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NEW YORK/ Metropolitan Opera: DIE SACHE MAKROPULOS

14.05.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

NEW YORK MET: DIE SACHE MAKROPULOS WA – 11.5.2012


Richard Leech, Karita Mattila. Foto: Cory Weaver

 Der Generaldirektor der Met, Peter Gelb, wollte mit zwei Meisterwerken aus dem 20. Jahrhundert die „Ring“- lastigen Monate April und Mai 2012 etwas auflockern und setzte die beiden erfolgreichen Met-Inszenierungen „Die Sache Makropulos“ von Leos Janácek und „Billy Budd“ von Benjamin Britten auf den Spielplan und mitten in die „Ring“-Zyklen hinein. Damit wollte er bereits auch einen Bogen schlagen zu einer Neuproduktion der Met von Thomas Adès’ „The Tempest“, die in diesem Oktober heraus kommt und bereits ausverkauft ist. Das gab den vielfach weit angereisten „Ring“-Besuchern die Gelegenheit, zwei überaus sehenswerte und sehr gut besetzte Produktionen zu erleben, die an der Met große Erfolge feierten.

 Elijah Mohinsky inszenierte „Die Sache Makropulos“ zu ihrer EA an der Met 1996, damals noch auf Englisch gesungen. Jessye Norman sang die Emilia Marty. Es gab WA 1998 und 2001 auf Tschechisch unter Charles Mackerras mit Catherine Malfitano in der Hauptrolle. Die Produktion beeindruckt durch ihr modern abstraktes Design und die mondän wirkenden Bühnenbilder von Anthony Ward, die der Schwere und Mysteriosität der Handlung gemäß in dunklen Tönen gehalten sind und durch eine effektvolle Lichtregie von Howard Harrison stimmungsvoll in Szene gesetzt werden. Das erste Bild wird vom riesigen schwarzen Porträt einer lasziv blickenden Frau im Andy Warhol Stil beherrscht. Ein schwarzer Paravent auf der bis zur maximalem Höhe optimal ausgespielten Riesenbühne der Met ist mit allerlei mysteriösen Schriftzeilen versehen, welche die ganze lange aktenkundige Geschichte des Makropulos Case, wie er an der Met heißt, zu suggerieren scheinen. Im 2. Akt symbolisiert eine dunkel im Hintergund dräuende Sphinx das nahezu biblische Alter der Emilia Marty. All das erzeugt eine schwere und drückende Stimmung, in der sich die an Emotionen und Skurrilität reiche Handlung mit psychologisch ausgefeilter Personenregie schlüssig und spannend entwickelt. Der Regisseur legte dem Stoff entsprechend viel Gewicht auf eine genaue Charakterzeichnung der Protagonisten und ihre jeweiligen Spannungsverhältnisse. Dazu schuf Dona Granata elegante dunkle Kostüme unserer Zeit, die diesem „Fall Makropulos“ durchaus einen Gegenwartsbezug verliehen.

 Die zu Recht an der Met sehr beliebte Karita Mattila ist eine ganz große und mysteriöse Emilia Marty. Mit schauspielerischer Souveränität und der gewissen Distanz zu den übrigen Akteuren spielt sie die obskure Rolle, als sei sie schon seit 300 Jahren damit vertraut… Mit ihrem kräftigen und bestens intonierenden Sopran schafft sie mühelos die Höhen der Partie und kann in der Mittellage, wie nicht zuletzt der lange Monolog im 3. Akt belegt, mit einer charaktervollen und farbigen Tongebung sowie enormer Bühnenpräsenz beeindrucken. Johan Reuter als Jaroslav Prus überzeugt in dieser Rolle mit einem guten Bariton und gestaltet sie engagiert. Richard Leech ist mit seinem kraftvollen, fast heldischen Tenor ein nachdrücklicher Albert Gregor. Tom Fox singt Dr. Kolenatý mit seinem ausdrucksvollen Bass-Bariton und großer Souveränität. Der Sohn von Jaroslav Prus, Janek, wird von dem jungen Matthew Plenk mit einem guten Tenor gesungen. Er graduierte im Lindemann Young Artist Development Program der Met. Emalie Savoy, die Kristina mit einem etwas leichten Mezzo singt, ist noch in diesem Programm in der Ausbildung. Alan Oke als Vitek, Bernard Fitch als Graf Hauk-Schendorf, James Courtney als Theatermaschinist, Jane Shaulis als Reinigungsfrau und Edyta Kulczak als Zimmermädchen runden das sehr gute Ensemble ab.

 Jiri Belohlávek dirigiert das Orchester der Met mit viel Verve. Schon das rhythmische Vorspiel kann einen gleich zu Beginn in den Bann ziehen. Er dirigiert sehr sängerfreundlich, schafft große Harmonie zwischen Bühne und Graben und sorgt dafür, dass die hohe Spannung nie abreißt. Starker Auftrittsapplaus für ihn und das Orchester zum 2. Akt dokumentierte, dass der Funke voll auf das Publikum übergesprungen war. So gelang der „Fall Makropulos“ an der Met aus einem Guss. Großer Beifall für alle Sänger, mit Karita Mattila an der Spitze.

(Fotos in der Bildergalerie)

 Klaus Billand

 

 

 

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