Ausbildung bei Giuseppe Pais in Padua. 1956 begann sie ihre Karriere am Stadttheater von Hagen (Westfalen), wo sie als Aida debütierte. 1959 kam sie an das Stadttheater von Augsburg, 1962-64 war sie am Opernhaus von Köln, 1963-77 an der Staatsoper Stuttgart engagiert. Hier entwickelte sie eine große Karriere im dramatischen Sopranfach und hatte entsprechende Erfolge auch bei Gastspielen: 1964-68 häufig an der Deutschen Oper Berlin (u.a. als Amelia in Verdis »Maskenball«, als Donna Anna im »Don Giovanni« und als Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«), 1966-67 an der Staatsoper Wien (als Senta in »Der fliegende Holländer«, als Tosca und als Venus im »Tannhäuser«), an der Staatsoper Hamburg (mehrfach in den sechziger Jahren), am Teatro San Carlos Lissabon (1965 als Sieglinde in der »Walküre«, 1967 als Brünnhilde im »Siegfried«), 1967-69 an der Staatsoper München (u.a. als Abigaille in Verdis »Nabucco« und als Turandot von Puccini), 1968 am Teatro San Carlo Neapel (als Sieglinde), 1963 am Teatro Comunale Florenz (als Sieglinde), 1969 am Teatro Comunale Bologna (1972 als Turandot und 1974 als Lady Macbeth), bei den Festspielen von Verona (1971 als Lady Macbeth). 1967 hörte man sie an der Oper von Marseille (als Venus), 1970 an der San Francisco Opera (als Abigaille), 1971 am Teatro Regio Turin und in Tokio (als Turandot), 1972 in New Orleans (als Turandot), 1972 an der Oper von Boston (als Amelia im »Maskenball«), 1972 an der Grand Opéra Paris wie am Teatro Colón Buenos Aires wieder in ihrer großen Glanzrolle, der Turandot. In den Spielzeiten 1968-70 und 1973-74 war sie Mitglied der Metropolitan Oper New York, an der sie als Turandot debütierte und außerdem als Marschallin im »Rosenkavalier«, als Senta und als Elisabetta in Verdis »Don Carlos« in insgesamt 25 Vorstellungen auftrat. Sie trat weiter als Gast an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an den Opernhäusern von Essen, Dortmund, Frankfurt a.M., an der Staatsoper von Dresden, am Staatstheater Karlsruhe, am Teatro Liceu Barcelona, in Venedig, am Opernhaus von Zürich und bei den Festspielen von Athen auf. In Nordamerika hörte man sie auch an den Opern von Chicago, Baltimore, Pittsburgh, Toronto und Vancouver. Weitere Höhepunkte in ihrem Repertoire waren die Leonore in »La forza del destino«, die Rezia im »Oberon« von Weber, die Brünnhilde im Nibelungenring, die Salome in der gleichnamigen Richard Strauss-Oper, die Kaiserin in der »Frau ohne Schatten«, gleichfalls von Richard Strauss, die Norma von Bellini, die Leonore im »Fidelio« und die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Aus ihrem sehr umfangreichen Repertoire für die Bühne sind noch die Pallas Athene in Monteverdis »Il Ritorno d’Ulisse in patria«, die Titelrolle in »Rodelinda« von Händel, die Roxane in »Temistocle« von Johann Christian Bach, die Chawa in »Die ersten Menschen« von Rudi Stephan, die Chrysothemis in »Elektra« von R. Strauss, die Isabella in »Columbus« von W. Egk, die Mutter in Dallapiccolas »Il Prigioniero«, die Manon Lescaut von Puccini, die Giorgetta in dessen »Il Tabarro«, die Minnie in »La Fanciulla del West«, die Ariadne auf Naxos und die Arabella von R. Strauss nachzutragen. Auch als Konzertsängerin kam sie zu einer Karriere auf internationaler Ebene. Sie starb 1997 in Rottach-Egern (Bayern).

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass Mitschnitte von Radiosendungen vorhanden sind.

 

24.8. Stefánia MOLDOVÁN: 85. Geburtstag

Stefánia MOLDOVÁN

Studium an der Musikakademie von Budapest. Bühnendebüt 1954 an der Oper von Szeged als Mimi in »La Bohème« von Puccini. 1960 Preisträgerin beim Liszt-Concours in Budapest; sie wurde 1961 an die Budapester Nationaloper berufen, zu deren führenden Sängerpersönlichkeiten sie zählte. Man schätzte namentlich ihre Interpretation dramatischer Sopranpartien, wobei sie ein umfangreiches Repertoire meisterte. Gastspiele am Bolschoi Theater Moskau, an den Opern von Leningrad, Prag, Brno (Brünn), Bukarest, Warschau und Bologna. Im deutschen Sprachraum war sie an der Staatsoper wie an der Komischen Oper Berlin zu hören. An der Budapester Nationaloper wirkte sie am 31.10.1964 in der Uraufführung der Oper »Bluthochzeit« von Sándor Szokolay mit. Bühnenrollen: Donna Elvira im »Don Giovanni«, Leonore im »Troubadour«, Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, Desdemona im »Otello« von Verdi, Tosca, Minnie in Puccinis »La Fanciulla del West«, Manon von Massenet. Sie starb 2012 in Budapest.

Schallplatten der Marken Hungaroton und Qualiton (Violetta in »La Traviata«, Donna Elvira im »Don Giovanni«, »Bluthochzeit« von Szokolay).

 

24.8. Mina CRAVI-BOZZA: 95. Geburtstag

 Die Künstlerin, deren Familie aus Italien stammte, hatte eine lange, erfolgreiche Karriere bei der San Carlo Opera Company in den Vereinigten Staaten, zu deren führenden Kräften sie in den vierziger und fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts gehörte. Sie war mit dem Manager dieser Opernkompanie Fausto Bozza verheiratet und wirkte in deren Aufführungen in großen Partien aus allen Bereichen der Opernliteratur mit. Nach Abschluss ihrer Bühnenlaufbahn war sie im pädagogischen Bereich tätig und gründete u.a. die Guild Rehearsal Studios. Sie starb 1984 in New York.

 

24.8. Therese GRÜNBAUM: 225. Geburtstag

 Sie war die Tochter des österreichischen Komponisten und Dirigenten Wenzel Müller (1767-1835) aus dessen erster Ehe mit der Sängerin Magdalene Reiningsthal (1770-94). Sie wurde durch ihren Vater und durch den Wiener Pädagogen Aloysi unterrichtet. Bereits als fünfjähriges Kind wirkte sie in Wien in Singspielen mit; mit sechs Jahren trat sie am 11.1.1798 am Theater in der Leopoldstadt in Wien in der Uraufführung der (damals sehr erfolgreichen Oper) »Das Donauweibchen« von Ferdinand Kauer in der Rolle der Lilli auf;

im Alter von 15 Jahren sang sie in Wien den Oberon in der gleichnamigen Oper von Wranitzky und die Titelrolle in »Lilla« von Martín y Soler. 1807 kam sie nach Prag und sang am Landestheater bei der dortigen ersten Aufführung von Mozarts »Don Giovanni« in deutscher Sprache die Partie der Zerline. Später gehörte die Donna Anna in dieser Oper zu ihren besonderen Glanzrollen. 1813 unternahm sie eine ausgedehnte Kunstreise durch Deutschland und Österreich. Carl Maria von Weber verpflichtete sie 1813 an das von ihm geleitete Deutsche Theater Prag, wo sie zusammen mit ihrem Gatten zuerst in der Oper »Fernand Cortez« von Spontini auftrat. 1816 folgte sie einem Ruf an das Wiener Theater am Kärntnertor, damals die bedeutendste Opernbühne in der österreichischen Metropole, die die Funktion einer Hofoper übernommen hatte. Für die folgenden zehn Jahre war sie die Primadonna dieses Hauses, wo man sie begeistert als »die deutsche Catalani« feierte. 1820 trat sie dort in der Uraufführung der Oper »Baals Sturz« von Joseph Weigl auf. Einen ihrer größten Erfolge hatte sie 1819 als Desdemona in der Wiener Erstaufführung von Rossinis »Otello«. Das Libretto der Oper war dabei von ihrem Gatten, dem Tenor Johann Christoph Grünbaum (* 28.10.1785 Haslau bei Eger, † 10.10.1870 Berlin) ins Deutsche übersetzt worden. Dieser hatte 1804 in Regensburg debütiert, sang 1808-18 in Prag, danach in Wien und schließlich in Berlin. Außer dem Textbuch des »Otello« hat er viele andere Operntexte, insgesamt über 50, übersetzt. Am 25.10.1823 kreierte Therese Grünbaum in der Uraufführung der Oper »Euryanthe« von Carl Maria von Weber am Theater am Kärntnertor die dramatische Partie der Eglantine. Weber war ein großer Verehrer ihrer Kunst; er hebt u.a. ihr »bewundernswertes künstlerisches Talent« und ihre »vollendete Beherrschung der Stimme« hervor. 1827 huldigte man der Künstlerin an der Münchner Hofoper. 1828 nahm sie ein Engagement an der Königlichen Oper Berlin an, wo sie noch bis 1830 auftrat. Ihre zunehmende Korpulenz behinderte jedoch eine weitere Bühnenkarriere, so dass sie zuletzt nur noch gelegentlich in Konzerten auftrat. Ihre großen Partien für die Opernbühne waren die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Giulia in »La Vestale« von Spontini, die Vitellia in »La clemenza di Tito« von Mozart und die Rosina im »Barbier von Sevilla« von Rossini. Nach ihrem Rücktritt von der Bühne eröffnete sie 1832 in Berlin eine Gesangschule. Sie starb 1876 in Berlin. – Eine ihrer Schülerinnen war ihre Tochter Caroline Grünbaum (1814-68). Auch ihr Sohn Carl Grünbaum (* 12.5.1815 Prag) wurde ein bekannter Tenor, der seit 1836 Mitglied der Berliner Sing-Akademie war, 1837 am Deutschen Theater Prag debütierte, später in Königsberg (Ostpreußen) und bei Gastspielen sang und seit 1846 als Pädagoge in Berlin wirkte. Er sang Partien wie den Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Gennaro in »Lucrezia Borgia« von Donizetti, den Tonio in dessen »Regimentstochter« und den Nadori in »Jessonda« von Louis Spohr. – Auch ein zweiter Sohn Joseph Grünbaum (* 1816 Wien) wurde ein bekannter Tenor. Er erhielt seine Ausbildung in Wien und debütierte 1836 am Deutschen Theater Prag als Tebaldo in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini. 1838-39 sang er am Opernhaus von Leipzig, 1839-41 am Hoftheater von Detmold, 1841-42 am Stadttheater Aachen, 1842-43 am Hoftheater Hannover, 1843-44 am Theater von Königsberg, womit die Nachrichten über ihn abbrechen. Seine Bühnenpartien waren der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Nadori in »Jessonda« von L. Spohr, der Loriot in »Der Schöffe von Paris« von Dorn, der Chateauneuf in »Zar und Zimmermann« von Lortzing (den er als Gast an der Berliner Hofoper sang), der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« der Elvino in »La Sonnambula« von Bellini, der Gennaro in Donizettis »Lucrezia Borgia«, die Titelpartie in »Joseph« von Méhul, der Alfonso in »La Muette de Portici« von Auber und der Rafael in »Carlo Broschi«, ebenfalls von Auber.

 

25.8. Raimundo METTRE: 65. Geburtstag

Der Künstler kam 1970 mit einem Stipendium nach Europa und studierte an der Musikhochschule Berlin bei Gottschalk und anschließend bei Sarah Sforni-Corti und bei Renato Pastorino in Mailand. Er kam nun schnell zu einer internationalen Karriere als Bühnen- wie als Konzertsänger. Bereits 1982 sang er an der Piccola Scala in Mailand den Lurcanio in »Ariodante« von Händel. Am Teatro Comunale Bologna trat er als Rodolfo in »La Bohème«, am Teatro San Carlos Lissabon als Percy in Donizettis »Anna Bolena« und als Leicester in »Maria Stuarda« vom gleichen Komponisten, in Rio de Janeiro als Werther von Massenet und 1987 als Don José in »Carmen« auf. Am Teatro Liceu Barcelona gastierte er als Don Ottavio im »Don Giovanni«, als Ferrando in »Così fan tutte« und als Herzog in Verdis »Rigoletto«, an der Oper von Tel Aviv als Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, am Stadttheater von Basel 1987 als Rodolfo in »La Bohème«, am Opernhaus von Zürich als Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla« und in der Saison 1985-86 als Herzog im »Rigoletto«. Es schlossen sich Gastspiele am Teatro Fenice Venedig, in Genua, London, Santiago de Chile und Cagliari an; sein Nordamerika-Debüt fand in Philadelphia als Ernesto im »Don Pasquale« von Donizetti statt. Weitere Gastspiele führten ihn an die Opernhäuser von Marseille (1988 als Herzog im »Rigoletto«) und Zürich (1988), an die Oper von Oslo (1987) und an das Opernhaus von Rio de Janeiro (1987 als Don José). Eine nicht weniger bedeutende Karriere kam im Konzertsaal zustande; hier sang er u.a. Soli im Stabat mater wie in der Petite Messe solennelle von Rossini, im Verdi-Requiem, in der Missa di Gloria von Puccini und in Oratorien von Händel. Er starb 2011 in Mailand.

Schallplatten: Audite (Messe von César Franck).

 

27.8. Ezio DI CESARE: 75. Geburtstag

Ezio di Cesare

 Er war nach seinem Gesangstudium für sechs Jahre Mitglied eines Vokalisten-Sextetts, mit dem er ausgedehnte Tourneen unternahm. Sein Operndebüt erfolgte 1975 am Teatro Fenice Venedig in »Beatrice di Tenda« von Bellini. Bereits 1976 gastierte er an der Covent Garden Oper London als Arvino in Verdis »I Lombardi alla prima crociata«, 1977 an der Oper von Rom als Jaquino im »Fidelio«, am Teatro Regio Turin im gleichen Jahr als Alfredo in »La Traviata«. Der Künstler hatte in den achtziger Jahren bedeutende Erfolge an allen großen Operntheatern in Italien, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Comunale Bologna, am Teatro Fenice Venedig, an der Oper von Rom, am Teatro Massimo Palermo und in Turin. Er trat vor allem in lyrischen Partien wie dem Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky und dem Rodolfo in Puccinis »La Bohème« auf. 1980 gastierte er in Holland, 1985 und 1987 war er an der Opéra de Wallonie Lüttich zu Gast, 1986 sang er in Rom in Aufführungen der Spontini-Oper »Agnese di Hohenstaufen«. 1987 wirkte er am Teatro Liceu Barcelona in der spanischen Premiere von Mozarts »Lucio Silla« mit. 1979 debütierte er als Manlio in »Tito Manlio« von Vivaldi an der Mailänder Scala, an der dann auch oft in Konzerten auftrat und 1979 als Tom Rakewell, 1981 in Mussorgskis »Die Heirat« und als Cassio in Verdis »Otello«, 1982 in Strawinskys »Mavra«, 1983 als Ali in Glucks »Die Pilger von Mekka« und als Don Giovanni in Dargomyschskis »Der steinerne Gast«, 1984 als Arbace und 1990 als Oberpriester in Mozarts »Idomeneo«, 1984 in der Titelpartie von Mozarts »Lucio Silla« und in Strawinskys »Les Noces«, 1985 und 1987 als Pinkerton in »Madame Butterfly«, 1986 als Arvino, 1987 als Evandro in Glucks »Alceste«, 1987-88 als Ismaele im »Nabucco«, 1989 und 1991 als Carlo in Pergolesis »Lo frate ’nnamorato«, 1992 als Elemer in »Arabella« von R. Strauss, 1995 als Raffaele in »Stiffelio« von Verdi und 2002 als Titorelli in »Il Processo« von Alberto Colla zu hören war; dort wirkte er auch am 7.7.1987 in der Uraufführung der Oper »Il principe felice« von Franco Mannino in der Partie des Studenten mit. 1988 trat er bei den Festspielen von Ravenna und von Pesaro in der Partie des Iago in Rossinis »Otello« auf. Er gastierte 1986 an der Wiener Staatsoper und 1989 an der Oper von Toulouse als Alfredo in »La Traviata«, 1989 im Zürcher Hallenstadion und bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom als Ismaele, 1991 am Teatro Comunale Bologna als Elisero in »Mosè in Egitto« von Rossini, am Theater von Savona in »Aurelio in Palmira« vom gleichen Meister, 1994 am Teatro Comunale Bologna in Janáceks »Die Sache Makropoulos«, in Verona wieder als Ismaele. 2000 sang er am Teatro Regio Turin den Andres im »Wozzeck« von Manfred Gurlitt, dort auch die Titelrolle in der Offenbach-Operette »Orphée aux enfers«. 2001 wirkte er am Teatro Massimo Palermo in Aufführungen von A. Bergs »Lulu« (als Prinz und als Kammerdiener) mit. Auch als Konzertsänger hatte er eine Karriere auf internationalem Niveau. Er starb im Juni 2003.

Schallplatten: Philips (»Stiffelio« von Verdi), Bongiovanni (»La finta giardiniera« von Mozart, »Adriano in Siria« von Pergolesi, »La Confederazione dei Sabini von Roma« von Domenico Puccini, dem Ur-Urgroßvater Giacomo Puccinis; »Il Prigioniero superbo« von Pergolesi), MRF (»Cyrano de Bergérac« von Alfano), DGG (ebenfalls »La finta giardiniera«), HMV (Cassio in Verdis »Otello«), Ricordi (»Lo frate ’nnamorato« von Pergolesi, »Poliuto« von Donizetti, Lumpensammler in »Iris« von Mascagni), Hungaroton (»I Lombardi« von Verdi), Nuova Era (»Aureliano in Palmira«), Tryphon Classics (»Sakuntala« von Fr. Alfano), Agorà (Nearco in »Poliuto« von Donizetti).

 

28.8. Lucia VALENTINI-TERRANI: 70. Geburtstag

Lucia Valentini Terrani

 Sie studierte am Konservatorium von Padua bei Iris Adami-Corradetti, dann am Conservatorio Benedetto Marcello in Venedig. 1970 erfolgte ihr Bühnendebüt am Teatro Grande von Brescia in der Titelpartie von Rossinis »La Cenerentola« sie sang diese Partie dann auch in Turin. Ihre Karriere nahm eine schnelle Entwicklung. Sie gastierte bei den Opernaufführungen im Schloss von Versailles und gewann 1972 den Rossini-Wettbewerb der RAI. An der Mailänder Scala bewunderte man seit 1973 ihre Gestaltung der schwierigen Partien für Koloratur-Contralto, wobei sie dort aber neben ihren Rossini-Partien (1973, 1975 und 1983 Isabella in »L’Italiana in Algeri«, 1974-75 Angelina in »La Cenerentola«, 1981 Rosina im »Barbier von Sevilla«, 1985 Marchesa Melibea in »Il Viaggio a Reims«) auch die  Marina im »Boris Godunow« (1979, 1981) gesungen hat und oft in Konzerten zu hören war.

1974 debütierte sie als Isabella an der Metropolitan Oper New York. 1979 großer Erfolg in Los Angeles im Verdi-Requiem unter Carlo Maria Giulini. Es schlossen sich Gastspiele an der Grand Opera Paris (1984 Charlotte im »Werther« von Massenet), am Bolschoi Theater Moskau und an der Londoner Covent Garden Oper an. Sie gastierte weiter an den Staatsopern von Wien (1982-89 als Cenerentola und als Marchesa Melibea), München und Stuttgart, am Nationaltheater von Prag, in Monte Carlo, Genf (1985 mit einem Liederabend), Brüssel, Nizza, Dresden, Leipzig, Frankfurt a.M. und Chicago. Große Erfolge auch bei Konzerten in der New Yorker Carnegie Hall. 1982 gastierte sie als Mrs. Quickly in Verdis »Falstaff« beim Maggio Musicale von Florenz und an der Oper von Los Angeles. 1984 wirkte sie beim Rossini Festival in Pesaro in der Premiere der wieder neu entdeckten Oper »Il Viaggio a Reims« in der Rolle der Marchesa Melibea mit. 1986 sang sie in Pesaro in einer weiteren Rossini-Oper »Maometto II.« An der Covent Garden Oper London hörte man sie 1987 als Rosina, am Teatro San Carlo Neapel 1988 als Orfeo in Glucks »Orfeo ed Euridice«. 1989-90 gastierte sie an der Oper von Monte Carlo als Isabella, 1991 am Teatro Municipale von Reggio Emilia als Cenerentola, 1991 bei den Festspielen von Pesaro in der Titelpartie von Rossinis »Tancredi«, 1993 an der Deutschen Oper Berlin wieder als Isabella, 1994 in Monte Carlo als Jocasta in »Oedipus Rex« von Strawinsky. 1996 sang sie bei den Festspielen von Martina Franca die Titelpartie in der Offenbach-Operette »La Grande Duchesse de Gerolstein«. Seit ihrer Heirat mit dem Schauspieler Alberto Terrani trat sie unter dem Namen Lucia Valentini Terrani auf. Sie starb nach langer, unheilbarer Krankheit 1998 in einer Leukämie-Klinik in Seattle. – Eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Koloratur-Contralto-Fachs innerhalb ihrer Generation.

Schallplatten: Philips (»La fedeltà premiata« und »Il mondo della luna« von Haydn), RCA (Stabat mater von Pergolesi, »Orlando furioso« von Vivaldi), Bellaphon (»L’Italiana in Algeri« von Rossini), DGG (»Aida«, »Nabucco«, »Falstaff« und »Don Carlos« von Verdi, Stabat mater von Pergolesi, »Il Viaggio a Reims« von Rossini), CBS (»La Cenerentola« von Rossini, »La donna del lago«, gleichfalls von Rossini), Frequenz (»Der Messias« von Händel), Fonit-Cetra (»La Cenerentola«), Sony (»Il Viaggio a Reims«), Kikko (Recital), Dynamic (Titelrolle in »La Grande Duchesse de Gerolstein« von Offenbach).

 

28.8. Charles DARDEN (amerikanischer Dirigent): 70. Geburtstag

 

28.8. Cristina DEUTEKOM: 85. Geburtstag

Cristina DEUTEKOM

 Sie erhielt eine kurze Ausbildung am Konservatorium von Amsterdam durch Cobby Riemersma. Sie begann als Choristin an der Niederländischen Oper in Amsterdam; man übertrug ihr dann einige kleine Solopartien wie eine der Walküren in der »Walküre«. Es zeigte sich jedoch, dass ihre Stimme eine ungewöhnliche Tonhöhe besaß. 1963 hatte sie in Amsterdam einen sensationellen Erfolg als Königin der Nacht in der »Zauberflöte«. Diese Partie blieb ihre besondere Glanzrolle, die sie an der Londoner Covent Garden Oper (1968), an der Staatsoper von Hamburg und am Opernhaus von Frankfurt a.M. mit größtem Erfolg zum Vortrag brachte. 1967 debütierte sie in der gleichen Rolle sehr erfolgreich an der Metropolitan Oper New York, indem sie die erkrankte Roberta Peters ersetzte. Sie sang an diesem Haus bis 1975 außerdem noch die Elena in Verdis »I Vespri Siliciani« und die Donna Anna im »Don Giovanni« in insgesamt 19 Vorstellungen. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1967-77 in insgesamt 6 Vorstellungen als Königin der Nacht, als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera« und als Norma in der gleichnamigen Oper von Bellini. Sie nahm dann auch die großen dramatischen Partien der italienischen Opernliteratur in ihr Repertoire auf und widmete sich den frühen, teilweise vergessenen Opern Verdis (Abigaille in »Nabucco«, Odabella in »Attila«, Leonore im »Troubadour«, Giselda in »I Lombardi«). In Italien gastierte sie am Teatro Fenice von Venedig und an der Oper von Rom. 1970 sang sie an der Oper von Chicago die Lucia di Lammermoor, 1972 am Teatro Colón von Buenos Aires die Elvira in »I Puritani« von Bellini. 1976 wirkte sie bei den Festspielen in der Arena von Verona mit. An der Grand Opéra Paris 1974-75 als Elena in »I Vespri Siciliani« aufgetreten. Sie sang 1983 an der Nationaloper von Sofia die Norma, an der Deutschen Oper Berlin die Lucia di Lammermoor, 1984 in Amsterdam die Elvira in Bellinis »I Puritani«, 1986 an der Oper von San Diego die Norma; sie wirkte als Königin der Nacht in einer Sendung der »Zauberflöte« im deutschen Fernsehen mit. Nachdem sie 1987 aus gesundheitlichen Gründen ihre Karriere aufgegeben hatte, gab sie 1996 nochmals in Amsterdam Konzerte und ließ ein Schallplatten-Recital (auf MCP, mit Szenen aus Opern von Donizetti) aufnehmen. Sie starb 2014 in Amsterdam.

Weitere Schallplatten: Decca (Königin der Nacht in der »Zauberflöte«), Philips (»I Lombardi« und »Attila« von Verdi), MRF (»Armida« von Rossini), Electrola (Oratorium »Christus am Ölberge« von Beethoven), Iramac (Mozart-Arien). Zahlreiche Aufnahmen auf HMV, zumeist aus Operetten.

 

28.8. John SHIRLEY-QUIRK: 85. Geburtstag

 Er studierte in Liverpool zuerst Violinspiel, darauf Chemie und wandte sich schließlich dem Gesangstudium zu, das er bei Austin Carnegie absolvierte. Anschließend leistete er seinen Militärdienst bei der Royal Airforce ab. 1957 wurde er in London Schüler von Roy Henderson. Zunächst sang er 1961-62 im Chor der Londoner St. Pauls-Kathedrale. In den Jahren 1962-86 trat er sehr oft an der Scottish Opera Glasgow auf (als Arkel wie als Golaud in »Pelléas et Mélisande«, als Junius wie als Collatinus in »The Rape of Lucretia« von B. Britten, als Don Alfonso in »Così fan tutte«, als Gregor Mittenhofer in »Elegy for Young Lovers« von H.W. Henze, als Graf in »Le nozze di Figaro«, als Don Giovanni, als Gil-Martin in »Confessions of a Justified Sinner« von Thomas Wilson, als Don Pizarro im »Fidelio«, als Aeneas in Purcells »Dido and Aneas«, als Tod in »Savitri« von G. Holst und als Eugen Onegin). Dann trat er 1963-76 bei der English Opera Group in Erscheinung und hatte Erfolge im englischen Fernsehen BBC. Bei den Festspielen von Glyndebourne sang er 1961 den Gregor Mittenhofer, 1962-63 den Liberto in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea« und den Arzt in »Pelléas et Mélisande« sowie 1963 den Haushofmeister im »Capriccio« von R. Strauss. In seiner Karriere wurde er wesentlich durch den Komponisten Benjamin Britten gefördert, in dessen Werken er sehr oft auftrat. Er wirkte in Uraufführungen von mehreren Bühnenwerken Brittens mit: »Curlew River« (13.7.1964), »The Burning Fiery Furnace« (9.6.1966), »The Prodigal Son« (10.6.1968), alle drei in der Kirche von Orford, »Owen Wingrave« (Fernsehsendung der BBC 16.5.1971, Bühnen-Uraufführung an der Covent Garden Oper London 10.3.1973), »Death in Venice« (Aldeburgh, 16.6.1973). 1969 übernahm er in St. Louis den Titelhelden im »Wozzeck« von A. Berg. 1969 gab er in Berlin Gastspiele in »Herzog Blaubarts Burg« von Béla Bartók. 1970 unternahm er eine Tournee durch Holland und Belgien, bei der er Liederabende gab. Beim Festival von Edinburgh gastierte er 1973 als Traveller in Benjamin Brittens »Death in Venice« und 1986 in einer szenischen Aufführung des Oratoriums »The Dream of Gerontius« von E. Elgar. Seit 1973 Mitglied der Covent Garden Oper London; hier sang er am 7.7.1977 den Lev in der Uraufführung der Oper »The Ice Break« von Tippett. An der Londoner Covent Garden Oper sang er auch den Hohenpriester in »Alceste« von Gluck und den Rangoni im »Boris Godunow«. 1973 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen, an der er 1974 in Benjamin Brittens »Death in Venice« (als Traveller) debütierte und bis 1991 in insgesamt 30 Vorstellungen auch den Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, den Sprecher in der »Zauberflöte« und den Rangoni sang. An der Mailänder Scala, an der er 1977 das Bass-Solo in Beethovens 9. Sinfonie sang, gastierte er 1979 und 1981 als Rangoni. 1978 sang er bei der Glyndebourne Touring Opera den Don Alfonso. Seine größten Erfolge hatte er als Oratoriensolist, vor allem galt er als vortrefflicher Bach-Interpret. Seine Konzertreisen führten ihn durch Europa und Nordamerika bis nach Australien. 1991 trug er beim Aldeburgh Festival Benjamin Brittens »Folksongs« vor. 1975 wurde er zum Commander of the British Empire, 1981 zum Ehrendoktor der Brunel University ernannt. Er starb 2014 in Bath.

Sehr viele Schallplattenaufnahmen: Decca (»Billy Budd«, »Owen Wingrave«, »The Rape of Lucretia«, »A Midsummer Night’s Dream«, »Death in Venice«, alles Werke von Benjamin Britten; kleine Partie in »Pelléas et Mélisande«, Oratorien und geistliche Musikwerke, Marienvesper von Monteverdi, »The Dream of Gerontius« von E. Elgar), Philips (»Der Messias«, »Die Jahreszeiten« von Haydn, Hohe Messe von Bach, »Dido and Aeneas« von Purcell, »Orlando Paladino« von J. Haydn, »Idomeneo« von Mozart, »A Child of Our Time« von M. Tippett), DGG, HMV (»A Village Romeo and Juliet« von Delius, »The Pilgrim’s Progress« von Vaughan Williams, 9. Sinfonie von Beethoven, »The Kingdom« von E. Elgar), London (»The Burning Fiery Furnace« von B. Britten), Argo (»The Canticles« von Benjamin Britten), CBS (»Pelléas et Mélisande«, »Oedipus Rex« und »Renard« von Strawinsky), RCA (»Così fan tutte«), Koch (»A Water Bird Talk« von D. Argento), BBC Music (H-Moll-Messe von J.S. Bach, 1972).

 

28.8. Louise-Marie-Augustine ALBERT-HIMM: 225. Geburtstag

Sie erhielt ihre Ausbildung am Conservatoire National in Paris bei Plantade und war dort auch Schülerin des berühmten Kastraten Girolamo Crescentini. Im Alter von nur 15 Jahren kam es bereits 1806 in Paris zu ihrem Debüt in der Oper »Oedipe a Colone« von Antonio Sacchini. Damit leitete sie eine glanzvolle Karriere ein, die ihr an der Pariser Opéra eine Kette von Triumphen eintrug. Neben Alexandrine Branchu galt sie als die führende dramatische Sopranistin ihrer künstlerischen Generation zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich. Mit dieser zusammen wirkte sie auch am 22.12.1819 an der Pariser Opéra in der Uraufführung der Oper »Olympie« von Gasparo Spontini in der Partie der Statira mit. Weitere Bühnenrollen der Sängerin waren die Antigone in »Oedipe à Colone« von Sacchini, die Eurydice in »Orphee et Eurydice« von Gluck, die Giulia in »La Vestale« von Spontini und die Amazily in »Fernand Cortez« vom gleichen Komponisten. Sie zog sich bereits 1823 aus ihrer Bühnenkarriere zurück, trat aber noch als Solistin in der Chapelle du Roi auf. 1830 gab sie auch diese Tätigkeit auf und lebte dann ganz zurückgezogen in Versailles. Seit 1811 war sie mit dem ersten Tänzer der Grand Opéra Mr. Albert verheiratet. Die Lebensspur der Sängerin, die ihren Familiennamen auch Albert-Hymm schrieb, verliert sich am Ende im Dunkeln.


29.8. Alexander KASYANOV (russischer Komponist): 125. Geburtstag

 

30.8. Peter van der BILT: 80. Geburtstag

Peter-van-der-Bilt

 Er kam als Kind nach Holland und studierte zuerst am Konservatorium von Amsterdam Klavierspiel, dann Ausbildung der Stimme durch Hermann Schey. Er debütierte an einer kleinen holländischen Bühne als Enterich in Millöckers »Bettelstudent« und hatte dann seine ersten Erfolge an der Niederländischen Oper Amsterdam. Als erste Partie sang er 1960 hier den Dulcamara in »L’Elisir d’amore«. 1963 gab er an der Oper von San Francisco sein US-Debüt als Basilio im »Barbier von Sevilla«. Er sang im gleichen Jahr an diesem Haus auch den Haushofmeister in »Capriccio« von R. Strauss, den Gefängniswärter in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc, den Pistola im »Falstaff« von Verdi, den Alcaide in Verdis »La forza del destino«, den Dr. Grenvil in »La Traviata« und den alten Hebräer in »Samson et Dalila« von Saint-Saens sowie in Los Angeles des Alcindoro in »La Bohème«. Seit 1964 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, der er bis zu seinem Tod angehörte. In den Jahren 1964-81 gastierte er sehr oft an der Scottish Opera in Glasgow (als Don Giovanni, als Guglielmo in »Così fan tutte«, als Nick Shadow in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, als Graf in »Le nozze di Figaro«, als Oberpriester und als Apollo in »Alceste« von Gluck, als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Jaroslav Prus in Janáceks »Die Sache Makropoulos«). Gastspiele an den Staatsopern von Wien (1972-77 als Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Don Giovanni und am 17.12.1976 in der Uraufführung der Oper »Kabale und Liebe« von G. von Einem als Wurm) und München, bei den Festspielen von Edinburgh und Salzburg (1969 als Colas in »Bastien und Bastienne« von Mozart), beim Holland Festival, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, in Bologna, Parma, Hamburg, Moskau und Tokio. Er sang auf der Bühne ein umfangreiches Repertoire aus dem seriösen wie dem Buffo-Fach, u.a. den Don Alfonso in »Così fan tutte«, den Figaro in »Le nozze di Figaro«, den Malatesta in Donizettis »Don Pasquale«, den Warlaam im »Boris Godunow«, den van Bett in »Zar und Zimmermann« von Lortzing und den Titelhelden in Massenets »Don Quichotte«. Bedeutender Konzert- und Oratorienbassist. Er starb 1983 in Hoenderloo (Holland).

Schallplatten: Decca (»Belshazzar« von Händel), Philips (Mozart-Arien)., DGG (Matthäuspassion).

 

30.8. Guillermo SARABIA: 80. Geburtstag

Guillermo SARABIA

 Er kam zur Ausbildung seiner Stimme nach Europa und wurde in Zürich am dortigen Opernstudio Schüler von Herbert Graf und Dusolina Giannini. Er studierte auch bei Ria Ginster. Bühnendebüt 1965 am Staatstheater von Detmold in Busonis »Doktor Faust«. Er sang dann an verschiedenen westdeutschen Opernhäusern, so am Opernhaus von Köln, an den Staatsopern von München, Hamburg und Stuttgart, in Dortmund und Kiel. 1967 Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. 1973 wurde er an die Metropolitan Oper New York berufen (Antrittsrolle: Amonasro in »Aida«); er trat hier bis 1977 in insgesamt 19 Vorstellungen auch als Enrico in »Lucia di Lammermoor«, als Alfio in »Cavalleria rusticana«, als Escamillo in »Carmen« und als Jochanaan in »Salome« auf. Er gastierte in Nordamerika an den Opern von Philadelphia und Washington und an der New York City Opera. An der Wiener Staatsoper gastierte er 1974-84 in insgesamt 55 Vorstellungen als Rigoletto, als Tonio im »Bajazzo«, als Michele in Puccinis »Il Tabarro«, als Falstaff von Verdi, als Scarpia in »Tosca«, als Alfio, als Gérard in »Andrea Chénier«, als Carlo in »La forza del destino«, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Don Pizarro im »Fidelio« und als Macbeth von Verdi. An der Mailänder Scala gastierte er 1977 und 1979 als Titelheld in »Wozzeck« von A. Berg und 1978 als Renato. Er trat weiters an der Grand Opéra Paris (1979 als Titelheld in »Wozzeck« von A. Berg) auf, weiters am Teatro Liceu Barcelona, bei der Scottish Opera Glasgow (1980 als Scarpia) und beim Edinburgh Festival (1983 als Simone in Zemlinskys »Eine florentinische Tragödie« im Rahmen eines Gastspiels der Staatsoper Hamburg). 1981 sang er in Manchester (mit dem Ensemble der Covent Garden Oper London) den Telramund im »Lohengrin«. Er wurde auf der Bühne in Partien wie dem Don Giovanni und dem Fliegenden Holländer bewundert, wobei man auch sein dramatisches Darstellungstalent schätzte. Er wirkte nicht weniger erfolgreich im Konzertbereich. Er starb 1985 plötzlich während eines Gastspiels in Amsterdam.

Schallplatten: HMV (vollständige Aufnahme von »Les pêcheurs de perles« von Bizet in der Urfassung). Bereits viel früher sang er auf einer Gedenkplatte der Oper von Dortmund eine Arie aus Verdis »Rigoletto«. Auf ANNA-Records erschien eine vollständige Aufnahme von Meyerbeers »Afrikanerin« aus New York mit Montserrat Caballé und Placido Domingo als Partnern, auf Schwann in Zemlinskys »Eine Florentinische Tragödie« zu hören.

 

31.8. Jean-Paul-Égide MARTINI: 275. Geburtstag

Eigentlicher Name Johann Paul Aegidius Martin; seine Eltern waren der Schullehrer und Organist Andreas Martin und dessen Frau Barbara, die starb, als Johann sechs Jahre alt war. Martini kam zunächst auf das Jesuiten-Seminar nach Neuburg an der Donau, wo er bereits mit elf Jahren als Organist tätig war. Danach zog er nach Freiburg im Breisgau, um Philosophie zu studieren, doch brach er dieses Studium bald ab, da er sich mehr der Musik verbunden fühlte. Auf der darauffolgenden Wanderschaft nahm er den Decknamen Schwarzendorf an. 1760 kam er ins lonthringische Nancy, wo er zu seinem Familiennamen in der italienisierten Form Martini zurückkehrte und 1764 Marguerite Camelot heiratete, die ebenfalls einer Organistenfamilie entstammte. Seine größten Erfolge erzielte Martini nach seinem Umzug nach Paris, wo er vor allem Opern und Marschmusik komponierte. Seine Werke wurden zur Unterscheidung von dem italienischen Komponisten Giovanni Battista Martini unter dem Namen Martini il Tedesco („der Deutsche“) verlegt. 1788 wurde er gegen eine Zuzahlung von 16.000 Livres zum Surintendant de la musique du roi als Hofmusiker mit Zuständigkeit für Kirchenmusik und zugleich Intendant der wichtigsten Pariser Bühnen designiert, und sollte diese Ämter nach dem Tod seines Vorgängers antreten. Der Ausbruch der Franzäsischen Revolution verhinderte dies, Martini verlor mit dem Fall der Monarchie 1792 seine Ämter und floh vor den Unruhen nach Lyon. 1796 erhielt er dann durch das Direktorium zwar wieder eine Anstellung am Conservatoire de Musique, doch waren die dort komponierten Opern wenig erfolgreich, so dass er 1802 während des Konsulats erneut entlassen wurde. In der Folge widmete er sich der Kirchenmusik und verfasste eine dreibändige Orgelschule. Als er bereits die 70 überschritten hatte, erlebte er die Restauration und die Rückkehr der Bourbonen. 1814 wurde er durch König Ludwig XVIII. endlich in die bereits 1788 zugesagte Stellung des Surintendant de la musique du Roi berufen. Er komponierte zuletzt noch ein Requiem zu Ehren des hingerichteten Königs Ludwig XVI., das drei Wochen vor seinem eigenen Tod in der Kathedrale von Saint-Denis uraufgeführt wurde. Martini starb 1816 in Paris. Ihm wurde ein prunkvolles Begräbnis auf dem Friedhof Père Lachaise zuteil. Das Ehrengrab ist allerdings nicht mehr erhalten, da die Konzession nicht weiter gezahlt wurde.

Der Impasse Martini, eine kleine Seitengasse im 10. Arrondissement von Paris, wurde ihm zu Ehren benannt.

Martinis Geburtsstadt Freystadt begeht anlässlich des 200. Todestages das Jahr 2016 als Martini-Jahr. Der Schriftsteller Hans Regensburger veröffentlichte 2016 den historisch-biografischen Roman Plaisir d’amour über das Leben Martinis. Das internationale Online-Quellenverzeichnis der Musik RISM enthält 329 Nummern mit Kompositionen und Titeln Martinis, zum Teil mit Incipits, darunter befinden sich Opern und zahlreiche Opernarrangements, teils vom Komponisten selbst erstellt. Es sind dies Klavierauszüge, Auszüge für Gesang und Klavier, Gesang und Gitarre, Gesang und Harfe. Angezeigt werden Kompositionen unter Titeln wie Duo, Chanson, Romances, Air oder Ariette. Daneben stehen nicht wenige geistliche Werke wie zum Beispiel eine Messe Solemnelle für großen Chor und großes Orchester, 4- und 5-stimmige geistliche Gesänge, Choräle, Hymnen sowie pädagogische Werke für Orgel oder Gesang. Martinis Werke werden international in zahlreichen Bibliotheken und Orten von Amerika bis Russland, Italien bis Schweden, Frankreich und Deutschland und anderen aufbewahrt. Fundorte und mehr verzeichnet RISM.

