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NORDHAUSEN: MANON von Massenet

20.04.2015 | Oper

Nordhausen: MANON 19.4.2015

 ‚Manon‘ ist in ihrer ganzen opernhaften Schmissigkeit und mit ihren grandiosen Herz-Schmerz-Melodien immer eine Alternative zu Puccinis ‚Manon Lescau‘ geblieben. Vielleicht hat der Massenet’sche des Grieux nicht so eine Superarie wie „Donna non vidi mai“, doch ist er in der permanenten Höhenspannung seiner unbedingten Liebe auch eine Ausnahmefigur und kurz ja auch von der Aura eines Priesters umflort. In der Provinz am Theater Nordhausen, das mit dem renommierten LOH-Orchester Sondershausen eine einzigartige Opernverbindung unterhält, kommt eine spannende, fast kurzatmig brillante Aufführung zustande. Im Graben wird hingebungsvolll musiziert, und auch die Akkustik kann in der eher kleinen Spielstätte klaglos durchgehen. Der US-Anmerikaner Michael Ellis Ingram leitet da Orchester als großer Impulsgeber und steht auch jederzeit für französisch rormantischen Esprit ein.

Als Bühnenkulisse fungiert eine riesenhaftes Zifferblatt mit römichen Ziffern, das beim Aufkeimen der Liebe der Protagonisten sich plötzlich feuerrot verfärbt und dahinter eine Projektion von Paris mit Arc de Trionfe erkennnen läßt /Bühne Wolfgang Kurima Rauschning. Die Inszenierung von Toni Burkhardt ist eher konventionell, punktet aber  mit klarer Personenführung. Die Kostüme von Adriana Mortelliti sind auch ganz erlesen, auf der Reise Manon in grünlich und pastellfarbenem Outfit, später auf dem Ball auch in einer Robe aus preziösem Damast. Das Kloster St.Sulpice ist eher ein moderner Kirchenraum, und beim Spielsalon im Hotel Transilvanien spaltet sich das Zifferblatt nach links und rechts und bietet mit den vielen metallischen Verstrebungen ein adäquates schwarzes Szenario.

 In Nebenrollen ergänzen Jung-Uk Oh, Jens Bauer und David Jonson das vielgestaltige Ensemble. Poussette, Javotte und Rosette werden im 20erJahre-Look wie Grisetten dargestellt  und von den Sopranen Katharina Boschmann, Brigitte Roth  und Anja Daniela Wagner (Mezzo) sehr quick und schönstimmig gesungen. Manons Gönner De Brétigny hat der junge Bariton Laurence Meikle übernommen. Einen schneidigen Guillot de Morfontaine stellt trotz seiner Abweisung durch Manon Marian Kalus mit dezent gut geführtem Spieltenor. Den des Grieux père gibt Florian Kontschak als soignierte Persönlichkeit und mit exzellent verhaltenem Baß. Der Lescaut des Yoontaek Rhim konnte seinen wuchtigen Bariton immer ganz dezidiert durchsetzen. Den Chevalier des Grieux zeichnet ganz einzigartig Martin Shalita. Sein biegsamer, wunderbar höhensicherer Tenor verströmt puren Wohlklang, auch besonders bei der Priesterszene, bei der er sich von Manon erneut verführen lässt, und natürlich beim endgültigen Addio von der über alles geliebten Manon. Auch sie wird von Elena Pusza grandios verkörpert. die äußerst charmante und gut aussehende Polin verfügt über ein luxuriöses Soprantimbre, das sie in großen Steigerungen immer wieder aufleuchten läßt und sich in dieser großen, an äußerste Grenzen reichenden Liebe verzehrt, wobei ihr früher Tod ja besonders in der Massent-Version auf die Rache des verschmähten Liebhabers zurückzuführen ist.                                                  

Friedeon Rosén

 

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