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NEW YORK/ Wien/ Die Met im Kino: „LES PECHEURS DE PERLES“ von G. Bizet – gelungene Wiederentdeckung

17.01.2016 | Oper

Cineplexx-Kino Landstraße

MET IM KINO: DIE GELUNGENE WIEDERENTDECKUNG VON „LES PECHEURS DE PERLES“VON BIZET am (16.Jänner 2016)


Diana Damrau. Copyright: Damrau.com

Das berühmte Duett zwischen Nadir und Zurga ist wahrlich ein Opern-„Ohrwurm“; das jeder Opernfreund in diversen Aufnahmen (von Gedda bis Wunderlich) kennt. Es ähnelt dem Don Carlos-Duett, ist melancholisch und „bittersüß“ und beschwört nicht nur eine innige Männer-Freundschaft sondern auch die Sehnsucht nach einer besseren Welt. Dennoch gehört „Les Pecheurs de perles“ des 25jährigen Georges Bizet zu den Repertoire- Raritäten, die etwa an der Met in New York seit der Ära von Enrico Caruso nicht mehr gespielt wurde.

Die aktuelle umjubelte Kino-Übertragung aus der Metropolitan Opera kommt also einer Wiederentdeckung eines Werkes gleich, das noch nicht an die 12 Jahre später uraufgeführte Carmen herankommt, aber für drei Spitzensänger ein ideales „Bühnen-Vehikel“ abgibt. Peter Gelb liefert mit Matthew Polenzani, Mariusz Kwiecien und Diana Damrau ein solches starkes Trio. Da auch der Dirigent –Gianandrea Noseda (u.a. „Chef“ im Teatro Regio in Turin)– hervorragend ist und die Inszenierung von Penny Woolcock (Bühne Dick Bird) zwar etwas hölzern aber insgesamt stimmig ist, kann die MET einmal mehr ihre vokale „Marktführerschaft“ unter Beweis stellen. Auch ohne Superstars!

Die Handlung der „Perlenfischer“ ist rasch erzählt. Die Oper spielt eigentlich in Ceylon, in einem Dorf am Meer, wo die jungen Männer nach Perlen tauchen. Zwei Freunde – Nadir und Zurga – geraten über eine von beiden begehrte Tempelpriesterin namens Leila aneinander. Sie schwören Verzicht, brechen ihr Gelübde; aus Männerfreundschaft wird Hass und Rache. Zuletzt rettet Zurga das Leben von Nadir und Leila und opfert sein eigenes Leben in den von ihm provozierten Flammen…Eine typische etwas schräge Opernhandlung, wenn nur gut genug gesungen wird.

An der MET wird: Diana Damrau muss als lyrischer Koloratur-Sopran zeitweise jungdramatische Töne entwickeln. Sie ist ungünstig kostümiert(Kevin Pollard), spielt etwas zu manieriert – aber insgesamt liefert die aus Deutschland stammende Sängerin eine so exzellente stimmliche Leistung, dass man dem Team von Peter Gelb nur gratulieren kann. Hervorragend auch der US-Tenor mit italienischen „roots“ Matthew Polenzani. Er ist lyrisch aber wenn nötig auch männlich-kernig. Er spielt souverän und kostet den Freundschafts-Ohrwurm samt den vielen Wiederholungen geradezu genüsslich aus. Die beste Leistung des Abends liefert jedoch der polnische Bariton Mariusz Kwiecien. Er singt mit herrlichem Timbre, liefert die nötigen emotionellen Farben und bleibt ein einmaliger Sympathie-Träger. Phantastisch!

Der Dirigent Noseda animiert Chor und Orchester der Metropolitan Opera; und in einer Nebenrolle bewährt sich der Bass Nicolas Testé als Nourabad. Die Inszenierung schwankt zwischen Universum-Filmeinblendungen (Perlenfischer und Tsunami) und etwas hilfloser Chorführung. Es gibt keine alten Tempel, dafür Slums von heute. Aber „Les pecheurs de perles“ handelt von den Abgründen der Seele und die lassen sich nicht von Äußerlichkeiten zudecken.

Peter Dusek

 

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