 

GEBURTSTAGE IM JULI 2016

GEBURTSTAGE im Juli 2016

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage ab dem 60er. Zusammenstellund der Liste: Walter Nowotny

1.7. Vladimír DOLEZAL wird 65

Er studierte Gesang am Prager Konservatorium (bei Miluše Dvořáková und Karel Berman),weiter dann in Siena bei Giorgio Favaretto und an der Musikakademie in Stuttgart. Viele Jahre war er Solist im Ensemble der Prager Madrigalisten,mit dem er unter der Leitung von Miroslav Venhoda in nahezu allen Ländern Europas und in Amerika auftrat. Die Einladung Václav Neumanns zur Mitarbeit mit der Tschechischen Philharmonie (1981) öffnete ihm den Weg zu den Solopartien in Oratorien und Kantaten von Bach und Händel bis hin zu Britten und Orff, und damit zu weiteren Konzertreisen mit der Tschechischen Philharmonie, den Prager Symphonikern und dem Prager Kammerorchester nach Österreich,Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien, wobei er meistens als Solist in Oratorien Antonín Dvořáks auftrat. Für verschiedene Grammophongesellschaften realisierte er über vierzig Aufnahmen. Im Jahre 1988 weitete er seine künstlerische Tätigkeit auch auf die Opernbühne aus, und zwar als Solist des Prager Nationaltheaters.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://mujweb.cz/v_dolezal/?redirected=1468834251

 

1.7. Die Sopranistin Francesca CASTELLI wird 70

 

2.7. Robert DUMÉ wird 75

Robert DUMÉ

Er wurde bereits 1973 von Rolf Liebermann für das neu formierte Ensemble der Pariser Oper engagiert und wirkte dort an vielen Produktionen unter verschiedensten Dirigenten mit. So sang er unter illustren Maestri wie Karl Böhm, Sir Georg Solti, Horst Stein, Georges Prêtre, Seiji Ozawa, Nello Santi, Peter Ustinow, Patrice Chéreau, Jorge Lavelli und anderen. Neben vielen kleineren Partien sang er dort u.a. den Laca in Janáceks «Jenufa», den Prinzen in Prokofjews «L’Amour des trois oranges», den Schuiskij in «Boris Godunow», den Macduff in Verdis «Macbeth», den Aegisth in «Elektra» von R. Strauss, den Arbace in Mozarts «Idomeneo» und den Mr. Taupe im «Capriccio» von R. Strauss. Von Solti selbst wurde er als Solist in Beethovens «Neunter» anlässlich der Einweihung des Palais des Congrès in Paris mit dem Orchestre de Paris eingeladen und startete so eine internationale Karriere: In Jerusalem sang er den Don José in «Carmen», in Barcelona den Nicias in «Thaïs», in Genf den Hirten in «Oedipus Rex» von Strawinsky und in Amsterdam – gleichzeitig für das niederländische Fernsehen – den Faust. In Rom wirkte er 1980 bei der Uraufführung von «Marylin» von Lorenzo Ferrero mit. Daneben interpretiert er immer wieder die großen Rollen seines Faches: den Faust in «La damnation de Faust» sowie den Don José, die er wiederholt in Deutschland, Italien, der Schweiz und anderen Ländern sang. Gleichzeitig wirkte er bis 1995 an zahlreichen Produktionen der Opéra de la Bastille in Paris mit.

 

3.7. Rodney WILLIAMS wird 75

Er sang 1952-55 im Knabenchor des King’s College Cambridge. Als Solist dieses Chores trat er in einer Weihnachtssendung des englischen Fernsehens BBC auf und sang auf einer Schallplatte Christmas Carols. 1955-60 war er Music Scholar in Cranleigh (Surrey); 1960-63 Gesang- und Musikstudium am Royal College of Music London. Hier waren seine Gesanglehrer Norman Allin und Hervey Alan, Orgelspiel lernte er bei H.K. Andrews und Sidney Campbell, Klavierspiel bei Edwin Benbow, Musiktheorie und Harmonie bei Lloyd Webber und Michael Mullinar. 1969-72 war er Mitglied des Chores of Her Majesty’s Chapel Royal London, seit 1972 Lay Vicar an der Westminster Kathedrale. Er trat zusammen mit diesem Chor in zahlreichen Radio- und Fernsehsendungen auf und wurde als Solist in Oratorien und religiösen Vokalwerken weithin bekannt. Er sang auch mit anderen renommierten englischen Chören, so mit den Elizabethan Singers, den British Broadcasting Corporation Singers, den Westminster Glee Singers und den Louis Halsey Singers und leitete selbst eine Chorvereinigung, die unter dem Namen Rodney Williams Singers auftrat. Zugleich war er in London als geschätzter Gesanglehrer tätig. Schallplattenaufnahmen seiner Stimme sind namentlich in Verbindungmit den erwähnten Chören vorhanden.

 

3.7. Tota de IGARZÁBAL wird 95

Tota de IGARZÁBAL

Sie absolvierte ihr Gesangstudium am Instituto Superior de Arte del Teatro Colón Buenos Aires und war dazu Schülerin von Hina Spani und Arturo Wolken in der argentinischen Hauptstadt. 1942 fand ihr Bühnendebüt am Teatro Coliseo Buenos Aires in einer kleinen Rolle in Puccinis »Suor Angelica« statt. Sie kam dann zu einer großen Karriere am Teatro Colón Buenos Aires. Dort wirkte sie u.a. in den argentinischen Erstaufführungen von A. Honeggers »Jeanne d’Arc au bûcher« (1942 als heilige Catharina unter Erich Kleiber), »La Atlantida« von M. de Falla (1963 als Esperetusa) und »Moses und Aron« von Schönberg (1970) mit. Sie sang auf der Bühne im Übrigen ein umfassendes Repertoire, das seine Höhepunkte in Partien wie der Carmen, der Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, der Leonora in »La Favorita« von Donizetti und der Mignon in der gleichnamigen Oper von A. Thomas hatte. Sie sang auch Wagner-Partien wie die 1. und die 2. Norn und die Erda im Nibelungenring. Sie gastierte am Teatro Municipal Rio de Janeiro, am Teatro Sodre in Montevideo, in Santiago de Chile und in Washington. Auch im Konzertsaal kam sie in einem weitreichenden Repertoire zu großen Erfolgen.

Schallplatten: Odeon (Opern-Arien).

 

4.7. Zdzisława DONAT wird 80

Zdzisława DONAT

Sie war Schülerin von Zofia Brégy und von Ada Sari in Warschau, abschließende Ausbildung durch Gino Bechi in Siena. Bühnendebüt 1964 am Theater von Poznán als Gilda im »Rigoletto«. Bis 1967 war sie am Theater von Poznán engagiert. Sie wurde Preisträgerin bei den internationalen Gesangwettbewerben von Toulouse und Helsinki. Seit 1971 Mitglied der Nationaloper Warschau, wo sie sehr beliebt war und während ihrer ganzen weiteren Karriere auftrat. Internationale Erfolge bei Gastspielen an der Wiener Staatsoper (1974-79 als Königin der Nacht und als Lucia di Lammermoor), an den Opernhäusern von Frankfurt a.M. und Nürnberg, am Staatstheater Wiesbaden, am Prager Smetana Theater, am Teatro San Carlo Neapel, am Théâtre de la Monnaie in Brüssel, in Toulouse, Helsinki, Lodz und Leipzig, an den Staatsopern von Berlin und Dresden. In den Jahren 1976-80 bestand ein Gastvertrag mit der Hamburger Staatsoper. Besonders große Erfolge an der Bayerischen Staatsoper München, deren langjähriges Mitglied sie war. Sie war während ihrer Tätigkeit in München auch seit 1972 dem dortigen Theater am Gärtnerplatz verbunden. Sie sang bei den Salzburger Festspielen in den Jahren 1979-86 die Königin der Nacht in der »Zauberflöte«. 1980 wirkte siebei den Festspielen von Bregenz als Konstanze in Mozarts »Entführung aus dem Serail« mit. 1981 debütierte sie an der Metropolitan Oper New York als Königin der Nacht, an der man sie 1987 auch als Konstanze bewunderte; sie ist dort in insgesamt 22 Vorstellungen aufgetreten Es folgten Tourneen in Japan, in Frankreich und in der Schweiz. 1985 war sie bei den Festspielen in der Arena von Verona zu Gast, 1989 bei den Festspielen von Orange (als Königin der Nacht); 1991 sang sie in Warschau die Giulietta in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini. Ihre technisch vortrefflich durchgebildete, sehr bewegliche Koloraturstimme hatte ihre weiteren großen Erfolge in Rollen wie der Norina im »Don Pasquale«, der Traviata, der Adele in der »Fledermaus« und der Agnes in Liebermanns »Schule der Frauen«. Nicht weniger bedeutende Karriere als Konzertsängerin.

Schallplatten: Muza (u.a. »La serva padrona«), RCA (Königin der Nacht in vollständiger »Zauberflöte«), DGG.

 

4.7. Felice SCHIAVI wird 85

Felice SCHIAVI in der Mailänder Scala

An der Mailänder Scala

 Er war Schüler von Riccardo Malipiero in Monza, dann der Pädagogen Carlo Tagliabue, Carlo Alfieri und Enrico Pessina in Mailand. Er begann seine Sängerlaufbahn 1955 und gewann 1960 den Gesangwettbewerb Voci Verdiane in Busseto. Er konnte eine große Karriere an den führenden italienischen Opernhäusern zur Entfaltung bringen und sang vor allem an der Mailänder Scala, an der Oper von Rom, am Teatro Regio Parma, am Teatro San Carlo Neapel, am Teatro Fenice Venedig, am Teatro Regio Turin, an den Theatern von Bologna, Florenz, Triest, bei den Festspielen von Verona (1977) und beim Maggio Musicale von Florenz. An der Mailänder Scala debütierte er 1968 als Nabucco und sang dann 1970 den Tonio im »Bajazzo«, 1970-71 den Rigoletto, 1971, 1973, 1976, 1978-79 und 1981-82 den Paolo in »Simon Boccanegra« von Verdi, 1972 und 1974 auch den Simon Boccanegra, 1972 den Escamillo in »Carmen«, 1973 den Donner im »Rheingold«, 1977 den Ephraimit in »Moses und Aron« von A. Schönberg, 1978 den Francesco in Verdis »I Masnadieri«, 1980 den Scarpia in »Tosca«, 1981 den Zigeuner in Mussorgskys »Der Jahrmarkt von Sorotschinzy« und 1986 den Einäugigen in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. Am 27.1.1987 wirkte er an der Mailänder Scala in der Uraufführung der Oper »Riccardo III« von Flavio Testi in der Rolle des Buckingham mit. Gastspiele an der Wiener Staatsoper (1984 als Paolo), an der Grand Opéra Paris (1978-79 ebenfalls als Paolo), an den Opern von Lyon, Nancy, Marseille, Nizza, Bordeaux und Rouen, an der Opéra du Rhin Straßburg, am Nationaltheater Prag, am Nationaltheater Mannheim, an der Staatsoper von München, am Teatro Liceu Barcelona, am Bolschoi Theater Moskau, an der Nationaloper Belgrad, in Lüttich, Glasgow, Cardiff und Warschau. Seine großen Partien waren der Amonasro in »Aida«, der Posa in Verdis »Don Carlos«, der Titelheld in dessen »Macbeth«, der Germont-père in »La Traviata«, der Jago in »Otello«, der Graf Luna im »Troubadour«, der Renato in »Un ballo in maschera« von Verdi, der Don Carlo in »La forza del destino«, der Ben in Menottis »Telefon«, der Riccardo in Bellinis »I Puritani«, der Alfonso in »La Favorita« von Donizetti, der Enrico in »Lucia di Lammermoor«, der Gérard in »Andrea Chénier« von Giordano, der Barnaba in »La Gioconda« von Ponchielli und der Titelheld im »Barbier von Sevilla«. Neben seinem Wirken auf der Bühne war er auch ein Konzertsänger von Bedeutung.

Schallplatten: Fratelli Fabbri.

 

5.7.Tommaso SOLEY wird 100

 Der Sohn des Bassisten Alessio Soley (1884-1947) und der Altistin Smeralda Smeraldi (1877-1937) war während mehrerer Jahre als Tenor in Sendungen des italienischen Rundfunks (RAI) zu hören. Er sang viele kleinere Partien in Gesamtaufnahmen von Opern auf Cetra (»Adriana Lecouvreur«, »Andrea Chénier«, »Wilhelm Tell«, »La Traviata«, »Otello«).

 

6.7. Wilhelm SCHAEFER wird 85

 Er begann 1952 seine Ausbildung am Konservatorium von Gelsenkirchen, die er 1956-57 an der Musikhochschule von München zum Abschluss brachte. 1957 gewann er den Internationalen Gesangwettbewerb von München und wurde im gleichen Jahr an die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert. 1959-62 gehörte er dem Ensemble des Stadttheaters von Münster an, seit 1962 war er dann wieder an der Deutschen Oper am Rhein verpflichtet. Gastspiele im In- und Ausland brachten ihm bedeutende Erfolge ein. Als seine Glanzrolle galt der Figaro in »Figaros Hochzeit«. Er war als vortrefflicher Mozart- und Verdi-Sänger bekannt, widmete sich aber auch gerne der Interpretation der barocken Musik.

Schallplatten: Opera-Eurodisc, DGG.

 

7.7. Christopher BALL wird 80

Biographie des britischen Komponisten und Dirigenten auf Englisch:

https://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_Ball

 

8.7. Matthias HÖLLE wird 65

Matthias HÖLLE als König Marke
Als König Marke

 Er absolvierte sein Gesangstudium (nach erstem Unterricht durch den Konzertsänger Josef Sinz) an der Musikhochschule von Stuttgart bei Georg Jelden, später in Köln bei Josef Metternich. Gewinner des Felix Mendelssohn-Preises in Berlin. Zuerst hatte er erfolgreiche Karriere auf dem Gebiet des Oratoriengesangs sowie mit Auftritten am deutschen Rundfunk und im Fernsehen. Er begann dann eine ebenso bedeutende Bühnenkarriere 1976 am Opernhaus von Köln, dessen Mitglied er bis 1987 war. Seit 1987 gehörte er dem Ensemble der Staatsoper von Stuttgart an. Bei den Ludwigsburger Festspielen von 1978 erregte sein dunkel timbrierter, reich gebildeter Bass in der Partie des Commendatore in Mozarts »Don Giovanni« Aufsehen. Er sang bei den Bayreuther Festspielen von 1981-84 und 1986-88 den Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«, 1982-85 und 1997 einen der Gralsritter in »Parsifal«, 1983-86 sowie 1988-92 und 1996 den Hunding in der »Walküre«, 1985 und 1987-99 den Titurel in »Parsifal«, 1988-92 und 1998 den Fasolt im »Rheingold«, 1994-97 und 1999 den König Marke in »Tristan und Isolde«, 1996 und 1999-2001 den Gurnemanz im »Parsifal« (er sprang in dieser Partie für Hans Sotin ein, der sie wegen Unstimmigkeiten mit dem Dirigenten Christoph Eschenbach in letzter Minute zurückgab), 1998-2000 den Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg« und 1999 den Daland in »Der fliegende Holländer«. Er widmete sich gern dem zeitgenössischen Musikschaffen und arbeitete mit dem Komponisten Karlheinz Stockhausen zusammen. Er wirkte in den Uraufführungen von dessen »Licht«-Zyklus mit, so im Palazzo dello Sport in Mailand mit dem Ensemble der Mailänder Scala in »Donnerstag aus Licht« (15.3.1981) und in »Samstag aus Licht« (25.5.1984). An der Mailänder Scala trat er 1985 als Judas in einer szenischen Aufführung von J.S. Bachs Matthäus-Passion, 1994 als Hunding und 1995 als Sarastro in der »Zauberflöte« auf. 1983 gastierte er an der Oper von Bologna als König Marke. Weitere Gastspiele an den Opernhäusern von Hannover, Genf (1984 als Fafner im »Rheingold«) und Antwerpen sowie 1984 mit der Kölner Oper in Tel Aviv. 1985 debütierte er als Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg« an der Metropolitan Oper New York, an der er bis 1993 in insgesamt 19 Vorstellungen auch als Rocco im »Fidelio«, als Fasolt und als Sarastro aufgetreten ist. Er gastierte auch an der Oper von Houston/Texas (1986), am Teatro Liceu Barcelona (1986), beim Maggio Musicale von Florenz (1986), am Teatro Regio Turin (1987), am Teatro San Carlo Neapel (1988), am Teatro Comunale Florenz (1988 als König Marke), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1989), am Teatro Regio Parma (1989 als Commendatore) und an der Staatsoper Wien (1984-99 als Hunding, als Daland, als König Marke und als Gurnemanz). 1989 sang er an der Stuttgarter Oper den Daland, 1990 am Théâtre Châtelet Paris den Pogner. Am 6.4.1991 sang er in der Eröffnungsvorstellung der wieder aufgebauten Oper von Frankfurt a.M. den Sarastro. 1991 Gastspiel im Straßburger Kongresspalast als Gurnemanz, bei den konzertanten Aufführungen des Ring-Zyklus in der Salle Pleyel in Paris 1992 als Fafner und als Hunding. Bei den Festspielen von Salzburg hörte man ihn 1985 als Sprecher in der »Zauberflöte« sowie als Bass-Solisten in der Krönungs-Messe von Mozart, 1986 als 2. Geharnischten in der »Zauberflöte«, 1987 als Nettuno in Monteverdis »Il ritorno d’Ulisse in patria«, beim Maggio Musicale von Florenz 1993 als Sarastro, 1996 am Teatro Comunale Bologna und am Opernhaus von Montpellier als König Marke, an der Covent Garden Oper London als Fafner und als Hunding im Ring-Zyklus. 1999 sang er an der Niederländischen Oper Amsterdam den Sarastro, 2000 an der Komischen Oper Berlin den Eremiten im »Freischütz«. 2000 hörte man ihn am Teatro Liceu Barcelona als Sprecher in der »Zauberflöte«, 2001 am Opernhaus von Toulouse als Fasolt. Gleichzeitig setzte er seine internationale Karriere im Konzertbereich, vor allem als Oratorien- und Liedersänger, fort.

Schallplatten: Electrola (»Don Giovanni« in deutscher Sprache als Komtur), Intercord (»Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze« von J. Haydn), Telefunken (»Saul« von Händel), Teldec (»Parsifal«; Fasolt im »Rheingold«; Hunding in der »Walküre«; Pogner in »Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth 1999), Capriccio (Lieder von R. Schumann, »Hagadah Shel Pessach« von P. Dessau), Philips (»Die letzten Dinge« von Louis Spohr), DGG (»Donnerstag aus Licht« und »Samstag aus Licht« von Stockhausen), RCA (Eremit im »Freischütz«), RCA-BGM (»Walpurgisnacht« op. 60 von Mendelssohn, Rocco im »Fidelio«), Accord (Mozart-Requiem); Teldec-Video (Hunding in der »Walküre«), Philips-Video (»Die Meistersinger von Nürnberg«, Bayreuth 1984), Arthaus-Video (»Don Giovanni«, Köln 1991).

 

8.7. Étienne BETTENS wird 85

Étienne BETTENS

 Er studierte 1952-56 an den Konservatorien von Fribourg und Lausanne, dann auch 1955-56 am Conservatoire von Genf bei Pierre Mollet, 1963-64 in Amsterdam bei Eva Liebenberg und 1964-66 in Zürich bei Sylvia Gähwiller. Bereits 1956 begann er eine Karriere als Konzertsänger sowohl als Oratoriensolist wie als Lied-Interpret. Er übernahm dann aber auch Opernpartien u.a. am Grand Théâtre Genf, in Lausanne, Lyon und Paris, in Brüssel, Dijon und beim Maggio Musicale von Florenz. In Genf sang er den Achille in der Offenbach-Operette »La belle Hélène«, den Vulcain in »Orphée aux enfers« und den Baron Grog in »La Grande Duchesse de Gerolstein«, ebenfalls von Offenbach, den Gaudenzio in Rossinis »Il Signor Bruschino«, den Fasolt im »Rheingold« und den Zuniga in »Carmen«. Er wirkte in konzertanten Opern-Aufführungen, u.a. im Schweizer und im französischen Rundfunk, mit. In der Saison 1969-70 sang er in Genf in der Schweizer Premiere von Poulencs »Dialogues des Carmélites«. Im Konzertsaal trat er in einem sehr umfangreichen Repertoire auf, das Solopartien in den Passionen und Kantaten von J.S. Bach, in Werken von Händel, J. Haydn, Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Verdi, Berlioz bis hin zu Komponisten wie Janácek, Frank Martin, A. Honegger, Webern, Satie und O. Messiaen enthielt. Er gab Konzerte in der Schweiz, in Lyon, Marseille, Paris, Toulouse, Nizza, Rabat, Casablanca, Bordeaux und Brüssel, in Lissabon, Bologna, Florenz und Turin, in Warschau, Lublin und Gdansk, in Essen, Freiburg i. Br. und Wien. Auch im Konzertsaal wirkte er in mehreren Uraufführungen mit, u.a. in »Ecclesia« von H. Sutermeister (Lausanne 1975), »Erkennen und Schaffen« vom gleichen Komponisten (Lausanne 1964), »Requiem de Pâques« von S. Arnauld (Lausanne 1976), »Te Deum « von A. Fornerod (Genf 1956), »Cantate des vieillards« von J. François (Vevey 1978), »Symphonie des Incantations« von C. Regamey (Venedig 1968), »Promesses de blé« von B. Schulé (Lausanne 1981). Seit 1986 war er Chordirektor am Théâtre Municipal Lausanne.

Schallplatten: Erato (Madrigale von Monteverdi), Fono (»Erkennen und Schaffen« von Sutermeister), VDE-Gallo (Bach-Kantaten), SMS (»Il Signor Bruschino«, Messe C-Dur von Beethoven)

 

9.7. Timothy NOLEN wird 75

Timothy NOLEN  als Sweeney Todd

Als Sweeny Todd

 Er ergriff zunächst den Beruf eines Volksschullehrers, ließ dann aber seine Stimme an der Manhattan School of Music und durch die Pädagogen Walter Blaser und Richard Fredricks in New York ausbilden. 1968 debütierte er bei der New Jersey Opera Newark als Figaro im »Barbier von Sevilla« von Rossini. Er trat bereits 1968 an der San Francisco Opera als Offizier in »Christopher Columbus« von D. Milhaud auf. Er trat dann an diesem Haus bis 1973 als Perückenmacher in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, als Grégorio in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Moralès in »Carmen«, als Montano in Verdis »Otello«, als 2. Nazarener in »Salome« von R. Strauss, als Sciarrone in »Tosca«, als Schaunard in »La Bohème«, als Ned Keene in »Peter Grimes« von B. Britten, als Marullo in »Rigoletto«  und als Prinz Paul in Offenbachs »La Grande Duchesse de Gerolstein«, 1976 als Figaro im »Barbier von Sevilla«, 1980 als Malatesta im »Don Pasquale« und 1990 als Dr. Falke in der »Fledermaus« auf. In den USA trat er an den Bühnen von Boston, Chicago, Houston (Texas), Minneapolis und Newark erfolgreich auf. 1974 erfolgte sein Europa-Debüt am Opernhaus von Rouen als Pelléas in »Pelléas et Mélisande«. Er war 1974-78 am Opernhaus von Köln engagiert. Er sang weiter an der Niederländischen Oper Amsterdam, in Bordeaux, Nantes und bei den Festspielen von Aix-en-Provence. In Amsterdam wirkte er 1974 in der Uraufführung der Oper »Das Bildnis des Dorian Gray« von Kox mit. 1981 gastierte er am Grand Théâtre Genf als Dandini in Rossinis »La Cenerentola«, 1985 an der City Opera New York als Casanova in der Uraufführung der Oper »Casanova’s Homecoming« von Dominick Argento, 1986 an der Oper von Chicago als Papageno in der »Zauberflöte«, 1989-90 auch als Dr. Falke. 1988 sang er beim Maggio Musicale von Florenz den Ned Keene, 1991 den Trinity Moses in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill, 1991 am Teatro Massimo Palermo den Sileno in »Dafni« von Giuseppe Mulè, 1995, ebenfalls in Palermo, den Hans in »Der Traumgörge« von Zemlinsky, 1993 an der Oper von Nizza den Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«. An der Oper von Houston/Texas wirkte er in den Uraufführungen der Opern »Willie Stark« von Carlisle Floyd (1981) und »A Quiet Place« von Leonard Bernstein (1985) mit, an der Chicago Opera in der von »McTeague« (1992) und »A View from the Bridge« (1999 als Alfieri), beide von William Bolcom. 1996 debütierte er an der Metropolitan Opera (als Krusina in Smetanas »Die verkaufte Braut«), an der er in insgesamt 18 Vorstellungen auch 2001-02 als Baron Zeta in Lehárs »Die lustige Witwe« und als Einäugiger in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss aufgetreten ist. 1998 gastierte er beim Santa Fé Festival als Somarone in »Béatrice et Bénédict« von Berlioz, an der Oper von St. Louis als Don Pasquale, an der Chicago Opera als Trinity Moses. 2000 sang er an der Chicago Opera den Dr. Falke, in Cincinnati den Don Magnifico in Rossinis Oper »La Cenerentola«. 2001 hörte man ihn am Teatro Carlo Fenice Genua als Trinity Moses. Aus seinem Bühnenrepertoire sind hervorzuheben: der Graf Almaviva wie der Figaro in »Figaros Hochzeit«, der Guglielmo in »Così fan tutte«, der Belcore in »L’Elisir d’amore«, der Titelheld in Monteverdis »L’Orfeo«, der Sharpless in »Madame Butterfly«, die Titelrolle in »Gianni Schicchi« von Puccini, der Escamillo in »Carmen«, der Kaiser von China in »Le Rossignol« von Strawinsky, der Ford in Verdis »Falstaff«, der Lothario in »Mignon« von A. Thomas, der Ramiro in »L’Heure espagnole« von Ravel und der Olivier im »Capriccio« von R. Strauss. Er hatte auch auf dem Gebiet des Musicals große Erfolge, so sang er am New Yorker Broadway in den Musicals »Sweeney Todd« von Stephen Sondheim und »The Phantom of the Opera« von Lloyd Webber. Neben seinem Wirken auf der Bühne wurde der Sänger durch seine Tätigkeit als Konzertsänger wie als Pädagoge bekannt.

Mitschnitte von Rundfunksendungen auf Privatmarken.

 

9.7. David ZINMAN wird 80

Er studierte Musiktheorie und Komposition am Oberlin Conservatory of Music und an der University of Minnesota und kam dort auch in Kontakt mit Tanglewood. In Maine arbeitete er 1958-62 mit Pierre Monteux zusammen und war 1961-64 dessen Assistent beim London Symphony Orchestra. Zinman war 1965-77 Hauptdirigent des Nederlands Kamerorkest, danach 1974-85 Musikdirektor des Rochester Philharmonic Orchestra und schließlich 1979-82 Chefdirigent des Rotterdams Philharmonisch Orkest. 1985-98 wirkte er als Musikdirektor des Baltimore Symphony Orchestra. Zusammen mit diesem Orchester nahm er zahlreiche bedeutende Musikproduktionen auf, darunter die Schumann-Sinfonien. Seit 1995 war er Chefdirigent des Zürcher Tonhalle-Orchesters. Dort hatte er große Erfolge (Beethoven-Sinfonien, Musik von Robert Schumann und Richard Strauss) in seinen Konzerten und wurde auch dank seiner CD-Einspielungen gefeiert. Im Herbst 2009 haben David Zinman und das Tonhalle-Orchester Zürich zusammen mit dem Komponisten Diego Baldenweg und dem Musikproduzenten Lionel Vincent Baldenweg einen aufwendigen Soundtrack für den Kinofilm 180° aufgenommen, welcher am Internationalen Filmfestival Locarno mit dem SUISA-Preis für die „beste Filmmusik 2010“ honoriert wurde.David Zinman lebt in New Jersey, USA, und in Zürich. Immer wieder dirigiert Zinman die renommierten amerikanischen Orchester von Boston, Cleveland, Los Angeles, Philadelphia, San Francisco und New York; in Europa gastiert er regelmäßig bei den Berliner Philharmonikern, beim Concertgebouw-Orchester Amsterdam, beim Londoner Philharmonia Orchestra, den Münchner Philharmonikern und dem Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks sowie dem Gewandhausorchester. 2014 nahm er in Zürich seinen Abschied.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.davidzinman.org/

 

10.7. Udo HOLDORF wird 70

Udo Holdorf als Balthasar Zorn in Bayreuth

Gesangstudium 1966-71 an der Musikhochschule Köln bei Ellen Bosenius und bei Josef Metternich, Vervollständigung dieser Ausbildung bei Maestro Francesco Carino in Düsseldorf. Bereits während dieser Ausbildung sang er einige kleinere Partien am Theater von Bonn. Zu seinem offiziellen Debüt kam es 1971 am Stadttheater von Würzburg als Titelheld in Verdis »Otello«. Für viele Jahre wirkte er dann seit 1973 als erster Heldentenor an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg. Hier wurde er als Edgardo in »Lucia di Lammermoor« von Donizetti, als Titelheld in »Andrea Chénier« von Giordano, als Canio im »Bajazzo«, als Prinz Kalaf in »Turandot« von Puccini, als Luigi in dessen Einakter »Il Tabarro«, als Herodes in »Salome« von R. Strauss, als Matteo in »Arabella«, ebenfalls von R. Strauss, als Hauptmann in »Wozzeck« von A. Berg, als Boris in »Katja Kabanowa« von Janácek, als Albert Gregor in »Die Sache Makropoulus« und als Broucek in »Die Ausflüge des Herrn Broucek« bekannt. Er übernahm auch Partien aus dem Charakterfach. Gastspiele am Stadttheater von Aachen (1975-76), am Opernhaus von Frankfurt a.M., in Stockholm, Brüssel und Paris. 1977 wirkte er in Düsseldorf in der deutschen Erstaufführung der Oper »Ein Engel kommt nach Babylon« von R. Kelterborn, 1988 in der von L. Berios »Un Re in ascolto« mit. In der Uraufführung der Oper »Die Wiedertäufer« von A. Goehr in Duisburg sang er den Jan Bockelson (19.4.1985). Ständiger Gast am Opernhaus von Zürich (u.a. 1988 als Ägisth in »Elektra«). Weitere Gastspiele an den Opern von Hamburg, Rio de Janeiro (1980 als Herodes), in New York, Atlanta City und Los Angeles. 1981-84 und 1986-88 wirkte er bei den Bayreuther Festspielen als Balthasar Zorn in »Die Meistersinger von Nürnberg« mit. 1992 gastierte er an der Staatsoper (Smetana-Theater) Prag als Herodes, 1995 in der Megaron-Halle in Athen als Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg. Er gastierte 1986 am Teatro Comunale Bologna als Herodes, nach seinem Übergang ins Charakterfach seine große Glanzrolle, 1981 am Teatro San Carlos Lissabon als Loge im »Rheingold«, an der Oper von Antwerpen 1983 als Capito in »Mathis der Maler« von P. Hindemith, an der Opéra de Wallonie Lüttich und am Teatro Municipale Reggio Emilia 1984 als Herodes. 1996-97 sang er an der Deutschen Oper am Rhein, an der Opéra de Wallonie Lüttich und in Istanbul abermals den Herodes, 1996 in Amsterdam und 1997 in Leipzig den Kommissar in »Die Nase« von Schostakowitsch, 1997 am Stadttheater von Augsburg den Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg, in Düsseldorf und 1998 in Duisburg den Loge. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1998 als Jakob Schmidt in »Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny« von K. Weill mit. 1999 gastierte er am Stadttheater von Freiburg i.Br. wie am Teatro Colón Buenos Aires als Herodes. 2000 sang er an der Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg den Vitek in »Die Sache Makropoulus« von Janácek und die Hexe in »Hänsel und Gretel«, 2001 am Opernhaus (Aalto-Theater) von Essen wie am Opernhaus von Bordeaux den Ägisth. Er entfaltete eine bedeutende Konzertkarriere, dazu war er im Bereich der Gesangspädagogik tätig.

Schallplatten: Capriccio (»Der Silbersee« von K. Weill).

 

10.7. Jerry HERMAN wird 85

Als Kind musikliebender Eltern erlernte er schon in frühen Jahren das Klavierspiel und zeigte früh Interesse für die damals bekannten Broadway-Musicals. Den Sommer verbrachte er oft im Ferienlager am Stissing-See in Berkshire County in den Appalachen im Westen des amerikanischen Bundesstaats Massachusetts, das von seinen Eltern (beide Lehrer) geleitet wurde. Dort beteiligte er sich als Leiter der Stücke Finians Regenbogen (Finian’s Rainbow) und Ein Baum wächst in Brooklyn (A Tree Grows in Brooklyn) zum ersten Mal an einer Theaterproduktion. Mit 17 Jahren wurde Herman Frank Loesser vorgestellt, einem zu jener Zeit bekannten amerikanischen Komponisten und Lyriker, der ihn, nachdem er seine ersten Kompositionen gehört hatte, zu weiterem Schaffen ermunterte. Jerry Herman verließ die Designschule Parsons, an der er angefangen hatte, um Architekt zu werden und schrieb sich an der Universität von Miami (in Coral Gables) ein, die in den USA über einen der renommiertesten Fachbereiche für Theater verfügte. Dort wurde in den 1970er Jahren das Universitätstheater The Ring (abgeleitet von der baulichen Form des Gebäudes) nach ihm in Jerry Herman Ring Theater umbenannt. 1960 machte Herman seinen Broadway-Einstieg mit der Revue From A to Z, bei der es auch Beiträge der Anfänger Woody Allen und Fred Ebb gab. Noch im selben Jahr wurde Herman von dem Produzenten Gerard Oestreicher angesprochen, der die Revue Parade gesehen hatte, und gefragt, ob er daran interessiert sei, ein Stück über die Gründung des Staates Israel zu schreiben. Das Ergebnis war sein erstes ausgereiftes Broadway-Musical Milk and Honey, mit Star Molly Picon im Jahr 1961. Das Musical wurde 543 Mal aufgeführt und erreichte beachtliche Beurteilungen. Er schrieb die Musik für die Broadway-Musical-Hits Hello, Dolly!,Mame und La Cage aux Folles. 2009 wurde Jerry Herman mit dem Tony Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.jerryherman.com/

 

11.7. Johannes WETZLER wird 80

Er besuchte zunächst die Volksschule und das Gymnasium in St. Ingbert. Als Hauptinstrumente lernte er Geige und Klavier. Das Abitur legte er in Trier ab. Es folgte ein Studium der Musikwissenschaften an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. 1959-61 setzte er seine Studien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien fort. Zu seinen Lehrern zählten neben Hans Swarowsky (dirigieren) auch Hans Gillesberger (Kirchen und Schulmusik) und Ferdinand Grossmann (Gesang). Die Studien schloss er mit der Prüfung zum Kapellmeister ab. Ein Engagement am damaligen, von Hermann Wedekind geleiteten Stadttheater Saarbrücken führte ihn wieder zurück ins Saarland. Dort stellte er seine musikalische Vielfältigkeit sowohl als Tenorbuffo sowie als Dirigent und Regie-Assistent unter Beweis. Ein dreijähriges Intermezzo bildete 1965-68 die Arbeit als Organist, Chorleiter und Küster in der katholischen Herz-Jesu Gemeinde der Pfarrei Altenwald. Eine weitere Station des Karrierewegs begann 1968 in Klagenfurt, wo er bis 1970 als Chordirektor und Kapellmeister tätig war. Seit Herbst 1970 leitete er, zunächst als Chordirektor und seit 1974 auch als Dirigent die musikalischen Geschicke des Landestheater Linz, dem er bis zum Eintritt des Ruhestandes 2001 treu blieb. Seine Schaffenszeit war von zahlreichen, teils umjubelten Aufführungen aus Oper, Operette und Musical geprägt. Neben dieser Tätigkeit engagierte sich Wetzler bis Ende 2011 als Chormeister der Linzer Singakademie, als Dirigent des Universitätsorchesters Linz sowie des Linzer Konzertvereins. 1989 erhielt Wetzler das Ehrenzeichen der Kohannes Kepler Universität Linz, 1995 das silberne Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich. Johannes Wetzler lebt in Linz und hat die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen. Er ist Vater zweier Söhne.

 

11.7. Jeanette PILOU wird 85

Jeanette PILOU

 Sie entstammte einer griechischen Familie; ihr eigentlicher Name war Joanna Pilós. Sie begann ihr Gesangstudium 1956 und erhielt ihre Ausbildung u.a. durch Carla Castellani in Mailand. Sie debütierte 1959 am Teatro Smeraldo in Mailand als Violetta in »La Traviata«. Sie trat dann in Cremona, in Lausanne und in Lissabon auf. Ihre Bühnenkarriere nahm eine schnelle Entwicklung. Sie erregte bald Aufsehen beim Wexford Festival und 1965 bei ihrem ersten Gastspiel an der Staatsoper von Wien als Mimi in »La Bohème«; bis 1979 war sie an der Wiener Oper in insgesamt 167 Vorstellungen als Traviata, als Micaela in »Carmen«, als Nedda im »Bajazzo«,als Butterfly, als Nannetta im »Falstaff« von Verdi, als Mélisande in »Pelléas et Mélisande« von Debussy, als Marguerite im »Faust« von Gounod, als Susanna in »Le nozze di Figaro«, als Liu in Puccinis »Turandot«, in den drei Frauenrollen in Gottfried von Einems Oper »Der Prozess«, als Zerline wie als Donna Elvira im »Don Giovanni« und in der Titelrolle in »Manon« von Massenet zu hören. Sie trat an der Mailänder Scala (1974 als Marzelline im »Fidelio« und 1977 als Marguerite im »Faust« von Gounod), am Teatro Regio Turin (1972 als Manon von Massenet, 1975 als Micaela), am Teatro Massimo Palermo (1965 als Butterfly, 1974 als Marguerite), am Teatro Fenice Venedig (1963 als Mimì), am Teatro Comunale Bologna (1971 als Magda in Puccinis »La Rondine«) und am Teatro Margherita Genua (1967 als Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet) auf. Weitere Gastspiele an der Grand Opéra Paris (1973 als Eurydice in »Orphée et Eurydice« von Gluck, 1974 als Mimì und 1974-75 als Manon von Massenet), am Théâtre de la Monnaie Brüssel (1965), an der Oper von Marseille (1979), am Teatro Liceu Barcelona,am Teatro San Carlos von Lissabon, an der Opernhäusern von Köln, Hannover, Hamburg und an der Niederländischen Oper Amsterdam (1964 als Traviata und als Suzel in »L’Amico Fritz«  von Mascagni). Sie gastierte in den Jahren 1966-72 häufig an der Oper von Budapest, auch am Teatro Colón Buenos Aires. An der Oper von San Francisco hörte man sie in der Spielzeit 1968-69 als Zerline im »Don Giovanni«, als Butterfly, als Traviata und als Mélisande. Große Erfolge bei den Festspielen von Aix-en-Provence, Wiesbaden, Verona (1977 als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod), Edinburgh und Athen. 1967 erfolgte ihr Debüt an der Metropolitan Oper New York als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod. Bis 1986 sang sie in acht Spielzeiten elf Partien in 79 Vorstellungen: die Traviata, die Nannetta, die Susanna, die Micaela, die Marguerite, die Nedda, die Butterfly, die Zerline im »Don Giovanni«, die Mimì und die Mélisande.1971 erfolgte dann auch ihr Debüt an der Londoner Covent Garden Oper als Butterfly. 1972 gastierte sie an der Opera Scotland als Mélisande. 1973 sang sie an der Oper von Monte Carlo in der Uraufführung der Oper »La Reine morte« von Renzo Rosselini die Partie der Ines de Castro, 1974 die Adina in »L’Elisir d‘amore«, 1976 die Micaela und 1977 die Manon von Massenet.In Nordamerika gastierte sie auch an den Opernhäusern von Chicago, New Orleans, Houston (Texas) und Philadelphia.1998 sang sie in der Megaron Mousikis Halle in Athen die Mélisande. Aus ihrem Repertoire für die Bühne ist ergänzend die Titelrolle in »Manon Lescaut« von Puccini zu nennen. Bedeutende Karriere auch als Konzertsopranistin.

Ihre vor allem im lyrischen Repertoire, aber auch in dramatischen Szenen geschätzte Stimme ist auf Schallplatten der Marke Erato zu hören (Micaela in »Carmen«), auf Myto in der Titelrolle von Massenets »Manon«.

