Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

NEW YORK/ WIEN: DIE MET IM KINO: MACBETH. Anna Netrebko triumphiert als „Lady Macbeth“

12.10.2014 | KRITIKEN, Oper

Cineplex-Kino Wien Landstraße: MET IM KINO: ANNA NETREBKO  TRIUMPHIERT ALS LADY MACBETH (11. Oktober 2014)

„Macbeth“ ist die erste Shakespeare-Oper von Giuseppe Verdi – ein düsteres Stück um Macht und Ehrgeiz, um  den mörderischen Kampf um den Königsthron aus dem Jahr 1847. Würde Anna Netrebko dieses „Karriere-Monster“ glaubhaft darstellen können? Selbst Fans der russischen Diva waren skeptisch. Doch zu Unrecht! Anna Netrebko triumphierte als Lady Macbeth. Sie spielte wie ein Filmstar, zog vokal alle Register und holte einen ihrer größten Erfolge heim. Der Fachwechsel hin zu Aida und Elsa ist überfällig, man kann sich zugleich darauf freuen. Was sich bei der Troubadour-Leonore schon ankündigte, wurde nun evident. Anna Netrebko hat sich die Leichtigkeit der Piani und Koloraturen bewahrt und ist  zugleich  viel dramatischer geworden. Die Rolle der  Lady Macbeth wurde von Mezzos wie Grace Bumbry, Christa Ludwig oder Fiorenza Cossotto  ebenso erfolgreich verkörpert wie von expressiven Sopranen wie Maria Callas, Leonie Rysanek oder Mara Zampieri bzw.  Birgit Nilsson. Anna Netrebko kann mit all diesen  berühmten Vorgängerin mithalten. Sie frappiert in der Briefszene, hat die nötige Tiefe für das „La luce langue“ und begeistert mit den Koloraturen der Bankett-Szene. Und in der Schlafwandler-Szene rührt sie zu Tränen, ist lyrisch-verträumt und singt in der Schluss-Sequenz aufs hohe Piano-D hinauf. Rein optisch wird sie als Marylin Monroe-Verschnitt gehandelt. Eine große Leistung, die am Ende mit „standing ovations“ zu recht  bedankt wurde. Als Macbeth war übrigens Zeljko Lucic aufgeboten. Heute wohl einer der besten Verdi-Sänger – aber an die berühmten Vorgänger reicht er nicht heran. Aber immerhin  – das große Duett zwischen Macbeth und seiner Frau rund um den Mord an König Duncan wird zu einem Höhepunkt dieser Aufführung und die große Arie im Finale berührt. Der „Macbeth“ wird übrigens  von Fabio Luisi sehr souverän geleitet. Das Met-Orchester und der Met-Chor wirkten sehr inspiriert. Und auch die Inszenierung des britischen  Shakespeare-Spezialisten Adrian Noble (Bühne Marc Thompson) kam bei der Live-Übertragung sehr gut an. Drei Zeit-Ebenen führen zurück bis ins Mittelalter, in die Verdi-Zeit und in die Gegenwart. Zuletzt fühlt man sich mit den Machtkämpfen in der Ukraine oder im Irak konfrontiert. Hochkarätig waren auch die übrigen Rollen besetzt, Rene Pape war ein würdevoller Banquo, Joseph Calleja ein guter Macduff. Aber der Star des Abends war Anna Netrebko . In München hat sie die Lady Macbeth noch „ausprobiert“ – an der Met kam bereits die Erfüllung. Und : Anna Netrebko  hat einmal mehr Operngeschichte geschrieben.

Peter Dusek

 

Diese Seite drucken