Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

NEW YORK/ Wien/ Die Met im Kino/Cineplexx Landstraße: LA DONNA DEL LAGO – Rossini-Triumph an der Met

15.03.2015 | Oper

Wien Landstraße/Cineplexx-Kino: ROSSINI-TRIUMPH AN DER MET MIT “LA DONNA DEL LAGO”(14.3.2015)

Sie gilt offenbar als unbesetzbar, die Handlung ist verworren und die Oper dauert ohne Ballett an die vier Stunden. Und doch – die seit einem Monat laufende erste Serie von „La Donna del Lago“ von Gioachino Rossini an der Met wird triumphal gefeiert wie sonst Cenerentola oder Barbiere di Siviglia und die Begeisterung der Kino-Besucher in aller Welt unter dem Titel „Met im Kino“ ist zweifellos ebenfalls ganz groß. Denn der Met-Manager Peter Gelb bietet neben den beiden Rossini-Spezialisten Juan Diego Florez und Joyce DiDonato, die sich übrigens in Bestform präsentieren, eine gleichwertige Besetzung (vorwiegend mit US-Sängern). Und er wählt einen blutjungen, dynamischen italienischen Dirigenten: Michele Mariotti . Die Inszenierung von Paul Curran (Bühne Kevin Knight) ist mitunter altbacken und manchmal unfreiwillig komisch. Aber bei der abstrusen Handlung nach einem Roman von Walter Scott mindert die biedere Regie nicht wirklich den Erfolg.

Die „Dame am See“ spielt also in den Schottischen „Highlands“, da wird gekämpft und gegen den König geputscht. Es regiert Krieg und Brutalität! Und dazwischen leidet Elena (Di Donato)– sie liebt Malcolm, eine Hosenrolle im Schottenrock (Daniela Barcellona), soll aber Rodrigo (John Osborn, ebenfalls hoher Tenor)) aus politischen Gründen heiraten. Dann taucht der König auf (Juan Diego Florez) auf. Sie hält ihn für einen Höfling und bemerkt erst spät sein Werben. Sein Hauptgegner ist prompt der Vater von Elena Duglas (Oren Gradus). Zuletzt rettet ein Ring das Schlamassel: Elena bleibt bei Malcolm. Der König verzichtet und Rodrigo ist untergetaucht.

Die Musik der 1819 in Neapel uraufgeführten Oper erinnert zeitweise an den Wilhelm Tell. Außer dem Finale „Tanti affetti“ ist fast nichts bekannt. Aber die vokalen Ansprüche lassen dies wohl gar nicht zu. Juan Diego Florez ist zweifellos die Idealbesetzung für König Giacomo V. Die Stimme ist heldischer geworden, hat aber nichts von ihrer Beweglichkeit verloren. Da wird geträllert und geschwelgt, Koloraturen sind Ausdruck von seelischen Zuständen und höhe Töne verraten höchste Erregung. Dazu kommt Florez bei „Met im Kino“ in Großaufnahme. Sympathie als Lebensprinzip. Keine Nervosität, keine Eitelkeit. Juan Diego Florez – ein Glücksfall für die Opernwelt von heute. Eine ebenbürtige Partnerin ist die US-Sopranistin Joyce DiDonato – ihr Singen ist beseelt, die Triller sind mit Emotionen gefüllt. Die Technik ist nie Selbstzweck. Das Spiel authentisch. Großartig! Toll, dass sich neben diesen beiden Rossini-Spezialisten auch alle anderen behaupten. Der US-Tenor John Osborn ist so höhensicher wie Juan Diego Florez, Daniela Barcellona wartet mit viel Stimm-Material auf und ist unvorteilhaft kostümiert. Und der US-Bassist Oren Gradus ist ein vielversprechender Met-Debütant. Unter den Nebenrollen fallen Olga Makarina als Vertraute von Elena, Eduard Valdes als Diener und Gregory Schmidt als Gefährte des Königs positiv auf.

Mit solchen Sternstunden wird die Serie „Met im Kino“ zweifellos noch weiter zur Erfolgsstory!

Peter Dusek

 

 

Diese Seite drucken