 

12.7. Sylvia SÁSS wird 65

Sylvia SASS als Tosca

 Sie erhielt ihre Ausbildung an der Musikakademie von Budapest bei Ferenc Révhegyi. Sie debütierte 1971 an der Budapester Nationaloper als Frasquita in »Carmen«. Seither große Erfolge an diesem führenden ungarischen Opernhaus. Sie gastierte 1972 sehr erfolgreich an der Nationaloper von Sofia als Violetta in »La Traviata«. 1974-75 trat sie bei den Festspielen von Salzburg in Mozart-Konzerten auf. 1975 sang sie bei der Scottish Opera Company die Desdemona in Verdis »Otello«, 1976 an der Londoner Covent Garden Oper London die Giselda in Verdis »I Lombardi«, 1977 die Traviata. 1976 sang sie bei den Festspielen von Aix-en-Provence wiederum die Traviata. 1977 erfolgreiches Debüt an der Metropolitan Oper New York als Tosca, blieb dort aber nur während einer Spielzeit und sang keine weitere Partie mehr. Sie wurde an den Staatsopern von Wien (1975 als Mimì in »La Bohème« und 1984 als Tosca), Hamburg und München wie an den Opern von Köln und Frankfurt a.M. gefeiert. Rolf Liebermann holte sie an die Pariser Opéra, wo sie als Traviata einen Höhepunkt in ihrer Karriere erreichte und 1982 als Juliette in »Roméo et Juliette« von Gounod gastierte. 1978 Gastspiele und Konzerte in den USA, 1979 Liederabend in der Londoner Wigmore Hall. 1986 hörte man sie in Toronto als Lady Macbeth in »Macbeth« von Verdi, 1989 in Montpellier, in Metz und im englischen Fernsehen BBC als Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók. Im gleichen Jahr trat sie an der Oper von Budapest als Salome von R. Strauss auf. Zu ihren weiteren Glanzrollen zählten die Donna Anna im »Don Giovanni« und die Fiordiligi in »Così fan tutte«. Weitere Partien aus ihrem Repertoire für die Bühne: die Poppea in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«, die Norma, die Elisabetta in Verdis »Don Carlos«, die Turandot von Puccini und die Mutter in der Oper »Moses« von Zsolt Durko, die sie 1977 in der Uraufführung an der Nationaloper Budapest kreierte. Sie gab Konzerte mit Wagner- und Richard Strauss-Programmen und sang 1989 in der Wigmore Hall London Lieder von F. Liszt und R. Strauss; 1990 gab sie dort wiederum ein Konzert. – Neben der Klangfülle ihrer Sopranstimme und der hinreißenden Dramatik des Vortrages wirkte auf der Bühne die Aussagekraft ihrer Darstellung. Große Oratorien- und Liedersängerin.

Erste Aufnahmen erschienen auf der ungarischen Marke Hungaroton (integrale Opern »Ernani«, »Macbeth« und »I Lombardi« von Verdi, »Belfagor« von O. Respighi, »Medea« von Cherubini, »Herzog Blaubarts Burg« von B. Bartók, »Hunyadi Laszlo« von F. Erkel, Wesendonck-Lieder von R. Wagner, »Vier letzte Lieder« von R. Strauss); dann kam eine Arienplatte auf Decca heraus. Sang auf dieser Marke auch in vollständigem »Don Giovanni« und Lieder von B. Bartók, auf Philips in »Stiffelio« von Verdi, »Norma« von Bellini, im »Trittico« von Puccini und in »Herzog Blaubarts Burg«. Mitschnitte von Opernaufführungen auf HRE (»I Lombardi« und »Macbeth« von Verdi), Gala (Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«, Turin 1977) und Legendary Recordings (»La Traviata«).

Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://sylvia-sass.com/

 

12.7. Der Bariton Carlos FULLADOSA wird 85

 

12.7. André LAPORTE wird 85

 Biografie des belgischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A9_Laporte

 

13.7. Krystyna MICHALOWSKA wird 70

Krystyna Michalowska

 Sie wurde an der Musikhochschule von Gdansk (Danzig) ausgebildet. Sie debütierte 1970 am Theater von Bydgoszcz (Bromberg) als Azucena im »Troubadour«. Es folgten Engagements an den Operntheatern von Szczecin (Stettin), Poznan (Posen) und am Baltischen Opernhaus Gdansk (Danzig). Es kam zu erfolgreichen Gastspielen an Opernbühnen in Ost-Deutschland, in Bulgarien, Rumänien, in der Sowjetunion und in der CSSR. Nachdem sie mit dem Ensemble der Baltischen Oper Gdansk am Stadttheater von Bremen (als Leonora in Donizettis »La Favorita«) gastiert hatte, schlossen sich weitere Gastspiele in Westeuropa an; so sang sie u.a. beim Mai Musical von Bordeaux. 1980 wurde sie Mitglied des Stadttheaters von Bielefeld, dem sie seither angehörte. Ihr Wirken an diesem Haus fiel in eine künstlerische Blütezeit dieses Theaters. 1990 wirkte sie dort in der deutschen (und europäischen) Erstaufführung der Oper »Yerma« von H. Villa-Lobos mit, am 20.4.1991 in der Uraufführung der Oper »Katharina Blum« von Thilo Medek. Von ihren zahlreichen Opernpartien seien die Carmen, die Eboli in Verdis »Don Carlos«, die Lady Macbeth in dessen »Macbeth«, die Maddalena im »Rigoletto«, die Ulrica im »Maskenball«, die Preziosilla in »La forza del destino«, die Marchesa del Poggio in »Un Giorno di Regno« von Verdi, die Fides in Meyerbeers »Le Prophète«, die Rosina im »Barbier von Sevilla«, die Hexe Sycorax im »Faust« von Louis Spohr (Bielefeld 1993), die Kontschakowna in »Fürst Igor« von Borodin, die Olga, die Larina wie die Filipjewna im »Eugen Onegin«, die Hexe in »Rusalka« von Dvorák, die Laura in »La Gioconda« von Ponchielli, die Dalila in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, die Sara in »Roberto Devereux« von Donizetti, die Santuzza in »Cavalleria rusticana« und die Amme in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss genannt. Die Künstlerin brachte eine erfolgreiche Karriere als Konzert- und Liedersängerin zur Entwicklung. Sie wirkte in zahlreichen Sendungen des polnischen Rundfunks mit, von denen Mitschnitte vorhanden sind.

 

13.7. Albert HARTINGER wird 70

Albert HARTINGER

 Er betrieb zunächst ein wissenschaftliches Studium, das sich auf die Fachgebiete Pädagogik und Psychologie erstreckte und schloss es mit dem Doktorat ab. Er ließ seine Stimme am Salzburger Mozarteum ausbilden, wobei auch bei diesem Studium pädagogische Elemente im Vordergrund standen. Dazu widmete er sich der authentischen Interpretation der frühen und der Barock-Musik. Diese beiden Bestrebungen waren auch für seine weitere Karriere bestimmend. 1970 gewann er den vom Salzburger Mozarteum veranstalteten Mozart-Concours. Er gab zahlreiche Konzerte in Österreich, in Deutschland und in Italien und trat in diesen wie in Rundfunksendungen als Solist in Oratorien, in geistlichen Musikwerken, in Kantaten und Liedern auf. Er war Mitglied des Salzburger Barock-Ensembles, Direktor der Bach-Gesellschaft in Salzburg und bekleidete eine Professur am dortigen Mozarteum. Auf der Bühne kam es nur zu gelegentlichen Auftritten, so 1968-71 bei den Festspielen von Salzburg als Anima dannata in »Rappresentatione di Anima e di Corpo« von E. de Cavalierii. 1990 wirkte er bei den gleichen Festspielen in einem Kirchenkonzert mit. 2001 leitete er ein Kirchenkonzert bei den Salzburger Festspielen.

 

14.7. Der Bariton Giuseppe RIVA wird 70

 

14.7. Gustave BOTIAUX wird 90

Gustave Botiaux

 Ausbildung am Conservatoire National de Paris. Zu seinem Debüt kam es 1955 am Théâtre de la Monnaie Brüssel in der Rolle des Pinkerton in Puccinis »Madame Butterfly«. Nachdem er dort bis 1956 aufgetreten war, begann er 1956 seine Karriere an den beiden großen Opernhäusern der französischen Metropole, der Grand Opéra und der Opéra-Comique Paris. 1961 gastierte er mit dem Ensemble der Grand Opéra in Japan, wobei er als Don José in »Carmen« Aufsehen erregte. Sehr erfolgreich gestalteten sich zahlreiche Gastspiele an den großen französischen Provinztheatern, in Bordeaux und Toulouse, in Marseille und Straßburg, in Nancy und Vichy. Er gastierte auch in Nordafrika, in Italien, in der Schweiz, in Deutschland und in der Sowjetunion. 1972 nahm er von der Bühne Abschied. Von seinen Bühnenpartien verdienen der Faust von Gounod, der Roméo in »Roméo et Juliette«, der Vasco in Meyerbeers »Afrikanerin«, der Titelheld in »Sigurd« von Reyer, der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata«, der Radames in »Aida«, der Turiddu in »Cavalleria rusticana«, der Cavaradossi in »Tosca«, der Dick Johnson in Puccinis »La fanciulla del West« und der Lohengrin besondere Erwähnung. Verheiratet mit der Sopranistin Jacqueline Silvy (* 1924).

Schallplatten: Orphée (Recital), Vogue (Recital sowie Ausschnitte aus »Faust«, »Sigurd« und »Tosca«).

 

14.7. Jan KRENZ wird 90

Während des Krieges lernte er Klavier bei Zbigniew Drzewiecki und Komposition bei Kazimierz Sikorski. Er studierte 1945–47 in der Staatlichen Musikhochschule in Lódz Dirigieren bei Kazimierz Wilkomirski und Komposition bei Kazimierz Sikorski. Ab 1949 war er Assistent des Direktors des Kattowitzer Großen Rundfunksinfonieorchesters, Grzegorz Fitelberg, nach dessen Tod 1953–68 Dirigent und Direktor des Orchesters. Ab 1967 war er Erster Dirigent und ab 1968 auch künstlerischer Leiter der Warschauer Oper, 1979–82 Generalmusikdirektor in Bonn. Er leitete auch 1979–82 das Danmarks Radio Orchester in Kopenhagen. Als ständiger Gastdirigent leitete er 1983–85 das Rundfunkorchester Hilversum. Er trat oft mit dem Yomiuri Nippon Symphony Orchestra in Tokio auf. Er dirigierte das Detroit Symphony Orchestra, die Berliner Philharmoniker, die Leningrader Philharmoniker und das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam. Neben der Tätigkeit als Dirigent beschäftigt sich Jan Krenz auch mit dem Komponieren. Sein erstes Streichquartett schrieb er als Siebzehnjähriger im Jahre 1943.

 

15.7. Melvyn POLL wird 75

 Sein Gesangstudium erfolgte bei Gustave Stern in Seattle, dann bei Marinka Gurewich, bei Elsa Seyfert und bei Martin Rich in New York. Zuvor hatte er Rechtswissenschaften studiert und sich bereits als Rechtsanwalt betätigt. 1971 kam er zu seinem Bühnendebüt am Pfalztheater von Kaiserslautern in der Partie des Rodolfo in Puccinis »La Bohème«. Später sang er vor allem an der New York City Opera; er gastierte an nordamerikanischen Theatern wie an der Oper von Tel Aviv. In seinem Bühnenrepertoire berücksichtigte er in erster Linie lyrische Partien aus dem Bereich der italienischen Oper wie den Edgardo in »Lucia di Lammermoor«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Alfredo in »La Traviata«, er konnte sich aber auch als Faust in der Oper gleichen Namens von Gounod und in zahlreichen weiteren Aufgaben aus dem Bühnen- wie dem Konzertrepertoire auszeichnen.

 

16.7. Mary LLOYD-DAVIES wird 65

Mary LLOYD-DAVIES

Sie studierte am Royal College of Music bei Ruth Packer und in Paris bei Pierre Bernac. Ihr erstes Engagement hatte sie beim Vermont Opera Theatre. Gastspiele führten sie an die Welsh National Opera, die Covent Garden Opera London, die Chelsea Opera, die English National Opera, die Scottish Opera (1987 Lady Macbeth in Verdis »Macbeth«), die New Sussex Opera, die Mid-Wales Opera, die Pocket Opera Nürnberg, die Bastille Opéra Paris (1992 Titelrolle in »Elektra« von R. Strauss), die Oper Nürnberg, das Edinburgh Festival und nach Houston. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 1994-97 die Ortlinde in der Walküre..

 

16.7. Carmen FAVRE wird 90

 Sie erhielt ihre Gesangsausbildung durch Jascha Galperin in Buenos Aires und debütierte, von diesem am Klavier begleitet, 1950 in einem Konzert im Salón Dorado des Teatro Colón Buenos Aires. Sie wurde bald eine der bekanntesten argentinischen Konzertsängerinnen ihrer künstlerischen Generation, wobei sie im Konzertsaal ein sehr vielseitiges Repertoire vortrug. So hörte man sie oft in der Briefszene der Tatjana aus Tschaikowskys »Eugen Onegin«, aber auch in Werken zeitgenössischer argentinischer Komponisten. Sie trat in Südamerika (Montevideo) und auch in Europa auf, u.a. 1961 in Gibraltar, Madrid und Mailand; sie gab Konzerte beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Essen. 1970 sang sie am Teatro Municipal in Rio de Janeiro in der Uraufführung der Kantate »Dias que son condena« von Fernando González Casellas. 1991 trug sie in Buenos Aires in einem Gala-Liederabend sämtliche Lieder von Gabriel Fauré vor. 1975-79 wirkte sie als Pädagogin am Instituto Superior de Arte des Teatro Colón Buenos Aires; seit 1987 bekleidete sie eine Professur am Conservatorio Nacional Carlos López Buchardo.

 

17.7. Peter MANNING wird 60

Informationen über den britischen Dirigenten auf seiner Homepage:

http://petermanningconductor.com/

 

17.7. Jürgen FLIMM wird 75

Er studierte in Köln Theaterwissenschaft, Germanistik und Soziologie. 1968 wurde er Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, dann Spielleiter am Nationaltheater Mannheim und 1973 Oberspielleiter am Thalia Theater Hamburg. 1979 wurde er Intendant des Kölner Schauspiels. 1985 kehrte er als Intendant an das Thalia Theater zurück, das er fünfzehn Jahre lang leitete und zu einem der künstlerisch und wirtschaftlich erfolgreichsten Sprechtheater Deutschlands machte.Luigi Nonos »Al gran sole carico d’amore« war 1978 seine erste Opernarbeit in Frankfurt. 1981 folgte Offenbachs »Les contes d’Hoffmann« an der Hamburgischen Staatsoper, 1990 in Amsterdam »Così fan tutte«. Hier arbeitete er zum ersten Mal mit Nikolaus Harnoncourt zusammen, der seitdem sein wichtigster künstlerischer Partner wurde. Am Teatro alla Scala in Mailand (1997 »Wozzeck« von A. Berg und 2015 »Otello« von Rossini), der Metropolitan Opera New York (2000 »Fidelio«, 2004 »Salome« von R. Strauss), dem Royal Opera House Covent Garden London, der Lyric Opera of Chicago, der Staatsoper Unter den Linden Berlin, dem Opernhaus Zürich sowie der Wiener Staatsoper (1991 »Der ferne Klang« von Fr. Schreker, 2001 »Roméo et Juliette« von Gounod, 2002 »Der Riese von Steinfeld« von Fr. Cerha und 2012 »La clemenza di Tito« von Mozart) und der Hamburgischen Staatsoper hat Jürgen Flimm in den vergangenen Jahren inszeniert. Im Sommer 2000 erarbeitete er bei den Bayreuther Festspielen einen neuen »Ring«.
1987 begann die Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen mit Raimunds »Der Bauer als Millionär«. Es folgten 1989 »Das Mädl aus der Vorstadt« von Johann Nestroy, 1991 Hofmannsthals »Der Schwierige«, 1993 Monteverdis »L’incoronazione di Poppea«, 2004 Purcells »King Arthur«, 2006 Mozarts »Lucio Silla« und 2009 Rossinis »Moïse et Pharaon«.
2010 inszenierte er »Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen« in der Werkstatt der Staatsoper im Schiller Theater Berlin und 2011 Händels »Il trionfo del Tempo e del Disinganno« in der Staatsoper im Schiller Theater. Im Juni 2014 inszenierte er Salvatore Sciarrinos »Macbeth« auf der Baustelle der Berliner Staatsoper Unter den Linden. Im Oktober 2014 inszenierte Jürgen Flimm Giacomo Puccinis »Manon Lescaut« am Mikhailovsky Theater in St. Petersburg und 2015 Mozarts »Le nozze di Figaro« an der Staatsoper im Schiller Theater. Im März 2016 inszenierte er dort Glucks »Orfeo ed Euridice«.
Jürgen Flimm war Professor an der Universität Hamburg und ist Mitglied der Akademien der Künste in Hamburg, München, Berlin und Frankfurt sowie Ehrendoktor der Universität Hildesheim. Zu seinen Auszeichnungen zählen u. a. der Grimme-Preis, die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, der Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste Berlin, den Max-Brauer-Preis der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S., das Bundesverdienstkreuz sowie das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft und das Ehrenzeichen des Landes Salzburg. 1999-2003 war Jürgen Flimm Präsident des Deutschen Bühnenvereins. 2002-04 Leiter des Schauspiels der Salzburger Festspiele. 2005-08 leitete er die Ruhrtriennale und 2007-10 Intendant der Salzburger Festspiele. Seit September 2010 ist er Intendant der Staatsoper Unter den Linden. Zu seinen Buchveröffentlichungen zählen u. a. »Götterdämmerung« (Propyläen Verlag 2000), »Theatergänger« (Steidl Verlag 2004), »Theaterbilder« (Steidl Verlag 2008), »Das Salzburger Kapitel« (Müry Salzmann Verlag 2010) und »Die gestürzte Pyramide« (Müry Salzmann Verlag 2010).

 

18.7. Der Bassist Giovanni ANTONINI wird 85

 19.7. Giancarlo CECCARINI wird 65

 Er arbeitete zunächst als Elementarschullehrer, sang dann in einem Chor seiner Heimatstadt Pisa und ließ gleichzeitig seine Stimme durch die Pädagogin Liliana Bardelli ausbilden. Nachdem er erfolgreich an Gesangwettbewerben in Reggio Emilia und in Spoleto teilgenommen hatte, kam seine Ausbildung in der Opernschule der Oper von Rom bei Maestro Rigacci zum Abschluss. 1975 debütierte er in Spoleto als Belcore in Donizettis »L‘Elisir d’amore« und hatte dort erste Erfolge als Marcello in »La Bohème« und in Cimarosas »Il maestro di capella«. 1976 sang er am Teatro Fenice Venedig den Osmano in »L’Ormindo« von Cavalli und am Teatro Comunale von Terni den Tancredi in Monteverdis »Il combattimento di Tancredi e Clorinda«. Die letztgenannte Partie hat er im Lauf seiner Karriere immer wieder zum Vortrag gebracht, u.a. in Bologna, in Zürich (1978 zusammen mit Cathy Berberian), in Mantua, Cremona, Bari und am Opernhaus von Frankfurt a.M. (1980). Seit 1977 wirkte er in mehreren Opernsendungen des Schweizer Rundfunks in Lausanne wie in Lugano mit, darunter in Werken wie »La Gazzetta« von Rossini und in »I pazzi per progetto« von Donizetti. Der Eustacchio in dieser Donizetti-Oper wurde eine weitere Glanzrolle des Sängers. Den Eustacchio wie den Podestà in »Le docteur miracle« von Bizet sang er u.a. auch 1980 als Gast in San Remo, ebenso am Teatro Margherita Genua (1980), wo er dazu als Titelheld in Puccinis »Gianni Schicchi« auftrat. 1979-81 nahm er an Gastspieltourneen in Süditalien teil, 1981 an einer ähnlichen Tournee in Westdeutschland. Er setzte seine Karriere an italienischen Theatern (Ferrara, Livorno, Monza, Foggia) fort und gastierte 1982 in San Remo als Nabucco in Verdis Oper gleichen Namens.

Schallplatten: UORC (Eustacchio in »I pazzi per progetto«), Nuova Era (»Turandot« von Puccini, Filippo in »La Gazzetta« von Rossini), Agorá (»Il fanatico burlato« von Cimarosa).

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://giancarloceccarinibaritono.blogspot.co.at/

 

20.7. Marta STUKUS-KOSMALA wird 65

 Biographie der polnischen Altistin auf Polnisch; http://www.e-teatr.pl/pl/osoby/23979.html

 

20.7. Gregory DEMPSEY wird 85

Gregory DEMPSEY

 Er erlernte den Beruf eines Silberschmieds, wurde dann jedoch in Australien Schüler der Gesangpädagogen Mavis Kruger, Annie und Heini Portnoj. Bühnendebüt 1954 an der National Opera of Victoria (Australien) als Don Ottavio im »Don Giovanni«. 1956 Australien-Tournee mit der Elizabethan Opera Company, bei der er vor allem in Mozart-Opern auftrat. 1957-58 sang er bei der gleichen Gesellschaft u.a. den Rodolfo in »La Bohème«, den Cavaradossi in »Tosca«, den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«, den Don José in »Carmen« und den Florestan im »Fidelio«. Auch in den Jahren 1960 und 1962 war er wieder bei dieser Wanderoper zu hören. International bekannt wurde er seit 1962 nach seinem Auftreten an den führenden englischen Opernbühnen. So sang er, zuerst an der Sadler’s Wells Opera, dann an der Covent Garden Oper London, bei der English National Opera London, an der Welsh Opera Cardiff, der Scottish Opera Glasgow und beim Festival von Edinburgh. Bei der Scottish Opera Glasgow sang er 1962-78 den Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, den Monostatos in der »Zauberflöte«, den Bob Boles in B. Brittens »Peter Grimes«, den Boconnion in »The Mines of Sulphur« von Richard Rodney Bennett (den er bereits am 24.2.1965 an der Sadler’s Wells Opera London in der Uraufführung kreiert hatte), den Albert Herring in der gleichnamigen Oper von B. Britten, den Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, den Florestan, den Peter Quint in Brittens »The Turn of the Screw«, den Énée in »Les Troyens« von H. Berlioz, den Lysander in Brittens »A Midsummer Night’s Dream«, den Mime im Nibelungenring, den David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, den Stewa in Janáckes »Jenufa« und die Hexe in »Hänsel und Gretel«. An der Covent Garden Oper London debütierte er 1972 als Laça in Janáceks »Jenufa«. Als Interpret der Werke von Benjamin Britten erwarb er sich vor allem bei den Festspielen von Aldeburgh einen Namen. Hier sang er auch 1967 in der Uraufführung der Oper »The Decision« von Thea Musgrave. 1964 sang er an der Sadler’s Wells Opera London in der englischen Erstaufführung der Oper »Die Sache Makropoulos« von Janácek. 1966 gab er als Albert Gregor in »Die Sache Makropoulos« sein US-Debüt an der Oper von San Francisco, an der er 1970 auch den Tom Rakewell gastierte. 1974 wirkte er bei der English National Opera London in der englischen Erstaufführung von H.W. Henzes »Die Bassariden« mit, am 6.9.1977 beim Edinburgh Festival in der Uraufführung der Oper »Mary Queen of the Scots« von Thea Musgrave in der Partie des James Hepburn. 1986 gastierte er in Sydney als Bob Bowles. Auf der Bühne als Mozart-Interpret wie überhaupt als lyrischer Tenor, im Konzertsaal in einem vielfältigen Programm aufgetreten. Weitere Bühnenpartien: Tambourmajor im »Wozzeck« von A. Berg, Peter Grimes in der Oper gleichen Namens von B. Britten, Hirt in »König Roger« von Szymanowski, Mark in »The Midsummer Marriage« von M. Tippett (Adelaide 1978), Skuratow in Janáceks »Aus einem Totenhaus«.

Schallplatten: HMV, Decca (»Billy Budd« von Benjamin Britten), EMI (Nibelungen-Ring).

 

21.7. Ian JUDGE wird 70

 Informationen über den britischen Opernregisseur auf seiner Homepage: http://www.ianjudge.com/

 

23.7. Maria BROJER wird 60

Informationen über die österreichische Sopranistin auf ihrer Homepage:

http://www.maria-brojer.at/

 

23.7. Gloria SCALCHI wird 60

Gloria Sclachi

Sie entstammte einer Künstlerfamilie; die berühmte Altistin Sofia Scalchi (1850-1924) gehörte zu ihrer Verwandtschaft. Sie wurde zunächst durch ihren Vater ausgebildet und war dann Schülerin von Iris Adami-Corradetti in Padua. Ergänzende Studien an der Rossini-Akademie in Pesaro und bei Josef Metternich in München. Sie trat bereits 1977 am Teatro Verdi in Triest in einer kleinen Rolle in Mascagnis »Iris« auf, 1981 übernahm sie am gleichen Haus eine Partie in der »Walküre«. 1985 gastierte sie am Teatro Margherita in Genua, 1987 beim Festival von Spoleto als Tezeuco in »Montezuma« von Graun. Einen ersten großen Erfolg hatte sie 1988 am Teatro Bellini Catania als Angelina in Rossinis »La Cenerentola«. Es schlossen sich Auftritte an der Oper von Rom (Emma in »Zelmira« von Rossini unter Philip Gossett und Andromaca in »Ermione«, ebenfalls von Rossini) und mit dem Concertgebouworchest Amsterdam (Orsini in einer konzertanten Aufführung von Donizettis »Lucrezia Borgia« 1991) an. Am Teatro Filarmonico Verona gastierte sie wiederum in zwei der schwierigen Rossini-Partien für Koloratur-Contralto, der Rosina im »Barbier von Sevilla« und der Angelina, am Teatro Comunale Bologna 1991 als Sinaide in Rossinis »Mosè in Egitto« (und als Charlotte im »Werther«von Massenet), beim Rossini-Festival in Pesaro 1990 als Somira in »Ricciardo e Zoraide«, 1992 als Arsace in »Semiramide«, 1993 als Calbo in Rossinis »Maometto II.«, eine Partie, die sie dann auch 1994 an der Mailänder Scala übernahm. 1991 hörte man sie am Teatro Donizetti Bergamo als Leonora in Donizettis »La Favorita«, 1992 am Teatro Carlo Felice Genua als Rosina, 1993 als Sara in »Roberto Devereux« von Donizetti, im Palais Garnier (Grand Opéra) Paris 1992 als Rosina, 1993 am Teatro San Carlo Neapel als Amaltea in »Mosè in Egitto« von Rossini, 1994 in Bologna als Elisabetta in Donizettis »Maria Stuarda«, und als Charlotte im »Werther«. 1995 erschien sie beim Festival von Macerata einmal mehr als Rosina, 1996 am Teatro Massimo Palermo als Pippo in »La gazza ladra« von Rossini. In den USA trat sie in der New Yorker Carnegie Hall in einer konzertanten Aufführung von »Ermione« auf. 1992 sang sie als Antrittsrolle an der Metropolitan Oper New York den Arsace in »Semiramide«; man hörte sie dort 1996 auch als Preziosilla in Verdis »La forza del destino«. An der Oper von Monte Carlo sang sie 1991 die Sara, in Paris Solopartien in der Petite Messe solennelle von Rossini und in »Juditha triumphans« von Vivaldi, in Wien im Requiem D-Moll von Cimarosa.1994 gastierte sie als Rosina an der Wiener Staatsoper. 1995 gastierte sie am Teatro Colón Buenos Aires als Leonora in »La Favorita«, als Romeo in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini und als Pippo, 1996 in Messina wieder als Leonora, in Mexico City als Cenerentola. 1997 am Teatro Municipale Piacenza als Adalgisa in Bellinis »Norma« zu Gast, ebenso 1997 an der Berliner Staatsoper in der Titelrolle von Rossinis »Tancredi«, an der Staatsoper Dresden als Sara, 1998 an der Oper von Rom als Leonora in »La Favorita«, am Teatro Carlo Felice Genua als Rosina. 1998 nahm sie an der Japan-Tournee des Teatro Comunale Bologna (als Eboli in Verdis »Don Carlos«) teil. 1999 übernahm sie am Teatro Massimo Palermo in der wieder entdeckten Oper »Alahor in Granata« von Donizetti die Rolle des Hassem, 2000 an der Deutschen Oper Berlin die Isabella in Rossinis »L’Italiana in Algeri«, bei den Festspielen von Verona die Fenena in Verdis »Nabucco«. Zu den weiteren Bühnenpartien der Sängerin zählten die Enriquetta in Bellinis »I Puritani«, die Princesse de Bouillon in »Adriana Lecouvreur« von Cilea und die Maddalena im »Rigoletto«.

Schallplatten: Decca (»Il Tabarro« und »Suor Angelica« von Puccini), Cetra (Arsace in »Semiramide«, Titelrolle in »La Favorita« von Donizetti), Ricordi (»Juditha triumphans« von Vivaldi), Serenissima (»Maria Stuarda« von Donizetti), Orfeo (Verdi-Requiem).

Weitere Informationen auf ihrer Homepage: http://gloriascalchi.weebly.com/index.html

 

24.7. Adelheit SCHAER wird 90

 Sie studierte 1948-51 bei Dora Wyss in Zürich, 1952-57 an der dortigen Musikakademie bei Martha Frank, 1957-60 bei Lotte Medicus, später noch bei Sylvia Gähwiller in Zürich und in Kursen bei Franziska Martienssen-Lohmann in Luzern. Bereits 1954 war sie Preisträgerin beim Internationalen Gesangwettbewerb in Genf. 1957-59 war sie am Theater von St. Gallen engagiert; sie trat als Gast am Opernhaus von Zürich (1960 als 2. Norn in der »Götterdämmerung«), an den Theatern von Luzern, Basel und Bern, an der Wiener Volksoper und an der Zürcher Kammeroper auf. Zu ihren Bühnenpartien zählten die Ulrica in Verdis »Maskenball«, die Emilia in dessen »Otello«, die Lady Pamela in »Fra Diavolo« von Auber, die Wirtin im »Boris Godunow« (Basel), die Türkenbaba in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, die Margarita in »Die vier Grobiane« von Wolf-Ferrari, die Suzuki in »Madame Biutterfly« (Zürich), die Christine in »Die schwarze Spinne« von H. Sutermeister, die Mrs. Herring in »Albert Herring« von B. Britten und die Hippolyta in »A Midsummer Night’s Dream« vom gleichen Komponisten (Zürich). In der Spielzeit 1958-59 trat sie am Stadttheater von St. Gallen in der Schweizer Erstaufführung der Oper »Die Heirat« von B. Martinù (als Fjokla Iwanowna) auf. Am Opernhaus von Zürich wirkte sie 1961 auch in der Uraufführung der Oper »Griechische Passion« von B. Martinù mit, in Bern in der Schweizer Premiere von R. Wards »Crucible« (1964), an der Oper von Lyon 1996 in der Uraufführung der Oper »Galina« von Marcel Landowski. Im Konzertsaal kam sie sowohl für den Bereich des Oratoriums wie für den der Lied-Interpretation zu bedeutenden Erfolgen, wobei sie auch hier ein umfangreiches Repertoire anbieten konnte. Ihre Konzerte fanden in Städten in der Schweiz, in Frankreich (Paris) und in Deutschland (Regensburg) statt. Sie wirkte in Sendungen des Schweizerischen Rundfunks mit und betätigte sich als Chorleiterin. Sie wohnte in Ossingen im Kanton Zürich.

 

25.7. Magdaléna HAJÓSSYOVÁ wird 70

Magdaléna HAJÓSSYOVÁ

Sie absolvierte ihr Gesangstudium an der Musikakademie von Bratislava bei den Pädagogen M. Smutná-Vloká und A. Hrussovská und begann ihre Karriere 1967 am Opernhaus von Brno (Brünn) als Barce in der Oper »Hubicka« (»Der Kuss«) von Smetana. Sie kam 1971 an die Slowakische Nationaloper Bratislava (Debüt als Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«). An diesem Haus trat sie in Opern von Smetana, Dvorák, Suchon und J. Cikker auf. Sie sang seit 1972 auch an der Nationaloper Prag und an anderen großen Bühnen. Seit 1975 gastierte sie an der Berliner Staatsoper, 1978 wurde sie ihr reguläres Mitglied. Mit deren Ensemble unternahm sie eine Gastspieltournee durch Japan (wo sie sowohl die Donna Elvira als auch die Donna Anna im »Don Giovanni« sang). 1976 gastierte sie (mit dem Ensemble des Opernhauses von Bratislava) an der Wiener Volksoper als Marguerite im »Faust« von Gounod. An der Wiener Staatsoper gastierte sie 1980-88 als Pamina in der »Zauberflöte« sowie als Donna Elvira und als Donna Anna. 1979 zu Gast am Bolschoi Theater Moskau, 1981 an der Staatsoper München, 1983 in Paris, 1985 beim Las Palmas Festival (als Fiordiligi in »Così fan tutte«), 1988 am Teatro Liceu Barcelona. Sie trat außerdem auf der Bühne wie im Konzertsaal in England, Belgien, Holland, Frankreich, Griechenland, Ungarn, Spanien und Italien als Gast auf. 1986 sang sie in der Eröffnungsvorstellung des renovierten Hauses der Berliner Staatsoper die Titelfigur in »Euryanthe« von Weber, 1987 die Iphigenie in Glucks »Iphigenie in Aulis«. Ihr umfangreiches Repertoire für die Bühne enthielt als weitere Höhepunkte die Leonore im »Fidelio«, die Rusalka in der gleichnamigen Märchenoper von Dvorák, auch Partien in zeitgenössischen Werken, vor allem in Opern des slowakischen Komponisten Ján Cikker. Sie galt als große Mozart-Interpretin; allein an der Berliner Staatsoper trug sie sieben Mozart-Partien vor (darunter die Elettra in »Idomeneo« und die Vitellia in »La clemenza di Tito«). Auch im Konzertsaal hatte sie eine große Karriere; so sang sie 1989 bei den Salzburger Festspielen ein Solo im Te Deum von Dvorák. Sie zeichnete sich auch als begabte Liedersängerin aus.

Schallplatten: Supraphon (»Das schlaue Füchslein« und »Osud« von Janácek, Donna Elvira im »Don Giovanni«, »Dimitrij« von Dvorák, 4. Sinfonie von Gustav Mahler), Supraphon/Koch (Sophie im »Werther« von Massenet), Opus (»Erindo« von Sigismund Kusser, Lieder von Gustav und Alma Mahler, Lieder von J. Brahms, R. Schumann und R. Strauss; Orchesterlieder von E. Suchon), Marco Polo (»Hans Heiling« von H. Marschner), Denon (Sopransolo in der 9. Sinfonie von Beethoven), Decca (Religiöse Musik von F. Schubert), Panton (»Der neue Psalm« von A. Rejcha), Naxos (14. Sinfonie von Schostakowitsch), Teldec (»Elektra« von R. Strauss), Berlin Classics (2. Sinfonie von G. Mahler), Multisonic/Disco Center (Lieder von Tomasek).

 

26.7. Carla BASTO wird 60

Sie erhielt ihre Ausbildung, die sich auf Klavierspiel und Gesang erstreckte, am Konservatorium von Lissabon. Sie betrieb dann noch ergänzende Studien in Mailand. 1982 debütierte sie am Opernhaus von Bogotà (Kolumbien) als Lucia di Lammermoor von Donizetti. Sie kam in den folgenden Jahren zu einer erfolgreichen Karriere an Opernhäusern in Südamerika wie auch am Teatro Liceu Barcelona. Bereits 1982 erfolgte ihr erstes Auftreten in Italien, und zwar sogleich an der Mailänder Scala, wo sie die Anita Garibaldi in der italienischen Erstaufführung der Oper »Addio Garibaldi« von Girolamo Arrigo sang. 1985 gastierte sie am Teatro del Giglio Lucca in der Titelrolle der Oper in »Dejanice« von Alfredo Catalani. 1987 hörte man sie am Teatro Comunale Florenz als Anna Bolena in der Oper gleichen Namens von Donizetti, im gleichen Jahr sang sie am Teatro Regio Turin die Rollen der Calypso und der Penelope in »Ulisse« von Dallapiccola. An diesem Haus trat sie auch als Thaïs von Massenet und als Pamina in der »Zauberflöte« auf. Eine besondere Glanzrolle in ihrem Bühnenrepertoire war die Violetta in »La Traviata«.

Schallplatten: Bongiovanni (»Dejanice«, Aufnahme der oben erwähnten Aufführung in Lucca).

 

26.7. Die italienische Sopranistin Adriana MARTINO wird 85

Biographie der italienischen Sopranistin auf Italienisch:

http://195.75.145.68/whoiswho/ricerca.php?code=WBWWWFHRWW

 

27.7. MarianneRØRHOLMwird 60

Marianne RØRHOLM

Sie war u.a. Schülerin von Uno Ebrelius und schloss ihre musikalische Ausbildung 1984 am Königlichen Konservatorium Kopenhagen ab. Sie war dann 1984-85 an der Oper von Kopenhagen engagiert, wo sie als Rosina im »Barbier von Sevilla«, als Olga im »Eugen Onegin« und als Lola in »Cavalleria rusticana« auftrat. 1985 folgte sie einem Ruf an das Opernhaus von Frankfurt a.M., dessen Mitglied sie bis 1989 blieb, und an dem sie später noch als Gast auftrat. In Frankfurt hatte sie als Nicklausse in »Hoffmanns Erzählungen«, vor allem aber als Octavian im »Rosenkavalier« ihre Erfolge. Sie wurde durch zahlreiche Gastspiele international bekannt; so gastierte sie in Paris (Zauberin in »Dido and Aeneas« von Purcell), wo sie auch als Solistin im »Lied von der Erde« von Gustav Mahler zu hören war. Ihre Glanzrolle war der Cherubino in »Le nozze di Figaro«, den sie an der Deutschen Oper Berlin, am Opernhaus von Tel Aviv, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg (wo sie außerdem die Rosina im »Barbier von Sevilla« und die Angelina in Rossinis »La Cenerentola« übernahm) und 1989 wie 1991 bei den Festspielen von Glyndebourne und Ludwigsburg sang. Als Angelina hörte man sie auch 1987 an der Jütländischen Oper Aarhus. Bei denBayreuther Festspielen trat sie 1988 als 1. Knappe und als eines der Blumenmädchen im »Parsifal« auf. Am Opernhaus von Zürich gastierte sie als Rosina, wie sie überhaupt die schwierigen Koloraturpartien für Mezzosopran meisterhaft zum Vortrag brachte. Man hörte sie in Amsterdam und an der Oper von Rom als Page Isolier in Rossinis »Le Comte Ory« (1990), in Basel als Dorabella in »Così fan tutte« (1990), in Toulouse als Annio in Mozarts »La clemenza di Tito«. 1992 Gastspiel am Théâtre de la Monnaie Brüssel als Dido in »Dido and Aeneas« von Purcell, beim Festival von Aix-en-Provence als Zerline im »Don Giovanni«. 1996 hörte man sie an der Oper von Kopenhagen als Preziosilla in »La forza del destino« von Verdi. 1998 gastierte sie am Opernhaus von Dublin als Nicklausse, in Montpellier in »La finta giardiniera« von Mozart. Am 6.3.2000 sang sie an der Oper von Kopenhagen in der Uraufführung der Oper »The Handmaid’s Tale« von Poul Ruders die Partie der Offred, im gleichen Jahr an der Jütländischen Oper Aarhus die Carlotta in der Richard Strauss-Oper »Die schweigsame Frau«. Als Konzert- und Oratoriensängerin hatte sie gleichfalls eine erfolgreiche Karriere. 1989 unternahm sie eine Konzert-Tournee in den USA, debütierte hier mit dem Indianapolis Symphony Orchestra und trat im Kennedy Center Washington und in der New Yorker Carnegie Hall auf.

Schallplatten: Philips (Dryade in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss), HEK (Werke von Niels W. Gade), BIS (»Die Kreuzfahrer« von E. Grieg), DGG (»Salome« von R. Strauss), Harmonia mundi (»Giulio Cesare« von Händel), Decca (Pernille in »Maskarade« von C. Nielsen), Chandos (Page in »Salome« von R. Strauss), Chandos/Koch (»Des Sängers Fluch« und »Vom Pagen und der Königstochter« von R. Schumann), Dacapo/Naxos (»Tornerone«, »Bergliot« von P.A. Heise; Offred in »The Handmaid’s Tale« oder »Der Bericht der Magd« von Poul Ruders).

