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NÜRNBERG: IL CORSARO – konzertant

10.01.2012 | KRITIKEN, Oper

Konzertante Opernaufführung in Nürnberg: „Il corsaro“ von Giuseppe Verdi (Vorstellung: 9. 1. 2012)


Hrachuhi Bassénz sang die Rolle der Gulnara, Guido Johannes Rumstadt dirigierte die Staatsphilharmonie Nürnberg (Foto: Jutta Missbach)

 Zu einem Fest der Stimmen wurde im Opernhaus Nürnberg die konzertante Aufführung der selten gespielten Oper „Il corsaro“ von Giuseppe Verdi, die insgesamt sechs Mal auf dem Spielplan steht (in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln). Die Uraufführung des Werks, dessen Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Poem „The Corsair“ von Lord Byron stammt, fand 1848 in Triest statt.

 Der Inhalt in Kurzfassung: Mit der musikalischen Schilderung des vom Sturm gepeitschten Meeres beginnt Verdis Piratenoper. Den Freibeuter Corrado, der als Hauptmann der Korsaren gegen die Übermacht der Türken kämpft, treibt es immer wieder aufs Meer. Durch unglückliche Verstrickungen gerät er in türkische Gefangenschaft, aus der ihn Gulnara, die Lieblingssklavin des türkischen Paschas Seid, befreit. Sie erdolcht Seid und flieht mit Corrado, der nach seiner Rückkehr auf die Insel der Korsaren erkennen muss, dass sich seine Geliebte Medora inzwischen aus Verzweiflung das Leben genommen hat.

Die exzellente internationale Besetzung bescherte dem Publikum im gut besuchten, aber leider nicht ausverkauften Opernhaus Nürnberg einen Ohrenschmaus besonderer Güte. Corrado, den Kapitän der Korsaren, sang der südkoreanische Tenor David Yim mit an seine Grenze gehender Kraft, wobei er auch heldischen Schmelz in seine Stimme legte. Mit seinem prächtigen Bariton gestaltete der polnische Sänger Mikolaj Zalasinski eindrucksvoll die Rolle des Paschas. Seine oft sehr dunkel gefärbte Stimme kam bei den vokalen Wutausbrüchen am besten zur Geltung. Seids Lieblingssklavin Gulnara wurde von der armenischen Sopranistin Hrachuhí Bassénz gesungen, die – wie vor der Vorstellung die Pressedame Verena Kögler dem Publikum mitteilte – sich trotz einer eben überstandenen Grippe zum Auftritt bereiterklärt hatte. Die ausgezeichnete Belcanto-Sängerin brachte zur Freude aller jeden Ton glockenrein und erhielt schon nach ihrer ersten Arie begeisterten Szenenapplaus. Überzeugend gestaltete die kanadische Sopranistin Leah Gordon die Rolle der Medora, der jungen Geliebten Corrados. Sie legte ihre Angst um den Korsaren mit aller Leidenschaft in ihre Stimme, wobei sie auch mimisch am ausdrucksstärksten wirkte. In der kleineren Rolle des Korsaren Giovanni war der bulgarische Bass Nicolai Karnolsky zu hören.  

 Die Staatsphilharmonie Nürnberg wurde von Guido Johannes Rumstadt geleitet, der durch sein umsichtiges und einfühlsames Dirigat für das Sängerensemble mit Sicherheit eine große Stütze war. Es gelang dem Orchester, die klangvolle Partitur Verdis in allen Facetten zum Ausdruck zu bringen, wobei die Ouvertüre durch ihre meisterhafte Schilderung des sturmgepeitschten Meeres ein besonderes Gustostückerl war.

 Das begeisterte Publikum genoss das beeindruckende Fest der Stimmen und bejubelte das Ensemble, das Orchester und seinen Dirigenten am Ende der konzertanten Vorstellung, wobei sich für Mikolaj Zalasinski und Hrachuhí Bassénz auch verdiente Bravorufe unter den frenetischen Beifall mischten.

  Udo Pacolt, Wien – München

 PS: Die weiteren konzertanten Aufführungen von Verdis „Il corsaro“ finden in Nürnberg am 15. 1. (19 Uhr), am 9. 2. (20 Uhr) und am 19. 2. (15,30 Uhr) statt.

 

 

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