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NEW YORK/ WIEN/ Die Met im Kino: OTELLO

18.10.2015 | Oper

17.10.2015 MET/Kino „Otello“

Gelegentlich versucht auch die MET, alten Meisterwerken mit neuen Ideen einen Hauch an Modernität zu verleihen. Regisseur Bartlett Sher hatte mit dem Bühnenbildner Es Devlin die Idee, durch Glaswände in Otellos Palast das Schicksal Desdemonas als Gefangene im eigenen Haus darzustellen. Mitunter wurde aber das Geschiebe dieser Wände etwas übertrieben, die Darsteller mussten aufpassen, zur rechten Zeit auszuweichen, um nicht gerammt zu werden oder hinter einer Wand singen zu müssen. Die zeitlosen Kostüme von Catherine Zuber kleideten die Protagonisten unterschiedlich, die Herren wirken in den uniformähnlichen Gewändern nicht ganz so elegant wie die Damen in den prächtigen Roben.

Yannick Nezet-Seguin dirigierte das groß aufspielende Orchester mit viel Umsicht und dem richtigen Quantum Lautstärke, die in diesem Alterswerk Verdis unbedingt und korrekt dosiert werden muss. Wie er auch im Pausengespräch anmerkte, immer bereit, bei heiklen Situationen auf der Bühne rettend einzugreifen. Das war aber nicht erforderlich, denn ein sehr gut vorbereitetes Ensemble folgte seinen Intentionen bestens. Alexandrs Antonenko war als Otello mit Erfolg bemüht, den naiven Feldherren zu spielen, der jeder List seines Widersachers zum Opfer fallen muss. Seine Stimme wirkte anfangs nicht ganz frei, leichtes Tremolo störte vor allem das lyrische Duett mit Desdemona im ersten Akt. Im Laufe der Vorstellung konnte er aber seine bekannten Stärken, die kraftvolle Attacke und die sichere Höhe unter Beweis stellen. Sonya Yoncheva brillierte als Desdemona, ihr klarer, kräftiger Sopran bewältigte die Höhen mühelos und konnte sich auch in den Ensembleszenen durchsetzen. Besonders berührend sang sie das Lied von der Weide und das Ave Maria. Es ist erstaunlich, dass eine doch sehr junge Sängerin bereits am Beginn ihrer Laufbahn eine derart schwere Partie so bravourös bewältigt. Zeljko Lucic würde man nicht unbedingt als die Idealbesetzung des Jago bezeichnen, zu brav und bieder hat man ihn noch aus anderen Produktionen in Erinnerung. Aber gelegentlich wird man in seinem Vorurteil widerlegt. Stimmlich ausgezeichnet disponiert war er im besten Sinne der böse Geist der Oper. Wie er die Herren Rivalen gegeneinander ausspielte, war große Klasse. In der kleinen Rolle des Lodovico konnte man Günther Groissböck hören, seine markige, wohlklingende Stimme hat an Kraft gewonnen.

Ein begeistertes Publikum spendete dieser gelungenen Produktion reichlich Applaus.

Johannes Marksteiner

 

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