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Oper Klosterneuburg : „DON PASQUALE“ Premiere unter Sternenhimmel am 8.Juli 2012

09.07.2012 | KRITIKEN, Oper

Mit dem Retro-Look, mit dem Regisseur Andy Hallwax den Stoff des „Don Pasquale“ quasi in Geschenkpapier einhüllt, dem Italien der 50er Jahre, konnte er gewinnen, Witz und Komödiantisches der Vorlage gehen durch die Zeitversetzung nicht verloren, die Nähe der Nachkriegsromantik unseres südlichen Nachbarn erinnert uns an die eigene Jugend, der Chick der damaligen Mode, die heißbegehrten Assecoires wie Vespas und Moccamaschinen, die Mädchen in Pettycoats und mit aufgesteckten Frisuren runden das Bild ab. Mit einem Wort, die Rechnung geht auf und in den Bildern von Hans Kudlich, die uns ein Hotel Roma und im Hintergrund das Halbrund des Kolosseums suggerieren, sowie in den nachempfundenen Modeschöpfungen von Franz Blumauer schnurrt die Geschichte vom geldgierigen Pasquale und seinem verliebten Neffen Ernesto ab. Dass die Story in einem Hotel spielt wäre nicht zwingend, lässt aber das Auftauchen der skurrilsten Gestalten zu, die die Szene bevölkern, die obligaten Gestalten wie Nonnen, Mafiosi oder Gendarmen fehlen da nicht. Man darf dem Regisseur immerhin zubilligen, dass die Wiedergabe in keinem Moment in billigen Klamauk oder Brachialkomik abgleitet, der Humor ist sanft wie die überraschend trockene Sommernacht und wird gleichzeitig mit Witz und Tempo geboten.

Das Ensemble führt der Schweizer Marc-Olivier Oetterli als ein, wie es auch  sein soll, in den besten Jahren befindlicher, schlacksiger Pasquale an, stimmlich beweglich, besonders in jenem berühmten Duett mit Dr.Malatesta. Der Wiener Günther Haumer erweist sich in dieser Rolle mit seinem Kavaliersbariton vielleicht etwas zu seriös und spröde, ein Schuss Hintertriebenheit und Intrigantenhaftes in Spiel und Gesang hätte die Figur interessanter gemacht. Das Duett aber, das war eine ganz feine Sache und beide Herren müssen da gesanglich keine Vergleiche scheuen. Das Liebespaar war mit der schweizerischen Belgierin Chiara Skerath und dem von den Phillipinen stammenden Arthur Espiritu besetzt. Sie war neben der hübschen Erscheinung auch für die Koloraturen verantwortlich und kam mit beiden Anforderungen bestens zurecht, auch wenn sie bei der Wahl der extremen Höhen nicht immer die gefährlichste Variante wählte, während er seinen Tenor durch die nicht allzu großen Schwierigkeiten souverän und belkantesk führte – erinnerte doch das Timbre auch ein klein wenig an Tito Schipa. Mihail Dogotari ergänzte als Notar und Inge Altenburger vom Wiener Volkstheater mimte das skurille Geschöpf in der Rezeption des Hotels Roma.

Dass das alles im Sinne der Musik Donizettis abschnurrte, das gelang dem Linzer, in New York ausgebildeten und bereits in aller Welt tätigen Debütanten Christoph Campestrini, der seine Sänger durch die Arien, Duette und Ensembles souverän führte, nicht zu vergessen die verlässliche Sinfonietta Baden und der Chor der operklosterneuburg.

Ein sommerliches Vergnügen mit Openair-Flair und musikalischem Genuß.

Peter Skorepa / 9.7.2012

Fotos: operklosterneuburg/Lukas Beck

Für 2013 ist Massenets „Manon“ mit Daniela Fally in der Titelrolle unter der Regie von Thomas Birkmeir geplant.

 

 

 

 

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