 

27.7. Helga PAPOUSCHEK wird 75

Sie begann ihre Bühnenkarriere 1957 als Tänzerin und war dann bis 1961 als Sängerin und Tänzerin am Stadttheater von Baden bei Wien im Engagement. Sie entschloss sich aber zu einer ausschließlichen Sängerkarriere und bildete ihre Stimme in Wien weiter aus. Nachdem sie 1960 als Mi im »Land des Lächelns« von Fr. Lehár an der Wiener Volksoper debütiert hatte, wurde sie ein geschätztes Ensemblemitglied dieses Hauses. Sie sang dort zahlreiche Soubrettenrollen, zumeist in Operetten, übernahm später auch Charakterpartien in Opern und Operetten. Aus ihrem Repertoire sind zu nennen: die Franzi in »Ein Walzertraum« von Oscar Straus, die Gabriele im »Fremdenführer« von C.M. Ziehrer, die Pepi in  »Wiener Blut« von J. Strauß, die Christl im »Vogelhändler« von C. Zeller, die Sora in »Gasparone« von Millöcker, die Hortense im »Opernball« von Heuberger, die Pauline in der Offenbach-Operette »Pariser Leben«, die Iduna im »Feuerwerk« von Burkhard, die Josepha in Benatzkys »Im Weißen Rößl«, die Papagena in der »Zauberflöte«, die Emmy in »Albert Herring« von Benjamin Britten, die Eliza in »My Fair Lady«, die Kate in »Kiss Me, Kate!«, die Juno in Offenbachs »Orpheus in der Unterwelt« und die Bozena in »Gräfin Mariza« von E. Kálman. 1983 wirkte sie an der Wiener Volksoper in der österreichischen Erstaufführung der Oper »Pollicino« von H.W. Henze mit. An der Wiener Staatsoper trat sie 1991-93 als Ida in der »Fledermaus« auf. Verheiratet mit dem Tenor Kurt Schreibmayer, der ebenfalls wie sie an der Wiener Volksoper engagiert ist.

Schallplatten: sehr wahrscheinlich existieren Mitschnitte von Operetten-Aufführungen.

 

27.7. Christian BOESCH wird 75

Sohn der Sopranistin Ruthilde Boesch (1918-2012), die seit 1947 eine große Karriere an der Wiener Staatsoper hatte. Er wollte ursprünglich einen handwerklichen Beruf erlernen, ließ dann aber seine Stimme an der Wiener Musikhochschule ausbilden. Abschluss der Ausbildung in Mailand. Er debütierte 1966 am Stadttheater von Bern (Schweiz), dem er bis 1968 angehörte. Hier wirkte er in der Spielzeit 1966-67 in der Schweizer Erstaufführung von Carl Orffs »Der Mond« (als 1. Bursch) mit. Er sang dann 1970-72 am Landestheater Saarbrücken und 1972-75 am Stadttheater von Kiel. 1971 sang er am Stadttheater von Saarbrücken den Phorbas in der deutschen Erstaufführung der Oper »Oedipe« von George Enescu. In den Jahren 1968-70 und wieder seit 1975 Mitglied der Wiener Volksoper. Bereits während dieser Zeit unternahm er Konzertreisen in den Fernen Osten und besuchte Japan, Korea, China und Hongkong. Bei den Salzburger Festspielen trat der Künstler 1978-86 Jahr für Jahr in der Partie des Papageno in der »Zauberflöte«, seiner besonderen Glanzrolle, auf. 1979-82 trat er auch an der Wiener Staatsoper als Papageno und als Figaro in »Figaros Hochzeit« in insgesamt vier Aufführungen auf. Gastspielverpflichtungen an der Münchner Staatsoper wie am Opernhaus von Köln. 1979-85 auch Mitglied der Metropolitan Opera (Antrittsrolle: Papageno), an der er in insgesamt 32 Vorstellungen auch als Presto in »Le Mamelles de Tirésias« von Fr. Poulenc, als Masetto im »Don Giovanni« und als Titelheld im »Wozzeck« von A. Berg bewundert wurde. Den Papageno sang er auch am Théâtre des Champs-Élysés Paris (1987 in der Eröffnungsvorstellung des renovierten Hauses), am Teatro Colón Buenos Aires (1989) und an der Pariser Opéra Bastille (1991). 1981 Gastspiel am Opernhaus von Zürich, 1987 in Madrid als Wozzeck. Weitere Gastspiele in Amsterdam und Brüssel, an der Mailänder Scala (1985 als Papageno) und in Santiago de Chile; Israel-Tournee mit der Oper von Köln. Neben dem klassischen Repertoire widmete er sich gern der Interpretation moderner Kompositionen. Eine große internationale Bühnen- und Konzertkarriere bezeichnete den weiteren künstlerischen Weg des Sängers, der zugleich als Darsteller von hoher Begabung galt. Bekannt wurde er auch als Moderator von Musiksendungen im deutschen Fernsehen. Besondere Verdienste erwarb er sich durch seine Opernaufführungen für Kinder (»Die Zauberflöte«), die eine große Resonanz fanden.

Schallplatten: RCA (Papageno in vollständiger »Zauberflöte«), Italia (»Il Prigioniero« von Dallapiccola), Pan (»Die Feuersbrunst« von Haydn), Telefunken (»Die Fledermaus«), Polygram-Austria, Nightingale (Recital).

 

28.7. Riccardo MUTI wird 75

Sein musikalisches Elternhaus förderte Mutis Interesse für Musik, weswegen er schon frühzeitig Klavier- und Gesangsunterricht erhielt. Am Conservatorio di Musica San Pietro a Majella in Neapel absolvierte er ein Musikstudium und schloss dieses als Pianist ab. Komponieren und Dirigieren lernte Riccardo Muti am Mailänder Verdi-Konservatorium. Der Dirigentenpreis des Guido-Cantelli-Wettbewerbs des Jahres 1967 bescherte Riccardo Muti öffentliche Aufmerksamkeit. Kurz darauf gab er sein Debüt als Dirigent mit dem italienischen Radio- und Fernsehorchester. Sehr schnell wurde Riccardo Muti zu einem gefragten Gastdirigenten aller großen Orchester. 1972 trat er erstmals in den USA mit dem Philadelphia Orchestra auf, dessen Musikdirektor er 1980 wurde. Muti dirigierte eine Vielzahl renommierter Orchester bei Opern- und Konzertaufführungen und Schallplattenaufnahmen. Werke Mozarts gehörten dazu sowie Kompositionen der italienischen Romantiker, Opern Richard Wagners und Stücke des 20. Jahrhunderts. Nach dem Tod von Otto Klemperer im Jahre 1973 wurde er dessen Nachfolger beim New Philharmonia Orchestra London. Als Nachfolger von Eugene Ormandy wirkte er von 1981–92 als Chefdirigent des Philadelphia Orchestra. Seit 2010 hat Muti diesen Posten beim Chicago Symphony Orchestra (als Nachfolger von Bernard Haitink) übernommen. Mit den Wiener Philharmonikern verbindet Muti seit Jahrzehnten eine enge Beziehung. Er dirigiert Abonnementkonzerte und an Tourneen der Philharmoniker. Von 1971 an dirigierte er alljährlich bei den Salzburger Festspielen. Seither leitete er dort neben zahlreichen Konzerten folgende Opernaufführungen: 1971-72 Don Pasquale (Regie Ladislav Stros), 1982-85 und 1990-91 Così fan tutte (Regie Michael Hampe). 1988-89 La clemenza di Tito (Regie Peter Brenner), 1990-91 Don Giovanni (Regie Michael Hampe), 1995 La Traviata (Regie Lluis Pasqual), 2005 Die Zauberflöte (Regie Graham Vick), 2006 und 2008 Die Zauberflöte (Regie Pierre Audi), 2008 Verdis  Otello (Regie Stephen Langridge), 2009 Rossinis Moise et Pharaon (Regie Jürgen Flimm), 2010 Glucks Orfeo ed Euridice (Regie Dieter Dorn), 2011 Verdis Macbeth (Regie: Peter Stein), 2013 Verdis Nabucco (konzertant) und 2015 Verdis Ernani (konzertant). Seit 1973 tritt Muti regelmäßig an der Wiener Staatsoper auf: Seinem Debüt mit Giuseppe Verdis Aida (1973, Regie Nathaniel Merrill) folgten u. a. Verdis La forza del destino (1974, Regie Luigi Squarzina), Vincenzo Bellinis Norma (1977, Regie Piero Faggioni), Verdis Rigoletto (1983, Regie Sandro Sequi) und Arrigo Boitos Mefistofele (1997, Regie Pier Allì) – sowie im Theater an der Wien – Così fan tutte (1994, Regie: Roberto de Simone), Don Giovanni (1999, Regie: Roberto de Simone) und  Le nozze di Figaro (2001, Regie Michael Heltau nach Giorgio Strehler). 1980 debütierte Muti an der Mailänder Scala bei einer Neuinszenierung von Mozarts Le nozze di Figaro (Regie Giorgio Strehler). 1986 folgte er dort Claudio Abbado als Musikdirektor dieses Opernhauses nach und leitete zahlreiche Neuproduktionen, vor allem von Werken Mozarts, Verdis und Richard Wagners. Muti dirigierte am 7. Dezember 2004 die Oper L’Europa riconosciuta von Antonio Salieri (Regie Luca Ronconi) anlässlich der Wiedereröffnung der Mailänder Scala, nachdem das Theater wegen Renovierungsarbeiten für mehrere Jahre geschlossen gewesen war. Zum Chefdirigenten des Philharmonischen Orchesters der Mailänder Scala wurde Riccardo Muti 1987 berufen und bestritt mit diesem im darauf folgenden Jahr eine Tournee durch Japan, Deutschland und Frankreich, der sich im Jahr 1989 eine Gastspielreise durch die damalige UdSSR anschloss. Im April 2005 beendete Muti seine Tätigkeit als Musikdirektor der Mailänder Scala, nachdem der von ihm favorisierte Intendantenkandidat Maurizio Meli nicht die erhoffte Zustimmung der Belegschaft gefunden hatte. Das musikalische Personal sprach sich mit 700 zu 5 Stimmen gegen Muti aus. Zu den zahlreichen Auszeichnungen, mit denen Riccardo Muti geehrt wurde, zählen der Cavaliere di Gran Croce der Republik Italien und die Grande Medaglia d’Oro der Stadt Mailand, das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, der Rang des Chevalier und des Officier der französischen Ehrenlegion sowie der Titel eines Knight Commander of the British Empire, der ihm von Königin Elisabeth II. verliehen wurde. Er ist Träger der Silbermedaille des Salzburger Mozarteums und Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde, der Wiener Hofmusikkapelle und der Wiener Staatsoper. Im Juli 2011 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker ernannt, im August desselben Jahres zum Ehrendirektor auf Lebenszeit der Oper von Rom.Bei den Salzburger Pfingstfestspielen begann er 2007 ein fünfjähriges Projekt zur Wiederentdeckung und Neubewertung der Kirchen- und Opernmusik der neapolitanischen Schule des 18. Jahrhunderts. In diesem Rahmen brachte er u.a. die Opern Il ritorno di Don Calandrino von Domenico Cimarosa (2007), Il matrimonio inaspettato von giovanni Paisiello (2008), Demofoonte von Niccolò Jommelli (2009), Betulia liberata von W.A. Mozart (2010) und I due Figaro von Saverio Mercadante (2011) zur Wiederaufführung.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.riccardomutimusic.com/ita/index.asp

 

29.7. David GERINGAS wird 70

1963-73 studierte er am Moskauer Konservatorium Cello bei Mstislaw Rostropowitsch. 1976 zog er nach Hamburg und wirkte dort zunächst als 1. Solocellist im NDR-Sinfonieorchester. Es folgte eine rege Konzerttätigkeit, bei der er mit zahlreichen renommierten Klangkörpern musizierte, so mit den Berliner Philharmonikern, allen deutschen Rundfunk-Symphonie-Orchestern, den Bamberger Symphonikern, dem London Philharmonia Orchestra, dem Chicago Symphony Orchestra, dem Detroit Symphony Orchestra, dem Philadelphia Orchestra und dem NHK Symphony Orchestra Tokio. Sein Repertoire umfasst Werke vom Barock bis hin zu zeitgenössischen Stücken. Namhafte zeitgenössische Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Peteris Vasks und Erkki-Sven Tüür haben ihm Konzerte gewidmet. Im Juli 2006 wurde in Kronberg das ihm gewidmete Stück David’s Song for Cello and String Quartet von Anatoijus Senderovas uraufgeführt. Als Dirigent ist er regelmäßig auf Podien im In- und Ausland vertreten. Seit 2005 ist er Chief Guest Conductor des Kyushu Symphony Orchestra Japan. 2007 debütierte er mit dem Tokyo Philharmonic Orchestra und dem China Philharmonic Orchestra und 2009 mit den Moskauer Philharmonikern. Geringas lehrte 1977-86 an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wurde 1980 zum Professor für Violoncello an die Musikhochschule Lübeck berufen und lehrte in dieser Funktion von 2000 an neun Jahre lang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Zu seinen Schülern gehören Jens Peter Maintz, Gustav Rivinius, Claudia Schwarze, Troels Svane, Inga Raab, Boris Andrianov, Tatjana Vassilieva, Monika Leskovar, Wolfgang Emanuel Schmidt, Jing Zhao, Sol Gabetta, Ramon Jaffé und Johannes Moser. Geringas ist verheiratet mit der Pianistin Tanja Schatz. Sein Sohn Alexander Geringas wurde als Musikproduzent, Songwriter und Schauspieler bekannt.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.david.geringas.de/

 

29.7. Enoch zu GUTTENBERG wird 70

Er wurde als Sohn des späteren Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeskanzleramt Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg geboren. Er war 1971-77 mit Christiane von und zu Eltz verheiratet. Aus dieser ersten Ehe stammen die Söhne Karl-Theodor zu Guttenberg und Philipp Franz zu Guttenberg. Seit 1997 ist Enoch zu Guttenberg mit der Chor- und Orchesterdirigentin Ljubka Biagioni verheiratet. Sie haben gemeinsam zwei 2003 und 2005 geborene Söhne.Guttenberg studierte Komposition und Dirigieren in München und Salzburg. Einer seiner Lehrer war Carl Feilitzsch. Im Alter von 21 Jahren übernahm er 1967 die Chorgemeinschaft Neubeuern. 1997 wurde Enoch zu Guttenberg die Leitung des freien und projektbezogenen Orchesters Klangverwaltung übertragen. Zahlreiche Einspielungen auf CD dokumentieren diese Zusammenarbeit. Im Jahr 2000 übernahm Enoch zu Guttenberg die Intendanz der Internationalen Festspiele Herrenchiemsee. Seit Mai 2003 ist er Ehrendirigent der Hofer Symphoniker.Guttenberg ist stark im Umweltschutz engagiert. Er war 1975 Mitgründer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), aus dem er im Mai 2012 austrat, weil er die seiner Meinung nach landschaftszerstörenden Windkraftanlagen im Gegensatz zum BUND ablehnte und den Verdacht der Käuflichkeit des BUND nicht länger mittragen wollte. Er ist Mitglied im Kuratorium der ÖDP nahen Stiftung für Ökologie und Demokratie. Für seine Arbeit erhielt Guttenberg einige Auszeichnungen, darunter den Deutschen Kulturpreis, den ECHO Klassik, das Bundeverdienstkreuz 1. Klasse, den Bayerischen Poetentaler (1994), die Bayerische Staatsmedaille für Verdienste um die Umwelt (2009) sowie den Bayerischen Verdienstorden.Er war zunächst Mitglied der CSU, trat aber im Jahr 1992 nach einem Konflikt mit dem damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Max Streibl aus, weil dieser sich weigerte, an einer Demonstration gegen Antisemitismus teilzunehmen. Mittlerweile ist Guttenberg auf Drängen seines Sohnes Karl-Theodor wieder in die Partei eingetreten.

Weitere Informationen auf seiner Homepage: http://www.enochzuguttenberg.de/

 

30.7. Moshe ATZMON wird 85

Er begann seine musikalische Ausbildung in Budapest. Als er 13 Jahre alt war, wanderten seine Eltern nach Israel aus. In Tel Aviv und Jerusalem studierte er Cello und Horn. Zusätzlich absolvierte er seine Dirigentenausbildung. Weitere Studien folgten in London. 1963 gewann er in einem Wettbewerb als Dirigent seine erste Auszeichnung. Später war er Gastdirigent bei den großen philharmonischen Orchestern in Berlin, München und Wien. 1971-76 war er Chefdirigent des NDR Sinfonieorchesters. Lange Jahre war er Chefdirigent des Sydney Symphony Orchestra. Moshe Atzmon ist aber nicht nur als Dirigent sinfonischer Musik, sondern auch als Operndirigent bekannt. In Dortmund war er Generalmusikdirektor 1991-94 und auch für die Oper tätig.

 

31.7. Edith GRUBER wird 75

Die aus einem sehr musikalischen Elternhaus stammende Künstlerin wurde in München geboren. Bereits früh begann sie Klavier zu spielen und empfand das tägliche Üben als wundervolle Selbstverständlichkeit. Über das Konservatorium kam sie schließlich an die Musikhochschule, wo sie bei Prof. Rainisch-Jenetzky die Reifeprüfung am Klavier absolvierte. Während ihrer Studienzeit sang Edith Gruber in einer Studentenkapelle auch Schlager – am liebsten die ihres damaligen Vorbilds, Doris Day. In jener Zeit erfolgte der begrüßenswerte Entschluss, sich einem Gesangsstudium und einer Schauspielausbildung zu unterziehen. Wegen ihres Aussehens, ihrer Strahlkraft und vor allem wegen der ihr eigenen gehaltvollen Stimme begeisterte sie ihr Publikum als lyrischer Mezzosopran. Dank ihres tänzerischen Talents konnte die charismatische Künstlerin auch für zahlreiche höchst erfolgreiche Operettenaufführungen eingesetzt werden. In den Jahren 1966-86 bezauberte sie an der Grazer Oper das Publikum in den Fächern Oper, Operette und Musical. Bejubelte Gastspiele führten die beliebte Künstlerin nach Wien, Deutschland, Holland, Luxemburg, Spanien und Kenia. Ob als Cherubino in „Die Hochzeit des Figaro“, als Niklas in Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“, als Hänsel in Humperdincks „Hänsel und Gretel“ oder als Orlofsky in „Die Fledermaus“, das Timbre ihrer Stimme beeindruckte und ihre Bühnenpräsenz zog das Publikum stets magisch in ihren Bann. Ihr breit gefächertes Repertoire reicht von Monteverdis „L’Orfeo“, über die höchst anspruchsvolle Partie der zweiten Rheintochter in Wagners „Rheingold“ bis hin zur Dorabella in Mozarts „Cosi fan tutte“. Darüber hinaus war sie 1965-96 laufend als Korrepetitorin an der Grazer Kunstuniversität tätig. Der ernsten und unterhaltenden Musik sowie dem Kabarett gleichermaßen zugetan, leistet sie auch im Bereich der Nachwuchsförderung hervorragende und engagierte Arbeit. Seit vielen Jahren wirkt die Grand Dame der Grazer Musikszene unersetzbar im „Café Graz“ mit und stellt ihr großartiges soziales Engagement durch unzählige ehrenamtliche Auftritte bei der Aktion „Künstler besuchen Kranke“ in diversen Seniorenheimen sowie bei zahlreichen anderen Anlässen unter Beweis. Die steirische Landeshauptstadt hat sie zur „Bürgerin der Stadt Graz“ ernannt.

 

 

IN MEMORIAM-GEBURTSTAGE IM JULI 2016

IN MEMORIAM-Geburtstage im Juli 2016

 

Berücksichtigt wurden runde und halbrunde Geburtstage: Zusamnmenstellung der Liste : Walter Nowotny

1.7. Hans Werner HENZE: 90. Geburtstag

Er wurde als erstes von sechs Kindern des Lehrers Franz Henze (1898–1945) und seiner Frau Margarete Adele (geb. Geldmacher, 1907–76) geboren und zeigte schon früh Interesse an Kunst und Musik. Als Jugendlicher geriet er aufgrund seiner politischen Einstellung in Konflikt mit dem Vater, der NSDAP-Mitglied war und ihn auf eine Musikschule der Waffen-SS schicken wollte. Als die homosexuelle Neigung seines Sohnes erkennbar wurde, soll er gesagt haben, dass „so etwas wie er ins KZ gehöre“. 1942 begann Henze ein Studium an der Staatsmusikschule Braunschweig in den Fächern Klavier und Schlagzeug. Anfang 1944 wurde er zum „Reichsarbeitsdienst“, wenige Monate später als Funker zur Wehrmacht einberufen. Die Erfahrungen dieser Zeit führten bei ihm zu einem Gefühl der Mitschuld, aber auch zur lebenslangen leidenschaftlichen Ablehnung von Krieg und Faschismus. Eine im Februar 2009 aufgefundene Karteikarte in der NSDAP-Mitgliederkartei im Bundesarchiv verzeichnet Henze unter der Nummer 9884828 als Parteimitglied der NSDAP. Demzufolge wurde die Aufnahme in die NSDAP am 18. Januar 1944 beantragt und erfolgte am 20. April 1944. Ein unterschriebener Aufnahmeantrag des damals 17jährigen Henze ist nicht vorhanden. Henze bestritt, jemals einen entsprechenden Aufnahmeantrag gestellt zu haben. Nach kurzer britischer Kriegsgefangenschaft wurde Henze 1945 Korrepetitor am Stadttheater Bielefeld. Ab 1946 setzte er sein Studium bei Wolfgang Fortner in Heidelberg fort. Fortner lehnte es ab, Henze die Zwölftontechnik nahezubringen: Er nannte sie „erledigt“, woraufhin sich der Student die Schönberg’sche Kompositionstechnik selber beibrachte, ehe er sie 1949 bei René Leibowitz in Darmstadt und Paris studierte. In seinen ersten Kompositionen setzte sich Henze denn auch aktiv mit der Zwölftontechnik auseinander, verknüpfte sie aber mit neoklassizistischem Stil, so in der 1. Sinfonie und dem 1. Violinkonzert (1947). 1948 wurde Henze musikalischer Mitarbeiter von Heinz Hilpert am Theater Konstanz, und seine erste Oper Das Wundertheater (nach Miguel de Cervantes Saavedra) entstand. 1950 wechselte er als Künstlerischer Leiter und Dirigent des Balletts ans Hessische Staatstheater Wiesbaden. Nach zwei Rundfunkopern sowie mehreren Sinfonien und Solokonzerten etablierte er sich mit der 1952 in Hannover uraufgeführten abendfüllenden Oper Boulevard Solitude, einer modernen Version des Manon-Lescaut-Stoffes, endgültig als einer der führenden Komponisten seiner Generation. Enttäuscht vom politisch restaurativen Klima in Deutschland einerseits und von Teilen der Kritik andererseits, die unter dem Einfluss der Darmstädter Ferienkursen eine konsequent Serielle Musik forderten – was Henze als Einengung der Kreativität empfand – übersiedelte er 1953 nach Italien, zunächst nach Forio auf Ischia, wo er regen Kontakt und Austausch mit der dort ansässigen Intellektuellenkolonie pflegte (u.a. Wystan Hugh Auden, Golo Mann und William Walton). Ab 1956 lebte er in Neapel, später in Rom und Castel Gandolfo, bis er schließlich in Marino in den Albaner Bergen seinen dauerhaften Wohnsitz fand. Eine enge Freundschaft verband ihn mit der Dichterin Ingeborg Bachmann, mit der er zeitweise zusammen lebte. Bachmann schrieb für ihn die Libretti zu seinen Opern Der Prinz von Homburg (1958; nach Heinrich von Kleist) und Der junge Lord (1964; nach Wilhelm Hauff), Henze die Musik zu ihrem Hörspiel Die Zikaden (1954). Gemeinsam schufen sie die Nachtstücke und Arien (1957) sowie die Lieder von einer Insel (1964). Henze trat der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) bei; sein politisches Engagement sorgte in Deutschland für Schlagzeilen, so etwa 1968, als die Uraufführung des Oratoriums Das Floß der Medusa (mit Text von Ernst Schnabel) daran scheiterte, dass Westberliner Mitwirkende nicht unter einem Porträt von Che Guevara und einer roten Fahne auftreten wollten, oder 1969/70, als er demonstrativ in Havanna einen Lehrauftrag übernahm und die Uraufführung seiner 6. Sinfonie dirigierte. In dieser Zeit entstand auch das Rezital El Cimarrón, in dem er gemeinsam mit dem Librettisten Hans Magnus Enzensberger den Lebensbericht eines entlaufenen Sklaven interpretiert. Mit der Oper We Come to the River (Wir erreichen den Fluss) nach Edward Bond erreichte Henzes gesellschaftskritische Kunst 1976 einen weiteren Höhepunkt. Als erstes Festival zur Verbreitung Neuer Musik gründete Henze 1976 den Cantiere Internazionale d’Arte in Montepulciano, wo 1980 seine Kinderoper Pollicino uraufgeführt wurde. 1980-91 leitete er eine Kompositionsklasse an der Musikhochschule Köln. Er gründete 1981 die Mürztaler Musikwerkstätten, 1984 das Deutschlandsberger Jugendmusikfest und schließlich 1988 die Münchener Biennale, ein „Internationales Festival für neues Musiktheater“, dessen künstlerische Leitung er 1996 an Peter Ruzicka übergab. Seine eigenen Opern orientierten sich unterdessen wieder mehr an traditionellen Formen, so Die englische Katze (1983, Libretto von Edward Bond) und Das verratene Meer (1990, Libretto von Hans-Ulrich Treichel nach dem Roman Gogo no Eiko von Yukio Mishima). Humanes und politisches Bekenntnis prägen auch seine späten Werke. Das so genannte Requiem (1992), bestehend aus neun geistlichen Konzerten für Klavier, Trompete und Kammerorchester, schrieb Henze zum Andenken an den früh verstorbenen Musiker Michael Vyner; die 9. Sinfonie für gemischten Chor und Orchester (1995–97) mit Versen von Hans-Ulrich Treichel nach dem Roman Das siebte Kreuz von Anna Seghers ist eine Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Auf Einladung von Walter Fink war er 2000 der zehnte Komponist im jährlichen Komponistenportrait des Rheingau Musik Festivals. Unter anderem wurde sein Requiem aufgeführt. Auch in jüngster Zeit wurden neue Bühnenwerke von Henze aufgeführt: bei den Salzburger Festspielen 2003 L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe und 2006 die dritte, definitive Fassung von Gogo no Eiko (Das verratene Meer, unter Gerd Albrecht, der den Komponisten zur Weiterarbeit an dem Werk motiviert hatte). Am 6. September 2007 fand die Premiere der Konzertoper Phaedra (Libretto: Christian Lehnert) an der Berliner Staatsoper Unter den Linden statt; es spielte das Ensemble Modern unter Leitung von Michael Boder. Während der Arbeit hatte der Komponist 2005 einen ernsten Schwächeanfall erlitten; kurz nach der Fertigstellung des Werkes verstarb im April 2007 sein Lebensgefährte und Adoptivsohn Fausto Moroni (*1944), den er 1964 in einem Antiquitätenladen kennengelernt hatte. Bis in die 1990er Jahre hat Henze regelmäßig dirigiert, zumeist eigene Werke, und – seltener – auch inszeniert. Dabei hat er u.a. mit seinem jüngsten Bruder, dem Bühnenbildner Jürgen Henze (*1942) zusammengearbeitet, der auch Ausstatter für Filme von Rainer Werner Fassbinder (Berlin Alexanderplatz) und Andrzej Wajda (Eine Liebe in Deutschland) war. Henze hat sich stets gegen die Festlegung auf einen bestimmten Stil oder eine bestimmte Technik gewehrt. Entgegen den Prämissen der so genannten Darmstädter Schule verzichtete er auf streng serielle Organisation seiner Werke und komponierte angstfrei eklektizistisch. 1967 sagte er: Bald werden die Clusters, die seriellen Rezitative und die Happenings sich endgültig erschöpft haben, und der junge Komponist wird sich vergebens in solchem Ödland nach Nahrung für seine hungrige Seele umsehen. Ein wichtiges Vorbild für Henze war Igor Strawinsky, der sich nach seiner experimentellen Phase dem Neoklassizismus zuwandte. Den Schwerpunkt von Henzes Werk bilden die Bühnenkompositionen, die durch das enorme dramaturgische Gespür des Komponisten und die bühnentaugliche Vermischung verschiedenster Musikstile und -richtungen zu für gegenwärtige Musikwerke ungewöhnlich großen Publikumserfolgen wurden. Zeitlebens offen für musikalisch-literarische Tradition und Gegenwart, erschloss er sich klassische Vorlagen im Dialog mit zeitgenössischen Autoren: Grete Weil bearbeitete für ihn den Manon Lescaut-Stoff, den schon die Librettisten von Massenet und Puccini aufgegriffen hatten; gemeinsam mit Ingeborg Bachmann entdeckte er neues Potential in Texten von Heinrich von Kleist (Der Prinz von Homburg) und Wilhelm Hauff. Weitere Arbeitspartner waren für ihn die Schriftsteller Wystan Hugh Auden, Edward Bond und Hans-Ulrich Treichel. Sein Interesse an „angewandter Kunst“ und Massenmedien führte ihn auch zur Filmmusik; hier arbeitete er u.a. mit den Regisseuren Alain Resnais und Volker Schlöndorff zusammen. Henze ist ein explizit politischer Künstler, der auch die anscheinend abstrakten technischen Aspekte des Komponierens nie als Selbstzweck betrachtet hat, sondern als Möglichkeit, z.B. durch Kontrastbildung Stellung zu beziehen: So ist der reaktionären Gesellschaftsschicht in der Oper Boulevard Solitude konservative Tonalität zugeordnet, während die Außenseiter Manon und Des Grieux durch Zwölftontechnik als fortschrittlich charakterisiert werden; in We Come to the River sind der Welt der Gewalt elektronisch verstärkte Streicher und tiefes Blech in extremer Lautstärke zugeordnet. Vergleichbare Konflikte zeichnen sich in der 9. Sinfonie ab; sie ist „den Helden und Märtyrern des deutschen Antifaschismus gewidmet“. Henze wendet sich gegen das Elitäre des klassischen Kulturbetriebs, wirft aber die Last der bildungsbürgerlichen Tradition nicht als obsolet über Bord, sondern bietet Möglichkeiten einer aufgeklärten, oft auch spielerisch-ironischen Auseinandersetzung mit historischen Modellen aus Musik, Literatur und Malerei. Einige wenige Beispiele: In Die englische Katze orientiert sich Henze an Ludwig van Beethovens Diabelli-Variationen; in Das Floß der Medusa „vertont“ er das gleichnamige Gemälde von Théodore Géricault; in Tristan für Klavier, Tonbänder und Orchester werden eine anonyme Florentiner Ballade des 14. Jahrhunderts und Motive von Richard Wagner verarbeitet; die Ode an den Westwind adaptiert das Gedicht von Percy-Bysshe Shelley; die Sologitarrenwerke Royal Winter Music sind musikalische Porträts von Dramenfiguren William Shakespeares. Bereits schwer von Altersschwäche und Krankheit gezeichnet, konnte er dennoch 2006 in der Berliner Philharmonie dem anlässlich seines 80. Geburtstags wiederaufgeführten Oratorium Das Floß der Medusa (dirigiert von Simon Rattle) beiwohnen. Hans Werner Henze starb am 27. Oktober 2012 im Alter von 86 Jahren in Dresden. Kurz zuvor, am 13. September, hatte an der Semperoper mit Henzes Anti-Kriegsoper Wir erreichen den Fluss – We come to the river in Anwesenheit des Komponisten die erste Premiere der Spielzeit 2012/13 stattgefunden. Henzes Wahlheimat war Marino in der Provinz Rom, wo er am 5. November 2012 auch beigesetzt wurde.

 

1.7. Jean GIRAUDEAU: 100. Geburtstag

Jean GIRAUDEAU

 Sein Vater wie seine Mutter unterrichteten am Konservatorium von Toulon. Er studierte dort Gesang, Orgel und Violoncello; seine Ausbildung wurde durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen. Er betrieb neben der Ausbildung der Stimme gleichzeitig ein Jurastudium. Er debütierte 1942 am Opernhaus von Montpellier als Frédéric in »Mignon« von Thomas. In den folgenden Jahren sang er in der französischen Provinz, trat 1947 in Straßburg in der Uraufführung der Oper »Martine« von Henri Rabaud auf und debütierte 1947 an der Opéra-Comique Paris als Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. Seitdem hatte er an der Opéra-Comique wie auch an der Grand Opéra Paris (Debüt 1947 als Tamino in der »Zauberflöte«) eine glanzvolle Karriere. Er wirkte an der Opéra-Comique in mehreren Uraufführungen mit: 1951 in »Il était un petit navire« von Germaine Tailleferre, 1951 in »Marion« von Wissmer, 1962 in »Princesse Pauline« von Henri Tomasi sowie 1949 in der Premiere einer Neufassung der Oper »Blaise le savetier« von François André Danican-Philidor (1726-95). Er sang an der Grand Opéra in der Uraufführung von Milhauds »Bolivar« (12.5.1950) den Nicador, 1955 wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Numance« von Henri Barraud mit. Gastspiele in Monte Carlo, Nizza, Marseille und Brüssel. Er sang 1952 im englischen Rundfunk in »Les Troyens« von Berlioz den Énée. Am Bolschoi Theater Moskau hörte man ihn als Lenski im »Eugen Onegin«. Er beherrschte ein Bühnenrepertoire von 135 Rollen, darunter den Schuiskij im »Boris Godunow«, den Gérald in »Lakmé« von Delibes, den des Grieux in Massenets »Manon«, den Nicias in »Thaïs« vom gleichen Komponisten, den Ruprecht in »L’Ange de feu« von Prokofieff, den Gonzalve in »L’Heure espagnole« von Ravel und den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss. Weitere Höhepunkte in seinem überaus vielgestaltigen Repertoire für die Bühne waren der Pedrillo in der »Entführung aus dem Serail«, der Don Ottavio im »Don Giovanni«, der Ferrando in »Così fan tutte«, der Graf Almaviva im »Barbier von Sevilla«, der Herzog im »Rigoletto«, der Alfredo in »La Traviata«, der David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Charles in »Madame Bovary« von E. Bondeville, der Pinkerton in »Madame Butterfly« und der Chevalier de la Force in »Dialogues des Carmélites« von Fr. Poulenc. 1962 wirkte er am Opernhaus von Toulouse in der Uraufführung von Manuel Rosenthals Oper »Hop! Signor« mit. Große Erfolge bei internationalen Festspielveranstaltungen, zumal in Aix-en-Provence. Er trat noch bis Anfang der achtziger Jahre als Konzertsänger auf. Einer der bedeutendsten lyrischen Tenöre, die Frankreich in seiner Generation besaß. 1955-85 wirkte er als Professor am Conservatoire National de Paris. 1964 wurde er Gesangmeister, 1968-71 war er Direktor der Pariser Opéra-Comique. Er starb 1995 in Toulon.

Schallplatten: Urania (vollständige Oper »Thaïs«), Pathé (»Der Barbier von Sevilla«, »Les cloches de Corneville« von Planquette), Decca, Columbia (»L’Heure espagnole« von Ravel, »Les mamelles de Tirésias« von Milhaud, »Le Rossignol« von Strawinsky), Chant du monde (»L’Ange de feu« von Prokofieff). Westminster (»Les Troyens« von Berlioz), Concert Hall (Don Ottavio im »Don Giovanni«), DGG (»L’Heure espagnole«), Bourg Records (»Lazare« von A. Bruneau), Disques Montaigne (»Christophe Colombe« von D. Milhaud), Vox, Melodram/Mailbran (Énée in »Les Troyens«, BBC London 1947).

 

1.7. Benvenuto FRANCI: 125. Geburtstag

Benvenuto FRANCI. als Rigoletto
Als Rigoletto

 Studium an der Accademia di Santa Cecilia in Rom bei Cotogni und Rosati. 1916 gab er sein erstes Konzert und debütierte bereits 1917 am Teatro Costanzi in Rom, an dem er dann bis 1923 regelmäßig auftrat, als Giannetto in »Lodoletta« von Mascagni. An diesem Theater sang er am 2.5.1921 in der Uraufführung der Oper »Il piccolo Marat« von Mascagni. Große Erfolge bei den Festspielen in der Arena von Verona, bei denen er in den Jahren 1922, 1924-25, 1931-32, 1934 und 1948 auftrat. Hier hörte man ihn u.a. 1931 als Wilhelm Tell von Rossini und als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, 1948 als Escamillo in »Carmen«. Er kam nach ersten Erfolgen an italienischen Theatern 1923 an die Mailänder Scala, wo er als Antrittsrolle den Amonasro in »Aida« unter A. Toscanini sang, der ihn sehr förderte. Er blieb länger als zwanzig Jahre einer der prominentesten Künstler der Scala und sang hier auch in mehreren Uraufführungen von Opern, so am 20.12.1924 in Giordanos »La cena delle beffe«, am 7.3.1925 in »I Cavalieri di Ekebù« von Zandonai, am 20.3.1926 in »La Bella ed il Mostro« von Luigi Ferrari-Trecate, am 5.4.1932 in »Palla De‘ Mozzi« von Gino Marinuzzi. 1925 an der Londoner Covent Garden Oper als Scarpia in »Tosca« zusammen mit Maria Jeritza, als Gérard in »Andrea Chénier« und als Rigoletto gefeiert; 1931 trat er nochmals an diesem Haus auf. 1926 sang er an der Grand Opéra Paris den Amonasro. Seit 1926 sang er für vier aufeinander folgende Spielzeiten am Teatro Colón von Buenos Aires, ist aber nie in Nordamerika aufgetreten. Am Teatro Colón wirkte er am 23.7.1926 in der Uraufführung der Oper »Ollantay« des argentinischen Komponisten Constantino Gaito mit. 1927 und 1928 gastierte er in Rio de Janeiro. In den Jahren 1928-50 war er immer wieder an der Oper von Rom anzutreffen, u.a. 1941 in der Uraufführung der Oper »Ecuba« von Gian Francesco Malipiero. 1950 gastierte er dort nochmals in der Oper »Cecilia« von L. Refice. 1935 hörte man ihn beim Maggio Musicale von Florenz in Glucks »Alceste«. Bei den ersten Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom sang er 1937 den Amonasro. Er sang 1938 in der italienischen Erstaufführung an der Oper von Rom und dann 1940 an der Scala den Barak in der Premiere der Richard-Strauss-Oper »Die Frau ohne Schatten«. 1944 große Erfolge am Teatro San Carlo Neapel; er gastierte mit dessen Ensemble auch 1946 in London. Nach einem schweren Unfall, den er 1955 in Triest erlitt, zog er sich aus dem Musikleben zurück. Er starb 1985 in Rom. Seine Tochter, Marcella Franci, trat nach dem Zweiten Weltkrieg als Sopranistin an italienischen Opernhäusern hervor, sie sang u.a. 1948 am Teatro Comunale Florenz die Senta in »Der fliegende Holländer«, 1948 an der Mailänder Scala die Titelrolle in Mascagnis »Iris«; sein Sohn Carlo Franci (* 18.7.1927) war Komponist und Dirigent. – Eine der schönsten italienischen Baritonstimmen seiner Zeit. Er brachte ein sehr umfangreiches Repertoire zum Vortrag, das neben den großen Verdi-Partien den Fanuel in »Nerone« von Boito, den Douglas in »Guglielmo Ratcliff« von Mascagni, den Michele in Puccinis »Il Tabarro« und auch Partien aus deutschen Opern (Don Pizarro im »Fidelio«, Kurwenal in »Tristan und Isolde«, Gurnemanz im »Parsifal«, Hans Sachs in »Die Meistersinger von Nürnberg«) enthielt.

Lit: R. Celletti & R. Vegeto: Benvenuto Franci (in »Le Grandi voci«, Rom 1964).

Schallplatten: Die ersten Aufnahmen auf Phonotype (Neapel, 1920), darunter Duette mit Fernando de Lucia; dann akustische wie elektrische Aufnahmen auf Columbia (hier u.a. vollständige »Carmen«-Aufnahme von 1931); auf HMV Aufnahmen in elektrischer Aufnahmetechnik.

 

2.7. Morag BEATON: 90. Geburtstag

 Informationen über die schottisch-australische Sopranistin auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Morag_Beaton

 

3.7. Marianne Friederike Cäcilie ZAENGL: 200. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Sängers Wilhelm Hollmann (1830-1879), der 1857-69 an der Dresdner Hofoper engagiert war, und der sie auch ausbildete. 1833 begann sie ihre Bühnenlaufbahn als Choristin und Comprimaria an der Hamburger Oper. Sie heiratete den Schauspieler Josef Zaengl (1801-50), der sie in ihrer Ausbildung weiter förderte. So sang sie als erste größere Rolle in Hamburg die Papagena in der »Zauberflöte«. 1838 hatte sie bei einem längeren Gastspiel in Regensburg, vor allem als Emmeline in der »Schweizerfamilie« von Joseph Weigl, einen aufsehenerregenden Erfolg. Im Oktober 1838 ging sie dann zusammen mit ihren Gatten an das Deutsche Theater in Prag. Dort hatte sie ebenfalls große Erfolge, starb aber bereits 1841 ganz jung im Alter von nur 25 Jahren.

