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NY- Met-Cinema: IL TROVATORE 3.10.15 – Sängerglanz in rundum passendem Ambiente

04.10.2015 | KRITIKEN, Oper

NY- Met-Cinema: IL TROVATORE 3.10.15 – Sängerglanz in rundum passendem Ambiente

Netrebko-Hvorostovsky-Met-Banner 2015  Met Trovatore 2015 (Banner var.)

Reden wir über die Sänger: Anna Netrebko/Leonora – genauso muss dieser Verdi gesungen werden. Dass sie bei dieser Aufführung die Spitzentöne etwas vorsichtig anging, was soll’s. Dmitri Hvorostovsky/Graf Luna: Ein baritonöses Extrafest (und ein hoch emotionales Ereignis bei den Vorhängen). Dolora Zajick/Azucena: Prachtvoller kann man diese Partie nicht orgeln. Štefan Kocán/Ferrando: Sein etwas holpriger Bass war hier adäquat eingesetzt. Und Yonghoon Lee/Manrico: Publikumsliebling der Metbesucher wenn Kaufmann nicht da ist. In München haben wir Lee schon öfters live erleben können und werden es in dieser Spielzeit wieder tun können. Deshalb fällt auf, dass bei seiner ersten Internet-Liveübertragung die Tontechniker seinen „knalligen“ Tenor nicht im Griff hatten; das schrabbte immer haarscharf an der Übersteuerungskante entlang, so dass sein in den unteren Registern warm und dunkel nachgereifter Tenor in der Spitzenlage überscharf rüberkam. Man kann nur hoffen, dass man das bei zukünftigen Terminen mit ihm verbessert. Insgesamt hat sich Lees Sangesweise nämlich deutlich verbessert – die Registerbrüche sind weg, er beherrscht das „Spiel“ mit Piano und Diminuendo nahezu perfekt wie Kaufmann und dann hat er ohne Weh und Ach den nötigen Pfeffer für die Stretta (schade dass er nur 1 Strophe singen durfte, ebenso wie Hvorostovsky, nur Anna durfte 2 Strophen ihrer Cabaletta im 4. A. singen).

Ein Glück für die Sänger, der Dirigent Marco Armiliato: Für ihre z. T. eigenwilligen Interpretationen war so ein „Sängerdirigent“, wie Armiliato einer ist, unbedingt erforderlich. Bei Hvorostovskys überdehnter „Il balen“-Arie musste das Orchester zeitweilig beinahe bis zum Stillstand abgebremst werden; aber auch Annas Superarie im 4. A. bedurfte der dirigentischen Hege. Armiliato ist immer für seine Sänger da, ohne den Spannungsbogen des Ganzen zu verlieren.

D. Zweipfennig, München

 

 

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