Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

OTTO SCHENK: ICH BLEIB NOCH EIN BISSL

22.10.2014 | Allgemein, buch

 BuchCover  Schenk, Ich bleib noch ein bissl

Otto Schenk:
ICH BLEIB NOCH EIN BISSL
Flüssiges und Überflüssiges
240 Seiten,
Amalthea Verlag, 2014

Wir wissen ja, dass er noch da ist, der liebe Otto Schenk, nächstes Jahr wird er 85, aber warum sollte er aufhören, wenn man ihn in der Josefstadt spielen sehen will, wenn man froh ist, dass die Staatsoper ihn als Regisseur zurück geholt hat – und wenn man über seine Bücher so herzlich lachen kann?

Von denen gibt es mittlerweile so viele, dass man den Überblick verloren hat, aber das jüngste scheint besonders gelungen. Nicht nur, dass da Theaterwitze  und –Anekdoten erzählt werden, bei denen man wirklich Tränen lachen kann, diesmal scheint es auch stellenweise ernsthafter gemeint. Zwar rutscht der Otti wieder bunt in seinem Leben herum, aber wer verlangt von ihm schon strikte Ordnung, zumal das Buch eine wahre Kostbarkeit bietet, nämlich am Ende eine chronologische Aufzeichnung seiner Theaterarbeiten und Opernregien. (Fernsehen fehlt, da steigt wohl keiner mehr durch.)

Also, Schenk als Junge („Ich hasse die Nazis.“ „Ich auch.“ „Also dann, Heil Hitler.“), Schenk im Fernsehen (im „Affenhaus“ in der Maxinggasse hat’s begonnen), Schenk im Kellertheater („Führen Sie nicht Regie, das würde Sie intellektuell zu sehr belasten“, riet ihm Leon Epp. Nun, auch Epp kann sich irren, wie man inzwischen weiß), Schenk als Opernregisseur – und da gibt es wirklich faszinierende, ernsthafte und auch für Sänger brauchbare Einblicke in die Arbeit.

Schenk, der beim Inszenieren gern auf einem „Thron“ sitzt, Schenk, der in die Vergangenheit steigt und riskiert, Namen zu nennen, die niemand mehr kennt (Viktor Kutschera, Rudolf Tyrolt, Raoul Aslan), Schenk, der die Kunstfigur „Kurti“ erfindet und diesen den Inhalt der „Zauberflöte“ nacherzählen lässt: Wui!

Schenk und seine Freunde, der Eberhard Waechter, Leonie Rysanek (die er lehrte, ihren „Hausmeisterschmerz“ zurück zu halten), Placido Domingo (dem er nur „Mano!“ zurufen musste, um dessen Gestik zurückzufahren), Schenk und die  Dirigenten (Abbado! Bernstein!), Schenk, der passionierte Leser, Schenks Erkenntnisse über Schauspieler, Schenk und sein Bekenntnis zu manchem Altmodischen („MaHü“ mag er nicht – das kann man verstehen), Schenk und die Gagen, Schenk und… und … und.

Da steht wirklich sehr viel drin.

Renate Wagner

 

Diese Seite drucken