 

4.7. Tibor VARGA: 95. Geburtstag

Ersten Violinunterricht erhielt er im Alter von zweieinhalb Jahren von seinem Vater Lajos, der seinerseits ein ausgezeichneter Geiger war. Infolge einer Kriegsverletzung musste Lajos Varga jedoch auf eine Konzertlaufbahn verzichten und etablierte sich daraufhin als Geigenbauer. Auf Vargas Talent aufmerksam geworden, holte Jenö Hubay den erst Zehnjährigen an die Franz-Liszt-Musikakademie Budapest. Dort studierte er bei Frabz Gábriel, Mitgliedern des Waldbauer-Quartetts, Zoltán Kodály und Leó Weiner. Nach Hubays Tod (1937) spielte Varga im Gedenkkonzert unter der Leitung von Ernö Dohnányi, der Hubay 1934 im Amt des Rektors der Liszt-Akademie gefolgt war, Hubays 3. Violinkonzert op. 99.

Nach Abschluss des Musikstudiums an der Budapester Musikakademie widmete Varga sich während der Kriegsjahre an der Universität Budapest einem mehrjährigen Philosophiestudium. Vargas erster öffentlicher Auftritt erfolgte im Alter von 6 Jahren, sein Orchesterdebüt gab er als Zehnjähriger mit Mendelssohns Violinkonzert op. 64. Seit seinem 14. Lebensjahr unternahm er Konzertreisen ins Ausland, bis seine steile Karriere als Violinsolist durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen wurde. Unmittelbar nach Kriegsende nahm er die Konzerttätigkeit wieder auf und wurde zu einem der weltweit gefragten Solisten. Er trat unter den bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit auf, denen er zum Teil auch freundschaftlich verbunden war. Neben einem ungewöhnlich breiten klassischen Repertoire, das alle großen Violinkonzerte sowie die bedeutenden Sonaten und Vortragsstücke umfasste, pflegte Varga von Anfang an die Musik zeitgenössischer Komponisten. Die Violinkonzerte und andere Werke von Béla Bartók, Alban Berg und Arnold Schönberg verdanken Varga ihren eigentlichen Durchbruch im internationalen Musikleben. Er präsentierte sie – zum Teil als Erstaufführungen – im In- und Ausland: Unter anderem gestaltete er die Erstaufführung von Alban Bergs Violinkonzert in Australien sowie 1949 die europäische Premiere von Schönbergs Violinkonzert, worüber der Komponist sich in einem begeisterten Dankesbrief äußerte (Schönberg, Briefe). Beide Konzerte wie auch das Violinkonzert von Schostakowitsch interpretierte Varga neben anderen Werken im Rahmen der Proms der BBC in der Londoner Royal Albert Hall. Darüber hinaus gab Varga die Österreichische Premiere von Strawinskys Violinkonzert, sowie die Welturaufführungen zahlreicher Kompositionen, die ihm teilweise auch gewidmet sind, darunter die Violinkonzerte von Boris Blacher, Ernst Krenek, Max Méreaux, Gösta Nystroem, Almeida Prado, Mátyás Seiber und Winfried Zillig. Seit den 1950er Jahren trat Tibor Varga auch als Dirigent hervor, so etwa mit den von ihm gegründeten Ensembles Kammerorchester Tibor Varga, Orchestre du Festival Tibor Varga und Orchestre de l’Académie Tibor Varga, denen er als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter vorstand. 1989-93 übernahm er die Künstlerische Leitung des Orchestre des Pays de Savoie. Darüber hinaus war Varga bis zuletzt Gastdirigent international renommierter Orchester.

Varga spielte als 13-Jähriger seine ersten Schallplatten ein und trat bereits während seiner Studienzeit an der Budapester Musikakademie regelmäßig im Rundfunk auf. Nach seiner Niederlassung in London Ende der 1940er Jahre realisierte er Aufnahmen für international bekannte Labels, u. a. mit dem Philharmonia Orchestra London, den Berliner Philharmonikern und weiteren bedeutenden Orchestern sowie mit namhaften Klavierpartnern, unter ihnen Gerald Moore. Die Aufnahmen des Violinkonzerts Nr. 2 von Bartók unter Ferenc Fricsay wie auch der Violinkonzerte von Beethoven, Bruch, Mozart, Nielsen, Paganini, Tschaikowski gelten bis heute als Referenz. Führende internationale Rundfunkanstalten strahlten Vargas Auftritte in (Live-)Übertragungen aus und luden ihn darüber hinaus regelmäßig zu Studioproduktionen ein. Unmittelbar nach Kriegsende war Varga Mitbegründer und erster Professor einer der Budapester Franz-Liszt-Musikakademie angegliederten Musikhochschule seiner Heimatstadt Győr. 1949-86 wirkte er als Professor für Violine und Kammermusik an der 1946 gegründeten Nordwestdeutschen Musikakademie Detmold, deren Streicherabteilung unter seiner Leitung Weltruf erlangte. Seit Anfang der 1950er Jahre fungierte Varga in den weltweit führenden Violin- und Kammermusikwettbewerben als Jury-Mitglied bzw. -Präsident. Daneben gab er regelmäßig Meisterkurse bei den Darmstädter Ferienkursen, des Weiteren in London, Paris, Salzburg (Mozarteum), Siena (Accademia Musicale Chigiana) und anderen Städten Europas sowie in den USA und hielt wiederholt auch öffentliche Vorträge über musikalische Themen. 1963 gründete er im schweizerischen Sion eine internationale Sommerakademie (Académie de Musique Tibor Varga), ein Jahr später folgte das Festival Tibor Varga (1964–2001), das mit seinen jährlich in der ganzen Welt ausgestrahlten Konzerten zu den international bedeutendsten Sommerfestivals zählte. Aus dem 1967 gegründeten, zu Vargas Lebzeiten jährlich ausgetragenen Internationalen Violinwettbewerb Tibor Varga, der zu den bedeutendsten seines Genres zählt, gingen zahlreiche internationale Künstlerpersönlichkeiten hervor. Seit 1988 unterrichtete Varga an der von ihm gegründeten, auf die professionelle Streicherausbildung spezialisierten Ecole Supérieure de Musique Sion, der er auch als Direktor vorstand. Darüber hinaus wirkte Varga im Auftrag der Kulturministerien Frankreichs und Portugals als Künstlerischer und Pädagogischer Berater. Ab Oktober 2002 bekleidete er eine Professur für Violine an der Universität für Musik und darstellerische Kunst Graz. Zu Tibor Vargas bekanntesten Schülern zählen u. a. Lukas David, Mirijam Contzen, Latica Honda-Rosenberg und Hans Maile. Die langjährige Varga-Studentin Madeleine Carruzzo schrieb als allererste Frau in den Reihen der Berliner Philharmoniker Geschichte. Tibor Varga war Ehrenbürger mehrerer Städte Frankreichs und der Schweiz. Deutschland, Frankreich, die Schweiz und Ungarn ehrten ihn mit hohen Auszeichnungen, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse, den Orden der Arts et Lettres und der Légion d#Honneur, dem Walliser Kulturstaatspreis (1994) und dem Verdienstorden des Ungarischen Staates. Die Universität Budapest bzw. die Franz-Liszt-Akademie Budapest verliehen ihm die Ehrenprofessorenwürde, mit der vor ihm u. a. Edward Elgar, Emil Gilels, Richard Strauss und Arturo Toscanini gewürdigt wurden. Tibor Varga starb 2003 in Grimisuat (Schweiz). Die von Varga anlässlich der Europäischen Rektorenkonferenz Graz 2003 komponierte Etude-Caprice für 4 Violinen wurde nach seinem Tode zur offiziellen Hymne der European University Association (EUA) erhoben.

 

4.7. Alexandrine CICO: 175. Geburtstag

Alexandrine CICO

 Eigentlich Alexandrine Trotté. Ihre Gesangsausbildung erfolgte am Conservatoire National de Paris bis 1861 und wurde damit abgeschlossen, dass sie die ersten Preise in den Abteilungen Opéra und Opéra-Comique gewann. Im September 1861 debütierte sie an der Opéra-Comique in Paris als Athénaïse in »Les Mousquetaires de la Reine« von Halévy und konnte bis 1872 an diesem Haus eine sehr erfolgreiche Tätigkeit entfalten. Sie wirkte hier in einer Reihe von wichtigen Opern-Uraufführungen mit, u.a. in der Titelrolle der Oper »Lalla Roukh« von F. David (1862), in Aubers »La Fiancée du Roi de Garbe« (1864) und in »Le Voyage en Chine« von François-Emanuel-Joseph Bazin (1865). Von den weiteren Bühnenpartien, die sie an der Opéra-Comique übernahm, sind zu nennen: die Anna in »La Dame blanche« von Boieldieu, die Susanna in »Le nozze di Figaro«, die Isabella in »Le Pré aux Clercs« von Hérold, die Camilla in »Zampa« vom gleichen Komponisten, die Rafaela in »Haydée« von Auber, die Titelrolle in »Lara« von Louis-Aimé Maillart, die Mme. Darbel in »L’Éclair« von Halévy und die Philine in »Mignon« von A. Thomas, die sie auch in der 100. Aufführung dieser beliebten Oper an der Opéra-Comique sang. Die Sängerin kommt auch als Marie (Marie-Alexandrine) Cico vor. Sie starb 1875 in Neuilly bei Paris.

 

5.7. Oskar GERNHARDT: 100. Geburtstag

 Durch Kriegsumstände bedingt, kam er erst spät zu seinem Gesangstudium und seinem Debüt, das 1952 am Stadttheater von Gelsenkirchen stattfand. 1953-54 war er am Landestheater von Hof in Bayern engagiert und kehrte dann für die Jahre 1954-56 wieder nach Gelsenkirchen zurück. 1956-59 war er Mitglied des Stadttheaters von Oberhausen. 1959 wurde er an das Opernhaus von Nürnberg verpflichtet und blieb dort bis zu seinem Tod 1977 engagiert. Hier trat er in einer bunten Fülle von Partien auf, vor allem aus dem jugendlichen Heldenfach. So sang er den Max im »Freischütz«, den Florestan im »Fidelio«, den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Ismaele in Verdis »Nabucco«, den Don Carlos in der Verdi-Oper gleichen Namens, den Dick Johnson in Puccinis »La Fanciulla del West« und den Prinzen in »Rusalka« von Dvorák.

 

6.7. Lenora LAFAYETTE: 90. Geburtstag

Lenora LAFAYETTE

 Die farbige Sängerin erhielt ihre Ausbildung in Nashville und an der Juilliard Music School New York, vor allem aber durch die berühmte Sopranistin Dusolina Giannini. 1951 debütierte sie am Stadttheater von Basel als Aida. Von Basel aus unternahm sie in den fünfziger Jahren ausgedehnte Gastspielreisen, die sie an die großen westdeutschen Bühnen führten, darunter an die Staatsoper von München, an die Staatstheater von Wiesbaden und Hannover, an die Opernhäuser von Düsseldorf und Dortmund. 1953-54 hörte man sie an der Covent Garden Oper London als Aida wie als Butterfly. Sie gastierte in Amsterdam und im Haag, in Glasgow, Belgrad, Zagreb und Graz. An der Wiener Staatsoper war sie 1956 als Aida und 1958 als Butterfly zu Gast. Sie setzte diese internationale Tätigkeit bis etwa 1973 fort. Weitere Höhepunkte in ihrem Bühnenrepertoire waren die Dido in »Dido and Aeneas« von Purcell, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Selika in der »Afrikanerin« von Meyerbeer, die Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet, die Nedda im »Bajazzo« und die Mimi in Puccinis »La Bohème«. Sie trat auch mit großem Erfolg als Konzert- und Oratoriensolistin auf; so sang sie 1966 in New York das Sopran-Solo in »A Mass of Life« von Delius. Sie starb im Jahr 1975.

Schallplatten: Pye-Nixa (Duette aus Puccini-Opern mit Richard Lewis).

 

7.7. Jostein ERIKSEN: 90. Geburtstag

Jostein ERIKSEN

 Sein Gesang- und Musikstudium fand am Nationalkonservatorium von Oslo und in der Opernschule des dortigen Theaters statt und wurde durch Studien in verschiedenen europäischen Musikzentren ergänzt. 1956 debütierte er in einem Konzert im Dom von Oslo. 1958 betrat er dann an der Oper von Oslo erstmals die Bühne und blieb bis 1978 an diesem Haus tätig, wo er eine Vielfalt von Partien vortrug. Während dieser Zeit trat er auch als Konzert- und Oratoriensänger in Norwegen, Schweden und Dänemark in Erscheinung und wirkte fast alljährlich beim Festival von Bergen mit. Hinzu kamen zahlreiche Rundfunk- und Fernsehauftritte in den skandinavischen Ländern. 1974-79 amtierte er als Präsident der Norwegischen Musiker-Association; er bekleidete weitere Positionen im Musikleben seiner norwegischen Heimat und wirkte auch im pädagogischen Bereich. Er starb 2015 in Bærum.

 

9.7. Alida FERRARINI: 70. Geburtstag

Alida Ferrarini

 Ihr Vater war ein angesehener Violinist. Ihre Stimme wurde am Konservatorium von Verona und durch Sergio Ravazzin in Venedig ausgebildet; bereits während ihres Studiums wirkte sie bei den Festspielen in der Arena von Verona im Chor mit. 1974 wurde sie Gewinnerin des Gesangwettbewerbs von Treviso. Dort stand sie als Mimi in »La Bohème« erstmals auf der Bühne. Darauf kam es 1975 in der Arena von Verona zu ihrem eigentlichen Debüt in der Rolle der Frasquita in »Carmen«. 1976 sang sie bei den gleichen Festspielen die Xenia im »Boris Godunow« von Mussorgsky, 1980, 1984 und 1996 die Micaela in »Carmen«, 1981 die Gilda im »Rigoletto«, 1986 und 1998 den Pagen Oscar in Verdis »Un ballo in maschera«, 1988 die Liu in »Turandot«. Seit 1976 auch große Erfolge am Teatro Filarmonico von Verona; hier trat sie in Partien wie der Gilda, der Adina in »L’Elisir d’amore«, der Norina im »Don Pasquale«, der Euridice in »Orfeo ed Euridice« von Gluck und als Micaela in Erscheinung. Bei den Festspielen von Bregenz gastierte sie 1977 als Ines in »La Favorita« von Donizetti, 1979 als Liu und in einem Konzert sowie 1980 als Nannetta im »Falstaff« von Verdi. An der Mailänder Scala sang sie 1979 und 1988 die Adina,  1979-80 die Carolina in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, 1979 und 1981 die Xenia, 1980 die Sophie im »Werther« von Massenet und 1984 die Micaela. Gastspiele an der Covent Garden Oper London (u.a. 1984 als Gilda), an den Staatsopern von Wien (1980-90 als Norina, als Page Oscar, als Gilda, als Adina und als Nannetta) und München, am Teatro Liceu Barcelona, an der Pariser Grand Opéra wie an der Opéra-Comique (1984 als Carolina in Cimarosas »Il matrimonio segreto«, 1986 als Musetta in »La Bohème«, 1986 und 1988 als Marie in Donizettis »Regimentstochter«, 1988 als Gilda und 1994 als Micaela) und am Opernhaus von San Francisco (Nordamerika-Debüt 1984 als Adina) bestätigten ihren Ruf als führende Vertreterin des italienischen Koloraturfachs. 1986 großer Erfolg in Frankfurt a.M. als Mimi, 1987 bei den Puccini-Festspielen in Torre del Lago als Lauretta in »Gianni Schicchi«. 1988 an der Oper von Bordeaux als Adina erfolgreich. 1990 Gastspiel am Teatro San Carlos Lissabon (als Marie in der »Regimentstochter«), 1991 an der Oper von Köln (als Adina), 1992 bei den Festspielen in den Thermen des Caracalla in Rom (als Liu). Am Teatro Felice Genua sang sie 1997 die Micaela und 1999 die Nannetta. 1997 gastierte sie in Palermo als Despina in »Così fan tutte«. Am Teatro Comunale Bologna gastierte sie 1998 als Gnese in »Il Campiello« von E. Wolf-Ferrari und als Lauretta, die sie auch 1998 bei der Japan-Tournee dieses Theaters sang. 2000 hörte man sie am Teatro Comunale Bologna als »Sie« in »La notte di un nevrastenico« von Nino Rota. Sie starb 2013 in Verona.

Schallplatten: Bongiovanni, Naxos (Gilda im »Rigoletto«).

 

12.7. Boris TEWLIN: 85. Geburtstag

Er studierte an der Musikschule am Moskauer Konservatorium Dirigieren und Chormusik (Abschluss mit Auszeichnung 1952). Darauf studierte er am Moskauer Konservatorium Chorleitung bei W. P. Muchina und Orgel bei Alexander Fjodorowitsch Goedicke (Abschluss mit Auszeichnung 1957). 1959 wurde er Dozent am Moskauer Konservatorium. 1962 schloss er seine Aspirantur bei Alexander Wassiljewitsch Sweschnikow ab. 1993 wurde er auf den Lehrstuhl des Moskauer Konservatoriums berufen. Seit 2011 war er Leiter der Abteilung für zeitgenössische Chorleitung.

Als Dirigent war Tewlin seit 1953 mit dem Chor der Studenten der Moskauer Hochschulen am Moskauer Konservatorium verbunden. 1960 wurde daraus der Moskauer Chor der Jugendlichen und Studenten der Allrussischen Chorgesellschaft, den Tewlin bis 1993 leitete. Alljährlich beteiligte sich der Chor am Musikfestival Moskauer Herbst und trug in zwölf Jahren etwa 300 Stücke a cappella vor. Der Chor entwickelte eine intensive Konzerttätigkeit im In- und Ausland. Er gewann 1970 zwei Silbermedaillen beim 18. Internationalen Guido- d‘Arezzo-Chorwettbewerb in Arezzo, 1972 eine Goldmedaille und den Großen Preis beim internationalen Wettbewerb Tallinn-72, 1975 eine Goldmedaille beim 8. Internationalen Chorwettbewerb in Varna, 1981 eine Goldmedaille und den Grand Prix beim 28. Internationalen Chorwettbewerb in Cork und 1989 zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille beim Internationalen Chorwettbewerb in Tolosa.

Tewlins Chor der Studenten der Moskauer Hochschulen am Moskauer Konservatorium sang die Werke von Bach, Händel, Mozart, Palestrina, Beethoven, Schubert, Dmitri Stepanowitsch Bortnjanski, Mussorgski, Tschaikowski, Rimski-Korsakow, George Gershwin, Darius Milhaud, Sergei Wassiljewitsch Rachmaninow, Sergei Iwanowitsch Tanejew, Alexander Tichonowitsch Gretschaninow, Schostakowitsch, Prokofjew, Arthur Lourié, Alexander Andrejewitsch Archangelski, Alexander Iwanowitsch Pirumow, Aleaxnder Lasarewitsch Lokschin, Georgi Wassiljewitsch Swiridow, Sergei Artemjewitsch Balassanjan, Rostislaw Grigorjewitsch Boiko, Wladislaw Germanowitsch Agafonnikow, Waleri Jurjewitsch Kalistratow, Tomas Josifowitsch Korganow, Rodion Konstantinowitsch Schtschedrin, Arno Babadschanjan, Wano Iljitsch Muradeli, Arkadi Iljitsch Ostrowski, Jan Abramowitsch Frenkel, Alexandra Nikolajewna Pachmutowa, Serafim Sergejewitsch Tulikow, Oskar Borisowitsch Felzman, Alexander Georgijewitsch Fljarkowski, Edisson Wassiljewitsch Denissow, Alfred Schnittke, Kirill Jewgenjewitsch Wolkow, Michail Georgijewitsch Kollontai, Albert Semjonowitsch Leman, Nikolai Nikolajewitsch Sidelnikow, Roman Semjonowitsch Ledenjow, Veljo Tormis, Viktor Suslin, Sofia Asgatowna Gubaidulina.

1987 gründete Tewlin den Gemischten Chor der Chorleiter Russlands, und 1994 leitete er den Russisch-Amerikanischen Chor. Auch gründete er 1994 den Kammerchor des Moskauer Konservatoriums. Der Chor gewann den Grand Prix und zwei Goldmedaillen beim Internationalen Chor-Festival in Riva del Garda, einen ersten Preis und die Goldmedaille beim ersten Brahms-Festival in Wernigerode 1999, einen ersten Preis beim 25. Internationalen Festival der Orthodoxen Kirchenmusik in Hajnówka 2003, und er war Gewinner der ersten Chor-Olympiade in Linz 2000. 2008 erhielt der Chor den Preis ECHO Klassik 2008 für die Aufnahme der Chor-Oper Bojarina Morosowa von R.K. Schtschedrin.

Tewlin leitete Meisterklassen in Russland, Bulgarien, Ungarn, Jugoslawien, Israel, der Volksrepublik China, den USA und Frankreich. Er war Jury-Vorsitzender der allrussischen Chorwettbewerbe Singendes Russland und Moskau erklingt, und er war Jury-Mitglied beim Chorleiter-Wettbewerb in Salawat und bei vielen ausländischen Chorwettbewerben, insbesondere bei den Chor-Olympiaden 2002 in Seoul und 2004 in Bremen. 2008-12 leitete er den Staatlichen Akademischen Russischen Sweschnikow-Chor. 2009 erhielt der Chor einen Zuschuss des russischen Präsidenten. Er starb im Juli 2012.

Tewlin schrieb musikwissenschaftliche und publizistische Aufsätze, Rezensionen, Werkporträts und Erinnerungen. 2001 gab Valerija Stfanowna Zenowa das Buch Boris Tewlin. Chorwege heraus. Er wurde 1978 stellvertretender Vorsitzender der Allrussischen Musikgesellschaft, 1995 Mitglied der Internationalen Akademie für Informatisierung, 1998 Mitglied der Union der Komponisten Russlands, 2004 Akademie-Mitglied und Doktor der Philosophie, und er war Berater der russischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Musik-Erziehung.

 

12.7. John CROSBY: 90. Geburtstag

Informationen über den amerikanischen Dirigenten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/John_Crosby_(conductor)

 

13.7. Marcella POBBE: 95. Geburtstag

Marcella+Pobbe

 Studium bei Elena Fava in Vicenza. Weitere Ausbildung am Conservatorio Rossini in Pesaro bei Rinalda Pavoni, an der Accademia Chigiana in Siena und bei Giorgio Favaretto. Nachdem sie mehrere Gesangwettbewerbe gewonnen hatte, debütierte sie 1949 am Stadttheater von Spoleto als Marguerite im »Faust« von Gounod und sang noch im gleichen Jahr am Teatro San Carlo Neapel. An diesem Haus ist sie bis 1973 immer wieder aufgetreten, letztmals 1973 in »La Cena delle beffe« von Giordano. 1956 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »La Guerra« von Renzo Rossellini mit. 1954 debütierte sie an der Oper von Rom in der Titelrolle von Glucks »Iphigénie en Aulide« und sang hier 1957 die Amelia in Verdis »Simon Boccanegra«, 1963 die Francesca da Rimini von Zandonai, 1964 die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«. 1955 kam sie an die Mailänder Scala (Antrittspartie: Bathseba in »David« von Milhaud am 2.1.1955 in der Bühnenuraufführung des Werks nach dessen konzertanter Uraufführung 1954 in Jerusalem). Seitdem hatte sie auch ihre Erfolge an der Scala: 1955 als Agathe im »Freischütz«, 1957 als Maria Maddalena in »La Risurrezione di Cristo« von Lorenzo Perosi und als Elsa im »Lohengrin« (eine ihrer großen Kreationen); 1961 war sie an der Piccola Scala in der Titelpartie von Respighis »Maria Egiziaca« zu hören. Bei den Festspielen von Verona trat sie 1955 als Micaela in »Carmen«, 1966 als Tosca auf. Seit 1955 war sie mehrfach am Teatro Comunale Florenz zu Gast (1955 als Parasha im »Jahrmarkt von Sorotschinzy« von Mussorgsky, später als Mimi in »La Bohème«, als Suor Angelica von Puccini und als Marguerite im »Faust« von Gounod). Bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla trat sie 1957 als Mathilde in Rossinis »Wilhelm Tell«, 1959 als Elsa, 1969 wieder als Mathilde, 1967 als Tosca, 1969 nochmals als Mathilde und 1972 als Aida auf, am Teatro Comunale Bologna 1961 als Francesca da Rimini, 1963 als Iris in der Oper gleichen Namens von Mascagni, 1965 als Parisina d’Este in »Parisina« von Donizetti. Am Teatro Regio Turin hörte man sie 1961 als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, 1964 als Gräfin in »Le nozze di Figaro« (eine weitere Glanzrolle der Künstlerin). Am Teatro Fenice Venedig wie am Teatro Liceu Barcelona (als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«) gastierte sie 1962, an der Philadelphia Lyric Opera 1962, am Opernhaus von Lausanne 1963 als Desdemona in Verdis »Otello«, am Opernhaus von Zürich 1964 als Tosca, an der Wiener Staatsoper 1965-68 als Amelia in Verdis »Un ballo in maschera«, als Tosca, als Gräfin in »Le nozze di Figaro« und als Desdemona. 1962 sang sie an der Londoner Covent Garden Oper die Tosca, 1965 an der Oper von Monte Carlo die Alice Ford in Verdis »Falstaff«, in Pasadena (USA) 1966 die Desdemona, an der Oper von Seattle 1969 die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano. Als man 1966 das neue Opernhaus in Dortmund eröffnete, sang sie in der Eröffnungsvorstellung die Leonore im »Troubadour«. Weitere Auftritte am Teatro Regio Parma (1965), am Teatro Massimo Palermo (1959 als Elsa, 1973 als Tosca), am Teatro Sociale Mantua, am Teatro Municipale Piacenza (1963 als Elsa), am Teatro Sociale Treviso (1964 als Elsa), am Teatro Grande Brescia (1966 als Desdemona), am Teatro Petruzzelli Bari (1970 als Gräfin in »Le nozze di Figaro«), am Teatro Donizetti Bergamo (1972 als Parisina von Donizetti). Sie folgte 1958 einem Ruf an die Metropolitan Oper New York, wo sie als Antrittspartie die Mimi in »La Bohème«, dann auch die Marguerite im »Faust« von Gounod, in insgesamt elf Vorstellungen sang. Zu ihren Glanzrollen gehörten noch die Adriana Lecouvreur von Cilea und die Titelrolle in »Isabeau« von Mascagni, die sie in den sechziger Jahren oft an italienischen Bühnen sang. Sie starb 2003 in Mailand.

Schallplatten: Die schön gebildete lyrisch-dramatische Stimme der Künstlerin begegnet uns auf Cetra (mehrere Recitals, zum Teil Mitschnitte von Radiosendungen; Gesamtaufnahmen »Mefistofele« von Boito und »Isabeau«, letztere aus San Remo 1962). Auf Bongiovanni/MRF singt sie die Titelpartie in Mascagnis Oper »Isabeau«. Auf Fonit-Cetra wurde eine Aufnahme von Honeggers »Jeanne d’Arc au bûcher« zusammen mit Ingrid Bergman herausgebracht, die 1953 in Neapel realisiert worden war. Mitschnitte weiterer Aufführungen auf Movimento Musica (Micaela in »Carmen«), Estro Armonico (»Les pêcheurs de perles«), Voce (»Otello« von Verdi), Frequenz (»Il Giudizio universale« von Perosi), Mondo Musica (Titelrolle in »Fedora« von Giordano, Teatro Fenice Venedig, 1968), EJS.

 

13.7. Franco CASAVOLA: 125. Geburtstag

 Biographie des italienischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Franco_Casavola

 

14.7. Bohumil GREGOR: 90. Geburtstag

 Ausgebildet am Prager Konservatorium, danach Dirigent in der tschechischen Hauptstadt (1947-49), in Brünn (1949-51) und Ostrau (1958-62), wo er die Oper leitete. Ab 1963 wirkte er als Ständiger Dirigent am Prager Nationaltheater, ab 1965 als Ständiger Gastdirigent an der Königlichen Oper in Stockholm. Seit 1968 dirigierte er häufig das Residentie-Orkest in Den Haag und trat des Öfteren an der Hamburger Staatsoper auf. Er starb 2005 in Prag.

 

15.7. Ottavio TADDEI: 90. Geburtstag

Ottavio TADDEI in La Fanciulla del West

 Er studierte an der Accademia Chigiana in Siena und stand dort 1953 erstmals als Rodolfo in Puccinis »La Bohème« auf der Bühne des Teatro dei Ravviati. Sein offizielles Debüt folgte 1954 am Teatro Sistina in Rom als Herzog im »Rigoletto«, worauf er dort auch den Edgardo in »Lucia di Lammermoor« sang. Es schlossen sich in den nächsten Jahren Gastspiele an italienischen Operntheatern wie dem Teatro Nuovo Mailand, dem Teatro della Pergola Florenz, dem Teatro Giglio Lucca, dem Teatro Comunale Modena und dem Teatro Eliseo Rom sowie erfolgreiche Konzerte an. 1958 war er in San José in Costa Rica wie in Caracas zu Gast, wieder als Herzog im »Rigoletto« und als Edgardo. 1959 hörte man ihn am Teatro San Carlo Neapel als Mateo in »Conchita« von R. Zandonai und in der Oper »Il malato immaginario« von Iacopo Napoli, am Teatro Margherita Genua als Rodolfo in »La Bohème« und am Teatro Verdi Pisa. Seit 1960 war er oft am Teatro Comunale von Florenz, wo er seinen Wohnsitz nahm, anzutreffen. Das Publikum dieses Hauses schätzte ihn besonders. Tourneen trugen ihm in Holland, in der Schweiz, in der Türkei, in England und in Mittelamerika große Erfolge ein. 1960-61 sang er im italienischen Rundfunk RAI in den zeitgenössischen Opern »Terra senza passato« von Luigi Manenti und »La guerra« von Renzo Rosselini, 1963 in »Pique Dame« von Tschaikowsky. 1966 gastierte er in Hamburg, Nürnberg und Frankfurt a.M. als Pinkerton in »Madame Butterfly« und sang im gleichen Jahr in Florenz wie am Opernhaus von Rom in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«. Danach beschränkte sich sein Auftreten auf kleinere Partien, die er am Florentiner Teatro Comunale übernahm, wie auf Konzerte. Er starb im Juni 2011.

Schallplatten: Mitschnitte von Radiosendungen der RAI. Auf Allegro Royale Pinkerton in »Madame Butterfly«, 1953.

 

15.7. Carl MELLES: 90. Geburtstag

Er dirigierte unter anderen die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker und Symphoniker und das New Philharmonia Orchestra London und trat mit Solisten wie Wilhelm Kempff, Nathan Milstein, David Oistrach, Maurizio Pollini, Swjatoslaw Richter, Mstislaw Rostropowitsch und Arthur Rubinstein auf. Neben Auftritten bei den Wiener Festwochen, den Bayreuther (1966 Tannhäuser) und Salzburger Festspielen (1963 und 1971 Konzerte) sowie der Wiener Staatsoper (1973-74 Die Zauberflöte und Fidelio) trat Melles auch international auf, namentlich in USA, Japan und Südafrika. Ab 1996 lebte Melles aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen in Wien, wo er 2004 starb. Aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Judith Melles, geb. Rohonczy, stammt die Schauspielerin Sunnyi Melles. Carl Melles wurde auf dem Hietzinger Friedhof in Wien bestattet. Von Melles liegt eine Live-Einspielung der neun Beethoven-Sinfonien mit dem Staatsorchester Braunschweig vor, dessen Ehrendirigent er anschließend im Jahre 1995 wurde. 1995 erhielt Melles das Große Silberne Ehrenzeichen der Republik Österreich.

 

15.7. Jack BEESON: 95. Geburtstag

Er studierte bis 1938 an der Universität von Toronto und bis 1944 an der Eastman School of Music. 1944 und 1945 hatte er Unterricht bei Béla Bartók in New York City und beteiligte sich am Opern-Workshop der Columbia University. 1945 und 1946 besuchte er Seminare von Paul Henry Lang und begann eine Dirigentenausbildung bei Rudolph Thomas. 1948-50 hielt er sich als Gewinner des Prix de Rome in Rom auf, danach unterrichtete er an der Columbia University. Nach einem erneuten Romaufenthalt war er 1961-63 Gastlehrer an der Juilliard School 1965 wurde er Musikprofessor an der Columbia University. Er trat vor allem als Opernkomponist hervor. Bekannt wurde auch seine Sonate für Klavier von 1946/47. Er starb 2010 in New York City.

 

16.7. Elizabeth COSS: 80. Geburtstag

 Die amerikanische Sopranistin debütierte 1977 als Leitmetzerin im »Rosenkavalier« an der New Yorker Metropolitan Oper, an der sie bis 1986 in insgesamt 133 Vorstellungen auch die Ludmila in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Priesterin in »Aida«, die Aufseherin in »Elektra« von R. Strauss, die Coltilde in »Norma«, die Berta im »Barbier von Sevilla«, die Kartenaufschlägerin in »Arabella« von R. Strauss, die Ortlinde in der »Walküre« und die Große Frau in »Les Mamelles de Tirésias« von Poulenc sang.

 

17.7. Vilma von VOGGENHUBER: 175. Geburtstag

Vilma von Voggenhuber_als Isolde

 Ihr eigentlicher Name war Vilma Szivessi; sie war die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns, wurde durch den Pädagogen Peter Stoll in Budapest unterrichtet und betrat dort 1863 die Opernbühne. In Budapest sang sie Partien wie den Romeo in »I Capuleti e i Montecchi« von Bellini, die Agathe im »Freischütz« und die Valentine in den »Hugenotten« von Meyerbeer. Sie trat dort auch in der ungarischen Nationaloper »Hunyadi László« von Ferenc Erkel auf und blieb bis 1865 an der Budapester Oper. Gastspiele an den Hofopern von Berlin und München (1864) und am Stadttheater (Opernhaus) von Hamburg führten zunächst noch nicht zu einer Verpflichtung an diese Häuser, und so nahm sie ein Engagement am Stadttheater von Stettin an (1866-67). Danach sang sie am Opernhaus von Köln und an den Stadttheatern von Aachen und Bremen. 1868 war sie an der Wiener Hofoper in den Partien der Marguerite in Gounods »Faust«, der Leonore im »Fidelio« und der Donna Anna im »Don Giovanni« zu Gast. 1869 folgte sie dann einem Ruf an die Berliner Hofoper, wo ihre Karriere den Höhepunkt erreichte. Als Vertreterin des dramatischen Sopranfachs, vor allem als Wagner-Interpretin, genoss sie jetzt höchstes Ansehen. In der denkwürdigen Berliner Erstaufführung von »Tristan und Isolde« sang sie 1876 die Partie der Isolde, eine ihrer Glanzrollen. Ihre weiteren großen Partien waren die Medea in der Oper gleichen Namens von Cherubini, die Giulia in »La Vestale« von Spontini, die Iphigenie in Glucks »Iphigenie in Aulis« und die Armida in der gleichnamigen Oper von Gluck. 1872 wirkte sie dort in der Uraufführung der Oper »Hermione« von Max Bruch, 1874 in der der Oper »Cesario« von Wilhelm Taubert, 1878 in der von »Ekkehard« von J.J. Abert mit. 1877 trat sie als Gast am Opernhaus von Köln auf, 1882 nochmals an der Wiener Hofoper (diesmal in der Titelpartie von Goldmarks »Die Königin von Saba«, als Gräfin in »Figaros Hochzeit«  und als Elsa im »Lohengrin«). Trotz einer schweren, unheilbaren Krankheit setzte sie ihre Karriere fast bis zu ihrem Tod fort. Sie starb 1888 in Berlin. In erster Ehe war sie vorübergehend mit dem ungarischen Adligen von Kovacz verheiratet, der eine abenteuerliche Karriere in ungarischen wie italienischen Befreiungstruppen durchlaufen hatte. 1871 heiratete sie dann den Bassisten Franz Krolop (1839-97), der gleichfalls an der Berliner Hofoper wirkte.

 

18.7. Yuri MAZUROK: 85. Geburtstag

Yuri MAZUROK als Germont

Als Germont

 Er wurde zunächst Ingenieur und arbeitete als Chemiker in einem Laboratorium in Lwów (Lemberg). Nebenbei betätigte er sich als Amateurmusiker. Während einer Reise nach Moskau meldete er sich am dortigen Tschaikowsky-Konservatorium zum Vorsingen, und man riet ihm dringend zur Ausbildung seiner Stimme. Darauf 1955-60 Gesangstudium in Moskau bei Sergej Migai und Anatolij Dolivo, 1960 bei A.S. Sweschnikowa. Er wurde 1963 sogleich an das Bolschoi Theater Moskau verpflichtet. Als erste Partie sang er im Februar 1963 am Bolschoi Theater den Eugen Onegin, eine seiner Glanzrollen. Er gehörte bald zu den bekanntesten Mitgliedern dieses Hauses. Von Moskau aus unternahm er zahlreiche Gastspiel- und Konzertreisen in Ost- und Westeuropa. Er war Preisträger beim Gesangwettbewerb von Prag (1960), beim Concours George Enescu in Bukarest (1961), beim Glinka-Wettbewerb der UdSSR (1962) und beim Wettbewerb von Montreal (1967). Man hörte ihn gastweise an der Wiener Staatsoper (1972-82 als Scarpia in »Tosca«, als Graf Luna im »Troubadour«, als Renato in Verdis »Un ballo in maschera«, als Rangoni in »Boris Godunow«, als Valentin im »Faust« von Gounod, als Escamillo in »Carmen«, als Enrico in »Lucia di Lammermoor« und als Carlo in »La forza del destino«) und an der Covent Garden Oper London (1975 als Renato, 1983 als Graf Luna, 1986 als Germont-père in »La Traviata«). 1975 mit dem Ensemble des Bolschoi Theaters an der Metropolitan Oper New York zu Gast, 1977 Gastspiel an der Oper von San Francisco als Renato. 1987 sang er bei den Festspielen von Wiesbaden den Scarpia und in Budapest bei einem Gastspiel des Bolschoi-Ensembles den Robert in Tschaikowskys »Jolanthe«. Weitere Gastspiele an den Staatsopern von Berlin, Dresden und Hamburg, an den Opernhäusern von Leipzig, Warschau, Prag und Budapest. 1978 debütierte er dann an der Metropolitan Oper New York (Antrittsrolle: Germont-père), an der er dann 1979 als Eugen Onegin und 1993 als Scarpia in insgesamt 16 Vorstellungen zu sehen war. 1990 gastierte er an der Oper von Chicago und am Teatro Liceu Barcelona als Eugen Onegin, an der Oper von Seattle als Dolochow in »Krieg und Frieden« von Prokofieff, 1992 bei der Milwaukee Opera und 1995 an der Oper von New Orleans abermals als Eugen Onegin. Sein Bühnenrepertoire war vielgestaltig und enthielt neben den klassischen Partien aus dem Bereich der russischen Oper eine Vielzahl von Bariton-Partien aus der italienischen wie der französischen Opernliteratur. Seit 1976 Volkskünstler der UdSSR. Er starb 2006 in Moskau.

Schallplatten der staatlichen sowjetrussischen Plattenproduktion (Melodiya), darunter vollständige Opern »Eugen Onegin« und »Tosca«, einiges davon auf Eurodisc übertragen (u.a. vollständige Opern »Pique Dame« und »Jolanthe« von Tschaikowsky). Auf Philips sang er den Scarpia in »Tosca«, den Grafen Luna im »Troubadour« und den Rangoni im »Boris Godunow«, auch auf HRE (Renato in Verdis »Un ballo in maschera«), Audiophil (Titelrolle in »Eugen Onegin« von Tschaikowsky) und Sony (Jeletzky in »Pique Dame«, Titelheld in »Eugen Onegin«); Gostelradio-Video (Schtelkalow im »Eugen Onegin«).

 

18.7. Jules GAUTIER: 150. Geburtstag

Jules_GAUTIER

 Dieser Sänger schloss 1894 seine Ausbildung am Conservatoire de Paris ab und sang anschließend am Theater von Angers, dann am Französischen Theater (Théâtre de la Haye) im Haag und seit 1896 an der Grand Opéra Paris, wo er bis etwa 1900 Partien aus dem lyrischen Stimmfach übernahm. Seit 1901 war er dann (zumindest bis 1904) an der Opéra-Comique Paris engagiert, an der er als Antrittsrolle den Gérald in »Lakmé« von Delibes sang. Seit 1908 trat er wieder an der Grand Opéra, jetzt aber im heldischen Repertoire, auf. Er trug dort Rollen wie den Samson in »Samson et Dalila« von Saint-Saëns, den Raoul in den »Hugenotten«, den Arnoldo in Rossinis »Wilhelm Tell«, den Radames in »Aida«, aber auch den Faust von Gounod, den Roméo in »Roméo et Juliette« von Gounod und den Herzog im »Rigoletto« vor. Seine Karriere an der Grand Opéra scheint sich bis etwa 1917 hingezogen zu haben. Im Frühjahr 1901 erscheint ein Charles Gauthier an der Metropolitan Oper New York als Manrico im »Troubadour«, 1907 tritt ein Sg. Gautier am Teatro Colón Buenos Aires mit einer französischen Operntruppe auf; es könnte sich in beiden Fällen um den hier beschriebenen Sänger handeln.

