Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

NÜRNBERG/ Staatstheater: DIE WALKÜRE

26.05.2014 | KRITIKEN, Oper

Nürnberg/ Staatstheater:  DIE WALKÜRE am  25.5.2014

 Furchterregend, mit nacktem, tätowiertem Oberkörper, mit einer Eisenkette um den Hals und mit Blut bedeckt erscheint Hunding in seiner wilden, heruntergekommenen, von Autoreifenstapeln umgebenen Behausung.  Und furchterregend und gewaltig wird diese Rolle von Albert Pesendorfer gesungen und gespielt. Der oberösterreichische Spitzenbass war an diesem Abend als Einspringer eine besonders erfreuliche Überraschung.

 Das Wälsungenpaar stand ihm aber in nichts nach. Die gewaltigen Wälserufe  und das hohe A am Ende des 1.Aktes von Siegmund Vincent Wolfsteiner  werden einem noch lange im Gedächtnis nachklingen. Zudem ist er eine blendende Bühnenerscheinung und ein nicht minder guter Darsteller.

Die Sieglinde  Ekaterina Godovanets, ebenfalls eine ideale Erscheinung und eine berührende, überzeugende Schauspielerin, sang mit großer, runder, ausdrucksstarker Stimme, mit gewaltigem Schrei, als Siegmund das Schwert aus dem Eschenstamm zieht.

 Die Engländerin Rachael Tovey war eine lebhaft spielende und mit mächtiger Stimme singende hochdramatische Brünnhilde, die aber auch lyrisch singen kann.

 Eine ganz große Überraschung war der Koreaner Antonio Yang als Wotan. Mit herrlichem Timbre und hervorragender Aussprache und Textdeutlichkeit gestaltete er den Göttervater äußerst eindrucksvoll. Wotans Abschied war der krönende Abschluss des Abends. Antonio Yang ist zweifellos eine Idealbesetzung für diese Rolle.

 Und schließlich  Roswitha Christina Müller als Fricka. Wann und wo kann man sonst eine so großartig singende und spielende Fricka hören ? Wenn man bedenkt, dass alle Sänger, bis auf Pesendorfer und Tovey, aus dem Ensemble besetzt wurden, dann zeugt das von der hohen Qualität der Nürnberger Oper.

 Die Inszenierung von Georg Schmiedleitner ist  „wild“ und sehr eindrucksvoll. Die, ebenfalls gut singenden Walküren, sind raue Gestalten, die gefallene Kindersoldaten“ aus Käfigen zerren und nach Walhall führen.

 Der Kampf zwischen Hunding und Siegmund wird in Überlebensgröße auf eine Leinwand projiziert,  Siegmund erscheint dann blutüberströmt und wird auf schauerliche Weise von Hunding mit einem Beil niedergestreckt, sinkt dann in die Arme Wotans, dessen Mantel dann über und über mit Blut bedeckt ist. Fricka erscheint als Grand Dame, gekleidet wie Jackie Kennedy.

 Am Ende des 3. Aktes sinkt Wotan auf einen Stuhl nieder und scheint, den Speer in der Hand, zu schlafen. Er wird dann von einer Walküre im Kindesalter an der Hand genommen und zu den Endakkorden der Oper hinausgeführt.

 Die Staatsphilharmonie Nürnberg spielte unter Marcus Bosch, wobei die Sänger niemals zugedeckt wurden und man  oft  die Mittelstimmen der Partitur gut hören konnte, was sehr interessant war.

 Insgesamt war es ein großer, vom Publikum stürmisch gefeierter Opernabend.

 Christoph Karner

 

Diese Seite drucken