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NEW YORK/ WIEN/ Die Met im Kino: CARMEN

02.11.2014 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Georges Bizet: CARMEN. Metropolitan Opera New York Live in HD. 01. November 2014

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Aleksandrs Antonenko, Anita Rachvelishvili. Foto: Metopera

 Wie Joyce Di Donato als Moderatorin zu Beginn der Kinoübertragung von Bizet’s Carmen hingewiesen hat, wurden die vier Hauptpartien von Sängern interpretiert, die allesamt aus dem osteuropäischen Raum stammen.

 Die Georgierin Anita Rachvelishvili, aktuell an allen größeren und kleineren Häusern als Carmen im Dauereinsatz, war als Interpretin der Titelrolle aufgeboten. Und schnell war klar, warum sie in dieser Partie so gefragt ist. Sie ist schon rein optisch eine Carmen, da muss das Make-Up-Department nicht mehr viel tun. Die Sängerin verfügt aber auch über einen starken, schön timbrierten und leicht rauchigen Mezzosopran, der etwas Präsenz in der Mittellage verliert, der aber besonders in der Tiefe stark zur Geltung kommt. Sie wirft sich mit Hingabe in die Rolle, spielt mit expressiver Leidenschaft, manchmal auch schon ganz schön deftig. Diese Carmen zeigt was sie hat, und Don José springt darauf sehr schnell an.

Dieser wird vom Letten Aleksandrs Antonenko interpretiert, der als Figur etwas blass bleibt, sich aber sichtlich bemüht, mit der feurigen Carmen der Rachvelishvili mitzuhalten. Gesanglich kommt er erst ab dem dritten Bild in Fahrt, aber da so richtig. Im Duett mit Micaela gelingen ihm zwar sanfte Zwischentöne, doch generell fallen ihm die zarten Lyrismen eher schwer, wodurch auch die Blumenarie etwas zu grob erklingt. Der Mann hat da teilweise so viel Stimme, dass er wohl gar nicht weiß, wohin damit. Aber in den beiden letzten Akten kann er voll auftrumpfen, da bleiben keine Wünsche offen. Die vokalen Wutausbrüche und die in der Folge sicher gesetzten Spitzentöne machen seine Stärken deutlich hörbar. Je dramatischer die Partie, umso ergreifender wird Antonenko. Die finale Konfrontation Don Josè’s mit Carmen machen Rachvelishvili und Antonenko zu einem packenden Stück Musiktheater.

Der russische Bass Ildar Abdrazakov singt einen guten Toreador, auch wenn seine tiefen Töne etwas blass erklingen.

Bleibt noch die Rumänin Anita Hartig, dem Wiener Publikum bestens bekannt, in der Rolle der Micaela. Sie singt alles richtig, doch ihr Vortrag gerät etwas eindimensional und man hat diese Partie vokal schon farbenreicher gehört. Unter Druck und in den Spitzentönen gerät die Stimme schon etwas scharf.

Die Nebenrollen sind gut besetzt und auch der Chor präsentiert sich gut disponiert. Für eine besondere Atmosphäre sorgt der erotische Pas de deux den zwei Solotänzer je zu Beginn und vor dem dritten Akt präsentieren.

Der junge spanische Dirigent Pablo Heras-Casado leitet das MET-Orchester mit Sicherheit und sorgt für spannende Momente aus dem Orchestergraben.

Nach dem etwas verunglückten Figaro gelang der MET mit dieser Carmen-Übertragung wieder ein guter Opernabend in der Reihe „MET Opera Live in HD“.

 Lukas Link

 

 

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