Schallplatten: In den Jahren 1897-1907 kamen bei Pathé rund hundert Aufnahmen eines Tenors Mr. Gautier heraus, denen noch sehr viele Aufnahmen auf weiteren Marken folgten, u.a. auf Odeon (Paris 1906), Favorite (Paris 1906), Beka-Idéal (Paris 1907), Ultima (Paris 1903), Idéal-Disques (Paris 1913) und auf Edison-Zylindern (Paris 1909). Da auf keiner Platte der Vorname des Sängers angegeben wird, ist große Verwirrung um die Person dieses Künstlers entstanden. Jedenfalls ist eine Zuschreibung an den berühmten französischen Tenor Paul Franz (dessen wirklicher Name François Gautier war) kaum denkbar. Dagegen würde eine Zuordnung der Schallplatten zu Jules Gautier sinnvoll das vorhandene Problem lösen. Das auf ihnen gesungene Repertoire kommt mit den Partien, die er an der Opéra-Comique gesungen hat, weitgehend überein. Dazu gehörten der Don José in »Carmen«, der Julien in Charpentiers »Louise«, der Vincent in »Mireille«, der Rodolfo in »La Bohème«, der des Grieux in »Manon« von Massenet, der Alain in »Grisélidis« vom gleichen Komponisten, der Turiddu in »Cavalleria rusticana« und der Daniélo in »La Reine Fiammette« von Xavier Leroux.

 

19.7. Richard HOFER: 150. Geburtstag

Richard Hofer als Dalibor
Als Dalibor

 Der eigentliche Name des Sängers war Richard Figar; er erhielt seine Ausbildung zum Sänger durch die Pädagogen Jan Lukes und Engelbert Pirk in Prag. 1890 begann er seine Bühnenkarriere mit einem Engagement am Theater von Olmütz (Olomouc), an dem er zwei Jahre lang blieb. 1892-94 war er am Stadttheater von Posen (Poznan) im Engagement, 1894-1900 an der Oper von Zagreb. Nachdem er in der Spielzeit 1900-01 am Opernhaus von Düsseldorf gesungen hatte, kam er 1901-07 zu einer erfolgreichen Bühnentätigkeit am Deutschen Theater Prag. 1908 eröffnete er in Prag eine Opernschule. Neben seinem Wirken im Bereich der Oper galt er als ausgezeichneter Konzert- und Oratoriensänger. Auf der Bühne trat er vor allem in Partien aus dem heldischen und dem Wagner-Repertoire in Erscheinung, u.a. als Lohengrin, als Tristan, als Florestan im »Fidelio« und als Dalibor in der gleichnamigen Oper von Smetana. Er starb 1921 in Prag.

 

19.7. Therese BRAUNY: 175. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Schauspielers und Theaterdirektors Wilhelm Brauny (1816-87), der u.a. das Hoftheater in Sigmaringen leitete. Sie begann ihre Bühnenkarriere im Soubretten- und Koloraturfach in ihrer Vaterstadt München. Sie sang in einer sehr bewegten Karriere 1860-61 am Thalia-Theater Hamburg, 1861-62 am Victoria-Theater Berlin, 1862-63 am Thalia-Theater Magdeburg, 1863-64 am Walhalla-Theater Berlin, 1864-66 am Opernhaus von Riga, dann 1866-67 am Opernhaus von Leipzig, 1867-68 am Stadttheater Bamberg, 1868-69 am Thalia-Theater Köln, 1869-71 am Stadttheater Aachen, 1871-72 am Theater von Wismar, 1872-73 am Walhalla-Theater Berlin, 1873-74 am Theater von Stralsund, 1875-79 am Hoftheater Sigmaringen, 1879-80 am Residenztheater Hannover, 1880-81 am Stadttheater Köln, 1881-82 am Stadttheater Heidelberg, 1882-83 am Theater von St. Gallen, 1883-84 am Stadttheater Augsburg, 1884-85 am Stadttheater Nürnberg, 1885-87 am Stadttheater Magdeburg, 1887-91 am Stadttheater Stettin, 1891-93 am Stadttheater Zürich (seitdem hauptsächlich im Fach der Komischen Alten), 1893-95 am Stadttheater Freiburg i. Br., 1895-96 am Stadttheater Chemnitz, 1896-97 am Stadttheater Rostock, 1897-98 am Stadttheater Breslau, 1898-99 am Stadttheater Libau (Kurland), 1899-1900 am Stadttheater Heidelberg, 1900-1905 am Stadttheater Plauen in Sachsen, 1905-06 am Theater von Ansbach, 1906 bis zu ihrem Tod am Theater Chur-Aargau. Sie starb 1907 in Chur (Schweiz).

 

19.7. Johann Friedrich Anton FLEISCHMANN: 250. Geburtstag

Er wurde als 10. Kind des ortsansässigen Schulmeisters Johann Friedrich Michael Fleischmann und dessen Frau Eva Maria in Marktheidenfeld geboren. Schon sein Vater trat als Komponist in Erscheinung und er förderte die musikalischen Neigungen seines Sohnes, so dass dieser schon mit acht Jahren als Klavierspieler öffentlich auftrat und schon früh zu komponieren begann. Die im Umkreis von Marktheidenfeld wirkenden Komponisten und Musiker, die Patres Franz Xaver Bitthäuser und Peter Dornbusch vom Augustinerchorherrenstift Triefenstein sowie Peregrin Pögl von der Benediktinerabtei Neustadt, waren neben dem Vater seine ersten Lehrer, Aus der örtlichen Schule wechselte er im Alter von elf Jahren an das Gymnasium in Mannheim, wo er von Ignaz Holzbauer und Abbé Vogler unterrichtet wurde. Ab 1782 studierte er an der Universität Würzburg, wo er 1783 zum Dr. phil. promovierte und dann weiter Jura studierte. Kurzfristig war er 1786/87 als Privatsekretär und Erzieher beim fürstlich Thurn- und Taxisschen Regierungspräsidenten von Welden in Regensburg tätig. In dieser Zeit war er auf vielen Reisen in Süddeutschland unterwegs. 1787/88 wohnte er in Hopferstadt bei Ochsenfurt, wo sein Bruder, der Pfarrer Bonifatius (Thurecht) Fleischmann seit 1786 als Pfarrer wirkte und wohin auch seine Eltern 1786 verzogen waren. Empfohlen nicht zuletzt durch seine musikalischen Arbeiten trat er im Jahre 1789 als „Cabinets-Secretaire“ in den Dienst des Herzogs Georg I. von Sachsen-Meiningen. Auf Wunsch des Herzogs änderte er seinen ersten Vornamen in Johann um. Als Beamter nahm er wie damals üblich die Religionszugehörigkeit des Herzogs an. 1792 heiratete er in Themar Johanna Christiane Louise von Schultes (1771–1856), eine Tochter aus der ersten Ehe von Johann Adolf von Schulten). Das Ehepaar Fleischmann hatte vier Kinder, drei Töchter (Fanni, Carolina und Wilhelmine) und einen Sohn (Wilhelm Thurecht).

Neben seiner Tätigkeit als Kabinettssekretär war Friedrich Fleischmann in der fürstlichen Hofkapelle, deren Leitung er 1790 übernommen hatte, als Musiker und daneben als Komponist und Musiktheoretiker tätig. Viel zu früh verstarb er am 30. November 1798 in Meiningen im Alter von 32 Jahren.

Seine Kompositionen erschienen überwiegend im Musikverlag André in Offenbach. Über sein kompositorisches Schaffen gibt Fleischmann selbst am 29. Juni 1796 in einem Brief an seinen Verleger Auskunft: „Was ich bis an mein 24tes Lebensjahr niedergeschrieben habe, wurde alles als unbrauchbar und fehlervoll von mir cassirt. Nun erst fingen meine Produkte an grammaticalisch richtig zu seyn, und nun erst fasste ich den Muth, mit ihnen vor dem Publikum zu erscheinen. Von dieser Periode an habe ich mehrere Orchester Symphonien, Conzerte, Sonaten und Parthien für Blasinstrumente gesetzt, die nur zunächst dem hiesigen Publikum bekannt sind, auch einige Opern von Mozart für Blasinstrumente achtstimmig arrangiert.“ 1796 schrieb er das Singspiel Die Geisterinsel. In der Forschung wird es mittlerweile für sehr wahrscheinlich gehalten, dass das Wiegenlied „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“, welches bisher Wolfgang Amadeus Mozart (KV 350) oder dem Berliner Arzt Bernhard Flies zugeschrieben wurde, tatsächlich von Fleischmann stammt (Untersuchungen von E. Goretzki): „Fleischmann vertonte nach neueren Forschungen als erster das berühmte, ursprünglich Mozart zugeschriebene, Wiegenlied ‚Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein‘. Der erste Takt ist mit der Flies’schen Version identisch, der weitere Verlauf weist Ähnlichkeiten auf, so dass man Fleischmann als den Schöpfer der Urfassung ansehen darf.“

 

20.7. Juraj HRUBANT: 80. Geburtstag

 Er erhielt seine Ausbildung durch I. Godin in Bratislava (Preßburg). 1962 erfolgte sein Bühnendebüt an der Slowakischen Nationaloper Bratislava als Escamillo in »Carmen«. Bis 1965 blieb er an diesem Opernhaus und war in den Jahren 1965-69 am Opernhaus von Leipzig tätig. 1969 kam er wieder an die Oper von Bratislava zurück, blieb jedoch als ständiger Gast der Oper von Leipzig weiter verbunden. Erfolgreiche Gastspiele an der Nationaloper Budapest, an der Staatsoper Berlin, am Opernhaus von Marseille und bei den Festspielen von Perugia schlossen sich an. Auf der Opernbühne waren seine große Rollen der Titelheld in Verdis »Nabucco«, der Amonasro in »Aida«, der Don Giovanni in der gleichnamigen Mozart-Oper, der Lothario in »Mignon« von Thomas, der Fürst Igor in Borodins gleichnamiger Oper, der Don Pizarro in »Fidelio«, dazu eine Anzahl von Aufgaben aus dem tschechisch-slowakischen wie dem slawischen Opernrepertoire. Seit 1975 nahm er eine Professur an der Musikhochschule von Bratislava wahr. Er starb 2011 in Bratislava.

Schallplatten: Supraphon-Opus.

 

20.7. Andrew FOLDI: 90. Geburtstag

Andrew FOLDI

 Er kam mit seiner Familie nach Nordamerika und studierte Musikwissenschaft und Gesang. Er war dann Musikkritiker für die große Zeitung Chicago Times, Direktor des Instituts für Musikerziehung an der Universität von Chicago, Professor für Musikologie an der De Paul University, zugleich Kantor und Musikdirektor an der Synagoge Temple Isaiah Israel in Chicago. Ausbildung zum Solisten durch Studien bei Richard de Young, Martial Singher in Chicago, schließlich bei Maria Carpi in Genf. 1954 erfolgte dann sein Bühnendebüt an der Chicago Opera als Biondello in »The Taming of the Shrew« von Vittorio Giannini. In der Folgezeit große Erfolge sowohl im seriösen wie im Buffo-Fach, wobei er sich zugleich als vortrefflicher Darsteller erwies. An der Oper von San Francisco trat er 1960-65 als König in »Aida«, als Polizeikommissar im »Rosenkavalier«, als Spinelloccio wie als Simone in »Gianni Schicchi«, als Happy wie als Billy Jackrabbit  in »La Fanciulla del West«, als Alessio in »La Sonnambula«, als Dr. Grenvil in »La Traviata«, als Angelotti wie als Mesner in »Tosca«, als Snug in der amerikanischen Erstaufführung von B. Brittens »A Midsummer Night’s Dream«, als Mr. Parker in der Uraufführung der Oper »Blood Moon« von Norman Dello Joio (18.9.1961), als Wache in »Boris Godunow«, als Hans Foltz und als Nachtwächter in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als 2. Gefangener wie als Rocco im »Fidelio«, als Bartolo in »Le nozze di Figaro«, als Graf Ceprano im »Rigoletto«, als Tom in Verdis »Un ballo in maschera«, als Einarmiger in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss, als Priester in »Katerina Ismailowa« von Schostakowitsch, als Kezal in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Dr. Blind in der »Fledermaus«, als Benoit in »La Bohème« und als Schigolch in »Lulu« von A. Berg auf. Er gastierte regelmäßig an der Santa Fé Opera (1960-64, 1968 und 1979, u.a. als Ochs im »Rosenkavalier« und als Schigolch). In Cincinnati trat er 1965 und 1966 (Don Magnifico in »La Cenerentola«), in San Diego 1969 (Sancho Panza in »Don Quichotte« von Massenet) und 1974 (Alberich im »Rheingold«), an der Chicago Opera 1974 (als Sancho Panza) und 1987 (als Schigolch) auf. Er erschien in Nordamerika auch auf den Bühnen der Opernhäuser von Baltimore, Boston, Miami, Houston (Texas), Philadelphia, Pittsburgh und Seattle, schließlich auch an der Metropolitan Oper New York, deren Mitglied er seit 1975 war. Er übernahm dort als Antrittsrolle den Alberich im »Rheingold« und hatte einen seiner größten Erfolge an diesem Haus als Beckmesser in »Die Meistersinger von Nürnberg«. Zu den sonstigen Partien, in denen er an der Metropolitan Oper bis 1988 in insgesamt 85 Vorstellungen auftrat, gehörten der Mesner in »Tosca«, der Alberich im »Siegfried« und in der »Götterdämmerung«, der Bartolo in »Le nozze di Figaro« wie im »Barbier von Sevilla«, der Schigolch, der Dansker in »Billy Budd« von B. Britten und der Bailli im »Werther« von Massenet. 1961-64 war er am Opernhaus von Zürich engagiert. Am Grand Théâtre Genf gastierte er 1966 als Don Pasquale und als Paolo in Verdis »Simon Boccanegra«, 1967 als Benoit, 1968 als Musiklehrer in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und als Kofner in Menottis »The Consul«, 1969 als Mesner in »Tosca«, 1970 als Bartolo in »Le nozze di Figaro« und als Samuel in Verdis »Un ballo in maschera«, 1971 als Schigolch und als Mouchamiel in Menottis »Help! Help! The Globolinks« und 1973 als Faninal im »Rosenkavalier«. Er gastierte in Europa an den Staatsopern von Wien (1969-70 als Bartolo im »Barbier von Sevilla«) und München, in Lyon und Basel. An der Mailänder Scala hörte man ihn 1964 als Goldhändler in »Cardillac« von Hindemith, beim Spoleto Festival als Schigolch, den er auch beim Maggio Musicale von Florenz (1985), am Teatro Regio Turin (1983) und in Amsterdam (1978; dort auch 1981 als Sancho Panza) sang. 1976 gastierte er am Teatro Liceu Barcelona als Bartolo im »Barbier von Sevilla«, am Teatro San Carlo Neapel 1971 als Alberich im »Rheingold«, am Théâtre de la Monnaie Brüssel 1966-68 als Don Magnifico. Bei den Festspielen von Glyndebourne wirkte er 1982 als Bartolo im »Barbier von Sevilla« mit. Bedeutende Karriere als Konzertsänger. Er wirkte als Gesanglehrer in New York und Genf. Er starb 2007 in Federal Way (Washington).

Schallplatten der Marken Concert Hall, Columbia, Voix d’Eglise, Vanguard (vollständige Oper »La pietra del paragone« von Rossini).

 

21.7. Ursula SCHRÖDER-FEINEN: 80. Geburtstag

Ursula Schröder Feinen als ELektra
Als Elektra

 Ausbildung bei Maria Helm in Gelsenkirchen, dann an der Folkwang Schule in Essen. Sie sang seit 1958 im Opernchor von Gelsenkirchen, übernahm 1961 dort eine Partie in der Operette »Der Vogelhändler« von Zeller; eine Woche später begann ihre Opernkarriere 1961 am Stadttheater ihrer Geburtsstadt Gelsenkirchen als Titelheldin in Verdis »Aida«. Bis 1968 blieb sie an diesem Haus. Die Karriere der Künstlerin nahm eine sehr schnelle Entwicklung. Sie trat mit glänzenden Erfolgen an den Staatsopern von Hamburg, München und Stuttgart, in Essen, Hannover und Karlsruhe auf und war 1968-1972 ein geschätztes Mitglied der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg wie auch der Deutschen Oper Berlin. 1970 debütierte sie an der Metropolitan Oper New York als Chrysothemis in »Elektra« von Richard Strauss; bis 1978 bewunderte man sie dort in insgesamt 16 Vorstellungen als Brünnhilde im »Siegfried«, als Salome, als Elektra sowie als Färberin in »Die Frau ohne Schatten« von R. Strauss. 1973 sang sie in Montreal die Titelrolle in »Salome« in der kanadischen Erstaufführung dieser Richard Strauss-Oper. Sie sang an der Staatsoper von Wien (1973-77 die Salome, die Brünnhilde im »Siegfried«, die Ortrud im »Lohengrin« und die Elektra) und an der Mailänder Scala (1971 als Kundry im »Parsifal«); sie gastierte an der Grand Opéra Paris (1975 als Elektra), in Genf (1975 als Salome), Straßburg, Kopenhagen, Prag und Amsterdam, an den Staatsopern von Berlin und Leipzig, bei den Festspielen von Edinburgh (1975 als Salome anlässlich eines Gastspiels der Deutschen Oper Berlin), in Lissabon, Chicago und San Francisco (1976 als Färberin). Bei den Festspielen von Salzburg stand ihre Gestaltung der Färberin in der »Frau ohne Schatten« von R. Strauss 1974-75 im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Bei den Salzburger Osterfestspielen sang sie 1976 die Ortrud.  In Bayreuth sang sie 1971 die Senta in »Der fliegende Holländer«, 1972 die Ortrud und die 3. Norn in der »Götterdämmerung«, 1973 die Brünnhilde im »Siegfried« und 1975 die Kundry. Weitere Höhepunkte in ihrem Repertoire waren die Tosca, die Turandot, die Leonore im »Fidelio«, die Alceste in der gleichnamigen Oper von Gluck, die Cleopatra in »Giulio Cesare« von Händel, die Jenufa in Janáceks bekannter Oper und die Isolde in »Tristan und Isolde«. Nach einer Stimmkrise musste sie 1979 ihre Karriere dann jedoch für längere Zeit unterbrechen. Sie starb 2009 in Hennef.

Schallplatten: Voce (Königin der Erdgeister in einer vollständigen Aufnahme der Oper »Hans Heiling« von Marschner), Bella Voce (Titelrolle in vollständiger Oper »Elektra« von R. Strauss, 1977; Auszüge aus »Die Frau ohne Schatten« vom gleichen Komponisten, Salzburg 1975 als Färberin).

 

21.7. Julius SPIELMANN: 150. Geburtstag

Julius SPIELMANN

 Seit 1885 war er am Prager Nationaltheater als Chorist tätig. Dort hörte ihn der Impresario Angelo Neumann und sorgte für die Ausbildung seiner Stimme. Noch bevor diese beendet war, nahm er ein Engagement in Böhmisch-Leipa (Ceská Lípa) an, ging dann 1887 nach Pilsen (Plzen), sang 1888-89 in Teplitz (Teplice), 1890 in Graz und 1891 am Friedrich Wilhelmstädtischen Theater Berlin. Dabei trat er, wie auch bei den folgenden Verpflichtungen am Bellevuetheater Stettin (1892) und am Theater an der Wien in Wien (1893-95), als glänzend begabter Operettentenor in Erscheinung. 1895 berief ihn Bernhard Pollini an das unter seiner Leitung stehende Opernhaus (Stadttheater) von Hamburg. Obwohl er dort als David in »Die Meistersinger von Nürnberg«, als Loge im »Rheingold« und in anderen Wagner-Partien erfolgreich war, ging er 1896 wieder zur Operette, jetzt an das Wiener Carl-Theater, zurück. Am Carl-Theater wirkte er am 25.20.1899 in der Uraufführung der Johann Strauß-Operette »Wiener Blut« in der Rolle des Grafen Zedlau mit. 1898-99 gastierte er an der Wiener Hofoper als David, als Canio im »Bajazzo«, als Tybalt in »Roméo et Juliette« von Gounod, als Turiddu in »Cavalleria rusticana«, als Mime im »Siegfried«, als Dickson in »Die weiße Dame« von Boieldieu, als Kilian im »Freischütz« und als Loge. Namentlich als Canio, den er auch während eines Engagements in St. Petersburg (1900-1902) vortrug, hinterließ er einen starken Eindruck. Seit 1896 unternahm er während mehrerer Jahre Tourneen mit einem Wiener Operettenensemble durch Russland und nach Rumänien, wobei er im Mittelpunkt der großen Erfolge dieser Gastspiele stand. In der Saison 1902-03 trat er am Gärtnerplatztheater in München auf, 1907-08 am Neuen Operettentheater Berlin, 1909-10 am Königlichen Stadttheater Amsterdam, 1910-11 am Hamburger Carl Schultze-Theater. 1913-14 hörte man ihn an der Komischen Oper Berlin und am Berliner Monti-Theater, 1915 am Theater am Nollendorfplatz Berlin. Zwischenzeitlich war er auch als Theaterleiter tätig, trat aber weiter in den großen Tenorpartien der Operetten von Johann Strauß, Karl Millöcker, Franz von Suppé, Karl Zeller, Sidney Jones, Jacques Offenbach und in Operetten vieler anderer Komponisten auf. Er starb 1920 in Berlin.

Schallplatten: Zahlreiche Aufnahmen, zumeist auf G & T und HMV, darunter eine Gesamtaufnahme des »Zigeunerbarons« von etwa 1910, in der er den Barinkay singt. Auch Aufnahmen auf Favorit (Berlin, 1904-06).

 

22.7. Ingeborg FANGER: 95. Geburtstag

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 Sie wollte ursprünglich Balletttänzerin werden und erhielt eine dementsprechende Ausbildung in der Ballettschule der Staatsoper von Dresden. 1940-41 war sie als Tänzerin am Theater am Nollendorfplatz Berlin engagiert. Sie ließ jedoch ihre Stimme in Dresden und Berlin, später noch in Oldenburg und Zürich, ausbilden und war 1942-44 am Central-Theater Dresden als Operettensängerin tätig. Bis 1950 wirkte sie am Staatstheater von Oldenburg und dann für fast 35 Jahre am Opernhaus von Zürich (1950-84). Sie gastierte, zum Teil mit dem Zürcher Ensemble, beim Festival von Lausanne, in Bern, St. Gallen, Wiesbaden, Nürnberg, Essen und Braunschweig. Sie sang auf dem Gebiet der Oper hauptsächlich Soubrettenrollen wie dem Blondchen in der »Entführung aus dem Serail«, die Papagena in der »Zauberflöte«, die Helene in »Hin und zurück« von Hindemith, die Gräfin Eberbach im »Wildschütz« von Lortzing, die Flora in »La Traviata«, die Marina in Wolf-Ferraris »Die vier Grobiane« und die Esmeralda in Smetanas »Die verkaufte Braut«. 1953 sang sie am Stadttheater von Zürich in der deutschsprachigen Erstaufführung der Operette »Die Schöne von Cadix« von Francis Lopez die Partie der Pepa, auch in den Schweizer Erstaufführungen der Opern »Aventures du Roi Pausole« von A. Honegger (zugleich deutsche Erstaufführung), »A Midsummer Night’s Dream« von B. Britten (1961), »Dantons Tod« (1970) und »Der Besuch der alten Dame« (1971) von Gottfried von Einem, »Figaro lässt sich scheiden« von G. Klebe (1971 als Gräfin) und »Háry János« von Z. Kodályi (als Kaiserin) mit. Sie nahm dort auch an der Uraufführung der nachgelassenen Lehàr-Operette »Frühling« (19.5.1955) teil. Die eigentliche Domäne der Künstlerin war jedoch das Gebiet der Operette. Hier kam sie in einem sehr umfangreichen Repertoire zu anhaltenden Erfolgen. Sie starb 2008 in Zürich.

Schallplatten: HMV (Werke von W. Burkhard)

 

23.7. Ava JUNE: 85. Geburtstag

Ava JUNE als Queen Elizabeth in Gloriana

 Gesangstudium bei Kate Opperman, bei Clive Carey und bei Joan Cross in London. 1957 kam es zu ihrem Bühnendebüt als Solistin an der Sadler’s Wells Opera London (an der sie seit 1953 als Choristin gesungen hatte) in der Rolle der Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet. 1963 gewann sie eine Goldmedaille beim internationalen Gesangwettbewerb für junge Sänger in Sofia. Sie hatte dann eine erfolgreiche Bühnenkarriere an der Covent Garden Oper (Debüt 1969 als Voce celesta in Verdis »Don Carlos«), bei der English National Opera (1973 Sieglinde in der »Walküre«), bei der Sadler’s Wells Opera in London und bei der Welsh Opera Cardiff. An der Scottish Opera Glasgow sang sie 1957-76 die Ines im »Troubadour«, die Micaela in »Carmen«, die Maddalena in »Andrea Chénier« von Giordano, die Lisa in Lehárs »Land des Lächelns«, die Violetta in »La Traviata«, die Donna Elvira im »Don Giovanni«, die Norina im »Don Pasquale«, die Judith in »Herzog Blaubarts Burg« von Béla Bartók sowie die Sieglinde und die Gutrune im Nibelungenring. 1970 wirkte sie an der Covent Garden Oper in der Uraufführung der Oper »Victory« von R.E. Bennett mit. 1981 wirkte sie an der English National Opera London in der Uraufführung der Oper »Anna Karenina« von Iain Hamilton in der Rolle der Gräfin Vronskaya mit. Gastspiele an der Wiener Volksoper, an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg, an der Deutschen Oper Berlin, an der Nationaloper Sofia, an der Grand Opéra Paris, an der Nationaloper Zagreb und am Opernhaus von Johannesburg. Sie wirkte auch beim Aldeburgh Festival und bei den Festspielen von Aix-en-Provence mit. 1973 gastierte sie an der Oper von San Francisco als Ellen Orford in »Peter Grimes« von B. Britten, (zugleich ihr USA-Debüt), die sie dann auch 1975 an der Opera North Leeds sang. Von den vielen Partien, die sie auf der Bühne gesungen hat, sind noch zu erwähnen: die Donna Anna im »Don Giovanni«, die Gräfin in »Figaros Hochzeit«, die Pamina in der »Zauberflöte«, die Leonore wie die Marzelline in »Fidelio«, die Königin Elisabeth in B. Brittens »Gloriana«, die Marie in Smetanas »Die verkaufte Braut«, die Agathe im »Freischütz«, die Mimi wie die Musetta in »La Bohème«, die Butterfly und die Tosca, die Aida, die Eva in »Die Meistersinger von Nürnberg«, die Marschallin im »Rosenkavalier«, die Marguerite in »Faust« von Gounod, die Tatjana im »Eugen Onegin« und die Santuzza in »Cavalleria rusticana«. Auch als Konzertsopranistin hatte sie in einem Repertoire von ähnlicher Vielseitigkeit ihre Erfolge. Sie starb 2013 in Twickenham.

Schallplatten: Decca (Mrs. Grove in vollständiger Aufnahme »The Turn of the Screw« von B. Britten), Philips, HMV-Westminster (Nibelungenring).

 

23.7. Francesco CILEA: 150. Geburtstag

Seiner Erinnerung nach fasste Francesco Cilea schon als Junge den Entschluss, sich der Musik zu widmen, nachdem er das Finale der Oper Norma von Vincenzo Bellini (1801–35) erlebt hatte – gespielt von der städtischen Kapelle seiner Heimatstadt Palmi. Auf den Rat von Francesco Florimo (1800–88) studierte er ab 1879 am Konservatorium „San Pietro a Majella“ Neapel bei Beniamino Cesi (1845–1907) und Paolo Serrao (1830–1907), wo er durch Fleiß und Intelligenz auffiel. Er erhielt eine Goldmedaille des Ministeriums für das öffentliche Schulwesen und eine Ernennung zum ersten Meisterschüler. Zum Abschluss seines Studiums in Neapel schrieb er 1889 die Oper Gina, die mit Erfolg im kleinen Theater des Konservatoriums aufgeführt wurde. Diese kleine Oper, in der die Naivität des Librettos mit der Musik wetteifert, wurde vom Kritiker und Verleger Edoardo Sonzogno so geschätzt, dass er bei Cilea eine weitere Oper namens La Tilda in Auftrag gab, auf das Libretto von Angelo Zanardini, die vom Stil her dem Verismo nach dem Vorbild der Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni (1863–1945) folgen sollte. Nach seinem Studienabschluss in Neapel wirkte Cilea 1889-98 am gleichen Institut als Lehrer für Klavier und Harmonielehre. In diese Zeit fällt die erfolgreiche Aufführung seiner zweiten Oper La Tilda am 7. April 1892 im Teatro Pagliano in Florenz. Es folgten Aufführungen in vielen weiteren italienischen Theatern. Am 24. September des gleichen Jahres wurde La Tilda im Ausstellungs-Theater in Wien aufgeführt, wo auch andere Opern aus dem Haus Sonzogno zu hören waren. Cilea selbst hatte seine zweite Oper weniger geschätzt; vielmehr nahm er die Aufführungserfolge Sonzogno zuliebe hin, auch, um sich die Gelegenheit des Bekanntwerdens nicht entgehen zu lassen. Die Orchester-Partitur ist verloren gegangen, sodass La Tilda in unserer Zeit nicht mehr aufgeführt werden kann, jedoch sind im erhalten gebliebenen Klavierauszug (Singstimmen und Klavier) die frischen und eingängigen Melodien erkennbar. Die dritte Oper Cileas, L’Arlesiana, die auf dem Drama von Alphonse Daudet (1840–97) beruht, kam am 27. November 1897 mit dem Libretto von Leopoldo Marenco im Teatro Lirico in Mailand zur Aufführung. Auf der Besetzungsliste dieser Aufführung ragt der Name des damals noch sehr jungen Enrico Caruso (1873–1921) heraus, welcher das enthaltene Stück Il lamento di Federico mit ungewöhnlichem Erfolg sang – eine Romanze, die noch heute als „Zugstück“ für Tenöre gilt. Insgesamt war jedoch L’Arlesiana damals eher ein Misserfolg. Cilea war allerdings überzeugt vom Wert dieser Oper und versuchte, sie gleich nach der Premiere bis in seine letzten Lebensjahre hinein zu verbessern. Dies galt für feine Details, aber er scheute sich auch nicht vor drastischen Eingriffen. Heute findet man kaum noch einen Takt, der der ersten Fassung entspricht. Dennoch wurde diese Oper kein dauerhafter Erfolg; mit Ausnahme der 1930er Jahre, wo ein Erlass des Diktators Benito Mussolini, der nach der italienischen Eroberung Äthiopiens und den darauf folgenden Sanktionen anderer Länder angeordnet hatte, dass nur Opern aus denjenigen Ländern aufgeführt werden dürfen, welche sich den Sanktionen nicht angeschlossen haben. Cilea bemerkte dazu wörtlich: „Bei dieser Gelegenheit hatte ich Glück.“ Nach seiner Tätigkeit in Neapel übernahm Cilea 1898-1904 die Stelle eines Lehrers für Harmonielehre am Instituto Musicale in Florenz. In diese Zeit fällt die Uraufführung seiner vierten Oper Adriana Lecouvreur am Teatro lirico in Mailand am 6. November 1902, wieder mit Enrico Caruso als mitwirkendem Sänger. Sie ist ein Bühnenwerk auf das Libretto von Arturo Colautti nach einem Theaterstück von Eugène Scribe (1791–1861), welches im Frankreich des 18. Jahrhunderts spielt. Dieses Werk ist beim heutigen Theaterpublikum die am besten bekannte Oper Cileas, was auf der geglückten Vereinigung der melodischen Spontaneität nach der Neapolitanischen Schule und einer modernen harmonischen Schreibweise nach neuerem französischen Vorbild beruht. Die letzte Oper Cileas, Gloria, wurde am 15. April 1907 im Teatro alla Scala in Mailand unter der Leitung von Arturo Toscanini (1867–1957) erstmals aufgeführt. Sie ist eine Tragödie in drei Akten ebenfalls auf das Libretto von Colautti, nach einem Theaterstück von Victorien Sardou (1831–1908). Sie zeigt eine bemerkenswerte kompositorische Weiterentwicklung Cileas gegenüber seinen Zeitgenossen (abgesehen von Giacomo Puccini), was sie aber für das Publikum schwer verständlich machte. Trotz ihres Werts und gewissen relativen Erfolgen war die Oper deshalb insgesamt kein Erfolg und wurde vom Verleger Ricordi in Mailand boykottiert, wobei der Verleger Sonzogno dem nur wenig entgegengewirkt hat. Dies hat Cilea dazu bewogen, das Opernschaffen endgültig aufzugeben. Es gibt zwar Belege aus dem Jahr 1909 für eine geplante Oper namens Il Matrimonio Selvaggio, die aber nicht aufgeführt wurde und Skizzen von Libretti zu Il ritorno dell’amore (von Renato Simoni) sowie Malena und La Rosa di Pompei (beide von Ettore Moschino), datiert mit „Neapel, 20. Mai 1924“; sie wurden aber nicht weiter verfolgt. Cilea setzte seine Arbeit mit der Komposition von vokaler und instrumentaler Kammermusik sowie sinfonischer Musik fort. Er übernahm in den Jahren 1913-16 die Leitung des Konservatoriums Vincenzo Bellini in Palermo. In das Jahr 1913 fiel auch die Aufführung einer Sinfonischen Dichtung auf den Text von Sem Benelli (1877–1949) zu Ehren von Giuseppe Verdi (1813–1901) im Theater Carlo Felice in Genua. Im Jahr 1916 kehrte Cilea zu seiner ersten Unterrichtsstätte in Neapel zurück, dem Konservatorium San Pietro a Majella, und leitete dieses Institut bis zum Jahr 1938, wo er mit 72 Jahren seine Unterrichtstätigkeit beendete, nachdem er den Ehrentitel Accademico d’Italia erhalten hatte. Seine letzten Lebensjahre, die von Krankheit und finanziellen Sorgen überschattet waren, verbrachte Cilea in Rom und schließlich in der kleinen ligurischen Stadt Varazze, wo er Ehrenbürger war. Dort starb er am 20. November 1950. Zur Erinnerung an ihn sind das Konservatorium und das Theater in Reggio Calabria nach ihm benannt; darüber hinaus wurde für ihn in seiner Geburtsstadt Palmi ein Mausoleum errichtet und eine Straße im historischen Stadtzentrum benannt.

Francesco Cilea fühlte sich als letzter Repräsentant der Neapolitanischen Schule; entsprechend sind Einflüsse dieser alten Schule neben einer gleichsam Französisch anmutenden Eleganz zu spüren. Nach Meinung des Musikwissenschaftlers Roman Vlad ist in der frühen Fassung von Cileas Cellosonate (1888) stilistisch sogar Maurice Ravel (1875–1937) vorweggenommen. Andererseits sind in seinem Hauptwerk, der Oper Adriana Lecouvreur, deutliche Anklänge an Jules Massenet (1842–1912), der ihn schätzte, zu hören. Cilea wird auch oft als Generationsgenosse von Pietro Mascagni und Umberto Giordano (1867–1948) als Komponist des veristischen Stils bezeichnet, was aber nur bedingt zutrifft; eher sind in seiner Musik Anklänge an Vincenzo Bellini und Edvard Grieg (1843–1907) erkennbar. In Cileas besten Opern herrscht die Belcanto-Gesangslinie vor, sowie harmonische Raffinesse, klangliche Transparenz und eine feine melancholische Grundstimmung. Seine Oper Adriana Lecouvreur geriet nach den ersten erfolgreichen Jahren weitgehend in Vergessenheit und ist erst in den 1980er Jahren wieder in das Repertoire der Opernhäuser zurückgekehrt.

 

24.7. Eilene HANNAN: 70. Geburtstag

Eilene-Hannan

 Sie erhielt ihre Ausbildung zur Sängerin zuerst in ihrer australischen Heimat bei Jean Stewart und Bettine McCaughan in Melbourne, dann in London. Sie debütierte 1971 an der Australian Opera Sydney als Barbarina in »Figaros Hochzeit«. Am 20.10.1973 sang sie in der Eröffnungsvorstellung des neu erbauten Opernhauses von Sydney die Natascha in »Krieg und Frieden« von Prokofieff. In Sydney (und in anderen Zentren des australischen Musiklebens) trat sie auch als Cherubino in »Figaros Hochzeit«, als Zerline in »Don Giovanni«, in der Titelrolle von Janáceks »Das schlaue Füchslein« und als Leila in »Les pêcheurs de perles« von Bizet auf. 1977 gastierte sie bei den Festspielen von Glyndebourne in der Titelrolle von »Das schlaue Füchslein« und in Wexford als Salomé in Massenets »Hérodiade«. An der English National Opera London hörte man sie seit 1978 als Mila in »Osud« von Janácek (englische Erstaufführung der Oper 1984), als Titelheldin in »Katja Kabanowa« vom gleichen Meister, als Herzogin von Parma in Busonis »Doktor Faust«, als Susanna in »Figaros Hochzeit«, als Pamina in der »Zauberflöte«, als Mélisande in »Pelléas et Mélisande«, als Poppea in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea« und als Natascha in »Krieg und Frieden«. An der Covent Garden Oper London debütierte sie 1987 in der englischen Erstaufführung der Oper »The King Goes forth to France« des finnischen Komponisten A. Sallinen. 1983 gastierte sie bei der Opera North Leeds in »Béatrice et Bénédict« von Berlioz, 1988 in Brisbane in »The Turn of the Screw« von Benjamin Britten, 1992 in Sydney als Jenufa, 1995 als Katja Kabanowa. 1998 sang sie am Opernhaus von Adelaide die Gutrune in der »Götterdämmerung«. 1999 nahm sie an der Australian Opera Sydney an der Uraufführung der Oper »The Summer of the Seventeenth Doll« von Richard Mills (als Emma) teil. Sie starb 2014 in London.

Schallplatten: BBC-Artium (Titelpartie in »Irmelin« von Delius), EMI (»Eugen Onegin«); Virgin-Video (»Rusalka« von Dvorák).

 

24.7. Clementine von SCHUCH: 95. Geburtstag

 Sie war die Tochter des Cellisten Hans von Schuch (* 19.6.1886 Dresden) und die Enkelin des berühmten Dirigenten Ernst von Schuch (1846-1914) und der Sängerin Clementine von Schuch-Proska (1850-1932). Sie wurde durch ihre Tante Liesel von Schuch-Ganzek (1891-1990), ebenfalls eine bekannte Sängerin, in Dresden ausgebildet. Ihr erstes Bühnenengagement hatte sie 1942-44 am Theater von Königsberg (Ostpreußen). Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie 1945-47 an der Staatsoper von Dresden und seit 1947 an der Komischen Oper Berlin engagiert, deren Mitglied sie bis in die sechziger Jahre blieb. Auf der Bühne übernahm sie zumeist mittlere und kleinere Partien aus allen Bereichen des Opernrepertoires, darunter die Mercedes in »Carmen«, die Antonia in »Tiefland« von d’Albert, die Annina im »Rosenkavalier«, die Frugola in Puccinis »Il Tabarro«, die Hortense in »Die Wirtin« von R. Mohaupt und den Sebastian in »Was ihr wollt« von A. Kusterer. Auch als Konzertsängerin erfolgreich aufgetreten. Sie starb am 29. Juni 2014.

