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NEW YORK/Wien/ „Die Met im Kino“: SAMSON ET DALILA

21.10.2018 | Oper

Bildergebnis für metropolitan opera samson et dalila

20.10.2018 MET/Kino „Samson et Dalila“

Nach der ziemlich unterkühlten Neuinszenierung heuer an der Staatsoper konnte man an der MET ein Fest fürs Auge feiern. „Samson et Dalila“, ein Werk mit Prunk und Pomp wurde in einer Inszenierung von Darko Tresnjak mit eben diesen auf die Bühne gestellt. Modern und werkgetreu, eine Kombination, die leider allzu selten anzutreffen ist. Wenn man nur das Bühnenbild des zweiten Aktes – der Bühnenbildner Alexander Dodge hat die Bühne mit einem Kreis begrenzt, den Raum durch elegante Streifendekoration umrahmt, eine Stiege zu einer kreisrunden Bühnenöffnung an der Rückseite geführt, durch die den Protagonisten ein eindrucksvoller Auftritt ermöglicht wurde – mit der Badewannenszene in Wien vergleicht, fällt das Urteil eindeutig aus. Effektvolle Beleuchtung (Donald Holder) und prachtvolle Kostüme (Linda Cho) ergaben weitere Pluspunkte.

Bildergebnis für metropolitan opera samson et dalila
Elina Garanca, Roberto Alagna. Copyright: Metopera/ Ken Howard

Musikalisch sah das dann schon ein wenig anders aus. Die beiden Protagonisten waren die gleichen wie in Wien. Roberto Alagna als Samson sang aber wesentlich sicherer und kraftvoller als im Frühjahr. Sein Tenor hatte Durchschlagskraft und Sicherheit, wenn man vom Finale absieht. Elina Garanca war eine Dalila von bestem Format. Sie hat die Rolle etwas zurückhaltender angelegt als in Wien, war aber stimmlich ebenfalls besser als bei ihrem Rollendebüt. Ihre Stärke ist nach wie vor die sauber gesungene Mittellage und die sichere Höhe. Die Verführerin spielte sie glaubwürdiger als die unbarmherzig Hassende. Laurent Naouri war als Oberpriester eine raustimmige Fehlbesetzung. Dmitri Belosselskiy sang den alten Hebräer mit seinem bekannt mächtigen, sonoren Bass.

Den größten Vorzug muss man Wien in Sachen Orchester geben. Sir Mark Elder dirigierte zwar mit großem Einfühlungsvermögen und viel Routine. Es waren aber für ein Spitzenorchester einfach zu viele Schlampigkeitsfehler zu verzeichnen, sowohl bei den Bläsern, als auch bei den Streichern. Die musikalische Balance zwischen Orchester und Bühne war ziemlich unausgeglichen, ob das an der Übertragung lag oder an der Aufnahmetechnik (hohe Qualität sollte nach so vielen Jahren eigentlich selbstverständlich sein), sei dahingestellt.

Das Publikum war begeistert, die Zuschauer im Saal etwas überfordert mit den immer länger werdenden Pausen: Interviews sind ja interessant, aber hier wäre weniger sicher mehr.

Johannes Marksteiner

 

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