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NEW YORK/ Die MET im Kino/Wien Cineplexx: DON GIOVANNI mit Keenlyside-Comeback

23.10.2016 | Oper

NEW YORK/ Cineplexx Wien:/ Die Met im Kino: DON GIOVANNI am 22.10. 2016

Bildergebnis für metropolitan opera don giovanni keenlyside
Simon Keenlyside. Copyright: Metopera

Es ist nicht ganz unproblematisch, Rezensionen über Opernaufführungen im Kino zu schreiben, denn schließlich gibt der Kinosaal keinen Aufschluss darüber, wie groß die Stimmen der Sänger sind. Klingensiedoch, dank der technischen Übertragung, als würden sie alle in etwa über das gleiche Volumen verfügen. Das mag im Opernhaus anders klingen. Was allerdings eine Opernaufführung im Kino verstärkt und somit noch deutlicher hörbar macht, sind die Stärken aber auch die Schwächen eines Sängers.

Diese Aufführung von Mozart’s Meisterwerk Don Giovanni, die weltweit in die Kinos übertragen wurde, betonte erfreulicherweise deutlich die Stärken.

Die Inszenierung aus dem Jahr 2011 von Michael Grandage ist konventionell und die Kostüme von Christopher Oram siedeln diesen Don Giovanni im 18. Jahrhundert an. Den Mittelpunkt des Bühnenbildes stellt eine Hausfassade dar, die mit einer Vielzahl an Balkonen ausgestattet ist, und die den Sängern die Möglichkeit bieten, rasch auf- und abzutreten. Diese Hausfassade öffnet sich, um Platz für große Ensembleszenen zu schaffen, wie beispielsweise das große Fest bei Giovanni am Ende des ersten Aktes oder die Finalszene.

In der Titelrolle feierte Simon Keenlyside nach Krankheit und langer Genesungszeit in einer seiner Paraderollen sein Comeback auf der Bühne der Metropolitan Opera. Keenlyside präsentierte sich in sehr guter stimmlicher Verfassung, sein Bariton klar und robust, mit hervorragender Phrasierung. Besonders hinreißend im Piano, seine Liederqualitäten kamen in der Serenade bestens zur Geltung. Keenlyside‘s Giovanni ist ein Energiebündel. Es ist ein Genuss zu sehen, was er an darstellerischen Feinheiten aus der Rolle herausholen kann. Auch rein physisch ist der Sänger in Topform. Es ist schon beeindruckend wie der englische Bariton in der Schlussszene aus dem Stand heraus auf den Tisch springt. Das soll ihm mal einer nachmachen.

An seiner Seite erwies sich Adam Plachetka mit seinem ausgeglichenen Bass-Bariton als sehr unterhaltsamer Leporello.Seine Katalog-Arie machte wirklich Eindruck, und sein Zusammenspiel mit Keenlyside war besonders amüsant. Der Leporello steht Plachetka besser als der Titelheld. Mit diesem gelungenen Auftritt, der immerhin Millionen von Menschen erreichte, machte er sicher einen wichtigen Schritt für seine weitere Karriere.


Hibla Gerzmava, Paul Appleby. Copyright: Metopera

Die abchasische Sopranistin Hibla Gerzmavawar schon eine leicht dramatische Donna Anna, die mit ihrem sehr sicher geführten Sopran aber alle Klippen der Partie meisterte und beachtliches technisches Können demonstrierte. Auch wenn sich im dramatischen Ausbruch, wie in der Rache-Arie als auch bei den besonders exponierten Höhen bei Non mi dir, eine gewisse Höhenschärfe und ein leichtes Flackern in der Stimme einstellte. Das soll die Leistung in ihrer Gesamtheit nicht mindern. Eine hervorragende Donna Anna.

Sensationell in jeder Hinsicht war jedoch der Don Ottavio des 33-jährigen US-Amerikaners Paul Appleby, der auf den Sprung zu einer Weltkarriere ansetzt. Es ist erstaunlich mit welcher Sicherheit der junge Tenor die schwierige Partie des Don Ottavio meisterte. Bei Dalla sua pacebeeindruckte er mit harmonischem Ton und einem hinreißenden Legato, doch mit Il mio tesoro setzte er den vokalen Glanzpunkt. Dank seiner ausgezeichneten Atemtechnik bereiteten ihm die langen Phrasen und herrlich ausgeführten Verzierungen keinerlei Mühe. Das Timbre ist schön, für Mozart ideal, die Stimme besitzt die nötige Kraft, und dazu sieht der junge Mann auch noch sehr gut aus. Ein Sänger, der so alles mitbringt, was man sich wünschen kann. Ein Tenor, den man sich wird merken müssen.

Eine Donna Elvira von deutlich dramatischem Zuschnitt war die Schwedin Malin Byström, die den Abend mit etwas enger und unausgeglichener Stimme begann. Vielleicht war dieser eigenwillige Vortrag auch beabsichtigt, denn Byström ließ zu keinem Zeitpunkt den Zweifel aufkommen, dass ihre Elvira wohl nicht mehr ganz die Herrin ihrer Sinne ist. Zumindest legte Byström’s Mimik und ihremanchmal schon Over-the-top-Attitüde diese Vermutung nahe. Die Sopranistin hat dann ihren Rhythmus gefunden, und die Stimme blühte immer mehr auf.

Die italienische Mezzosopranistin Serena Malfi befreite die Zerlina vom Klischee des süßen Bauernmädchens. Charmant im Vortrag, mit farbenreichem Mezzo, war sie schon eine recht selbstbewusste Zerlina. Matthew Rose’s Masetto verfügte über mehr vokale Sonorität als der Rolle vielleicht guttut. Kwangchul Youn war ein verlässlicher Komtur, auch wenn man in dieser Rolle eine Stimme mit mehr Schwärze erwarten würde.

Fabio Luisi ließ aus dem Orchestergraben einen zupackenden Mozart hören, der dem Dramma giocoso in den entscheidenden Momenten genug Feuer gab, aber den Sängern immer auch ein guter Begleiter war.

Am Ende gab es viel Jubel vom MET-Publikum und auch die Kinobesucher zeigten sich begeistert. Mit Recht. Joyce DiDonato führte als Moderatorin durch den Abend und schaffte es tatsächlich, alle Protagonisten, mit Ausnahme des Komturs  (Youn), zu interviewen. Nach dem Schlussvorhang durften die Zuschauer dann nochmal einen Blick hinter die Kulissen werfen und beobachten, wie die Sänger sich alle gegenseitig liebevoll umarmten, und sie sich mehr oder weniger voneinander verabschiedeten. Es war die letzte Vorstellung dieser Aufführungsserie. Die Sänger strömten hinaus zu neuen Aufgaben.

Lukas Link

 

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