 

24.7. Giuseppe DI STEFANO: 95. Geburtstag

Giuseppe di STEFANO

 Er wollte zuerst katholische Theologie studieren und trat in das Seminar St. Avialdo in Mailand ein. Dort erregte seine Stimme Aufsehen, und er entschloss sich, diese ausbilden zu lassen. Nach einer dreijährigen Militärdienstzeit flüchtete er im Zweiten Weltkrieg in die Schweiz, wo er in dem Lager Vidy bei Lausanne interniert wurde, aber bereits als Sänger, u.a. in Sendungen von Radio Lausanne, auftreten konnte. Nach Kriegsende nahm seine Familie große finanzielle Opfer auf sich, um ihm ein Studium bei Luigi Montesanto in Mailand zu ermöglichen. Sein Bühnendebüt erfolgte 1946 am Teatro Municipale von Reggio Emilia als des Grieux in »Manon« von Massenet. Er gastierte im gleichen Jahr in Venedig und Bologna und eröffnete die Saison am Teatro Liceu von Barcelona. 1947 sang er an der Oper von Rom, 1948 an der Mailänder Scala (Antrittsrolle: des Grieux in »Manon« von Massenet). 1948-52, 1955-56 und nochmals 1964-65 trat er mit glänzendem Erfolg an der Metropolitan Oper New York auf (Antrittsrolle: Herzog im »Rigoletto«). Insgesamt hat er an der Metropolitan Oper 15 Partien in 112 Vorstellungen gesungen: den des Grieux in »Manon« von Massenet, den Alfredo in »La Traviata«, den Nemorino in »L’Elisir d’amore«, den Rinuccio in »Gianni Schicchi«, den Fenton in »Falstaff« von Verdi, den Rodolfo in »La Bohème«, den Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, den italienischen Sänger im »Rosenkavalier«, den Faust von Gounod, den Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, den Pinkerton in »Madame Butterfly«, den Don José in »Carmen«, den Cavaradossi in »Tosca« und den Hoffmann in »Hoffmanns Erzählungen«. Bei Gastspielen der Mailänder Scala sang er 1956 an der Wiener Staatsoper und in Berlin sangden Edgardo in »Lucia di Lammermoor« und in Johannesburg (Südafrika) den Nemorino.. An der Mailänder Scala, an der er immer wieder auftrat, wirkte er am 23.3.1961 in der Uraufführung der Oper »Il Calzare d’argento« von I. Pizzetti in der Partie des Giuliano mit. An der Scala hörte man ihn 1956-61, 1964, 1967 und 1971-72 u.a. als Canio im »Bajazzo«, als Werther von Massenet, als Radames in »Aida«, als des Grieux in »Manon Lescaut« von Puccini, als Alvaro in »La forza del destino«, als Osaka in »Iris« von Mascagni, als Nemorino, als Riccardo in Verdis »Un ballo in maschera«, als Maurizio in »Adriana Lecouvreur« von Cilea, als Pinkerton, als Cavaradossi, als Kalaf in Puccinis »Turandot«, als Rodolfo in »La Bohème«, als Hans in Smetanas »Die verkaufte Braut«, als Don José, als Rienzi von Wagner und als Nerone in Monteverdis »L‘Incoronazione di Poppea«. Seit 1954 trat er als Gast an der Chicago Opera auf, in den Festspielsommern 1950-51, 1954, 1956-57, 1962 und nochmals 1985 bei den Festspielen in der Arena von Verona, wo er vor allem 1950 als Nadir in »Les pêcheurs de perles« von Bizet sehr erfolgreich war. Dazu ging er einer Gastspiel- und Konzerttätigkeit in aller Welt nach. Gastspiele an der Grand Opéra Paris (1954 als Faust von Gounod), an der Covent Garden Oper London (1961), beim Edinburgh Festival (1957 als Memorino bei einem Gastspiel der Mailänder Scala), San Francisco (1950 als Rodolfo in »La Bohème« und als Edgardo), Los Angeles (1950 als Rodolfo in »La Bohème«, als Edgardo und als Herzog in  »Rigoletto«), Mexico City, Buenos Aires, Rio de Janeiro und Johannesburg. An der Wiener Staatsoper hatte er 1957-66 in insgesamt 84 Vorstellungen seine großen Erfolge als des Grieux in »Manon Lescaut« von Puccini, als Don José, als Cavardossi, als Radames, als Herzog in »Rigoletto«, als Riccardo in Verdis »Maskenball«, als Rodolfo in »La Bohème«, als Alfredo, als Alvaro, als Pinkerton, als Kalaf, als Andrea Chénier von Giordano und als Canio. Er war auf der Bühne wie auf der Schallplatte der bevorzugte Partner der großen Primadonna assoluta Maria Callas. 1966 hatte er in Berlin in der Lehár-Operette »Das Land des Lächelns« glänzende Erfolge. 1973 unternahm er eine große Konzert-Tournee zusammen mit Maria Callas, die aber 1974 abgebrochen wurde. Noch in den Jahren um 1990 ist er in Operetten (u.a. bei den Festspielen von Mörbisch am Neusiedler See) aufgetreten, 1992 sang er bei den Festspielen in den römischen Thermen des Caracalla den Kaiser in Puccinis »Turandot«. Er starb 2008 in Santa Maria Hoè bei Mailand.

Allgemein galt er als einer der bedeutendsten italienischen Tenöre seiner Generation. Hell timbrierte, ausdrucksreiche Stimme, die ihr Bestes in den großen Partien des italienischen Repertoires gab, auch als Interpret des italienischen Liedes geschätzt. Man rühmte den lyrischen Vortrag, vor allem sein fein nuanciertes Piano. Zu Beginn seiner Karriere bis Mitte der fünfziger Jahre sang er lyrische Rollen wie den Elvino in »La Sonnambula« und die Titelrolle in Mascagnis »L’Amico Fritz«, seit 1954 fügte er schwerere dramatische Partien in sein ursprünglich mehr lyrisches Repertoire ein wie den Turiddu in »Cavalleria rusticana«.

Lit. R. Celletti & R. Vegeto: Giuseppe di Stefano (in »Le grandi Voci«, Rom 1964); H. Eggen: »Giuseppe di Stefano« (Berlin, 1967); Pasi, Landini & Nocerai: Omaggio di Stefano.

Sehr viele Schallplatten der Marken HMV, Decca (u.a. vollständige Oper »L’Elisir d’amore«), RCA (»La Gioconda«, »La forza del destino«), DGG (»Lucia di Lammermoor«), Columbia (hier sehr viele vollständige Opern als Partner von Maria Callas, u.a. »Lucia di Lammermoor«, »Cavalleria rusticana«, »Bajazzo«, »La Bohème«, »Madame Butterfly«, »Manon Lescaut«, »Un ballo in maschera«, »La Traviata«, »Rigoletto«, »Tosca«, »I Puritani«), Rococo (hier u.a. im »Rienzi« von R. Wagner), Cetra Opera Live (»Il barbiere di Siviglia« mit Lily Pons, »Werther«, »Iris« von Mascagni, »Carmen«), Morgan (»Turandot« mit Birgit Nilsson, »Faust« von Gounod), CLS (»Tosca« mit Renata Tebaldi), HRE (»Luisa Miller«, »Manon« von Massenet), Melodram (»Tosca«, »La forza del destino«), Preiser (»Das Land des Lächelns«), Koch/Schwann (»Das Land des Lächelns« von Fr. Lehár), Gebhardt Records (Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas, Mexico City 1949), Naxos (Alfredo in »La Traviata«, Metropolitan Oper New York 1949). Erste Aufnahmen seiner Stimme kamen bereits während des Zweiten Weltkrieges in der Schweiz auf HMV heraus; er erscheint auf deren Etiketten als Giuseppe Difano.

 

24.7. Ventur SINGER: 125. Geburtstag

Ventur SINGER als Lohengrin

Als Lohengrin

Er studierte zunächst Medizin und Naturwissenschaften, besuchte dann das Lehrerseminar in Meersburg am Bodensee und war bis 1919 als Lehrer tätig. Dann erfolgte die Ausbildung seiner Stimme in Karlsruhe. Er begann seine Bühnentätigkeit mit einem Engagement am Stadttheater von Heilbronn (1920-21), sang dann am Landestheater von Altenburg in Thüringen (1921-22), am Stadttheater (Opernhaus) von Zürich (1922-25) und 1925-30 am Opernhaus von Köln. Hier trat er hauptsächlich im italienischen Fach, dann aber zunehmend in Wagner-Partien, auf; 1926 wirkte er in Köln in der Uraufführung der Oper »Die Opferung des Gefangenen« von Egon Wellesz mit. 1928 gastierte er mit dem Ensemble der Kölner Oper als Sextus in »Julius Caesar« von Händel an der Wiener Staatsoper. 1930-35 war er am Opernhaus von Breslau engagiert, 1935-36 am Stadttheater von Chemnitz, dann 1936-39 an der Stuttgarter Staatsoper, wo er die schweren Wagner-Heroen, vor allem den Siegfried, sang. 1939-43 kam seine Bühnenkarriere am Stadttheater von Stettin zum Ausklang. Er lebte später in Freiburg i. Br. Hatte er mit lyrischen Partien wie dem Grafen Almaviva im »Barbier von Sevilla«, dem Tamino in der »Zauberflöte«, dem Ernesto im »Don Pasquale« und dem Nureddin im »Barbier von Bagdad« begonnen, so ging er in einen zweiten Abschnitt seiner Karriere in das jugendlich-heldische Fach über und sang jetzt den Erik in »Der fliegende Holländer«, den Parsifal, den Titelhelden in »Hoffmanns Erzählungen« und den Turiddu in »Cavalleria rusticana«. Schließlich übernahm er schwere heldische Rollen, darunter den Tannhäuser, den Siegfried, den Radames in »Aida«, den Bacchus in »Ariadne auf Naxos« bis hin zu Charakterpartien (Loge im »Rheingold«, Ägisth in »Elektra« von R. Strauss). Ergänzend sind aus seinem ungewöhnlich vielgestaltigen Repertoire noch der Pylades in Glucks »Iphigenie auf Tauris«, der Don José in »Carmen«, der Cassio in Verdis »Otello«, der Manuel in »Don Gil von den grünen Hosen« von W. Braunfels, der Titelheld in »Marouf« von H. Rabaud, der Galba in »Die toten Augen« von E. d’Albert, der Hüon im »Oberon« von Weber, der Alvaro in Verdis »La forza del destino«, der Matthias im »Evangelimann« von Kienzl und der Claudio im »Liebesverbot« von R. Wagner zu nennen.

 

25.7. Liselotte BECKER-EGNER: 85. Geburtstag

Liselotte BECKER-EGNER als Butterfly

 Sie begann ihre Sängerlaufbahn am Stadttheater von Augsburg, wo sie 1950-54 als Choristin engagiert war und 1954-56 als Solistin wirkte. 1956-60 war sie am Landestheater von Coburg verpflichtet; hier übernahm sie anfänglich Soubrettenrollen, später dann lyrische Partien wie die Pamina in der »Zauberflöte«, die Elsa im »Lohengrin« und die Gretel in der »Zaubergeige« von W. Egk. 1960 wurde sie an die Staatsoper von Stuttgart berufen. Dort hatte sie in einer großen Zahl von Partien ihre Erfolge, namentlich als Despina in »Così fan tutte«, als Ännchen im »Freischütz«, als Adele in der »Fledermaus« und in vielen anderen Rollen. Sie gastierte an führenden Opernhäusern in Deutschland wie im Ausland und war zugleich eine hoch geschätzte Konzertsopranistin. Ihre Gastspiele fanden an der Staatsoper von Wien (1966-70 als Konstanze wie als Blondchen in der »Entführung aus dem Serail« und als italienische Sängerin im »Capriccio« von R. Strauss) und am Opernhaus von Gent (seit 1970) statt; sie wirkte auch beim Holland Festival mit, 1965 hörte man sie am Stadttheater von Aachen als Konstanze. Bis 1972 blieb sie Mitglied der Stuttgarter Staatsoper, war dann noch bis 1977 als Gast dem Stadttheater von Augsburg verbunden und trat bis 1980 noch als Konzertsängerin auf. Sie unterrichtete dann als Pädagogin in Stuttgart, seit 1981 am Konservatorium von Augsburg. Sie starb 2015 in Augsburg.

Schallplatten: DGG, Eurodisc (Blondchen in einem Querschnitt durch Mozarts »Entführung aus dem Serail«), Electrola (geistliche Musik), Westminster (Nibelungenring).

 

25.7. George MARAN: 90. Geburtstag

George Maran

 Er entstammte der ältesten nordamerikanischen Geigenbauer-Familie. Mit sieben Jahren gewann er einen Preis als Knabensopran. Er sang in seiner Jugend in Kirchenchören an der amerikanischen Ostküste und studierte dann bei Ruth Streeter in Boston. Nach Beendigung seiner Studien an der Harvard Universität wurde er Schüler von Merle Alcock in New York. Zuerst trat er in den USA als Konzert- und Rundfunksänger in Erscheinung. 1951 verlegte er seine Tätigkeit nach Salzburg und wurde ständiger Solist am Salzburger Dom. Seit 1952 wirkte er bis 1971 jeden Sommer bei den Salzburger Festspielen mit, hauptsächlich als Solist in geistlichen Musikwerken von Mozart. 1956 unternahm er mit der Salzburger Operntruppe eine Europa-Tournee mit der Oper »La finta semplice« von Mozart unter der Leitung von Bernhard Paumgartner, nachdem er 1956 in Salzburg den Fracasso in dieser Oper gesungen hatte. 1956 wurde er an das Staatstheater von Darmstadt verpflichtet. Hier debütierte er in »La clemenza di Tito« von Mozart und blieb für vierzig Jahre bis 1996 ein beliebtes Mitglied dieses Hauses. 1991 wurde er zu dessen Ehrenmitglied ernannt. 1970 hatte er dort einen besonderen Erfolg als Nerone in Monteverdis »L’Incoronazione di Poppea«.1983 bewunderte man in Darmstadt seinen Idomeneo in der Oper gleichen Namens von Mozart. Im gleichen Jahr wirkte er dort in der Uraufführung der Oper »Die Fastnachtsbeichte« von Giselher Klebe mit. Durch Benjamin Britten wurde er zu den Festspielen von Aldeburgh eingeladen; hier sang er 1959 in »The Rape of Lucretia« und am 11.6.1960 in der Uraufführung von »A Midsummer Night’s Dream« von Benjamin Britten. Er wurde als bedeutender Oratorientenor durch Auftritte in Deutschland, England, Österreich und in anderen europäischen Ländern bekannt. Er starb 2011 in Darmstadt.

Schallplatten: Philips (Mozart-Aufnahmen aus Salzburg, darunter »La finta semplice«), Decca (»Messias« unter Sir Adrian Boult, »Elias« von Mendelssohn unter J. Krips).

 

25.7. Karl GRISA: 175. Geburtstag

 Der Künstler, der mit seinem eigentlichen Namen Karl Gries hieß, begann seine Bühnenlaufbahn in der Spielzeit 1864-65 am Stadttheater von Ulm. 1865-66 sang er am Stadttheater von Chemnitz, 1866-67 am Stadttheater von Heidelberg, 1867-68 am Hoftheater von Sondershausen (Thüringen), 1868-69 am Hoftheater von Dessau, 1869-70 am Stadttheater von Danzig, 1870-71 am Opernhaus von Düsseldorf, 1871-73 am Stadttheater von Freiburg i. Br., 1873-75 am Hoftheater von Wiesbaden, 1875-76 am Stadttheater von Straßburg, 1876-77 am Deutschen Theater Prag, 1877-78 am Stadttheater von Basel, 1878-79 am Stadttheater von Nürnberg. Er lebte dann in Kassel, gab noch Gastspiele und war 1880-81 nochmals am Deutschen Opernhaus in Amsterdam engagiert. Er trat als Gast u.a. an der Berliner Kroll-Oper (1875), an den Hoftheatern von Stuttgart (1876) und Mannheim auf. Erst 1886 beendete er seine Karriere. Dabei standen im Vordergrund seines umfangreichen Bühnenrepertoires heldische und Wagner-Partien wie der Tannhäuser, der Lohengrin, der Raoul in den »Hugenotten« von Meyerbeer und der Eleazar in »La Juive« von Halévy. Er starb 1897 in Berlin.

 

26.7. Anna MASETTI-BASSI: 125. Geburtstag

 Gesangstudium bei Tengalia und Vezzani in Bologna. Sie debütierte 1919 in Faenza als Madelon in »Andrea Chénier« von Giordano. Erste Erfolge hatte sie am Teatro Comunale Bologna zu verzeichnen, wo sie 1920 in der 9. Sinfonie von Beethoven, 1921 die Madelon und in der Uraufführung der Oper »Nemici« von O. Guerrini, 1923 die Meg Page in Verdis »Falstaff« und die Smaragda in »Francesca da Rimini« von R. Zandonai sang, und an der Oper von Kairo, an der sie 1923 in »La Damnation de Faust« von Berlioz, in Bellinis »Norma« und im »Tannhäuser« auftrat. An der Mailänder Scala trat sie 1922 als Suor Badessa in »Suor Angelica« von Puccini, 1924-25 als Fjodor im »Boris Godunow«, als Madelon und als Afra in »La Wally« von Catalani auf. 1928 Gastspiel am Opernhaus auf Malta. 1931-32 unternahm sie eine große Südafrika-Tournee. 1934-35 gastierte sie am Teatro Regio Turin u.a. als Romeo in Bellinis »I Capuleti e i Montecchi« mit Adelaide Saraceni als Giulietta. Am Teatro Regio Turin hörte man sie auch als Mignon von A. Thomas und als Laura in »La Gioconda« von Ponchielli, am Teatro Massimo Palermo als Eboli in Verdis »Don Carlos«, am Teatro Comunale Florenz 1929 als Preziosilla in »La forza del destino«. 1922, 1936 und 1938 trat sie am Teatro Carlo Felice Genua auf. 1936 wirkte sie in Genua in der italienischen Erstaufführung der Richard Strauss-Oper »Arabella« unter der Leitung des Komponisten mit. 1944 nahm sie von der Bühne Abschied und betätigte sich jetzt als Pädagogin in Mailand. Die Künstlerin gestaltete auf der Bühne neben vielen mittleren und kleineren Partien gerne Travestierollen wie den Hänsel in »Hänsel und Gretel«, den Frédéric in »Mignon« von A. Thomas und den Siebel im »Faust« von Gounod. Sie starb 1978 in Mailand.

Sie sang um 1930 auf Columbia in mehreren vollständigen Opern, u.a. in »Manon Lescaut« von Puccini, im »Rigoletto« (die Maddalena) und in Giordanos »Andrea Chénier« (hier sowohl die Madelon als auch die Gräfin).

 

27.7. Delia WALLIS. 70. Geburtstag

 Delia WALLIS

Sie begann 1962 ihr Gesangstudium an der Royal Guildhall School in London. Dort erregte sie bereits 1965 Aufsehen, als sie in Opernaufführungen der Studenten mitwirkte. 1968 erfolgte ihr offizielles Debüt als Annio in Mozarts »La clemenza di Tito« beim Wexford Festival. 1969 wurde sie in die Welsh Opera Company aufgenommen, wo sie als Flora in »La Traviata« ihr Debüt gab. Sie hatte dort bedeutende Erfolge als Hänsel in »Hänsel und Gretel« von Humperdinck wie als Cherubino in »Le nozze di Figaro«. 1970 sang sie erstmals an der Londoner Covent Garden Oper. Bei den Festspielen von Glyndebourne wirkte sie 1971 als Cathleen Sweeney in »The Rising of the Moon« von Nicholas Maw, 1971-72 als Komponist in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss und 1976 als Cherubino mit; bei der Glyndebourne Touring Opera sang sie 1971 den Komponisten in »Ariadne auf Naxos« und 1972 die Diana in Cavallis »La Calisto«; die letztgenannte Partie sang sie auch bei Gastspielen 1972 beim Flandern Festival und 1973 in Kopenhagen. Seit 1973 wichtige Erfolge an der Hamburger Staatsoper. 1992 gastierte sie in Los Angeles als Florence Pike in »Albert Herring« von Benjamin Britten, 1995 als Geneviève in »Pelléas et Mélisande«. Sie war verheiratet mit dem kanadischen Geiger Gerald Jarvis (1930-96). Sie starb 2009 in Fredonia (NY).

Schallplatten: HMV (Madrigalist in »Manon Lescaut« von Puccini, Pantalis in »Mefistofele« von Boito).

 

27.7. Johannes FRITSCH: 75. Geburtstag

Er studierte 1961-65 an der Universität und der Hochschule für Musik und Tanz Köln in Köln die Fächer Musik, Soziologie und Philosophie unter anderem bei Bernd Alois Zimmermann. In den Folgejahren wandte er sich unterschiedlichsten musikalischen Aktivitäten zu, unter anderem arbeitete er als Bratschist mit dem Stockhausen-Ensemble und nahm für Deutschland an der Weltausstellung in Osaka teil. Am 8. Februar 1963 hat er teilgenommen an der Bonner Bühne für sinnliche Wahrnehmung – KONZIL mit „BEWEGUNGEN II 24′ 1963“. 1966 erhielt Fritsch den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Musik und 1971 den Preis der Biennale Paris. Seit den 1970er Jahren folgten weitere Preise wie der Förderpreis der Stadt Köln oder der Robert-Schumann-Preis der Stadt Düsseldorf.

Fritsch hat Musik für alle großen und bekannten Theater in Deutschland geschrieben. Außerdem war Fritsch 1970 einer der Gründer des Feedback Studio Köln (gemeinsam mit Rolf Gehlhaar und David Johnson) und war seit 1975 im Feedback Studio Verlag – Erster Deutscher Komponistenverlag als Hauptakteur tätig: Er war Produzent von Compact Discs, Herausgeber der Feedback Studio Papers, einer der elektronischen Musik gewidmeten Zeitschrift, Verleger von Partituren zeitgenössischer Musik und Konzertveranstalter. In den Jahren 1979, 1982, 1984 und 1986 war er mit Peter Ausländer und dem WDR Veranstalter der Weltmusik-Kongresse in Vlotho. Während der Studentenproteste 1968 hatte Fritsch mit seiner Collage-Komposition Modulation IV gegen den Vietnamkrieg Stellung bezogen.

Zu seinen Kompositionsschülern zählten ästhetisch so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Georg Hajdu, hans w. koch, Siegfried Koepf, Harald Muenz, Oxana Omelchuk, Marcus Schmickler, Volker Staub und Caspar Johannes Walter. Fritsch wirkte auch als Dozent bei den Darmstädter Frühjahrstagungen und war Gründungsvorstand der Kölner Gesellschaft für Neue Musik sowie langjähriges Beiratsmitglied der Kölner Kunst-Station Sankt Peter. Kurz vor seinem Tod erschienen seine Schriften, Vorträge, Interviews und Werkkommentare in dem Sammelband Über den Inhalt von Musik. Er starb 2010 in Bonn.

 

27.7. Francesco PERSONI: 200. Geburtstag

 Er debütierte 1840 am Opernhaus von Brescia, wohl bei einem Gastspiel, in »Il Furioso nell‘ Isola di San Domingo« von Donizetti und im »Barbier von Sevilla« von Rossini. Er kam anschließend zu einer erfolgreichen Karriere, die ihn u.a. an Theater in Mailand und Padua, in Florenz und Turin führte. Er ging dann für längere Zeit nach Holland und trat hier vor allem in Amsterdam und Utrecht in Opern wie »I Normanni a Parigi« von S. Mercadante, »Roberto Devereux« von Donizetti, »Chiara di Rosembergh« von Luigi Ricci und »Otello« von Rossini auf. Gastspiele führten ihn auch an Opernhäuser in Frankreich und Belgien, in England und Deutschland. Nach Italien zurückgekehrt, nahm er 1866 eine Stellung als Pädagoge am Instituto Musicale Venturi in Brescia an, die er bis 1883 bekleidete. Seit 1875 war er bis zu seinem Tod 1900 Direktor der Capella des Doms von Brescia, wo er auch noch gelegentlich als Solist auftrat.

 

27.7. François-Hippolyte BARTHÉLEMON: 275. Geburtstag

 Biographie des französischen Komponisten auf Englisch: https://en.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois-Hippolyte_Barth%C3%A9l%C3%A9mon

 

28.7. Rosina RAISBECK: 100. Geburtstag

Rosina RAISBECK

 Die Künstlerin, deren Großmutter in Italien als Sängerin aufgetreten war, verzog als Kind mit ihren Eltern nach Newcastle (New South Wales). 1942 begann sie ihre Ausbildung am New South Wales Conservatory in Sydney. 1944 trat sie bei einer Operntruppe in Sydney in »Hoffmanns Erzählungen« von Offenbach auf und sang in der Oper »The Pearl Tree« von Edgar Bainton. Sie erschien in den folgenden drei Jahren oft in Konzertveranstaltungen und gewann 1947 einen Gesangconcours in Sydney. Durch eine Neuseeland-Tournee stellte sie die finanziellen Mittel für eine Reise nach England sicher, die sie 1946 zusammen mit ihrem Gatten James Laurie unternahm. 1947 debütierte sie als Mezzosopran an der Covent Garden Oper London in der Rolle der Maddalena im »Rigoletto«. Dann wurde ihre Stimme durch den großen Tenor und Pädagogen Dino Borgioli zum dramatischen Sopran umgeschult. Im Februar 1950 sang sie als erste Sopranpartie an der Covent Garden Oper die Ortrud im »Lohengrin«, dann die Senta in »Der fliegende Holländer«, die Leonore im »Troubadour« und die Amneris in »Aida«. Bis 1953 war sie der Covent Garden Oper vertraglich verbunden. 1954 nahm sie an einer Gastspiel-Tournee der Italian Grand Opera Company durch Australien teil. 1958 gastierte sie bei der Sadler’s Wells Oper London als Senta, als Elisabeth im »Tannhäuser«, als Kabanicha in »Katja Kabanowa« von Janácek und 1959 in der englischen Erstaufführung von Dallapiccolas »Il Prigioniero«. 1962 kam sie wieder in ihre australische Heimat zurück, trat dort noch bis 1981 sehr erfolgreich an der Australian Opera in Sydney sowie in Musicals auf und erschien in Radio- und Fernsehsendungen. Sie starb 2006 in Sydney.

Schallplatten: Columbia (»A Mass of Life« von E. Elgar).

 

28.7. Franklin KELSEY: 125. Geburtstag

 Er wollte ursprünglich Marineoffizier werden und kam erst 1923 zum Gesangstudium, das bei Maurice Noufflaret und später bei dem berühmten Marcel Journet (1931) in Paris stattfand. 1925-26 war er als erster Bassist bei der British National Opera Company engagiert, 1930-34 bei der Sadler’s Wells Opera London. Er trat 1925-29 und nochmals 1936 an der Londoner Covent Garden in kleineren Rollen auf. Seit 1925 hatte er bis 1940 eine große Karriere beim englischen Rundfunk, wobei er ein vielseitiges Repertoire zum Vortrag brachte. 1946 wurde er Dozent an der Universität von Swansea, 1949 an der Cardiff University, gleichzeitig betätigte er sich in London im pädagogischen Bereich. Bedeutende Leistungen auch als Schriftsteller, und zwar als Musikkritiker, bei den großen englischen Tageszeitungen wie als Pädagoge (»The Foundations of Singing«, 1950). Er verfasste auch spannende Abenteuergeschichten für Kinder.

Schallplattenaufnahmen bei Columbia, darunter Duette mit Rosina Buckman.

 

29.7. Richard Van VROOMAN: 80. Geburtstag

 Er begann seine Ausbildung am Konservatorium von Kansas City und konnte sie mit Hilfe eines Fulbright Stipendiums in Europa fortsetzen. Hier war er Schüler des Salzburger Mozarteums, von Max Lorenz und von Enzo Mascherini in Mailand. Bei den Bregenzer Festspielen sang er bereits 1961 das Tenorsolo im »Buch mit sieben Siegeln« von Franz Schmidt. 1962-64 war er an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf-Duisburg engagiert, 1965 wirkte er am Landestheater von Linz/Donau in der Uraufführung der Oper »Der Kardinal« von H. Eder mit. Erfolgreiche Karriere in Deutschland, in Österreich und vor allem in der Schweiz, wo er 1964-78 als erster lyrischer Tenor am Opernhaus von Zürich wirkte. Hier nahm er an einer Anzahl von Opern-Erstaufführungen für die Schweiz  teil: »Die Liebe zu den drei Ornagen« von S. Prokofieff (1965-66 als Truffaldino), »König Hirsch« von H.W. Henze (1969 als Checco, Dirigent: der Komponist), »Bomarza« von A. Ginastera (1970-71 als Nicolas Orsini), »Agrippina« von G. Fr. Händel (1970-71 als Nerone), »Ein Stern geht auf aus Jakob« von Paul Bukhard (1972-73 als Thiras, Dirigent: der Komponist), »La fedeltà premiata« von J. Haydn (1974-75 als Lindoro). Er trat bei den Festspielen von Salzburg (1964 als Haushofmeister bei der Marschallin im »Rosenkavalier«, 1964-65 als junger Diener in »Elektra« von R. Strauss, 1965 in einer konzertanten Aufführung von Mozarts »La Betulia Liberata« und 1967 als Fauno in »Ascanio in Alba« von Mozart) und Aix-en-Provence, an den Opernhäusern von Amsterdam und Brüssel, an den Opern von Frankfurt a.M., Hamburg, Rom, Genf (1967 als David in »Die Meistersinger von Nürnberg« und 1968 als Brighella in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss), Bordeaux, Marseille, an der Grand Opéra Paris und am Teatro San Carlos von Lissabon erfolgreich als Gast auf. 1968 sang er beim Glyndebourne Festival den Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«. 1975 gastierte er bei den Bregenzer Festspielen als Don Polidoro in Mozarts »La finta semplice«. Bedeutender Konzert- und Oratoriensolist, geschätzt auch als Interpret geistlicher Musik. Er starb 1990 in Liberty (Missouri). – Die rein lyrische, schön gebildete Stimme des Künstlers fand die ihr gemäßen Aufgaben vor allem in Opernwerken von Mozart, Rossini und Donizetti sowie in Opern der Barock- Epoche.

Schallplatten: CBS (Andres im »Wozzeck« von A. Berg), Philips (Requiem von Cimarosa), HMV (Salve Regina von J. Haydn, geistliche Musik von Mozart), Turandot (»Doktor und Apotheker« von Dittersdorf), Concert Hall, Fontana, Edition Schwann (Messen, »Davide penitente« von Mozart, »Acis and Galathea« von Händel).

 

29.7. Gerhard NATHGE: 100. Geburtstag

Er durchlief zunächst eine Ausbildung als Installateur, begann dann aber in seiner Heimatstadt Hamburg mit einem Gesangstudium. 1951 debütierte er am Theater von Flensburg, von wo er 1953 an das Opernhaus von Wuppertal wechselte. 1956 wurde er an das Opernhaus von Köln verpflichtet; hier sang er bei der Eröffnung des neuen Opernhauses 1957 die Titelrolle im »Oberon« von Weber und im gleichen Jahr in der Uraufführung der Oper »Bluthochzeit« von Wolfgang Fortner die Partie des Mondes. 1959 wurde er an das Theater von Saarbrücken berufen, dessen Mitglied er bis zu seinem Bühnenabschied 1978 blieb. Hier baute er sein ursprünglich lyrisches Repertoire (Fenton in Nicolais »Die lustigen Weiber von Windsor«, Faust von Gounod, italienischer Sänger im »Rosenkavalier«) bis hin in den Bereich des Heldentenors aus und so zählte auch der Florestan im »Fidelio«, der Erik in »Der fliegende Holländer«, der Lohengrin, der Tannhäuser, der Siegfried im Nibelungenring, der Tristan, der Parsifal, der Pedro in »Tiefland« von E. d’Albert, der Bacchus in »Ariadne auf Naxos« von R. Strauss, der Otello von Verdi und der Canio im »Bajazzo« zu seinen großen Bühnenpartien. Gegen Ende seiner Kartiere übernahm er dann auch Aufgaben aus dem Charakterfach wie den Ägisth in »Elektra« von R. Strauss, den Hauptmann im »Wozzeck« von A. Berg und den Schuiskij im »Boris Godunow«. Gastspiele, vor allem in seinen Wagner-Partien, führten ihn an deutsche Theater, aber auch nach Frankreich und Italien. Er starb im Juli 1993.

 

29.7. Alfons ECCARIUS: 125. Geburtstag

Er lernte zuerst das Buchbinderhandwerk, dann Gesangstudium in Genf und Dresden sowie bei Flam in Berlin. Er sang als Anfänger an der Staatsoper von Dresden, dann an Berliner Operettentheatern. 1924-27 am Landestheater Gera (Thüringen), anschließend 1927-29 in Nürnberg und 1929-32 in Königsberg (Ostpreußen) verpflichtet. In Königsberg nahm er 1930 an der Uraufführung der Oper »Der Fächer« von Ernst Toch teil. 1932-34 lebte er gastierend in Berlin, wo er u.a. als Operettensänger am Plaza-Theater auftrat. 1934-39 wirkte er am Stadttheater von Aachen. 1937 Konzerttournee durch ganz Europa, wobei er vor allem als Liedersänger erfolgreich war. Er sang während des Zweiten Weltkrieges in Brünn (Brno), kam 1945 nach Gelsenkirchen und gastierte von dort aus in Dresden (1947), Düsseldorf und Duisburg. 1946-48 bestand nochmals ein Engagement am Stadttheater von Koblenz. Im Mittelpunkt seines Repertoires standen die mehr zum lyrischen Fach tendierenden Partien: der Wolfram im »Tannhäuser«, der Germont-père in »La Traviata«, der Valentin im »Faust« von Gounod, der Marcel in »La Bohème«, der Rigoletto und der Titelheld in »Figaros Hochzeit« von Mozart. Er starb 1967 in Gelsenkirchen.

Schöne elektrische Schallplattenaufnahmen auf Polydor.

 

30.7. Juri Alexandrowitsch FALIK: 80. Geburtstag

Er studierte 1955-64 am Leningrader Konservatorium und erhielt 1962 den 1. Preis beim Internationalen Cellowettbewerb im Rahmen der VIII. Weltfestspiele in Helsinki. Daneben entstanden bereits Kompositionen, an denen sich neben seinen musikalischen Vorbildern Strawinsky, Prokofjew und Schostakowitsch der Einfluss seines Lehrers Arpows zeigte. Die ab 1968 entstandenen Werke werden als gereift und von den Vorbildern gelöst beschrieben. Falik war Professor am Sankt Petersburger Konservatorium und trat in Russland und dem Ausland als Dirigent auf. Er starb 2009 in Sankt Petersburg.

 

31.7. Vjekoslav ŠUTEJ: 65. Geburtstag

Er wuchs in einem musikalischen Elternhaus auf. Seine Eltern waren beide Sänger an der Kroatischen Nationaloper in Zagreb. Er studierte an der Musikhochschule Zagreb bei Igor Gjadrev. Weitere Studien führten ihn nach Rom zu Franco Ferrara. Šutej war 1979-89 Künstlerischer Leiter und Chefdirigent des Kroatischen Nationaltheaters in Split. 1986-90 war er Künstlerischer Leiter des Hollybush-Festivals in New Jersey. In dieser Zeit begann auch seine internationale Karriere. 1990-93 war er Musikalischer Direktor am Teatro La Fenice in Venedig, wo er unter anderem Neueinstudierungen der Opern Rigoletto und Eugen Onegin leitete. 1992-97 war er Musikdirektor an der Houston Grand Opera in Houston. In dieser Zeit leitete er insgesamt 133 Vorstellungen, davon 19 Neueinstudierungen, unter anderem La Bohème, Andrea Chénier, Aida, Lucia di Lammermoor, La Traviata, Boris Godunow und Ariadne auf Naxos. In den 1990er Jahren arbeitete er häufig in Spanien. Er gründete das Real Orquesta Simfonica de Sevilla und war 1990-96 dessen Künstlerischer Leiter und Chefdirigent. Er war außerdem Mitglied der spanischen Kunstakademie, der Real Accademia de Bellas Artes. Seit 1993 dirigierte er regelmäßig an der Wiener Staatsoper und gehörte zu den ständigen Gastdirigenten. Er debütierte dort 1993 mit der Neueinstudierung der Oper Pique Dame von Tschaikowsky. In der Saison 2001/02 leitete er die Eröffnungsvorstellung Don Carlo von Giuseppe Verdi mit Neil Shicoff in der Titelrolle, die live in Form des Public Viewing in Wien und Graz übertragen wurde. Zuletzt dirigierte er an der Wiener Staatsoper im April 2007 eine Vorstellung von Puccinis Tosca. Insgesamt leitete er im Haus am Ring 129 Aufführungen von 17 verschiedenen Werken der Opernliteratur, darunter u.a. La Bohème, La Traviata, Madama Butterfly und Die Jüdin. 2002-05 war er Leiter des Sommer-Musikfestivals in Dubrovnik. Seit 2003 war er bis zu seinem Tode Musikalischer Leiter und Chefdirigent der Zagreber Philharmonie (Zagreb Philharmonic Orchestra) und Professor an der Musikhochschule in Zagreb. Gastspiele führten ihn nach Moskau und Prag, nach Mexiko Stadt und nach Seattle. In Frankfurt dirigierte er 1991 das Neujahrskonzert in der Frankfurter Oper. Er dirigierte an der Oper von Monte Carlo und in der Arena di Verona. Mehrfach leitete er in Wien die Konzertveranstaltung Christmas in Vienna. Häufig arbeitete er bei Konzerten mit den Tenören José Carreras, Plácido Domingo und Ramon Vargas zusammen. Vjekoslav Šutej starb nach langer, schwerer Krankheit im Dezember 2009 in Zagreb an den Folgen einer Krebserkrankung. Im Jahr 2008 war bei ihm Leukämie festgestellt worden. Mehrere Knochenmarkstransplantationen in Seattle und Zagreb blieben erfolglos.

 

31.7. Ivan REBROFF: 85. Geburtstag

Ivan_Rebroff

 Gesangstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Hamburg. Er trat in den Chor der Schwarzmeerkosaken ein, mit dem er ausgedehnte Tourneen unternahm. Nachdem er den ersten Preis bei einem Gesangwettbewerb in München davongetragen hatte, begann er eine Karriere als Opernsänger an den Opernhäusern von Gelsenkirchen (1960-63) und Frankfurt a.M. (1963-69). Er gab diese Laufbahn jedoch zugunsten einer Betätigung auf den Gebieten des Musicals, der Operette und vor allem des Showgeschäfts auf. Der große Durchbruch kam, als er 1969 in Paris in dem Musical »Anatevka« von Bock auftrat. Jetzt schloss sich eine glanzvolle Karriere an, die sich mehr und mehr dem Bereich der Unterhaltungsmusik zuneigte. Der Künstler wirkte in zahllosen Fernsehsendungen, Schallplatten- und Filmaufnahmen mit und unternahm ausgedehnte Tourneen, die ihn durch Europa, Nordamerika und in viele andere überseeische Länder führten. Er trat in erster Linie als Interpret russischer Folklore hervor, wozu ihn sein tiefer Bass prädestinierte, obwohl er nicht russischer Herkunft war. Er starb 2008 in Frankfurt a.M.

Unter den vielen Schallplattenaufnahmen des Künstlers existiert auf Electrola-HMV eine vollständige »Carmen«-Aufnahme von 1961 mit ihm in der Partie des Zuniga; dabei gehörten zu seinen Partnern Christa Ludwig und Rudolf Schock. Auf DGG sang er den Orlofsky in einer Aufnahme der »Fledermaus« (1976), auf CBS Ausschnitte aus »Boris Godunow«, auf Elisor Opernszenen, auf Intercord Lieder russischer Komponisten. Dazu existieren seine Unterhaltungslieder in Schallplattenaufnahmen, deren Auflagen zum Teil Millionenhöhe erreichten (»Kosaken müssen reiten« usw.).

 

31.7. Sofia BANDIN: 100. Geburtstag

Sofia BANDIN

 Sie erhielt ihre Gesangsausbildung in Buenos Aires. Dort debütierte sie auch 1945 am Teatro Colón als Saffi im »Zigeunerbaron« von J. Strauß und konnte an diesem Haus in den folgenden zwanzig Jahren eine Karriere entwickeln, die sie zu einer der führenden Sängerinnen in Argentinien werden ließ. Sie trat vor allem im italienischen Repertoire auf und kam in Partien wie der Aida, der Leonore in Verdis »La forza del destino«, der Mimi in »La Bohème«, der Butterfly, der Tosca, der Manon Lescaut in Puccinis gleichnamiger Oper und der Giorgetta in dessen »Il Tabarro« zu großen Erfolgen. 1956 wirkte sie in der Uraufführung der Oper »Bodas de sangre« von Juan José Castro mit, 1959 sang sie in dem dramatischen Monolog »Erwartung« von Schönberg. Sie dehnte dann ihre Tätigkeit auch auf Europa aus, gastierte 1962 am Teatro Liceu Barcelona. 1963 sang sie am Teatro Massimo Cagliari, 1965 am Teatro Verdi Triest und 1966 am Teatro Comunale Modena. Seit 1963 trat sie dann auch wieder häufig am Teatro Colón Buenos Aires auf. Sie übernahm jetzt gern Partien in zeitgenössischen Opern wie die Magda Sorel in »The Consul« von Menotti, in Opern von R. Rossellini (»Un sguar do dal ponte«, »La Guerra«) und Alberto Ginastera (u.a. 1964 Florinda in der Uraufführung von »Don Rodrigo«), dazu auch Wagner-Rollen wie die Elsa im »Lohengrin« und die Gutrune in der »Götterdämmerung«. Neben ihrem Wirken auf der Opernbühne war sie als geschätzte Konzert- und Oratoriensolistin tätig. Sie starb im August 2007.

 

ERLÖSUNG

FilmCover  Erlösung 2

Ab 9. Juni 2016 in den österreichischen Kinos
ERLÖSUNG
Flaskepost fra P.  /  Dänemark, Schweden, Norwegen, Deutschland  /  2016
Regie: Hans Petter Moland
Mit: Nikolaj Lie Kaas,  Fares Fares, Pål Sverre Valheim Hagen u.a.

Wir sagen nach wie vor „Schweden-Krimi“, weil die Welle uns mit Mankell (und Wallander) erreicht hat, aber längst sind es alle Skandinavier, die den deutschen Buchmarkt mit ihren eigentümlichen, meist harten, realitätsnahen, oft grausamen Krimis bestücken. Etwa der Däne Jussi Adler-Olsen, der den Ermittler Carl Mørck erfunden hat, zuständig für ungelöste Kriminalfälle in Kopenhagen.

Der dritte Roman mit ihm ist nun auch schon (nach Erbarmen, 2013, und Schändung, 2014) der dritte Film mit ihm im Mittelpunkt geworden, und auch „Erlösung“ hat dieselben Darsteller am Polizeirevier. Nur der Regisseur hat gewechselt, was aber für den Zuschauer keinen Unterschied macht.

Da diese „europäischen“ Filme auch EU-Koproduktionen sind, hat fast ganz Skandinavien und Deutschland gemeinsam produziert, aber dass Teile des Films in Hamburg gedreht wurden, ist geschickt genug versteckt – man befindet sich in einem düsteren Dänemark.

„Düster“ ist überhaupt das Wort, mit denen man diese Filme beschreiben würde. Immer düster gelaunt ist Carl Mørck in Gestalt von Nikolaj Lie Kaas, menschlicher und lockerer ist sein Kollege Assad, gespielt von Fares Fares (Schwede mit libanesischen Vorfahren). Da es in diesem Film auch um Religion geht – vielmehr um den Missbrauch religiöser Bedürfnisse der Menschen durch Sekten -, gibt es zwischen dem Agnostiker Mørck und dem Moslem Assad auch einige, wenn auch eher undramatische Auseinandersetzungen, die dem Publikum – nicht allzu penetrant – verschiedene Standpunkte darlegen: Weil Glauben missbraucht wird, ist Glaube an sich nicht grundsätzlich schlecht…

Es beginnt, wie der dem Film zugrunde liegende Roman im Original heißt, mit einer Flaschenpost: Jahre alt, ein nie wirklich gelöstes Rätsel, aber offenbar der Hilfeschrei eines Kindes. Verschwundene Kinder gab es einige in den letzten Jahren, darum werden die Polizisten hellhörig, als man ihnen die Beobachtung berichtet, dass offenbar Kinder in ein Auto gezerrt wurden. Die ausfindig gemachten Eltern, die die Polizisten erst gar nicht bei der Türe hereinlassen wollen, erklären, ihre Kinder seien in Schweden bei Verwandten…

Das Bauernpaar Elias (Jacob Lohmann) und Rakel (Amanda Collin), er völlig abgeschottet, sie in Angst um die Kinder eher bereit, sich zu öffnen, führen nun den Zuschauer die Welt eines Sektenwesens, das mit brutaler Seelentyrannei über seine Mitglieder wacht. Details (und Namen) erfährt man nicht, es geht um das Grundsatzproblem.

Den Täter lernt man bald kennen – der blonde Schönling, der sich als Missionar ausgibt, ist  der hinreißende Norweger Pål Sverre Valheim Hagen – als Thor Heyerdahl in dem „Kon Tiki“-Film war er viel sympathischer… Was ihn treibt, Kinder zu entführen, in einem Bootshaus zu quälen und dann zu töten, wird in Rückblenden in eine eigene tragische Biographie einigermaßen geklärt. Warum er sich als „Teufel“ versteht und sich auf ein privates Duell mit Carl Mørck einlässt, den er in eine Falle lockt… das ist vielleicht zu sehr „Kino“ in einem Film, der sonst so hart an der Alltagsrealität bleibt.

Der neue Regisseur, der Norweger Hans Petter Moland, bleibt im Stil der Vorgänger-Filme, und das bedeutet, dass sie nicht nur wirklich spannend sind (etwa die Szene, wo der Täter eine ganze Polizeicrew austrickst, die ihn bei der Übergabe des Lösegelds für die entführten Kinder fassen will), sondern auch überaus brutal: Die Ermordung des Vaters der Kinder mit Hilfe einer Schere wird so nachdrücklich präsentiert, dass man sich vor Entsetzen im Kinosessel windet… Da weicht die „Krimi-Unterhaltung“, die es bei aller Düsternis ja doch noch sein soll, kurzzeitig dem real empfundenen Schock, wie grausam Menschen sein können.

Renate Wagner

LÜBECK: DIE ABENTEUER DES KÖNIGS PAUSOLE (Arthur Honneger) /ATTILA von G. Verdi)

Zwei begeisternde Premieren im Lübecker Theater

Von Horst Schinzel

DIE ABENTEUER DES KÖNIGS PAUSOLE von Arthur Honegger – am 21.5.2016

In Lübeck tobte am Wochenende der Bär. Zwischen dem Burgtor, dem Hafen und der Beckergrube wurde das Hanse Kultur Festival gefeiert. Das konnte zwar seine Herkunft von dem vor Jahren eingeschlagenen Altstadt-Fest nicht ganz verleugnen – es fehlten nur die Trödelstände – aber es lockte die Massen. Vor allem zu Musik und allerlei Kleinkunst.

Mitten darin das traditionsreiche Theater in der Beckergrube, das am Freitag und Sonnabend zu Premieren lud, die das jeweilige Publikum zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Einmal mehr zeigte das Haus weit über das Niveau eines gewöhnlichen Stadttheaters hinaus ragende Leistungen.

Eingeleitet wurde die Premierenfolge als – leider vorerst letzte- Zusammenarbeit mit der Musikhochschule mit der kaum bekannten Operette von Arthur Honegger (1896 – 1955) „Die Abenteuer des Königs Pausole“. Der Schweizer Komponist ist dem Musikfreund vor allem durch das Oratorium „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ bekannt. Seine drei Operetten sind längst vergessen. Das gilt auch für das 1930 uraufgeführte Werk, das jetzt in Lübeck über die Rampe der Kammerspiele gegangen ist. Eine wirre Geschichte von einem König (Stefan Kubach in einer köstlichen Charakterstudie), der 365 Frauen beschlafen muss und sich damit völlig überfordert fühlt. Und seine einzige Tochter Alina (Dorothee Bienert) verliebt sich ausgerechnet mit der als Mann auftretenden Tänzerin Mirabella (Milena Juhl) und brennt mit der durch.

Auf Empfehlung seines Ministers Taxis (Grzegorz Sobzak) reist der König ihr nach. Er trifft auf das bunte Personal seines Hofstaates und stellt fest: Die Zeit ist über ihn hinweggegangen. Er dankt ab. Der Page Giglio (Guillermo Valdés) soll Ordnung in den Laden bringen. Regisseur Michael Wallner führt die jungen Sängerinnen des Opern-Elitestudios und der Musikhochschule Franziska Buchner, Camilla Ostermann, Franziska Blass, Sandra Gerlach, Lena Langenbacher und Lisa Zihm in ihren schrillen und durch teils gewagte Kostüme betonten Rollen zu großartigen Leistungen. Die jungen Frauen können singen und spielen. Und dies in der minimalistischen Ausstattung von Tanja Liebermann. Das Projektorchester aus Musikern des Hauses und Studierenden der Musikhochschule bringt Honeggers Stilmix aus der Musik seiner Zeit klangvoll aus dem Graben.

Das Premierenpublikum war begeistert.

Weitere Aufführungen 23.Mai, 20 Uhr

VERDI: ATTILA – Premiere 21.5.2016Attila_01-011_m
Copyright: Olaf Malzahn

Einen ganz anderen Charakter hatte dann die zweite Premiere am Sonnabend mit Verdis selten gespielter Oper „Attila“. Die Lübecker Einstudierung durch Peter Konwitschny ist eine Übernahme seiner Arbeit aus dem Jahre 2013 am Theater an der Wien. Dort hatte seine Inszenierung einen soliden Skandal ausgelöst. Nicht so in Lübeck. Seine Auffassung von dem frühmittelalterlichen Geschehen um den vor Rom aufgetauchten Hunnen-König Attila stößt hier auf einhellige Begeisterung. Vielleicht vor allem, weil der Regisseur deutlich macht, dass es mit Friedensliebe nicht weit her ist: Alle prügeln auf einander ein. Und sei es mit Kochlöffeln und Schöpfkellen. Und selbst im Altersheim der letzten Szene sind die Protagonisten nicht zur Besinnung gekommen. Attila stirbt schließlich an Altersschwäche

Diese Ideen setzen in dem kargen Bühnenbild von Johannes Leiacker und der raffinierten Lichtgestaltung von Manfred Voss herausragende Sänger um. Die Rollen des Hunnenkönigs Attila, des römischen Feldherrn Ezio, der Odabella, deren Verlobter Foresto, Attilas Adjutanten Uldino und des Papstes Leone sind mit Ernesto Morillo, Gerard Quinn, Helena Dix, Alexander James Edwards, Hyungseok Lee und Seokhoon Moon großartig besetzt. Verdi hat seinen Sängern schwere Arien in die Kehlen geschrieben. Die kommen klangvoll über die Rampe. Großartig auch die von Jan-Michael Krüger einstudierten Chöre.

Etwas ungewöhnlich freilich der Bischof von Rom mit Zigarette und großkalibrigem Revolver. Ungereimt, dass Ezio vor offenem Vorhang stirbt und anschließend bei Attilas Gastmahl wieder auftritt. Wenn Odabella im Rollstuhl mit einer weißen Gitarre vom Frieden singt, sind Assoziationen gewollt. Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri führt das glänzend aufgelegte Philharmonische Orchester zu Verdi-gemäßer Größe.

Viel Szenenbeifall, zum Teil unangebrachtes Gelächter und tosender Schlussbeifall.

Horst Schinzel)

Weitere Aufführungen 26. Mai, 18 Uhr, 18. Juni, 19.30 Uhr.

 

ST. PETERSBURG: EINE WOCHE AM MARIINSKY-THEATER . ein Tagebuch vom 10.-17.April

Eine Woche am Mariinsky-Theater, St. Petersburg – Ein Tagebuch – 10. bis 17. April 2016

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Die (nur für Mitglieder des Theaters geöffnete) Brücke, die das alte und das neue Mariinsky-Theater verbindet (Foto: Archiv Sune Manninen)

Seit der Eröffnung der neuen Bühne vor nunmehr 13 Jahren hat das St. Petersburger Mariinsky-Theater eine entscheidende Wandlung vollzogen: Neben dem altehrwürdigen historischen Theater und der 2006 eröffneten Konzerthalle gibt es nun die sog. Neue Bühne, eine der größten und modernsten der Welt, und in ihr vier Kammermusik-Säle, die nach den für diese Stadt bedeutsamen Komponisten Mussorgsky, Prokofiev, Stravinsky und Shchedrin benannt sind. Kürzlich hinzugekommen ist die sog. Primorsky-Bühne des Mariinsky-Theaters im 10 ½ Flugstunden entfernten Vladivostok, eine willkommene Gelegenheit, bei einem der zahlreichen lukrativen Gastspiele Valery Gergievs mit seinem Orchester in China oder Japan praktischerweise „zu Hause“ einen Zwischenstopp einlegen zu können. Führungspositionen dieses Ablegers sind mit Mariinsky-Künstlern besetzt. So fungiert die renommierte Mezzosopranistin Larissa Diadkova als Operndirektorin, und Pavel Smelkov und Vladislav Karklin sind Chef- bzw. Erster Gastdirigent.

Der Besucher des St. Petersburger Mariinsky-Theaters hat also die Qual der Wahl, denn nicht selten werden am selben Tag alle Bühnen bespielt, teilweise in Nachmittags- und Abendvorstellungen sogar desselben Werks, dazu noch Konzerte in den Kammermusik-Sälen. Der Personalbedarf des Theaters ist demzufolge enorm. Das Solisten-Ensemble verzeichnet über 100 Sänger, im Orchester spielen über 300 Musiker, mehr als 150 Choristen! Für den Besucher aus dem Westen grenzt die Arbeitsbelastung der Sänger und Musiker ans Unmenschliche – kein Wunder bei einem Theaterchef wie Gergiev, der z.B. bei seinem Ende des Monats beginnenden sog. Moskauer Oster-Festival in 15 Tagen 38 Konzerte dirigieren wird, über ganz Russland verstreut, manchmal 3 Stück pro Tag. Wenn man nicht gerade im Flugzeug unterwegs ist, fährt man im eigens dafür gecharterten Zug, in dem es sogar einen eigenen Wagon für Proben gibt. Vor bzw. während meines jetzigen Aufenthaltes kam es vor, dass Musiker dasselbe Werk nachmittags und abends spielten (dazu Proben vor der Aufführung), und der Bariton Roman Burdenko war sicherlich nicht sehr erfreut, Giorgio Germont in zwei Vorstellungen am Tag singen zu „dürfen“.

 

Sonntag, 10.4. Shostakovich: Moskva, Cheryomushki (Konzerthalle)

Neben diversen Konzerten in den Kammermusik-Sälen hatte ich zur Auswahl: In Mariinsky I (Historische Bühne) Verdis „Don Carlo, in Mariinsky II (Neue Bühne) die Abschlussgala des 16. Internationalen Ballett-Festivals und in der Konzerthalle Shostakovichs einzige Operette „Moskva, Cheryomushki“. Trotz eines Stars wie Alexei Markov als Posa entschied ich mich für den Shostakovich, denn so oft hört man dieses witzige Stück mit seiner fetzigen Musik nicht. Aufgeführt wurde es von Mitgliedern der Mariinsky-Akademie für Junge Sänger, einer Art Opernstudio, geleitet von Larissa Gergieva, einer Schwester Valery Gergievs. Wenn auch über 50 % des Solisten-Ensembles des Theaters sich aus ehemaligen Akademie-Mitgliedern rekrutiert, so ist doch festzustellen, dass in den letzten Jahren der Nachschub ins Stocken geraten ist, nicht zuletzt, seitdem Larissa Gergieva als Chefin des Opernhauses in Vladikavkaz fungiert, also in ihrer und Gergievs Heimatstadt, und somit viel weniger als früher vor Ort ist. Außerdem fehlt es offensichtlich an Sponsorengeldern, die früher diverse Konzerte im Ausland ermöglichten sowie Meisterklassen prominenter internationaler Künstler. Somit fungiert die Akademie derzeit als eine Art „Staat im Staat“, mit eigenen, von „Akademisten“ bestrittenen Aufführungen wie z.B. in diesem Jahr die Rossini-Opern „Cenerentola“ und „L’italiana in Algeri“ sowie einer Serie von Opern sowjetischer Komponisten wie Dzerzhinsky, Shebalin, Kabalevsky und Molchanov.

Auch für den nicht des Russischen Mächtigen wie mich war der Spaßfaktor bei „Moskva, Cheryomushki“ enorm hoch, dank der spritzigen Musik Shostakovichs und der animierten und animierenden Leistung der Mitwirkenden, und selbst die Musiker im Orchestergraben (Dirigent PAVEL PETRENKO) ließen sich von dieser Stimmung anstecken. Aus dem durchweg homogenen Ensemble ragten vier Sänger heraus: die Soprane ANNA BARKHATOVA (Masha), MARGARITA IVANOVA (Lidochka), ANNA SHULGINA (Lyusya) sowie der in vielen Aufführungen dieser Woche beschäftigte Bariton YAROSLAV PETRYANIK (Boris Koretsky). Besonders Letzterer dürfte eine Zukunft am Mariinsky-Theater haben.

Montag, 11.4. aufführungsfrei

Dienstag, 12.4. Rimsky-Korsakov: Die Legende der unsichtbaren Stadt Kitezh (Mariinsky)

Zur Auswahl standen an diesem Abend (Mittags- oder Nachmittagsaufführungen gibt es meistens nur am Wochenende) in Mariinsky I das Ballett „La Sylphide“ sowie in der Konzerthalle ein Konzert. Somit fiel meine Wahl auf eine meiner russischen Lieblingsopern, diese Rimsky-Korsakov-Oper mit dem Bandwurmtitel, kurz: Kitezh genannt.

Eigentlich hätte VALERY GERGIEV mit den Münchner Philharmonikern, deren Chefdirigent er ist, eine Kurz-Tournee durch Schweden, Dänemark, Finnland mit Abschluss in St. Petersburg leiten sollten, doch nachdem diese – dem Hörensagen nach, wegen Finanzierungsschwierigkeiten – nicht realisiert werden konnte, schob er kurzerhand 8 Konzerte binnen 5 Tagen von Tomsk via Vladivostok nach Moskau ein, zu dem sich am Abend vor der Kitezh-Aufführung die Münchner Philharmoniker in Moskau gesellten. Was soll dieser Mann mit dem für ihn typischen Horror vacui auch sonst mit seiner Freizeit anfangen? Zum Glück war am Abend weder bei ihm noch bei den Musikern etwas von Müdigkeit zu spüren, und es gelang eine eindrucksvolle Wiedergabe des „russischen Parsifal“ (O-Ton  Gergiev). Mitte der 90er Jahre hatte Gergiev dieses Werk mit einem kaum zu überbietenden Solistenensemble vielerorts im Ausland aufgeführt: Gorchakova, der jüngst verstorbene Grigorian, Galuzin / Pluzhnikov, Putilin, Bezzubenkov / Aleksashkin – das war die Crème de la crème des Mariinsky-Theaters. Die Namen eines Gastspiels an der Met im Jahre 2003 ließen auf eine Dürre-Periode am Theater schließen: Sergeyeva, Grishko, Gorshkov, Mozhaev konnten dem Vergleich mit ihren Vorgängern nicht standhalten. Doch jetzt wächst – wenn ich dem Maßstab dieser Aufführung trauen darf – eine neue, ganz ausgezeichnete Generation heran, zum Teil ehemalige oder noch aktuelle „Akademisten“, dazu Sänger, die von anderen Bühnen Russlands ans Mariinsky kamen. Jedenfalls kam meiner Meinung nach IRINA CHURILOVA als Fevronia dem Ideal einer Galina Gorchakova (heute Lehrerin an der Mariinsky-Akademie) sehr nahe. Eine sehr schöne, klar timbrierte Stimme von großer Gestaltungskraft, die lediglich im Schlussakt (die Vorstellung, beginnend um 18 Uhr, endete kurz vor Mitternacht) leicht ermüdete – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Gergiev noch vor der Aufführung probte und gerade im letzten Akt eindrucksvolle, aber ausgesprochen langsame Tempi nahm! Bei dem als Vsevolod debütierenden ALEXANDER TROFIMOV, der bisher die kleine Rolle als Bärenführer gesungen hatte, bin ich mir noch nicht im Klaren, wohin die Reise gehen wird. Zweifellos eine angenehm timbrierte Stimme, deren Tonproduktion nicht immer mühelos und durchschlagskräftig genug war. Als Grishka Kuterma haben 20 Jahre zuvor Vladimir Galuzin und Konstantin Pluzhnikov, obwohl gänzlich verschieden, gleichermaßen Maßstäbe gesetzt – Ersterer vokal ausladender, Letzterer mit geradezu überbordender Gestaltungskraft. Doch wie Wagners Loge verträgt auch dieser tragische Trunkenbold verschiedene Ansätze. Somit gelang ANDREI POPOV mit seinem schmaler fundierten Charaktertenor, aber überragender Ausdruckskraft, eine eigenständige eindrucksvolle, sogar bewegende Interpretation. ALEXEI MARKOV als Fyodor Poyarok klang am Anfang etwas müde – kein Wunder, zwei Tage nach seinem Posa und einen Tag vor seinem Onegin, aber in seiner großen Szene im 3. Akt erklang sein samtiger und doch so markanter Bariton mit gewohnter Stimmpracht. Im Bassfach benötigt das Mariinsky-Theater dringend Blutauffrischung, zumal die „Veteranen“ Aleksashkin, Bezzubenkov und Kit zwecks Taschengeld-Aufbesserung häufig im Ausland auftreten und ein Star wie Ildar Abdrazakov (nominell Ensemblemitglied), zudem kein reiner Bass, zu Hause nur bei besonderen Gelegenheiten auftritt. In STANISLAV TROFIMOV, Neuzugang vom Opernhaus in Yekaterinburg, scheint das Mariinsky-Theater ein würdiges Mitglied der Bass-Riege gefunden zu haben. Relativ dunkel timbriert, leicht weich-gaumig, von großem Stimm- und Tonumfang. Sein Fürst Yuri machte jedenfalls Appetit auf mehr. Die junge YULIA MATOCHKINA, Gewinnerin des letztjährigen Tschaikowsky-Wettbewerbs, machte mit herrlichem Mezzosopran als Junger Knabe auf sich aufmerksam. Zwar noch Akademie-Mitglied, gehört sie doch zu jenen Künstlern, die vom Theater – und dies nicht erst nach ihrem Wettbewerbserfolg – besonders gefördert und in großen Partien (sie sang kürzlich ihre erste Carmen) eingesetzt werden. Ein eindrucksvoller Abend, der das große Potenzial des Mariinsky-Theaters unter Beweis stellte. Schade, dass ein Teil der Zuschauer das Haus bereits in der letzten Pause bzw. während des letzten Akts (besonders störend angesichts der High Heels der Damen) verließ. Andererseits aber auch verständlich, wenn man bedenkt, dass eine von Gergiev geleitete Aufführung traditionell mit mindestens 20minütiger Verspätung beginnt und die 3 (!) Pausen diesmal besonders lang waren.

Mittwoch, 13.4. Prokofiev: Die Liebe zu den drei Orangen (Konzerthalle)

Auch an diesem Tag fiel die Wahl schwer: In Mariinsky I „Onegin“ mit einer großartigen Besetzung (Yastrebova, Skorokhodov, Markov unter dem aufstrebenden Dirigenten Stanislav Kochanovsky) oder im Konzertsaal „Die Liebe zu den drei Orangen“. Ich entschied mich für die Prokofiev-Oper, zumal das Dirigat Gergievs und eine hochklassige Besetzung geradezu zum Besuch einluden.

Eigentlich besitzt das Mariinsky-Theater eine Produktion dieser Oper in der Realisierung durch den französischen Regisseur Alain Maratrat, doch scheint diese in die Filiale nach Vladivostok verpflanzt worden zu sein. So entschloss man sich kurzerhand zu einer halbszenischen Wiedergabe in der Konzerthalle, vom Akademie-Regisseur ALEXANDER MASKALIN fantasievoll in Szene gesetzt – ein eindrucksvolles Beispiel, mit wie wenig Aufwand man große Wirkung erzielen kann. Wenn der Chef (GERGIEV bei einem seiner Lieblings-Komponisten) am Pult steht, kann man meistens sicher sein, dass die besten eines Stückensembles auf der Bühne stehen. So auch diesmal. Abgesehen von der mit zu unruhigen Tonproduktion enervierenden Fata Morgana von YEKATERINA SHIMANOVICH und einem verquollen klingenden König Treff von ANDREI SEROV gibt es nur Erfreuliches zu berichten. Die beiden Tenorpartien Truffaldino und Prinz waren mit dem immer metallischer werdenden SERGEI SEMISHKUR und dem jungen vielversprechenden Akademie-Tenor ILYA SELIVANOV sehr gut besetzt, während als Celio PAVEL SHMULEVICH einen schwarzen Bass hören ließ und YURI VOROBIEV als Köchin einmal sein komisches Talent ausleben konnte. Ein Opernhaus, das die drei Apfelsinen mit YEKATERINA SERGEYEVA, YULIA MATOCHKINA und ANASTASIA KALAGINA (Ninetta) besetzen kann, ist ob dieses Luxus nur zu beneiden. Langer Beifall eines begeisterten Publikums. Ein würdiger Einstieg zu den Prokofiev-Festivitäten (125 Jahre).

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Schlussapplaus nach einer mit viel Beifall aufgenommenen „Liebe zu den drei Orangen“ (Foto: Archiv Sune Manninen)

Donnerstag, 14.4. Shchedrin: The Lefthander (Mariinsky II)

Zur Auswahl standen an diesem Abend im Mariinsky I das Ballett „Don Quixote“, in der Konzerthalle eine konzertante Aufführung der „L’italiana in Algeri“ mit Kräften der Mariinsky-Akademie sowie im Shchedrin-Saal ein Porträt-Konzert des Baritons Alexander Gergalov.

Am Mariinsky-Theater gehört Rodion Shchedrin zu den meistgespielten zeitgenössischen Komponisten, von dem viele seiner Opern und Ballette auf dem Spielplan stehen. Den Valery Gergiev gewidmeten „Linkshänder“ hatte Shchedrin zum 60. Geburtstag des Dirigenten (2013) komponiert, eine für diesen Komponisten so typische Groteske auf der Basis einer überall in Russland bekannten Geschichte von Leskov, ein Stück, dessen zwischen Tragödie und Buffoneske schwankenden Inhalt wohl nur ein Russe verstehen kann. Wie immer ist Shchedrins Komposition keinem bestimmten Stil zuzuordnen, wie immer sehr interessant anzuhören. Für VALERY GERGIEV ist es wohl eine Herzensangelegenheit, bei einem Shchedrin-Stück am Pult zu stehen, zumal er als Chef dieses Instituts die Autorität besitzt, diese teilweise mit schwerem Blech orchestrierte Komposition volumenmäßig nicht ausufern zu lassen. Aus diesem Viel-Personen-Stück ragten zwei Leistungen heraus: in der Titelrolle dominierte ANDREI POPOV, ein Charaktertenor von höchster Güte, und wenn ein Opernhaus eine Mezzosopranistin mit Sex in der Stimme suchen sollte – hier ist sie: YEKATERINA SERGEYEVA als britische Prinzessin Charlotte. Es macht Freude, die Entwicklung dieser jungen Sängerin zu verfolgen. Was für eine Carmen müsste sie sein! Kompliment an die übrigen Mitwirkenden, die nicht mit großen Partien bedacht sind.


Freitag, 15.4. Liederabend Markus Suihkonen, Bass (Prokofiev-Saal)

Wohin gehen? Im alten Haus wieder das Ballett „Don Quixote“, in Mariinsky II „Carmen“ mit Yulia Matochkina in der Titelrolle und Mikhail Vekua, dem Jung-Siegfried des Theaters, als José, oder in die Konzerthalle zu einem Konzert mit jungen Musikern des Mariinsky-Orchesters als Solisten unter der Leitung von Lorenz Nasturica-Herschcowic, dem dirigierenden Konzertmeister der Münchner Philharmoniker. ich entschied mich für den Liederabend des erst 23jährigen finnischen Bassisten MARKUS SUIHKONEN und seiner Pianistin TUULA HÄLLSTRÖM. Ich hätte es nicht tun sollen, denn offensichtlich waren meine Erwartungen zu hoch gewesen und wurden nicht erfüllt. Ich hatte diesen jungen Mann vor zwei Jahren bei einem Gedenkkonzert für Martti Talvela im finnischen Juva (wo Talvela begraben liegt) gehört und war von dem schönen und schon reifen Material des damals 21Jährigen außerordentlich angetan gewesen. Ein Jahr später hatte Suihkonen den Timo-Mustakallio-Wettbewerb in Savonlinna gewonnen und bereits kleine Rollen an der Finnischen Nationaloper gesungen. Doch heute klang sein damals so vielversprechendes Material nicht reif, sondern überreif – mit knorriger Tonproduktion und vielen Nebengeräuschen in der Stimme. Natürlich weiß ich nicht, ob er schlecht disponiert war; jedenfalls gab seine Leistung zumindest an diesem Abend leider keinen Anlass zu großem Optimismus. Tuula Hällström war mit hartem Anschlag weniger Begleiterin als dominierende Solistin in einem Konzert für Piano und Bass. Schade!

Samstag, 16.4. Shchedrin: A Christmas Tale (Mariinsky II)

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Der Zuschauerraum der 2013 eröffneten Neuen Bühne des Mariinsky-Theaters (Foto: Archiv Sune Manninen)

11 (!) Vorstellungen wurden an diesem Samstag gegeben, darunter das Ballett „La Sylphide“ in Mariinsky II, „Rusalka“ (szenisch) mit Kräften der Akademie in der Konzerthalle sowie nachmittags und abends Rodion Shchedrins erst im vergangenen Dezember uraufgeführte Oper „A Christmas Tale“. Eine Weihnachtsgeschichte im April? Gar nicht so abwegig in St. Petersburg, hatte es doch zwei Tage zuvor hier geschneit! Der Titel dieses Stück hatte offenbar viele Eltern veranlasst, ihre kleinen Lieblinge mit ins Theater zu schleppen. Für die Nerven eines sich auf die Musik konzentrieren wollenden Besuchers war es allerdings nervtötend, dass viele Eltern sich bemüßigt fühlten, ihren Sprösslingen die Handlung während der Aufführung zu erzählen.

Doch ich war nicht nur gekommen, dieses neue Stück Shchedrins zu hören, sondern vor allem eine junge Sopranistin, die mich im vergangenen November bei einem Konzert in München begeistert hatte. Ihr Name: PELAGEYA KURENNAYA, blutjung, im 5. Studienjahr am St. Petersburger Rimsky-Korsakov Konservatorium und trotzdem schon von Mariss Jansons und Valery Gergiev erkoren, unter Ersterem in München Prilepa in „Pique Dame“ und von Letzterem in eben dieser bayerischen Metropole Shchedrins Romanze für Sopran und Streicher mit dem Titel „Tanya-Katya“ zu singen.

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Pelageya Kurennaya mit ihrer Lehrerin Tamara Novichenko, der Lehrerin Anna Netrebkos (Foto: Archiv Sune Manninen)

Mit diesem Stück hörte ich diese junge Dame in München und war spontan begeistert von der Schönheit dieser wahrhaft jungen Stimme, ihrem hohen Wiedererkennungswert, ihrer durch alle Lagen hindurch homogenen Tonproduktion und ihrer großen Ausdrucksstärke. Nun ist Zamarashka, eine Art Cinderella in Shchedrins Oper, gänzlich anders geartet: meistens in einer hohen Lage notiert, kaum einmal piano oder sogar pianissimo überschreitend. Erfreulicherweise bestätigte sich auch in dieser Partie mein in München gewonnener Eindruck, es hier mit einem großen Talent zu tun zu haben, das über Kurz oder Lang bei lyrischen Partien wie z.B. Susanna (hat sie schon am Konservatorium gesungen) landen wird. Das Mariinsky scheint sich der Tatsache bewusst zu sein, ein Juwel auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Theaters gefunden zu haben. Glücklicherweise ist Pelageya Kurennaya nicht in die Schublade „Shchedrin-Sängerin“ gesteckt worden, sondern wird, obwohl weder Mitglied des Theaters noch der Akademie, Schritt für Schritt auf größere Aufgaben vorbereitet. Das Mariinsky ist eben eines der letzten Opernhauses mit einer echten Pflege des Ensembles!

Neben diesem jungen Talent ist von einer weiteren herausragenden Leistung zu berichten: Wie schon im „Linkshänder“ fiel YEKATERINA SERGEYEVA wieder durch ihr apartes Timbre und großes Spieltalent auf. Unter den vielen kleineren Rollen machte der junge Tenor ALEXANDER MIKHAILOV auf sein angenehm klingendes, lyrisches Material aufmerksam, während EDWARD TSANGA unüberhörbar mit angegriffenem Organ seinen vielen Auftritten in dieser Woche Tribut zollen musste. Der Dirigent VLADISLAV KARKLIN hatte Shchedrins Oper einstudiert, während sein Chef („ius primae noctis“) die Premiere und die ersten Folgevorstellungen übernommen hatte. Karklin war also mit Werk und Besetzung(en) sehr vertraut; jedoch hätte ich mir gewünscht, wenn er in manchen Szenen (Schluss des 1. Aktes) das Orchester etwas mehr gedrosselt hätte. Trotzdem: eine Aufführung, die zu besuchen Spaß machte. Den Namen Pelageya Kurennaya sollte man sich unbedingt merken!

Sonntag, 17.4. Simon Boccanegra (Mariinsky II)

„Giselle“ mittags und abends im Mariinsky I, „Rusalka“ im Konzertsaal, „Simon Boccanegra“ nachmittags und abends im Mariinsky II sowie Konzerte in den Kammermusik-Sälen machten wieder einmal die Wahl schwer. So entschied ich mich (trotz Mikhail Petrenkos Fieso-Debüt am Nachmittag) wegen der homogeneren Besetzung für die Abendvorstellung von „Simon Boccanegra“, nach „Christmas Tale“ erst die zweite Neuproduktion dieser Saison (Premiere erst im Februar), und brauchte meine Entscheidung nicht zu bereuen.

Man möge mir verzeihen, dass in diesem Bericht das Hauptaugenmerk mehr auf die Sänger gerichtet wurde und die Inszenierungen darüber zu kurz kamen. Um meinen Haupteindruck wenigstens in kurzen Worten zusammenzufassen: Nach den von mir in dieser Woche gesehenen Produktionen kann ich das Vorurteil nicht bestätigen, am Mariinsky-Theater würde „Oper für Staubis“ gezeigt werden. Der Name DMITRI TCHERNIAKOV (Kitezh) steht sicherlich nicht für konventionelles Theater, und ALEXEY STEPANYUK (Lefthander, Christmas Tale) sind im Verein mit seinem Bühnenbildner ALEXANDER ORLOV eindrucksvolle, die hervorragende Bühnentechnik des neuen Hauses voll ausnutzende Inszenierungen gelungen. Der Eindruck von „Simon Boccanegra“ dagegen war zwiegespalten – eine Ko-Produktion mit La Fenice in Genua, war das Bühnenbild (Regie und Bühne in der Hand von ANDREA DE ROSA) wunderschön anzusehen, die Farben von erlesenem Geschmack, doch es hatte den entscheidenden Nachteil, nicht besonders sängerfreundlich zu sein, da deren Klang zu sehr in den offenen Kulissen verschwand, statt mit gewohntem vollen Volumen in den Zuschauerraum zu gelangen.  Darunter litt vor allem der Fiesco YURI VOROBIEVs, der mir kleinstimmiger als gewohnt vorkam. Gewiss ein angenehm, weich timbrierter Bass mit erst in der Tiefe slawischer Knarzigkeit, doch etwas zu leichtgewichtig. Vielleicht lag es auch an diesen akustischen Bedingungen, dass mir IRINA CHURILOVAs Amelia instrumentaler, kühler, gläserner als noch im „Kitezh“ vorkam – trotzdem: eine gute Leistung. Einer der wenigen mediterran timbrierten Tenöre in der undankbaren Partie als Gabriele Adorno: AKHMED AGADI – keine große Stimme, aber gut genug fokussiert, um das Orchester zu übertönen. Damit hatte ROMAN BURDENKO in der Titelpartie keine Probleme. Ein großvolumiger Charakterbariton, trotzdem zu feinster Verdi-Kantilene fähig. Eine großartige Leistung! ALEXANDER GERGALOV, einstmals ein guter lyrischer Bariton, bemühte sich, durch unschön klingende zu offene Tonproduktion um das nötige Volumen. Dem amerikanischen Hausdirigenten CHRISTIAN KNAPP gelang eine temperamentvolle, Bühne und Graben souverän kontrollierende Wiedergabe. Dass das Orchester gegenüber den Sängern lautstärkemäßig dominierte, scheint dem nicht optimalen Bühnenbild geschuldet zu sein, das offensichtlich bei dieser Ko-Produktion die Verhältnisse des Mariinsky-Theaters zu wenig berücksichtigte.

Sune Manninen

Noch ein Nachtrag: Nach Absendung meines Mariinsky-Tagebuchs fiel mir auf, dass ich eigentlich noch zwei Neuigkeiten einflechten wollte, die vielleicht von Interesse sind. Offiziell ist das Programm der diesjährigen „Weißen Nächte“ noch nicht angekündigt, doch intern hörte ich (u.a. von Gergiev, also aus verlässlicher Quelle) :
Plácido Domingo wird am Mariinsky Ende Mai La Traviata dirigieren (Violetta : Olga Peretyatko) und Simon Boccanegra singen,
Anna Netrebko wird dort am 4. Juni als Elsa auftreten.
  

 

 

 

MÜNCHEN / BALLETTFESTWOCHEN 2016 des Bay. STBs – „DAS TRIADISCHE BALLETT“ und „LE SACRE DU PRINTEMPS“

 

MÜNCHEN / BALLETTFESTWOCHEN 2016 des Bayerischen Staatsballetts –  „DAS TRIADISCHE BALLETT“ und „LE SACRE DU PRINTEMPS“ – 14.04. 

Zum Ende der 18-jährigen Amtszeit von Ivan Liška als Direktor des Bayerischen Staatsballetts bringt die Ballettfestwoche 2016 noch einmal einen Überblick über die erstaunliche Breite des Repertoires unter seiner Leitung. Die gezeigten Beispiele reichen von den rekonstruierten Ballettklassikern der russischen Zarenzeit bis zu Pina Bausch und sogar zu einer Uraufführung zur Ehrung von Ivan Liška, Judith Turos und Peter Jolesch („The Passenger“ von Simone Sandroni).

Das_Triadische_Ballett_Schwarze_Reihe_Florian_Sollfrank__c_Wilfried_Hoesl Hier ist zu berichten von einem zweiteiligen Ballettabend im Prinzregententheater, bei dem zunächst das Bayerische Staatsballett II/Junior-Compagnie das „Triadische Ballett“ des Bauhaus-Künstlers Oskar Schlemmer (1888 – 1943) in der Choreographie von Gerhard Bohner (1977) zur Musik von Hans-Joachim Hespos (*1938) tanzte. Das Stück hatte im Sommer 2014 in der Einstudierung von Ivan Liska und Colleen Scott Premiere und war mit mehreren ausverkauften Vorstellungen in der Reithalle sehr erfolgreich

Es sind die phantasievollen, bunten, kubistisch anmutendenKostüme, die den Zuschauer auch diesmal wieder in ihren Bann ziehen: die abstrakten Formen, die teils klar und minimalistisch, teils voluminös ausfallen, die ungewohnten Materialien wie Holz, Draht und  dick wattierte Stoffe. Röcke für die Tänzerinnen aus Holz oder aus Drahtreifen, utopische Kopfbedeckungen und Requisiten und bizarreMasken lassen die Tänzerinnen und Tänzer  manchmal wie Gliederpuppen oder wie Roboter wirken. Trotzdem haben diese Figuren einen liebenswürdigenCharme und eine nicht zu erklärende anrührende Menschlichkeit. Bei jedem Auftritt einer neuen Figur aus der „Gelben“, „Rosa“ oder „Schwarzen Reihe“ ging ein Raunen von Überraschung, Amüsement oder Erstaunen durch das Publikum.

Die Musik des deutschen Komponisten Hans-Joachim Hespos, die vom Tonträger kommt, besteht oftmals nur aus Lauten und lässt sich kaum beschreiben oder einordnen. Dabei sind die jungen Tänzerinnen und Tänzer der Junior-Compagnie zu bewundern! Wie sie nach dieser „Musik“ tanzen können, wie sie mit diesen äußerst ungewohnten Kostümen zurechtkommen und den kraftvollen Tanzstil mit seinen mechanischen Bewegungen, die auch noch „schön“ aussehen sollen, beherrschen! Obwohl die einzelnen Personen oftmals gar nicht zu erkennen sind, war der Gesamteindruck so ansprechend, dass es unmöglich ist und ungerecht wäre, nur einzelne Interpreten zu nennen. Deshalb: In der besuchten Vorstellung am 14. April tanzten neun Tänzerinnen und Tänzer: Michaela Zanzottera (Großer Rock und Spirale), Simon Jones (Taucher, Tänzer türkisch mit Kegel), Rikako Takase(Kugelrock, Scheibenrock, Türkenrock), Brandon Demmers(Zylindermann, Scheibentänzer), Flemming Puthenpurayil (Kugelhände, Scheibentänzer, Goldkugeln), Marten Baum (Hampelmann, Tänzer türkisch mit Becken, Der Abstrakte), Margarida Neto (Perlmuttrock, Drahtrock), Carl van Godtsenhoven (Goldkugeln, Harlekin in Weiß).

Der Beifall war sehr freundlich, aber auf den Gesichtern einiger Zuschauer schien eine gewisse Ratlosigkeit über das soeben Gesehene und Gehörte zu lesen zu sein.

Auf die Junior-Kollegen vom Staatsballett II/Junior-Compagnie folgten dann nach der Pause Solisten und Ensemble des Bayerischen Staatsballetts mit „Le Sacre du Printemps“von Mary Wigman (1886 – 1973), der bedeutenden Choreographin und Interpretin des deutschen Ausdruckstanzes.Nun kam die Musik auch live aus dem Orchestergraben: Das Bayerische Staatsorchester spielte das berühmte Stück von Igor Strawinsky unter der Leitung von Myron Romanul mit großem Engagement und erhielt später dafür besonders viel Schluss-Applaus. Die Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts beherrschen in ihrer Vielseitigkeit grandios auch den Stil der Mary Wigmann, die das Werk 1957 für das Ballettensemble der Städtischen Oper Berlin choreographiert hat. Nach einigen Aufführungsserien war das Ballett dort von der Bühne verschwunden und wurde erst in unseren Tagen von Tanzschaffenden in Osnabrück, Bielefeld und München (hier: Projektleitung Bettina Wagner-Bergelt) wieder entdeckt und in den Jahren 2013/2014 mit Erfolg rekonstruiert. In der Münchner Aufführung, über die hier zu berichten ist, tanzte Katherina Markowskaja die zentrale Rolle der „Erwählten“ mit Bravour. Die übrigen Solisten (u.a. Séverine Ferrolier, Mai Kono, Zoltan Mano Beke, TigranMikayelyan) und das große Ensemble standen ihr nicht nach in Temperament, Ausdruckskraft und packendem Tanz. Eine große Leistung, für die das Publikum mit viel Beifall dankte.

Helga Schmöger

 

Foto: Triadisches Ballett / Staatsballett II © W. Hösl